Sonntag, 21. August 2016

Doping bei Olympia: Der schwarze Medaillenspiegel

Runter vom Treppchen! Die Olympiageschichte ist voller Sieger, die später des Dopings überführt wurden. Sie mussten ihre Medaillen zurückgeben. Ein Ranking der Schande

Eine Liste der überführten Dopingsünder, die Medaillen zurückgeben mussten, finden Sie hier.

Eine olympische Medaille war mal für die Ewigkeit gedacht. Das stimmt längst nicht mehr. Denn viele, denen eben noch was um den Hals baumelte, mussten das Ding später wieder abgeben. Sie waren gedopt. Manche Betrüger erwischt es ganz schnell, etwa den kirgisischen Gewichtheber Isat Artykow oder Serghei Tarnovschi, den Kanufahrer aus Moldau. Beide hatten in Rio Bronze gewonnen, doch ihr Ruhm dauerte nur Tage. Artykow nahm das Rattengift Strychnin. Der spektakulärste dieser Fälle war Ben Johnson. Der kanadische 100-Meter-Läufer flog zwei Tage nach seinem vermeintlichen Weltrekord in Seoul 1988 mit dem Anabolika Stanozolol auf.

Bei manchen Betrügern dauert es sehr lange, bis man sie ertappt. In dieser Woche hat das IOC der 4x100-Meter-Staffel der russischen Frauen die Goldmedaillen aberkannt. Und zwar die von Peking 2008. Im Blut von Julia Schermoschanskaja wies das Labor Anabolika nach. Sie flog bei einem der vielen Nachtests auf. Neuer Olympiasieger 2008 ist seit neuestem Belgien. Allerdings wurde den Betrogenen für immer der Moment geraubt, etwa die Siegerehrung.

Seit den Spielen von Athen 2004 lagert das IOC tausende Urin- und Blutproben von vergangenen Spielen und testet sie teilweise Jahre später nach. Der Grund: Im Laufe der Zeit verfeinern sich die Analysemethoden. Die Wissenschaft entdeckt zum Beispiel neue Abbauprodukte. Das erleichtert die Jagd nach den Dopern. Man kann drauf wetten, dass auch der eine oder andere Gewinner von Rio irgendwann erwischt wird – und sei es in fünf oder zehn Jahren. Das Signal an die Sportler ist klar: Ihr dürft Euch nie sicher sein! Das Signal an die Fans: alle Angaben ohne Gewähr.

Wir haben nun gezählt und den schwarzen Medaillenspiegel erstellt. Er zeigt das Ranking aller Nationen, denen in der Geschichte der Olympischen Spiele, ob Sommer oder Winter, Medaillen wegen Dopings aberkannt wurden. Es ist die pharmazeutische Tabelle, eine Statistik des Betrugs, eine Liste des Gifts, eine Hall of Shame.

Mexiko City 1968 waren die ersten Spiele, bei denen das IOC Dopingtests durchführte. Die ersten, die ihre Trophäen wieder hergeben mussten, waren die Mitglieder des schwedischen Teams im Modernen Fünfkampf. Hans-Gunnar Liljenwall hatte 0,81 Promille Alkohol im Blut. Er gab an, zur Beruhigung zwei Bier getrunken zu haben.

Später ging es härter zu. Der Skilangläufer Johan Mühlegg, ein gebürtiger Deutscher, der für Spanien startete, durfte gleich drei Goldmedaillen von Salt Lake City 2002 zurückgeben. Er hatte Epo gespritzt, ein Medikament für Dialysepatienten. Eine ähnliche Bilanz konnte Russlands beste Apothekenkundin aufweisen, die Skilangläuferin Larissa Lasutina.

mehr:
- Doping bei Olympia: Der schwarze Medaillenspiegel (Paul Blickle, Oliver Fritsch, ZON, 19.08.2016)

Die kuriosesten Doping-Fälle bei Olympia [2:00]

Veröffentlicht am 01.08.2012
http://youtube.com/thesimpleshow - Doping bei den Olympischen Spielen gibt es seit fast 100 Jahren. Pionier auf diesem Gebiet war ein amerikanischer Marathonläufer. Die Mischung, die er sich damals zuführte, hatte jedoch nichts mit heutigen Doping-Methoden zu tun.

Prof. Dr. Werner Franke: Vortrag "Doping: – Verbrechen im nationalen Interesse" [2:04:39]

Veröffentlicht am 22.01.2016
FDP Neujahrsempfang Wiesloch 17.1.2016
Prof. Dr. Werner Franke
Vortrag "Doping: Körperverletzender (BGH) Missbrauch der Wissenschaft – Verbrechen im nationalen Interesse"

siehe auch:

Sport, Staats-Doping und zweierlei Maß (Post, 14.08.2016)
und:
- Doping in the United States (engl. Wikipedia, abgerufen am 21.08.2016)
U.S. swimmer Lilly King spars with Russia's Yulia Efimova over doping (Nathan Fenno, Los Angeles Times, 21.08.2016)
Olympia 2016 in Rio Olympia und die USA: Künstliche Realität (Tagesspiegel, 20.08.2016)
The US wins Olympic gold in doping (Chris Mills, BGR, 17.08.2016)
Pillen, Pulver, teurer Urin (Thomas Renggli, Tagesanzeiger.Ch.-Blog, 15.08.2016)
Justin Gatlin on criticism by Lilly King: I've done what I need to do (ESPN, 14.08.2016)
- Sports 2016 Olympis – Team USA Is About to Be Kicked Off its Doping High Horse in Rio (Sean Gregory, Time, 13.08.2016)
The Chuck Wielgus Blog: Creating a State-Sponsored Doping Program (Chuck Wielgus, USA Swimming, 12.08.2016)
Sport Olympia 2016 "Die haben uns Medaillen geklaut. Das ist krank" (Die Welt, 11.08.2016)
Olympische Spiele: Kalter Krieg im Schwimmbecken (Sabrina Knoll, ZON, 10.08.2016)
- USA flag-bearer Michael Phelps admits doubts about doping in the pool (Chris Barrett, stuff, 04.08.2016)
Doping im Sport: USA und Russland (Schutzengel-orga.News, 31.07.2016)
Olympia: 45 Athleten früherer Spiele positiv auf Doping getestet (ZON, 11.07.2016)
- Olympics: Michael Phelps says he doesn’t think he has ever competed in a clean sport (Todd Blym, Gold Coast Bulletin, 03.08.2016)
IOC-Beschluss zu Russland: Welt-Anti-Doping-Agentur reagiert enttäuscht (SPON, 25.07.2016)
Doping: US-Sport kämpft um Glaubwürdigkeit (Heinz P. Kreuzer, FAZ, 27.06.2001)
- Feind im eigenen Haus – Dem Spitzensport in den Vereinigten Staaten droht ein gigantischer Skandal: Haben mehrere hundert Athleten ungestraft gedopt? Ein Insider will vor Gericht auspacken. (Udo Ludwig, Michael Wulzinger, Der Spiegel, 1/2001, gefunden bei CarminaRo)
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