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Donnerstag, 24. Januar 2019

Die Verbannung der Wahrheit

Seymour Hersh beklagt in seinen Memoiren den Tod des Investigativjournalismus.

Seymour Hersh ist einer der renommiertesten Investigativreporter seiner Zeit: So deckte er zahlreiche Vergehen der US-Regierung und des Militärs auf, darunter das Massaker von Mỹ Lai, die Abhöraffäre um Henry Kissinger oder die Lügen über die Ermordung Bin Ladens. Doch während er Politikern, Konzernen und den eigenen Redakteuren im Kampf um die Wahrheit die Stirn bot, sah er sich immer häufiger mit einem zweifelhaften Aspekt seines Berufsstandes konfrontiert: geheimen Übereinkünften mit den Mächtigen. In seinen Memoiren beklagt Hersh, was diese Anbiederung durch die Medien bedeutet: den Tod des Investigativjournalismus.

Der Investigativreporter Seymour Hersh beschreibt in seinen Memoiren mit dem Titel „Reporter“ einen Moment, in dem er als junger Journalist zufällig mithörte, wie ein Chicagoer Polizist den Mord an einem Afroamerikaner zugab. Der ermordete Mann war von der Polizei fälschlicherweise als Verdächtiger bei einem Überfall dargestellt worden, der erschossen worden sei, als er versucht habe, seiner Verhaftung zu entgehen. In verzweifelter Hektik rief Hersh seinen Redakteur an, um zu fragen, was er tun solle.

„Der Redakteur hielt mich dazu an, nichts zu tun“, schreibt er. „Es stünde mein Wort gegen das all der beteiligten Polizisten, und sie würden mich alle der Lüge bezichtigen. Die Botschaft war klar: Ich hatte keine Story. Doch natürlich hatte ich eine.“ Er beschreibt sich selbst als „voller Verzweiflung angesichts meiner Schwäche und der Schwäche eines Berufsstandes, der mit Kompromissen und Selbstzensur so leichtfertig umging“.

Hersh, der beste Investigativreporter seiner Generation, deckte das Chemiewaffenprogramm des US-Militärs auf, das tausende Soldaten und Freiwillige, darunter Pazifisten der Siebenten-Tags-Adventisten, als menschliche Versuchskaninchen benutzte, um die Auswirkungen biologischer Agenzien wie Tularämie, Gelbfieber, Rifttalfieber und der Pest zu messen.

Er brachte die Geschichte des Massakers von Mỹ Lai ans Licht. Er enthüllte die Abhöraktion Henry Kissingers gegen seine engsten Unterstützer im Nationalen Sicherheitsrat (NSC) sowie gegen Journalisten, die Finanzierung gewalttätiger extremistischer Gruppen durch die CIA zum Sturz des chilenischen Präsidenten Salvador Allende, das Ausspionieren einheimischer Regimekritiker in den USA durch die CIA, die sadistischen Foltermethoden amerikanischer Soldaten und beauftragten Personals im irakischen Abu-Ghraib-Gefängnis, und die Lügen der Obama-Regierung bezüglich des Überfallkommandos, das Osama Bin Laden tötete.

Doch er beginnt seine Memoiren mit dem — jedem Reporter vertrauten — aufrichtigen Geständnis, dass es von den Mächtigen verübte Verbrechen und Ereignisse gibt, über die man nie schreibt, jedenfalls nicht, wenn man seinen Job behalten will. In seinem Buch beklagt er unter anderem seine Entscheidung, einem Bericht nicht nachzugehen, den er erhalten hatte und der Präsident Richard Nixon beschuldigte, seine Frau Pat geschlagen zu haben, sodass sie in einer Notaufnahme in Kalifornien landete.

mehr:
- Die Verbannung der Wahrheit (Chris Hedges, Rubikon, 24.01.2019)

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Ursprünglich vom New Yorker bestellt, dann aber wie auch von der Washington Post abgelehnt,[139] erschien der Beitrag Whose sarin?[140] am 19. Dezember 2013 in der Literaturzeitschrift London Review of Books. Hersh setzt sich mit dem Giftgasangriff von Ghuta in Syrien vom 21. August auseinander und stellt die offizielle Darstellung der amerikanischen Regierung in Frage. Laut Hersh hatte die Obama-Regierung trotz gegenteiliger Behauptungen keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Angriff mit dem Giftgas Sarin.[141] Die Medien hätten versagt, sie hätten die Verlautbarungen des Weißen Hauses ohne weiteres Nachfragen übernommen und die Erkenntnisse von Wissenschaftlern ignoriert. Der Waffenexperte Theodore Postol vom MIT stellte in einer Studie fest, dass die verwendeten Raketen „sehr wahrscheinlich“ vor Ort hergestellt worden seien. Dies jedoch habe der offiziellen Regierungsdarstellung widersprochen und sei deshalb nicht durch die New York Times aufgegriffen worden, jedoch publizierte Postol zuvor, in Zusammenarbeit mit Richard Lloyd, einen Artikel, der über den Nachweis von Sarin berichtete.[142] Vor dem Angriff hätten den US-Geheimdiensten Berichte vorgelegen, die aufzeigten, dass die Al-Nusra-Front in der Lage gewesen sei, größere Mengen des Kampfgases zu produzieren. Obama argumentierte in seiner TV-Ansprache am 10. September jedoch, dass Geheimdienstzeugen sowie UN-Inspekteure die Regierung unter Baschar al-Assad als Täter identifiziert hätten, obschon die Al-Nusra-Front in den Kreis der Verdächtigen hätte mit eingeschlossen werden müssen. Der Uno-Bericht vom 16. September lasse jedoch die Täterschaft offen, so Hersh. Die Ermittler vermerkten mit Sorgfalt, dass sie erst mit fünf Tagen Verzug Zugang zu den Orten des Anschlags erhalten hatten, und nur unter der Kontrolle der Rebellen. „So wie an anderen Orten“, warnte der Bericht, „waren die Örtlichkeiten vor Ankunft der Mission von anderen Personen gut besucht worden … Während der Zeit des Aufenthaltes an diesen Örtlichkeiten kamen Personen an, die andere verdächtige Waffen trugen, ein Hinweis darauf, dass derartiges potentielles Beweismaterial verschoben und möglicherweise manipuliert wird.“[139] Frank Nordhausen, Türkei-Korrespondent der Berliner Zeitung, bezweifelt die Darstellung, der zufolge Ankara Al-Kaida-nahe Gruppen mit Giftgas ausgerüstet habe: „Dafür liefert Hersh keinen einzigen harten Beleg. Er beruft sich nur auf Gespräche mit seinem US-Informanten, dessen Namen er nicht nennt. Hersh arbeitet zudem vorwiegend mit Unterstellungen, Aussagen vom Hörensagen und nicht identifizierbaren Quellen. Wo er konkret wird, sind seine Argumente schwach oder nachweisbar falsch. “[143] 
[Seymour Hersh, Giftgasangriffe in Syrien 2013, Wikipedia, abgerufen am 28.01.2019]
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siehe auch:
Der Giftgas-Anschlag in Ghuta/Duma, August 2013: West-Propaganda zu Syrien und eine vier Jahre alte Geschichte (Post, 17.04.2018)
SEYMOUR M. HERSH, REPORTER IN WASHINGTON (Post, 15.03.2008)


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Für die Aufdeckung der illegalen Aktivitäten der CIA wurde Hersh von der amerikanischen Presse zunächst attackiert, etwa von der Washington Post oder Newsweek. Hersh und sein Redakteur Abraham Michael Rosenthal, der Hersh Rückhalt bot, standen zu diesem Zeitpunkt allein.[81] Um den Anschuldigungen Hershs nachzugehen, berief Präsident Gerald Ford das Untersuchungsgremium Rockefeller-Kommission. Des Weiteren wurde Anfang 1975 das Pike Committee eingerichtet, um die Aktivitäten der CIA zu untersuchen, woraufhin das United States House Permanent Select Committee on Intelligence als ständiger
Memorandum: CIA Matters,
Mitschrift des Justizministeriums der
Vereinigten Staaten zu illegalen
Aktivitäten geschildert in den
„Familienjuwelen“ der CIA berichtet von
William Colby am 31. Dezember 1974
Geheimdienstausschuss entstand. Hershs Enthüllungen waren zudem ein wesentlicher Anlass für die Berufung des Church Committees des US-Senats,[82] das erstmals systematisch die Aktivitäten der US-Nachrichtendienste untersuchte. Infolge der Aufdeckung kam es zu umfangreichen Reformen der CIA.[62]
Walter Pincus schrieb in New Republic, dass seit Watergate nichts einen so großen Eindruck auf die Regierung hinterließ wie Hershs Artikel.[83] Nach Timothy S. Hardys Beurteilung habe Hersh es allein vollbracht, nachrichtendienstliche Aufklärung zu einem Hauptthema des Jahres 1975 zu machen, welchem sich weder Präsident Ford noch der Kongress hätten entziehen können. Eben dadurch sei in den Vereinigten Staaten Watergate erst zu dem Ereignis geworden, das es heute darstelle.[62] Laut Robert Miraldi wurde Hersh, in Folge seiner Entdeckung, zu dieser Zeit ein Liebling der amerikanischen Medien.[84] Der Journalismus änderte sich nunmehr, mit Hershs Präsenz wurde der investigative Journalismus zur Mode. So schrieb der Herausgeber der TimesArthur Sulzberger seiner Nachrichtenredaktion: „Alle Reporter sollten ‚investigative Reporter‘ sein, für was auch immer das steht.“ Teams von investigativen Journalisten wurden die Norm und eine Organisation namens Investigative Reporters and Editors (IRE) bildete sich 1975.[85]
[Seymour Hersh, Abhörskandal der CIA und Familienjuwelen, Wikipedia, abgerufen am 28.01.2019]

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Das Massaker von Mỹ Lai (Son My) war ein Kriegsverbrechen US-amerikanischer Soldaten in Südvietnam, das am 16. März 1968 während des Vietnamkrieges in dem Gemeindeteil Mỹ Lai des Dorfs Sơn Mỹ, genannt My Lai 4, begangen wurde. Das Massaker an 504 Zivilisten wurde von der US-Armee zunächst vertuscht. Erst durch Recherchen des investigativen Journalisten Seymour Hersh gelangte das Geschehen an die Öffentlichkeit, wobei die Veröffentlichung der Reportage zunächst für etwa ein Jahr von sämtlichen Medien abgelehnt worden war. Hersh erhielt 1970 den Pulitzer-Preis, die Veröffentlichung trug maßgeblich zum Wandel der öffentlichen Meinung über den Krieg bei.
[Massaker von Mỹ Lai, Wikipedia, abgerufen am 28.01.2019]
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Seymour Hersh on the golden age of journalism {7:12}

CBS Sunday Morning
Am 17.06.2018 veröffentlicht 
“Reporter: A Memoir,” by the Pulitzer Prize-winning investigative journalist Seymour Hersh, recounts a blockbuster career in which he shone a spotlight on war crimes and political scandals. CBS News national security correspondent David Martin sits down with the 81-year-old Hersh, still breaking scoops with zeal.

Seymour Hersh: USA verleumdeten Assad im Fall des Giftgas-Angriffs auf Ost-Ghuta {12:35}

RT Deutsch
Am 17.06.2018 veröffentlicht 
"Unsere Regierung wusste, dass es zwei Verdächtige gab" - Der US-amerikanische Investigativjournalist Seymour Hersh legt einige pikante Details zur Reaktion der USA und ihrer westlichen Verbündeten auf den Angriff in Ost-Ghuta 2013 offen.
Das 2013 bei einem Angriff der syrischen Regierungstruppen auf die damalige Rebellen-Hochburg Ost-Ghuta freigesetzte Sarin sei ein anderes gewesen als jenes aus den syrischen Armeebeständen, sagt Hersh.
Über dessen genaue Beschaffenheit hätten den USA die Daten vorgelegen - ebenso wie Proben vom Nervengift aus Ost-Ghuta, die russische Geheimdienste den USA zur Verfügung gestellt hätten. Auch weitere Daten aus geheimdienstlichen Lageberichten wiesen auf mindestens einen weiteren Verdächtigen hin - dennoch hätten die USA und ihre Verbündeten Baschar al-Assad zum einzigen Verdächtigen erklärt.
Nur mangels öffentlicher Unterstützung im Inland habe der damalige US-Präsident Barack Obama Syrien nicht bombardieren lassen, fasst Hersh zusammen.

(Doku in HD) Der Vietnamkrieg (5) Der Fall My Lai {44:27; Start bei 22:00}

DokuHeld2016
Am 12.03.2017 veröffentlicht 
Das 1968 von amerikanischen Soldaten an vietnamesischen Zivilisten verübte Massaker gehört zu den grausamsten der modernen Kriegsgeschichte und wurde zum Sinnbild des schmutzigen Krieges. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass My Lai im Vietnamkrieg kein Einzelfall war.

Mittwoch, 14. November 2018

Dr. Daniele Ganser: Der illegale Krieg gegen Vietnam 1964

Wer KenFM schon länger verfolgt, wird kaum um einen der zahlreichen Vorträge des Schweizer Historikers und Friedensforschers Dr. Daniele Ganser herumgekommen sein. Obgleich jeder Vortrag einen anderen thematischen Schwerpunkt legt, haben doch alle ein verbindendes Element: Das Prinzip der Menschheitsfamilie und wozu der Mensch fähig ist, wenn dieses Prinzip mittels Kriegspropaganda unterminiert wird. Umso stärker betont Dr. Ganser in allen seinen Vorträgen das UNO-Gewaltverbot.

Aufklärungsarbeit, wie die von Dr. Ganser, ist in einer von Informationen überfluteten und getäuschten Gesellschaft unerlässlich. Die Vergegenwärtigung historischer Abläufe erleichtert es dem Einzelnen, wiederkehrende Muster der Desinformation und Spaltung schneller zu entlarven und dient als Abwehrmittel gegen die kontemporäre Kriegspropaganda.

mehr:
- Dr. Daniele Ganser: Der illegale Krieg gegen Vietnam 1964 (Post, 10.11.2018)
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Donnerstag, 3. März 2016

Daniel Ellsberg, Vater aller Whistleblower

Ehrung Daniel Ellsberg machte die Wahrheit über den Vietnamkrieg öffentlich. Nun bekam der 84-Jährige den Dresden-Preis. Die Laudatio von Jakob Augstein
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Mr. Ellsberg, wir kennen uns nicht persönlich, aber ich habe sehr viel über Sie gelesen, ich weiß, was Sie getan haben, und das beeindruckt mich sehr. Ich verneige mich vor Ihnen. Fast am meisten beeindruckt hat mich ein Artikel, den Sie für die Washington Post geschrieben haben, im Juli 2013. Da hatte Edward Snowden gerade Asyl in Moskau gefunden.
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Sie haben damals geschrieben: „Viele Leute erwähnen mein Beispiel und werfen Edward Snowden vor, sein Land verlassen zu haben, anstatt sich hier der Strafverfolgung zu stellen, wie ich das getan habe. Ich bin nicht dieser Ansicht. Das Land, in dem ich damals geblieben bin, war ein anderes Amerika, und das ist lange her.“

Sie haben Snowden in Schutz genommen. Und Sie haben das Risiko, das Sie selbst damals auf sich genommen haben, nachträglich harmloser gemacht, als es war. Aber Ihr Risiko war nicht klein. Wenn es nach Richard Nixon und Henry Kissinger gegangen wäre, dann hätten Sie bis zum Jahr 2008 im Knast gesessen – bei guter Führung. Sie hatten Glück. Nixon hat es übertrieben – in Ihrem Fall wie viele Jahre später im Watergate-Skandal. Er hat Leute geschickt, die in die Praxis Ihres Psychoanalytikers einbrachen, um irgendwelches Material gegen Sie zu sammeln. Ihr Telefon wurde abgehört, obwohl es dafür keinen Beschluss gab. Schließlich tauchte eine geheimdienstliche Anweisung auf, die forderte, „D. E. vollständig außer Gefecht zu setzen“.

mehr:
Vater aller Whistleblower (Jakob Augstein, der Freitag, 03.03.2016, Hervorhebung im folgenden Zitat von mir)

Die Staaten des Westens sind Demokratien. Es wird gewählt. Regierungen wechseln. Es gibt die Medien, die mehr oder weniger unabhängig sind. Es gibt Nichtregierungsorganisationen. Es gibt die Gewaltenteilung. Das ist alles schön und gut, und wir sollten uns darüber freuen. Denn es könnte tatsächlich schlimmer sein.

Aber unter dieser Oberfläche gibt es unsichtbare Tiefenstrukturen. Von Macht und Rechtlosigkeit, von Überwachung und Kontrolle und von Gehorsam. Vor allem von Gehorsam. Es gibt eine funktionstüchtige Infrastruktur des vollkommenen Polizeistaats, in die wir alle eingebettet sind. Wir sehen sie nicht. Wir spüren sie nicht. Aber sie umgibt uns. Wir leben in einem ruhenden Polizeistaat, in einem schlafenden Polizeistaat – der jederzeit zum Leben erweckt werden kann.

Wer diesem Rechtsstaat in die Quere kommt, kann sich auf einiges gefasst machen. Chelsea Manning verbrachte neun Monate in Isolationshaft. Sie musste nachts ihre Kleider abgeben und morgens nackt vor der Zelle antreten. Körperliche Übungen waren ihr verboten. Das Licht brannte unablässig. Das ist der Rechtsstaat.

Und Selbsttäuschung war es, die viele Journalisten in Deutschland eher mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen reagieren ließ. Der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, war da typisch. Er schrieb, er wünsche sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat“. Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das grausame Waterboarding in den Gefängnissen der CIA, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch Whistleblower. […
]
Nach US-amerikanischem Recht ist die Überwachung der Welt erlaubt. Was soll das? Diesen Rechtsanspruch können sich die Amerikaner gar nicht selbst genehmigen.

In Bezug auf ihre Auffassung von Sicherheitspolitik sind die USA heute ein totalitärer Staat. Solange das so ist, haben wir eine besondere Verpflichtung, wir in Europa, wir in Deutschland. Es ist die Verpflichtung, die Flamme der Freiheit nicht ausgehen zu lassen. Es ist die Verpflichtung, jenen, die gegen diesen Totalitarismus kämpfen, Schutz zu gewähren.
 
Mein Kommentar:
Wenn Augstein das wirklich glaubt, was er hier sagt, wieso schreibt er dann nicht gegen die Ukraine-Berichterstattung an?

DER GEFÄHRLICHSTE MANN IN AMERIKA - DANIEL ELLSBERG UND DIE PENTAGON-PAPIERE {1:31:15}

AAERAA
Am 06.08.2012 veröffentlicht
DER GEFÄHRLICHSTE MANN IN AMERIKA
[http://aaeraa.blogspot.com]
Der Amerikaner Daniel Ellsberg hatte im März 1971 der „New York Times" eine streng geheime Regierungsstudie über die Vietnampolitik der USA zugespielt.
Papiere aus einem Safe nehmen, kopieren und an Journalisten verteilen -- das klingt bereits gefährlich. Der Amerikaner Daniel Ellsberg hatte im März 1971 der „New York Times" eine streng geheime Regierungsstudie über die Vietnampolitik der USA zugespielt. Die 7000 Seiten umfassenden „Pentagon-Papiere" belegten, dass gleich mehrere Präsidenten das Engagement der USA in Indochina vor der Öffentlichkeit heruntergespielt hatten, während längst Krieg und Bombardements geplant worden waren.
Die Nixon-Regierung ging gegen die Veröffentlichung der „Pentagon-Papiere" mitten im Vietnamkrieg mit allen Mitteln vor. Das FBI fahndete nach Ellsberg und seiner Frau, die tagelang untertauchten und in dieser Zeit weitere Zeitungen mit Kopien versorgten. Als sich der ehemals hochrangige Pentagon-Mitarbeiter schließlich stellte, drohten ihm laut Anklage 115 Jahre Gefängnis, unter anderem wegen Spionage und Verschwörung. Der Prozess wurde allerdings eingestellt. Und die Veröffentlichungsverbote, die die Regierung gegen die US-Presse erwirkt hatte, wurden vom Obersten Gericht kassiert. So geriet die Affäre zu einem Meilenstein in Sachen Pressefreiheit.
Vor einigen Jahren wurde Ellsberg von James Spader im Spielfilm „The Pentagon Papers" dargestellt, doch der in diesem Jahr „Oscar"-nominierte US-Dokumentarfilm erzählt die politisch brisante Geschichte nicht weniger packend. Im Mittelpunkt steht der mittlerweile ergraute Ellsberg, der im August 1964 als junger Wissenschaftler und ehemaliger Analyst der Rand Corporation, einer Denkfabrik der US-Streitkräfte, zum Pentagon wechselte. Er arbeitete Verteidigungsminister Robert McNamara zu und sammelte unter anderem Berichte über Gräueltaten des Vietcong -- als Argumentationshilfe für McNamara, der Präsident Lyndon B. Johnson zu systematischen Bombardierungen überreden wollte. Ellsberg war überzeugt von der Mission, Vietnam vor dem Kommunismus zu retten.
Die Autoren Judith Ehrlich und Rick Goldsmith haben akribisch Bildmaterial und Zeitzeugenaussagen gesammelt und zu einem spannenden Politthriller montiert. Ihr Film bietet nicht nur wegen der Tiraden Nixons („Ich schere mich um die Zivilisten einen Dreck") ernüchternde Einblicke in die US-Administration während des Vietnamkriegs. Am Ende demonstriert ein weißhaariger Daniel Ellsberg gegen den Irakkrieg und wird von der Polizei abgeführt.

siehe auch:
Die Seidenstraßenstrategie (Post, 11.06.2015)
- Putin hat gesprochen! Howgh! – Die Valdai-Rede (Post, 26.10.2014)
- Gegen den Krieg – Können wir sachlich bleiben? (Post, 12.12.2014
Ist er tatsächlich so doof? (Post, 01.03.2007)
Ich gab meinen Arbeitsplatz, meine Karriere,
meine Sicherheitseinstufung auf
und setzte meine Freiheit aufs Spiel.
Und das alles für ein Unterfangen
mit ungewissem Ausgang, in der Annahme,
dass sich die Öffentlichkeit,
wenn sie die Tragweite der ihr
25 Jahre lang aufgetischten Lügen
zur Schlächterei in Vietnam erführe,
gegen den Krieg entscheiden würde.
Leider lernt man dabei etwas
über seine Mitmenschen,
das man eigentlich gar nicht wissen will:
daß sie zuhören, daraus lernen,
sogar verstehen …
und es dann aber weiter ignorieren. 
 [Daniel Ellsberg](Daniel Ellsberg, *1931, Whistleblower, mitverantwortlich für die Veröffentlichung der Pentagon-Papiere 1971, in einem Radio-Interview 1972, zitiert aus  
Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere [da zu finden ab 1:19:20])

»Als wir begannen, die Geschworenen auszuwählen, brachten wir ihm einen Psychiater als Experten mit. Er sagte uns, daß wir zwei junge Männer verteidigen würden, kluge Männer, die viel erreicht hätten; Männer mit einer Zukunft, die bereit wären, all das nicht für sich selbst oder ihre Karriere zu opfern, sondern für ein Prinzip. Und der Psychiater riet uns: ›In diese Jury sollten Sie keine Männer mittleren Alters berufen, denn das könnten Männer sein, die vielleicht im Laufe ihres Lebens Prinzipien für ihre Karriere, für ihre Familie geopfert haben.‹ Sie hätten nur Geringschätzung, womöglich nur Verachtung übrig für zwei Männer, die um ihrer Prinzipien willen all das aufs Spiel gesetzt haben.«
[Leonard Weinglass, Verteidiger von Anthony Russo, in: Der gefährlichste Mann in Amerika – Daniel Ellsberg und die Pentagon-Papiere  {1:31:15 – Leonard Weinglass: »In diese Jury sollten Sie keine Männer mittleren Alters berufen.« ab 1:21:44]

Die Meinung der Arbeiter über Studenten der 68er-Bewegung {0:42}

Nihilistible
Am 21.08.2012 veröffentlicht 
Gegen-Sozialismus.jimdo.com
http://gegen-sozialismus.jimdo.com

Zitat aus obigem Video:
»Irgendwie wollten die Arbeiter nicht das richtige Klassenbewußtsein eintwickeln. Vielleicht wollten sie lieber einen Opel Kadett…Dutschke & Co. hofften auf ein Proletariat, das es nicht gab.«

»Wir stehen nicht auf der falschen Seite.
Wir sind die falsche Seite.« 

[Daniel Ellsberg]

Samstag, 9. Mai 2015

Das notwendige Umdeuten des verlorenen Vietnamkriegs

USA Endlich rehabilitieren Politiker und Medien den 1975 endgültig verlorenen Vietnam-Krieg. Offensichtlich verlangt das die Staatsräson

Vietnam darf keine Warnung sein vor Kriegseinsätzen. Die Leute von der Antikriegsbewegung der frühen 70er Jahre, die bei all ihrer Zerstrittenheit recht hatte, sollen nicht als ermutigendes Beispiel gelten. Eine Oppositionsbewegung darf nicht gewinnen. Schon gar nicht an Deutungsmacht über eine Militäraktion, die vor vier Jahrzehnten wenig Ruhm einbrachte. Das Pentagon nannte die Operation seinerzeit – warum auch immer – Frequent Wind („Häufiger Wind“). Es gab den Auftrag, Ende April 1975 per Hubschrauber die letzten verzweifelten südvietnamesischen Helfer und Mitarbeiter aus der Hauptstadt Saigon herauszubringen.

Diese dramatischen Tage scheinen lange her zu sein. Die Hälfte der heutigen US-Bürger war nicht geboren, als in Vietnam Napalm abgeworfen, Wälder mit dem Pflanzengift Agent Orange entlaubt wurden oder Kambodscha durch die US-Invasion im April 1970 in einen Krieg taumelte, der Pol Pot und den Roten Khmer zum Aufstieg verhalf. Die US-Vietnamveteranen sind inzwischen ältere Herren. Auch die meisten Friedensbewegten von damals dürfen zum Seniorentarif die Subway benutzen.

Gefühl des Stolzes

40 Jahre nach dem Vietnam-Krieg gibt man in den USA zu: Die Sache war ein Desaster. Ex-Außenminister Kissinger – damals ein Hundertprozentiger – spricht von einem „schmerzlichen Prozess“. Amerika habe „seinen ersten Krieg verloren und die Richtschnur für sein Konzept der Weltordnung“. Eine Niederlage zuzugeben ist das eine, sie zu bewerten das andere. Und es wird heftig gerungen um die Deutungshoheit, die wichtig ist für eine Nation, die seit Vietnam pausenlos irgendwo Krieg führt.

Maßgebend bei der Vietnam-Analyse sind heute staatstragende Thesen des Kalibers: Man habe trotz des schlechten Ausgangs für das Gute gekämpft. Inzwischen wird die Vergangenheit so zurechtgebügelt, dass die nach Angaben des Veteranenministeriums 2,7 Millionen US-Soldaten, die zwischen 1964 und 1975 oft unfreiwillig als Wehrpflichtige nach Indochina mussten, in die Kategorie „Helden“ aufgenommen worden sind.

In einer Proklamation von Präsident Barack Obama am 28. Mai 2012, zum 50. Jahrestag des Vietnam Krieges, klang das so: Die „dankbare Nation“ ehre die Soldaten, „die tapfer gekämpft haben. Sie kämpften sich durch Dschungel und Reisfelder, Hitze und Monsun, heroisch, um die Ideale zu verteidigen, die uns Amerikanern wichtig sind“. Bei so viel Pathos bleibt nicht viel Platz zum Reflektieren über mehr als zwei Millionen tote Vietnamesen. Auch wenig Platz für die Anti-Kriegsbewegung und die vielen Wehrpflichtigen, die damals Befehle verweigert oder sich von der Truppe abgesetzt haben. 1971 hieß es im Armed Forces Journal, die Army in Vietnam befinde sich „in einem Zustand, der sich dem Kollaps nähert“. Nach dieser Erfahrung hat Präsident Richard Nixon die Wehrpflicht 1973 abgeschafft.

mehr:
- Ideale verteidigen, Geschichte umdeuten (Konrad Ege, der Freitag, 06.05.2015)

Apokalypse Vietnam: Der Krieg in Indochina 1968 bis 1975 [1:28:53]

Veröffentlicht am 13.06.2013
Mit russischen Waffen ausgerüstet, stürmen nordvietnamesische Soldaten den US-Stützpunkt Khe Sanh an der Grenze zu Laos. Obwohl der Angriff nur als Ablenkungsmanöver geplant war, entbrennt eine blutige Schlacht. 1973 wird ein Friedensabkommen in Paris unterzeichnet. Das Morden zwischen Süden und Norden geht weiter... Bislang unveröffentlichte Bilder aus Filmarchiven in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, liefern neue Einblicke in die Geschichte Vietnams.

Im April 1975 wurden die letzten Amerikaner vom Dach der US-Botschaft in Saigon evakuiert: Einer der längsten Kriege des 20. Jahrhunderts war zu Ende. 25 Jahre später werteten die deutschen Dokufilmer Eike und Dehnhardt die Archive in Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt und den USA aus und stellten bis dato unbekanntes Material zusammen.Gemischt mit Interviews von Zeitgenossen und Politikern, die für die historischen Weichenstellungen verantwortlich waren, entsteht ein recht ausgewogenes Bild über die Geschichte des Krieges.