Sonntag, 23. November 2014

Im Dialog: Gabriele Krone Schmalz über Ukraine-Konflikt, Russland, Putin, Medien

Im Dialog: Gabriele Krone Schmalz über Ukraine-Konflikt, Russland, Putin, Medien [32:57]

Veröffentlicht am 05.10.2014
04.Oktober 2014: Im Phoenix-Dialog spricht Alfred Schier mit der Journalistin Gabriele Krone-Schmalz über Ukraine-Konflikt, Russland, Putin, Medien.
Die Fernsehjournalistin Gabriele Krone Schmalz gilt als eine der deutschen Russland-Expertinnen. Die studierte Historikerin und Politikwissenschaftlerin war von 1987 bis 1991 Moskau-Korrespondentin der ARD und ist heute als Professorin für TV und Medienwissenschaften tätig. Als Trägerin der Puschkin-Medaille für ihren Beitrag zur deutsch-russischen Zusammenarbeit und Mitglied des Lenkungsausschusses des "Petersburger Dialogs" setzt sie sich für mehr Verständnis für Russland ein.
Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise übte Krone-Schmalz Kritik an einigen deutschen Medien, die ihrer Meinung nach einseitig und verfälschend berichten. Für ihren Standpunkt in einer Talkshow war sie selbst öffentlich als putin-nah kritisiert worden.
Quelle: http://x2t.com/326393


»Es geht darum, daß man mit Sprache nicht gut umgeht. […] Es hat sich so eingebürgert, das ist dann ja auch leichter, wenn man das sagt, was alle sagen. […] Man muß präziser mit Sprache umgehen, und man muß respektvoller damit umgehen. […]
Guten Journalismus zeichnet aus, daß man zuerst einmal anständig recherchiert, und zwar ohne Ansehen der Person. Daß man Dinge zur Kenntnis nimmt, egal, wo sie herkommen. Ich muß natürlich wissen, wo sie herkommen, aber ich kann nicht aufgrund der Quellenlage von vorneherein sagen: ›Das ist schlecht, und das ist gut.‹ Ich legen zum Beispiel großen Wert darauf, den Studenten zu sagen: ›Wenn Sie Pressematerial bekommen […], müssen Sie checken, ob das stimmt.‹ Ich muß als Journalist erstmal alles anzweifeln, egal, wo’s herkommt. Ob aus Washington, ob Moskau, ob Brüssel […], und ich muß versuchen, es zu erklären. Politik läuft nach völlig anderen Gesetzen, und als Journalist muß ich doch zumindestens versuchen, […] die Interessen, die dahinterstehen, denjenigen, die im Endeffekt in der Demokratie dafür verantwortlich sind, wie ’ne Gesellschaft sich weiterentwickelt, denjenigen die Basis zu liefern, daß sie richtige Entscheidungen treffen. […] 
Wenn man versteht, daß es mehr als eine Wahrheit gibt, das ist schon mal eine gute Voraussetzung. Da ist vielleicht auch so ein Begriff wie Demut ganz angebracht. Daß man nicht von vornherein meint: ›Ich weiß es jetzt ganz genau.‹, sondern daß man ein bißchen zurückhaltender ist. Daß man sich auch Fragen verweigert, zum Beispiel von Kollegen, die zuhause im Studio sitzen und fragen: ›Wie geht denn das jetzt weiter?‹ Dann müßte man einfach sagen: ›Ich weiß es nicht!‹ […] 
Das Problem ist, daß, wenn man versucht, eine Position zu erklären – es irritiert zunächst  mal die, die etwas anderes machen –, und wenn sich das dann noch dazu auf einer Ebene abspielt, daß derjenige, den man versucht zu erklären, im Grunde genommen total in der Ecke steht, dann ist das schwer für einen selber. […] Ich kann nicht in einer Gesellschaft leben, die ständig von Zivilcourage redet, aber wenn man die dann braucht, um eine Position zu vertreten, die in einer Demokratie dazu führt, daß man ausgegrenzt wird… Ja, du lieber Gott…«  ( Video ab 32:50)


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