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Freitag, 23. März 2018

Eine Deutsche als Geshe

Kerstin Brummenbaum reist als junge Frau um die Welt und landet letztlich in einem buddhistischen Kloster im indischen Dharamsala. Dort beginnt sie das Studium des Buddhismus und ist fasziniert. Die junge Frau legt das Nonnengelübde ab und nennt sich fortan Kelsang Wangmo. Jahre später wird ihr der Titel eines Geshe verliehen. Sie ist damit die erste weibliche Gelehrte im tibetischen Buddhismus. Mit n-tv.de spricht sie über ihr Leben als Nonne, über Verzicht und Feminismus.
mehr:
- Buddhas erste weibliche Gelehrte: "Für die Tibeter war ich die weiße Krähe" (Mit Kelsang Wangmo sprach Lisa Schwesig, n-tv, 22.03.2018)

Geshema Kelsang Wangmo: On Becoming The First Geshema {3:57}

Am 06.05.2016 veröffentlicht
YoginiProject  
- Preview clip for "Women On The Path" and The Yogini Archives on 'Becoming the First Geshema' from an interview with Geshema Kelsang Wangmo, Dharamsala, India, April 2015.
Full interview at The Yogini Archives:
https://vimeo.com/ondemand/theyoginia...

Samstag, 7. Januar 2017

Die bisher ältesten Fußstapfen Tibets

Forscher rätselten lange, wann die ersten Menschen die extremen Höhenlagen des tibetischen Hochplateaus besiedelten. Ein Forscherteam konnte nun Abdrücke datieren.
Das tibetische Hochplateau ist eines der letzten Gebiete der Erde, das von Menschen besiedelt wurde. Lange rätselten Forscher, wann unsere Vorfahren zum ersten Mal in die extremen Höhenlagen vordrangen. Ein Forscherteam vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck hat nun den bisher ältesten archäologischen Nachweis für die dauerhafte Besiedlung der Gegend geliefert.

Die Schlussfolgerung des Teams um Michael Meyer: Die ersten Menschen müssen vor über 8.000 bis 12.000 Jahren in die abgeschiedene Gegend Chusang in Tibet gezogen sein (Science: Meyer/Wang, 2017). Die Geologen und Archäologen nutzten verschiedene Methoden, um das Alter fossiler Hand- und Fußabdrücke im Kalkstein zu datieren.

mehr:
- Archäologie: Das sind die bisher ältesten Fußstapfen Tibets (ZON, 05.01.2017)

ZDF Expedition Sagenhafte Völker Mumienkult in Tibet Das Geheimnis der Mönche 2004, Doku {41:48}

inspirianc
Veröffentlicht am 20.09.2015


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Montag, 5. Dezember 2011

Seltene Bilder chinesischer Brutalität in Tibet fanden ihren Weg ins Ausland

Ein paar Bilder, welche das brutale Vorgehen der Chinesen gegen tibetische
Mönche und Laien, und ihre selbstherrliche Machtdemonstration vor Augen
führen, sind im Internet aufgetaucht.

Eine chinesische Website aus der USA, boxun.com, veröffentlichte am
Freitag acht Bilder, die die Wahrheit der Repression in Tibet offenbaren
(1). Mit auf dem Rücken gebundenen Armen werden Tibeter, bewacht von
Sicherheitspersonal, in Militärfahrzeugen durch die Straßen gefahren und
öffentlich zur Schau gestellt. Mönche, die Schilder um den Hals gehängt
bekamen, auf denen ihre Namen und ihre „Verbrechen“, wie etwa „Separatist“
stehen, knien auf dem Boden.

Weitere Bilder zeigen, wie große Kontingente der People’s Armed Police
(PAP, Militärpolizei) und einer Sondereinheit der PAP, ausgerüstet mit
Schnellfeuerwaffen, auf den Straßen marschieren. Obwohl auf der Website
boxun.com keine Angaben über den Ort und das Datum der Bilder gemacht
werden, konnten Organisationen und Personen im Exil einige davon
identifizieren.

Ein Mönch des Schwesterklosters von Kirti in Dharamsala, Kanyag Tsering,
sagte Phayul, daß vier der Bilder in Ngaba aufgenommen worden seien.

„Das von einem Auto aus gemachte Bild ist auch aus Kirti, denn man sieht
deutlich die Stupa des Klosters im Hintergrund, und im Vordergrund sind
chinesische Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren zu sehen, die die Kreuzung
besetzt halten“, fügte Tsering hinzu.

Tsering konnte zwar nicht genau sagen, wann die Bilder aufgenommen wurden,
doch er erkannte die Häuser und Straßen auf zwei anderen Bildern, auf
denen man sieht, wie die paramilitärischen Einheiten der Polizei (PAP)
ihre Macht demonstrierend auf den Straßen der Stadt Ngaba marschieren.

„Das Foto, das chinesische Sicherheitskräfte in grünen und blauen
Uniformen zeigt, wurde in der Nähe des Marktplatzes von Ngaba
aufgenommen“.

Das Kloster Kirti und die Gegend von Ngaba sind schweren Einschränkungen
unterworfen, seit sich im März dieses Jahres der junge Mönch Phuntsog aus
Protest gegen die chinesische Besetzung Tibets selbst anzündete und die
Rückkehr des Dalai Lama aus dem Exil forderte.

Seitdem haben elf weitere Tibeter – Mönche, Nonnen und Laien – Feuer an
sich gelegt, als letzter Tenzin Phuntsok, der sich am 1. Dezember in
Chamdo anzündete.

In dem einzigen Bericht eines ausländischen Journalisten, den es seit März
direkt aus Ngaba gibt, sagte der AFP-Reporter Robert Saiget im Oktober,
daß „Sicherheitskräfte, viele mit Schulzschilden und Schlagstöcken
bewaffnet, die Straßen der Stadt säumen“.

„Große Einheiten von Soldaten in Kampfanzügen waren zu sehen, die
Maschinengewehre, mit Stiften an der Spitze versehene Metallstangen und
Feuerlöscher trugen, während Polizeibusse, Lastwagen und gepanzerte
Mannschaftswagen die Straßen blockierten“. Der AFP Report deckt sich
völlig mit diesen nun an die Öffentlichkeit gelangten Bildern.

„Diese Fotos zeigen plastisch die Unterdrückung der Tibeter, sie
offenbaren die Wahrheit“, kommentierte Woeser auf ihrer Blog-Seite (2).

(1) http://boxun.com/news/gb/china/2011/12/201112021216.shtml

(2) http://woeser.middle-way.net/2011/12/blog-post.html
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Über 400 Personen schrieben an die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und
Sicherheitspolitik Catherine Ashton und baten die EU, eine öffentliche
Erklärung ihrer Besorgnis um Tibet abzugeben.

In einem Brief  vom 25. November an das Europäische Parlament schreibt
Baronin Ashton, daß sie die Bedenken über diese schockierenden Ereignisse
in Tibet teile. Bitte danken Sie Frau Ashton und bitten Sie sie, nun eine
kräftige öffentliche Erklärung zu Tibet abzugeben.

Baronin Ashton wird am 13. Dezember eine Sitzung der EU über die
Prioritäten bei Menschenrechtsfragen leiten. Bitte sorgen Sie dafür, daß
Tibet dabei als ein Thema, das höchste Priorität verdient, behandelt wird
und schreiben Sie an Baronin Ashton unter:
Kurzlink: http://www.flexform.de/tvwzkddf

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching
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* Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
* Arbeitsgruppe München
* Adelheid Dönges, Packenreiterstr. 18, 81247 München
* Tel (+49 89) 811 35 74 oder (+49 40) 480 80 77 (Angelika Oppenheimer)
* tibet@igfm-muenchen.de, www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html
* Spendenmöglichkeit: IGFM München,
* Kto 158393803, Postbank München, BLZ 700 100 80
* IBAN DE71700100800158393803 - BIC PBNKDEFF
* Bei den Übersetzungen handelt es sich um nicht autorisierte.
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Mittwoch, 11. März 2009

Erklärung Seiner Heiligkeit des Dalai Lama zum 50. Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes

Heute begehen wir den 50. Jahrestag des friedlichen Aufstands des tibetischen Volkes gegen die Unterdrückung in Tibet durch das kommunistische China. Seit vergangenem März sind in weiten Teilen von ganz Tibet friedliche Proteste ausgebrochen. Die meisten der daran Beteiligten waren junge Leute, die nach 1959 geboren und aufgewachsen sind und die ein freies Tibet selbst nicht mehr gekannt oder erlebt haben. Doch die Tatsache, dass sie geleitet waren von der von Generation zu Generation weitergegebenen festen Überzeugung, der Sache Tibets zu dienen, ist wirklich etwas, worauf wir stolz sein können. Es wird auch für diejenigen in der internationalen Gemeinschaft, die sich engagiert für die Tibetfrage einsetzen, eine Quelle der Inspiration sein. Unsere Hochachtung und unsere Gebete gelten all denen, die seit Beginn unseres Kampfes und auch während der Krise des vergangenen Jahres ihr Leben für die Sache Tibets ließen und Folter und unermessliche Not erleiden mussten.

Etwa 1949 begannen kommunistische Truppen nach Nordost- und Osttibet (Kham und Amdo) einzudringen, und 1950 schon waren über 5’000 tibetische Soldaten umgekommen. Mit Blick auf die herrschende Situation entschloss sich die chinesische Regierung zu einer Politik der friedlichen Befreiung, die 1951 zur Unterzeichnung des 17-Punkte-Abkommens und seines Anhangs führte. Seitdem steht Tibet unter der Herrschaft der Volksrepublik China. Das Abkommen sieht jedoch ausdrücklich vor, dass Tibets einzigartige Religion und Kultur sowie seine traditionellen Werte geschützt werden sollen.

Zwischen 1954 und 1955 traf ich in Peking mit den meisten der hochrangigen chinesischen Führungspersonen der Kommunistischen Partei, der Regierung und des Militärs unter der Führung des Vorsitzenden Mao Zedong zusammen. Als wir darüber sprachen, wie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Tibets gestaltet und dabei das religiöse und kulturelle Erbe Tibets bewahrt werden sollte, erklärten sich Mao Zedong und alle anderen führenden Leute einverstanden, statt einer Militärverwaltungskommission lieber einen Vorbereitenden Ausschuss einzusetzen, der den Weg für die Errichtung einer Autonomen Region ebnen sollte, wie es im Abkommen vorgesehen war. Ab 1956 jedoch, als in Tibet eine ultralinke Politik eingeführt wurde, wendete sich die Lage zum Schlechteren. Das führte dazu, dass die Zusagen, die übergeordnete Staatsorgane gegeben hatten, vor Ort nicht eingehalten wurden. Die gewaltsame Durchführung der so genannten „demokratischen Reform“ in den tibetischen Regionen Kham und Amdo, die nicht im Einklang mit den Gegebenheiten vor Ort stand, führte zu Chaos und Zerstörung großen Ausmaßes. In Zentraltibet verstießen chinesische Beamte gewaltsam und absichtlich gegen die Bestimmungen des 17-Punkte-Abkommens, und ihre Politik der harten Hand verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Diese aussichtslose Entwicklung ließ dem tibetischen Volk keine andere Wahl als sich am 10. März 1959 friedlich zu erheben. Die chinesische Staatsmacht reagierte darauf mit beispielloser Gewalt, was in den folgenden Monaten dazu führte, dass Zehntausende Tibeter getötet, verhaftet und eingekerkert wurden. Deshalb floh ich in Begleitung einer kleinen Gruppe von tibetischen Regierungsbeamten, darunter einige Kalons (Minister), ins Exil nach Indien. In der folgenden Zeit flohen fast hunderttausend Tibeter ins Exil nach Indien, Nepal und Bhutan. Während der Flucht und in den Monaten danach litten sie unvorstellbare Not, die noch heute im tibetischen Gedächtnis lebendig ist.

Nach der Besetzung Tibets führte die chinesische kommunistische Regierung eine Reihe repressiver und gewaltsamer Kampagnen durch wie die „demokratische Reform“, den Klassenkampf, die Kommunen, die Kulturrevolution, die Verhängung des Kriegsrechts sowie in jüngerer Zeit die patriotische Umerziehung und die Kampagne des Hart-Zuschlagens. Dies stürzte die Tibeter in so tiefes Leid und Elend, dass sie buchstäblich die Hölle auf Erden erlebten. Das unmittelbare Ergebnis dieser Kampagnen war der Tod von Hunderttausenden von Tibetern. Die Kontinuität des buddhistischen Dharma wurde unterbrochen. Tausende religiöser Zentren – Mönchs- und Nonnenklöster und Tempel – wurden dem Erdboden gleich gemacht. Historische Gebäude und Denkmäler wurden zerstört, Naturschätze rücksichtslos ausgebeutet. Heute ist Tibets empfindliche Umwelt verschmutzt worden, Wälder wurden massiv abgeholzt und die Tierwelt, etwa die wilden Yaks und die tibetischen Antilopen stehen vor dem Aussterben.

Diese 50 Jahre haben dem Land und dem Volk von Tibet unermessliches Leiden und Zerstörung gebracht. Noch heute leben die Tibeter in Tibet in ständiger Angst, und die chinesische Regierung begegnet ihnen nach wie vor mit ständigem Misstrauen. Heute sind die Religion, die Kultur, die Sprache und die Identität, die Generationen von Tibetern höher geschätzt haben als ihr Leben, von Auslöschung bedroht; kurz gesagt: die Tibeter werden wie Verbrecher angesehen, die den Tod verdienen. In der Petition der 70’000 Zeichen, mit der sich der verstorbene Panchen Rinpoche 1962 an die chinesische Regierung wandte, hat er die Tragödie des tibetischen Volkes dargelegt. Noch einmal brachte er sie kurz vor seinem Tod 1989 in Shigatse zur Sprache, als er sagte, das, was wir unter der chinesischen kommunistischen Herrschaft verloren haben, wiege weit schwerer als das, was wir gewonnen haben. Viele besorgte und unvoreingenommene Tibeter haben sich ebenfalls zu den Nöten des tibetischen Volkes geäußert. Selbst der Sekretär der Kommunistischen Partei, Hu Yaobang, gab bei seiner Ankunft in Lhasa 1980 diese Fehler unumwunden zu und bat die Tibeter um Vergebung. Viele Infrastrukturmaßnahmen wie Straßen, Flughäfen, Eisenbahnenlinien usw., die scheinbar den Fortschritt in tibetische Gebiete gebracht haben, sind in Wirklichkeit mit dem politischen Ziel unternommen worden, Tibet zu sinisieren und dafür den hohen Preis der Zerstörung der tibetischen Umwelt und Lebensweise in Kauf zu nehmen.

Was die tibetischen Flüchtlinge betrifft, so ist es uns, ungeachtet vieler anfänglicher Probleme wie großer klimatischer und sprachlicher Umstellungen und der Schwierigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, gelungen, uns im Exil neu zu etablieren. Dank des Großmutes unserer Gastländer, vor allem Indiens, konnten die Tibeter in Freiheit und ohne Angst leben. Wir konnten unseren Lebensunterhalt verdienen und unsere Religion und Kultur bewahren. Wir konnten unseren Kindern sowohl die traditionelle als auch eine moderne Erziehung bieten und uns dafür einsetzen, die Tibetfrage zu lösen. Es gab auch noch andere positive Ergebnisse. So hat sich ein besseres Verständnis des tibetischen Buddhismus mit seiner Betonung des Mitgefühls in vielen Teilen der Welt positiv ausgewirkt.

Sofort nach unserer Ankunft im Exil begann ich an der Förderung der Demokratie in der tibetischen Gemeinschaft zu arbeiten und richtete zu diesem Zweck 1960 das tibetische Parlament-im-Exil ein. Seitdem sind wir auf dem Weg zur Demokratie Schritt für Schritt vorangekommen, und heute hat sich unsere Exilverwaltung zu einer voll funktionierenden Demokratie mit einem eigenen geschriebenen Statut und einer Legislative entwickelt. Das ist wirklich etwas, worauf wir alle stolz sein können.

Seit 2001 haben wir ein System institutionalisiert, mit dem die politische Führung der Tibeter im Exil durch Verfahren, ähnlich denen anderer demokratischer Systeme, direkt gewählt wird. Gegenwärtig läuft die zweite Amtsperiode des direkt gewählten Kalon Tripa (Vorsitzender des Kabinetts). Dadurch haben sich meine täglichen administrativen Pflichten verringert, und ich befinde mich heute in einem Zustand des Halb-Ruhestands. Doch für die gerechte Sache Tibets zu arbeiten ist die Pflicht eines jeden Tibeters, und solange ich lebe, werde ich diese Pflicht erfüllen.

Als Mensch ist mein Hauptanliegen die Förderung menschlicher Werte; darin sehe ich den wesentlichen Faktor für ein glückliches Leben auf individueller, familiärer und gesellschaftlicher Ebene. Als ein religiöser Praktizierender ist mir als Zweites die Förderung interreligiöser Harmonie ein Anliegen. Und mein drittes Anliegen ist natürlich die Tibetfrage. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass ich ein Tibeter mit dem Namen „Dalai Lama“ bin; wichtiger aber ist, dass es mit dem Vertrauen zu tun hat, das die Tibeter innerhalb wie auch außerhalb Tibets in mich gesetzt haben. Dies sind die drei wichtigen Anliegen, derer ich stets gewärtig bin.

Außer der Aufgabe, sich um das Wohl der tibetischen Gemeinschaft im Exil zu kümmern – eine Aufgabe, die sie recht gut erfüllt hat – besteht die Hauptaufgabe der Zentralen Tibetischen Verwaltung darin, auf eine Lösung der Tibetfrage hinzuarbeiten. Nachdem wir 1974 unsere für beide Seiten vorteilhafte Politik des Mittleren Weges formuliert hatten, waren wir bereit, auf das Gesprächsangebot einzugehen, das Deng Xiaoping 1979 machte. Es wurden viele Gespräche geführt und Erkundungsdelegationen entsandt. Dies brachte jedoch keinerlei konkrete Ergebnisse, und die formellen Kontakte brachen schließlich 1993 ab.

Dann führten wir 1996–97 unter den Tibetern im Exil eine Meinungsumfrage durch und holten, wo immer das möglich war, auch Anregungen aus Tibet ein. Es ging dabei um Vorschläge zu einem Referendum, mit dem das tibetische Volk den künftigen Kurs unseres Freiheitskampfes zu seiner vollen Zufriedenheit bestimmen sollte. Aufgrund des Ergebnisses der Umfrage und der Anregungen aus Tibet beschlossen wir, die Politik des Mittleren Weges fortzusetzen.

Seit der Wiederaufnahme der Kontakte im Jahre 2002 haben wir die Strategie verfolgt, auf einer einzigen offiziellen Schiene und mit einer einzigen Agenda vorzugehen, und haben acht Gesprächsrunden mit der chinesischen Regierung geführt. Daraufhin legten wir ein Memorandum über echte Autonomie für das tibetische Volk vor, in dem wir dargelegten, wie die in der chinesischen Verfassung festgeschriebenen Bedingungen für regionale Autonomie durch volle Anwendung der Autonomiegesetze erfüllt werden können. Das chinesische Beharren darauf, dass wir akzeptieren sollen, dass Tibet seit jeher ein Teil Chinas gewesen sei, ist nicht nur wahrheitswidrig, sondern auch unvernünftig. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, ganz gleich, ob sie gut oder schlecht war. Verfälschung der Geschichte zu politischen Zwecken ist unzulässig.

Wir müssen in die Zukunft blicken und zu unserem beiderseitigen Wohle arbeiten. Wir Tibeter suchen nach einer gesetzlich verankerten und echten Autonomie, nach einer Regelung, die es den Tibetern möglich macht, im Rahmen der Volksrepublik China zu leben. Wenn China dem Wunsch des tibetischen Volkes nachkommt, wird es in der Lage sein, Stabilität und Einigkeit zu verwirklichen. Wir unsererseits stellen keine geschichtlich begründeten Forderungen. Rückblickend betrachtet, gibt es heute kein Land auf der Welt – China eingeschlossen – dessen territorialer Status über alle Zeiten unverändert geblieben ist und auch in Zukunft unveränderlich ist.

Unser Bestreben, dass alle Tibeter unter einer einzigen autonomen Verwaltung zusammengefasst werden, steht im Einklang mit dem eigentlichen Sinn des Prinzips nationaler regionaler Autonomie. Es befriedigt auch die Grundbedürfnisse des tibetischen und des chinesischen Volkes. Die chinesische Verfassung und andere einschlägige Gesetze und Regelungen stellen dem nichts in den Weg, und viele führende Vertreter der chinesischen Zentralregierung haben dieses aufrichtige Bestreben akzeptiert. Als er das 17-Punkte-Abkommen unterzeichnete, erkannte Premierminister Zhou Enlai dies zwar als berechtigte Forderung an, doch sei es nicht der richtige Zeitpunkt, sie umzusetzen. Als 1956 das Vorbereitende Komitee für die „Autonome Region Tibet“ gebildet wurde, deutete Vizepremier Chen Yi auf eine Landkarte und sagte, wenn man Lhasa zur Hauptstadt der Autonomen Region Tibet, die alle tibetischen Gebiete in den anderen Provinzen mit einschlösse, machen könnte, dann wäre das ein Beitrag zur Entwicklung Tibets und zur Freundschaft zwischen der tibetischen und der chinesischen Nationalität – eine Ansicht, die vom Panchen Rinpoche und vielen anderen tibetischen Führungskräften und Wissenschaftlern geteilt wurde. Wenn die chinesischen Führer irgendwelche Einwände gegen unsere Vorschläge haben, dann hätten sie die Gründe dafür nennen und uns Alternativen zur Erörterung vorschlagen können, aber das ist nicht geschehen. Ich bin enttäuscht darüber, dass die chinesische Regierung nicht in angemessener Weise auf unsere aufrichtigen Bemühungen eingegangen ist, das Prinzip einer authentischen nationalen und regionalen Autonomie für alle Tibeter entsprechend der Verfassung der Volksrepublik China durchzusetzen.

Ganz abgesehen davon, dass der gegenwärtige Verlauf des sino-tibetischen Dialogs keine konkreten Ergebnisse gebracht hat, sind die tibetischen Proteste, die ganz Tibet seit März letzten Jahres erschüttert haben, brutal niedergeschlagen worden. Deshalb wurde im November 2008 eine Sonderversammlung von Exil-Tibetern einberufen, auf dem die öffentliche Meinung über unser weiteres Vorgehen erkundet werden sollte. Man hat sich auch bemüht, nach Möglichkeit Vorschläge von Tibetern in Tibet einzuholen. Das Ergebnis dieses Prozesses war, dass eine Mehrheit der Tibeter die Fortsetzung der Politik des Mittleren Weges voll unterstützt. Daher betreiben wir diese politische Linie jetzt mit größerer Zuversicht und werden uns weiterhin um eine echte nationale regionale Autonomie für alle Tibeter bemühen.

Seit undenklichen Zeiten sind das tibetische und das chinesische Volk Nachbarn. Auch in Zukunft werden wir miteinander leben müssen. Deshalb ist es für uns äußerst wichtig, in Freundschaft miteinander zu koexistieren.

Seit der Besetzung Tibets haben die chinesischen Kommunisten ein verzerrtes Propagandabild von Tibet und seinem Volk verbreitet. Deshalb gibt es in der chinesischen Bevölkerung nur wenige Menschen, die ein wahres Verständnis von Tibet haben. Es ist für sie tatsächlich sehr schwer, die Wahrheit zu finden. Auch gibt es ultralinke chinesische Führer, die seit dem letzten März enorme propagandistische Anstrengungen unternommen haben mit dem Ziel, das tibetische und chinesische Volk auseinander zu bringen und Feindschaft zwischen ihnen zu säen. Das hat leider dazu geführt, dass bei einigen unserer chinesischen Brüder und Schwestern ein negativer Eindruck von den Tibetern entstanden ist. Deshalb möchte ich, wie ich es auch früher schon wiederholt getan habe, ein weiteres Mal an unsere chinesischen Brüder und Schwestern appellieren, sich von solcher Propaganda nicht beeinflussen zu lassen, sondern stattdessen unvoreingenommen zu versuchen, Tatsachen über Tibet herauszufinden, so dass es nicht zu Entzweiungen zwischen uns kommt. Die Tibeter sollten sich ebenfalls um Freundschaft mit dem chinesischen Volk bemühen.

Wenn wir auf 50 Jahre im Exil zurückblicken, so haben wir viele Höhen und Tiefen erlebt. Aber die Tatsache, dass die Tibetfrage lebendig ist und die internationale Gemeinschaft zunehmendes Interesse daran zeigt, ist wirklich ein Erfolg. So gesehen zweifle ich nicht daran, dass die Rechtmäßigkeit der Sache Tibets sich durchsetzen wird, wenn wir weiterhin dem Weg der Wahrheit und der Gewaltlosigkeit folgen.

Wenn wir jetzt 50 Jahre im Exil begehen, dann ist es dringend geboten, den Regierungen und den Völkern der verschiedenen Gastländer, in denen wir leben, unsere tiefe Dankbarkeit auszusprechen. Wir befolgen nicht nur die Gesetze dieser Gastländer, sondern wir verhalten uns auch so, dass wir zu einer Bereicherung dieser Länder werden. In gleicher Weise sollten wir in unserem Bemühen um die Sache Tibets und um den Erhalt seiner Religion und Kultur unsere Zukunftsvision und Strategie gestalten, indem wir aus unseren Erfahrungen der Vergangenheit lernen.

Ich sage immer, wir sollten das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereitet sein. Ob wir es von globaler Warte aus betrachten oder im Kontext der Ereignisse in China, es besteht Grund für uns, auf eine baldige Lösung der Tibetfrage zu hoffen. Doch wir müssen uns aber auch für den Fall gut vorbereiten, dass der tibetische Kampf noch für lange Zeit andauert. Dazu müssen wir unser Augenmerk vor allem auf die Erziehung unserer Kinder und die Ausbildung von Fachkräften auf verschiedenen Gebieten richten. Wir müssen auch das Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit schärfen und das Verständnis für gewaltfreie Methoden und ihre Anwendung in der tibetischen Bevölkerung verbessern.

Ich möchte diese Gelegenheit auch benutzen, um der Staatsführung und dem Volk von Indien sowie der Zentralregierung und den Regierungen der Bundesstaaten meinen tief empfundenen Dank auszusprechen. Sie haben den Tibetern im Exil über die letzten 50 Jahre ungeachtet aller Probleme und Hindernisse unschätzbare Unterstützung und Hilfe geleistet. Ihre Freundlichkeit und Großzügigkeit lässt sich nicht ermessen. Ich möchte auch den führenden Politikern, den Regierungen und Völkern der internationalen Gemeinschaft sowie den verschiedenen Tibet-Unterstützungsgruppen meinen Dank für ihre großmütige Unterstützung aussprechen.

Mögen alle fühlenden Wesen in Frieden und Glück leben.

Der Dalai Lama
10. März 2009

Dienstag, 23. September 2008

Nachruf auf Thubten Jigme Norbu

Thubten Jigme Norbu, der ältere Bruder des Dalai Lama, verstarb am 5. September nach langer Krankheit und wurde am 11. September in Bloomington, Indiana, beigesetzt. Er war stets ein kompromißloser Verfechter der Unabhängigkeit Tibets anstelle einer bloßen Autonomie des Landes, und als solcher wurde er auch in den vielen Nachrufen gewürdigt. Doch weit mehr als Politiker war er als begeisterter Tibet-Experte mit einer starken emotionalen Bindung an seine Kultur und sein Volk sowie als starke und unabhängige Persönlichkeit bekannt. So wie die Nomaden der Region Amdo, denen er einen großen Teil seiner akademischen Studien widmete und denen er sich besonders verbunden fühlte, besaß er einen großen Freiheitsdrang und wollte sich nicht durch gängige Strukturen und Meinungen einengen lassen.

Er wurde im Jahre 1922 in einem kleinen Dorf nahe des großen Klosters Kumbum in der tibetischen Provinz Amdo, die heute einen Teil der chinesischen Provinz Qinghai bildet, geboren. Als Kind wurde er als Inkarnation von Taktser Rinpoche, einem hohen Lama der Gegend, erkannt. 1931 verließ er sein Zuhause, um Mönch zu werden. Seine Familie zog im Jahre 1939 nach Lhasa, nachdem sein jüngerer Bruder als der XIV Dalai Lama erkannt worden war. Im Jahre 1941, als Thubten Jigme Norbu ebenfalls nach Lhasa kam, um dort seine monastischen Studien zu vervollkommnen, wurde er wieder mit seiner Familie vereint. Er kehrte erst sieben Jahre später, als gerade die Kommunistische Partei in China gesiegt hatte, in das Kloster Kumbum zurück, das sich außerhalb des Territoriums befand, das der Regierung in Lhasa unterstand. In diesen chaotischen und turbulenten Zeiten war er den Mönchen des Klosters Kumbum dank seiner Verwandtschaft mit dem Dalai Lama eine große Stütze. Trotz seines jungen Alters wurde ihm angetragen, Abt des Klosters Kumbum zu werden.

Als die chinesischen Truppen im Herbst des Jahres 1949 in Amdo einmarschierten, geriet Taktser Rinpoche unter starken Druck von Seiten der kommunistischen Parteikader, die von ihm verlangten, Einfluß auf seinen Bruder zu nehmen. Er war empört über ihre Abwertung der traditionell-tibetischen Institutionen und ihre gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzten Reformen. In seiner Autobiographie beschreibt er diese entscheidende Periode seines Lebens als "bittere Erfahrungen". Weil er die Situation nicht länger ertragen konnte, trat er schließlich von seiner Position als Abt zurück und ging nach Lhasa, wo er seinen Bruder vor der unmittelbar bevorstehenden Gefahr warnte.

Als die Volksbefreiungsarmee die tibetischen Truppen in Osttibet überrannte und auf Lhasa zu marschierte, machte er sich gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Gefolge auf den Weg in das kleine Dorf Chumbi nahe der Grenze zu Indien, wo die tibetische Führung die weiteren Entwicklungen abwarten wollte. Nach der Unterzeichnung des 17-Punkte-Abkommens im Jahre 1951, das eine Phase der Deeskalation einleiten sollte, beschlossen der Dalai Lama und seine Regierung, nach Lhasa zurückzukehren, wo sie mit der neuen Regierung der Volksrepublik China (VRC) zu kooperieren versuchten. Ausgehend von den negativen Erfahrungen, die er im Kloster Kumbum gemacht hatte, erachtete Thubten Jigme Norbu die Bemühungen jedoch für aussichtslos und beschloß, Tibet zu verlassen. Er begab sich über Indien auf den Weg in die Vereinigten Staaten. In den fünfziger Jahren reiste Thubten Jigme Norbu des öfteren zwischen Amerika und Asien, vor allem Japan, hin und her. Er wirkte an verschiedenen buddhistischen Foren mit und widmete sich wissenschaftlichen Studien. Wie sein Bruder Gyalo Thondup assistierte er der CIA bei ihrer Unterstützung des tibetischen Widerstandes. Außerdem hielt er immer wieder Vorträge über Tibet.

Als der Dalai Lama im Jahre 1959 endgültig ins Exil nach Indien floh, stand Thubten Jigme Norbu dort den Flüchtlingen bei und schrieb zusammen mit Heinrich Harrer, mit dem er sich während der vierziger Jahre in Lhasa angefreundet hatte, seine Lebensgeschichte nieder. In deutscher Sprache wurde dieses Buch im Jahre 1960 veröffentlicht.

Thubten Jigme Norbu war Repräsentant des Dalai Lama in den USA und in Japan. Er betätigte sich darüber hinaus als Wissenschaftler und veröffentlichte mehrere Artikel, und zusammen mit dem Anthropologen Colin Turnbull im Jahre 1968 ein Werk über Tibet. Er betrieb mit Eifer historische Studien und widmete sich den diversen kulturellen Aspekten Tibets. Sein besonderes Interesse galt den Nomaden in Amdo. Er sprach mehrere ihrer Dialekte sowie die mongolische Sprache. Er war Kurator des American Museum of Natural History in New York und lehrte bis zu seiner Pensionierung an der Indiana University in Bloomington, USA.

Politisch gesehen vertrat Thubten Jigme Norbu den Standpunkt: "Über den Status Tibets gibt es nichts zu verhandeln. Tibet ist Tibet." Er räumte dennoch ein: "… obwohl von chinesischer Seite nicht mehr als die Autonomie ermöglicht werden wird."

Im Jahre 1995 gründete er zusammen mit Larry Gerstein die amerikanische Organisation International Tibet Independence Movement. Alles in allem war er mehr ein politischer Individualist als eine Leitfigur und einige Male äußerte er sich sehr zurückhaltend über die Arbeit der tibetischen Unabhängigkeitsbewegung. Auch verhielt er sich gegenüber der tibetischen Exil-Regierung in Dharamsala recht zurückhaltend und pflegte in den 90er Jahren zu bemerken: „Diese Gemeinschaft besteht lediglich aus einigen wenigen Familien – darunter meiner eigenen.“ Trotz seiner früheren Verbindung zu der CIA war Thubten Jigme Norbu skeptisch, was das Engagement der USA für die Sache Tibets anbelangte. In einem Interview mit dem indischen Journalisten Mayank Chhaya sagte er: „Ich glaube nicht, daß die USA etwas tun können, weil sie hauptsächlich am Dollar und daran, wie viel sie verkaufen, interessiert sind. Sie machen sich keine Sorgen über das Leiden der Tibeter. Sie interessieren sich für die Geschäfte.“ Obwohl er, kurz nachdem er Tibet verlassen hatte, seine Mönchsgelübde ablegte, blieb er persönlich immer dem Erhalt und der Verbreitung des Buddhismus verbunden. Er gründete das buddhistische Zentrum Kumbum Chamtse Ling und das Tibetisch-Mongolische Zentrum in Bloomington.

Elliot Sperling und Larry Gerstein, ITIM: "Takster Rinpoches Lebensgeschichte", siehe:
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2008/TaksterRinpocheITIM.html

Übersetzung: Melanie Pelka, Adelheid Dönges, Revision: Angelika
Mensching

aus einer Mitteilung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Arbeitsgruppe München

Donnerstag, 11. September 2008

Die Olympiade - Ein Fest der Lügen

Von Jamyang Norbu

Jetzt, wo sich die olympischen Spiele dem Ende nähern, gibt es wohl nur wenige Menschen auf der ganzen Welt, die von all den Lügen, Täuschungen, Betrügereien, Manipulationen, all den Kontrollmaßnahmen und den Grausamkeiten, die sich die chinesische Regierung während der olympischen Spiele zuschulden hat kommen lassen, gar nichts gehört oder gelesen hätten oder sie sogar selbst bezeugen könnten. Tatsächlich hat es derart viele dieser Vorkommnisse gegeben, daß es sich lohnt, sie einmal aufzulisten, denn ich bin sicher, daß viele Leute das eine oder andere oder gar mehrere übersehen oder vergessen haben, falls sie ihnen anfänglich aufgefallen sein sollten.
Zunächst einmal wären da die spektakulären, computergenerierten riesigen „Spuren des Feuerwerks“, die bei der durchs Fernsehen übertragenen Eröffnungszeremonie „angefügt“ wurden.
Wußten Sie, daß die eintausend oder mehr Trommler, die während der Zeremonie en masse auftraten, alle Soldaten der Volksbefreiungsarmee oder Angehörige der bewaffneten Volkspolizei waren? Solche, die gerade turnusmäßig ausgetauscht waren und vielleicht noch kurz zuvor Menschen in Tibet oder Ost-Turkestan gefoltert oder erschossen haben?
Dann gab es da die allzu flotte 9jährige Lin Miaoke, die die „Ode an das Mutterland“ vorzutragen schien, obwohl sie in Wirklichkeit nur die Lippen zu einer Aufnahme des Gesanges eines anderen Mädchens bewegte, das als weniger attraktiv eingestuft worden war, nämlich der 7jährigen Yang Peiy. Falls der echte Panchen Lama (der sich unter Hausarrest in Beijing befindet) dies im Fernsehen verfolgt haben sollte, könnte er eine Art Déjà-Vu-Erlebnis gehabt haben.
Ai Weiwei, der ursprünglich den Plan für das Vogelnest-Stadion entworfen hat und einer der seltenen chinesischen Künstler oder Intellektuellen von Format ist, die noch eine eigene Meinung bewahrt haben, kommentierte: „Die Zeremonie täuschte ihre 600 Millionen Zuschauer und demütigte sie“. Noch 2007 hatte er Zhang Yimou und Steven Spiegel für ihre Choreographie der Eröffnungszeremonie kritisiert und ihnen vorgeworfen, sie würden ihrer Verantwortung als Künstler nicht gerecht werden.
Ein weiterer Programmpunkt in der Eröffnungszeremonie war eine Prozession von Kindern, die eine große chinesische Flagge ins Stadion trugen, wobei jedes der kostümierten Kinder für eine der ethnischen Minderheiten der Volksrepublik China (VRC) stand. Die Kinder waren aber alle Chinesen. Die Kinder der Minderheiten wurden vermutlich für zu barbarisch oder als potentielle Störfaktoren bei dieser großen Aufgabe betrachtet. Eines von ihnen hätte ja „Freiheit für Tibet“ rufen können.
Der Grund könnte ja auch der gewesen sein, daß es einfach keine Angehörigen von „Minderheiten“ mehr in Beijing gab. Wir wissen, daß beinahe jeder Uighure und jeder Tibeter aus der Stadt verbannt wurde, nicht nur Studenten und Besucher, sondern sogar die arme Amala, die Flitterkram an der U-Bahn-Station verkaufte. Tsering Shakyas Nichte, Dechen Pemba, wurde ebenfalls ausgewiesen, obgleich sie britischer Nationalität ist und sowohl ein Visum als auch einen Wohnberechtigungsschein besaß. Wir wissen außerdem, daß Wanderarbeiter, Beschwerdeführer von außerhalb der Stadt und viele andere Bürger die Hauptstadt unter Zwang verlassen mußten. Aber machen wir davon mal kein so großes Aufhebens, denn schließlich wurde das Visum für Joey Cheek, einem Eisschnelläufer, Goldmedaillengewinner und Menschenrechtsaktivisten, widerrufen, bloß weil er sich gegen den Völkermord in Darfur ausgesprochen hatte. Wenn nicht einmal Goldmedaillen-Gewinner zu den Olympischen Spielen reisen dürfen, wer darf es dann?
Wo wir schon von Aktivisten sprechen, sollten wir natürlich erwähnen, daß der chinesische Menschenrechtsaktivist Zeng Jinyan am Vorabend der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele einfach aus Beijing verschwand. Einige weitere chinesische Menschenrechtsaktivisten scheint das gleiche Schicksal ereilt zu haben, darunter auch den Anwalt Ji Sizun. Eine Freundin behauptete, sogar dasTelefonkabel in ihrem Appartement sei abgeklemmt worden. Sie sind verschwunden, einfach so. Wie die desaparecidos [die Verschwundenen] in Südamerika in den 70er Jahren.
Laut „Reporter ohne Grenzen“ wurden während der Olympischen Spiele 22 Journalisten angegriffen oder festgenommen. Mindestens 50 Menschenrechtsaktivisten wurden verhaftet und schikaniert oder gezwungen, Peking zu verlassen.
Alle Krankenhäuser in Beijing wurden angewiesen, ihre psychiatrischen Stationen abzuriegeln. Den Patienten wurde verboten, die Gebäude während der Spiele zu verlassen. Die Behörden haben dies vermutlich aus kosmetischen Gründen getan. Dem Reporter von New York Times fiel auf, daß es gar keine alten Leute auf den Straßen Beijings gab. Dies könnte auf Sicherheitsgründe zurückzuführen sein, da mehrere Hundert (vielleicht sogar Tausende) von Dissidenten, Mitgliedern unabhängiger Arbeiterorganisationen, Anhängern der Falun-Gong-Bewegung und andere Personen in spezielle staatliche psychiatrische Institutionen eingewiesen wurden, die „Ankang“ genannt werden. In diesen Anstalten müssen sie nach Meldungen von Human Rights Watch Medikamente einnehmen, werden mit Elektroschocks traktiert, und es werden unter Umständen psychochirurgische Eingriffe, möglicherweise sogar die präfrontale Lobotomie, an ihnen vorgenommen – alles, um sie von ihrem „antisozialen Verhalten“ zu „kurieren“.

Der zweite Teil folgt morgen, der gesamte Artikel steht übersetzt auf unserer Website unter: http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2008/JN_Luegenfest.html
Der Originalessay, sowie andere Essays dieses Autors steht auf seiner Website: http://www.jamyangnorbu.com/
Übersetzung: Melanie Pelka, Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Arbeitsgruppe München
www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html

Sonntag, 10. August 2008

Politischer Protest im Dienst der Werbung?

Pünktlich zum Beginn der Olympischen Spiele lanciert Lancia einen Werbespot mit Richard Gere und dem Potala-Palast im Hintergrund. Engagierte politische Aussage oder einfach nur geschäftstüchtig?



Auf der Seite der Tibet-News ist das Video zwar eingestellt, jedoch nicht mehr abrufbar. Beim Automobil-Blog gibt es nur Photos, die Website www.lancia-delta.com, auf der Automobil-Blog verweist, ist nicht mehr erreichbar. Inzwischen soll sich die Fiat-Firmenführung bei der chinesischen Regierung entschuldigt haben (laut Tibet-News). Ich bin gespannt, wie lange der Spot noch im Fernsehen läuft…

Donnerstag, 3. Juli 2008

Heute vor 94 Jahren: Die Simla-Konvention

1911 wurde die Mandschu-Ch'ing-Dynastie von den Nationalchinesen unter der Führung von Dr. Sun Yatsen (1866-1925) gestürzt. 1912 wurde die Republik ausgerufen, und Yuan Shik-K'ai (1859-1916) wurde Chinas erster Präsident. Noch im gleichen Jahr (1911) vertrieben die Tibeter die chinesischen Soldaten aus Tibet, und die zwei Ambane, die Repräsentanten des Mandschu-Kaisers, wurden aus Tibet über Indien nach China ausgewiesen. Damit fiel die Oberherrschaft der Mandschus über Tibet endgültig dahin. Es ist hier zu bemerken, dass die Chinesen die Mandschus, die China während 200 Jahre beherrscht haben, als fremde Eindringlinge betrachtet und in diesem Sinne vertrieben haben. Ungeachtet dieser historischen Tatsachen erhob der Präsident der nationalchinesischen Republik, Yuan Shik-K'ai, am 12. April 1912 in bekannter Manier den Anspruch, dass Tibet als chinesische Provinz nach wie vor ein integraler Bestandteil Chinas sei. Der chinesische Standpunkt drückte sich bereits in der ersten Verfassung der Republik Chinas von 1912 aus. Gemäss Artikel 3 dieser Verfassung wurde Tibet zwar nicht als Provinz, aber dennoch zur chinesischen Republik gezählt.Kurz nach seiner Rückkehr aus dem indischen Exil nach Lhasa verkündete der 13. Dalai Lama im Jahre 1913 die Unabhängigkeit Tibets.

1914 fand die Dreier-Konferenz von Simla zwischen den gleichberechtigten Bevollmächtigten Grossbritanniens, Sir Henry McMahon, Tibets, Lönchen Shatra, und Chinas, Ivan Chen, statt. Die "Simla Konferenz" war der erste ernsthafte Versuch im Sinne des heutigen Völkerrechts, die sino-tibetischen Differenzen zu bereinigen und die Grenze Tibets festzulegen. Sie erzielte jedoch keine konkrete Lösung in dieser Frage. In der "Simla Konvention" wurde China die Suzeränität (Oberhoheit) über ganz Tibet zugesprochen, aber China hatte sich zu verpflichten, Tibet nicht als chinesische Provinz zu annektieren. Da die "Simla Konvention" von China wegen der zweitgenannten Klausel nicht ratifiziert wurde, unterzeichneten Grossbritannien und Tibet einen separaten Vertrag. In diesem wurde unter anderem festgehalten, dass Chinas Rechte über Tibet erst bei einer Ratifizierung der Simla-Konvention durch die chinesische Regierung in Kraft treten würden.

China betrachtet heute wie damals das britisch-tibetische Abkommen als ungültig.

aus Tibetfocus

Anstatt mich in endlosen Überlegungen bezüglich der Rechtmäßigkeit der Simla-Konvention zu ergehen zitiere ich lieber den guten alten Mao:

“Mongolen, Mohammedaner, Tibetaner usw. müssen den Chinesen in unserem gemeinsamen Kampf gleichgestellt werden. Niemand darf sie zwingen, die chinesische Sprache oder Schrift gegen ihren Willen zu erlernen. Jeglicher Pan-Hanismus muß aufhören.“ (beim 6. Parteikongress im Oktober 1938)

Der SPIEGEL über die Haltung der Chinesen im Jahr 1950: »
sie beteuerten, sich keineswegs in die inneren Angelegenheiten Tibets einmischen zu wollen. Man wolle den Tibetern ihre Religion und den Klöstern sogar ihren Grund und Boden lassen.«

aus »Wie China Tibet besetzte« aus dem SPIEGEL-Archiv



Mittwoch, 9. April 2008

Botschaft Seiner Heiligkeit des Dalai Lama an alle Tibeter

Ich entbiete allen Tibetern in Tibet meine herzlichsten Grüße und möchte hier einige meiner Überlegungen mit ihnen teilen:

1. Seit dem 10. März dieses Jahres sind wir Zeuge von Protesten und Demonstrationen in fast allen Teilen Tibets geworden, sogar in einigen Städten in China protestierten Studenten – all das ist der Ausbruch der seit langem angestauten äußeren und inneren Qualen der Tibeter und ihres Gefühls tiefer Verbitterung aufgrund der Unterdrückung der Rechte des tibetischen Volks, dem Mangel an religiöser Freiheit und des Versuchs, die Wahrheit bei jeder nur möglichen Gelegenheit zu entstellen: Dazu gehört z.B. die Aussage, die Tibeter blickten nun auf die Kommunistische Partei Chinas wie auf einen „Lebenden Buddha“. Dies ist eine ultralinke Behauptung, die von Han-Chauvinismus zeugt. Ich bin tief betrübt und besorgt über den Einsatz von Waffen und Gewalt bei der Unterdrückung der friedlich vorgebrachten Sehnsüchte des tibetischen Volkes, die Unruhen in ganz Tibet zur Folge hatten mit zahlreichen Toten, vielen weiteren Opfern, Festnahmen und Verletzungen. Eine solche Unterdrückung und solches Leid sind so verhängnisvoll und tragisch, dass jeder mitfühlende Mensch zu Tränen gerührt wird. Angesichts dieser tragischen Ereignisse fühle ich mich gänzlich hilflos.

2. Ich bete für alle Tibeter und auch für alle Chinesen, die in der jetzigen Krisenzeit ihr Leben verloren haben.

3. Die jüngsten Proteste in ganz Tibet widerlegen nicht nur die Propaganda der Volksrepublik China, dass, abgesehen von einigen wenigen „Reaktionären“ die Mehrheit der Tibeter zufrieden sei und ein Leben in Wohlstand führe, sondern führt sie ad absurdum. Diese Proteste haben ganz klar gezeigt, dass die Tibeter in den drei Provinzen Tibets, in U-tsang, in Kham und in Amdo, dieselben Hoffnungen und Sehnsüchte hegen. Diese Proteste sind eine Botschaft an die Welt, dass das Tibet-Problem nicht länger vernachlässigt werden darf. Diese Proteste zeigen, wie dringend notwendig es ist, das Problem auf dem Wege der „Wahrheitsfindung durch Fakten“ zu lösen. Der Mut und die Entschlossenheit jener Tibeter, die um der höheren Interessen des tibetischen Volkes willen ihrem bitteren Schmerz und ihrer Hoffnung Ausdruck verliehen und dabei alles aufs Spiel setzten, verdienen große Bewunderung, was die Weltgemeinschaft auch anerkannte und die Beweggründe dieser Tibeter unterstützte.

4. Ich schätze ganz besonders das Verhalten von vielen tibetischen Regierungsangestellten und von führenden Mitgliedern der Kommunistischen Partei, die, ohne ihre tibetische Identität aufzugeben, mit Entschlossenheit und Vernunft in der gegenwärtigen Krise das Richtige getan haben. Für die Zukunft bitte ich daher alle tibetischen Parteikader und Regierungsangestellten, nicht immer nur auf ihren persönlichen Vorteil zu achten, sondern sich für die Wahrung der eigentlichen Interessen Tibets einzusetzen, indem sie ihren Vorgesetzten in der Partei die tatsächlichen Gefühle des tibetischen Volkes vermitteln und versuchen sollten, dem tibetischen Volk eine unvoreingenommene Führung zu geben.

5. Präsidenten, Ministerpräsidenten, Außenminister, Nobelpreisträger, Parlamentarier und besorgte Bürger aus allen Teilen der Welt wandten sich mit klaren und deutlichen Worten an die chinesische Führung, von ihrem gegenwärtigen harten Vorgehen gegen das tibetische Volk Abstand zu nehmen. Sie alle legten der chinesischen Regierung nahe, einen Weg einzuschlagen, auf dem eine für beide Seiten nutzbringende Lösung gefunden werden könnte. Wir sollten uns nun eine Möglichkeit dafür schaffen, dass ihre Bemühungen positive Ergebnisse hervorbringen können. Ich bin mir dessen bewusst, daß Ihr Euch in jeder Hinsicht herausgefordert fühlt, aber es ist wichtig, dass wir uns an unserer gewaltfreien Praxis festhalten.

6. Die chinesische Regierung hat die falschen Anschuldigungen gegen mich und die Tibetische Zentralverwaltung erhoben, wir hätten die jüngsten Ereignisse in Tibet angestiftet und gelenkt. Derartige Vorwürfe entbehren jeglichen Wahrheitsgehaltes. Ich habe wiederholt vorgeschlagen, dass ein unabhängiges und renommiertes internationales Gremium eine vollständige Untersuchung der Angelegenheit vornehmen soll. Ich bin überzeugt, dass ein solches unabhängiges Gremium die Wahrheit aufdecken wird. Wenn die Volksrepublik China auch nur die geringste Grundlage für ihre Anschuldigungen hat und Beweise dafür beibringen kann, dann möge sie diese vor der Welt offenlegen. Es reicht nicht, bloße Behauptungen aufzustellen.

7. Was die Zukunft Tibets betrifft, so habe ich beschlossen, eine Lösung innerhalb des Rahmens der Volksrepublik China zu finden. Seit 1974 habe ich mich unermüdlich für den beiderseits vorteilhaften Mittleren Weg eingesetzt. Das weiß die ganze Welt. Der Vorschlag des Mittleren Weges bedeutet, dass alle Tibeter einer gleichen Verwaltung unterstehen, die eine substantielle nationale regionale Autonomie genießt mit allem, was damit zusammenhängt, also mit Selbstverwaltung und voller Entscheidungsbefugnis, ausgenommen in Angelegenheiten der Außenpolitik und der nationalen Verteidigung. Ich habe aber von Anfang an gesagt, dass die Tibeter in Tibet das Recht haben, die endgültige Entscheidung über die Zukunft Tibets zu treffen.

8. Die Austragung der Olympischen Spiele in diesem Jahr ist etwas, worauf das 1,2 Milliarden zählende chinesische Volk sehr stolz ist. Von Anfang an habe ich mich für die Austragung der Spiele in Peking eingesetzt. Meine Position in dieser Hinsicht bleibt unverändert. Ich meine, dass die Tibeter die Spiele nicht behindern sollten. Einerseits ist es das legitime Recht eines jeden Tibeters, für seine Freiheit und seine Rechte zu kämpfen. Andererseits wäre es zwecklos und würde niemandem nützen, wenn wir etwas täten, was die Chinesen mit Hass erfüllte. Im Gegenteil, wir müssen Vertrauen und Achtung in unseren Herzen hegen, um eine harmonische Gesellschaft zu schaffen – denn diese kann nicht erbaut werden auf der Basis von Gewalt und Einschüchterung

9. Unser Kampf gilt nur einigen wenigen in der Führungsspitze der Volksrepublik China, aber nicht dem chinesischen Volk. Daher sollten wir versuchen, niemals Missverständnisse entstehen zu lassen oder etwas zu tun, was das chinesische Volk verletzen könnte. Selbst in dieser schwierigen Lage haben uns viele chinesische Intellektuelle, Schriftsteller und Rechtsanwälte in China selbst und in anderen Teilen der Welt ihrer Sympathie versichert und ihre Solidarität mit uns bekundet, indem sie Erklärungen abgaben, Artikel verfassten und uns ihre Unterstützung zusicherten, was einfach überwältigend ist. Ich habe kürzlich, am 28. März, einen Appell an das chinesische Volk auf der ganzen Welt gerichtet, von dem ich hoffe, daß Ihr ihn hören und lesen werdet.

10. Wenn die gegenwärtige Lage in Tibet anhält, dann mache ich mir sehr große Sorgen, dass die chinesische Regierung mit noch mehr Gewalt vorgehen und die Unterdrückung des tibetischen Volkes verstärken wird. Angesichts meiner moralischen Verpflichtung und meiner Verantwortung gegenüber dem tibetischen Volk habe ich die zuständigen Führer der VR China aufgefordert, ihre Unterdrückungspolitik in allen Teilen Tibets unverzüglich einzustellen und ihre bewaffneten Polizeieinheiten und Truppen abzuziehen. Wenn dies Gehör fände, würde ich die Tibeter bitten, von allen weiteren Protesten Abstand zu nehmen.

11. Ich möchte meine tibetischen Landsleute, die außerhalb Tibets in Freiheit leben, bitten, außerordentliche Umsicht walten zulassen, wenn sie ihre Empfindungen über die Entwicklung in Tibet zum Ausdruck bringen. Wir sollten uns auf keine Aktivitäten einlassen, die auch nur entfernt als gewalttätig interpretiert werden könnten. Selbst in einer so provokanten Situation wie dieser dürfen wir nicht zulassen, dass unsere kostbarsten und sorgsam gehüteten Werte kompromittiert werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser gewaltfreier Weg zum Erfolg führen wird. Wir sollten uns bemühen zu verstehen, woher die beispiellose Sympathie und Unterstützung für unsere Sache rührt.

12. Da Tibet derzeit praktisch abgeriegelt ist und internationalen Medien kein Zugang gewährt wird, hege ich Zweifel, ob meine Botschaft die Tibeter in Tibet erreichen wird. Ab er ich hoffe, dass sie durch die Medien und durch Mundpropaganda die Mehrheit von Euch erreichen wird.

13. Zum Schluß möchte ich noch ein weiteres Mal alle Tibeter dazu aufrufen, Gewaltlosigkeit zu üben und auf keinen Fall von diesem Weg abzuweichen, wie ernst die Lage auch sein möge.

Der Dalai Lama
Dharamsala, 6. April 2008

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching, MoKa
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* Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
* Arbeitsgruppe München

Mittwoch, 26. März 2008

Tibet, die nächste

Über die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, Sektion München, bekomme ich fortwährend alarmierende Nachrichten über Tibet. Wem noch nicht schlecht ist, der kann sich hier ein paar Bilder ansehen. Sie stammen von der blutigen Niederschlagung des Protestes von Ngaba vom 16. März: www.tchrd.org/press/2008/pr20080318c.html.

Und noch was:
Derzeit kursieren mails von angeblich bekannten Tibet-Unterstützer-Adressen
mit Anhängen in zip, doc, rar, ppt etc, die samt und sonders mit üblen
Trojanern verseucht sind, Wachsamkeit ist erforderlich, bitte niemals
Anhänge im doc-Format versenden, Anhänge nur als rtf oder pdf versenden.
Eine interessante Meldung von AFP hierzu: afp.google.com/article/ALeqM5jsVui4k8MQesgQMh2mKwHleFYKJw

Samstag, 15. März 2008

Aufruf: Demonstration vor der chinesischen Botschaft in Berlin am 15.3.2008, 12.00 Uhr

Am dritten Tag der Proteste in Lhasa kam es zu heftigen Zusammenstössen zwischen Sicherheitsbehörden und tibetischen Demonstranten. Die International Campaign for Tibet ist sehr besorgt über Berichte bezüglich einer Verhängung des Kriegsrechts in Lhasa und verurteilt die Niederschlagung friedlicher Proteste und die Schließung von Klöstern in der Region von Lhasa.

Diese Vorgehensweise der chinesischen Behörden war ursächlich für die Proteste unter der tibetischen Bevölkerung, die am heutigen Tage auf gefährliche Weise in den Straßen Lhasas eskalierten und sich auf unterschiedliche Teile Tibets ausgeweitet haben.

„Die Unruhen sind Ausdruck einer allgemeinen Unzufriedenheit der Tibeter in Tibet. Sie werden sowohl sozial als auch wirtschaftlich systematisch benachteiligt und so an den Rand der Gesellschaft gedrängt“, sagt Kai Müller Geschäftsführer der ICT.

ICT ruft die Regierung der Volksrepublik China dazu auf, alle Tibeter freizulassen, die in Zusammenhang mit den jüngsten Vorfällen inhaftiert wurden und ausländischen Medienvertretern und Konsular- oder Botschaftsvertretern uneingeschränkten Zugang zu Tibet zu ermöglichen.

Die International Campaign for Tibet Deutschland ruft zusammen mit dem Verein der Tibeter in Deutschland sowie der Tibet-Initiative Deutschland für den morgigen Samstag, den 15. März, um 12.00 Uhr zu einer friedlichen Protestkundgebung vor der Botschaft der Volksrepublik China in Berlin (Märkisches Ufer, Berlin-Jannowitzbrücke) auf. Bitte kommen Sie zahlreich.

ICT Deutschland e.V. | Schönhauser Allee 163 | 10435 Berlin | Germany
Tel.: 030 27879086 | Fax: 030 27879087


Radio Free Asia, www.rfa.org
14. März 2008

Chinesische Polizei schießt auf protestierende Tibeter in Lhasa, mindestens zwei Tote
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Kathmandu (RFA) - Mindestens zwei Tibeter kamen in Lhasa ums Leben, als die chinesische Polizei heute mit scharfer Munition in die Menge der protestierenden Tibeter schoß. Die aufgebrachten Tibeter setzten Autos und Läden in Brand, anti-chinesische Demonstrationszüge wälzten sich durch die Straßen der Stadt, wird von Radio Free Asia berichtet.

Augenzeugen berichteten dem tibetischen Dienst von RFA von zwei Toten, die sie am zentralen Barkhor-Markt in Lhasa sahen, während andere die Zahl der Opfer viel höher ansetzen. „Schüsse wurden abgefeuert und es gab Tote“, berichtete eine andere Quelle Radio Free Asia, „doch es ist nicht ratsam, darüber per Telefon zu sprechen“. „Jetzt protestieren die Tibeter am Barkhor“, heißt es aus einer dritten Quelle. „Sie plünderten chinesische Läden, und die Polizei schoß scharf in die Menge. Es herrscht nun Ausgangssperre in Lhasa“.

Die Unruhen begannen um 10 Uhr Ortszeit (= 3 Uhr MEZ) am Freitag, und bis zum Spätnachmittag waren die Straßen in Lhasa abgeriegelt, so daß Angestellte in ihren Bürogebäuden eingeschlossen blieben. Ein han-chinesischer Bewohner von Lhasa sagte, Autos und Läden seien angezündet worden, und ein anderer meinte, die Lage sei sehr „ernst“.

Tibetische Quellen in der Stadt sagten, die durch die Straßen ziehenden Protestierenden setzten chinesische Läden in Brand und zertrümmerten alles Chinesische, was ihnen in den Weg käme, wobei die Stadt von dichtem schwarzem Rauch eingehüllt sei. Sie rennen mit ihren traditionellen weißen Khatags in der Hand durch die Straßen und rufen „Free Tibet“.

Ein dritter chinesischer Einwohner gab an, ab 13 Uhr (Ortszeit) sei eine Ausgangssperre verhängt worden. Anderen Einwohnern zufolge hätten sich die Protestierenden gegen 15.30 Uhr zerstreut, nachdem paramilitärische Kräfte der bewaffneten Volkspolizei (PAP) in großer Zahl anrückten.

Mönche aus dem Kloster Ramoche verstärkten die Menge. Die Leute zerschmetterten alles, was chinesisch ist, oder was sie als chinesisch wahrnahmen, sie steckten sogar das bekannte Restaurant Tashi Delek in Brand, dessen tibetische Eigentümer als pro-chinesisch gelten.

„Gleichzeitig gab es auch Proteste in anderen Lokalitäten“, sagte ein weiterer Zeuge. „Hunderte von Demonstranten marschierten in verschiedene Richtungen, durch die Barkhor Gegend und die Rangshon Jong Straße“.

„Einmal schien es, der Protest sei geplant gewesen, und dann wieder hatte man den Eindruck, daß die Leute spontan demonstrierten, ermutigt durch die relativ geringe Polizeipräsenz in der Innenstadt“, fügte der Zeuge hinzu. „Daher stießen unterwegs immer mehr Tibeter zu der außer sich geratenen Menge. Es war der bisher größte Protest in Lhasa.“

Die Spannungen in der tibetischen Hauptstadt eskalierten in den letzten Tagen, nachdem die drei größten Klöster von der bewaffneten Polizei abgeriegelt wurden. Die PAP ging am Dienstag mit Tränengas gegen eine Menge von mehreren Hundert protestierender Mönche in der Nähe von Lhasa vor, um sie auseinanderzutreiben.

Die Proteste begannen am 10. März, als Hunderte von Mönchen anläßlich des 49. Jahrestages des 1959 von der chinesischen PLA brutal niedergeschlagenen Volksaufstands eine Demonstration antraten. Der Dalai Lama, heute 72, floh infolge des Aufstands ins Exil nach Nordindien.

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www.phayul.com
14. März 2008

Schüsse auf Tausende von Tibetern, die in Amdo Labrang protestieren
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Tausende von Tibetern, angeführt von den Mönchen des Klosters Labrang, demonstrierten am Freitag Nachmittag (Pekinger Zeit), sie trugen die tibetische Nationalflagge herum und riefen nach Unabhängigkeit für Tibet.

In Labrang in der traditionellen tibetischen Provinz Amdo kam es heute Nachmittag zu einem weiteren massiven Protest. Tibetische Mönche und Laien zogen demonstrierend durch die Straßen des Kreises Sangchu, Tibetisch-Autonome Präfektur Kanlho, Provinz Gansu, verlautet aus einer zuverlässigen Quelle.

Dem Tibetischen Zentrum für Menschenrechte und Demokratie wurden über ein Mobiltelefon Bilder des Protestes übermittelt, welche die Intensität der Demonstration zeigen:
http://www.tchrd.org/press/2008/pr20080314b.html

Etwa 50 Mönche aus dem Kloster Labrang Tashikyil begannen heute um 14 Uhr (Pekinger Zeit) zu demonstrieren, wobei sie die verbotene tibetische Nationalflagge bei sich trugen und Parolen wie „Unabhängigkeit für Tibet“ riefen. Später schlossen sich 600 weitere Mönche des Klosters dem Demonstrationszug an.

Allmählich schwoll die Menge auf ein paar Tausend an, und nachdem die allgemeine Bevölkerung auch mitmachte, wurde der Protest immer intensiver.

Quellen zufolge feuerte die Polizei mit scharfer Munition und drosch auf die Demonstranten ein, als der Zug das Hauptquartier des Public Security Bureau des Kreises Sangchu erreichte.

„Die Sicherheitskräfte und die bewaffnete Polizei feuerten Schüsse ab, als der Protest immer heftiger wurde. Ob es Tote gegeben hat, ist noch unklar“, verlautet aus der Quelle.
„Allmählich wuchs die Zahl der Demonstranten, und Tausende von Tibetern strömten auf den zentralen Marktplatz. Als sie die Polizeistation erreichten, wurden ihre Rufe nach Freiheit immer lauter. Da fing die Polizei an, in die Menge zu schießen, wonach die Leute in Panik auseinanderstoben“.

Es heißt, die Lage in Amdo sei äußerst gespannt im Zuge der Unruhen, die sich nun über ganz Tibet ausbreiten. Als dieser Bericht abgesandt wurde, demonstrierten immer noch viele Menschen.

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: MoKa
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