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Samstag, 18. November 2017

Auf dem Weg zu einem kurdischen Staat?

Im Telepolis-Salon sprach Kamal Sido über die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden

Eingeladen haben wir den Historiker Kamal Sido als Gast zum Telepolis-Salon mit dem Thema "Separatismus oder die Sehnsucht, unter sich zu bleiben", der am 13. November im Lovelace stattfand. Er ist Kurde und im syrischen Afrin aufgewachsen, studierte in Moskau und lebt seit 1990 in Deutschland. Seit 2006 ist er Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen.
v Thomas Pany sprach mit Kamal Sido über den Wunsch vieler Kurden nach einem eigenen Staat. Die irakischen Kurden haben vor kurzem ein Referendum durchgeführt. Fast alle, die an ihm teilgenommen haben, stimmten für die Loslösung vom Irak.

Das kurdische Volk, so Sido, ist nicht einheitlich, sondern vielfältig: sprachlich, religiös, politisch, kulturell. Die Kurden hätten deswegen auch Schwierigkeiten, sich zu einigen. Der Wunsch nach Unabhängigkeit werde durch die Verfolgung und die fehlende Akzeptanz der kurdischen Kultur verursacht. In Syrien hätten die Kurden Fakten geschaffen, bis 2011 gab es keine Schulen, in denen kurdisch gesprochen werden konnte. Im Irak versuche die Zentralregierung auch immer, kurdische Schulen zu schließen. Gegenwärtig spreche man in Bagdad nicht mehr von der kurdischen Regionalregierung oder Kurdistan, sondern nur noch von Nord-Irak. Durch das Verhalten der irakischen Regierung seien nun auch die Kurden, die erst einmal Nein zur Unabhängigkeit gesagt haben, für eine Loslösung. Die Zentralregierung habe aus der Abstimmung nichts gelernt und sei nicht auf die Kurden zugegangen.

mehr:
- Auf dem Weg zu einem kurdischen Staat? (Florian Rötzer, Telepolis, 17.11.2017)

PKK, Öcalan und die Kurden Frage Doku HD Arte {51:54}

Veröffentlicht am 16.05.2016
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Vor dem Hintergrund der Bedrohung der nordsyrischen Stadt Kobane durch den Islamischen Staat (IS) schildert die Dokumentation an der sich wandelnden öffentlichen Wahrnehmung Abdullah Öcalans vom Terroristen zur "Stimme des Friedens" den Konflikt um die Eigenständigkeit der Kurden und mahnt eine Lösung der Kurdenfrage an, ohne welche die Region weiter destabilisiert würde.
Die Kämpfe kurdischer Truppen der Partei der demokratischen Union (PYD) und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gegen das Vordringen des Islamischen Staates (IS) rückten die nordsyrische Stadt Kobane in den Blick der Öffentlichkeit. Kobane wurde zum Symbol für die Zukunft der kurdischen Bevölkerung in der Türkei und in Syrien. Aus seiner Zelle auf der Insel Imrali warnte der seit 1999 dort inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan die Türkei: Sollte Kobane in die Hände des IS fallen, wäre der Friedensprozess beendet. Dieser Dialogversuch zwischen Öcalan und Ankara war der bisher weitgehendste.
Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges kämpfen rund 40 Millionen Kurden in den Ländern Türkei, Syrien, Irak und Iran um Autonomie, um das Recht, ihre Sprache und Kultur zu pflegen. Damals hatte man den Kurden einen eigenen Staat versprochen. Diese Zusage wurde nie eingelöst, so sind die Kurden heute das größte Volk der Erde ohne eigenen Staat. Der Kampf um eine kulturelle Identität radikalisierte sich 1978, als die PKK gegründet wurde. Fünf Jahre später erklärte die Partei dem türkischen Staat den Krieg. In den folgenden 30 Jahren starben über 40.000 Menschen in diesem Konflikt. Und Abdullah Öcalan wurde zur Symbolfigur der kurdischen Guerilla.
Die Dokumentation schildert anhand der öffentlichen Wahrnehmung Öcalans diese Auseinandersetzung, vom Feind Nummer 1 der Türkei zur „Stimme des Friedens“, wie das US-Magazin TIME Öcalan bezeichnete. Die Türkei kann nicht mehr umhin, die Kurdenfrage zu regeln, ohne eine weitere Destabilisierung der gesamten Region zu riskieren.
Origin: WDR
Land: Frankreich
Jahr: 2014
Als Live verfügbar: ja
Tonformat: Stereo
Bildformat: HD, 16/9
Arte+7: 10.02-17.02.2015

Freitag, 22. Januar 2016

Heute vor 70 Jahren – 22. Januar 1946: Ausrufung der kurzlebigen Republik Kurdistan

Der kurze Traum vom eigenen Staat 

Seit Jahrhunderten träumen die kulturell eigenständigen Kurden, die heute in Gebieten der Türkei, des Irak, des Iran und Syriens leben, von einem eigenen Staat. Als im Zweiten Weltkrieg Briten und Sowjets Teile des Iran besetzten, schien die Verwirklichung des Traums näher zu rücken, zumal die Sowjets die Kurden zur Bildung eigener politischer Organisationen ermutigten. Und so rief der Kurdenpräsident Qazi Mohammed (1900-1947) heute vor 70 Jahren in Mahabad im Nordwesten des Irans die »Republik Kurdistan« unter sowjetischem Schutz aus. Sie erhielt Zuzug von 3000 entschlossenen Kurdenkriegern aus dem irakischen Exil unter Führung von Mustafa Barzani (1903-1979), der zum General der neuen Republik aufstieg. 
Bewaffnete kurdische Rebellen in Aserbeidschan, 1940er Jahre
Mit Energie und Enthusiasmus arbeitete die Republik eine Verfassung und umfangreiche Bildungsmaßnahmen aus. Doch der Rückzug der Sowjets im Rahmen der Nachkriegsordnung ermöglichte das Vordringen der iranischen Armee von Schah Reza Pahlewi, die den Kurdenstaat bis zum 16. Dezember 1946 blutig niederschlug. Qazi Mohammed und seine Minister wurden Ende März 1947 in Mahabad öffentlich gehenkt, Barzani gelang die Flucht in die Sowjetunion. Die Republik Kurdistan ist bis heute das idealisierte Vorbild der politischen Kurdenorganisationen. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2016