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Freitag, 14. August 2015

Amnesty tritt für Entkriminalisierung der Prostitution ein

…nicht für Legalisierung - Kritiker werfen der Menschenrechtsorganisation vor, dass sie sich gegen die Opfer stellt und "auf die Seite der Täter"

Solange Personen, die sexuelle Dienstleistungen anbieten, kriminalisiert werden, sind sie einem konstanten hohen Risiko ausgesetzt, diskriminiert zu werden, körperlicher Gewalt und Missbrauch, also Schmähungen, Beleidigungen Brutalitäten, schlimmsten Körperverletzungen, Vergewaltigungen und anderes, was menschliche Höllenkreise so zu bieten haben.

Sexarbeiter gehören zu den verletzlichsten Randgruppen in der Welt, sie brauchen Schutz - das ist der Begründungsschwerpunkt einer neuen Richtlinie "zu staatlichen Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten von Prostituierten", welche Amnesty International am Dienstag bei dem International Council Meeting (ICM) in Dublin mehrheitlich verabschiedet hat.

Dass das Votum für diese Position gegen Kriminalisierung, die in 13 Punkten der neuen Richtlinie aufgefächert wird, auf einer komplexen Schichtung vieler akuter Problemlagen - der Zusammenhang zwischen Prostitution und Menschenhandel, Ausbeutung, Abhängigkeiten, Gewaltverhältnisse, Vermarktung und Verdinglichung von Menschen, Geschlechter- und Machtverhältnisse etc. - getroffen wurde, ist den Befürwortern bei der Menschenrechtsorganisation klar. Wie auch, dass diese Entscheidung eine globale, wenn auch symbolpolitische Reichweite hat.

mehr:
- Amnesty tritt für Entkriminalisierung der Prostitution ein… (Thomas Pany, Telepolis, 13.08.2015)

siehe auch:
- Prostitution: Sex ist auch nur eine Dienstleistung (Sophie Elmenthaler, ZEIT Online, 13.08.2015)
Amnesty International will Prostitution legalisieren. In der Kritik daran machen sich viele Feministinnen nun sexistische Argumente zu eigen. Das ist besonders ärgerlich.
- Warum Sexarbeit entkriminalisiert gehört (Felix Werdermann, der Freitag, 19.08.2015) 

mein Kommentar:
könnte es sein, daß hier mehr über als mit Prostituierten geredet wird?

aktualisiert am 22.08.2015

Freitag, 1. Mai 2015

Licht an, Kriminelle raus?

Prostitution In Schöneberg soll ein Straßenstrich durch Scheinwerfer vertrieben werden. Unser Autor hat dort zehn Jahre gewohnt und weiß: So läuft's nicht.

Nutten auf dem Spielplatz, das wäre für den Prenzlauer Berg der nackte Wahnsinn. Wir Schmuddelkinder aus Berlin-Schöneberg sind da etwas entspannter. Wer schon mal so lange im Pinguin-Club hängengeblieben ist, bis die alten Geschichten ausgegraben wurden, von David Bowie, von Helden und Verlierern, von den Kindern vom Bahnhof Zoo, von der Geisterbahn und dem Rotlicht, der weiß: Während die Kinder im Prenzlberg von ihren busy parents verzogen werden, wird bei uns lieber der lustvolle Akt vollzogen. Es war schon immer die Partymeile von Westberlin. Hier konnte man morgens im Bademantel zum Bäcker gehen, und niemand hat einen komisch angeschaut. Das machte die Gegend lässig. Wer hier hinzieht, weiß: Wir gehen ins Schwulen- und Stricherviertel.

Und nun hat ausgerechnet die Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, das unsittliche Rumhuren am Spielplatz Ecke Eisenacher-/Fuggerstraße mit Flutlicht zu bestrahlen, um die dunklen Machenschaften auszuleuchten. Licht an! Kriminalität aus! Das ist so, als wenn man auf die Große Freiheit zieht und alle SM-Läden schließen will. Natürlich finde ich es auch suboptimal, dass das Rotlicht ausgerechnet einen Spielplatz zur Lustschaukel macht. Aber die Idee mit dem Scheinwerfer, der die Sexmotten vertreiben soll, erinnert mich an den Hauptbahnhof in Hamburg, wo Dealer und Obdachlose durch Dauerbeschallung mit Klassik vertrieben werden sollen. Das ist Spießermentalität: Wir bestrahlen einen Ort, an dem das Dreckige ist. Aber das gehört eben zur Subkultur. Mit solchen Aktionen machen sie den Stadtteil kaputt. Der hatte immer etwas Rotlichtiges.

mehr:
- Licht an, Kriminelle raus? (Axel Brüggemann, der Freitag, 01.05.2015)

Dienstag, 11. November 2014

Prostitution – “So, wie geht es deiner Seele?”

Simone, 32, hat in einem Berliner Bordell gearbeitet. Im zweiten Teil unseres Gesprächs mit ihr erzählt sie, was sie an der Debatte über Prostitution in Deutschland stört.
Simone, als wir über die Möglichkeit dieses Interviews geredet haben, hast du gesagt: „Über Prostitution diskutiert man in Deutschland am liebsten ohne die Prostituierten. Das ist für alle Beteiligten bequem.“ Was hast du damit gemeint?

Ich glaube, das Bequeme daran ist offensichtlich für diejenigen, die damit nichts zu tun haben. Es ist natürlich bequem zu sagen, alle Prostituierten seien entweder Opfer oder heroische Kämpferinnen für sexuelle Freiheit, solange man keine einzige Prostituierte persönlich kennt. Wenn ich als Prostituierte oder als Frau mit diesem Hintergrund sozusagen direkt in diesem Diskurs mitreden könnte, müsste ich ungefähr Folgendes sagen: “Du erlaubst mir zwei Rollen. Entweder bin ich megahappy, weiß total, worum es geht, will den ganzen Tag nur gefickt werden und liebe diesen Job, es ist das Beste, was mir passieren konnte.” Damit ließe man mich dann irgendwie durchkommen, weil ich so hart nach vorne presche, dass mich einfach niemand mehr einholen kann. Oder ich breche weinend zusammen, bitte darum, wieder aufgenommen zu werden. Ich wurde von meinem Freund geschlagen, in meiner Kindheit traumatisiert, ich bin eine Zwangsprostituierte.

Diese beiden Rollen stellt mir die Gesellschaft zur Verfügung. Wenn ich nicht wirklich bescheuert bin, wenn ich von dieser Welt nicht zerfetzt werden will, dann bemühe ich mich als Prostituierte darum, diejenige zu sein, die extrem tough ist. Das ist aber ein Scheißdeal. Ich habe die Wahl zwischen zwei Schubladen – soviel zum Thema Freiheit. Die Bequemlichkeit bezieht sich aber auch auf die Seite der Prostituierten, weil auch sie Kinder der Gesellschaft sind, und also auch in ihren Köpfen diese Idee steckt. Weil sie selbst auch in diesen zwei Schubladen denken.

mehr:
- “So, wie geht es deiner Seele?” (Theresa Bäuerlein, 10.11.2014)


Montag, 30. Dezember 2013

Real existierender Kapitalismus und Freiwilligkeit

Die Diskussion um die Verschärfung des Prostitutionsgesetzes hat einige Menschen in unserer Gesellschaft zum Nachdenken über die Begriffe »Freiwilligkeit« und »Zwang« verführt, geht doch Alice Schwarzer ganz selbstverständlich davon aus, daß 95 Prozent aller Prostituierten diesen Beruf unter Zwang ausüben.

Hier ein beeindruckendes Beispiel, wie in unserem Lande mit Arbeitskräften umgesprungen wird, an Gesetzen und Abmachungen vorbei, unter den Augen der Politiker, der sozialen Institutionen und mit der achselzuckenden Zur-Kenntnisnahme der Medienkonsumenten:

Wir, das sind eine Gruppe von Betroffenen, welche von der VHV vor gut einem Jahr aus Ihren teilweise über 30 jährigen Beschäftigungsverhältnissen durch Massentlassungen hinausgedrängt wurden, obwohl unsere bisherigen Tätigkeiten keineswegs ersatzlos weggefallen sind. […]

Unsere Tätigkeiten werden jetzt mittels Werk-/Dienstvertrag von Drittfirmen […] übernommen, deren Mitarbeiter zu Billiglöhnen arbeiten müssen. Diese sind oft selbst "Opfer" von Massenentlassungen in anderen Unternehmen und der nachgeschalteten Transfergesellschaften. Denen ging es wie uns jetzt – beruflichter und gesellschaftlicher Tod auf Raten!
So erhalten z.B. Mitarbeiter eines Dienstleisters, der die Telefonzentrale betreut, angeblich € 7,50 / Stunde BRUTTO!! Reden dürfen sie darüber nicht, es mussten Schweigeverpflichtungen mit sofortiger, fristloser Kündigungsandrohung  unterschrieben werden.

mehr auf massenentlassungvhv.de… 

sowie
- Per Email zur Entlassung bestellt – VHV feuert 178 Mitarbeiter (Bild-Zeitung vom 10.08.2012)
- Menschlichkeit zählt nicht, nur Profit! (kununu.com, Status: 30.08.2012)
- Hat die VHV Mitarbeiter mit Abfindung ausgetrickst? (abfindunginfo.de, 22.08.2013)
- Hat die VHV ihre Mitarbeiter arglistig getäuscht? (Assekuranz Info-Portal, 12.11.2013)
- Schöne Bescherung für VHV-Mitarbeiter (HAZ vom 19.12.2013)

Was ist los in einem Land, in welchem über Prostitution gegeifert wird, und während Manager für das Freisetzen von Arbeitnehmern Millionenhonorare kassieren, Supermarkt-Mitarbeiter für das Verspeisen weggeworfener Joghurts im Wert von 30 Cent fristlos entlassen werden?

Was ist los mit einem Land, in welchem 1 Million Männer täglich sich bei Prostituierten ein Stückchen Lebendigkeit kaufen (natürlich alles »freiwillig«), während 1 Million Zuschauer unter der Aufsicht von zigtausend von der Gesellschaft bezahlten Bereitschaftspolizisten an den Wochenenden die Fußballstadien stürmen? 

Hat Alice Schwarzer den Mut, das Erwerbsverhalten von »freigesetzten« Über-50-Jährigen als »freiwillig« zu bezeichnen? 
Was ist der Unterschied zwischen der Tätigkeit einer Prostituierten (um ganz sicher zu gehen: ich spreche nicht von Zwangsprostitution!) und der Tätigkeit von Altenpflegern (die anderen gegen Geld den Arsch abwischen), Supermarktkassiererinnen oder Telefon-Hotline-Beschäftigten (die die schlechte Laune von Kunden aushalten müssen), »Dschungel-Camp«- oder »Deutschland sucht den Superstar«-Exhibitionisten?

Wie ist diese Doppelbödigkeit in unserer Gesellschaft möglich?
Wie kann es sein, daß unsere Medien es sich erlauben können, solch eine Gülle über uns auszukippen?

Angela Angie Merkel Rapsong rappt "Mutti macht weiter" neuer Rap ¦ Hot NEWS Blog ¦ [2:54]



Sonntag, 29. Dezember 2013

„Das habe ich mir ja ganz anders vorgestellt“



„Das habe ich mir ja ganz anders vorgestellt“ from Matthias Lehmann | Matt Lemon on Vimeo.

Highlights vom Symposium über das deutsche Prostitutionsgesetz am 9. Dezember 2013 in der Berliner Urania. Die Verstanstaltung wurde organisiert von Felicitas Schirow, die Expertinnen und Experten aus den Bereichen Recht, Kriminologie, Soziologie, und Sozialwissenschaften, sowie eine Expertin vom Berliner Landeskriminalamt (LKA) und zwei frauenpolitische Sprecherinnen von der Linken und den Grünen einlud. [Info-Broschüre tinyurl.com/o8d9p6v]
Organisatorin
Felicitas Schirow: Seit 1997 Besitzerin des Bordells „Café Pssst!“ im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist. Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts vom 1. Dezember 2000, das den Widerruf von Schirows Gaststättenerlaubnis für rechtswidrig erklärte, gilt als Präzedenzfall und Initialzündung für das spätere Zustandekommen des am 1. Januar 2002 in Deutschland in Kraft getretenen Prostitutionsgesetzes.
Vortragende
Percy MacLean: Ehem. Vorsitzender Richter der Berliner Verwaltungsgerichts, ehem. Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Träger der Carl-von-Ossietzky-Medallie der Internationalen Liga für Menschenrechte (2004)
Heike Rudat: Leiterin des Dezernats Organisierte Kriminalität und Bandenkriminalität (inkl. Rotlichtkriminalität) des Landeskriminalamts Berlin (LKA)
Prof. Dr. emer. Monika Frommel: Kriminologin, ehem. Direktorin des Instituts für Sanktionsrecht und Kriminologie an der Universität Kiel
Ilona Hengst: Sozialarbeiterin mit 25 Jahren Berufserfahrung in der Arbeit mit Sexarbeiterinnen, ehem. Mitarbeiterin der Bezirksämter Schöneberg, Charlottenburg, Wilmersdorf und Steglitz.
Gesine Agena: Frauenpolitische Sprecherin und Vorstandsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen
Evrim Sommer: Frauenpolitische Sprecherin und Mitglied der Fraktion der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus
Christiane Howe: Soziologin am Institute für Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin
Matthias Lehmann: Forscher, Doktorand der juristischen Fakultät der Queens Universität Belfast. Matthias Lehmanns Vortragsmanuskript können Sie hier abrufen: wp.me/P294H2-Rs
[Wikipedia-Links erstellt von mir]

Sex gegen Geld ist auch nur Arbeit (faz.net vom 21.12.2013) 
Studentenprostitution (courtisane.de vom 23.02.2011) 
Prostitution (Piratenwiki)
Prostitution. Ein deutscher Skandal (Linksammlung bei »der Freitag«)
Kontrastreportage Prostitution (1) (Video bei Kabel eins aus der Reihe »Abenteuer Leben«)
Bizarrelady Undine Hamburg (Link zum Blog von Undine de Rivière, letzter Post zum Zeitpunkt der Linkerstellung: 25.12.2013)

Freitag, 6. Dezember 2013

Geht es um Alice Schwarzer oder um Prostitution?

Dieser Post setzt meine Prostitutions-Reihe fort 
(letzter Post vom 22.11.2013: PROstitution: Wo bleibt die Kundschaft? , weitere Posts finden sich unter dem Stichwort Prostitution)


Käufliche Körper, käufliche Seelen (Süddeutsche vom 03.12.2013)
»Alice Schwarzer ist eine Lügnerin« (Gespräch mit Felicitas Schirow auf N24 vom 04.12.2013) 
Der männerverachtende Feminismus Alice Schwarzers (Die Welt vom 05.12.2013)
Gibt es Argumente gegen Prostitutionsgesetze? (faz.net, feuilleton, 06.12.2013)
 
ZDF login | Sex gegen Geld verbieten? [1:00:12]
Veröffentlicht am 09.11.2013 
»Bordell-Republik-Deutschland: Sex gegen Geld verbieten?« 
Talk Show mit Felicitas Schirow, Besitzerin des Café Pssst! und Chantal Louis vom Magazin EMMA.

Felicitas Schirow Weigmann ist Held des Jahrtausends! [1:37]

Veröffentlicht am 20.12.2012 
http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A...
http://de.pluspedia.org/wiki/Felicita...
http://www.cafe-pssst.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Diane_We...
Felicitas Schirow Ehemalige Prostituierte, Bordellbetreiberin hat sich bereits als junges Mädchen auf einem Berliner Straßenstrich freiwillig prostituiert, um ihr Gehalt als Krankenschwesterschülerin aufzustocken. 1997 eröffnete Schirow ihren eigenen Bordellbetrieb, das Café Pssst! In Berlin. Als ihrem Bordell-Café 1999 die Schließung drohte, klagte Schirow mit Erfolg. Sie durfte ihr Etablissement offiziell weiter betreiben und legte mit ihrer Klage den Grundstein für das 2002 in Kraft getretene Prostitutionsgesetz.
http://keineprostitution.de.be
https://sites.google.com/site/keinepr...

Felicitas Schirow zu geplanten Änderungen am Prostitutionsgesetz [0:19] 

Veröffentlicht am 09.11.2013 
Prostitutionsgesetz als Thema bei Koalitionsverhandlungen. Ausschnitt vom ARD Nachtmagazin vom 9.11.2013. Felicitas Schirow ist Betreiberin des Café Pssst!

50+-Mama Felicitas Schirow [0:26]

Veröffentlicht am 29.10.2013 
50+-Mama Felicitas Schirow erzählt, wie andere Mütter auf ihre Schwangerschaft durch Eizellspende reagieren.

Dank an S.N. und A. für die Links!

mein Fazit:
Alice Schwarzer hat es geschafft, zu der fortschreitenden Moralisierung öffentlicher Diskussionen beizutragen: Was ich nicht nur in der Diskussion um die Verschärfung der Prostitutionsgesetzgebung wahrnehme, ist die Etikettierung nicht ins moralische Weltbild passender Sichtweisen als unmoralisch und die Diskriminierung der Diskussionsgegner. 

Schon Peter Sloterdijk warf vor wenigen Jahren, als das Mitglied des Bundesbankvorstandes, Thilo Sarrazin wegen seines umstrittenen Buches (»Deutschland schafft sich ab«) in die öffentliche Kritik geriet, Sarrazins Kritikern Opportunismus vor:
„Denken wir an den entlarvenden Vorgang, der sich vor wenigen Wochen anlässlich einiger kantiger Formulierungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin entwickelt hat: Weil er so unvorsichtig war, auf die unleugbar vorhandende Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer Milieus in Berlin hinzuweisen, ging die ganze Szene der deutschen Berufsempörer auf die Barrikaden, um ihm zu signalisieren: Solche Deutlichkeiten sind unerwünscht. Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los.“ [„Ein Käfig voller Feiglinge“, Peter Sloterdijk, Cicero, Datum unbekannt]
Darauf die Reaktion des SPIEGEL:
- Der antiliberale Reflex (Reinhard Mohr, SPON, 27.09.1999)

Prof. Norbert Bolz über Thilo Sarrazin und linke Medien.mp4 {9:59}

Veröffentlicht am 03.11.2010
Norbert Bolz, Professor für Medientheorie Medienwissenschaft Medienberatung diskutiert u.a. mit Ulrike Draesner (Schriftstellerin) über Political Correctness, Peter Sloterdijk, Thilo Sarrazin, linke Medien, Intoleranz und direkter Demokratie.

Für mich ist die Diskussion entlarvend: Die Systemfrage wird nicht gestellt.
Für die Berufswahl von Sexworkern gilt die selbstverständliche Vermutung eines dahinterstehenden Zwangs, dieser Zwang gilt aber nicht für Supermarkt-Verkäufer, Taxifahrer, Call-Center-Mitarbeiter oder Ein-Euro-Jobber, weil dies unser Wirtschaftssystem auf den Prüfstand stellen würde. Und an diesem Punkt verschränken sich die Interessen der Herrschenden und der Beherrschten: Die Herrschenden wollen Macht, die Beherrschten wollen einen Opel… (der Vergleich scheint erst einmal unverständlich, deshalb siehe das kurze Video über die Studenten der 68er-Bewegung, unten in meinem Post »Deutschland hat Merkel verdient oder Wahlkampf im Pädophilie-Gulli« vom 19.09.2013) 

außerdem:
Ich warte auf einen Zeitungsartikel, in dem Alice Schwarzers Art, mit Andersdenkenden umzugehen, auseinandergenommen wird. Für mich ist sie inzwischen zur »Bösen Mutter« geworden: unter dem Deckmantel einer Fürsorge, die sich nicht am Gegenüber ausrichtet sondern an eigenen Vorstellungen, wird Macht ausgeübt. Jeder, der sich diesem Mechanismus nicht unterwirft, wird zum Bösen abgestempelt, der das Gute, was Mutter ihm angedeihen läßt, entwertet. Eine Diskussion wird verunmöglicht, da Mutter grundsätzlich alles besser weiß.

Zum Schluß noch ein Link, zu einem Vortrag von Dr. Sabine Schiffer, Institut für Medienverantwortung:
- Medien und Vorurteile – Schlaglichter auf die Berichterstattung über Prostitution und Prostitutionsmigrantinnen (22.11.2013,  PDF)
Frau Schiffer finden wir übrigens auch in Videos über die Ukraine-Berichterstattung unserer Leitmedien wieder:
- »Deutsche Medien - Dämonisierung Russlands und Idealisierung der USA« und
- »Wohin treiben unsere Medien?« (Ukraine 13 – Unser westliches System, 27.07.2014)

zuletzt aktualisiert am 16.08.2017

Montag, 2. Dezember 2013

PROstitution: Wo bleibt die Kundschaft?

Dieser Post setzt meine Prostitutions-Reihe fort 
(letzter Post vom 22.11.2013: PROstitution, dort weitere Links)

Auf ZEIT-Online findet sich der Artikel eines Freiers:
Wo bleibt die Kundschaft?

Bemerkenswert die Kommentare
Kostproben:

Wir leben im 21. Jahrhundert in Deutschland. Es war noch nie so einfach, Sex zu bekommen, ohne Moralwächter, staatliche und gesellschaftliche Zwänge. Frauen wollen wirklich nicht mehr umbedingt gleich geheiratet werden. Es reicht, sich nicht wie ein Ekelpaket aufzuführen. Aber schon dieser minimale Aufwand ist dem Herrn zuviel. Da zahlt er lieber, damit sie stillhält. Aber er "wertschätzt" Prostituierte, wie edel. [...]  [ don_rumata, 28. November 2013 3:15 Uhr]

Die Frage, warum Sie es nicht schaffen oder nicht wollen, eine Frau zu finden, mit der Sie Sex und Seele in Einklang bringen können (perfekt wird das nie sein), ist Ihre Sache. Nur drüber nachdenken sollten Sie mal. Für Ihre Lust und Zufriedenheit ist Bedingung, über ordentlich Geld zu verfügen. Das ist nicht moralisch gemeint, sondern im Sinne eines erfüllten Lebens. [TDU 28. November 2013 9:32 Uhr]

Das ist ein glatter Artikel, der jedoch nichts wirklich offenlegt. Freier am runden Tisch vertreten nichts anderes als ihre eigene Position. Um diese geht es aber nicht. Die Wurzeln der sg. Sexarbeit sind Herrscher und Sklavinnen. Nach dem Lebensweg der Frauen, der sie bewußt oder unbewußt im Bordell ankommen lässt, fragt auch der Autor nicht. Wann und wie erlebt die/der Betroffene die eigene Ich-Erfahrung? Um einen Traumberuf der Frauen handelt es sich doch eher nicht. [ameliebott 28. November 2013 10:09 Uhr]

Das dürfte reichen: Wer anders ist, ist verkehrt und unmoralisch.

Ein Kommentator empfahl, oben genannten Artikel zu diesem hier parallel zu lesen:
Eine Stunde Tanja (ZEIT vom 21.11.2013)

Zu meinem freudigen Erstaunen wurden die Kommentare mit der Zeit reflektierter. 
Zu meiner Freude hat auch die eloquente Undine de Rivière mitgemischt…

In dem Sexwork-Verein sitzt der kleine privilegierte Anteil derer, die Sex anbieten, plus Freier und Bordellbetreiber*innen. An sich kein Problem und ich würde selbigen auch wünschen, dass sie problemlos ihrer Tätigkeit nachgehen können. Da sie aber, statt einfach für sich zu sprechen, behaupten, für die gesamte Branche zu sprechen und dabei Zwangs-und Armutsprostitution systematisch verharmlosen, haben sie bei mir längst ihren Glaubwürdigkeitskredit verspielt. [Ms Poppins 30. November 2013 13:20 Uhr]

Antwort Undine:
Ich wünschte, meine Welt wäre auch so simpel. 
Mit einem kleinen Klick auf meinen Usernamen rechts oben könnte sich das heilige Mysterium meiner Identität möglicherweise lösen lassen. :) Aber es ist schön, dass Sie wissen, wer in im Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen so alles engagiert ist, warum sich wer in welche Diskussion einbringt, und welche Motivationen wen antreiben. Verschwörungstherorien können ein tolles Hobby sein, zugegeben! [UdR 30. November 2013 15:03 Uhr]


Der Trieb der Freier ist das Glück der Prostituierten Stellen wir uns mal für einen Moment unseren Planeten in einem Paralleluniversum vor, wo es KEINE Prostitution gibt: Nein, NICHT deshalb, weil Prostitution dort verboten wäre und bestraft würde. Oder deshalb, weil dort die Männer sich ganz "anständig-heroisch" ihre sexuellen Bedürfnisse "verkneifen". Sondern einfach deshalb, weil in dieser Parallelwelt von VORNEHEREIN die sexuellen Bedürfnisse des Mannes entweder genauso sind wie in unserer Welt die sexuellen Bedürfnisse der Frau - oder aber die Bedürfnisse der Frau so sind wie in unserer Welt die des Mannes. In beiden Fällen wäre Prostitution, ebenso wie ein Verbot der Prostitution, überflüssig, denn es wäre ja von vorneherein gar nicht erst ein BEDARF danach da. Die Tatsache, dass die sexuellen Bedürfnisse von Frauen und Männern scheinbar so stark divergieren ermöglicht doch den Prostituierten überhaupt erst ihre lukrative Tätigkeit. Ich meine, man kann es doch auch mal andersherum sehen: Wenn NICHT so viele Männer "sexuell ausgehungert" wären, dass sie zu Prostituierten gehen, wenn sie gar nicht erst diesen Drang, hätten (oder zumindest nur in der Intensität wie auch die Frauen) dann würden ebenjene Männer verdammt viel Geld sparen, Geld, welches sie dann für anderes "Männerzeugs" ausgeben könnten: Autos, Motorräder, eine neue Kamera, Urlaubsreisen, vielleicht auch für die Altersvorsorge. Zum Glück der Prostituierten HABEN aber Männer dieses starke Sex-Bedürfnis und so fließt das Geld in die Taschen der Frauen. [Karlmall 30. November 2013 3:53 Uhr]

Wie in der Debatte mehrfach genannt wurde, gibt es keine validen Zahlen. Die einzige wirklich belegte sind ca. 400 Fälle von "Sexueller Ausbeutung" im BKA Bericht. Bei 400.000 Sexarbeiter*innen etwa ein Promille. Ich kann diese Zahlen aus meinem Bekanntenkreis bestätigen. Wir haben mal gezählt, wie viele Sexarbeiter*innen wir kennen, welche wir wirklich ohne Bias ausgewählt haben. Wie viele unsere Sexarbeiter*innen im Bekanntenkreis Kolleginnen kennen und was wir über diese wissen, bzw. von diesen erfahren. Ich kann ihnen leider keine Quellen benennen, weil die Leute anonym bleiben wollen. Aber ich sage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass Juanita Rosina Hennig und Sexworker Deutschland die Situation richtig beschreiben und Frau Schwarzer Gräuelpropaganda verbreitet... [Klarmann1970 30. November 2013 21:00 Uhr]

Laut EU hatten wir 2010 in der EU 9528[1] Opfer von Menschenhandel. Davon entfielen 62%[1] auf Prostituierte (davon wiederum 96%[1] Frauen) Das bedeutet 5907 Prostituierte (inkl der Männer) sind EU-weit Opfer von Menschenhandel. Wenn man den Zahlen von Emma glaubt, sind 95% Zwangsprostituierte, also Opfer von Menschenhandel. Demnach gibt es in der EU 6218 Prostituierte. Das glaubt kein Mensch! Gehen mal davon aus, dass 100% der Zwangsprostituierten der EU in D arbeiten und wir in D um die 400.000 Menschen haben, die mit Sexwork ihr Geld verdienen, sind wir bei einem Schnitt von 1,5%, die Ihren Job unter Zwang erledigen. Dies kommt schon eher den Zahlen nahe, die die Sexworkerinnen nennen. Kann mir jetzt mal bitte jemand glaubhaft mitteilen, warum wir 393.788 Menschen, die freiwillig in der Prostitution arbeiten, nebst deren Kunden kriminalisieren sollen? Nochmals: Jedes Opfer von Menschenhandel ist eines zu viel. Für mich ist die Diskussion hiermit beendet [1] https://twitter.com/Europ...  [W. Guent 2. Dezember 2013 10:55]

Die Grafik habe ich nochmal hochgeladen:



Eine interessante Diskussion, in der recht schnell offenbar wird, wer seine Meinung unbedingt behalten will und wer andere Sichtweisen nicht gelten läßt. Die Menschen sind nicht böse, sie sind auch nicht von vorneherein ignorant. Sie haben Angst. Angst davor, daß die Realität, in der sie leben, sich als eine Anordnung von Kulissen auf einer Theaterbühne erweist. Einer Theaterbühne, die sie selbst ständig aufrechterhalten. Diese Aussicht verunsichert natürlich gewaltig. Die Menschen haben Angst und glauben, sich verteidigen zu müssen. An diesem Punkt treffen sich die subjektiven Bedürfnisse der inzwischen zu einer Gallionsfigur aufgestiegenen Alice Schwarzer und die derjenigen, die um die Aufrechterhaltung ihres moralischen Weltbildes und ihrer »guten« Identität ringen. (siehe »Wir geben ihnen die Macht 1« vom 14. März 2013 und »Realität ist, was wir glauben wollen« vom 29. August 2013)
Wer Angst hat und glaubt, sich verteidigen zu müssen, dessen Fähigkeit zu verstehen ist massiv eingeschränkt, denn Verstehen stellt zwangsläufig in Frage.

Ich zitiere Castaneda:
Um diese Prämisse zu begründen, gab Don Juan sich alle Mühe, mich davon zu überzeugen, daß das, was in meinen Augen die wirklich vorhandene Welt war, nur eine Beschreibung der Welt sei; eine Beschreibung, die mir seit dem Augenblick meiner Geburt eingehämmert worden sei. 

Jeder, der mit einem Kind in Kontakt komme, erklärte er, sei ein Lehrer, der unaufhörlich die Welt erkläre, bis zu dem Augenblick, wo das Kind die Welt so wahrnehmen könne, wie sie ihm erklärt wird. Nach Don Juan haben wir keine Erinnerung an diesen folgenschweren Augenblick, einfach weil wir keinen Bezugsrahmen hatten, in dem wir ihn mit etwas anderem hätten vergleichen können. Doch von diesem Augenblick an ist das Kind ein Mitglied. Es kennt die Beschreibung der Welt; und es erreicht, glaube ich, die volle Mitgliedschaft, wenn es in der Lage ist, alle seine Wahrnehmungen so zu deuten, daß sie mit dieser Beschreibung übereinstimmen und sie dadurch bestätigen. 

Für Don Juan besteht die Wirklichkeit unseres alltäglichen Lebens daher aus einem endlosen Fluß von Wahrnehmungsinterpretationen, welche wir, die Individuen, denen eine bestimmte Mitgliedschaft gemeinsam ist, gemeinsam anzustellen gelernt haben.
Reise nach Ixtlan

und ich zitiere den Dalai Lama:
»Selbst- Losigkeit bedeutet nicht, daß etwas, das es in der Vergangenheit gab, nunmehr nicht-existent wird. Vielmehr ist diese Art von ›Selbst‹ etwas, das nie existiert hat. Die Aufgabe besteht darin, etwas als nicht-existent zu erkennen, das schon immer nicht-existent war.«
zitiert nach Epstein, Gedanken ohne den Denker

Es würde mich freuen, wenn Deutschland den Mut hätte, in der EU einen Sonderweg zu gehen. Die Differenziertheit, die Intelligenz und der Mut der Betroffenen, an die Öffentlichkeit zu gehen, hätten es verdient!

Freitag, 22. November 2013

PROstitution

Vor wenigen Tagen habe ich zwei Posts zum Thema Prostitution gesetzt:
- »Halt die Klappe, Alice!« – Endlich (16.11.2013)
- Ein Gegenüber, das sie ernst nimmt… (18.11.2013)

Bei meinen prostitutionsbezogenen Internet-Recherchen geriet meine korrekte post 68er Männer-Welt ziemlich ins Wanken. (Für die Vernetzung von Subkulturen ist das Internet ja ein Segen!)
Hier einige Links:

- Kommentar zur Gesetzesnovelle zur Bekämpfung des Menschenhandels (auf sexwork Deutschland)
- Gründung des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen (auf sexwork Deutschland)
- Appell FÜR Prostitution (auf sexwork Deutschland)
- »Nur eine Welt ohne Prostitution ist human« (Interview mit Alice Schwarzer auf der WELT-Seite vom 4.11.2013)
- »Alice Schwarzer hat noch nie im Bordell gearbeitet« (Interview mit Undine de Rivière, Pressesprecherin Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen, Süddeutsche Zeitung vom 7.11.2013)  
- »Wir brauchen Rechte« (Interview mit Undine de Rivière, Jungle World vom 7.11.2013)
- Ist Prostitution ein Beruf? (stern.tv vom 13.11.2013)
- So wohl fühlen sich deutsche Sexarbeiterinnen (news.de vom 19.11.2013)
- Prostitution: Kann so ein Job wirklich Spaß machen? (Hamburger Morgenpost am 20.11.2013 über Undine de Rivière)
- »Sind alle Huren Sex-Sklavinnen?« (Streitgespräch zwischen Undine de Rivière und Maria von Weiser in der Hamburger Morgenpost vom 21.11.2013)
- Germany is having second thoughts on legalized prostitution (Japan Times vom 22.11.2013)
- Der Realität ins Auge sehen (Deutscher Frauenrat, 19.11.2013); von dort verlinkt:
- Die Revolution frisst ihre Kinder (Feministisches Institut vom 4.11.2013)
- »Sexarbeit wegen fehlender Perspektiven« (Interview mit Sabine Grenz in der ZEIT vom 25.11.2013) – Dank an S. u. A.
- Sabine Grenz – (Un)heimliche Lust – Die Freier-Studie (C6 Magazin vom 30.12.2005)

- Stärkung der Rechte und Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in der Sexarbeit! (Petition von Undine de Rivière mit Online-Unterschriftenaktion bei change.org)
Dann dürfte es ja nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir Undine in einer Talkshow sehen… 

Auf Undines Blog empfehle ich die Lektüre von 
- In eigener Sache und
- Die Geschichte der U.

Feminismus (Wikipedia)  

Einige Bildschirm-Photos von der Emma-Seite:
Der Appell an die Bundesregierung wurde am 27.10. veröffentlicht
Stolz berichtet die Emma von den Wellen, die durch die politische Landschaft fegen:
Bis Ende November erhält man das Buch zum Appell und 2 Emmas frei Haus für nur 10 statt 25 EUR. Eine gute Marketing-Strategie!


Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Alice tut das ja aus reinem Idealismus!  


Fakten:
»Heutzutage gehen immer noch erstaunlich viele Männer ins Bordell. Das B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut Hamburg hat im Auftrag der Zeitschrift »Brigitte« Daten über den deutschen Mann erhoben. Dabei ergab sich, daß 88 Prozent aller Männer in ihrem Leben mindestens einmal bei einer Prostituierten waren. Vielleicht noch erstaunliche ist eine zweite Zahl: 47 Prozent der deutschen Männer gehen der Studie zufolge einmal im Monat ins Bordell. Die Gewerkschaft ver.di geht davon aus, daß täglich 1,2 Millionen Männer die Dienstleistungen von Prostituierten in Anspruch nehmen.« (Quelle: Ein Mann Buch, Goldmann)

Ich frage: Wieso ist das erstaunlich?
Und bitte nicht bei der Frage hängenbleiben, sondern auch über sie nachdenken!

in diesem Zusammenhang:
- Why have young people in Japan stopped having sex? (The Guardian vom 20.10.2013)




Montag, 18. November 2013

Ein Gegenüber, das sie ernst nimmt…

Nach meinem Post über Alice Schwarzers Gegenwind hatte ich ein Gespräch mit einer ehemaligen Sozialarbeiterin. Zitat: »Ich habe nie eine Prostituierte getroffen, die das gern macht. Es war immer eine Entscheidung aus Not heraus.« Eine andere Frau, die bei dem Gespräch anwesend war, meinte: »Niemand macht sich Gedanken darüber, weshalb die Frauen das machen.«

Aha, sollte Alice denn doch recht haben mit ihrem Statement, daß 90 bis 95 Prozent der Prostituierten dazu gezwungen werden? Was tun? Wo kriegt man belastbare Infos her?

Ich habe eine Freundin angeschrieben, die mit diesem Milieu Kontakt hat, und ich präsentiere – mit Freuden – ihre kernige Antwort:


Meine Einschätzung ist extremst laienhaft.

Doch ich glaube …

a) daß es mehr als 400.000 Sexworker gibt.

b) daß "gern machen" hier der falsche Ansatz ist. Nicht jeder geht gern zur Arbeit. Auch eine Krankenschweseter kann sich nicht aussuchen, wem sie den Arsch abwischen oder den Katheter aus dem Schniedel ziehen muss, auch andere Berufe sind nicht immer sauber oder seelisch auszuhalten. Ich habe mich als Betreuerin in der Psychiatrie genauso prostituiert gefühlt. Und wer bei gleichem Einkommen nicht lieber zu Hause bleiben würde, lügt oft!
Die Frage ist eher, wie viele können das als Job sehen, und warum erwarten wir, daß eine Sexworkerin mit mehr Lust an der Sache ist als ein Fleischereifachfrau?
In so fern glaube ich, daß es viele Frauen gibt, die den Job pragmatisch sehen. Und Pragmatismus war Jahrtausende lang ein veritabler Grund, um eine Ehe mit einem Mann einzugehen. Siehst du worauf ich hinaus will? Ich habe keine Ahnung, wie hoch der Anteil der Frauen es "gern" tun. "Gern tun" kann auch einfach bedeuten: Ich weiß ich kann das, ich mache das gut, ich weiß, wie es geht, und es bereitet mir nicht unbedingt Probleme, und ich bin stolz auf mein selbst erarbeitetes Geld. Ich glaube, den Prozentsatz schätze ich so auf 80%. Bei Lehrern würde ich den deutlich niedriger schätzen.

c) Was heißt Zwang? Durch ’nen Zuhälter oder dadurch Essen auf den Tisch bringen zu müssen, Stromrechnungen zu bezahlen und Kleidung tragen zu können oder gar Kinder ernähren zu müssen! JEDER Mensch ist gezwungen dazu zu arbeiten, bzw. Geld rein zu holen.
Ich glaube auch, daß eine Gesetzeslage und gesellschaftliche Lage, in welcher Frauen freier entscheiden können ob sie bei ALDI an der Kasse sitzen oder als Sexworkerin zu arbeiten, viel Zwang heraus nimmt. Auch den, soweit noch vorhandenen, Zuhältern die Zwangsmöglichkeiten nimmt!
So lange ich als Domina z.B. in 5 Stunden das verdiene, was eine Aldikassiererin in einer Woche verdient, so lange ich dann weder Kinderbetreuung brauche und meine Leistungen in Lack und Leder mehr geschätzt werden als die verächtlichen Blicke, die man bekommt, wenn man 12 Stunden an 5 Tagen die Woche schuftet und den blauen Kittel trägt.. so lange kann und will ich mich für Sexwork entscheiden. Auch das ist Zwang.

d) Wie viele würden gerne von Verkäuferin oder Büroangestellte zu was ganz anderem wechseln? Letztendlich hat jeder Mensch seine Entscheidung, und wenn der Leidensdruck nicht so hoch ist, daß ein Wechsel vorgenommen wird, warum will man ihn dann erzwingen? IN JEDEM JOB KANN MAN TOTUNGLÜCKLICH SEIN!  Der Mensch bevorzugt immer die Gewissheit von Übel vor dem Übel der Ungewissheit.
Was vermutest du, wie viele Psychotherapeuten (ausgenommen von den analfixierten Analytikern) gerne mal ihren Job wechseln würden? Vielleicht zum Fließbandarbeiter, der sich nur drauf konzentrieren muss, angebrannte Kartoffelchips aus zu sortieren?

Lass dich nicht von der Sozialarbeiterin umschubsen. Vor allem nicht, wenn soziale Entrüstung im Spiel ist.

Was nämlich alle gerne vergessen: Prostituierte können denken!  Die brauchen keine Helden und gönnerhaften Frauen die sie retten. Sondern ein Gegenüber, das sie ernst nimmt. Als Mensch.  So wie jeder.



[…]


In diesem Licht fand ich den Artikel ganz lustig…..

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-alkohol-und-drogeneinfluss-a-933799.html


Ich sehe den Zusammenhang in genau dem Misch Masch. In der Einmischung eines väterlichen/mütterlichen Staates/Öffentlichkeit, die uns die freie Entscheidung abspenstig macht und sich anmaßt zu wissen, was gut für jeden ist. Und dieses Bild wird, wie die Amis sagen, mit einem so breiten Pinsel gemalt, daß alle wichtigen Individuen/Einzelheiten verloren gehen.

Wenn ein Staat nicht aushalten kann, daß seine Bürger Individuen sind mit eigener Meinung, dann ist es eine Diktatur.

»Rauch nicht, sauf nicht, prostituier dich nicht, nimm keine Drogen.«

Als Erwachsene möchte ich diese Entscheidung gern selbst treffen. Vor allem wenn die "Mutter"/der "Vater" Staat so inkonsequent ist und manche Vergehen anders bewertet als andere. Besonders auch wenns Lieblingskinder gibt… ;)




Noch Fragen?
Vielen Dank!

Samstag, 16. November 2013

»Halt die Klappe, Alice!« – Endlich

Nach vielen Jahren literarischer Kastrationstätigkeit hat sich Alice Schwarzer nun in der scheinbaren Mitte unserer entmännlichten Gesellschaft niederlassen können. Gern gesehene Talkshow-GästIn schreibt sie inzwischen sogar für die BILD und nimmt auch an Unterhaltungssendungen für die ganze Familie teil. (Bitte keine Forderung nach Quellenangaben!)

Wie lange habe ich mich an der Frau abgekämpft! Schon als Spät-Pubertierender war mir schleierhaft, wie junge Frauen in meiner Umgebung verbal auf männliches Verhalten draufhauen konnten, gleichzeitig aber von James Bond begeistert waren oder mit den schlimmsten Casanovas oder Macho-Arschlöchern in die Federn stiegen oder Beziehungen eingingen. Was war ich verwirrt! Ich tröstete mich mit dem Freud-Spruch: Die große Frage, die ich trotz meines dreißigjährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: 'Was will eine Frau?'. Wie lange habe ich versucht, es Frauen recht zu machen!

Bis ich als Therapeut mit einer Reihe von Patientinnen konfrontiert wurde, denen man es nicht recht machen kann…

Wer meine Blogs verfolgt hat, hat mitbekommen, daß ich gegen Alices ZEIT-Artikel über das Attentat von Winnenden geschrieben habe (Gewalt durch Männer, Gewalt durch Frauen: Im Inneren des Walfischs, vom 11.05.2009), über die Entlassung von Goslars Gleichstellungsbeauftragter Monika Ebeling (Monika Ebeling als Gleichstellungsbeauftrage vom Rat der Stadt Goslar abgewählt, vom 28.5.2011), ich habe über ein Antifeminismustreffen geschrieben (2. Internationales Antifeminismus-Treffen vom 25. Juni 2011, vom 31.5.2011) und Frauengewalt (vom 28.5.2011). Auch habe ich auf einen Kommentar in der ZEIT zu den Kommentaren über die Finanzkrise hingewiesen. (»Natürlich nehmen wir den Mann mit«, Psychoblog-Post vom 22.4.2012)


Vor kurzem nun habe ich beschlossen, auf feministische Artikel nicht mehr einzugehen. Wenn die Frauen und Männer, die solche Artikel schreiben oder lesen, das brauchen (oder zu brauchen glauben), dann ist das so. Dem Ausagieren von Bedürfnissen ist mit vernünftigen Argumenten nicht beizukommen. Nicht nur Sex sells, auch Opfer sells (siehe Niki de Saint Phalle, die vermeintlich ihr ganzes Leben lang den sexuellen Mißbrauch ihres Vaters publikumswirksam verarbeitete), und wenn unsere sich aufgeklärt gebende Gesellschaft etwas von den 68ern gelernt hat, ist das die Fähigkeit, sich moralisch zu empören. Wir sind immer die Guten, und wer da querschießt (Philipp Jenninger, Eva Herman, Thilo Sarrazin), wird abgesägt. Fertig! (Begriffsherkunft Sündenbock bei Wikipedia) Über die Tatsache, daß wir für das Vermeiden fundierter öffentlicher Debatten werden bezahlen müssen, weil wir damit politisch rechten Kräften das Feld überlassen, lasse ich mich nicht weiter aus. (Auch das ist eine Entwicklung, der man sich nicht entgegenstemmen kann. Wir sind gerade dabei, die Zunahme des politische Nationalismus auf der ganzen Welt zu erleben…)



Die sofortige Positionierung von Alice Schwarzer bezüglich der angeblichen Vergewaltigung von »Claudia D.« durch Wetterfrosch Kachelmann und ihr schnell veröffentlichtes Buch (seltsam, einige Links zur Schwarzer-Homepage funktionieren nicht) habe ich ausgehalten, ohne mich in meinem Blog zu Wort zu melden. Auch habe ich nichts über die drohende Verschärfung des Prostitutionsgesetzes geschrieben. Alice Schwarzer hat gelernt, daß sich das Sex-Bäh-Bäh bezahlt macht. In Angela Merkels Zeiten gestaltet Politik nicht, sie läuft der öffentlichen Meinung einfach hinterher. Auch das ist zur Zeit so, und das wird sich auch wieder ändern.

Alice Schwarzer ist nun mal der Meinung, daß Prostitution abgeschafft gehört. Medienwirksam und politisch-selbstkritisch-korrekt lautet der Untertitel ihres Buches »ein deutscher Skandal«. Und 90 deutsche Promis haben sich von Alice bequatschen lassen, politische Korrektheit zu demonstrieren und einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel zu schreiben. (Angie wird natürlich wieder genauso klar Stellung beziehen wie zu Fukushima.) Was an dem Skandal deutsch ist, darüber wird sich Alice in einigen Talkshows, zu denen sie eingeladen werden wird, publikumswirksam auslassen können. (Übrigens entsteht der Skandal hauptsächlich durch die Vermengung von Prostitution und Menschenhandel. Vielleicht forscht irgendwann ja mal jemand über die Ursachen von Prostitution. Und vielleicht hat Alice Schwarzer ja auch einen Rat für geile Behinderte: Wenn Behinderte Lust haben, Christian Maier, ZEIT Online, 07.01.2014) 
Denn viele erwachsene Behinderte haben unerfüllte sexuelle Bedürfnisse. Manche von ihnen grapschen, andere werden traurig oder aggressiv. Doch mit mehrfach Behinderten oder Autisten kann man unmöglich in den Puff gehen. 
[
aus o.g. ZEIT-Artikel]
siehe auch:
- Sex-positiver Feminismus (Wikipedia)
- Annie Sprinkle (Wikipedia)

Was mich erschreckt, ist die Verschärfung der Prostitutionsgesetzgebung in mehreren europäischen Staaten:
- in Schweden wird Prostitution als erzwungene Handlung bzw. geschlechtsspezifische Gewalttat und als ernstes soziales Problem verstanden. Straftatbestand ist „die grobe Verletzung der Integrität einer Frau“. Bestraft wird der Freier. (Quelle: Bundesministerium für Familie usw.)
- Norwegen hat seit 2004 ein ähnliches Gesetz. (Quelle: Menschenhandel heute: »Den Prostituierten hilft das „feministische“ Prostitutionsgesetz am wenigsten«)
- In Frankreich sind seit 60 Jahren die Bordelle geschlossen, die französische Frauenministerin möchte Prostitution ganz abschaffen. Zukünftig sollen die Freier bestraft werden. (Quelle: SPIEGEL)

Daß die Gesellschaft auf einigen Augen blind ist, ist (notwendige?) Tatsache und vorläufig und nicht so schnell veränderbar. Es ist gut wenn wir Schubladen haben, und es ist praktisch, wenn die Anzahl der Schubladen nicht zu groß wird, das behindert den Überblick. Wir bejubeln Menschen wie Frank Ribéry oder Oliver Kahn für ihre sportlichen Einsatz und wollen von der anderen Seite der Medaille nichts wissen. Das Sexualleben von Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn dürfte inzwischen hinlänglich breitgetreten worden sein. Wer stellt sich die Frage, was der Job, den diese Menschen machen, mit diesen Menschen macht oder welches seelische Kostüm jemanden für einen solchen Job prädestiniert? Wenn ich mal Muße habe, schreibe ich einen Post über Valéry Giscard d’Estaing (, dem Affären mit Mireille Darc, Marthe Keller, Lady Di und einer der Frauen von Bokassa nachgesagt werden – ein Cousin soll inzwischen gößter Grundbesitzer der Republik Zentralafrika sein). Und Willy Brand war ebenfalls kein Kostverächter. (Damals hielten die Journalisten noch den Mund.)


Was mich jetzt wirklich freut ist, daß Alice Schwarzer allmählich Gegenwind bekommt:


Podiumsdiskussion mit Alice Schwarzer zum Thema Prostitution  {6:05}

Sissy2004
Am 15.11.2013 veröffentlicht 
14.11.2013
Niederschrift des Diskussionsausschnitts durch Matt Lehmann (Danke!):

Nachdem Sabine Constabel von jungen osteuropäischen Frauen erzählte, von denen die meisten ungebildet seien und von denen viele in Deutschland bereits krank ankämen aufgrund schlechter medizinischer Versorgung in ihren Heimatländern, meldete sich eine bulgarische Sexarbeiterin zu Wort:
„3 Jahre arbeite ich im Laufhaus in Berlin, 4 Jahre vorher Artemis, 6 Jahre in anderem Laden. Ich hab noch nie eine Bulgarin getroffen, welche von sie sprechen, wo sie krank waren. ... 2 Frauen haben Schutz gesucht, die haben [die Polizei kontaktiert]. Wo treffen Sie diese Frauen?“

Bevor Constabel antworten kann, interveniert Alice Schwarzer: „Das ist doch einfach grotesk und dermaßen unglaubwürdig. Also, wir wissen jetzt einfach, 90 bis 95% der Frauen sind in schweren Notlagen und müssen sich... [Zwischenruf: „Wo sind die Zahlen?“]...können und müssen sich in Deutschland unter menschenunwürdigen Umständen prostituieren. Da gibt es anscheinend ein paar Prozent sehr fröhlicher Prostituierter, bitteschön, unbenommen. Wie werden nicht hinter Ihnen herstiefeln und Ihnen das verbieten. So, es gibt hier um ein anderes Problem. Bitte, wer will noch was sagen? Ach so, Entschuldigung. Sabine Constabel wollte etwas...“


Sabine Constabel: „Ich finde, es war ‘ne klare Frage, ich kann drauf antworten. Die Frage war ja wie ich die treffe oder wie ich auf die komm‘. Das ist ziemlich einfach. Also, wir haben Sprachmittlerinnen, Bulgarinnen, und die Bulgarinnen gehen in die Bordelle, die Bulgarinnen machen den Kontakt in die Modellwohnungen, sie sind auf der Straße, sind da ziemlich schnell bekannt unter den Frauen, und das Problem sind immer die Frauen, die nicht Deutsch sprechen oder nicht genügend Deutsch sprechen, und die kommen dann letztendlich über die Sprachmittlerinnen. Die rufen die an, haben die Telefonnummer, und kommen dann so in die Beratung.

Alice Schwarzer: „Okay, der Herr hat sich schon länger gemeldet. Wenn man ihm... Er kämpft sich grad zum Mikro. Da ist er auch schon.“

Tanja Gangarova (Fachreferentin Migration, Deutsche AIDS-Hilfe) „Ja, guten Abend...“


Alice Schwarzer: „Ich würde sagen, noch zwei, drei Fragen, dann...“


Tanja Gangarova: „Also, ich würde nur gerne zwei, drei Kommentare abgeben. Mein Name ist Tanja Gangarova, ich bin Sozialwissenschaftlerin und ich leite die Bereiche Migration und Sexarbeit und Internationales bei dem Bundesverband der deutschen AIDS-Hilfe. Wir sind ein Verband, was mittlerweile aus 130 Organisationen besteht, und im Namen dessen stehe ich heute da, weil wir grundsätzlich den Appell gegen Prostitution ablehnen, und ich sag‘ Ihnen dazu, hier findet auch heute eine ganz gefährliche Vermengung von Sexarbeit und Menschenhandel statt. [Applaus] Aus unserer Sicht kann eine konstruktive Kommunikation erst dann geschehen, wenn [es] eine klare Trennung zwischen diesen zwei Bereichen gibt. Für den Menschenhandel gibt es in Deutschland, nicht nur in der Sexarbeit, auch in jedem anderen gesellschaftlichen Zusammenhang das Strafrecht, und das ist auch gut so. Nicht nur Sexarbeiterinnen, auch Sexarbeiter, denn Sie vergessen das auch noch [Applaus] entscheiden sich selbständig, selbst wenn sie aus prekären Situationen kommen, denn ich komme selber aus Bulgarien, sind sie handelnde Subjekte.“

Alice Schwarzer versucht zu unterbrechen, aber Tanja Gangarova fügt an: „Letzter Kommentar. Ich habe international in diversen Ländern gearbeitet und ich kann Ihnen aus der Präventionsperspektive sagen, dass Verbote und Kriminalisierung haben noch nie dazu geführt, dass es keine Sexarbeit mehr gibt. [Applaus]

Alice Schwarzer: „Wir haben schon verstanden. Frau Constabel möchte...“


Tanja Gangarova: „Ich würde sehr gerne sagen auch etwas zu dem schwedischen Modell, weil das ist alles Quatsch. Das schwedische Modell hat dazu geführt, dass Prostitution nicht mehr sichtbar ist auf der Straße. [Rest nicht hörbar, Gangarova weist darauf hin, dass sich die Situation für Sexarbeiterinnen nicht verbessert hat.] [Tosender Applaus]


Alice Schwarzer:  „Also, ich darf Ihnen sagen, dass die EMMA gerade mit der schwedischen Botschaft im Frühjahr einen Kongress plant, und da lassen wir mal die Leute kommen und werden sie genau befragen, und sie können es berichten.

Auf Unruhe im Publikum reagiert Alice Schwarzer mit der Bemerkung: „Ideologie sticht Realität, ‘ne? Ihr wollt das einfach nicht hören.“ [Gelächter von Schwarzers Gegner_innen, Applaus von ihren Unterstützer_innen] „Ich erlebe das nicht zum ersten Mal.“

siehe auch:
Quatsch, der sich Feminismus nennt (der Freitag, 23.07.2014) 
Debatten Am angeblichen Genderwahn, dem Binnen-I oder der Sichtweise auf Geschlecht als soziales Konstrukt arbeiten sich Feuilletonisten und Kolumnisten gern ab. 
Prostitution – Tun Sexarbeiterinnen ihre Arbeit gern? (Feuilleton der FAZ vom 19.11.2013) 

Sex für Menschen mit Behinderungen (2018) Sexualbegleitung {29:01}

Lieber Medizin
Am 02.09.2018 veröffentlicht 

Text: Youtube

Alice Schwarzer sieht Rot (neues deutschland vom 16.11.2013) 
- Eine Feministin auf Abwegen – "Halt die Klappe, Alice!" (n-tv vom 15.11.2013) 
- Anti-Prostitution-Debatte: Brüllen und blitzen gegen Alice (SPIEGEL-Online vom 15.11.2013) 
»Natürlich nehmen wir den Mann mit.« (Post, 22.04.2012)



Wie entwertend Alice Schwarzer mit Menschen, die eine andere Meinung haben, umgeht (und wie souverän Esther Vilar das nimmt), sieht man hier an einem Video aus dem Jahr 1975.

ALICE SCHWARZER vs. ESTHER VILAR | Die ganze Sendung! {42:41}


FMD's TV-Channel
Am 16.01.2014 veröffentlicht 
Im Februar 1975 strahlte das WDR Fernsehen ein unmoderiertes Streitgespräch zwischen Alice Schwarzer (Journalistin und Publizistin) und Esther Vilar (Autorin) aus, welches darauf in den Massenmedien ausführlich kommentiert wurde. Vilar hatte in ihrem Buch "Der dressierte Mann" mit der These provoziert, dass nicht die Frau durch den Mann unterdrückt werde, sondern umgekehrt der Mann durch die Frau. Das Buch war in feministischen Kreisen sehr umstritten, da es, so die Meinung der Kritikerinnen, sexistische Vorurteile weiterverbreite. Schwarzer erklärte unter anderem, Vilar sei zynisch, eine Verräterin am eigenen Geschlecht und "nicht nur Sexistin, sondern Faschistin". In dieser Auseinandersetzung hob Alice Schwarzer nachdrücklich hervor, dass das Ziel des feministischen Kampfes keineswegs eine Angleichung an die männliche Lebensform sei.
Original-Titel der Sendung 1975:
"ALICE KONTRA ESTHER - EIN STREITGESPRÄCH ZWISCHEN ESTHER VILAR und ALICE SCHWARZER"
"Nicht unsere Integrierung ist wünschenswert, nicht die Vermännlichung der Frauen, sondern die Vermenschlichung der Geschlechter."
- Alice Schwarzer (1975)
"Die Frauen können wählen, und das ist es, was sie den Männern so unendlich überlegen macht: Jede von ihnen hat die Wahl zwischen der Lebensform eines Mannes und der eines dummen, parasitären Luxusgeschöpfes - und so gut wie jede wählt für sich die zweite Möglichkeit. Der Mann hat diese Wahl nicht."
- Esther Vilar ("Der dressierte Mann", 1971)
Infos zu Alice Schwarzer: http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Sc...
Infos zu Esther Vilar: http://de.wikipedia.org/wiki/Esther_V...


zuletzt aktualisiert am 05.08.2020