Donnerstag, 4. August 2016

Irak-Krieg: Die andere Hälfte der Geschichte

Irak Als einer der größten Fehler der letzten Jahre betitelt, aber zu unpräzise durchleuchtet, entsteht zum Irak-Krieg ein Narrativ, das zu einseitig denkt. Ein Fehler.

Der vor einiger Zeit veröffentlichte Chilcot-Report warf Licht auf ein unangenehmes Thema: Den Irak-Krieg von 2003. 2009 vom damaligen Premierminister Großbritanniens Gordon Brown angekündigt, sollte der Bericht von unabhängiger Seite die britische Beteiligung am Einsatz untersuchen und insbesondere klären, unter welchen Aspekten es zur Entscheidung seitens der damaligen Regierung kam, die USA beim Einmarsch in den Irak zu unterstützen; insbesondere um für zukünftige Konflikte solche Fehler zu vermeiden.

Denn als das wird der Krieg gegen den Irak heute gesehen: als großer Fehler. Egal von welcher Seite, das Narrativ eines falschen Krieges, einer fatalen Entscheidung hat sich in unserer heutigen Zeit in nahezu allen Kreisen durchgesetzt. Sogar so weit, dass Präsidentschaftsbewerber in dem Land, das den Einmarsch initiierte, heftig unter Beschuss geraten, wenn sie sich nicht kritisch genug zum Thema positionieren. In diesem Sinne steht auch der Chilcot-Report. Er fragt nicht, ob der Krieg falsch war, sondern wieso man das in der britischen Regierung nicht von Anfang an gesehen hat.

Diese Einstellung ist problematisch. Weil sie dadurch genau die essentielle Frage verhindert: Was hat der Westen im Irak falsch gemacht?

Indem der gesamte Fokus auf die Märztage von 2003 gelenkt wird, rückt automatisch alles andere in Bezug auf den Irak in den Hintergrund. Ein Jeder diskutiert nach dem Chilcot-Report die Rolle der Briten im Jahr 2003, doch was ist mit den Zeiten davor? Hier ein Zeitungsartikel, der von einem gewissen Lawrence in der Sunday Time veröffentlicht wurde:

Die Menschen Englands wurden in Mesopotamien in eine Falle gelockt, aus der sie nur schwerlich in Würde und Ehre fliehen können. Sie wurden getäuscht durch eine permanente Zurückhaltung von Informationen. Die Bagdader Communiqués sind veraltet, falsch und inkomplett. Die Dinge liefen schlimmer als uns gesagt wurde; unsere Administration ist verdammter und ineffizienter als die Öffentlichkeit ahnt … wir stehen heute kurz vor einem Desaster.

Der Artikel stammt vom berühmten T.E. Lawrence und ist von August 1920. Damals besetzten britische Truppen im Zuge des 1.Weltkrieges den Irak, nachdem es zu einer arabischen Revolte gegen die osmanischen Herrscher gekommen war, bei denen erwähnter Lawrence eine wichtige Rolle spielte. Für die Araber schien ein arabischer Großstaat als Belohnung für die Abschüttelung der türkischen Herren durch die Briten in Aussicht gestellt worden zu sein; eine kapitale Fehleinschätzung wie sich herausstellte. Der Irak kam 1920 offiziell unter britisches Mandat, entgegen aller vorher gemachten Versprechungen. Die verschiedenen Stämme Iraks, zum ersten Mal in ihrer Geschichte geeint, revoltierten abermals, diesmal gegen die Briten. Berichte aus dem Irak zu den damaligen Geschehnissen lesen sich beinahe identisch, wie 83 Jahre später.

mehr:
- Die andere Hälfte der Geschichte (Abrahan Garcia, Freitag-Community, 31.07.2016)

"Hubris" (Full Film) Iraq War Documentary - Rachel Maddow (02-18-2013) [44:10]

Veröffentlicht am 18.02.2013
I do not own this, all rights reserved to NBC Universal. Also, Rachel always asks for people to put her show on YouTube, so I believe I have permission to post this.

This is going to likely be a rather controversial documentary about the War in Iraq, and what is described as the false pretenses that caused our nation to enter our most unpopular war since Vietnam. I am posting this with no intention of insulting members of the military, in fact it's the exact opposite. After watching films like this and Academy Award nominee "No End in Sight" I can't help but be discouraged by the lack of leadership in a time of national and global crisis.

Es begann mit einer Lüge - 10 Jahre nach dem Irak-Krieg - Doku/Dokumentation [42:20]

Veröffentlicht am 01.11.2013
Es begann mit einer Lüge - 10 Jahre nach dem Irak-Krieg - Doku/Dokumentation

Ein besonderer Flüchtling beantragte 1999 Asyl in Deutschland. Rafid Ahmed Alwan behauptete, Mitarbeiter einer Anlage im Irak gewesen zu sein, in der chemische Kampfstoffe hergestellt würden. Stundenlang, tagelang wurde er vom BND verhört. Der deutsche Geheimdienst gab die Aussagen an die US-Administration weiter, unter dem Vorbehalt, dass es Zweifel an der Glaubwürdigkeit gäbe. Von den Amerikanern bekam der vermeintliche Zeuge den Codenamen "Curveball", wie jene angeschnittenen Bälle, die beim Baseball kurz vor dem Ziel die Richtung ändern. Die Regierung Bush verwendete seine Aussagen später als Beweis für Bagdads angebliche unerlaubte Waffenprogramme.

Der damalige US-Außenminister Colin Powell präsentierte sie sogar mit nachdrücklichen Zeichnungen im Februar 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat. Das war die Begründung für den Einmarsch der so genannten "Koalition der Willigen" in den Irak. Der Krieg begann am 20. März 2003.

Später stellte sich heraus, dass Curveball die Inhalte seiner Aussagen frei erfunden hatte. Die Weltmacht USA war blamiert. Der Irak war zu diesem Zeitpunkt längst erobert und Saddam Hussein gestürzt. Massenvernichtungswaffen, der eigentliche Grund des Einmarsches in den Irak, wurden nie gefunden. Haben die Geheimdienste versagt, oder waren die Aussagen von Curveball willkommen, um einen Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen?

Zehn Jahre nach dem Beginn des Krieges will die Dokumentation "Es begann mit einer Lüge" den Ereignissen im Vorfeld nachgehen. Welche Gründe gab es für die offensichtlichen Unwahrheiten? Warum lehnte es die damalige Bundesregierung unter Schröder und Fischer ab, sich an dem Krieg gegen den Irak zu beteiligen?

Die Dokumentation in Zusammenarbeit mit der BBC zeigt unter anderem, wie die Aussagen eines einzigen Informanten von der Weltmacht USA genutzt wurden, um einen umstrittenen Krieg zu führen. Im Mittelpunkt steht ein langes, exklusives Fernsehinterview mit Curveball.

Anhand der Aussagen von damals Beteiligten wie Joschka Fischer, dem damaligen deutschen Botschafter bei der UN, Gunter Pleuger, und ehemaligen CIA-Mitarbeitern entsteht ein Bild darüber, wer wen benutzt hat, um den Einmarsch in den Irak zu rechtfertigen.
x

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen