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Mittwoch, 6. Februar 2019

Brasilien – Der Korruptionssumpf des Bolsonaro-Clans und seine Involvierung in das organisierte Verbrechen

Kaum ist die Regierung Jair Bolsonaro einen Monat im Amt, schon steht sie im Mittelpunkt eines Skandals, der von massiver Geldwäsche bis zur Verbindung mit Verbrecher-Syndikaten reicht, die mehrheitlich von ehemaligen oder noch beamteten Polizisten der berühmt-berüchtigten und verfilmten “Elitetruppe” der Polizei Rio de Janeiros kontrolliert werden. 

Schlimmer noch: Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und kritischen Medien beweisen vielfältige Verstrickungen des Präsidenten-Sohns und gerade gewählten Senators Flávio Bolsonaro in den Mitte März vergangenen Jahres verübten Mordanschlag auf die Stadtverordnete Marielle Franco. Allerdings, als selbst konservative brasilianische Medien den Fall wochenlang als Aufmacher ihrer TV-Nachrichtensendungen und ihrer Titelseiten beharrlich der Öffentlichkeit präsentierten, kamen seiner Klärung, insbesondere der längst fälligen Anklage des Präsidentensprößlings, zwei rettende Ereignisse in die Quere, die mit dem Skandal vorübergehend um die Schlagzeilen konkurrierten.

Zum einen der Dammbruch von Brumadinho mit seinen mehr als 300 Todesopfern, zum anderen die Einlieferung des Präsidenten zur chirurgischen Entfernung eines Kolostomiebeutels, den Jair Bolsonaro seit dem auf ihn angeblich ausgeübten Attentat vom September 2018 als künstlichen Darmausgang benutzte. Die einschränkende Wortwahl „angeblich“ ist deshalb empfohlen, weil selbst an der vermeintlichen Messerattacke auf den damaligen Präsidentschaftskandidaten in Brasilien mittlerweile ernsthafte Zweifel gehegt werden. Keine Blutspuren, umso mehr viele offene Fragen, weswegen ein akribisch-investigativer Dokumentarfilm die Möglichkeit einer politisch-medialen Inszenierung erwägt, die die Wahl des seit Jahren darmerkrankten Bolsonaro befördern sollte.

Was aber bedeutet das Schweigen und die Untätigkeit des Ex-Richters und seit dem 1. Januar 2019 amtierenden Justizministers Sérgio Moro? Mehrfach von lokalen Medien auf den Fall Flávio Bolsonaro angesprochen, redete sich die Ikone der Korruptionsbekämpfung bereits Anfang Januar mit dem fadenscheinigen Hinweis heraus, der Präsident habe „den Fall geklärt“. Was absolut nicht stimmte. Im Gegenteil: Je mehr der frischgewählte, rechtsradikale Ex-Hauptmann die Affäre von sich abzuwenden versuchte, umso konfuser und suspekter wirkte sie danach.

„Er ist über die Maßen zynisch!“, kommentierte der nordostbrasilianische Richter im Ruhestand, Marcelo Tadeu Lemos de Oliveira, die Haltung des neuen Justizministers. Nach Meinung Oliveiras sollte Moro sich schämen und seinen Hut nehmen, wenn er seine Legende retten wolle. „Entweder die falsche Legende oder den scheinheiligen Glanz. Weil er jetzt wegen seiner Haltung völlig demoralisiert wird. Dieser Richter Sergio Moro hat mich nie getäuscht!”, warnte der Kollege im Ruhestand.

mehr:
- Brasilien – Der Korruptionssumpf des Bolsonaro-Clans und seine Involvierung in das organisierte Verbrechen (Frederico Füllgraf, NachDenkSeiten, 06.02.2019)

Samstag, 27. Oktober 2018

Brasilien – Wenn die Menschen den Eliten nichts mehr zutrauen…

Stichwahl am Sonntag könnte Polithasardeur Bolsonaro an die Macht bringen

In Brasilien könnte der rechtsextreme Kandidat Jair Bolsonaro bei der Stichwahl an diesem Sonntag die Macht in dem südamerikanischen Land übernehmen. Das Umfrageinstitut Ibope prognostizierte 50 Prozent für Bolsonaro und 41 Prozent für den Präsidentschaftsanwärter der linksgerichteten Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT), Fernando Haddad.

Das Ergebnis stimmt mit einer Prognose des Umfrageinstituts Datafolha überein. Eine Erhebung des Meinungsforschungsunternehmens Vox Populi kommt hingegen auf eine knappere Differenz von sechs Prozent zwischen den Kandidaten: Ihm zufolge wollen 53 Prozent für Bolsonaro stimmen und 47 Prozent für Haddad.

Auch wenn die PT einen verzweifelten Wahlkampf führt, um an die Umfragehochs unter dem ursprünglichen Kandidaten und ehemaligen Präsidenten (2003-2011) Luiz Inácio Lula da Silva anzuknüpfen, stehen ihre Chancen schlecht. Mit dem wahrscheinlichen Sieg Bolsonaros droht ein schleichender Putsch, der mit der Amtsenthebung der Lula-Nachfolgerin und PT-Politikerin Dilma Rousseff im August 2016 begonnen hat (In Brasilien herrschen jetzt Alte, Reiche, Weiße und Rechte), seinen vorläufigen Höhepunkt zu finden.
mehr:
- Brasilien rutscht nach rechts (Harald Neuber, Telepolis, 27.10.2018)

siehe auch:
- Rechter Bolsonaro Favorit– Brasilien wählt radikal (Roland Peters, n-tv, 28.10.2018) – dazu auch das Video
- Haddad vs. Bolsonaro – Brasiliens dramatische Stichwahl zwischen Demokratie und autoritärem Unrechtsstaat (Frederico Füllgraf, NachDenkSeiten, 27.10.2018)

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Zeit der Militärdiktatur
Im Jahre 1964 putschte das Militär und setzte João Goulart ab. Das neue Regime unter Marschall Humberto Castelo Branco unterdrückte die linke Opposition und entzog etwa 300 Personen die politischen Rechte. Ein 1965 verabschiedetes Gesetz schränkte die bürgerlichen Freiheiten ein, sprach der Nationalregierung weitere Machtbefugnisse zu und bestimmte die Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten durch den Kongress.
[…]
Anfang der 80er Jahre schwächte die Militärregierung die Repression deutlich ab, bis schließlich 1985, auch aus Mangel an eigenen Optionen aus dem Militärkader und bereits inmitten einer Wirtschaftskrise mit galoppierender Inflation, freie Wahlen zugelassen wurden.
Demokratie seit 1985
[…]
In demokratischen Wahlen wurde 1990 Fernando Collor de Mello zum Nachfolger Sarneys gewählt. Die ersten Monate seiner Amtszeit verbrachte er mit der Bekämpfung der Inflation, die zeitweise 25 % monatlich erreichte. […]
Im Jahr 1992 wurde Collor von seinem Bruder Pedro der Korruption bezichtigt, was zu Untersuchungen durch Kongress und Presse führte. Die sich verdichtenden Hinweise auf Bestechlichkeit und Veruntreuung von Staatsmitteln gaben den Anstoß zu Massendemonstrationen und Unruhen in den großen Städten Brasiliens. 
[…]
Im Jahre 2011 wurde Dilma Rousseff als erste Frau zum Staatsoberhaupt Brasiliens gewählt. Trotz ihres umstrittenen, harten Regierungsstils, der sich sehr von dem ihres Mentors Lula abhebt, betrugen im März 2012 ihre Zustimmungswerte 72 Prozent, im März 2013 waren sie auf 79 Prozent angestiegen. Mitte Juni begann jedoch eine Gruppe von jungen Menschen, welche die Fahrpreiserhöhungen bei öffentlichen Transportmitteln in São Paulo ablehnte, zu protestieren. Die gewaltvolle Repression, mit der die Polizei auf die Demonstrierenden reagierte, löste eine Kette von landesweiten Protesten hervor: In den folgenden Wochen gingen die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße. Gekämpft wurde zusätzlich gegen die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2014, Korruption, Missachtung von Menschenrechten, Angriffe auf soziale Rechte sowie auf die Rechte von Frauen, Homosexuellen und Indigenen. Ein Großteil der Kritik richtete sich an die Regierung und ihre zu wenig soziale Politik. Präsidentin Rousseff reagierte darauf mit dem Versprechen eines „großen Pakts“ für ein besseres Brasilien. Von Juni auf Juli sanken die Zustimmungswerte von Präsidentin Rousseff auf 31 Prozent ab.[57]
Die tiefe Vertrauenskrise in das politische System wurde mit der Absetzung Rousseffs im Jahr 2016 nicht behoben, da diese an einem System scheiterte, das "älter ist als die Demokratie",[58] jedoch auch von der Arbeiterpartei unter ihrer und der Präsidentschaft ihres Vorgängers Lula gepflegt anstatt verändert[59] worden war. Roussefs Nachfolger Temer verlor innert eines halben Jahres sechs seiner Minister wegen Korruptionsvorwürfen, während das Land schon das zweite Jahr in Folge in einer Rezession steckte.[60] Im Mai 2017 ermittelte das Oberste Gericht auch gegen den Präsidenten Temer. Nicht nur die staatliche Erdölfirma Petrobras, sondern damit auch der Baukonzern Odebrecht und der weltgrösste Fleischhändler JBS waren in die Korruption verwickelt.[61][Brasilien, Geschichte, Wikipedia, abgerufen am 28.10.2018]
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Vor 50 Jahren: Militärputsch in Brasilien | Journal {3:24}

DW Deutsch
Am 31.03.2014 veröffentlicht 
Am 31. März 1964 putschte in Brasilien das Militär gegen die Regierung von João Goulart. Man wollte damit verhindern, dass der Präsident Brasilien auf den kommunistischen Kurs Kubas lenken könnte. In Folge der Machtergreifung wuchs ein Staatsterror heran, bei dem Regimegegner willkürlich verhaftet, gefoltert und getötet wurden. Die Militärherrschaft endete erst im Jahr 1985.

makro: Brasiliens gekaufte Demokratie Doku (2018) {28:28}

Pepe Schwedolin
Am 19.02.2018 veröffentlicht 
(beachte auch den Kommentar, mir fällt dabei sofort Italien ein…)

Brasilien: Demokratie in Gefahr? | Weltspiegel {7:14}

Weltspiegel
Am 10.10.2018 veröffentlicht 
Weltspiegel vom 7. Oktober 2018
Es ist eine Schicksalswahl für das Land, sagen nicht nur Brasilianer. Der frühere Staatschef Lula da Silva, lange Zeit aussichtsreichster Kandidat, ist aus dem Rennen um das Amt des Präsidenten. Er sitzt im Gefängnis.

Why Brazil Might Elect An Ultra-Right Wing President (HBO) {7:49}

VICE News
Am 05.10.2018 veröffentlicht 
RIO DE JANEIRO — On a recent Sunday morning, a few hundred shirtless men wearing camo pants tucked into army boots got together to run in formation down the beach to Copacabana.
As they ran, with tourists and Brazilians alike gawking from the sand, they yelled “Cazuca,” the name of a young army sergeant killed in February during an armed robbery in western Rio.
Marcelo Soares Corrêa, a retired paratrooper and congressional candidate, led the men — all active or retired members of Brazil’s armed forces — in an anti-communist call-and-response: “Our flag will never be red!”
Corrêa is one of nearly 100 military veterans seeking office in Sunday’s national elections in Brazil. Nearly all of them are aligned with Jair Bolsonaro, the ultra-right wing, authoritarian presidential frontrunner famous for a long history of sexist, racist, and homophobic remarks. And like Bolsonaro, military candidates such as Corrêa say their hardline approach is needed to eradicate the twin problems afflicting Brazil: rampant political corruption and violent crime.
“The only good criminal is a dead criminal,” Corrêa told VICE News. “If you let the armed forces really get to work, they will completely eliminate the crime that has taken over the country.”
This turn toward militarism is raising alarms in a country that emerged only 33 years ago from a military dictatorship notorious for torturing, disappearing, and exiling its opponents. Yet rather than run away from Brazil's ugly past, Bolsonaro and his allies have appropriated it as a symbol of better days. On the campaign trail, these soldiers-turned-politicians routinely and explicitly praise the military regime. Bolsonaro counts as a personal hero Colonel Carlos Brilhante Ustra, who was found by Brazil’s National Truth Commission to have supervised the torture of more than 500 people during military rule.
Though Brazil has always had ultra-nationalist hardliners, what makes this year’s election different is that their rhetoric has much broader appeal.
“This nostalgia for military order is a response to both political corruption and urban violence,” said Bryan McCann, a historian at Georgetown University. “But it’s completely misplaced. The dictatorship was characterized by widespread corruption, and military enforcement, where it’s been tested within Brazil, has not been a successful constraint on urban violence.”
To many observers, Bolsonaro’s rise, whether he prevails in Sunday’s election or not, represents a deeper threat to a democracy made already fragile by a corrupt political establishment. Some even fear an outright military takeover — a possibility that, although unlikely, is not unreasonable: Bolsonaro’s vice-presidential running mate, a retired army general named Antonio Hamilton Mourão, has on at least two occasions said that a coup may be the only solution to Brazil’s problems.
In an interview with VICE News, Mourão insisted that he didn’t think a coup was necessary at this moment. But he didn’t discard the possibility. “If the country is the Titanic that’s sinking, will we, the military, behave like the orchestra? Will we start playing and go down with the country?” He said. “I think not.”
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Donnerstag, 21. Juli 2016

"Dann können sie den Präsidentenpalast gleich mitverkaufen"

Lula da Silva, Brasiliens Ex-Präsident, rechnet im ZEIT-ONLINE-Gespräch mit seinen Widersachern ab. Vom Privatisieren hält er wenig, außer bei den Zukunftstechnologien.
Eine Tür quietscht, der Präsident tritt herein. – "Herr Präsident!" – "Alles klar?", antwortet Lula da Silva. Die raue Stimme, für die man ihn kennt. Fester Händedruck, Schlag auf die Schultern. "Herr Präsident, als wir 2009 unser letztes Interview hatten (mit Angela Köckritz in der ZEIT Nr. 48/2009) waren Sie der König der Welt." Er lacht kurz und kehlig auf.
ZEIT ONLINE: Sie waren damals stolz darauf, dass Ihnen der Doppelschlag gelungen war: Die Fußball-WM und die Olympischen Spiele würden nach Brasilien kommen. Ihr erfolgreicher Kampf gegen Hunger, Armut und Analphabetentum galt als Modell. Lula, Sie waren mal der Kerl schlechthin! Was ist passiert?

Lula da Silva: Ja, was ist passiert? Die Welt ist merkwürdig, oder? Schauen Sie mal beim Abriss eines Gebäudes zu. Da wird über viele Jahre etwas gebaut und dann kommt ein Typ mit Dynamit und zerstört alles in 30 Sekunden.

Tatsächlich: Die Welt des Lula da Silva ist in den vergangenen Wochen eingestürzt wie ein Haus. Als 2011 abtrat und nach acht Jahren den Präsidentenpalast in Brasília verließ, genoss er noch Zustimmungsraten von 80 Prozent im Volk. Er galt als der beste Präsident aller Zeiten: Der Metallarbeiter aus einfachen Verhältnissen, der feurige Arbeiterführer, der mit den ehrgeizigsten Sozialprogrammen der brasilianischen Geschichte den Hunger, das Analphabetentum und die Armut bekämpfte.

Jetzt kämpft er um sein politisches Erbe. Die Amtsnachfolgerin Dilma Rousseff, von da Silva persönlich ausgesucht, erwies sich als glücklos in der Politik. Sie zerstritt sich mit dem Großteil der Parlamentsmitglieder und wurde im Mai tumultartig abgesetzt – der Senat und der oberste Gerichtshof müssen noch endgültig über ihr Schicksal entscheiden, aber ein erzkonservativer Nachfolger regiert bereits in Brasília und verspricht eine harte Wende nach rechts.

Aber Lula? Statt über die Krise Brasiliens spricht er erst mal über die weite Welt.


mehr:
- Lula da Silva: "Dann können sie den Präsidentenpalast gleich mitverkaufen" (Thomas Fischermann im Interview mit Lula da Silva, ZON, 20.07.2016)

Lula da Silva: We will emerge from the crisis stronger - Talk to Al Jazeera [24:25]

Veröffentlicht am 11.06.2016
Luiz Inacio Lula da Silva, the impoverished son of illiterate farmers, rose to become not just the president of the world's seventh largest economy, but the man who catapulted Brazil onto the global stage as no one ever has.

US President Barrack Obama called him the world's most popular president. Newsweek, Le Monde and the Financial Times dubbed him the world's most influential president.
The former trade union leader who lost a finger working at a metal factory at age 14, is the only Brazilian president to never have gone to university. Yet, even his adversaries recognise that his political skills are unparalleled.

Elected in 2003, the leader of Brazil's left-wing Workers' Party, or PT, embraced both George Bush and Hugo Chavez, determined to assert Brazil's place in the Americas and beyond.

While he played by market rules during his two-term presidency, Lula catapulted tens of millions of impoverished Brazilians into the lower-middle and middle classes, through unprecedented social programmes that won him praise worldwide.

While corruption allegations dogged his party from the start, he left the presidency in 2010 with a historic 80 percent approval rating.

The trajectory of his chosen successor, his former cabinet chief, Dilma Rousseff, has been vastly different. Many said early on she didn't have the political skills of her predecessor.

She now faces an impeachment amid an unprecedented economic and political crisis.

Revelations of a billion-dollar corruption scheme in the state-owned oil company Petrobras while Lula was president, have eroded the legacy of the so-called "Teflon" leader. In March, police detained him for interrogation on suspicion of money laundering, just one of several corruption allegations against him.

Al Jazeera visited Luiz Inacio Lula da Silva at his Sao Paulo foundation, The Lula Institute, which focuses on social equality and economic development, furthering the policies he pursued during his presidency. Al Jazeera's Lucia Newman spoke to Lula about his own legal battles and his key role in trying to save Rousseff from impeachment.

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Südamerikas Weg zur Souveränität // Doku [1:17:47]

Veröffentlicht am 19.07.2014
South of the Border ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2009 von Oliver Stone.

In Südamerika ist eine Revolution im Gange, aber die Welt weiss nichts davon. Oliver Stone macht sich auf den Weg in fünf verschiedene Länder um die sozialen und politischen Bewegungen als auch die falsche Wahrnehmung der Massenmedien zu erforschen. In ungezwungenen Gesprächen mit den Präsidenten Hogu Chavez (Venezuela) , Evo Morales (Bolivien), Lula Da Silva (Brasilien), Christina Kirchner (Argentinien), als auch Ihrem Ehemann und Ex Präsidenten Nesto Kirchner , Rafael Lugo (Paraguay), Rafael Correa (Equador) und Raul Castro (Kuba) bekommt Oliver Stone einen noch nie dagewesenen Zugang auf Informationen und wirft ein neues Licht auf die Geschehnisse und Veränderungen in der Region.

Doku: Russlands Weg zur Souveränität
http://youtu.be/niiz8N0BzSU

Auf der Suche nach der Wahrheit?
hier kann sich jeder auf deutsch Informieren!
http://de.ria.ru/politics/

Doku 2015 - Krieg in Europa!!! Bald auch bei uns? - Ukraine/Donbass 18+
https://youtu.be/KUsfbLKE2AM

Big American Show - Warum Du nichts Wert bist! // Doku 2015 // deutsch
https://youtu.be/juAi9PejXTY

DEUTSCHLAND BEREITET SICH ZUM KRIEG VOR?
https://youtu.be/gH8popwiw0I
Bitte weiter verbreiten!!!!!
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Donnerstag, 17. Dezember 2015

Umweltkatstrophe am Rio Doce: Schlamm drüber

Forscher schweigen, Minenbetreiber lügen, Brasiliens Regierung ist anderweitig beschäftigt. Ein Fluss ist verseucht, der Verursacher klar. Doch Konsequenzen bleiben aus.
Es ist die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens. Ein ganzer Fluss, mehr als 800 Kilometer lang, verseucht. Fünf Wochen ist es jetzt her, dass im Bundesstaat Minas Gerais ein gigantisches Staubecken mit giftigen Rückständen aus dem Eisenerzabbau barst. Der mit Schwermetallen belastete Schlamm ergoss sich in den Rio Doce – von seinem Quellgebiet bis zur Atlantikmündung und begrub ein ganzes Dorf unter sich.

Die "größte Umweltkatastrophe Brasiliens" – auch Umweltministerin Izabella Teixeira bezeichnete das Unglück so drastisch. Ein Superlativ, der vermuten lassen sollte, dass jetzt umfassende Untersuchungen laufen, Aufklärung und Rettungsmaßnahmen. Doch nichts dergleichen passiert gerade. Stattdessen: Lügen, Schweigen und Ablenkungsmanöver. Am morgigen Samstag wird nun eine UN-Delegation ins Unglücksgebiet reisen auf der Suche nach Antworten.

mehr:
 Rio Doce: Schlamm drüber (Philipp Lichterbeck, ZEIT Online, 11.12.2015)
Die Lage am Unglücksort ist längst nicht unter Kontrolle. Zwei weitere zur Germano-Mine gehörende Dämme sind in einem kritischen Zustand. In ihrem Fall gibt Samarco als Grund Überlastung an. Weil der Weltmarktpreis für Eisenerz zuletzt stark gefallen war, erhöhte Samarco 2014 die Eisenerzförderung, um die Verluste auszugleichen.

Dass man dabei mehr Abfallschlamm produzierte als für die Rückhaltebecken zu verkraften gewesen wäre, ignorierte das Unternehmen. Wie nun herauskommt, gab Samarco neun Monate vor dem Desaster die Befüllung des Unglücksreservoirs gegenüber der Staatlichen Stiftung für Umwelt von Minas Gerais mit lediglich 45 Millionen Kubikmetern an. Dabei hatte es bereits ein Volumen von 55 Millionen Kubikmetern erreicht.
siehe auch:
- Dammbruch von Bento Rodrigues (Wikipedia)

Der Rio Doce – eine rotbraune Brühe [3:19]

Veröffentlicht am 01.12.2015
Der Rio Doce, der "süße Fluss", ist auf fast 800 Kilometer eine rotbraune Schlammbrühe statt eines glasklaren Gewässers. Überall tote Fische, das Trinkwasserreservoir für Hundertausende Menschen ist verseucht.
Rückblick:
Am 5.November brechen in der Eisenerzmine Samarco im Bundesstaat Minas Gerais die Dämme zweier Klärschlammbecken. Eine Schlammlawine von 50 Millionen Tonnen Eisenerz, Schwermetallen und Chemikalien stürzt talwärts und überrollt die Ortschaft Bento Rodrigues. 13 Menschen sterben, zehn werden noch vermisst. Die Brühe erreicht den Fluss Rio Doce und zerstört alles, was im und am Fluss lebt. Dem Rio Doce kann kein Trinkwasser mehr entnommen werden und die Pflanzen vertrocknen, weil die Felder nicht mehr bewässert werden können.
Wie giftig ist der Rio Doce?
Die rotbraune Schlacke hat den Atlantik erreicht. Es ist immer noch unklar, wie giftig sie tatsächlich ist. Der Schlamm sei für Menschen nicht giftig, meint der australisch-britische Konzern BHP, der mit dem brasilianischen Bergbauunternehmen Vale die Mine betreibt. Derweil werden auch an der Küste tote Tiere eingesammelt.
Brasiliens Regierung hat von den Minenbetreibern umgerechnet fünf Milliarden Euro für die Säuberung des Flusses gefordert. Umweltschützer fürchten, es könnte Jahrzehnte dauern, bis sich das Ökosystem wieder erholen wird.
(Hervorhebung von mir)


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Brasilien: Giftige Schlammlawine verursacht gewaltige Umweltkatastrophe [2:50]

Veröffentlicht am 29.11.2015
Brasilien: Giftige Schlammlawine verursacht gewaltige Umweltkatastrophe

siehe auch:
- Umweltkatastrophe in Brasilien - Schlammlawine erreicht das Meer (Heike Holdinghausen, taz, 28.11.2015)
- Tod am Rio Doce (Norbert Suchanek, 19.11.2015)
Ersten Mitteilungen des Minenbetreibers zufolge wird ein leichtes Erdbeben der Stärke 3 auf der Richter-Skala als Ursache vermutet. Von Vale und BHP Billiton unabhängige Geologen und Bergbauexperten schließen dies allerdings aus. Jegliche Talsperre sollte solchen, in der Region nicht ungewöhnlichen, schwachen Erdbeben standhalten können. Wahrscheinlicher als eine vermeintlich natürliche Ursache seien Sicherheitsmängel. Solche waren von den Behörden bereits 2013 gerügt worden. Hinzu käme eine kürzlich erfolgte Erhöhung der Belastung der Talsperren: Trotz weltweiten Verfalls der Preise für Eisenerz hatten beide Multis die Produktion ihrer Samarco-Mine im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent auf 30,5 Millionen Tonnen erhöht – mit entsprechender Zunahme des Minenabraums.
Ökonomen werteten diese Maßnahme als Teil eines seit 2011 forcierten Preiskampfs. Es gehe demnach einzig darum, Konkurrenten vom Markt zu drängen. Die Sicherheit der Talsperren, die seit 2014 noch mehr Abraum aufnehmen mussten, wurde dabei offensichtlich vernachlässigt. Die Folgen werden nun vor allem am insgesamt 853 Kilometer langen Rio Doce sichtbar. Der galt bis dahin als größter und ökologisch noch einigermaßen intakter Strom Südostbrasiliens. Hunderttausende leben entlang seines Laufes. Nun haben etwa eine Million Menschen der Region keinen Zugang mehr zu Trinkwasser, weil der Fluss zu einer stinkenden, giftigen Schlammrinne wurde. […]
Dennoch werden die Minenbetreiber nicht müde zu behaupten, der Schlamm sei nicht giftig und stelle keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Eine unabhängige Analyse von Proben aus Teilen des bereits verschlammten Flusse durch das städtische Abwasser- und Wasserversorgungsunternehmen (Serviço Autônomo de Água e Esgoto – SAAE) der Stadt Baixo Guandu bestätigt eine erhebliche im Fluss transportierte Giftfracht vor allem von Arsen, Aluminium, Blei, Kupfer und Quecksilber. Die Konzentration von Arsen liege 260 mal höher als der akzeptable Grenzwert, so Neto Barros, Bürgermeister der von der Schlammkatastrophe betroffenen und ohne Trinkwasser dastehenden Stadt. Und SAAE-Direktor Luciano Magalhães resümiert, die Situation des Rio Doce könne man mit zwei Worten beschreiben: »Toter Fluss«.