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Donnerstag, 4. April 2019

Hikikomori: Mehr als 600.000 Japaner über 40 leben sozial isoliert

Sie verlassen ihr Haus nicht mehr und schotten sich von der Außenwelt ab: Das Problem der Hikikomori galt in Japan bislang vor allem unter jungen Menschen als verbreitet. Doch auch ältere sind betroffen.

In Japan leben Hunderttausende Menschen über 40 Jahren extrem zurückgezogen. Die Regierung in Tokio hat Zahlen veröffentlicht, laut denen mehr als 600.000 Menschen in dieser Altersklasse sozial isoliert sind. Bisher galt das Phänomen der sogenannten Hikikomori vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen als verbreitet.

Als Hikikomori gilt, wer mindestens sechs Monate lang nicht zur Schule oder zur Arbeit geht und keinen Kontakt mit Menschen außerhalb der engen Familie hat. Nach Einschätzung der Regierung trifft das auf 613.000 Japaner zwischen 40 und 64 Jahren zu. Fast drei Viertel von ihnen sind Männer. Etwa die Hälfte der Betroffenen lebt bereits seit mehr als sieben Jahren in sozialer Isolation.

Ein Regierungsmitglied sagte, die Zahl sei höher als erwartet. "Hikikomori ist nicht nur bei jüngeren Menschen ein Thema", hieß es weiter. Eine ähnliche Untersuchung war im Jahr 2016 zu dem Schluss gekommen, dass rund 541.000 Japaner unter 39 die Definition eines Hikikomori erfüllen. (Lesen Sie hier mehr über das Phänomen Hikikomori.)

mehr:
Hikikomori: Mehr als 600.000 Japaner über 40 leben sozial isoliert (SPON, 29.03.2019)
siehe auch:
- Japanische Frauen sind zu müde, um nach einem Liebespartner zu suchen (Post, 29.03.2019)
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Donnerstag, 28. Februar 2019

Fukushima hat Entsorgungsprobleme

Abgesehen von den Reaktoren mit Kernschmelze müssen eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser, Hunderte von Kanistern mit Filterrückständen und Berge von belasteter Erde entsorgt werden

Bei der Bewältigung des Unfalls im AKW Fukushima wurde erst kürzlich erstmals mit einem Roboter das Innere eines der drei Reaktoren, in denen sich eine Kernschmelze ereignet hat, erkundet, um mit dessen Greifarmen das geschmolzene Material zu prüfen. Demnächst will man versuchen, mit dem Roboter eine Probe herauszuholen (Roboter berührt erstmals geschmolzenes Material in Reaktor 2). Geplant ist, 2021 mit der Entsorgung der Reaktoren zu beginnen. Doch noch gibt es keinen Plan, wo das hoch radioaktiv kontaminierte Material gelagert werden soll, von einem Endlager ganz zu schweigen.

Dazu kommen weitere Entsorgungspläne. So ist noch immer nicht entschieden, was mit den über eine Million Tonnen Wasser geschehen soll, das in mehreren hundert Tanks auf dem Gelände gesammelt wurde. Das kontaminierte Kühl- und Grundwasser wurde zwar mit dem Advanced Liquid Processing System (ALPS) gefiltert, um die Cäsium- oder Strontium-Belastung unter die Grenzwerte zu bringen, enthält aber weiterhin Tritium und Jod 129, aber auch Strontium-90.

mehr:
- Fukushima: Überall Entsorgungsprobleme (Florian Rötzer, Telepolis, 28.02.2019)

dazu paßt folgende Meldung aus der Offenen Psychiatrie Brüssel ganz ausgezeichnet:
- Passive Elektrogeräte müssen bei der stiftung ear registriert werden (Christoph Jehle, Telepolis, 01.03.2019)

Montag, 12. November 2018

Heute vor 70 Jahren – 12. November 1948: Urteile im Tokioter Kriegsverbrecherprozess

Kriegsverbrecherprozess in Japan

Der Hauptangeklagte Ex-Premier Hideki Tojo wird im
Juni 1946 zum Gericht gebracht. Kurz vor dem
Prozess hatte er einen
Selbstmordversuch unternommen
Ähnlich wie im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess gegen die Elite des nationalsozialistischen Deutschland (1945/46) zogen die Alliierten auch die Verantwortlichen des Kriegsregimes in Japan zur Rechenschaft; verschont wurden der Kaiser und Prinzen des Kaiserhauses. Am Richtertisch saßen auch Vertreter der von Japan überfallenen Staaten.

Am 3. Mai 1946 begann die Verhandlung gegen 28 hohe Politiker und Militärs. Ihnen wurden das Führen von Angriffskriegen und Kriegsgräuel vorgeworfen. Hauptangeklagter war General Hideki Tojo, der die expansive Außenpolitik Japans maßgeblich gestaltet hatte.

Nachdem drei Angeklagte durch Tod oder Verhandlungsunfähigkeit ausgeschieden waren, ergingen am 12. November 1948 sieben Todesurteile, darunter gegen Tojo, sowie 16 Urteile zu lebenslänglicher Haft und zwei zu Gefängnisstrafen über 20 und sieben Jahre. Die Todesurteile wurden am 23. Dezember 1948 vollstreckt. Die zu lebenslänglicher Haft Verurteilten kamen 1955 auf freien Fuß. Darüber hinaus fanden in den von Japan überfallenen Ländern, so auch in China, weitere Kriegsverbrecherprozesse gegen Japaner statt.

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2018

Das 20. Jahrhundert: “Death by hanging!” - Der Kriegsverbrecherprozess von Tokio Doku (2015) {56:52}

Pepe Stamford
Am 29.06.2018 veröffentlicht 
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Montag, 15. Mai 2017

Heute vor 45 Jahren – 15. Mai 1972: Die USA geben Okinawa an Japan zurück

Insel der traumatischen Schlacht

Die Insel Okinawa mit ihren Nebeninseln, heute die südlichste Präfektur Japans, wurde 1945 von den US-Amerikanern besetzt und erst 1972 an Japan zurückgegeben. Bis heute nutzen die USA mehr als ein Fünftel der Insel als Militärbasis. Die Schlacht um Okinawa (1. April bis 30. Juni 1945) war der letzte große Waffengang des Zweiten Weltkriegs. 
Nach blutigen Schlachten feiern US-amerikanishe Truppen auf Okinawa
die Kapitulation Japans, Anfang September 1945
Die US-Streitkräfte, die Okinawa als Basis für den Sprung nach Japan nutzen wollten, gingen von lediglich 70 000 Verteidigern auf den Inseln aus. Tatsächlich aber hatten sich 119 000 japanische Soldaten, unterstützt von 450 000 Zivilisten, auf Okinawa in Verteidigungslinien und Erdbunkern eingegraben. Als Anfang April 183 000 US-Soldaten anlandeten, wurden diese sofort in heftige Kämpfe verwickelt und erlitten hohe Verluste. Währenddessen griffen Kamikaze-Flieger die US-Schiffe an. Ein blutiger Grabenkrieg entbrannte um die Festung Shuri, die erst Mitte Mai 1945 erobert wurde. Nach der Einnahme der Inselhauptstadt Naha am 1. Juni zogen sich die Japaner ins Gebirge zurück und leisteten noch Wochen erbitterten Widerstand. 

Die Verluste der Okinawa-Schlacht
USA: 
• 12 520Tote 
• 39 000 Verwundete 
Japan: 
• Bis zu 107 500 tote Soldaten 
• 122 000 getötete Zivilisten 
• 6400 tote Kamikaze-Flieger 
• 7400 Gefangene 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2017 

Der Krieg im Pazifik Doku 2017 HD {59:50}
Veröffentlicht am 15.01.2017
Der Krieg im Pazifik, neue Doku 2017.

Dienstag, 14. Februar 2017

Sex ist Mühsal

Alle zwei Jahre wird im vergreisenden Japan nach dem Sex gefragt, es geht immer weiter nach unten
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Sicher, Japan ist das Land mit der vermutlich geringsten Fertilität. Es kommen wohl nicht nur immer weniger Kinder auf die Welt, das dürfte auch eine Folge davon sein, dass der Sex bei den Japanern im zeugungsfähigen Alter zurückgeht - oder sollte man sagen: eintrocknet? Dass Empfängnisverhütung, also die Trennung von Lust und Reproduktion, nicht der ausschlaggebende Grund ist, belegt auch die Umfrage des Verbands zur Familienplanung, die alle zwei Jahre durchgeführt wird.

Für die Umfrage werden 3000 Japaner im Alter von 16 bis 49 Jahre befragt. Es ist ein heikles Thema, ehrliche Antworten könnten selten sein. Die Frage wäre, ob die Japaner ihren Sex lieber verschweigen, während in anderen Ländern die Norm vorgeben könnte, die Lage zu beschönigen? Zumindest für Südkorea ist die Zunahme der Asexualität auch belegt. Wie auch immer, nur knapp die Hälfte scheint Antworten gegeben zu haben, die als gültig bewertet wurden. Inwieweit die Umfrage unter 1263 Frauen und Männern in Japan dann repräsentativ sein kann, ist eine andere Frage, allerdings reiht sich das Ergebnis in einen Trend ein, der nicht zu bestreiten sein dürfte (Keine Lust mehr auf körperlichen Sex?). Das Ergebnis bestätigt eine Umfrage, die 2016 vom Nationalen Institut für Bevölkerungswissenschaft und Soziale Sicherheit veröffentlicht wurde (Japan: Endemische Sexlosigkeit).

Die 2016 durchgeführte Umfrage belegt, dass bei verheirateten Paaren die Sexlosigkeit bislang auf ein Rekordniveau gestiegen ist. Von den 655 verheirateten Befragten gaben 47 Prozent an, dass sie seit einem Monat keinen Sex mehr gehabt haben. Die Rate ist, wie man annehmen sollte, auch bei Männern und Frauen in etwa gleich. Man geht davon aus, dass dann, wenn diese Frage positiv beantwortet wird, im Grunde Asexualität vorherrscht und sich auch in nächster Zukunft nichts verändern wird.

mehr:
- Sex ist Mühsal (Florian Rötzer, Telepolis, 13.02.2017)

siehe auch:
- Der japanische Mann: Lieber auf Arbeit als im Kreise der Familie (Post, 03.09.2015)

Sonntag, 7. August 2016

Sprache, Politik und der olympische Marathonlauf 1936: Sohn Kee Chung

Men's Marathon at the 1936 Summer Olympics in Berlin [10:00]

Hochgeladen am 21.05.2010
Games of the XI Olympiad, was an international multi-sport event which was held in 1936 in Berlin, Germany. Filmmaker Leni Riefenstahl, a favorite of Hitler's, was commissioned by the IOC to film the Games. Her film, entitled Olympia, introduced many of the techniques now common to the filming of sports..
"The sportive, knightly battle awakens the best human characteristics. It doesn't separate, but unites the combatants in understanding and respect. It also helps to connect the countries in the spirit of peace. That's why the Olympic Flame should never die." — Adolf Hitler, commenting on the 1936 Berlin Olympic Games.

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Sohn Kee-chung, bekannt unter seinem japanischen Namen Son Kitei (* 29. August 1912 in Shingishū, damaliges Japanisches Kaiserreich, dann Nordkorea; † 15. November 2002 in DaejeonSüdkorea) war 1936 zusammen mit seinem Teamkameraden Nan Shōryū der erste koreastämmige Medaillengewinner bei Olympischen Spielen[Sohn Kee-chung, Wikipedia]
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Olympische Spiele 1936 in Berlin. Nazi-Deutschland feiert sich selbst. Die ikonischen Bilder Leni Riefenstahls gehen um die Welt. In ihrem Blick ist vor allem auch der Sieger im Marathonlauf.

Der Koreaner Sohn Kee-Chung holt das erste olympische Gold in der Geschichte Koreas. Offiziell jedoch geht die Medaille an Japan, das seit 1910 als Kolonialmacht in Korea herrscht. Das Bild von der Siegerehrung geht in die Geschichte ein.

mehr:
- Sieg unter falscher Flagge - Olympia-Marathon 1936 (Film von Friedemann Hottenbacher, ZDF, 02.08.2016)
siehe auch:
- The forgotten story of Sohn Kee-chung, Korea's Olympic hero (Andy Bull, The Guardian, 27.08.2011)
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Sonntag, 13. März 2016

Japan: Gericht schaltet AKW ab

Schwerer Rückschlag für Atomlobby zum Fukushima-Jahrestag. In Japan laufen nur noch zwei Reaktoren
Pünktlich zum Jahrestag der dreifachen Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, die sich heute zum fünften Mal jährt, müssen Japans AKW-Betreiber und die regierende Rechte einen neuen Rückschlag einstecken. Die Japan Times berichtet, dass am Mittwoch ein Gericht die Genehmigung für den Neustart der beiden Reaktoren Takahama 3 und 4 aufgehoben hat. Damit laufen in Japan nur noch zwei Reaktoren und die Bemühungen rund zwei Dutzend der stillstehenden Atommeiler wieder ans Netz zu bringen erhielten einen empfindlichen Rückschlag.

Wie berichtet, war Takahama 3 erst im Januar wieder hochgefahren worden. Reaktor Nummer 4 hätte bereits folgen sollen, doch kam es dort zu einem Kühlwasseraustritt. Das Leck konnte zunächst nicht gefunden werden. Ein ähnliches Problem war im letzten Jahr auch bei einem der beiden jetzt laufenden Reaktoren im AKW Sendai aufgetreten. Diese stehen übrigens am Fuße eines Vulkans.

Gegen das Urteil vom Mittwoch ist Revision möglich, allerdings müssen die Reaktoren zunächst einmal wieder abgeschaltet werden. Der Rechtsweg wird auf jeden Fall viele Monate in Anspruch nehmen. Im letzten Jahr war schon mal eine Neustartgenehmigung, für die beiden Takahama-Reaktoren, von einem Gericht kassiert worden

Die Urteilsbegründung von Mittwoch könnte derweil für andere Fälle in dem erdbebenreichen Land von großer Bedeutung sein, sollte das Urteil nicht von einer höheren Instanz aufgehoben werden. Die Richter folgten nämlich der Ansicht der Kläger, dass die Betreiber ihre Angaben über Erdbebenwahrscheinlichkeiten und Schadensausmaße nicht ausreichend begründet haben. In der Vergangenheit hatte sich wiederholt gezeigt, dass japanische AKW nicht ausreichend gegen starke Erdbeben abgesichert sind.

mehr:
- Japan: Gericht schaltet AKW ab (Wolfgang Pomrehn, Teleplis, 11.03.2016)

siehe auch:
- Fukushima: Nicht einmal für Roboter betretbar (Post, 11.03.2016)


Freitag, 11. März 2016

Fukushima: Nicht einmal für Roboter betretbar

Es geht kaum voran mit der Aufarbeitung des Unfalls, in die Reaktoren, in denen sich Kernschmelze ereignet hat, kommen weder Menschen noch Roboter
Zwei Tage vor dem fünften Jahrestag des Fukushima-Unglücks ordnete ein Gericht in der Shiga-Präfektur an, dass die Reaktoren 3 und 4 des Takahama-AKW in der benachbarten Präfektur Fukui wieder ausgeschaltet werden müssen. Sie gehörten zu den ersten, die nach dem Unglück wieder hochgefahren werden durften, nachdem sie als sicher erklärt worden waren. Das Gericht befand jetzt, der Betreiber Kansai habe nicht genauer dargelegt, inwieweit die zwei Reaktoren nach den neuen Sicherheitsstandards aufgerüstet wurden, um einen Blackout zu überstehen oder um eine Evakuierung bei einem Unfall durchführen zu können. Kläger und Anwohner gaben ihre Freude vor dem Gericht zum Ausdruck.

Kansai will zwar der gerichtlichen Anordnung Folge leisten, aber dagegen klagen. Schon im April 2015 hatte ein Gericht aufgrund von Sicherheitsversprechen Einspruch erhoben, die Reaktoren wieder anfahren zu lassen. Die seit Dezember 2012 amtierende japanische Regierung unter Shinzo Abe drängt darauf, möglichst schnell viele AKW wieder an den Start zu bringen, in der Bevölkerung herrscht weiterhin großenteils nach dem Fukushima-Unglück Skepsis. Japan war lange Jahre atomstromfrei. Erst letztes Jahr gingen die ersten Reaktoren wieder in Betrieb. Reaktor 3 des Takahama-AKW war am 29. Januar 2016 wieder gestartet, Reaktor 4 war zunächst wegen eines Lecks erst später angefahren worden und startete am 26. Februar. Nach 3 Tagen war der Betrieb aber nach einer Panne schon wieder am Ende. Jetzt also muss auch Reaktor 3 wieder vom Netz. In Betrieb sind in ganz Japan damit wieder nur die zwei Reaktoren im AKW Sendai, die im August 2015 angefahren wurden. Kurzzeitig war auch Reaktor 1 des AKW Ōi 2012 wieder angeschaltet worden, ein Gericht entschied aber 2014, dass Reaktor 1 und 2 nicht wieder hochgefahren werden dürfen. Das AKW könnte über einem aktiven Erdbebenspalt liegen.

mehr:
- Fukushima: Nicht einmal für Roboter betretbar (Florian Rötzer, Telepolis, 11.03.2016)

FUKUSHIMA - Nuklearkatastrophe - 2016 Doku - Ultra HD [1:17:22]

Veröffentlicht am 12.10.2015
Nuklearkatastrophe - FUKUSHIMA - 2015

Fukushima und die Wahrheit hinter dem SuperGAU[DOKU Deutsch HD] [52:20]

Veröffentlicht am 13.10.2013
Doku über die wahre Geschichte des Atomunglücks von Fukushima(Japan).

siehe auch:
- „Maulkorb für die WHO“ (Felix Werdermann, Interview mit Alex Rosen, IPPNW, der Freitag, 11.03.2016)
- Kosten für die Ewigkeit (Felix Werdermann, der Freitag 08.03.2016)
- Inkonsequente Atompolitik (Anika Limbach, der Freitag, 19.02.2016)

Dienstag, 15. Dezember 2015

Wie ein Ort in Japan seinen kompletten Müll recyceln will

Morgens mit dem Coffee-to-go-Becher ins Büro: Das ist schon der erste Fehler. Zur Müllvermeidung könnten Sie wenigstens ein wiederverwendbares Trinkgefäß mitbringen. Als Paradebeispiel für Umweltbewusstsein dient ein Ort in Japan: Kamikatsu will bis 2020 seine Abfälle zu 100 Prozent recyceln, wiederverwenden oder kompostieren. Wie der Ort das schaffen will, zeigt dieses fünfminütige Video.

How This Town Produces No Trash [5:05]

Veröffentlicht am 08.12.2015
Watch the next episode about Lauren Singer, who produced only a jar's worth of trash in 2 years: http://bit.ly/1QsnSqu 
Subscribe! https://www.youtube.com/c/seekerstori...

In 2003, the local government in Kamikatsu, Japan decided to require that all residents comply with a new, rigorous recycling program - perhaps the most rigorous in the world.

Since then, the town composts, recycles, or reuses 80% of its garbage. It may not technically be 100% zero waste, as the remaining 20% goes into the landfill, but it's a remarkable achievement for an entire community, in such a short amount of time. The impacts have been positive - cutting costs for the community drastically, as well as improving the conditions of the lush and beautiful environment that surrounds the town in Southeast Japan.

Residents must wash and sort virtually anything that is non-compostable in their household before bringing it to the recycling sorting center. Shampoo bottles, caps, cans, razors, styrofoam meat trays, water bottles...the list goes on and on (literally) into 34 categories. At the sorting center, labels on each bin indicate the recycling process for that specific item - how it will be recycled, what it will become, and how much that process can cost (or even earn). It's an education process for the consumer.

All kitchen scraps must be composted at home, as the town has no garbage trucks or collectors.

And as for other items, reuse is heavily encouraged. According to Akira Sakano, Deputy Chief Officer at Zero Waste Academy in Kamikatsu, the town has a kuru-kuru shop where residents can bring in used items and take things home for free. There is also a kuru-kuru factory, where local women make bags and clothes out of discarded items.

At first, it was difficult to be come accustomed to the new rules. "It can be a pain, and at first we were opposed to the idea," says resident, Hatsue Katayama. "If you get used to it, it becomes normal."

Now, it's even being noticed within Kamikatsu's businesses. The first zero-waste brewery has opened in Kamikatsu, called Rise and Win Brewery. The brewery itself is constructed of reused materials and environmentally friendly finishes. By 2020, Kamikatsu hopes to be 100% zero waste, with no use of landfills, and to forge connections with other like-minded communities in the world, spreading the practice of zero-waste.

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Haben Sie auch separate Behälter für Glas, Papier, Bioabfälle und Restmüll? Das ist noch gar nichts: In Kamikatsu wird Müll in 34 Kategorien sortiert – die Bewohner des Ortes waren davon anfangs wenig begeistert. Nehmen wir eine handelsübliche Plastikwasserflasche: Die gebrauchte Flasche wandert in einen Beutel, der Deckel in den zweiten, das Etikett in den dritten.

Nicht nur das: Die Menschen aus Kamikatsu müssen ihren Müll vor der Kategorisierung gründlich waschen und dann in ein Recyclingzentrum bringen, wo dieser wiederum kontrolliert wird. Warum die Stadt dabei Geld spart und was vor allem beschäftigungslose ältere Menschen davon haben? Schauen Sie selbst.

- Wie ein Ort in Japan seinen kompletten Müll recyceln will (Björn Maatz, ZEIT Online, 10.12.2015, beachte auch die Kommentare!)

Donnerstag, 3. September 2015

Der japanische Mann: Lieber auf Arbeit als im Kreise der Familie

59 Prozent der japanischen Angestellten ziehen die Arbeit der Familie vor, weil die Familie zu anstrengend ist


Es wirft ein deutliches, wenn auch nicht gänzlich unerwartetes Licht auf die Tatsache, dass der häufig zitierte Leistungsdruck in Japan inzwischen die Familien mit voller Wucht erreicht hat: Japan Today berichtete dieser Tage über eine Befragung von 2.000 verheirateten japanische Angestellten im Alter zwischen 30 und 49 Jahren. Auf die Frage, ob sie das heimische Familienleben ermüde, antworteten 1.180 mit "ja", das sind 59 Prozent.


Zwar ist die Vorstellung der auf romantischer Liebe der Ehepartner basierenden Familie als wichtigste Einheit der Gesellschaft keinesfalls allgemeingültig und die geschichtliche Entwicklung der Vorstellung von Familien mit einem Familiennamen sind in machen Regionen dieser Welt gerade mal etwa 100 Jahre alt. Allgemein gilt jedoch auch in Japan die Familie als Kernzelle der Gesellschaft und damit gemeinhin als eine gute Idee. Eine Frau, die ein Mann liebt, eines oder mehrere Kinder, die als Verbindung in die Zukunft betrachtet werden können sowie eine Heimstatt, die einen vor den unzähligen Sorgen der der Welt außerhalb der eigenen vier Wände schützt.

Warum sieht dies die Mehrheit der verheirateten Arbeitnehmer in Japan so gänzlich anders?

Was macht das japanische Familienleben so anstrengend? An erster und zweiter Stelle für die familiären Probleme nannten die Befragten eine Ehefrau, deren Forderungen und Launen bei ihren Männern Erschöpfungszustände verursachen oder zumindest solche verstärken würden. Diese Gründe erschienen weit wichtiger als die nachfolgenden Begründungen wie Beziehungen ohne Sex, fehlende Freizeit, finanzielle Probleme oder Einmischungen von Seiten der Schwiegereltern.

Die Ehefrau sei unfähig, ihrem Mann zu gefallen, war eine häufige Antwort der befragen Männer. Wenn man nach einem harten Arbeitstag mit 12 bis 14 Arbeitsstunden nach Hause komme, werde man oftmals in einem Ton empfangen, der eher an einen Vorgesetzten erinnere, als an eine zärtliche liebenswerte Lebensgefährtin. Wenn man ihr dann nicht bei der Hausarbeit helfe, sei man ein Versager und wenn man helfe, dann werde man als Stümper bezeichnet.

mehr:
- Lieber auf Arbeit als im Kreise der Familie (Christoph Jehle, Telepolis, 02.09.2015)

mein Kommentar:

Dann ist es ja bis zur »Familienpflege« (in Anlehnung an die Altenpflege) nicht mehr weit. Eine Gesellschaft, die materiell alles hat, kann dann damit beginnen, für emotionale Zuwendung zu zahlen. (Was würde Konfuzius wohl dazu sagen?) Bis Russland da ist, wird es noch wohl einige Ukraine-Krisen dauern…


Verhalte ich mich korrekt, ist die Familie in Harmonie.
Wenn die Familien in Harmonie sind, ist es auch das Dorf.
Sind die Dörfer in Harmonie, ist es auch die Provinz.
Sind die Provinzen in Harmonie, dann ist es auch das Reich.
Sind die Reiche in Harmonie, dann ist es auch der Kosmos.

(Die fünf Konstanten (五常, wǔ cháng), Wikipedia)

siehe dazu auch:
- Japan: Die Libido trocknet aus (Florian Rötzer, Telepolis, 28.01.2015)
- "Zölibatssyndrom" in Japan (Peter Mühlbauer, Telepolis, 11.11.2013)

Mittwoch, 2. September 2015

Heute vor 70 Jahren – 2. September 1945: Japan unterzeichnet die Kapitulation

Der letzte Akt des Zweiten Weltkriegs 

Als in Europa die Waffen bereits schwiegen und die Menschen in den Siegerstaaten den Erfolg und das Ende des Kriegs feierten, wurde in Ostasien noch heftig zwischen Japan und den Alliierten, vor allem den USA, gekämpft. Von eroberten Luftbasen im Süden Japans aus flog die US Army Air Force massive Angriffe auf die Großstädte und Industriestädte des Landes. Da die japanische Führung dennoch nicht gewillt war, zu kapitulieren, beschlossen die USA im August 1945, Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen. Am 15. August forderte Kaiser Hirohito seine Truppen zur Einstellung der Kämpfe auf. 
Japans Außenminister Mamoru Shigemitsu (mit Stock) und Delegation
auf dem US-Schlachtschiff »Misssouri«

 An Bord des Schlachtschiffs »Missouri« unterzeichneten Außenminister Shigemitsu und General Umezu heute vor 70 Jahren die Kapitulationserklärung des japanischen Kaiserreichs. Damit war der Zweite Weltkrieg, der opferreichste aller Kriege, endgültig beendet. Wie in Deutschland in Nürnberg mussten sich auch in Japan die Hauptkriegsverbrecher ab 1946 vor Gericht verantworten. Die Tokioter Prozesse endeten mit sieben Todesurteilen, 16 lebenslänglichen und zwei langjährigen Haftstrafen für die Repräsentanten der politischmilitärischen Führungsriege Japans. 

 Was am 2. September noch geschah: 
1666: In London zerstört ein Brand vier Fünftel der Innenstadt. 
 Harenberg Abenteuer Geschichte 2015

Verschollene Filmschätze S03E03 1945 Die Kapitulation Japans [26:00]

Veröffentlicht am 15.03.2014
Sonntag, 2. September 1945: Das amerikanische Kriegsschiff
USS Missouri liegt in der Bucht von Tokio. Erwartet werden elf
hohe japanische Regierungs- und Armeeangehörige. Japan soll
seine Kapitulation unterzeichnen.

Die Achse - Gericht über Japan [1:27:53]

Veröffentlicht am 26.09.2014
Der Film handelt vom Hauptkriegsverbrecherprozess gegen die japanische Führung im und vor dem Zweiten Weltkrieg. Der Prozess war demnach gekennzeichnet von großen Verständnisproblemen gegenüber der japanischen Verfassung und Mentalität, was auch zu fragwürdigen Urteilen führte. Zwischen den Szenen aus dem Gerichtssaal wird in Rückblenden die Geschichte des japanischen Imperialismus und des Zweiten Weltkriegs im pazifischen Raum dargestellt, dabei speziell auf japanische Kriegsverbrechen eingegangen. Kurz von den Anfängen der Expansion im späten 19. Jhd. ausgehend, wird v.a. die Besetzung der Mandschurei und von Teilen Chinas in den 30er Jahren, die Eroberung des südostasiatischen Raums und der Angriff gegen die USA am Anfang des Zweiten Weltkriegs und der japanische Widerstand bis Kriegsende nachgezeichnet.


00:00:10 Japans Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkriegs: Schlachtschiff Missouri; General McArthur

00:02:00 03.05.1946: Eröffnung des Hauptkriegsverbrecher-Prozesses in Tokio: Tagungsgebäude des Internationalen Militärtribunals

00:06:26 US-Hauptankläger; Gerichtsvorsitzender; Angeklagte, insbesondere Okawa (ExPropagandist), Angeklagte erklären sich für nicht schuldig;

00:10:28 Originalaufnahmen der Seeschlacht von Tsushima (Japan - Russland) 1905, Fahrt über Brücke und Schienen der süd-mandschurischen Eisenbahn

00:13:47 Der letzte chinesische Kaiser Puyi als japanischer Marionettenherrscher im Satellitenstaat Mandschukuo

00:17:12 Feuer und Explosionen in den Straßen von Schanghai; Flüchtlinge, Anklage im Gerichtssaal gegen die damalige japanische Aggression

00:19:03 Drill im japanischen Militär: Soldaten beim Aufstehen, Essen, Judo, Schieß- und Angriffsübungen; Japaner an einer Shinto-Anlage mit Torii (hölzernes Pfahl-Tor mit
geschwungenem Dach); der Tenno, Kaiser Hirohito, u.a. zu Pferd;

00:21:05 Auseinandersetzung im Gerichtssaal über Sprachprobleme; Ex-Premier Hirota - im Gerichtssaal und früher mit seinem Kabinett

00:24:54 Vormarsch der japanischen Kwantung-Armee auf Nanking 1937

00:26:52 Amerikanischer Missionar aus Nanking als Zeuge vor dem Gericht: O-Ton über japanische Massen-Mordaktionen in Nanking

00:31:36 Amerikanische Kriegsschiffe einzeln und im Verband, u.a. vor der Golden Gate Bridge; Schlachtschiff- und Flugzeugträger-Deck von oben; japanische Kriegsschiffe, Expansion des Dritten Reichs vor 1939

00:34:28 Drei-Mächte-Pakts in Berlin Ende September 1940; Besetzung Französisch-lndochinas durch die Japaner: japanische Truppen gehen im Hafen von Saigon an Land; US-Präsident Roosevelt mit hohen Offizieren;

00:40:22 Besuch des japanischen Außenministers Matsuoka in Berlin; Ankunft an der Reichskanzlei; mit Hitler auf dem Balkon der Reichskanzlei

00:41:35 Kreml; Besuch von Außenminister Matsuoka in Moskau; Abschluss eines japanisch-russischen Neutralitätspakts

00:43:08 Der japanische Ex-Botschafter in Berlin sagt im Gericht aus über die Wirkung des Hitler-Stalin-Pakts auf Japan

00:44:32 Der japanische Ministerpräsident und Mitglieder der japanischen Regierung im Sommer 1941

00:45:34 Der deutsche Ex-Sonderbeauftragte für Japan sagt im Gericht aus, dass Deutschland über die japanisch-amerikanischen Verhandlungen nur unzureichend informiert wurde

00:50:13 Japanische Flugzeugträger, US-Außenminister Hüll steigt aus dem Flugzeug; Note zum Abbruch der Verhandlungen am 7.12.1941;

00:51:40 Japanischer Angriff auf Pearl Harbour am 07.12.1941: Flugzeugträger, Flugzeuge über den Bergen von Hawaii; Schlachtschiffe werden bombardiert und torpediert;

00:56:03 Versuch, im Prozess die Verantwortung für den Angriff auf Pearl Harbour zu klären;

00:58:35 Japaner landen auf den Philippinen; Versenkung der britischen Kriegsschiffe "Prince of Wales" und "Repulse", Kapitulation von Singapur

00:03:25 Eine australische Krankenschwester sagt vor Gericht aus über japanische Kriegsverbrechen bei der Besetzung Singapurs

00:07:48: Japanische Angriffe und Eroberungen von Pearl Harbour bis zum Mai 1942

00:09:58 Sowjetische Annexionen 1939/40; Besetzung des Iran durch Sowjets und Briten; Besetzung Islands und Grönlands durch die USA; größte Ausdehnung des deutsch und japanisch besetzten Gebiets im Zweiten Weltkrieg

00:10:58 Amerikanische Bomber überfliegen pazifische Inseln, greifen an; General McArthur geht an Land auf den Philippinen

00:13:51 Amerikanischer Angriff auf Iwo Jima; Bilder von der Potsdamer Konferenz, von der aus Japan ein Ultimatum gestellt wurde; Truman warnt Japan - droht mit einer Zerstörung aus der Luft wie es sie noch nie gegeben hat

00:16:52 Atombombenabwurf; Stalin; Parade auf dem Roten Platz in Moskau; Kamikaze-Angriffe

00:20:20 Der engste politische Berater des Tenno vor Gericht, der japanische Kaiser/Tenno, nun als Zivilist; Japanischer Prinz; Gefängnis innen und US-Militärpolizei;

00:23:43 Urteilsverkündung im Gerichtssaal

00:26:19 Shinto-Schrein; Shinto-Priester
 

Samstag, 22. August 2015

Territorialstreit mit Japan: Russland weitet Ansprüche im Pazifik aus

Im Bemühen um Rohstoffvorkommen hat Russland die Grenze seines Festlandsockels in Richtung Japan verschoben. Premier Medwedew reiste zudem auf die Kurilen - für die Regierung in Tokio ein Affront.

Trotz des Territorialstreits mit Japan um die Inselkette der Kurilen im Pazifik hat Russland seine Gebietsansprüche in dem Seegebiet ausgeweitet. Mit einer Verordnung erweiterte Regierungschef Dmitrij Medwedew die Grenze des russischen Festlandsockels im Ochotskischen Meer und vergrößerte damit die von Moskau beanspruchte Fläche um rund 50.000 Quadratkilometer.

"Das bedeutet, dass wir unseren Festlandsockel bewirtschaften können", sagte Medwedew bei einem Besuch auf der Kurilen-Insel Iturup. "Und dort sind große Rohstoffvorkommen und große Energiequellen." Wie aus der im Internet veröffentlichten Verordnung hervorgeht, beruft sich Russland bei der Grenzverschiebung auf das Uno-Seerechtsübereinkommen von 1982.

mehr:
- Territorialstreit mit Japan: Russland weitet Ansprüche im Pazifik aus (22.08.2015)
aus einem Kommentar:
leider vergisst spon hier was zu erwähnen. die russen machen das jetzt nicht einfach mal so, sondern mit der uno abgestimmt. sie haben vor jahren schon einen antrag bei der uno gestellt, dass dieses gebiet wegen des festlandsockels zu ihnen fällt. vor kurzer zeit wurde dieser antrag von der UNO bestätigt. alles völkerrechtlich sbgestimmt, daher alle mal ausatmen.

siehe auch:
- Politischer Status der Arktis (Wikpedia)
Der politische Status der Arktis ist bis heute ungeklärt.
vorgeschlagene Sektorenaufteilung der Arktis Anfang des 20. Jhd. (Wikipedia)

Nach dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) der Vereinten Nationen von 1982 haben Staaten mit ozeanischer Küste das Recht auf begrenzte Kontrolle der Wasserfläche bis zu einer Entfernung von 200 Seemeilen (sm) (~370 km) von der Basis-Küstenlinie(sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone).[1] Das bedeutet, dass die fünf Anrainerstaaten des Nordpolarmeers mit Gebiet nördlich des PolarkreisesNorwegenDänemarkRussland, die USA sowie Kanada, territoriale Ansprüche auf Teile des Nordpolarmeeres erheben dürfen.
Der (geografische) Nordpol und das ihn bis zu einer Entfernung von mindestens 300 km umgebende Gebiet sind aber so weit vom Festland entfernt, dass sie nach derzeitigem Recht nicht im Besitz eines Staates sind. Allerdings hat jeder Staat die Möglichkeit, innerhalb von zehn Jahren nach Ratifizierung des SRÜ unter bestimmten Bedingungen eine Ausweitung seiner Kontrolle auf den Kontinentalschelf und somit auf mehr als 200 sm Entfernung vom Festland zu beantragen.[2]
Aufgrund dieser Regelung beantragten bisher Norwegen (SRÜ ratifiziert 1996), Russland (1997), Kanada (2003) und Dänemark (2004)[3] eine solche Ausweitung ihres Gebietes. Darüber hinaus gibt es vor allem in der kanadischen und russischen Politik und Rechtswissenschaft Stimmen, die die SRÜ für nicht anwendbar auf die Arktis halten und stattdessen eine so genannte "Sektorenlösung" vorschlagen. […]

Russland[Bearbeiten]

Am 20. Dezember 2001 beantragte Russland offiziell bei der UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels (CLCS) in Übereinstimmung mit dem Seerechtsübereinkommen (Art. 76 Satz 8)[2] die Festlegung neuer Außengrenzen für den russischen Kontinentalschelf jenseits der 200 Seemeilen weiten ausschließlichen Wirtschaftszone, allerdings innerhalb des russischen arktischen Sektors. Das hierdurch von Russland beanspruchte Gebiet mit einer Fläche von etwa 1,2 Millionen Quadratkilometern stellt einen großen Teil der Arktis inklusive des Nordpols dar.[8][9]
Der Antrag wurde unter anderem damit begründet, dass sowohl der Lomonossow- als auch der Mendelejew-Rücken unterseeische Fortsetzungen der eurasischen Landmasse seien. 2002 wurde der Antrag von den Vereinten Nationen weder angenommen noch zurückgewiesen; stattdessen wurde weitere Nachforschung empfohlen[8]. Diese Forschungen sollen in den Jahren 2007 und 2008 als Teil des russischen Beitrags zum 4. Internationalen Polaren Jahrdurchgeführt werden. Durch die Arktika 2007 genannte Expedition sollen Struktur und Entstehung der Erdkruste in der Arktis nahe Eurasien, unter anderem durch Forschung am Mendelejew-, am Lomonossow- und am Alpha-Rücken, geklärt und die vermutete Verbindung zum sibirischen Schelf bestätigt werden.[10][11] Eine Gruppe von 50 russischen Wissenschaftlern kam dabei auf dem Schiff Russia zu der Überzeugung, dass zumindest der Lomonossow-Rücken mit zur Russischen Föderation gehöriger Landmasse verbunden ist. Unter dem Meeresboden der fraglichen Gebiete könnten laut Auskunft der Wissenschaftler bis zu zehn Milliarden Tonnen Öl und Gas lagern. Der russische Präsident Wladimir Putin nutzte diese Meldung, um an den Antrag von 2001 zu erinnern.[12][13]
Anfang August 2007 tauchten zwei russische U-Boote vom Typ Mir in eine Tiefe von 4261 Metern unter dem Meeresspiegel und setzten am geografischen Nordpol eine russische Flagge in den Erdboden. Während die kanadische Regierung die russischen Handlungen scharf kritisierte, sieht die dänische Regierung dies nur als „bedeutungslosen Gag für die Medien“. Der Sprecher des dänischen Außenministeriums, Peter Taksøe-Jensen, sagte: „Das nehmen wir sehr gelassen und mit Humor. Für die juristische Durchsetzung völkerrechtlicher Ansprüche hat das nicht die geringste Bedeutung.“[7] Putin hielt eine Rede am 3. Mai 2007 auf dem nuklearen Eisbrecher 50 Let Pobedy[14], darin drängte er zu größeren Bestrebungen, um die „strategischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und Schutzinteressen“ Russlands im arktischen Raum zu schützen.[15]
Russland kann Grenzen vom arktischen Festlandsockel bis zu Nordpol ausdehnen (Alexandra Sacharowa, Witali Radnajew, Sputniknews, 01.11.2012)
Das Territorium des russischen Festlandsockels kann bis zum Nordpol ausgedehnt werden. Den russischen Wissenschaftlern ist es gelungen zu beweisen, dass der Mendeleew-Rücken im zentralen Teil des Nordpolarmeers eine Fortsetzung des eurasischen Kontinents [ist].
siehe auch:
Arktis: Russland wird zum Buhmann gemacht (Wolfgang Pomrehn, Telepolis, 26.08.2015)
Vermeintliche russische Konkurrenz muss herhalten, um für Ölplattformen vor Alaskas unwirtlicher Nordküste zu werben

mein Kommentar: Der russische Antrag bei der UNO ist 14 Jahre alt. Tut mir leid, mein lieber SPIEGEL, war wohl nix mit dem gefährlichen expansionistischen Putin!

- Kurilenkonflikt (Wikipedia)

2005 11 16 Mit Offenen Karten Die Kurilen [10:51]

Hochgeladen am 14.06.2009
Mit Offenen Karten Die Kurilen



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