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Sonntag, 4. Dezember 2016

NSU: Geheimdienste vs. Öffentlichkeit

NSU-Ausschuss: Der Inlandsgeheimdienst führt Parlament und Öffentlichkeit fortgesetzt vor

Das Stück, das der Bundesverfassungsschutz um die Verschleierung seines Wissens über das NSU-Trio aufführt, wird immer tolldreister. Es heißt: Täuschung von Parlament und Öffentlichkeit und erlebt permanent neue Aufführungen. So auch in der jüngsten Sitzung des Bundestags-Untersuchungsausschusses Anfang Dezember 2016, sprich: fünf Jahre nach Aufdeckung des Skandals. Drei VS-Beamte - vier verschiedene Darstellungen: So lässt sich das Auskunftsverhalten des Dienstes zur Frage der illegalen Aktenvernichtungen im Amt zur Zeit zusammenfassen.

Die Sitzung ergab darüberhinaus weitere Hinweise auf die tendenziösen Ermittlungen sowohl vor dem Auffliegen des NSU-Trios im November 2011 als auch danach. "Vor 2011" wurden die Ressourcen nicht gebündelt - "nach 2011" sollten nur Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos als Täter identifiziert werden.

mehr:
- Bundesverfassungsschutz: "Völlig ratlose" Aktenvernichter (Thomas Moser, Telepolis, 03.12.2016)

Innenministerium ließ nach NSU-Auffliegen Akten vernichten [1:22]

Georg Lehle Veröffentlicht am 20.07.2012 
Untersuchungen zum Rechtsterrorismus Ministerium ließ Verfassungsschutzakten vernichten Das Bundesinnenministerium hat zehn Tage nach dem Auffliegen der Thüringer Neonazi-Terrorzelle NSU die Vernichtung von Verfassungsschutz-Akten zum Thema Rechtsextremismus angeordnet. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Er betonte allerdings, dass die Akten nichts mit dem NSU zu tun hätten. Am 19.07 forderte der NSU Untersuchungsausschuss die deutschen Behörden auf, "die Vernichtung von Akten mit Bezug zum Rechtsextremismus sofort einzustellen." Abgeordnete zeigten sich teilweise "fassungslos" darüber, „wie die Sicherheitsbehörden mit den Akten umgehen und umgegangen sind". http://friedensblick.de/1589/gibt-es-...

Der NSU Komplex - Reportage & Doku ARD 2016 [53:36]

Keper DOKU Veröffentlicht am 10.11.2016 
Doku von Das Erste Deutsche Fehrnsehen aus dem Jahr 2016 über das Nazinetzwerk NSU, das mithilfe und unter den Augen des Staates mordend durch.
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Montag, 15. Februar 2016

Der nächste Todesfall im NSU-Komplex

Der Verlobte der toten Zeugin Melisa M. soll Suizid begangen haben - Gibt es einen Zusammenhang mit dem Fall Florian H. und dem Kiesewetter-Mord?


Im NSU-Komplex gibt es den nächsten Todesfall. Mit einer Woche Verspätung erfährt man vom Tod des 31jährigen Sascha W. aus Kraichtal in Baden-Württemberg. W. war der Verlobte von Melisa M., die im März 2015 vom NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart befragt worden war und vier Wochen danach an einer Lungenembolie verstarb, 20 Jahre alt.


Melisa M. wiederum war einmal Freundin von Florian Heilig, einem Neonazi-Aussteiger, der am 16. September 2013 in seinem Auto auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart verbrannte. Am selben Tag sollte er vom Landeskriminalamt zum Thema NSU vernommen werden. Heilig hatte in der Vergangenheit gesagt, er wisse, wer die Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter 2007 ermordet hatte. Das sollen aber nicht Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gewesen sein.

Sascha W. ist der dritte in einer Kette von Todesfällen, die mit dem NSU-Komplex zusammenhängen.

Er wurde am Montag vor einer Woche (8. Februar) abends gefunden. Weil keine natürliche Todesursache festgestellt wurde, ordnete die Staatsanwaltschaft Karlsruhe eine Obduktion an. Nach Auskunft von Behördensprecher Tobias Wagner habe man "bislang keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden" gefunden. Man gehe von einem Suizid aus. Zusätzlich gebe es eine Abschiedsnachricht von Herrn W., die elektronisch verschickt wurde.

mehr:
- Nächster Todesfall im NSU-Komplex (Thomas Moser, Telepolis, 15.02.2016)

Der Fall Melisa M. - Das NSU-Zeugensterben geht weiter {7:28}

NuoViso.TV
Am 04.04.2015 veröffentlicht
Ein weiterer Zeuge im NSU-Prozess ist gestorben - oder gestorben worden? Erst 2013 verbrannte der damalige Freund von Melisa M. in seinem Auto - angeblich Selbstmord aus Liebeskummer. Sein Vater bestritt dies gegenüber COMPACT. Nun ist Melisa selber tot und reiht sich ein in eine Reihe mysteriöser Todesfälle um den NSU-Prozess.
Die komplette Sendung gibt es unter: https://www.youtube.com/watch?v=Ngtr0...
Unterstütze die Produktion von COMPACT-TV mit einem Abonnenement der monatlichen Heftausgabe: http://abo.compact-online.de

Das unheimliche NSU-Zeugensterben (Jürgen Elsässer) {11:17}

Neue Horizonte
Am 27.03.2014 veröffentlicht
Im NSU Prozess geht es zu wie im belgischen Dutroux-Prozess. Reihenweise werden die Zeugen gestorben - durch mysteriöse und obskure Umstände.
Ein Verschwörungstheoretiker, wer böses dabei denkt?
Ausschnitt aus dm kompletten Interview der COMPACT Ausgabe vom Januar 2014:
https://www.youtube.com/watch?v=MRSKp...

Skandal (NSU) Unglaubliches Interview mit Richter a D Heindl {1:30:20}

GameOverBilderbergr
Am 26.07.2017 veröffentlicht
Gruß an die, die Gerechtigkeit wollen.
Quelle: http://derhonigmannsagt.wordpress.com
Das Video darf verbreitet werden.

siehe auch:
- Das Mord-Trio (Thomas Fischer, ZEIT-Online, 14.07.2015)

zu Thomas Fischer siehe auch:
- Bundesgerichtshof: Der unbequeme Richter (Sabine Rückert, ZEIT Online, 06.10.2014)
- Netzpolitik.org: BGH-Richter Thomas Fischer liest die Leviten (Markus Kompa, Telepolis, 11.08.2015)
Fischer vermisst zudem eine Haltung der Bundesrichterkollegen zum NSA-Skandal: "Wann immer, so mein Eindruck, an den Tischen der bundesgerichtshöflichen Kollegenschaft das Akronym "NSA" fiel und das Wort "Generalbundesanwalt" und der Begriff "Legalität", senkten sich die Köpfe rasch über die Salatsauce und die Fusilli siciliana."
zum NSA-Skandal:
- NSA-BND: Der Bericht des Sonderermittlers (Post, 31.10.2015)

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Dienstag, 3. November 2015

NSU: Mordfall Kiesewetter wird zur Geisterbahn

Polizisten sollen aktuell Zeugen vernommen haben - doch keine Behörde will etwas davon wissen

Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter gerät zur Geisterfahrt. Zwei Zeugen aus Heilbronn erklärten vor dem Untersuchungsausschuss in Stuttgart, vor wenigen Monaten von Kriminalbeamten neu vernommen worden zu sein. Doch keine maßgebliche Behörde will eine solche Vernehmung in Auftrag gegeben haben. Wird das Parlament von der Exekutive hintergangen? Die Aufklärung der NSU-Mordserie gestaltet sich zusehends unheimlicher.
Am 25. April 2007, als in Heilbronn auf die zwei Polizisten Michèle Kiesewetter und Martin Arnold geschossen wurde, war das Ehepaar Muzaffer und Zeliha K. mit ihrem kleinen Kind in einem Park unterwegs, unweit des Tatortes Theresienwiese. Gegen 14.15 Uhr, also kurz nach dem Anschlag, fiel ihnen ein hektisch flüchtender Mann auf, der sich offenbar vor einem über ihnen kreisenden Polizeihubschrauber im Gebüsch verstecken wollte - 1.75 bis 1.80 Meter groß, 25 bis 27 Jahre alt, sportliche Figur, braune Haare, helle Haut, weißes T-Shirt, helle Jeanshose, so ihre Beschreibung.

Die K.s meldeten ihre Beobachtung der Polizei. Die nahm sie ernst und ließ ein Phantombild von dem fliehenden Mann erstellen. Die Sonderkommission Parkplatz wollte es zusammen mit anderen Phantombildern für die Fahndung herausgeben. Doch der verantwortliche Staatsanwalt von Heilbronn untersagte die Veröffentlichung jeglicher Phantombilder mit stets dem Argument: die Angaben der Zeugen seien nicht glaubhaft. Noch im April 2011, vier Jahre nach der Tat, schrieben die Ermittler des Landeskriminalamtes in einem Vermerk: "Die Veröffentlichung des Phantombildes ist notwendig".

Nach der Aufdeckung des NSU im November 2011 rechnete die Bundesanwaltschaft die Tat von Heilbronn allein Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu. Das Phantombild des Mannes, den Muzaffer und Zeliha K. am Tattag flüchten sahen, ähnelt aber weder Böhnhardt noch Mundlos.

mehr:
- Mordfall Kiesewetter wird zur Geisterbahn (Thomas Moser, Telepolis, 03.11.2015)

NSU: Mordfall Kiesewetter [3:09]

Veröffentlicht am 25.01.2014
Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München wird heute zum ersten Mal der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 behandelt. Mehrere damals ermittelnde Polizisten sind als Zeugen geladen.

Quelle: ARD - Mittagsmagazion _ http://mediathek.daserste.de/sendung-...
NSU-Polizistenmord in Heilbronn - Neue Fakten, neue Fragen | REPORT MÜNCHEN [8:16]

Veröffentlicht am 11.07.2012
2007 sollen die beiden Naziterroristen Mundlos und Böhnhardt am hellichten Tag die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen haben. Jetzt tauchen neue Fragen zu diesem Verbrechen auf. Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag verlangen in report MÜNCHEN lückenlose Aufklärung.

ZDF heute journal 21.01.2014 - Der Fall Michèle Kiesewetter [31:01]

Veröffentlicht am 22.01.2014

siehe auch:
- NSU-Ausschuß kritisiert Verfassungsschutz: "Absolute Transparenz soll an vorderster Stelle stehen" (Katharina König im Gespräch mit Korbinian Frenzel, Deutschlandradio Kultur, 06.11.2015)
Nicht nachvollziehbar sei, dass es Geheimdiensten noch immer gelinge, dem Untersuchungsausschuss wichtige Unterlagen vorzuenthalten.
- NSU-Prozess: Das gewalttätige Schweigen der Beate Zschäpe (Interview von Dieter Kassel mit dem Psychologen Christian Kohlross, Deutschlandradio Kultur, 12.01.2015)

Sonntag, 24. Mai 2015

NSU-Sumpf und kein Ende

Der Journalist Peter Ohlendorf recherchiert mit geringen Ressourcen in Sachen Nazi-Untergrundgruppen und kritisiert eine große Untätigkeit in Politik und Medien

Peter Ohlendorf, Jahrgang 1952, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete dann lange Jahre für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Heute produziert er in Freiburg mit einer eigenen Firma Dokumentarfilme. 2012 hatte sein Aufsehen erregender Enthüllungsfilm "Blut muss fließen. Undercover unter Nazis" über die europäische Szene der Nazi-Konzerte auf der Berlinale Premiere. 2014 startete er das NSU-Rechercheprojekt "Heilbronn-Komplex".
► Ende März starb im Kreis Karlsruhe eine ehemalige Zeugin des NSU-Untersuchungsausschusses des Landtags von Baden-Württemberg. Sie war eine Vertraute eines noch wichtigeren Zeugen gewesen, der 2013 kurz vor seiner wohl endgültig brisanten Aussage zum NSU in seinem Auto verbrannte. Die Frau starb angeblich überraschend an einem Blutgerinnsel, das sich nach einem leichten Motorradunfall gebildet haben soll. Haben Sie Zweifel an der offiziellen Version?

Peter Ohlendorf: Grundsätzlich sollten wir als Journalisten und Journalistinnen Zweifel haben – gerade in dem Kontext. Gerade in Baden-Württemberg ist die Aufarbeitung des NSU leider überhaupt nicht so betrieben worden, wie es nötig gewesen wäre. Der Innenminister setzte eine "Ermittlungsgruppe Umfeld" ein – es ist schon seltsam, dass gerade die Behörden, die vieles nicht so ermittelt haben, wie es hätte sein sollen, aufgefordert wurden, sich selbst noch mal zu untersuchen, um festzustellen, ob etwas falsch gelaufen ist. Der Untersuchungsausschuss ließ sehr lange auf sich warten, was – und das ist nett formuliert – peinlich ist.

Es zeigt sich, dass es super wichtig ist, dass andere hineingucken. Der Untersuchungsausschuss tut das nun und wir von der journalistischen Seite sind dazu aufgerufen, da mit aller Skepsis ranzugehen – und natürlich auch mit kühlem Kopf. Ich bin ein absoluter Gegner von Verschwörungstheorien. Wir müssen gucken, wo wir Fakten ans Tageslicht bringen können - und da muss man sich schon fragen: Wie viele Zeugen sterben eigentlich noch auf schwer erklärbare Weise weg? Im neuesten Fall müssen wir die Obduktionsergebnisse abwarten, aber auch mit langem Atem drumherum recherchieren.

mehr:
- "Der Schlüssel zum NSU liegt in Heilbronn" (Ralf Hutter, Telepolis, 24.05.2014)
- NSU: Das Zeugensterben geht weiter (MiGation, 17.04.2014)
» Unterm Strich ist Corelli bereits der Siebte, der unter dubiosen Umständen ums Leben gekommen ist. Die wohl bekanntesten Toten in diesem Zusammenhang dürften Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sein, die offiziell ebenfalls Selbstmord begangen haben, in dem Wohnmobil, das sie zuvor in Brand gesetzt haben sollen. Neuere Untersuchungen lassen allerdings weitere Zweifel an der offiziellen Version aufkommen: In den Lungen der Toten wurden keine Rußpartikel gefunden. Die drei anderen Toten waren hochrangige Beamte des LKA Thüringen, die mit der NSU-Fahndung befasst waren. Sie starben 2001/2002 ebenfalls unter mysteriösen Umständen..«
 - Das große NSU-Zeugensterben geht weiter (Elsässers Blog, 13.04.2014)
Der plötzliche Tod dieses wichtigen Zeugen ist nicht der erste. “Abgefackelt, aufgehängt, ausgelöscht – NSU: Das große Zeugensterben” war schon die Aufmachergeschichte in der Januar-Ausgabe von COMPACT. Darin führten wir insgesamt sechs seltsame Todesfälle auf:
- COMPACT 1/2014 – Das unheimliche NSU-Zeugensterben (Politaia, 28.12.2013)
- Compact im Januar 2014 – Das unheimliche NSU Zeugensterben (Nuoviso, 27.12.2013)
- NSU-Morde (Wikipedia)
- Akten-, Datenvernichtung und Ermittlungspannen (NSU-Morde, Wikipedia)