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Donnerstag, 26. September 2019

Fall Khashoggi: Mohammad bin Salman räumt gewisse Verantwortung ein

Er habe nichts davon gewusst, sagt der Kronprinz einem US-Sender. "Aber es geschah unter meiner Amtsaufsicht"

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammad (oft auch: Mohammed) bin Salman räumt ein gewisses Maß an Verantwortlichkeit für den Mordfall Jamal Khashoggi ein, wie am heutigen Donnerstag verschiedene Medienberichte melden. So geht aus einem Trailer des US-Senders PBS für das Doku-Format Frontline hervor, dass der Kronprinz seinem Interviewer Martin Smith gesagt habe: "Es geschah unter meiner Amtsaufsicht (i. O. "watch"). So geht alle Verantwortung auf mich, da es unter meiner Aufsicht passierte."

Die Frage, die der Interviewer im Trailer stellt, geht von der höflichen Annahme aus, dass Mohammad bin Salman nichts von der Tötung wusste. Im Begleittext zur Sendung steht, dass der Kronprinz darauf insistiert habe, dass er nichts davon wusste.

"Wie konnte dies passieren, ohne dass Sie davon wussten?", heißt es im Trailer. Die Antwort: "Wir haben eine Bevölkerung mit 20 Millionen. Wir haben 3 Millionen Regierungsangestellte." Smith fragt nach: "Und sie können sich eins Ihrer Flugzeuge nehmen?" Der Kronzprinz antwortet ihm: "Ich habe Offizielle und Minister, die Dinge verfolgen und sie sind verantwortlich. Sie haben die Befugnis, dies zu tun."

Das Gespräch fand im Dezember letzten Jahres(!) am Rande einer Rennsportveranstaltung mit elektronischen Autos statt. Die Sendung soll am kommenden Dienstagabend, dem 1. Oktober, auf PBS ausgestrahlt werden. Am 2. Oktober letzten Jahres hat der im Exil lebende saudische Staatsbürger Jamal Khashoggi das Konsulat seines Landes in Istanbul betreten und ist seither nicht mehr lebend gesehen worden.

Am Sonntag zuvor (29.September) strahlt der US-Sender CBS ein Interview mit dem Kronprinzen in seinem Format "60 Minutes" (ungefähr 11 Millionen Zuschauer) aus. Es ist sehr viel aktueller, da sich das US-Fernsehteam mit Mohammad bin Salman am vergangenen Dienstag im saudischen Jeddah (Dschidda) traf. Der Sender verrät allerdings vorab nichts über den Inhalt.

So konzentrieren sich die Berichte über das Eingeständnis des Kronprinzen, wie sie von Reuters stammend in der israelischen Zeitung Ha'aretz oder von al-Jazeera wiedergegeben werden, auf die Aussagen aus dem Dezember letzten Jahres, die der Journalist Martin Smith zitiert.

Auch der bekannte Autor der New York Times, Ben Hubbard, bezieht sich in seinem Bericht für die New York Times über das von einem "Nicht schuldig" an der Tat eingeschränkte Verantwortungseingeständnis des Kronprinzen einzig auf Aussagen, die vor zehn Monaten zur brisanten Sache gemacht wurden.

Allein die lange Wartezeit zeigt schon an, dass die Bekenntnisse des Prinzen nicht sensationell genug waren, um sie möglichst bald als Scoop zu veröffentlichen. Der Aufmerksamkeitswirbel, den sie anregen, soll der Sendung zum Jahrestag des Verschwindens Khashoggi nutzen.

Es wäre eine Sensation, wenn der Kronprinz im CBS-Interview, das am Sonntag ausgestrahlt wird, bedeutend mehr eingesteht als diese "minimale moralische Verantwortung", die strafrechtlich nicht relevant ist, wie al-Jazeera den Leiter des Zentrums für "Gulf Studies" an der Universität von Katar zitiert.
mehr:

- Fall Khashoggi: Mohammad bin Salman räumt gewisse Verantwortung ein (Thomas Pany, Telepolis, 26.09.2019)
siehe auch:
Die türkische Zeitung "Sabah" hat am 9. Sept. am frühen Nachmittag ein gekürztes Transkript der Audioaufnahmen vom Mord an Jamal Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul veröffentlicht.

Immer wieder war von dieser Aufnahme die Rede – zeitweise auch von angeblichen Filmaufnahmen, die es aber nicht gab – und es wurden nur tröpfenweise Einzelheiten daraus gestreut. Offenbar hatte der türkische Geheimdienst das Konsulat abgehört. Unklar ist, wie "Sabah" – die Zeitung steht der Regierung von Präsident Erdogan nahe – an die Aufnahmen gekommen ist.

Zitieren wir "Sabah" (hier in deutscher Übersetzung):

Eine Aufzeichnung der Gespräche zwischen Maher Abdulaziz Mutreb, der Nr. 2 des Todeskommandos, und Dr. Salah Muhammed Al-Tubaigy, dem Chef der Gerichtsmedizin der Saudischen Allgemeinen Sicherheitsabteilung, ist mit dem Zeitstempel um 13:02 Uhr versehen, nur 12 Minuten bevor Khashoggi im Konsulatsgebäude ankommt, um die Heiratsformalitäten zu erledigen.

Das Gespräch zwischen den beiden, die zu den fünf Verdächtigen gehören, die in Saudi-Arabien wegen des Mordes mit der Todesstrafe bedroht sind, ist wie folgt: […]

Am Ende des Gesprächs fragt Mutreb, ob das "Tier, das geopfert werden soll", eingetroffen ist. Um 13:14 Uhr meldet ein unbekanntes Mitglied des Todeskommandos: "[Er] ist hier."
[Dietrich Klose, Khashoggi-Mord: Audioaufnahme veröffentlicht, Freitag-Community, 11.09.2019]
Der Fall Khashoggi – Kleine Morde unter Freunden? (Matthias Weik, Marc Friedrich, Telepolis, 25.11.2018)
Saudi Arabien – erst Business, dann Moral (Matthias Weik, Marc Friedrich, Telepolis, 26.10.2018)
Saudi-Arabien: Absolute Herrscher richten sich nicht nach dem Westen (Thomas Pany, Telepolis, 23.10.2018)

Saudi- Arabien am Pranger | Weltspiegel extra {15:31}

Weltspiegel
Am 21.10.2018 veröffentlicht 
Weltspiegel extra vom 23. Oktober 2018
Die Diskussion läuft heiß. Staaten ringen um die angemessene Reaktion, erhöhen den Druck auf Saudi-Arabien. Es kursieren immer neue Versionen von Hintergründen und Umständen des Todes des Journalisten Jamal Khashoggi.
Bild: dpa / picture-alliance

Tagesdosis 20.10.2018 – Der Fall Khashoggi: Was steckt dahinter? (Podcast) (Thomas Pany, Telepolis, 20.10.2018)
Khashoggi: Korrekturen, Lügen und eine Leiche, die verschwunden ist (Post, 20.10.2018)
„Washington Post“ veröffentlicht Khashoggis letzten Artikel (Thomas Pany, Telepolis, 18.10.2018)
US-Senator und Geheimdienstkontrolleur Bob Graham «Die 28 geheimen Seiten weisen auf Saudi-Arabien« (Post, 02.06.2016)
Saudi-Arabien: Ein Verbündeter bei der Verteidigung unserer westlichen Werte (Post, 20.12.2015)

Dienstag, 24. September 2019

Si tacuisses… – Was ist nur los mit ihnen?

Für Angela Merkel, Emmanuel Macron und Boris Johnson ist bereits vor dem Abschluss der Untersuchungen "klar, dass Iran die Verantwortung für den Angriff trägt"

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Boris Johnson haben nach einem Treffen vor der UN-Generaldebatte in New York eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie befinden, es sei "klar, dass Iran die Verantwortung für den Angriff [auf die saudischen Ölanlagen Abqaiq und Churais am 14. September 2019] trägt". Es gebe dafür nämlich "keine andere plausible Erklärung".

Etwas zurückhaltender äußerte sich die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (die nicht zusammen mit Angela Merkel, sondern mit einer eigenen Sondermaschine in die USA geflogen war) nach einem Treffen mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Mark Esper. "Der Verdacht, dass es sozusagen in welcher Form auch immer eine iranische Beteiligung gibt", wird ihrer Ansicht nach "international geteilt". Anders als Merkel verwies Kramp-Karrenbauer auch darauf, dass die Untersuchungen an den Tatorten noch nicht abgeschlossen sind.

Unterschiedliche Meinungen zu Verpflichtungen aus dem bestehenden Abkommen

In der Erklärung der drei Staats- und Regierungschefs wird der Iran dagegen schon jetzt vor weiteren "Provokation" gewarnt, da die Attacken zwar "gegen Saudi-Arabien gerichtet gewesen sein mögen", aber "alle Staaten betreffen" und "das Risiko eines schwerwiegenden Konflikts erhöhen" würden. Außerdem müsse Teheran "seine Entscheidung revidieren, die Vereinbarungen [aus Barack Obamas Atomabkommen] nicht mehr im vollen Maße einzuhalten, und diesen Verpflichtungen wieder vollumfänglich nachzukommen".

Der Iran steht hier bislang auf dem Standpunkt, dass ihn das Abkommen nicht mehr an Anreicherungshöchstgrenzen und andere Verpflichtungen bindet, weil die Europäer nach dem Verhängen neuer amerikanischer Sanktionen mit Drittwirkung ihre eigenen wirtschaftlichen Verpflichtungen daraus nicht einhalten (vgl. Sanktionsstreit: Iran droht mit leistungsfähigeren Uranzentrifugen und "Das größte Problem ist, eine Bank zu finden, über die legale Iran-Geschäfte abgewickelt werden können").

Anlass für die neuen amerikanischen Sanktionen ist, dass US-Präsident Donald Trump das von seinem Amtsvorgänger ausgehandelte Atomabkommen für unzureichend hält. Konkret stört ihn daran, dass Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) militärische und nicht als Forschungseinrichtungen deklarierte Anlagen erst dann inspizieren dürfen, wenn sie vorher einen Antrag stellen, den die iranischen Behörden zwei Wochen lang prüfen dürfen.

Verweigern sie den Zugang, entscheidet eine gemeinsame Kommission innerhalb einer weiteren Woche. Das, so Trump, gibt den Persern ausreichend Zeit, eventuelle Beweise für Vertragsverstöße ab- und danach dort oder anderswo wieder aufzubauen. Außerdem kritisiert der US-Präsident, dass der Atomwaffen-Entwicklungsstopp auf 15 Jahre begrenzt ist und dass das Abkommen dem Iran die Möglichkeit lässt, atomwaffenbestückbare Mittelstreckenraketen zu bauen (vgl. Hin und Her um ein Treffen von Trump und Rohani).

mehr:
- "Keine andere plausible Erklärung" für die Zerstörung saudischer Ölanlagen (Peter Mühlbauer, Telepolis, 24.09.2019)
«Die USA vollzogen nicht den ‹Ausstieg› aus einem Abkommen, sondern verletzten einen Beschluss des Sicherheitsrats, der rechtlich bindend ist. Und nicht nur das: Sie drängten zudem alle andern UN-Mitgliedstaaten dazu, den Beschluss ebenfalls zu verletzen, zu deren Einhaltung sie sich gemäss Artikel 25 der UN-Charta verpflichtet haben.»
[A rules-based or US-based international order for Iran?, Hans Blix, europeanleadershipnetwork.org, 08.07.2019 – Google-Übersetzer]
Der JCPOA ist für sich genommen zwar kein völkerrechtlicher Vertrag i.S.v. Art. 2 der Wiener Vertragsrechtskonvention (WVRK), wohl aber eine – rechtsverbindlich gewordene – Vereinbarung zwischen Staaten. Insoweit ließen sich die allgemeinen völkerrechtlichen Regeln über die Beendigung von Verträgen29 – zumindest analog – anwenden.

Auch dann scheidet ein unilaterales Rücktrittsrecht der USA aus dem JCPOA nach Maßgabe des Art. 54 WVRK schon aus formalen Gründen aus, da es sich bei der im JCPOA vereinbarten „Zehnjahresfrist“[30] um eine abschließende „Vertragsbestimmung“ i.S.v. Art. 54 lit. a) WVRK handelt.[31] Das Abkommen ist nach dem Willen der Beteiligten auf zehn Jahre ange- legt und soll den Konflikt um das iranische Nuklearprogramm dauerhaft lösen. Eine vorzeitige Aufkündigung widerspräche daher dem Sinn und Zweck des JCPOA.[32]
Eine Beendigung des JCPOA nach Maßgabe des Art. 60 WVRK käme nur dann in Betracht, wenn dem Iran eine erhebliche Verletzung des JCPOA nachzuweisen wäre (vgl. dazu 2.2.).
[Pkt 3.1 Unilaterale Vertragsbeendigung nach den allgemeinen Vorschriften über das Recht der Verträge in: Völkerrechtliche Bewertung der Aufkündigung des Iran-Nuklearabkommens durch die US-Administration, Wissenschaftliche Dienste, Deutscher Bundestag, Az: WD 2 - 3000 - 074/18, 05.06.2018 – PDF]
siehe auch:
Unsere Mainstream-Medien sind transatlantische Speichellecker! (Post, 19.08.2019)
Der Fall Skripal: Die Gift-Lügen (Post, 18.08.2019)
Heimat der Tapferen (Post, 23.07.2019)
Porton Down: Was geschieht hinter den Türen des streng geheimen Labors? (Post, 13.06.2019)
Was die Medien im Konflikt zwischen den USA und Iran übersehen (Post, 23.05.2019)
Medien: aufdecken oder offizielle Narrative verbreiten? (Post, 26.11.2018)
- Der Fall Skripal: Lügen ohne Ende (Post, 07.10.2018)

Sonntag, 25. November 2018

Der Fall Khashoggi – Kleine Morde unter Freunden?

In der zweiten Ausgaben von Zur Sache lautet das Thema: Der Fall Khashoggi – Kleine Morde unter Freunden?

Mordsgeschäfte.


Wenn ein in England lebender russischer Doppelagent, Sergei Skripal, einem seinerzeit von Russen entwickelten Nervengift, Novitschok, zum Opfer fällt und merkwürdiger Weise überlebt, liegt der Fall für die westliche Wertegemeinschaft klar auf der Hand.


Der Kreml steckt hinter der Attacke und wird seither mit Sanktionen überzogen. Präsident Putin persönlich, so verkaufen es uns die Konzernmedien, steckt hinter der Attacke. Sein Geheimdienst würde nicht autark arbeiten, sondern wie allgemein üblich auf Anweisung der Chefetage. Und die hätte mit Skripal eben ein Exempel statuieren wollen, das da lautet: Wer als Russe den Kreml kritisiert gerät, auch im Ausland, ins Fadenkreuz. Putin, um es auf den Punkt zu bringen, hat versucht, Sergei Skripal ermorden zu lassen.


Der Grundsatz eines Rechtsstaates „in dubio pro reo“, „Im Zweifel FÜR den Angeklagten“ könne daher nicht zur Anwendung kommen, schließlich ist der russische Präsident verschlagen. Fall abgeschlossen.


Am zweiten Oktober betritt der saudische Journalist und Riad-Kritiker, Jamal Ahmad Khashoggi, das saudische Konsulat in Istanbul. Er will heiraten und benötigt dafür entsprechende Papiere. Als die Botschaft am Abend schließt, wartet die Braut immer noch auf ihn. Vergeblich.


Nach Tagen des Schweigens, als der mediale Druck immer größer wird, räumt Riad schließlich ein, es wäre im saudischen Botschaftsgebäude zu einem Streit mit Jamal Ahmad Khashoggi gekommen. Eine Rangelei. Bei dieser sei der Mann leider zu Tode gekommen.

mehr:
- ZUR SACHE: Der Fall Khashoggi – Kleine Morde unter Freunden? (KenFM, 25.11.2018)
siehe auch:
Das Skripal-Labyrinth (Post, 20.10.2018)
Die »zuverlässigen Quellen« des Mainstreams (Post, 12.05.2018)
Die Wertegemeinschaft der Wertlosen (AlterMannBlog, 18.04.2018)
Der Fall Skripal im Propagandakrieg (Post, 30.03.2018)

Samstag, 20. Oktober 2018

Tagesdosis 20.10.2018 – Der Fall Khashoggi: Was steckt dahinter? (Podcast)

Die mysteriöse Affäre um das Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat alle Qualitäten eines Polit-Thrillers aus der Feder eines Frederick Forsythe oder eines John le Carré. Geht man den bisher bekannt gewordenen Fakten auf den Grund, so stößt man auf ein Netz aus Gewalt, Lügen und Täuschungsmanövern, das es mit jeglicher Fiktion aufnehmen kann.

Khashoggi, 60, hatte am 2. Oktober die saudische Botschaft in Istanbul aufgesucht, um dort Papiere für seine bevorstehende Hochzeit mit einer türkischen Staatsangehörigen zu beantragen. Vor dem Betreten des Gebäudes hatte er seiner Verlobten aus Sorge, dass man ihn vielleicht festhalten werde, die Telefonnummer eines hohen Beraters von Präsident Erdogan gegeben.

In der Tat tauchte Khashoggi nicht wieder auf, so dass seine Verlobte den Berater informierte. Was dann passierte, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer weltweit beachteten Affäre: Türkische Behörden behaupteten, Khashoggi sei in der Botschaft ermordet worden und veröffentlichten Bildaufnahmen eines 15köpfigen saudischen Kommandos, darunter mehrere Mitarbeiter des königlichen Geheimdienstes, das kurz vor Khashoggis Verschwinden an- und kurz danach wieder abgereist war.

Kurze Zeit später meldeten zwei türkische Tageszeitungen, man verfüge über Ton- und Videoaufzeichnungen von Khashoggis Ermordung. Daraufhin verlangte die türkische Regierung für ihre Behörden Zutritt zur saudischen Botschaft, um vor Ort ermitteln zu können. Die Führung in Riad lehnte rundheraus ab und beharrte darauf, Khashoggi habe die Botschaft lebend verlassen, konnte ihre Version der Ereignisse aber nicht belegen.

Als immer größere Zweifel an den offiziellen Verlautbarungen des saudischen Königshauses laut wurden, schaltete sich das Ausland ein. US-Präsident Trump telefonierte mit dem amtierenden Herrscher Prinz Mohammed Bin Salman, der die Dinge nun in ein anderes Licht rückte und davon sprach, Khashoggi sei möglicherweise Opfer eines „außer Kontrolle geratenen Verhörs“ oder eines Mordanschlags durch „skrupellose Killer“ geworden.

Nach dieser unerwarteten Wendung der Ereignisse gestattete die saudische Botschaft in Istanbul den türkischen Behörden, Ermittlungen innerhalb des Gebäudes aufzunehmen. Deren Aussagen zufolge wurden tatsächlich Hinweise gefunden, die auf ein gewaltsames Ende des Journalisten hindeuten.

So abenteuerlich die bisherige (und großenteils nicht durch Fakten belegte) Entwicklung der Affäre klingt, so wichtig ist es, Wirklichkeit und Fiktion auseinanderzuhalten – sowohl was das Opfer, als auch, was die Interessenslagen der verschiedenen Beteiligten angeht.

mehr:
- Tagesdosis 20.10.2018 – Der Fall Khashoggi: Was steckt dahinter? (Podcast) (Kommentar von Ernst Wolff, KenFM, 20.10.2018, Wikipedia-Link von mir)

Donnerstag, 2. Juni 2016

US-Senator und Geheimdienstkontrolleur Bob Graham «Die 28 geheimen Seiten weisen auf Saudi-Arabien«

Die Hintermänner von 9/11 - The backers of 9/11 | Monitor | WDR {10:34 – Start bei 4:05}

WDR
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
"28 pages" werden sie in den USA schlicht genannt: 28 Seiten aus einem Untersuchungsbericht zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Präsident Georg W. Bush persönlich stufte sie als geheim ein. Bis heute sind sie unter Verschluss – mit Verweis auf die „Nationale Sicherheit“. Denn ihr Inhalt soll brisant sein. Der ehemalige US-Senator und Geheimdienstkontrolleur Bob Graham hat sie als einer von wenigen gelesen. Er spricht im MONITOR-Interview zum ersten Mal mit einem deutschen TV-Sender und sagt: „Die Dokumente zeigen mit dem Finger eindeutig nach Saudi-Arabien." Muss die Geschichte der 9/11-Attentäter neu geschrieben werden?
The financing of the 9/11 hijackers is one of the outstanding issues. But a key document to this is still withheld. The decisive chapter with 28 pages deals with "foreign support" for some of the hijackers. President George W. Bush personally classified them - and they are classified until today. US Senator Bob Graham was chairman of the Senate Intelligence Committee. He is one of the few who have read the secret 28 pages. For the first time he speaks to German Television and states with remarkable openness: “The history of 9/11 has to be rewritten”.
Mehr dazu: 

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/v…

siehe auch:
Welche Rolle spielte Saudi-Arabien für 9/11? (Christoph von Marshall, Tagesspiegel, 11.09.2016)
- Saudis sollen 9/11 finanziert haben (Felix Firme, Frankfurter Rundschau, 02.06.2016 – Zitat:)
Obama […] warnt vor einem Bumerangeffekt. Wenn US-Bürger ausländische Staaten wegen Terrorismus verklagen könnten, würden dies andere Staaten ebenfalls erlauben. Am Ende könnte die USA selbst auf der Anklagebank in anderen Ländern sitzen.
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Sonntag, 20. Dezember 2015

Saudi-Arabien: Ein Verbündeter bei der Verteidigung unserer westlichen Werte

Das vom Westen unterstützte und mit Waffen belieferte saudische Regime vollzieht wie der IS die Todesstrafe mit Köpfungen und Kreuzigungen 

Saudi-Arabien, der Verbündete des Westens, hat eine Militärallianz aufgestellt, um sich als Regionalmacht gegenüber dem Iran zu positionieren und gegen den Terrorismus zu kämpfen. Nicht mit dabei sind der Irak, Syrien und der Iran. Mit einer anderen Militärallianz hatte Saudi-Arabien bis zum Beginn eines brüchigen, sowieso nur auf eine Woche begrenzten Waffenstillstands die schiitischen Huthi-Milizen bombardiert, während sich im Schatten des Krieges al-Qaida und der Islamische Staat ausbreiten konnten. Saudi-Arabien ist auch Mitglied der US-geführten Anti-IS-Allianz und wird von den USA und dem Westen umworben.

Die saudische Monarchie, die mit dem Wahabismus einen islamischen Fundamentalismus als Staatsreligion mit Missionsansprüchen aggressiv vertritt, der in Lehre und Praxis den von extremistischen Islamisten wie den Taliban, al-Qaida oder dem IS nahesteht, hatte gerade erstmals Frauen zu Kommunalwahlen zugelassen. Das hat allerdings nur symbolische Bedeutung, denn die Monarchie ist von einer Demokratie ebenso weit wie von einem Rechtstaat entfernt. Nach Amnesty International wurden in diesem Jahr mit mindestens 151 Exekutionen die meisten Menschen, darunter viele Gastarbeiter, hingerichtet. Angeblich steht die Todesstrafe noch über 50 weiteren Menschen bevor. In der Regel werden die zum Tode Verurteilten geköpft, manchmal auch erschossen, gelegentlich werden die Leichen ausgestellt. Überdies werden manchmal Menschen gekreuzigt.

Der Öllieferant und Waffenabnehmer schert sich nicht um manchmal leise erhobene Kritik der angeblich mit ihren Werten auftretenden westlichen Staaten. Die EU hat zwar dem seit 2012 inhaftierten Blogger Ensaf Haidar, der wegen "Abfall vom Glauben" zunächst zum Tode und dann zu 1000 Stockschlägen verurteilt wurde, den Sacharow-Preis für Menschenrechte verliehen, was Saudi-Arabien wenig tangieren dürfte.

Saudi-Arabien verhängt die Todesstrafe auch gegen Minderjährige oder gegen Menschen, die noch minderjährig die Tat begangen haben, derer sie beschuldigt werden. So wurden neben Ali al-Nimr auch Abdullah Hasan al-Zaher und Dawood Hussein al-Marhoon im Oktober 2014 zum Tode verurteilt, die Strafe wurde noch nicht vollstreckt. Seit 5. Oktober dieses Jahres befinden sich die beiden in Isolationshaft. Die Angehörigen der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien wurden in einem Prozess ohne Vertretung durch einen Verteidiger und nach Folter schuldig befunden, 2012 im Alter von 15 bzw. 17 Jahren an Demonstrationen von Schiiten teilgenommen, Parolen gegen den Staat mit der Absicht, diesen zu destabilisieren, skandiert, und Molotow-Cocktails verwendet zu haben, um Polizisten zu töten.

mehr:
- Saudi-Arabien: Todesstrafe für Jugendlichen wegen Teilnahme an einer Demonstration (Florian Rötzer, Telepolis, 19.12.2015)
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