Sonntag, 9. November 2014

Kapitalismus: Eine Firma mit null Angestellten vergibt Milliardenkredite

Legal? Im Grunde ja - außer eben Dutchdelta erwiese sich als fremdgelenkte Briefkastenfirma. Und genau an dieser Stelle wird es womöglich unangenehm für Eon. Denn um als eigenständige Firma gelten zu können, muss Dutchdelta selbst nach den eher schwammigen Luxemburger Gesetzen ein paar Kriterien erfüllen.

Die international gängige Maßeinheit ist hierfür die Frage nach der "Substanz". Hat eine Firma wirklich Substanz in einem Land, oder ist sie eine leere Hülle? Zentral ist für diese Einschätzung, ob die wichtigen Entscheidungen im Land fallen. So genannte "key decisions", also Schlüsselentscheidungen, müssen laut Luxemburger Regularien in Luxemburg fallen. Zudem muss die Mehrheit der Manager oder Verwaltungsräte aus Luxemburg sein, oder zumindest dort geschäftlich tätig.

Ein erster Blick in die Bilanzen weckt Zweifel. An der Luxemburger Adresse der Konzerntochter hat über die Jahre nämlich keineswegs ein vielköpfiges Spezialistenteam an diesen Finanzierungsmodellen herumgetüftelt. Vielmehr hatte Dutchdelta den Unterlagen zufolge zeitweise offenbar zwar zwei Luxemburger Verwaltungsräte - aber keinen einzigen Angestellten. So steht es wörtlich in einer Bilanz, Angestellte 2011: "0".
mehr:
- Luxemburg-Leaks zu Eon – Selbst die eher schwammigen Luxemburger Gesetze stellen ein paar Bedingungen (Süddeutsche Zeitung, 07.11.2014)

Putin spricht Klartext, oder wozu Merkel der Mumm fehlt [1:53]

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Im Jahr 2008 lieh die Luxemburger Gesellschaft DutchDelta Sàrl und eine weitere Gesellschaft in Malta insgesamt 200 Millionen Euro an eine E.On Gruppe in Großbritannien, eine Milliarde Euro an E.ON Schweden und 2,6 Milliarden Dollar an E.ON in den USA. Für die Kredite der Tochtergesellschaft werden aus dem Ausland hohe Zinsen nach Luxemburg überwiesen (Schätzungen zufolge handelt es sich um zweistellige Millionenbeträge). Durch diese Buchungen sinkt die Steuerlast in Großbritannien, Schweden und den USA. Anschließend überweist DutchDelta die Gewinne wiederum an andere Offshore-Gesellschaften und bucht somit auch in Luxemburg Verluste. Deshalb fallen auch dort kaum Steuern an. Im Jahr 2012 nahm DutchDelta 130 Millionen Euro ein und zahlte 1.600 Euro Körperschaftsteuer.[45][46][47] (E.ON, Steuervermeidung, Wikipedia, Hervorhebung von mir)
Happy Hour (Quelle: Cicero)

siehe dazu auch:
- Auch Bundesregierung nutzt Junkers Steuerparadies (Neue Rheinische Zeitung, 08.11.2014)
„Nicht nur Privatunternehmen, sondern auch die deutsche Bundesregierung hat in den letzten Jahren Gelder im Steuerparadies Luxemburg geparkt“, erklärt Niema Movassat, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zu dem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gegründeten Africa Agriculture and Trade Investment Fund (AATIF) mit Sitz in Luxemburg, wo unter anderem keine Ertragssteuer und nur eine einmalige Kapitalsteuer fällig wird.

Luxemburg erspart Konzernen Milliarden Steuern (Eurotopics, 07.11.2014)
Luxemburgs Regierung hat hunderte Konzerne dabei unterstützt, Milliarden an Steuerzahlungen zu umgehen. Das deckten mehrere internationale Medien am Donnerstag auf. Kommentatoren fordern eine gemeinsame europäische Politik im Kampf gegen Steuerflucht und den Rücktritt des EU-Komissionspräsidenten und früheren luxemburgischen Premiers Jean-Claude Juncker.

Luxemburg-Leaks: „Auf dem Weg zur Steuergerechtigkeit“ (Post, 06.11.2014)
Wie Dokumente belegen, die am Donnerstag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, haben hunderte Konzerne in Luxemburg dank geheimer Absprachen mit staatlichen Stellen Steuern in Milliardenhöhe am Fiskus vorbei jongliert.
Die rund 28 000 Seiten umfassenden Unterlagen wurden im April von unbekannter Stelle an das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington weitergeleitet. Daraufhin begann eine monatelange Recherche von mehr als achtzig Journalisten in 26 Ländern, an der auch die Süddeutsche Zeitung, der NDR sowie der WDR, der britische Guardian und die französische Le Monde unter Koordination des ICIJ beteiligt waren. Der Journalistenverein stellte am Donnerstag erstmals einen Teil der Unterlagen der „Luxemburg Leaks“ auf seiner Webseite der Öffentlichkeit zur Einsicht zur Verfügung.. 


- Die EU, Steuer-Oasen und schlechte Prognosen (Post, 06.11.2014)
In der Amtszeit von Jean-Claude Juncker als Premier hat die Regierung von Luxemburg offenbar zahlreichen Konzernen geholfen, Steuern in anderen Ländern zu vermeiden. Teilweise haben einzelne Konzerne weniger als ein Prozent Steuern gezahlt. 

- Wenn es in Europa anständig zuginge, dann wäre der Rücktritt des gerade ernannten Präsidenten der Europäischen Kommission fällig. (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 06.11.2014)
Kommissionspräsident Juncker war Ministerpräsident und Finanzminister des Großherzogtums Luxemburg, als dieses mit einer Reihe von Großkonzernen Vereinbarungen traf, die diesen Konzernen erlaubten, mit Tricks Milliarden von Steuern zu vermeiden. Siehe dazu den Bericht der Süddeutschen Zeitung. Das ist in vielerlei Hinsicht ein Skandal: den Völkern Europas fehlen Finanzmittel, die sie, wie wir alle wissen, dringend bräuchten. Es ist weiter ein übler Skandal, weil durch solche Machenschaften kleine und mittlere Unternehmen sowie die Lohnsteuerzahler benachteiligt werden. Damit wird mit der Steuervermeidung der großen Konzerne die Konzentration der Wirtschaft in großen Unternehmen gefördert. Man braucht nur durch deutsche Innenstädte zu gehen, wo kleine Einzelhandelsgeschäfte verschwinden und durch die Filialen von steuerhinterziehenden Großkonzernen ersetzt werden. Das mindeste, was wir von Herrn Juncker verlangen können, ist, dass er als Kommissionspräsident aktiv wird, um solche Steuervermeidungstricks in Europa künftig unmöglich zu machen.

- Freiheit, Demokratie und Postenschacherei (Post, 17.10.2014)
Auch Konservative sind entsetzt, dass eine slowenische Schamanin bald für den Verkehr zuständig sein soll

Zeıtbombe Steuerflucht Offshore Steueroasen arte Doku 2014 Deutsch [1:46:30] 

Veröffentlicht am 19.08.2015
alter Info-Text:
02.10.2014
Gerade erst mit dem Geld der Steuerzahler gerettet, erarbeiten die Banken neue Strategien, um ihren reichen Kunden die Steuerhinterziehung zu ermöglichen. Di.
Es wird Geschichte gemacht, wenn EU-Vermittler Robert Cooper ein Abkommen über eine stabile Koexistenz zwischen dem Kosovo und Serbien herbeiführen soll. Reg. Gerade erst mit dem Geld.
Geht unser Erdölzeitalter zu Ende? Öl ist der Motor unserer Zivilisation, Synonym unserer Zeit. Täglich verbrennen wir rund 14 Milliarden Liter des kostbaren…

Bankster – Der Tanz der Geier (Doku auf Arte) [1:06:27]

Veröffentlicht am 18.12.2012
Mit der Regierungsübernahme Margaret Thatchers in Großbritannien 1979 und Ronald Reagans in den USA 1981 beginnt eine "neoliberale Revolution", den Kapitalismus zu verändern. Die Politik verzichtet zunehmend auf ihren regulierenden Einfluss zugunsten eines freien Spiels der wirtschaftlichen Kräfte. Damit verliert der Kapitalismus immer mehr seine sozialen Aspekte. Deregulierung lässt die Banken immer mächtiger werden, und aus dem Investitionskapitalismus wird ein hemmungsloser Spekulationskapitalismus. Überall werden neue Finanzinstrumente erfunden, deren Nutzen mehr als fragwürdig ist. Risiken werden kleingeredet, um die Bevölkerung zu beruhigen. Grenzenlose Verschuldung privater wie öffentlicher Haushalte wird zum Regelfall. Geschäftsbanken, Hedgefonds und Versicherungen gehen ungeahnte Risiken ein. Geld bewegt sich immer schneller rund um die Welt. Ob Rohstoffe, Immobilien oder undurchschaubar gewordene Finanzinstrumente -- die Spekulanten machen vor nichts halt, sofern Profit angesagt ist. Nichts kann sie aufhalten. Und dann platzen im Jahr 2007 zunächst in den USA die Immobilienkredite und eine weltweite Finanzkrise setzt ein, die bis heute nicht ausgestanden ist. Mit einem zweiteiligen Dokumentarfilm von Jean-Michel Meurice und Fabrizio Calvi zeichnet der Themenabend die dramatische Entwicklung der letzten Jahrzehnte nach.
alter Info-Text:
Veröffentlicht am 21.05.2014
Reportage - Arte - Der Tanz der Geier
(02.10.2012)
Der Neo-Liberalismus in der Wirtschaftspolitik hat im Verlauf der letzten 30 Jahre die
Banken immer mächtiger werden lassen. Profit hat oberste Priorität. Dabei gerät die
Politik immer mehr unter den Einfluss omnipräsenter Finanzmanager. Wird die
gegenwärtige Finanzkrise daran etwas ändern?
Geschäftsbanken, Hedgefonds und Versicherungen spielen mit Risiken und Vertrauen, mit
wahren und falschen Werten. Derivate werden immer komplexer, Kommissionen steigen ins
Unermessliche, und Geldmengen bewegen sich immer schneller um die ganze Welt. Die
Gefahr einer Finanzblase steigt. Ob Rohstoffe, Immobilienkredite oder undurchschaubar
gewordene Finanzinstrumente - die Spekulanten machen auf der Suche nach Profit vor
nichts halt.
Wie konnte sich dieses System durchsetzen, und warum können die Staaten es nicht mehr
kontrollieren? Die Antwort scheint nahe zu liegen: Die Bankiers haben die Macht
übernommen. In den Vereinigten Staaten etwa ist die „Krake" namens Goldmann Sachs
allgegenwärtig und viele Männer und Frauen in Machtpositionen waren oder sind immer
noch für diese Bank tätig. Auch in Europa, vor allem in Brüssel, schreiben die
omnipräsenten Banken den Staaten ihre Gesetze vor. Und eine Änderung ist trotz
globaler Finanzkrise nicht in Sicht.

Putin spricht Klartext, oder wozu Merkel der Mumm fehlt [1:53]
Einbetten auf Anfrage deaktiviert, hier ist der Youtube-Link
Veröffentlicht am 20.12.2012
Dies ist ein Ausschnitt aus der deutschen Doku
"Ich Putin - Ein Porträt" ARD 2012 /NU6TDB7v7EQ
Die Orginalversion zu diesem Video finden Sie unter /0MntxIPL8xo Die Firma gibt es immer noch, schauen Sie doch mal rein: Google- 2013 ОАО «Пролетарский завод».
Die Firma in diesem Video heißt "Пролетарский завод" , die Adresse und die Tel.-Nr. "© 2013 ОАО «Пролетарский завод». Санкт-Петербург, ул. Дудко, 3, тел.: +7 (812) 600-12-80.
Das war keine "Propagandaveranstaltung", sondern ein tatsächliches Ereignis 2009. Es ging um drei Kern-Unternehmen der Stadt Pikalevo im Leningrader Bezirk. Da die Beschäftigten keinen Lohn mehr erhielten, wurde von ihnen eine breite Protestaktion gestartet, mit Blockieren von wichtigen Strassen und einer Bahnlinie.
Putin musste sich persönlich einsetzen, um zu sicher zu sein, dass die Fabriken nicht nur wieder Produktion starten, sondern dass auch die vollständige Rückzahlung der Schulden auf die Löhne der Mitarbeiter stattfindet.
Die Firma gehörte damals Oleg Deripaska und sollte geschlossen werden, weil der Gewinn nicht hoch genug war. Es ging um tausende Arbeitsplätze. Das Unternehmen wurde durch Putins Einsatz gerettet und ist heute ein florierendes Unternehmen. W.W.


siehe dazu auch:
- Das Kartenhaus der globalisierten Finanzwelt und die Logik der Spekulation (Kritisches Netzwerk, 06.11.2014)
- ein seltsames abstraktes Zeitreisespiel - »Schluss mit schnell«
eine Filmdokumentation von ARTE.tv

Die globalisierte Beschleunigung hat uns alle fest im Griff. Verantwortlich für diese Geschwindigkeit ist die unkontrollierte Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft. Wir sind in einem Zustand permanenten Zeitdrucks. Doch überall auf der Welt verweigern sich immer mehr Menschen dem allgegenwärtigen Stress. Eine Ode an das selbstbestimmte Leben.
Immer schneller, immer effizienter, immer rentabler - was haben wir aus der Zeit gemacht? Die Zeit scheint sich dem allgemeinen Maß des Geldes nicht mehr entziehen zu können. Wir sind in die Ära der Beschleunigung eingetreten, in die Ära der Norm gewordenen Unverzüglichkeit. Aber zu welchem Preis? Im Finanzwesen und in der High-Tech-Branche führt der immer größere Zeitdruck zu ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen.


Schluss mit schnell | Doku [42:33]

Veröffentlicht am 07.11.2015
Immer schneller, immer effizienter, immer rentabler - was haben wir aus der Zeit gemacht? Weltweit entsteht eine Gegenbewegung, um zu einem Umgang mit der Zeit zurückzufinden, der Aufmerksamkeit, Geduld und Sinnhaftigkeit ermöglicht.
Veröffentlicht am 26.02.2015
Der Dokumentarfilm (2014) untersucht in verschiedenen Ländern die besorgniserregende Umwandlung der natürlichen Ressourcen in Handelsgüter, die in monetäre K.
Immer schneller, immer effizienter, immer rentabler - was haben wir aus der Zeit gemacht? Die Zeit scheint sich dem allgemeinen Maß des Geldes nicht mehr ent.
Legal Dokumentarfilmen ansehen Für die öffendliche Verbreitung von Wissen!

Dokumentation von 2013. Seit Jahrzehnten plündert eine Armada von Fangflotten die Weltmeere - mit verheerenden Folgen: Experten schätzen, dass 90 Prozent des.
alter Info-Txt:
Veröffentlicht am 21.10.2014
Immer schneller, immer effizienter, immer rentabler - was haben wir aus der Zeit gemacht? Die Zeit scheint sich dem allgemeinen Maß des Geldes nicht mehr entziehen zu können. Wir sind in die Ära der Beschleunigung eingetreten, in die Ära der Norm gewordenen Unverzüglichkeit. Aber zu welchem Preis? Im Finanzwesen und in der High-Tech-Branche führt der immer größere Zeitdruck zu ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen.
Doch es gibt eine Gegenbewegung: Weltweit haben Frauen und Männer beschlossen, sich auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen dem Diktat der Dringlichkeit zu widersetzen. In Europa, Lateinamerika, den USA und Indien gibt es Initiativen einzelner Personen und Vereine, die nach Wegen suchen, um zu einem Umgang mit der Zeit zurückzufinden, der Aufmerksamkeit, Geduld und Sinnhaftigkeit ermöglicht.
"Wer sind diese neuen Rebellen, die einen anderen Rhythmus vorleben, um eine fruchtbare Beziehung mit der Zeit wiederzuentdecken? Das Barefoot College in Indien zum Beispiel bildet Tausende von Frauen aus ländlichen Gebieten in der Herstellung von Solartechnik aus. Auch Versuche der Entglobalisierung können zur Entschleunigung beitragen: Die Städte Romans-sur-Isère und Bristol führen eine Alternativwährung ein, um das tägliche Leben wieder lokaler zu gestalten. Und im amerikanischen Ithaca haben Landwirtschafts- und Kreditgenossenschaften bereits bewiesen, dass sie die Wirtschaft lokal verankern können.
Als Gegenmodell zum Wettlauf um Zeit und Rentabilität könnten diese Alternativen beispielhaft für die Welt von morgen sein. Im Grunde sind sie die praktische Umsetzung der kritischen Analysen von Philosophen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftlern und Forschern wie Pierre Dardot, Rob Hopkins, Geneviève Azam und Bunker Roy."


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