Freitag, 2. Juni 2017

Heute vor 50 Jahren – 2. Juni 1967: Benno Ohnesorg wird erschossen

[Doku] Der Tod des Benno Ohnesorg 2. Juni 1967 {52:31}

Veröffentlicht am 20.01.2017
Deutschlands Studenten proben den Aufstand: Der Schah von Persien und seine Frau sind auf Staatsbesuch in Deutschland. Von offizieller Seite wird der .
Während einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien wurde der Student Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Berlin durch Polizisten brutal .
alexander binder info: Keine Insel Die Palmers Entführung 1977 Bewegung 2 Juni entführt in Wien den .
Die erste Radikalisierung bestimmter Teile der Protestkultur stellte der Besuch des Schahs von Persien am 2. Juni 1967 dar.

Eva Quistorp: Tod von Benno Ohnesorg {4:21}

Veröffentlicht am 07.08.2013
Eva Quistorp, damals Studentin, beteiligte sich am 2. Juni 1967 an den Protesten gegen den Besuch des Schahs von Persien vor der Deutschen Oper in Berlin. Als die Polizei versuchte, die Menge auseinanderzutreiben, wurde Quistorps Komilitone Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen.

Ein Schuss verändert die Republik 

Seit 1966 ging die Polizei Westberlins verschärft gegen protestierende Studenten vor; der Polizeipräsident sprach von »Studentenkrieg«. Zusätzlich heizte die Springer-Presse die öffentliche Stimmung gegen die »Gammler und Arbeitsscheuen« an. Als der autokratisch regierende Schah Reza Pahlewi von Persien am 2. Juni 1967 Westberlin besuchte, demonstrierten Studenten vor dem Schöneberger Rathaus und am Abend vor der Deutschen Oper in Charlottenburg. 

Die Polizei und schahtreue Schläger (»Jubelperser«) gingen massiv gegen die Protestler vor. Der Germanistikstudent Benno Ohnesorg (* 1940), der abends am Rande dabei war, wurde mit anderen in die Seitenstraßen getrieben. Auf einem Innenhof wurde er von Polizisten festgehalten und verprügelt. Gegen 20:30 Uhr traf ihn ein Kopfschuss aus anderthalb Metern Entfernung. Ohnesorg starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Täter, der Polizeibeamte Karl-Heinz Kurras (1927-2014), stellte sich später vor Gericht als das eigentliche Opfer dar. 2009 wurde bekannt, dass er für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet hatte. 
Benno Ohnesorg wird schwer verletzt abtransportiert, er stirbt auf dem
Weg ins Krankenhaus
Der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz (1915-1993) gab zunächst den Studenten die Schuld, änderte seine Meinung jedoch und trat im September 1967 zurück. Der Tod Benno Ohnesorgs heizte die Studentenproteste an. 1972 wurde in Berlin die »Bewegung 2. Juni« gegründet, die als Keimzelle des deutschen Terrorismus gilt. 
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2017

siehe auch die Bilderserie:
- Ein Schuss verändert Deutschland – Vor 50 Jahren starb Benno Ohnesorg 
(n-tv, 02.06.2017)

Der Fall Benno Ohnesorg - 3sat Kulturzeit - Manipulation, Vertuschung {6:59}

Hochgeladen am 23.02.2012
http://www.todesnacht.com
Vor 45 Jahren wurde der junge Student Benno Ohnesorg in einem Berliner Hinterhof erschossen. Von einem Polizisten. Und die Lüge begann. Der Schütze wurde nie verurteilt, Zeugen in Prozessen nicht gehört und wichtige Beweise unterschlagen. Selbst vor der Leiche des Studenten machte man nicht Halt. Zwei Berliner Journalisten haben nun heraus gefunden, dass sogar an der Leiche von Ohnesorg manipuliert wurde und im ersten Todesschein von "stumpfer Gewalteinwirkung" statt einem Schuss gesprochen wurde. Und sie haben neue Filme und Fotos entdeckt, die Licht ins Dunkel dieser Nacht bringen.
Daraus entwickelte sich die "Bewegung 2. Juni", aus der einige sich später der Roten Armee Fraktion (RAF) angeschlossen haben.

Ein Film von Katja & Clemens Riha
http://candoberlin.de

siehe auch:
- Video: Wie starb Benno Ohnesorg? (Das Erste, 29.05.2017, Verfügbar bis 05.06.2017)

Inzwischen steht das Video auf Youtube:
Wie starb Benno Ohnesorg? {44:36}

Veröffentlicht am 31.05.2017
"Das Bild des sterbenden Demonstranten wird 1967 zum Symbol und zum Katalysator des studentischen Aufbegehrens. Die Dokumentation rekonstruiert minutiös die Abläufe des 02. Juni 1967, wertet Aufnahmen aus und interviewt Augenzeugen"

http://www.ardmediathek.de/tv/Reporta...
x
In den ARD-Mediathek-Kommentaren wird nach der verwendeten Musik gefragt:
Iron Butterfly – In A Gadda-da-Vida
The Doors – Light My Fire
Pink Floyd – Careful With That Axe Eugene

das verhaeltnis zwischen polizei und studierenden wurde laengst zum massstab fuer den inneren zustand west-berlins. senatsrat prill betonte auf einer podiumsdiskussion seine auf 'wilde demonstranten' gemuenzte aeusserung: 'die sollen nur kommen, dann kriegen sie eins mit dem knueppel auf den kopf, das ist dann ein gutes uebungsfeld fuer unsere polizeibeamten.' (die welt, 2.2.67) [aus: die ermordung benno ohnesorgs am 2. juni 1967, zusammengestellt von joerg prante, Haschrebellen, Datum unbekannt]
Der Ausschuss stellte fest, dass Innensenator Wolfgang Büsch (SPD) und der Kommandeur der Schutzpolizei Hans-Ulrich Werner die Freigabe des südlichen Gehwegs vor der Oper am 30. Mai geplant hatten, um „die Störer auf einem Haufen zu haben“. Der stellvertretende Polizeipräsident Georg Moch (CDU) hatte diesen Plan abgelehnt. Albertz und Staatssekretär Ernst Benda (CDU) vom Bundesinnenministerium hatten mit dem Protokollchef des Senats und dem Bundespräsidenten Heinrich Lübke verabredet, den Vorplatz der Oper weiträumig sperren zu lassen. Albertz ließ dies der Senatsinnenverwaltung mündlich und schriftlich mitteilen. Doch der zuständige Senatsrat Hans-Joachim Prill (SPD) informierte den Polizeipräsidenten nicht darüber, da der Regierende Bürgermeister kein direktes Weisungsrecht gegenüber der Polizei gehabt habe. Auch über ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Februar 1967, das die Verhältnismäßigkeit der Mittel auch im Fall von Krawallen anmahnte, hatte er die Polizeiführung nicht informiert. [Zitat aus dem »Benno-Ohnesorg-Artikel« der Wikipedia, verwendet bei dict.cc, bei Wikipedia nicht mehr auffindbar, Stand: 04.06.2017, Hervorhebung von mir] 

Erstes Ergebnis des Verhörs: Berlins Polizeipräsident Erich Duensing verträgt keine Sonne. Befragt, wer wohl am Mittag des 2. Juni jenen Jubel-Persern, die vor dem Rathaus mit Totschlägern und Latten auf friedliche Demonstranten eingedroschen hatten, einen Sonderplatz unter der Freiheitsglocke eingeräumt habe, antwortete der Präsident: "Ich weiß es nicht." Sein Schupo-Kommandeur Hans -- Ulrich Werner wußte es: "Ich hatte Weisung vom Herrn Präsidenten." Duensing, erneut im Zeugenstand: "Äh, ja, wenn ich etwas anderes gesagt habe, so lag das daran, daß es sehr heiß war."
Auch der Polizeioberrat Heribert Iwicki, am 2. Juni Einsatzleiter vor der Oper, kollidierte mit seinen Untergebenen. Bis 20 Uhr, so Iwicki, seien bereits elf seiner Polizisten von Anti-Schah-Demonstranten verletzt worden, davon fünf durch Steinwürfe. "Ich selbst", so klagte der Oberrat, "wurde von einem Frisch-Ei beschmutzt, das an der Hauswand zerschellte." Und um weiteren Verlusten vorzubeugen, habe er den Einsatzbefehl gegeben.
Die blessierten Polizisten, die daraufhin im Zeugenstand erschienen, erinnerten sich anders. Fast alle -- bis auf zwei -- sagten aus, sie seien nicht vor, sondern erst während des Einsatzes verletzt worden. […]
Und immer wieder unterbrachen Ausschuß-Mitglieder die Aussagen hoher Polizeibeamter, um deren offenkundig voreingenommene Darstellung zu rügen:
Polizeipräsident Duensing ereiferte sich über die "Exzesse" der Studenten: Er habe "tiefe Scham" empfunden, "als der oberste Vertreter des Landes" von Studenten "ausgemährt" worden sei. Darauf der Abgeordnete Vortisch: "Geht diese Wertung, die doch emotionell zu sein scheint, nicht über die Aufgabe der Polizei hinaus?" Duensing: "Ich verstehe die Frage nicht."  [Zitat aus: BERLIN / POLIZEI – Sehr heiß, SPIEGEL 28/1967, 03.07.1967]
»Das habe ich getan«, sagt mein Gedächtnis. »Das kann ich nicht getan haben« – sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach. [Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, Viertes Hauptstück. Sprüche und Zwischenspiele, Nr. 68] 
Terroristisches Handeln ist ex definitione unwahrscheinliches Verhalten einer Minderheit. Terroristen versuchen, mit der Schreckenswirkung gezielter Gewalttätigkeit ein Fanal zu setzen, die Mehrheit der Bevölkerung zum Umsturz der gegebenen staatlichen Ordnung motivieren sollen. Das ist ein kühner Plan, der mit der Routine zivilen Verhaltens radikal bricht. Die Anmaßung von Gewalt widerspricht nicht nur allgemeinen kulturellen Normen, sie verstößt auch, wo sie mit politischem Anspruch auftritt, gegen jene Selbstverständlichkeit, mit der moderne Staatswesen das Monopol auf Gewalttätigkeit für ihre eigenen Instanzen reklamieren.
Fragt man, warum die Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe gegen alle Tabus nicht nur gewalttätig wurden, sondern Gewalttätigkeit zum politischen Programm erhoben, so stößt die Analyse an Grenzen, die sie sich eingestehen muss. Zwar sind Bedingungen erkennbar, die in die Nähe dieser Entscheidung führen konnten (dazu Kap. III): da gab und gibt es in der Bundesrepublik Deutschland objektive Anlässe zu politischer Opposition. Da gab und gibt es die Tradition linksradikaler Theorien, die für eine Dramatisierung solcher Anlässe Argumente lieferte. Da gab es in den Herkunftsbereichen des Terroristen politische Bewegungen, die den Beteiligten den Anschein einer allgemeinen Aufbruchstimmung glauben machen. Da gab es das Erlebnis handgreiflicher Provokationen der »anderen Seite«…
 [aus: Merkwürdigkeiten des Falles (Abschnitt VIII in Friedhelm Neidhardt, Soziale Bedingungen terroristischen Handelns. Das Beispiel der "Baader-Meinhof-Gruppe" (RAF) in: Wanda von Baeyer-Katte, Dieter Claessens, Hubert Feger, Friedhelm Neidhardt, Gruppenprozesse, Analysen zum Terrorismus 3, Springer Fachmedien, Wiesbaden, 1982, S. 308ff, GoogleBooks), Hervorhebungen von mir] 
Siehe auch:
- JUSTIZ / BERLIN Insel ohne Moral (SPIEGEL 49/1960, 30.11.1960)

Ich lasse dies alles unkommentiert, obwohl mir vieles dazu einfallen würde!
Aber tendenziell erinnert mich das an das Kent-State-Massaker:
- Heute vor 47 Jahren – 4. Mai 1970: Das Kent-State-Massaker (Post, 04.05.2017)
Einige Leute wollen es diesen langhaarigen, nichtstuenden Floh-Trägern mal richtig zeigen.
Hat ja auch gewirkt!
Und 50 Jahre später kommen die Dinge ans Licht, und es bleibt einem nichts anderes übrig, als Trauerarbeit zu leisten und »Vater Staat« zu verzeihen. Ist halt so…

Zwischenbemerkung:
Im ARD-Film wird kurz ein Artikel des Sternredakteurs Heiko Gebhardt eingeblendet: »Ein sauberer Schütze« (»Sternredakteur Heiko Gebhardt sprach mit dem Mann, der Benno Ohnesorg erschoß«)
In der Ankündigung der "Stern"-Serie "Annas Mutter" heißt es auf Seite drei: "Seit über einem Jahr besucht ''Stern''-Autor Heiko Gebhardt Marianne Bachmeier im Gefängnis. Er ist der einzige, dem sie ihre Geschichte erzählt hat, die Geschichte eines zerstörten Lebens." [Zitat aus: Der einzige, dem sie ihre Geschichte erzählte ... – Gerhard Mauz zur Aufhebung des Haftbefehls gegen Marianne Bachmeier, SPON, 16.08.1982]
Wer über Spracharmut, Gewalt, verschlissene Gefühle und Demütigungen im ramponierten Kleinstbürger-Milieu Genaues erfahren will, lernt alles dies aus der scheinbar distanziert und vorsätzlich nüchtern geschriebenen „Rekonstruktion“ der beiden Autoren, die sensibel mit diesem schrecklichen Stoff umgegangen sind. Ohne soziologische Kommentare, ohne Statistiken, ohne psychologische Erläuterungsversuche werden Ursachen, Bedingungen und Auslöser für Gewalt deutlich. [Zitat aus: Ohnmacht und Mord, Buchbesprechung von Winfried Kaminski, u.a. über Kai Hermann, Heiko Gebhardt: „Andi – Der beinahe zufällige Tod des Andreas Z., 16“; Stern-Buch Verlag, Hamburg; 280 S., 20,–DM., ZEIT-Magazin auf ZON, 01.01.1982] 
Kann sich jemand vorstellen, was in jemandem, der einen Artikel über ein Gespräch mit Karl-Heinz Kurras schreibt, vorgegangen sein könnte, daß er Marianne Bachmeier über ein Jahr lang besuchte und zeitnahe ein Buch mit einem solchen Inhalt (»Der beihnahe zufällige Tod…«) schrieb?

- Zeitzeugin wider Willen (Leonie Feuerbach, ZON, 02.06.2017)
- Tod von Benno Ohnesorg: Der Zeuge, den keiner hören wollte (Michael Brettin, Berliner Zeitung, 01.06.2017)
- Vor 50 Jahren: Der Tod des Benno Ohnesorg (Michael Brettin, Berliner Zeitung, 01.06.2017)

Fall der Woche: Die Erschießung von Benno Ohnesorg {4:17}

Veröffentlicht am 31.05.2017
Am 2. Juni 1967 erschoss der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. Bis heute sind nicht alle Fragen rund um diese Tat geklärt.

- Benno Ohnesorg: Chronik einer Hinrichtung (Margot Overath, Radio Bayern 2 Kultur, 23.05.2017)
- Benno Ohnesorg: Der Tod des Träumers (Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung, 19.05.2010)
- 2. Juni 1967: Die Stunde der Zeugen (Uwe Soukup, ZON, 02.06.2009)


Lieselotte Schröder, heute 72 und zu jener Zeit Krankenschwester in Moabit, erinnert sich im Gespräch mit dem SPIEGEL, dass Ohnesorg nach der Einlieferung gegen 21.25 Uhr gleich in den Röntgenraum gefahren wurde. Röntgen war Routine, schließlich war den Ärzten noch nicht klar, welche Kopfverletzung Ohnesorg harre. Dann aber hätte man die Kugel im Kopf gleich gesehen, sagt der Berliner Rechtsmediziner Volkmar Schneider, der bei der Obduktion von Ohnesorg einen Tag später dem Chefpathologen Walter Krauland assistierte.
Sicher ist: Noch in der Nacht wird Ohnesorg in der Klinik das Haar über der Einschussstelle wegrasiert, wird das Schädelstück mit dem Loch herausgebrochen, mit einer Zange. Die Ärzte, glaubt Schneider, könnten so versucht haben, das Projektil zu entfernen und den Hirndruck zu mindern. Doch er wundert sich. Um die Kugel herauszuholen, hätten sie den Schädel auf der anderen Seite öffnen müssen. Dass sie dort steckte, müssen die Röntgenbilder gezeigt haben. Oder ging es bei der Operation um etwas ganz anderes? Verschleierung etwa?
Das Schädelstück mit dem Einschussloch ist am nächsten Tag verschwunden, die Haut über dem Loch zugenäht. Und im Totenschein steht: „Tod durch Schädelverletzung durch stumpfe Gewaltemwirkung". Das, so sagte jetzt der Arzt, der den Schein ausstellte, dem SPIEGEL, habe er aber „nicht aufgrund eigener Feststellungen, sondern auf Anweisung meines damaligen Chefs gemacht".
 [aus: 2. Juni 1967 - Der Schuss auf Benno Ohnesorg: Ein SPIEGEL E-Book, GoogleBooks]
KenFM im Gespräch mit: Uwe Soukup ("Wie starb Benno Ohnesorg?") {1:48:06}

Veröffentlicht am 26.05.2017
Am 2. Juni 1967 wurde in West-Berlin der Student Benno Ohnesorg durch die Polizei erschossen. Obwohl der Schütze nicht, wie er behauptete, aus Notwehr gehandelt hatte, wurde er zweimal vor Gericht freigesprochen. Es war die Zeit des Kalten Krieges. Berlin war geteilt und die USA und ihre Verbündeten witterten an allen Ecken die „Rote Gefahr“.

Wer als Teil der Studentenbewegung Kritik am Vietnam-Krieg äußerte oder den Schah von Persien bei seinem Besuch in der BRD als Diktator bezeichnete, bekam die volle Staatsmacht zu spüren.

Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras löste in West-Deutschland eine politische Lawine aus. Seine Ermordung durch einen Staatsbeamten führte zur 68er-Bewegung. Die Grünen und die TAZ muss man als direkten Spin-off des 2. Juni 1967 verstehen.

50 Jahre nach der Tat gibt es in Berlin noch immer keinen Platz, keine Straße, die nach Benno Ohnesorg benannt ist. Auch sind zahlreiche Akten und Zeugenaussagen zum Fall bis heute nicht Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins. Den wenigsten ist bekannt, dass Ohnesorg als Toter im Krankenhaus am Schädel operiert wurde, um das Knochenstück, das vom Projektil durchdrungen wurde, zu entfernen.

Wie wir heute wissen, hatte der Todesschütze Kurras Zugang zur Leiche im Krankenhaus und stimmte seine Verteidigung mit der Justiz ab. Im Jahre 2012 konnten die Fotos vom Tatort durch digitale Bildbearbeitungs-Technik aufgehellt und der Tathergang abermals detaillierter nachvollzogen werden.

Dass all dies jetzt in seiner ganzen Brisanz ans Tageslicht kommt,
verdanken wir dem Journalisten Uwe Soukup, der sich wie kein anderer vor ihm in den Fall verbissen hat. Seine Recherchen führten ihn zu unbekannten Akten und Zeugen, deren Aussagen damals manipuliert oder ungehört blieben. Soukup traf auch den Todesschützen, der 2009 als Stasi-Spitzel enttarnt wurde und bis zu seinem Tod im Jahre 2014 den Schuss auf Ohnesorg rechtfertigte, denn ihn zu bereuen. Zeit seines Lebens wurde der Mörder von Benno Ohnesorg durch Justiz und Staat gedeckt. Mord verjährt nicht. Erst recht nicht, wenn er als Exempel gedacht war.

Uwe Soukup veröffentlichte 2017 die überarbeitete Version seines
Standard-Werkes zum Tod von Benno Ohnesorg unter dem Titel "Der 2. Juni 1967 - Ein Schuss, der die Republik veränderte" und wirkte an dem Dokumentarfilm "Wie starb Benno Ohnesorg?" mit, der am 29. Mai 2017 um 23:45 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

Inhaltsübersicht:

00:06:55 Der 2. Juni 1967 - Eine Kurzfassung

00:20:45 Demonstrationen während des Besuchs des Schahs von Persien - gezielte Eskalation

00:30:36 Die Füchsejagdtaktik - Die Maske des Staates fällt

00:37:30 Wie kam es zum Schuss auf Benno Ohnesorg?

00:47:10 Ablauf am Tag des Mordes: Vertuschung, Geheimdienste und Manipulation am toten Körper Ohnesorgs

01:05:07 Karl-Heinz Kurras: Freispruch für den Täter und die Rolle der Berliner Staatsanwaltschaft

01:12:58 30 Jahre später: Motivation für das Aufrollen des Falles Ohnesorg und die Begegnung mit dem Täter

01:20:11 Sozialisation: Wer war Benno Ohnesorg? Wie verlief das Leben von Karl-Heinz Kurras?

01:31:11 Ein Platz für Benno Ohnesorg

01:38:14 Die Bedeutung und die Folgen des 2. Juni 1967

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- Die Erschießung von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 (Wolf Wetzel, ScharfLinks, 26.05.2009)
- 40 Jahre 68er: "Heute gibt's Dresche" (Reinhard Mohr, SPON, 02.02.2008)
- Der Tag, der Deutschland veränderte (Sven Felix Kellerhoff, n24, 27.05.2007)
"Die Demonstranten am 2. Juni 1967 demonstrierten friedlich. Darauf hat die Polizei mit äußerster Brutalität reagiert: Knüppel frei und drauf. Dabei hat der Zivilpolizist Karl-Heinz Kurras dem Studenten Benno Ohnesorg von hinten in den Kopf geschossen. Damit war klar: Die haben zuerst geschossen." [Till Meyer, Mitbegründer der Bewegung »2. Juni«, zitiert in obigem Artikel]
- „In Notwehr“ wurde Benno Ohnesorg von hinten erschossen (Aus der FR-Sonderausgabe von Anfang Juni 1967, FR Online)

„Bommi" Baumann: Benno Ohnesorgs Tod als Fanal {1:58}

Veröffentlicht am 11.01.2012
Michael „Bommi" Baumann, ehemaliges Mitglied der „Bewegung 2. Juni", war empört über die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch einen Westberliner Polizisten und schloss sich daraufhin den Studentenprotesten an.

Ulrike Meinhof-RAF-Wege in den Terror-Doku.avi {43:06}

Veröffentlicht am 05.06.2012
Interessanter Bericht über Ulrike Meinhof

zu Ulrike Meinhof siehe auch:
- Heute vor 43 Jahren – 15. Juni 1972: RAF-Terroristin Ulrike Meinhof verhaftet (Post, 15.06.2015)
- Striptease und Ulrike Meinhof: Wie nahe doch die Gefühle beieinanderliegen… (Post, 08.12.2011)

ZDF-History - Die RAF - Phantom ohne Gnade {45:07}

Veröffentlicht am 07.06.2012
Mit dem Selbstmord der RAF-Gründer im Stammheimer Hochsicherheitstrakt 1977 scheint die Eskalation der Gewalt beendet. Doch dann schlagen Terroristen wieder zu, kaltblütiger und planmäßiger als zuvor. Eine neue Generation ist am Werk. Die neuen Täter hinterlassen nur schwache Spuren, sind kaum zu fassen. Die meisten ihrer Morde sind bis heute ungeklärt. Der größte Teil der "dritten Generation" der RAF ist namenlos geblieben - ein Phantom.
zu der von Horst-Eberhard Richter in obigem Video angesprochenen Sekten-/Opfer-Mentalität siehe auch:
- Chosen trauma and the inabilty to mourn (Post, 08.12.2014, englisch)

Gefangene aus der RAF im Gespräch {42:22}

Hochgeladen am 18.12.2010
Gefangene aus der RAF im Gespräch
Ein Videofilm von Oliver Tolmein und Roger Willemsen, BRD 1992
(ungeschnittene Fassung)

Die Gefangenen aus der RAF sind nicht nur eingesperrt, sondern seit bis zu 26 Jahren weggesperrt.
Sie haben zwar eine Knastanschrift aber tatsächlich sind sie Verschwundene. Die Wenigen, die sie besuchen können, nehmen erhebliche Risiken auf sich: Überwachung, Berufsverbote, Staatsschutzschikanen.
Alle anderen können nur auszugsweise und bruchstückhaft, oder von fremden Interessen bestimmt, etwas über die Gefangenen erfahren.
Vor dem Hintergrund des Deeskalationsangebotes der RAF 1992 und der zunächst hoffnungsvoll erscheinenden "Kinkel-Initiative" haben die Justizminister Schleswig-Holsteins und Niedersachsens 1993 die Pforten geöffnet.
Erstmals konnten Kamerateams in der JVA Lübeck und Celle drehen. An dem Gespräch nahmen Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und Knut Folkerts teil.
Die Männer sprechen über ihre Geschichte in der Isolationshaft und ihre Hungerstreiks gegen die Haftbedingungen. Sie werden befragt nach der Legende "ohne diese Haftbedingungen gäbe es keine RAF mehr" und nach ihren Verbindungen zur RAF.
Sie äußern sich zu der angekündigten Deeskalation und wie sie 1992 zur Gewalt stehen.

siehe auch:
- Sie waren keine "Duckmäuse" (Peter Nowack, Telepolis, 02.06.2017)
Tag des Zorns – Der Tod Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967 als Fanal (Volksstimme, 09.05.2017)
1966: Das Neue der Revolte – Benno Ohnesorg und die Prügelperser – Sie wollten es nicht wissen… (Post, 02.01.2017)
Michael "Bommi" Baumann ist tot – Benno Ohnesorgs Tod als Fanal (Post, 21.07.2016); zu Michael Baumann siehe auch:
Bommi Baumanns finale Pointe (Günter Langer, Telepolis, 19.08.2016)
Karl-Heinz Kurras' Schuss auf Benno Ohnesorg: Stasi-Auftrag scheint ausgeschlossen (Tagesspiegel, 14.03.2015)
- Heute vor 45 Jahren – 2. Juni 1967: Tödlicher Zwischenfall bei Schahbesuch (Post, 02.06.2012)
Die 68er – Aufbegehren gegen starre Strukturen (Post, 03.07.2008)
Wie wir wurden, was wir sind (Post, 03.07.2008)
Von Lucy zu Gorillas im Nebel (Post, 25.06.2007)
Die 68er Revolution – Wie es anfing (Post, 21.05.2007)

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