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Dienstag, 7. Januar 2020

Fake News: Der deutsche Buddhismus meldet sich zu Wort

Lügen unter Tränen
Die Wahrheit von Aussagen wurde bereits lange Zeit vor der Popularität des Begriffs ,,Fake News“ fragwürdig. Dass vor einem Krieg in der Propaganda oft hemmungslos gelogen wird, ist ein Gemeinplatz: Vom Anschlag auf den Sender Gleiwitz, der 1939 von der SS initiiert wurde und den Angriff auf Polen rechtfertigen sollte, über den fingierten Tonkin-Zwischenfall, den die USA 1964 als Anlass für den Vietnamkrieg nahmen, bis zur Vorlage gefälschter Beweise bei der UNO durch Colin Powell 2003 zur ,,Begründung“ des zweiten Golfkriegs. Man könnte diese Liste beliebig verlängern. Wenn es um ökonomische Motive, Kriegsvorbereitungen, aber auch ideologische Gegensätze geht, so spielt ,,Wahrheit“ fast keine Rolle mehr. ,,Fakten“ werden vielfach einfach hergestellt (,,gefaked“), auch durch falsche Zeugenaussagen. Man denke an die ,,Brutkastenlüge“ vor dem 1. Golfkrieg, die von Nayirah al-Sabah, der Tochter des kuwaitischen Botschafters, unter Tränen vor dem US-Kongress vorgetragen wurde. Klaus Hartmann sagt in seinem Vortrag ,,Die Brutkastenlüge“: ,,Die ganze Inszenierung war eine Auftragsarbeit der PR-Agentur Hill & Knowlton, die vorher in Umfragen ermittelt hatte, dass die US-Bürger Grausamkeit gegen hilflose Kleinkinder am entschiedensten verabscheuten. Fake News als Ergebnis von spin doctoring, auch ,professionelle strategische Kommunikation’ genannt.“ Gefälscht werden auch immer häufiger Videos oder Fotos und in den sozialen Medien auf eine Weise verbreitet, die sich gefährlich auswirkt. Nicht Wahrheit, sondern Reichweite entscheidet, gepaart mit einer starken emotionalen Aufladung. 
Nun hat sich im 20. Jahrhundert die erwähnte „strategische Kommunikation“ wie ein Nebelschleier über die ganze Gesellschaft verbreitet, Die Lüge ist allgegenwärtig geworden. Der Physiker, Nobelpreisträger und Wissenschaftskritiker Robert B. Laughlin sagte: ,,George Orwells 1984 ist keine Zukunftsvision mehr; wir sind mittendrin.“ 

Experten als Hohepriester
Aber sind nicht wenigstens die Wissenschaften weiterhin der Wahrheit verpflichtet? In der Politik, aber auch bei einer vom Klima bewegten Jugend gelten ausgewählte Expertinnen und Experten als die Hohenpriester der Gegenwart. Doch immer häufiger werden gefälschte Aufsätze auch in angesehenen Zeitschriften entdeckt – bei hoher Dunkelziffer. Man spricht von einer Reproduzierbarkeitskrise: Mehrere seriöse Studien brachten in jüngerer Zeit ans Licht, dass sich quer durch die naturwissenschaftliche und medizinische Forschung 60 bis möglicherweise sogar 90 Prozent der Studien an anderen Forschungseinrichtungen nicht mit dem gleichen Ergebnis wiederholen lassen. 
Schlimmer noch ist ein verbreiteter Opportunismus. Man forscht nur, wenn entsprechende Mittel verfügbar sind – Mittel, die entweder durch die Wirtschaft oder politische Interessen gelenkt sind. So können sich vermeintliche Mehrheitsmeinungen rasch insgesamt in Fake News verwandeln. Die Zeitschrift „The Economist“ veröffentlichte 2013 eine Studie, wonach gerade die führenden Fachzeitschriften vorwiegend Aufsätze akzeptieren, die sich vor allem an Mehrheitsmeinungen orientieren. Kritik wird meist gar nicht erst publiziert. Gerne wird als Lippenbekenntnis der Gedanke des Philosophen Karl Popper wiederholt, dass Wissenschaft nicht auf „Meinungsmehrheiten“ beruht, sondern vor allem auf Falsifizierbarkeit, also auf der prinzipiellen Möglichkeit, Ergebnisse zu widerlegen. Umgesetzt wird diese Forderung allerdings nur sehr spärlich.
Um zwei weitere Beispiele aus der Ökonomie anzuführen: 1997 bekamen Robert Merton und Myron Schales für ihre Finanzmarkt-Modelle den Nobelpreis. Ihre Modelle wurden vielfach bei Hedgefonds angewendet. Beide waren Direktoren der Firma Long-Term Capital Management – eine Firma, die nur zehn Monate nach der Preisverleihung Pleite ging und die Finanzmärkte in eine tiefe Krise stürzte. In ihren Modellen hatten die Autoren abstruse Annahmen versteckt, die durchaus erkennbar waren und auf die ich selbst in einigen Texte aufmerksam gemacht habe; der Fake war also durchschaubar.
Kenneth Rogoff, ein weiterer US-Ökonom, zeitweilig Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, publizierte mit Carmen Reinhart 2010 einen sehr einflussreichen Aufsatz zur Staatsverschuldung, der vielen Regierungen immer noch als maßgebende Begründung für Sparzwänge gilt. Ein Student der Volkswirtschaftslehre, Thomas Herndon, wies aber nach, dass die Berechnungen der beiden gefeierten Autoren recht simple Fehler in ihren Excel-Tabellen enthalten und ihre Folgerungen deshalb unhaltbar sind. Die vermeintlich „wissenschaftliche“ Mehrheitsmeinung hat hier – wie in vielen anderen Bereichen – dennoch weiter großen politischen Einfluss.
Fake News mögen also falsch sein – wirksam sind sie allemal. Dies mahnt zur Vorsicht bei aktuellen Fragen, in denen man sich auf ,,Expertinnen“ und ,,Experten“ beruft, denn der Übergang von schlechter Wissenschaft zu einer Anpassung an die Interessen und politischen Ideologien der Geldgeber bis hin zu echten Lügen sind fließend. Die Wahrheit in den Wissenschaften ist in einer ernsten Krise, auch wenn diese Tatsache das öffentliche Bewusstsein bislang kaum erreicht hat.

Europa: Wahrheit ohne Ethik
Hier nun ist der Ort, an dem die buddhistische Tradition eine andere, neue Perspektive einzubringen vermag. Wie ist es überhaupt möglich, dass die Wahrheit durch eine fiktive Wahrnehmung, durch Lügen oder Fakes so häufig einfach ersetzt wird? 
,,Wahr" sollen Aussagen sein, die mit „der Realität, den ,,Fakten übereinstimmen. Doch Fakten sind nicht einfach gegeben, weiß der Buddhismus. Alle Erfahrung, wie der buddhistische Philosoph Dharmakirti sagt, wird hergestellt. Individuell durch die Sinnesorgane, sozial durch Experimente und Diskurs vermittelt Fakten sind nicht irgendwo „da draußen“. Sie sind als Objektivität ein Produkt, eine Messung, eine Statistik, eine Beschreibung. Und was man herstellt, kann man auch fälschen. 
Nun mag es so scheinen, als würde die buddhistische Philosophie so etwas wie eine objektive Realität, eine Wirklichkeit ganz in Abrede stellen. Sagt nicht Nagarjuna, das, was wir als Wirklichkeit glauben, erscheine nur wie eine ,,Fata Morgana, als Luftspiegelung, als Traumgebilde“ (Nagarjuna, Mulamadhya­makakarika 17.33)? Ist damit nicht jede Aussage illusionär, wie ,,Schreiben auf Wasser“ (Nagarjuna, Suhrllekha 17)?
Tatsächlich gibt es in der europäischen Philosophie mit der Postmoderne heute eine Auffassung, die alle Wirklichkeit, vor allem aber alle Moral infrage stellt. Lange Zeit war in Europa die Wahrheit fest mit dem Gottesbegriff verbunden. Man dachte: Es ist Gott, der die Welt erschaffen, das heißt als Realität wahr gemacht hat. Mit der Aufklärung und dem modernen Atheismus ist der Haltepunkt „Gott“ verschwunden. Der religiöse Glaube wurde vom Glauben an die rein wissenschaftliche Wahrheit entthront. Geist, Spiritualität und ethische Werte haben in dieser Auffassung keine Wurzeln mehr in der Wirklichkeit Es öffnete sich damit eine sowohl philosophische wie moralische Kluft, die von postmoderner Beliebigkeit durch erfundene „Wahrheiten“ gefüllt wurde. Für die Postmoderne sind Moral, Denken, Geschlecht, Ethnie und vieles mehr nur ,,soziale Konstruktionen“.
Die Krise der Wahrheit, wie sie in der wachsenden Verbreitung von Fake News offenbar wird, wäre dann nichts weiter als die konsequente praktische Vollendung dieses Grundgedankens.

aus: Karl-Heinz Brodbeck, Fake News und die Krise der Wahrheit, Buddhismus aktuell, 1|20, S. 50ff.

siehe auch:
Tödlicher Ernst – Die Pharmaindustrie ist eines der gefährlichsten Kartelle der Welt. (Post, 23.08.2018)
Salisbury: Parallelen zum deutschen Plutonium-Skandal 1994 (Post, 03.04.2018)
Liste bestätigter False Flag Ops (Gegenfrage.com, 01.10.2017)
Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)
Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013)
Wir geben ihnen Macht 1 (Post, 14.03.2013)

Samstag, 24. März 2018

Heute vor zehn Jahren – 24. März 2008: Direktwahl zur Nationalversammlung in Bhutan

Das unbekannte Königreich 

Das kleine, nur 38 000 kmumfassende Königreich Bhutan grenzt im Süden an Indien und im Norden an Tibet (China). Es hat rund 775 000 Einwohner, von denen drei Viertel dem Mahayana-Buddhismus anhängen, der Staatsreligion ist. König ist seit 2006 Jigme Khesar Namgyel Wangchuck (* 1980). Das Land, ursprünglich ein Hindu-Fürstentum, wurde im 8. Jahrhundert buddhistisch und durch die lamaistische Klosterkultur Tibets geprägt. 1616 wurde Bhutan zu einem theokratischen Staat vereint. Er kämpfte um Selbständigkeit gegen Tibeter, Mongolen und Briten, die das Land ab 1895 bis zur Unabhängigkeit Indiens faktisch kontrollierten. 

Im Innern zog der König nach gewalttätigen Unruhen 1964 alle Macht an sich, erklärte Bhutan aber 1968 zur konstitutionellen Monarchie. Das 1953 geschaffene Parlament erhielt gewisse Gesetzgebungsrechte. Seine Vertreter wurden aber nur indirekt, über die Dorfvorsteher, gewählt. Im März 2008 erfolgte die erste Direktwahl der Abgeordneten, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollten. Mit deren Verabschiedung am 18. Juli 2008 wurde Bhutan nun auch offiziell eine konstitutionelle Monarchie. Politisch lehnt sich das kleine Land eng an Indien an. 


Was am 24. März noch geschah: 
1976: In Argentinien putscht General Jorge Videla und errichtet eine Militärdiktatur (bis 1982). 


Harenberg - Abenteuer Geschichte 2018 

Bhutan - Wissenswertes über das traditionsreiche Königreich im Himalaja (Reisedokumentation in HD) {11:57}

Am 19.08.2015 veröffentlicht
wocomoTRAVEL  
Eine Reise durch eines der letzten Paradiese der Welt. Erhaltung der Tradition und Nachhaltigkeit machen Bhutan so besonders.
Bhutan öffnet sich nur langsam. Massentourismus wird hier eher abgelehnt. Ein Land, das seinen Fortschritt selbst bestimmt, wobei sich die Lebensweise der Bewohner seit Jahrhunderten kaum verändert hat. In Bhutan findet der Besucher meist Überraschendes und Ungewohntes, wie zum Beispiel die weit verbreitete Huldigung der Fruchtbarkeit. Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit liegt ca. 700 Meter über dem Paro Tal hoch auf einem Granitfelsen - das sogenannte Paro Taktshang (Tigernest Kloster).
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Zu Wort kommen:
Kunzang Choden (Schriftstellerin), Pema Gyamthso (Oppositionsführer), Tshering Tobgay (Premierminister)
Ein Ausschnitt aus der Dokumentation von NZZ Format "Bhutan - Königreich im Himalaja".
Mehr von NZZ Format: https://www.youtube.com/user/NZZFormat

"Das Königreich Bhutan: Vom Bruttosozialglück." - Mit offenen Karten | ARTE {12:16}

Am 24.04.2017 veröffentlicht
der Wolpertinger.  
Das Königreich Bhutan liegt im östlichen Himalaja. Das Land ist mit gut 38.000 km2 in etwa so groß wie die Schweiz und hat etwa 700.000 Einwohner, die zumeist tibetischer Herkunft sind. Bhutan ist ein Binnenstaat und grenzt im Norden an China – und zwar an das Autonome Gebiet Tibet – sowie im Süden an die indischen Bundesstaaten Sikkim, Westbengalen, Assam und Arunachal Pradesh.
Das Land geriet weltweit in die Schlagzeilen, weil sein König in den siebziger Jahren den Begriff „Bruttosozialglück“ prägte. Dieses ruht auf 4 Säulen: nachhaltige und gerechte Entwicklung der Gesellschaft und der Wirtschaft Schutz der Umwelt gute Regierungsführung Bewahrung kultureller Traditionen.
Die Wirtschaft Bhutans beruht in erster Linie auf der Landwirtschaft, in der 69 % der Bevölkerung tätig sind, auf lediglich 8 % des Staatsgebietes, vor allem in den Tälern im Süden des Landes. Angebaut werden Getreide, Gemüse, Gewürze und Zitrusfrüchte.
Bhutan ist zu 72 % von Wald bedeckt und die Verfassung verlangt, dass der Wald stets mindestens 60 % des Staatsgebietes bedeckt.
Trotz andauerndem Wachstum beträgt das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner nur 2000 US-$ pro Jahr, wodurch Bhutan nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze von 28 US-$ pro Monat. Besonders hoch ist der Anteil in den rot eingefärbten Regionen, dort liegt er bei über 52 %.
Ab Ende der achtziger Jahre galten die nach 1958 eingewanderten Nepalesen – die so genannten „Lhotshampas“, was so viel wie „Südländer“ bedeutet – als illegale Einwanderer. Viele von ihnen wurden in der Folgezeit ausgewiesen, und es kam zu Protesten und Anschlägen im Süden des Landes. Zwischen 1990 und 1993 verließen etwa 50.000 Lhotshampas das Land. Die meisten von ihnen fanden in 7 Flüchtlingslagern im Osten Nepals Zuflucht.
Das kleine Königreich Bhutan nutzt seine Lage im Himalaja, um sich von der Globalisierung abzuschotten. MIT OFFENEN KARTEN lädt ein zu einer Entdeckungsreise in ein Land, das zur Beurteilung seiner Volkswirtschaft das „Bruttosozialglück“ berechnet.
Beitragslänge: 12.16 Minuten
Erstausstrahlung: 15.10.2011
PINS zur Sendung: https://www.pinterest.de/theWolpertin...
Literatur: http://ddc.arte.tv/zur-das-thema/bhut...
Zur aktuellen Lage: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aus...
Nach Bhutan reisen: http://wikitravel.org/de/Bhutan
Die Bevölkerungsuhr vom Königreich Bhutan: http://countrymeters.info/de/Bhutan
Quelle: ddc.arte.tv/de

Weltspiegel-Reportage: Bhutan {28:19}

Am 13.08.2016 veröffentlicht
ARD  
Als einziges Land der Welt misst Bhutan seinen Wohlstand am Wohlbefinden seiner Menschen. Allmählich öffnet sich das Land für Touristen und Investoren. Doch wie wirkt sich das aus?

Bhutan: Das Geheimnis des Glücks (Doku) {43:21}

Am 23.03.2017 veröffentlicht
Buddhismus im Alltag  
Das kleine Königreich Bhutan im Himalaya ist das Zuhause der glücklichsten Menschen der Welt. In den 1970er Jahren führte der beliebte König sogar das "Bruttonationalglück" ein. Bill Weir fragt sich, wie lange das entschleunigte und glückliche Leben der Bhutaner noch anhalten wird. Einflüsse der modernen Welt und Touristenandrang machen auch vor Bhutan nicht Halt.
- Mehr als 1400 Vorträge, Meditations-Anleitungen... zum Thema Buddhismus findet ihr auf "Buddhas Lehre": https://www.youtube.com/channel/UCMOP...
Die Vorträge hier sind größtenteils noch einmal bearbeitet ( Ton )

360° Geo Reportage Die Bogenschützin von Bhutan {42:55}

Am 14.12.2014 veröffentlicht
doku dokus  
Fast jeder männliche Bewohner Bhutans praktiziert die Kunst, mit Pfeil und Bogen zu schießen - ein Relikt aus der kriegerischen Vergangenheit des buddhistischen Bergvolkes. Bei einem traditionellen Wettkampf treten jeweils zwei Dörfer gegeneinander an. Frauen dürfen die männlichen Kontrahenten dabei lediglich anfeuern. Doch in dem kleinen Dorf Radhi gibt es eine Ausnahme. Hier trainiert die 25-jährige Tshering Chhoden für Olympia. Als Frau darf sie an dem traditionellen Kräftemessen nicht teilnehmen, obwohl sie sich darauf vorbereitet, ihr Land vor der ganzen Welt zu repräsentieren. Tshering Chhoden gilt als Virtuosin mit Pfeil und Bogen.
Das abgeschottete Bhutan hat sich erst in den letzten Jahren der Außenwelt geöffnet. Noch 1960 war ein fünftägiger Fußmarsch nötig, um in das Land zu gelangen. Damals begann König Wangchuck mit seiner vorsichtigen Modernisierungspolitik. Bis heute bestimmen er und seine Minister, wie viel Einfluss von außen sein Volk verkraftet und ob es reif ist für Elektrizität, Fernsehen oder Tourismus. Industrialisierung wird nur geduldet, wenn sie nicht gegen die hohen Umweltstandards verstößt. Westliche Entwicklungspolitiker betrachten den Himalaya-Staat als Musterland, doch das Volk steht nur zum Teil hinter dem Monarchen.
Viele der überdurchschnittlich gut ausgebildeten jungen Menschen, von denen manche im Ausland studiert haben, fühlen sich bevormundet. Tshering Chhodens Alltag während der Olympiavorbereitungen ist typisch für das Zusammentreffen von Tradition und Moderne in Bhutan. Sie glaubt fest an Dämonen und Hexen und daran, dass ihre Tempelbesuche das Sportlerglück beeinflussen werden. Gleichzeitig trainiert sie mit einem professionellen Coach und moderner Hightechausrüstung.


Argentinische Militärdiktatur 1976–1983 {2:53}

Am 24.10.2015 veröffentlicht
yafasia  
Quelle & Infos: "auslandsjournal extra" 3sat Germany
http://www.3sat.de/page/?source=/ausl...

Freitag, 23. März 2018

Eine Deutsche als Geshe

Kerstin Brummenbaum reist als junge Frau um die Welt und landet letztlich in einem buddhistischen Kloster im indischen Dharamsala. Dort beginnt sie das Studium des Buddhismus und ist fasziniert. Die junge Frau legt das Nonnengelübde ab und nennt sich fortan Kelsang Wangmo. Jahre später wird ihr der Titel eines Geshe verliehen. Sie ist damit die erste weibliche Gelehrte im tibetischen Buddhismus. Mit n-tv.de spricht sie über ihr Leben als Nonne, über Verzicht und Feminismus.
mehr:
- Buddhas erste weibliche Gelehrte: "Für die Tibeter war ich die weiße Krähe" (Mit Kelsang Wangmo sprach Lisa Schwesig, n-tv, 22.03.2018)

Geshema Kelsang Wangmo: On Becoming The First Geshema {3:57}

Am 06.05.2016 veröffentlicht
YoginiProject  
- Preview clip for "Women On The Path" and The Yogini Archives on 'Becoming the First Geshema' from an interview with Geshema Kelsang Wangmo, Dharamsala, India, April 2015.
Full interview at The Yogini Archives:
https://vimeo.com/ondemand/theyoginia...

Sonntag, 22. Oktober 2017

Gastbeitrag: Was ist in Myanmar los? Über die wahren Hintergründe werden wir massiv getäuscht

Schon seit einigen Jahren - seit Ende August 2017 nun massiv - berichten Nachrichten-Medien eindringlich und dramatisch über die gewaltsame Vertreibung der moslemischen Minderheit der Rohingya aus der burmesischen Grenzprovinz Rakhine (auch Arakan genannt) durch die Armee Myanmars (Burmas). Fast immer wird dabei betont, dass auch Teile der buddhistischen Bevölkerung sowie buddhistische Mönche sich daran in Wort und Tat beteiligen. Dass die Buddhisten dieser Region jedoch vor den Angriffen der islamischen Terrororganisation „Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) in die andere Richtung fliehen, wird hierbei nicht erwähnt. Besonders scharf wird inzwischen die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wegen ihres (angeblichen) Schweigens zu den Vorgängen angeprangert und bereits die Aberkennung ihres Nobelpreises gefordert. (Gegenüber dem Friedensnobelpreisträger und US-Präsidenten Barack Obama, der während seiner gesamten 8-jährigen Amtszeit ständig mehrere Kriege führte, eine Vielzahl von Menschen durch ferngelenkte Drohnen töten und das Folterlager Guantanamo, entgegen seinem Wahlversprechen, weiter bestehen ließ, wurde diese Forderung nie erhoben!) 

Ohne Zweifel gibt es in Burma (und in anderen asiatischen Ländern) auf buddhistischer Seite seit einigen Jahren einige inzwischen sehr einflussreich gewordene Mönche, die eine unakzeptable, hasserfüllte rassistische Hetze und pauschale Demagogie gegen sämtliche Moslems betreiben. (Solche Leute haben wir aber auch massenhaft in Deutschland, auch unter Christen und leider auch unter Buddhisten und sogar im Dachverband, der DBU. Wir schauen aber geflissentlich weg). Dass die Mehrheit der burmesischen Bevölkerung und die Mehrheit des burmesischen Mönch- und Nonnen-Sangha dem aber nicht folgen, dass sich die nationale Sangha-Leitung und eine Vielzahl von prominenten Mönchen, Dhamma- und Vipassana-Lehrern davon ausdrücklich distanziert haben, wird in der weltweiten Berichterstattung und insbesondere im Westen mit keinem Wort erwähnt. Auch in unseren Medien herrscht so pauschale einseitige Verurteilung. Ja, es muss gesagt werden, dass die Vorgänge in Myanmar und Bangladesh in den westlichen und insb. deutschen Medien auf eine geradezu extrem einseitige, verfälschende und den Buddhismus pauschal diffamierende Weise dargestellt werden. 

Während es in der westlichen Welt seit 20 Jahren ständig zu schlimmsten mörderischen Terrorangriffen gegen unschuldige Menschen durch islamistische Fundamentalisten kommt und die Medien seit dem 11.9.2001, was Religion betrifft, nur noch das Thema Islam, Islam, Islam kennen und hier seither pausenlos über die Integrierbarkeit des Islam in die aufgeklärte westliche Kultur und Gesellschaft gestritten wird, wird eine Auseinandersetzung über genau dieselbe Problematik den buddhistischen Ländern und Menschen Asiens nicht zugestanden und nun ein ausgesprochen scheinheiliger Betroffenheits- und Solidaritäts-Medienhype gegenüber den sehr, sehr weit entfernten Flüchtlingen zelebriert. Zugleich ertrinken täglich vor den Mittelmeerküsten Europas Hunderte bis Tausende Flüchtlinge, vegetieren Millionen Syrer und Iraker in türkischen, arabischen und afrikanischen Flüchtlingslagern vor sich hin, Menschen in großer Not, die Europa nicht haben will. Und „Abschiebung“ ist längst zum liebsten Wort vieler Deutscher geworden. Was für eine schamlose Doppelmoral.

Auch ist nichts davon zu hören, dass die seit Jahren zunehmenden Spannungen zwischen Moslems und Buddhisten in ganz Asien mit der barbarischen Zerstörung der einzigartigen historischen Buddhafiguren, Mönchshöhlen und Wandmalereien von Bamiyan in Afghanistan und von Tausenden „griechischen“ Buddhafiguren im Nationalmuseum von Kabul durch die (von Saudi-Arabien finanzierten und gesteuerten) Taliban begonnen haben. Auch nichts davon, dass Al Quida schon seit Jahren terroristische Aktivitäten in Burma und anderen buddhistischen Ländern plant, dass in zahlreichen islamischen Ländern Asiens seit langem fanatische und hasserfüllte Demonstration mit dem Verbrennen von Bildern und Fahnen gegen Burma, Aung San Suu Kyu und den Buddhismus stattfinden. Auch nichts davon, dass die Minderheit der ca. 1 Million Theravada-Buddhisten in Bangladesh (wohl die älteste buddhistische Sangha der Welt) schon seit der Unabhängigkeit des Landes aufs schwerste unter der Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung durch die moslemische Mehrheit und Regierung zu leiden hat und vor ihrer Auslöschung steht. Siehe dazu: www.buddhanetz.org (Aktuelles) und http://paritosh-chakma.blogspot.de/2012/10/the-buddhist-world-erupted-in-protests.html

Die Hintergründe und Ursachen für die derzeitige, zweifelslos furchtbare und für Praktizierende der Lehre des Buddha nicht zu rechtfertigende, antimuslimische Propaganda und Hetze mit zahlreichen schlimmen Gewaltereignissen von buddhistischer Seite gegenüber Menschen anderer Ethnie und Religion habe ich versucht, bereits vor ein paar Jahren in einem Aufsatz unter dem Titel „Burma im Zwiespalt - zwischen Demokratie und Nationalismus“ aufzuzeigen. Er wurde im September 2013 in der Zeitschrift „Ursache und Wirkung“ abgedruckt und ist auch auf meiner Internet-Homepage zu finden: http://www.buddhanetz.org/aktuell/zwiespalt.pdf Ebenso hier im Anhang.

Dass die Probleme und Ereignisse jedoch weit komplexer und weniger einseitig verursacht sind, sollen nachfolgend nochmal drei, für ihre Unparteilichkeit (was Islam und Buddhismus betrifft) verlässliche Quellen zeigen. Hier ein aktuelles Radiointerview des Deutschlandfunks mit dem Asienexperten und evangelischen Theologen Hans Bernd Zöllner aus Hamburg (er lebt seit vielen Jahren in Burma). „Die Buddhisten haben Angst, von Muslimen verdrängt zu werden"  http://www.deutschlandfunk.de/myanmar-buddhisten-haben-angst-von-muslimen-verdraengt-zu.886.de.html?dram:article_id=395675

Zum anderen zwei Beiträge des Völkerkundlers und Journalisten Peter Mühlbauer vom 9.9.2017 aus der seit Jahren von Vielen für ihre gründlich recherchierten Hintergrundberichte sehr geschätzten Nachrichten-Plattform Telepolis (Heise-Verlag) mit dem Titel: „Aung San Suu Kyi kritisiert ‚Fake News‘ über Konflikt in Rakhine“ 
https://www.heise.de/tp/features/Aung-San-Suu-Kyi-kritisiert-Fake-News-ueber-Konflikt-in-Rakhine-3825685.html 

Der Beitrag zeigt auf, wie sehr hinter diesen Unruhen – wie in so vielen anderen Fällen, die mit dem Islam zu tun haben – die weltweiten Machenschaften des radikalfundamentalistischen (wahabitischen) Islamismus Saudi-Arabiens zu finden sind und wie hierbei mit erfundenen und gefälschten Bildern und Nachrichten (fake news) weltweit Hass und Hetze gegen Buddhisten und Burmesen geschürt wird. Des weiteren der Beitrag: „Wird-Rakhine-der-neue-Kosovo“, der aufzeigt, wie in den Vorgängen in Myanmar eine Strategie wiederzuerkennen ist, die bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das einstige Jugoslawien in seiner staatlichen Einheit zerstörte und viele Tausende Tote kostete (auch hier zog vor allem Saudi-Arabien die Fäden): 
https://www.heise.de/tp/features/Wird-Rakhine-der-neue-Kosovo-3827286.html 

Aber da gibt es noch weitere, sehr gut verstecke, bzw. verschwiegene Strippenzieher im Hintergrund. Der obigen Beitrag nennt den weltweit reichsten und gewissenlosesten US-Börsen-Spekulanten George Soros. Er ist aber nur eine Seite davon. Tatsächlich geht es bei dem ganzen Geschehen um den großen Konkurrenzkampf oder ökonomischen Krieg, der schon lange das globale Weltgeschehen am stärksten prägt, nämlich den Kampf zwischen den USA und China um den Zugriff auf die derzeit wichtigsten Rohstoffe und Energieträger: Erdöl und Erdgas. Eben diese beiden „Bodenschätze“ sind seit über 100 Jahren die wichtigsten und fatalsten Ursachen fast aller Kriege und Weltkriege. Und von Erdöl und Erdgas (und anderen Kohlenwasserstoffen) hat Burma vor seinen Küsten sehr viel, bisher kaum ausgebeutet (und das in Zeiten, wo beides zu Ende geht). Und so hat China in genau jener Region, um die es derzeit geht, bereits mächtig investiert und Pipelines nach China verlegen lassen, um diese Schätze auszubeuten. Mit diesen kann China auch seinen Öltransport aus den arabischen Ländern nach China um ein Vielfaches an Entfernung verkürzen. Und schließlich soll bei der Stadt Kyaukphyu – exakt der Hauptstadt des Rakhine-Gebietes – die mächtigste industrielle Sonderzone Myanmars, ja, eine der bedeutendsten ganz Südostasiens entstehen. Siehe Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Kyaukpyu 

Dasselbe Zugriffs-Interesse auf diese Reichtümer haben aber auch mächtige US-amerikanische Energie-Konzerne und Investoren wie z.B. George Soros (möglicherweise auch Saudi-Arabien dessen Ölreichtum zu Ende geht). Soros ist die Person, die schon seit vielen Jahren von der Verfolgung der Rohingya in Burma spricht und seit langer Zeit großes Interesse an „Veränderungen in Burma“ bekundet. Von ihm stammt auch der in diesem Zusammenhang inzwischen stereotyp wiederholte Satz, dass es sich bei den Rohingya um „die am meisten verfolgte Minderheit der Welt“ handele (was eine krasse Blindheit darstellt), Vor kurzem sprach er sogar vom „Holocaust“ an den Rohingya. Und Soros ist einer der mächtigsten Medienmogule und Meinungsmacher der westlichen Welt. Der folgende Beitrag aus der Internet-Tageszeitung „International Tech Times“ deckt diese letztlich wichtigsten Hintergründe der Sache klar auf. 
http://www.epochtimes.de/china/rohingyia-myanmar-soros-erdgas-und-china-soros-erdgas-und-china-das-verbirgt-sich-hinter-der-krise-in-myanmar-a2212852.html

Über all das hinaus werden die Vorgänge in Myanmar nun aber auch von interessierter Seite in Deutschland gezielt dazu benutzt, um den Buddhismus pauschal auf grobe Weise zu diffamieren. Hierbei tut sich schon seit Jahren der Berliner Religionswissenschaftler Hartmut Zinser, Professor am Institut für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin besonders hervor. Ihm (wie auch dem Münchner evangelischen Theologie-Professor Friedrich Wilhelm Graf) dienen die Ereignisse dazu, seine (ihre) schon lange verbreiteten Aussagen glaubhaft zu machen, dass sich der Buddhismus Asiens in nichts von der blutigen Gewaltgeschichte des Christentums unterscheide. (Wohl wissend, dass es dort nie gewalttätige Missionierung gab, nie Kreuzzüge gegen andere Religionen, nie grausame Ketzerverfolgung, Folter und Hexenverbrennung, nie einen buddhistischen Kolonialismus und nie einen gewaltsamen Widerstand oder gar Krieg gegen die Vertreibung und Vernichtung des Buddhismus aus Indien, Zentralasien, Indonesien usw.). 

In einer Sendung des Deutschlandfunks vom 17.6.2015 mit dem Titel: Rohingya in Deutschland, Die muslimische Minderheit aus Myanmar vernetzt sich“ heißt es: „Buddhismus und Gewalt – ist das nicht eigentlich ein Widerspruch?“ Der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser: "Wenn man in Europa den Buddhismus als besonders friedfertig ansieht, dann macht man sich ein Wunschbild. Zwar sind die Lehren von Buddha friedfertig und er predigt Gewaltlosigkeit, aber der Buddhismus hat eine zweieinhalbtausendjährige Geschichte, die genauso von Blut und Schwert und Tränen gekennzeichnet ist wie das Christentum." In seinem kürzlich veröffentlichten Buch "Religion und Krieg" beschreibt Zinser wie Buddhisten die Anwendung von Gewalt  rechtfertigen: "Nach dem Buddhismus gibt es ja eigentlich kein Ich. Wenn es das Ich nicht gibt, weil es eine Illusion ist von Wahrnehmungsinstanzen, dann kann man es auch nicht töten. Das ist dann so, wie wenn Sie ein Spiegelbild erschlagen: Da erschlagen Sie auch das Nichts, und folglich sind Sie nicht an einer Sünde oder an einem Verbrechen beteiligt. Eine weitere Strategie ist, wenn man die Buddha-Weihe erhält, werden alle vergangenen Verbrechen gelöscht. Also holt man sich jährlich die Buddha-Weihe als Krieger. Da werden noch andere Sachen eingesetzt: die nationale Gemeinschaftsbildung. Aber die ist eben buddhistisch und da hat jemand anderes nichts zu suchen.“ http://www.deutschlandfunk.de/rohingya-in-deutschland-die-muslimische-minderheit-aus.886.de.html?dram:article_id=323374

Das ist eine geradezu unfassbar demagogische Verfälschung  der zentralen Lehre des Buddha von Nichtich (anatta) und Leerheit (sunyata), welche nicht eine Grundlage für das Recht auf Töten sondern für die Erfahrung von grenzenloser Verbundenheit und liebendem Mitgefühl mit allen empfindenden Wesen ist. Das zentrale ethische Grundprinzip des Buddha, das hier wie für die Vorgänge in Asien gilt, unterschlägt Zinser darum auch vorsätzlich (wie kann eine solche Person Prof. für Religionswissenschaft an einer der bedeutendsten Universitäten Deutschland sein?) 

Hier zur Erinnerung: Der erste Satz der pañca sila heißt: Pānātipata veramanī sikkhāpadam samādiyāmi – „Kein lebendes Wesen zu töten oder zu verletzen, diese Übungsregel nehme ich auf mich.“

Hören wir damit auf, uns von bestimmten unheilsamen Interessen so massiv täuschen und diffamieren zu lassen.

siehe auch:
- Myanmar: "Buddhisten haben Angst, von Muslimen verdrängt zu werden" (Hans Bernd Zöllner im Gespräch mit Monika Dittrich, Deutschlandfunk, 30.09.2017)
- Aung San Suu Kyi kritisiert "Fake News" über Konflikt in Rakhine (Peter Mühlbauer, Telepolis, 09.09.2017)
- Wird Rakhine der neue Kosovo? (Peter Mühlbauer, Telepolis, 12.09.2017)
- Soros, Erdgas und China: Das verbirgt sich hinter der Krise in Myanmar (Epoch Times, 10.09.2017)
- Burma im Zwiespalt – Zwischen Demokratie und Nationalismus (Franz-Johannes Litsch, Engagierter Buddhismus, September 2013, PDF)

Franz Johannes Litsch

Samstag, 9. September 2017

Aung San Suu Kyi – preisgekrönte Freiheitskämpferin zwischen den Stühlen

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Aung San Suu Kyi wird vorgeworfen, sich nicht um die Lage der Rohingya, einer muslimischen Ethnie im Westen des Landes, zu kümmern und zur von internationalen Organisationen als Völkermord[47] bezeichneten Politik der Unterdrückung und Vertreibung der Rohingya zu schweigen.[48] Fragen zur Lage der Rohingya beantwortet sie ausweichend.[49] Hierfür werden taktische Gründe angenommen, nicht ihre überwiegend buddhistischen Anhänger verärgern zu wollen.[48] [Aung San Suu Kyi, Kritik, Wikipedia, abgerufen am 09.09.2017]
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Islamistische Separatisten haben enge Verbindungen nach Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan

Seit die "Harakah al-Yakin" ("Glaubensbewegung"), die sich in "Arakan Rohingya Salvation Army" (ARSA) umbenannt hat, am 25. August mehrere Polizeiposten und einen Armeestützpunkt angriff, wird im birmanischen Bundesstaat Rakhine gekämpft. Bei diesen Kämpfen gab es den Erkenntnissen des UN-Sonderberichterstatters Yanghee Lee nach bislang etwa 1000 Tote - die birmanische Regierung geht von ungefähr der Hälfte aus. Während Buddhisten aus den Kampfgebieten in den Osten Birmas flüchten, setzten sich von den etwa eine Million Rohingya, für die die ARSA einen eigenen Staat erkämpfen will, bis zu 270.000 nach Bangladesch ab, wo man ihre Sprache spricht.

Der Begriff "Rohingya" etablierte sich für die birmanischen Bengalischsprecher erst Mitte der 1990er Jahre. Ihre Vorfahren wanderten vor allem während der britischen Kolonialzeit ein, als das heutige Bangladesch ebenso zum Empire gehörte wie Birma.1 Aus diesem Grund verwehrten man ihnen in Birma die Staatsbürgerschaft, was maßgeblich dazu beitrug, dass westlichen Medien die Minderheit vor allem als Opfer und andere Volksgruppen vor allem als Täter schildern, obwohl die ARSA buddhistische und hinduistische Dörfer attackiert und deren Bewohner vertreibt.

Dass sich diese ARSA bis vor kurzem "Glaubensbewegung" nannte, ist kein Zufall: Den Erkenntnissen der International Crisis Group (ICG) und des ehemaligen indischen Türkeibotschafters M.K. Bhadrakumar nach wurde ihr Anführer Ata Ullah im pakistanischen Karatschi geboren und wuchs im Wahabitenkönigreich Saudi-Arabien auf, wo viele andere führende Mitglieder und Finanziers der 2012 gegründeten Gruppe leben. Die Ausbildung der Guerillakämpfer übernahmen dem ICG-Bericht nach Veteranen, die als islamistische Kämpfer in Afghanistan und anderen Ländern Kriegserfahrungen gesammelt hatten.

mehr:
- Aung San Suu Kyi kritisiert "Fake News" über Konflikt in Rakhine (Peter Mühlbauer, Telepolis, 9.09.2017)

siehe dazu:
- Burma im Zwiespalt – Zwischen Demokratie und Nationalismus (Franz-Johannes Litsch, BuddhaNetz.org, 2014?, PDF)

Vorsicht:
Folgender Screenshot aus dem nächsten Video könnte ausgezeichnet als Beleg für die Gewaltbereitschaft buddhistischer Mönche herangezogen werden:
Spielender Mönchsnovize (Quelle: Screenshot aus folgendem Video der Deutsche-Welle-Nachrichten)
Myanmar: Hass zwischen den Religionen | DW Nachrichten {3:27}

Veröffentlicht am 10.02.2017
DW Deutsch  
Die Rohingyas sind als Moslems eine Ethnie in Myanmar. Ein Volk, das nie richtig integriert war. Kurz vor den Wahlen hetzen im Land die nationalistischen Buddhisten gegen Muslime. Unterstützt werden sie durch die Regierung, die um jede Stimme kämpft.
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Tip: Man führe sich die Kommentare auf Youtube zu Gemüte!
und dann erinnere man sich an folgendes Bild:


Das œ24-Bild wie auch die Geschichte dahinter (Video) finden sich hier:
- Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)

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Seit April 2011[27] sind in Myanmar die Anfänge eines Demokratisierungsprozesses zu verzeichnen. Anlass und Nahziel dieser neuen Politik ist die Lockerung der internationalen Handelsblockaden, die das Land in der Vergangenheit stark isoliert hatten. Unter anderem wurden nach Informationen des Europäischen Auswärtigen Diensts die große Mehrzahl politischer Gefangener freigelassen, neue Vorschriften im Arbeits- und Investitionsrecht erlassen, die Kontrolle der Medien gelockert und mehr als 120 Gewerkschaften genehmigt.[27] Im Juli 2013 kündigte Thein Sein die Freilassung aller politischen Gefangenen bis zum Jahresende an, die ersten der etwa 150 Gefangenen kamen daraufhin eine Woche später frei.[28]
Am 1. April 2012 fanden Nachwahlen statt, nachdem zahlreiche Abgeordnete Regierungsämter übernommen und insgesamt 157 Kandidaten von 17 Parteien sich für die Nachbesetzung der freigewordenen 45 Parlamentssitze beworben hatten. Anteilmäßig waren lediglich sechs Millionen Wähler des 54-Millionen-Volks zu diesen Nachwahlen wahlberechtigt. An der Zusammensetzung des Parlaments hat die Nachwahl kaum etwas geändert, da die neu gewählten Abgeordneten mit 45 von insgesamt 664 Abgeordneten nur sieben Prozent aller Mandate innehaben.[29] Die vom Militär dominierte Union Solidarity and Development Party hat rechnerisch nach wie vor eine klare Mehrheit. Allerdings zog Aung San Suu Kyi als Spitzenkandidatin der Partei NLD im Ergebnis der Nachwahlen erstmals in das Parlament ein – nicht ohne sehr kritisch darauf hinzuweisen, dass die neue Verfassung immer noch Vorrechte des Militärs festschreibt, etwa dass ein Viertel der Parlamentsmandate an Militärangehörige vergeben werden müssen.[24] Suu Kyi wurde auch Vorsitzende des Unterausschusses für Rechtsstaatlichkeit.[27] Die NLD gewann laut Medienberichten in 112 von 129 Wahllokalen die meisten Stimmen.[30] Dies wird vielerorts als Aufbruchzeichen für eine weitere Demokratisierung gewertet.[29]
Bei der folgenden Wahl am 8. November 2015 gewann die NLD 77 % der Sitze im Parlament.[31] Aung San Suu Kyi konnte jedoch nicht selbst Präsidentin werden, da ihre beiden Söhne britische Pässe haben.[32] Im März 2016 wurde Htin Kyaw, ein enger Vertrauter von Aung San Suu Kyi, zum neuen Präsidenten gewählt. Aung San Suu Kyi wurde in der Folge zur Außenministerin ernannt.[33] [Myanmar, Demokratisierungsprozess, Wikipedia, abgerufen am 11.09.2017, Hervorhebung von mir]
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zur Situation in Myanmar (man beachte dabei auch wie die Medien berichten!)

Rohingya-Vertreibung in Myanmar: Nobelpreisträgerin Aung San verstärkt Gewaltspirale {4:08}

Veröffentlicht am 04.09.2017
RT Deutsch  
Seit 2016 verfolgen die Streitkräfte Myanmars eine systematische Vertreibung der Rohingya. Nobelpreisträgerin und Regierungschefin Myanmars Aung San Suu Khi, die im Westen als Heldin gilt, verteidigt die muslimische Minderheit nicht. Jüngste Aussagen der Politikein lösten eine neue Gewaltspirale aus. Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/

2013‐06‐09 ‐ Myanmar ‐ Buddhisten hetzen gegen Muslime {8:28}

Veröffentlicht am 10.02.2017
Lucel Iphring  

Man lasse sich die letzten Sätze des Videos auf dem Trommelfell zergehen:
»Aber von einer Friedensnobelpreisträgerin kann man erwarten…«
»Nichts schmerzt so sehr wie fehlgeschlagene Erwartungen, aber gewiß wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft wie durch sie erweckt, die Natur der Dinge und seine eigene Handlungsweise zu erforschen, um die Quelle seiner irrigen Voraussetzungen zu entdecken und womöglich künftig richtiger zu ahnen.« [Benjamin Franklin]
unter den Kommentaren schießt Sin Nei (vor 1 Woche) den Vogel ab:
»Die sind schlimmer als der isis drecks Buddhisten«
VORSCHLAG:
Jedem der Kommentatoren einen Knüppel in die Hand und alle in einem Fußballstadion einsperren… (oh, das ist vielleicht zu aggressiv) oder
jedem ein Mikrofon, einen Verstärker und einen Lautsprecher und alle usw.…

Myanmar: Are crimes against humanity taking place? * Warning: Distressing images * - BBC Newsnight {13:58}

Veröffentlicht am 10.03.2017
BBD Newsnight  
** Warning this report contains distressing images from the start ** Are there crimes against humanity taking place in Myanmar? And is Aung San Suu Kyi turning a blind eye? Newsnight and BBC Our World's joint investigation reveals the extent of the appalling treatment of the minority Rohingya Muslim community. Jonah Fisher has this report - which contains some shocking images. Watch Jonah Fisher's extended report for BBC Our World - Freedom and Fear in Myanmar - on Saturday and Sunday at 21.30 GMT on the News Channel and BBC World

Freitag, 12. September 2014

Das Versprechen – Auf geheimer Mission für den Dalai Lama in Tibet

Vor drei Jahren gab der Fotograf York Hovest dem Dalai Lama ein Versprechen: Er fuhr nach Tibet und sah Orte, die wahrscheinlich noch nie ein Tourist vor ihm gesehen hat. Und er begegnete Menschen, die auf ganz eigene Art gegen die chinesische Unterdrückung kämpfen.
Eine Reportage von Jörg Eigendorf (Text), York Hovest (Fotos)


mehr: 
- Das Versprechen (Die Welt)

Mittwoch, 9. Juli 2014

Vor 2200 Jahren – 320-180 v. Chr.: Das Maurya-Reich in Indien

Ein Kriegsherr wirbt für Friedfertigkeit 

Unter der Dynastie der Maurya entwickelte sich ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. das erste Großreich auf dem indischen Subkontinent, das sich zunächst über den gesamten Norden erstreckte. Seine Hauptstadt war Pataliputra am Ufer des Ganges. Unter König Aschoka (268-232 v. Chr.), einem Enkel des Begründers der Dynastie, erfuhr das Reich seine größte Ausdehnung und Blütezeit. Das Herrschaftsgebiet Aschokas umfasste mit Ausnahme des Südens ganz Indien und reichte bis nach Afghanistan. 

Stupas von Sanchi, erbaut unter Maurya-König Aschoka (2005)
Die eindrucksvollste Hinterlassenschaft der Maurya sind die Stupas von Sanchi in Nordindien, die ältesten ihrer Art. Weil Aschoka vom tausendfachen Leid und sinnlosen Sterben in einer blutigen Schlacht völlig entsetzt war, engagierte er sich nach 260 v. Chr. für einen friedlicheren Umgang der Menschen miteinander und wandte sich dem Buddhismus zu. Einer Legende zufolge ließ er in seinem Reich über 80.000 Stupas errichten und die Hauptstadt Pataliputra wuchs zu einem wichtigen Zentrum des frühen Buddhismus. Nach Aschokas Tod setzte infolge interner Rivalitäten ein rascher Niedergang ein, um 180 v. Chr. erlosch die Dynastie der Maurya.

Stupa
▪︎ halbkugelförmige Bauten des Buddhismus 
▪︎ enthalten Reliquien Buddhas und bedeutender Mönche 
▪︎ ihre Form entspricht dem Hügel über Buddhas Grab 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Donnerstag, 8. Mai 2014

Ein Sandmandala wird gemacht

In der Viên-Giác-Pagode in Hannover Mittelfeld (Karlsruher Straße, Ecke Eichelkampstraße) findet vom 16. bis 18 Mai die Vesak-Feier statt. Aus diesem Grund sind drei Mönche in der Andachtshalle mit der Anfertigung eines Sandmandalas zugange. Zuschauer sind willkommen!


Im Sam-Nok arbeitete vor acht Jahren ein buddhistischer Mönch eine Woche lang an einem Sandmandala (Post vom 17.11.2006)

Freitag, 21. September 2007

Hungergeister

Angeregt durch konfusius’ lesenswerten Kommentar zum letzten Post »Geiz ist geil zum nächsten« und die Schwierigkeiten, die ein Freund mit seiner Freundin hat (und die auch mit ihm) einige Zitate aus Mark Epsteins Buch »Gedanken ohne den Denker«

Da es im Folgenden um Elemente aus dem Buddhistischen Lebensrad geht, ist es hilfreich (aber nicht notwendig), sich darüber zu informieren. Auf der Wikipedia-Seite gibt es ganz unten ein Link zur Seite des Dharmapala Thangka Zentrum in Bremen, die eine interaktive Seite zum Lebensrad anbieten.

Vorangestellt ein Zitat Zen-Meister Dogens


Den Buddhismus studieren, ist das Selbst studieren. Das Selbst studieren, ist das Selbst vergessen. Das Selbst vergessen, ist mit anderen eins sein.


Eines der überzeugendsten Momente der buddhistischen Sicht des Leidens ist die im Bild des Lebensrads enthaltene Vorstellung, daß die Ursachen des Leidens zugleich die Mittel zur Erlösung sind; das bedeutet, die Perspektive des Leidenden bestimmt, ob ein gegebener Bereich Medium des Erwachens oder der Gefangenschaft ist. Von den Kräften der Gier, des Ärgers und der Torheit bestimmt, verursacht unsere fehlerhafte Wahrnehmung der Bereiche – nicht die Bereiche selbst – das Leiden. Jeder Bereich enthält eine kleine Buddha–Gestalt (eigentlich handelt es sich um den Bodhisattva des Mitgefühls, dessen Streben darauf gerichtet ist, das Leiden anderer zu beseitigen), die uns auf symbolische Weise lehrt, wie wir die falschen Wahrnehmungen korrigieren können, die jede Dimension verzerren und damit das Leiden perpetuieren. Wir erfahren keinen Bereich in aller Klarheit, lehren die Buddhisten; statt dessen durchleben wir sie alle angsterfüllt; abgeschnitten von der Fülle der Erfahrung, unfähig, sie zu akzeptieren, fürchten wir uns vor dem, was wir zu sehen bekommen. So wie wir den »geschwätzigen Affen« in uns nicht zum Schweigen bringen können, so gleiten wir von einem Bereich in den nächsten, ohne wirklich zu wissen, wo wir uns befinden. Wir sind in unserem Geist befangen, kennen ihn aber nicht wirklich. Von dessen Wellenbewegung angetrieben, treiben wir dahin und mühen uns ab, weil wir nicht gelernt haben, loszulassen und frei zu schweben.
Dies ist die andere Möglichkeit, das Lebensrad zu verstehen, weniger wörtlich als psychologisch. Schließlich ist die Hauptfrage der buddhistischen Praxis die psychologische Frage: »Wer hin ich?« Ihre Beantwortung erfordert die Erkundung aller Daseinsbereiche. Diese verwandeln sich somit in Metaphern für verschiedene psychologische Zustände, wodurch das ganze Rad zur Darstellung des neurotischen Leidens wird.
Dem Buddhismus zufolge ist es unsere Furcht davor, uns unmittelbar selbst zu erfahren, die Leiden schafft. Dies schien mir immer sehr gut zu Freuds Ansichten zu passen. So behauptete Freud, der Patient

muß den Mut erwerben, seine Aufmerksamkeit mit den Erscheinungen der Krankheit zu beschäftigen. Die Krankheit selbst darf ihm nichts Verächtliches mehr sein, vielmehr ein würdiger Gegner werden, ein Stück seines Wesens, das sich auf gute Motive stützt, aus dem es Wertvolles für sein späteres Leben zu holen gilt. Die Versöhnung mit dem Verdrängten, welches sich in den Symptomen äußert, wird so von Anfang an vorbereitet, aber es wird auch eine gewisse Toleranz fürs Kranksein eingeräumt.

Der Glaube, daß Versöhnung zur Erlösung führen kann, ist grundlegend für die buddhistische Vorstellung von den Sechs Bereichen. Wir können nicht zur Erleuchtung gelangen, solange wir unserem neurotischen Geist entfremdet bleiben. Wie Freud so weitblickend bemerkte: »Auf diesem Felde muß der Sieg gewonnen werden, dessen Ausdruck die dauernde Genesung von der Neurose ist, ... denn schließlich kann niemand in absentia oder in effigie erschlagen werden.« In jedem Bereich unserer Erfahrung, lehren die Buddhisten, müssen wir klar sehen lernen. Nur dann läßt sich das Leiden umwandeln, das der Buddha als universell erkannte. Die Erlösung vom Lebensrad, von den Sechs Daseinsbereichen wird traditionell als Nirvana beschrieben und mit dem Pfad symbolisiert, der aus dem Bereich der Menschen hinausführt. Es ist jedoch mittlerweile ein grundlegendes Axiom des buddhistischen Denkens, daß Nirvana Samsara ist – daß es keinen getrennten Bereich des Buddha neben der weltlichen Existenz gibt, daß die Erlösung vom Leiden durch eine veränderte Wahrnehmung gewonnen wird, nicht durch das Überwechseln in ein himmlisches Reich.
Die westliche Psychologie hat viel zur Erhellung der Sechs Bereiche beigetragen. Freud und seine Anhänger deckten die animalische Natur der Leidenschaften auf, die höllische Natur von paranoiden, aggressiven und Angstzuständen sowie die unstillbare Sehnsucht, das orale Verlangen (im Lebensrad sind es die Hungergeister). Spätere Entwicklungen in der Psychotherapie rückten sogar die höheren Bereiche in den Mittelpunkt. Die humanistische Psychotherapie legte den Schwerpunkt auf die »Gipfelerlebnisse« (Maslow) im Bereich der Götter; die Ich–Psychologie, der Behaviorismus und die kognitive Therapie forderten das wettbewerbsfähige und effiziente Ich, das im Buddhismus im Bereich der Neidischen Götter angesiedelt ist; und die Psychologie des Narzißmus behandelte ausdrücklich die für den Bereich der Menschen so wichtigen Fragen der Identität. Jede dieser Richtungen befaßte sich mit der Rückgabe eines fehlenden Stücks menschlicher Erfahrung, eines Moments des neurotischen Geistes, von dem wir uns entfremdet haben.
Das Interesse an der Integration aller Aspekte des Selbst ist grundlegend für die buddhistische Vorstellung von den Sechs Daseinsbereichen. Wir sind nicht nur von diesen Aspekten unseres Charakters entfremdet, behauptet die buddhistische Lehre, sondern auch von unserer eigenen Buddha–Natur, von unserem eigenen erleuchteten Geist. In der Meditation kann man lernen, das ganze Material der Sechs Bereiche zu erschließen und damit alle Punkte, an denen unser Geist haftet.


Der Bereich der Hungrigen Geister


Die Hungergeister sind wahrscheinlich die eindrucksvollsten Gestalten im ganzen Lebensrad. Mit ihren verkrüppelten Gliedmaßen, dick aufgedunsenen Bäuchen und langen, dünnen Hälsen stellen diese phantomartigen Kreaturen auf vielerlei Weise die Verschmelzung von Zorn und Begierde dar. Von unerfüllten Sehnsüchten gepeinigt, verlangen die Hungrigen Geister unablässig nach unmöglichen Befriedigungen, und suchen so, alte, unerfüllte Bedürfnisse zu stillen. Es sind Wesen, die in sich eine schreckliche Leere entdeckt haben, die nicht einsehen, daß es unmöglich ist, im nachhinein etwas zu ändern. Ihr gespenstischer Zustand symbolisiert ihre Bindung an die Vergangenheit.
Außerdem können die Hungergeister, obwohl sie unheimlich hungrig und durstig sind, weder trinken noch essen, ohne daß es ihnen furchtbare Schmerzen bereitet. Ihre langen, dünnen Hälse sind so schmal und wund, daß sie beim Schlucken unerträglich gereizt werden und brennen. Ihre aufgeblasenen Bäuche können keine Nahrung verdauen; alle Versuche, den Hunger zu stillen, verstärken nur noch die Hungergefühle und das Verlangen. Die Hungrigen Geister sind unfähig, sich eine angemessene, wenn auch kurzlebige Befriedigung zu verschaffen. Sie bleiben ständig in der Wahnvorstellung befangen, sie könnten von vergangenem Schmerz vollkommen erlöst werden, und wollen nicht zur Kenntnis nehmen, daß ihr Wunsch unerfüllbar ist. Diese Menschen sind vom Wissen um die Unstillbarkeit ihres Verlangens entfremdet, sie müssen sich ihre Phantasievorstellung erst als eine solche klarmachen. Die Hungergeister müssen mit der gespenstischen Natur ihrer eigenen Sehnsüchte in Berührung kommen.
Dies ist jedoch, selbst mit der Hilfe eines Psychotherapeuten, keine leichte Aufgabe für einen Hungrigen Geist. Problemfälle aus dem Bereich der Hungergeister kommen zunehmend in die Praxis des Psychotherapeuten. Erst kürzlich war Tara, eine Professorin für französische Literaturgeschichte, meine Patientin; ihr Leben war das personifizierte Schicksal der Hungrigen Geister. Sie schilderte eine lange Reihe von Beziehungen mit anderen erfolgreichen Akademikern. Tara fing immer wieder eine leidenschaftliche Liaison zu einem Mann an, während sie noch eine Beziehung zu einem anderen hatte. Dabei hielt sie den Mann, mit dem sie gerade zusammenlebte, immer auf Distanz. Plötzlich entdeckte sie all seine Fehler und Schwächen, sie begann, das sexuelle Interesse an ihm zu verlieren und vor allem ihn daran zu hindern, sie körperlich und emotional zu berühren. Zur gleichen Zeit träumte sie schon von dem anderen, der in ihr Leben treten würde. Sexuell war sie zwar sehr erfahren, doch hatte sie nur selten einen Orgasmus und gestand ein gewisses vages Unbehagen bei Intimitäten. Sie erinnerte sich an eine unglückliche und sehr kritische Mutter, die sie als Kind selten berührt hatte und einmal sogar, als sie wegen Taras Sturheit beleidigt war, deren Teddybär zerrissen hatte. Tara kam in die Therapie, nachdem sie es zuerst mit der Zen-Meditation (Zazen) versucht hatte, vor der sie aus unerfindlichen Gründen große Angst hatte, und zwar so sehr, daß sie aus der Meditations–Halle (Zendo) flüchtete, statt still sitzen zu bleiben.
Tara bemühte sich unentwegt um die Art von Nahrung, die sie früher einmal gebraucht hatte, die jetzt für sie als erwachsene Frau aber unangemessen war. (Selbst wenn sie jemanden gefunden hätte, der sie so »gehalten« hätte, wie ihre Mutter es nie getan hat, wäre es doch unwahrscheinlich, daß sie dies sehr lange befriedigt hätte. Statt dessen hätte sie solche Verhaltensweisen als erdrückend empfunden, da sie für ihre tatsächlichen Bedürfnisse als Erwachsene irrelevant waren.) Sie fürchtete sich vor dem, was sie sich am meisten wünschte, und war unfähig, die kurzzeitigen Befriedigungen zu genießen, die ihr geboten wurden. Die Möglichkeit einer Beziehung zu einem Mann regte Tara nur dazu an, die Phantasie von einer befreienden Beziehung zu einem anderen Mann wieder aufleben zu lassen. Sie begriff nicht, daß sie ein unerreichbares Ideal konstruierte, und widersetzte sich sogar jeder Diskussion über diese Phantasien. Sie war von ihnen getrieben, zugleich aber unfähig, sich ihre Realität, geschweige denn ihre Irrealität einzugestehen. Erst als sie allmählich lernte, ihre Sehnsüchte zu artikulieren, war sie in der Lage, die schmerzlichen Kindheitserlebnisse wiederzubeleben. Von diesem Moment an schwand ihre Angst vor dem Zazen, und ihr wurde ihr zwanghaftes Bedürfnis bewußt, aus dem heraus sie diejenigen schlechtmachte, die mit ihr intim werden wollten.
In der traditionellen Darstellung des Lebensrads erscheint der Bodhisattva des Mitgefühls im Bereich der Hungergeister mit dem Gefäß der himmlischen Speise, einer Schale mit den Symbolen für spirituelle Nahrung. Die Botschaft ist klar: Essen und Trinken vermögen die ungestillten Bedürfnisse dieses Bereichs nicht zu stillen. Nur das nicht urteilende Gewahrsein, das der Buddha vervollkommnet hat, bietet Erlösung.
Diese verzweifelte Sehnsucht nach unerschöpflicher Fülle ist im Abendland weit verbreitet und firmiert in der Psychologie als »geringes Selbstwertgefühl«. Diesen Geisteszustand zu verstehen erwies sich für viele Lehrer des Buddhismus aus dem Osten als besondere Schwierigkeit im Umgang mit ihren westlichen Schülern. Das Ausmaß, in dem die westliche Psyche unter innerer Leere und Minderwertigkeitsgefühlen leidet, erschien den im Osten aufgewachsenen Lehrern überwältigend; auch werden die zwanghaften Kompensationsphantasien, die die Schüler häufig mit eben jenen Lehrern verbinden, nur selten gründlich psychoanalytisch behandelt. Genauso wie man die Leere der Hungrigen Geister erlebt haben muß, um die Stillung alter Bedürfnisse nicht mehr von ungeeigneten Quellen zu erwarten, so muß der von solchen Gefühlen geplagte westliche Schüler die Leere zum Gegenstand seiner Meditation machen. Erst dann läßt sich die Abscheu vor sich selbst in Gelassenheit überführen, eine Aufgabe, bei der Psychotherapie und Meditation einander gut ergänzen.

aus dem 1. Kapitel »Das Lebensrad – ein buddhistisches Modell des neurotischen Geistes«


Dazu zwei Absätze aus der Einleitung zum Kapitel »Die seelische Entwicklung des Kleinkindes aus psychoanalytischer Sicht« von Jochen Stork:

Der Leser wird besser verstehen, welche besondere Bedeutung die frühe Kindheit für die Psychoanalyse hat, wenn wir auf den Grundpfeiler der psychoanalytischen Lehre, auf das Unbewußte und seine spezifische Dynamik verweisen; denn ein Hauptcharakter des Unbewußten ist die Beziehung zum Infantilen – das Unbewußte ist das Infantile (Freud, VII, 401) [Hervorhebung von mir]. Mit der Entdeckung des Unbewußten hat Freud die Vorstellung, die sich die Philosophie und klassische Psychologie vom psychischen Geschehen machten, grundlegend revolutioniert. Die große Bedeutung dieser Entdeckung – die nicht ein Postulat, sondern das Ergebnis von systematischen Beobachtungen darstellt – wird erst verständlich, wenn wir uns in Erinnerung rufen, daß bis zu seiner Zeit »bewußt« und »psychisch« identisch waren (Freud, XIV, 57), man das Bewußtsein für das wesentliche Regulationssystem hielt, welches, in der Kindheit nur unvollständig ausgebildet, im Laufe der Jugendjahre seine Reife erlangt und die Grundlage für alles seelische Erleben darstellt. Neben dieser formalen Organisation existiert ein Gefühlsleben, welches seine eigenen Gesetze hat und von den Prinzipien der Bedürfnisse und Leidenschaften beherrscht ist.
Mit der Freudschen Erkenntnis kam es zu einer Umkehrung der herkömmlichen Denkkategorien und dadurch zu einer tief gehenden Verunsicherung des Menschen. Freud konnte zeigen, daß das Unbewußte die Basis allen seelischen Erlebens ist. Das grundsätzliche Infragestellen der Macht des Verstandes und des Bewußtseins und die Existenz des Unbewußten bedeutet für den Menschen eine schwer erträgliche Verunsicherung, nämlich nicht Herr im eigenen Hause zu sein, seine Gefühle und Phantasien letztlich nicht mit der Kraft des Verstandes beherrschen zu können.

aus Dieter Eicke (Hrsg.), Tiefenpsychologie, Bd. 2, aus Kindlers »Psychologie des 20. Jahrhunderts«