Donnerstag, 3. November 2016

Peter Thiel: Ein Multimilliardär kritisiert die realitätsfremde Elite

Der Investor erklärt Trumps Erfolg und kritisiert astronomische Medikamentenpreise, negative Freihandelsfolgen und die "Blasen", mit denen die US-Elite "schwierige Realitäten" fern hält
Der deutschstämmige Clarium-Capital-Präsident Peter Thiel häufte mit frühzeitigen Investitionen in Facebook und PayPal nicht nur ein Vermögen an, das Forbes auf 2,7 Milliarden US-Dollar schätzt, sondern wurde damit auch zu einem der bekanntesten Vertreter der Finanz- und IT-Welt. Derzeit erregt er mit einer Rede vor dem National Press Club viel Medienaufsehen:

In dieser Rede erklärt der Investor (der Donald Trumps Wahlkampf angeblich mit mehr als einer Million Dollar gesponsort hat), er glaube, dass viele Wähler zwar nicht mit allem übereinstimmen, was der Immobilientycoon gesagt und getan hat, aber trotzdem für ihn stimmen werden, weil sie die Versprechungen der bisherigen politischen Eliten nicht mehr glauben. Dass die Eliten selbst noch daran glauben, liegt seiner Ansicht nach daran, dass sie in "Blasen" leben, mit denen sie "schwierige Realitäten" von sich fern halten. Blasen wie die "Handelsblase", die suggeriert, es gäbe beim Freihandel nur Gewinner, oder die "Kriegsblase", die immer wieder neu verspricht, der Sieg im Irak, in Afghanistan, in Libyen, im Jemen und in anderen Ländern stehe kurz bevor.

Weil solche Blasen durch Trumps Erfolg in den Vorwahlen erschüttert wurden, hoffen Politiker, Spender und Medien Thiel zufolge, dass Clinton gewählt wird und dass ihnen die Ereignisse des letzten Jahres nach dem 8. November bald nur noch wie ein böser Traum erscheinen. Das wird seiner Meinung nach jedoch nicht der Fall sein, weil die Ursachen für Trumps Überraschungserfolg auch dann weiter bestehen, wenn er nicht Präsident wird.

Zu diesen Ursachen zählt er unter anderem das Problem, dass die Medikamentenpreise in den USA oft zehn Mal so hoch sind wie in anderen Ländern, dass Studiengebührenschulden auch mit Privatinsolvenzen nicht verschwinden, dass Einkommen stagnieren, während Ausgaben steigen, dass fast die Hälfte der Amerikaner nicht einmal 400 Dollar für unvorhergesehene Ausgaben auf dem Konto hat und dass die "Millenials" als erste Generation damit rechnen müssen, dass es ihnen schlechter gehen wird als ihren Eltern. Bereits kurz vorher hatte er im Zusammenhang mit seiner Finanzierung eines Prozesses gegen Gawker konstatiert, ein nur einstelliger Millionär wie der Ex-Wrestler Hulk Hogan habe zu wenig Geld für einen wirksamen Zugang zum US-Justizsystem.

mehr:
- Peter Thiel: Abschied von den "Dogmen des Reaganismus"? (Peter Mühlbauer, Telepolis, 03.11.2016)

Peter Thiel FULL Speech Supporting Trump at National Press Club - October 31, 2016 [13:10]

Veröffentlicht am 31.10.2016
October 31, 2016 - Peter Thiel FULL Speech Supporting Trump at National Press Club

siehe auch:
- USA - Die gekaufte Demokratie? (ZDF Mediathek, 02.11.2016)
- Peter Thiel: Der Milliardär, ohne den es Facebook nicht gäbe (Cicero, Verfasser und Datum unbekannt)
- Peter Thiel: Funkelnder Kapitalismus (Uwe Jean Heuser, Cicero, 02.10.2014)
- Facebook-Investor Peter Thiel: Er ist die Macht, die das Gute will und das Böse schafft (Petra Sorge, Cicero, 27.05.2016)
- Alle Nachrichten und Informationen der F.A.Z. zum Thema Peter Thiel (17.10.2016)

Bob Dylan - Not dark Yet - Live [5:25]   Text   Übersetzung (Songtexte.com)   Interpretation

Veröffentlicht am 23.08.2016
Bob Dylan - Not dark Yet - Live

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