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Freitag, 13. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 13. Juni 2014

- Angst vor dem „Penis im Mund": Bayern verbietet Missbrauchsstudie "Mikado" (Huffington Post, 12.06.2014)
Hamburg macht mit, Nordrhein-Westfalen auch. Aber Bayern weigert sich. Der Freistaat möchte seine Schüler nicht über sexuellen Missbrauch befragen lassen.

- Lebensmittel-Skandal in Großbritannien: Was Aldi, Tesco und Walmart mit Sklavenarbeit zu tun haben (Huffington Post, 12.06.2014)
Heftige Vorwürfe gegen die Lebensmittelhändler Aldi, Walmart und Tesco: Angeblich haben die Unternehmen in Großbritannien mit einem Zulieferer zusammengearbeitet, dessen Lieferanten Mitarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen beschäftigt. Sogar von Folter, Sklaverei und Hinrichtungen ist die Rede.

- Google-Panne: IT-Experte deckt riesige Sicherheitslücke in Gmail auf (Huffington Post, 12.06.2014)
Ein israelischer Forscher hat eine enorme Sicherheitslücke von Gmail, Googles Maildienst, aufgedeckt. Demnach sei es bis vor kurzem möglich gewesen, die E-Mail-Adressen aller Gmail-User zu klauen, berichtet das Tech-Portal "Wired".

- Diese 10 Lebensmittelkonzerne haben Sie völlig in der Hand (Huffington Post, 12.06.2014
Die Lebensmittelkonzerne sind mächtig, das ist nichts Neues. Doch wie mächtig sie sind, ist für den normalen Bürger oft schleierhaft. Was er oftmals gar nicht weiß: Über Kooperationen wie Joint Ventures, Beteiligungen und Spin-Offs sind die unterschiedlichen Marken verwoben, vermeintlich unterschiedliche Firmen gehören oft zu den gleichen Imperien. 
 lebensmittelkonzerne
 
- Zu viel des Guten (brand eins, 06/2014)
Die Welt wird reicher. 
Nicht allen geht es besser. 
Aber vielen. 
Wer profitiert, weiß der Statistiker Branko Milanović.

- IT-Business – EU ermittelt gegen Mitgliedstaaten wegen Steuerabsprachen mit Apple (ZDNet, 12.06.2014)
Die Europäische Kommission hat ein formelles Prüfverfahren gegen Irland, die Niederlande und Luxemburg eingeleitet. Sie will herausfinden, ob Absprachen zwischen den Steuerbehörden der Länder und Apple, Starbucks und Fiat Finance and Trade über die zu entrichtende Körperschaftssteuer im Einklang stehen mit den EU-Vorschriften zu staatlichen Beihilfen.

- News – Microsoft kämpft gegen Zugriff von US-Behörden auf in Irland gespeicherte Daten (ZDNet, 11.06.2014)
Microsoft wehrt sich gegen einen US-Durchsuchungsbefehl, mit dem Behörden Zugriff auf in Irland gespeicherte Daten des Konzerns erwirken wollen. Die Washington Post hat jetzt die Einwände des Konzerns veröffentlicht, der eine Kundenflucht zu anderen Cloud-Dienstleistern fürchtet.

- Israel bleibt stur (junge Welt, 11.06.2014)
Gegen palästinensische Regierung der nationalen Einheit: Regierung kündigt weiteren Siedlungsbau im Westjordanland an. Knesset wählt neuen Präsidenten 
Nach langwierigen Verhandlungen haben die palästinensischen Organisationen Fatah und Hamas eine Regierung der nationalen Einheit gebildet, die Anfang Juni vereidigt wurde. Die beiden Organisationen waren seit 2007 tief verfeindet, nachdem im Gazastreifen eine Geheimdienstoperation der Fatah durch Hamas vereitelt worden war. Hamas hatte daraufhin im gesamten Gazastreifen die Kontrolle übernommen. Israel hatte als Reaktion dessen Belagerung verschärft, die bis heute andauert. Sowohl Fatah als auch Hamas haben in den vergangenen Monaten schwere finanzielle Probleme gehabt, da ihre jeweiligen Geldgeber die Zahlungen verringert oder eingestellt hatten. Israel hielt Steuergelder, die es für die palästinensische Autonomiebehörde als Besatzungsmacht einsammeln muß, zurück. Infolge dieser israelischen Politik liegt die palästinensische Ökonomie am Boden.

- US-Geostrategie und deutsche Souveränität: Ein heißes Eisen (zeitgeist online, 14.12.2013)
In der aktuellen Souveränitätsdebatte wird der Einfluss transatlantischer Netzwerke völlig unterschätzt, erklärt Friederike Beck, Autorin des Guttenberg-Dossiers. Dabei spielten gerade sie eine entscheidende Rolle, steuerten sie doch seit 1945 bis heute die außenpolitische Ausrichtung Deutschlands. Im Beitrag hat sie wesentliche Fakten zusammengetragen. (mehr von Friederike Beck, siehe auch »Das Guttenberg-Dossier«) 

DVD Trailer - Mini Max (USA, 1965-1970) [1:19]
 

- Am Rande des NSA-Spähskandals: Neuer Nationenbund ohne US-Dominanz gefordert (zeitgeist online, 29.10.2013)
„Wie Amerika seine Freunde demütigt“, titelte der Focus nach der jüngsten Abhöraffäre um das deutsche Kanzler-Handy. Die Berliner Zeitung war am Tag zuvor deutlicher und schrieb: „Obama unter Lügen-Verdacht“. Die Betroffene hingegen, Frau Merkel, verhält sich still nach ihrem ersten Beschwerdeanruf beim US-Präsidenten. Dabei hätte sie gerade jetzt beste Karten, Flagge zu zeigen und dem ganzen Überwachungswahn ein entschiedenes Stopp entgegenzuhalten. Sie stünde damit nicht allein. Längst bekennen andere Staaten ihren Unmut ob der Arroganz der US-Dienste. Und dabei geht es nicht mehr nur um unberechtigten Zugriff auf fremde Daten. 

Get Smart (Season 1) tribute of best moments (HQ) [9:10]


Ein Jahr Snowden: Die sabotierte Aufklärung (Blätter für deutsche und internationale Politik, 6/2014)
Am 6. Juni liegen die ersten Enthüllungen der NSA-Totalüberwachung genau ein Jahr zurück. Seitdem verging kaum eine Woche ohne neue Meldungen über die Ausspähaktionen westlicher Geheimdienste. Inzwischen wissen wir, dass allen voran der US-amerikanische Militärgeheimdienst NSA und das britische GCHQ weltweit nahezu die gesamte elektronische Kommunikation ausspionieren. Nie zuvor in der Geschichte hat es einen derart umfangreichen und systematischen Angriff auf die Privatsphäre gegeben. 
 Das eigentlich Überraschende aber ist, dass dieser Angriff bislang keine nennenswerten politischen Folgen gezeitigt hat – weder in den USA noch in der EU. Und auch die Bundesregierung hat von Anfang an eine Strategie des Verschleppens betrieben. Daran hat sich bis heute, trotz eines Wechsels des „kleineren“ Koalitionspartners, nichts geändert.

Good Will Hunting - Warum nicht für die NSA arbeiten? [2:31]


- Von Oshos kahlen Krämpflingen (Neues aus der Hammelburg, 04.04.2014)
Dieser Osho hatte wirklich ein Rad ab. Mindestens eins. 

OSHO I Wonder If This Could Be Love2 [2:10]


- Macht ohne Rechenschaft: Der globale Lobbyismus (Blätter für deutsche und internationale Politik, 6/2014)
Es gibt Formen der Macht, die keinerlei Rechenschaftspflicht unterliegen, über deren Aktivitäten niemandem Bericht erstattet werden muss und die schwer zu durchschauen sind. Aus diesem Grund fällt es ebenso schwer, ihnen entgegenzuwirken. Weil diese illegitime Macht oft unterschwellig daherkommt, ist sie schwer zu greifen. Sie heißt nicht „Macht“, resultiert nicht aus förmlichen Beschlüssen und wird von denen, die sich ihr – wissentlich oder nicht – unterwerfen, häufig gar nicht als Unterdrückung wahrgenommen. Die illegitime Macht, von der ich hier spreche, meint nicht Tyranneien, Diktaturen, autoritäre Einparteiensysteme, afrikanische Statthalter oder dergleichen. Im Folgenden geht es um die Macht der ganz großen Konzerne, wobei ich, dem Sprachgebrauch der Vereinten Nationen folgend, die Bezeichnung „transnationale Konzerne” oder TNC der Rede von „multinationalen” Konzernen oder „Multis” (MNC) vorziehe. 
Die Liste der Beispiele für illegitime Machtausübung wächst unaufhörlich und könnte viel länger ausfallen als im vorliegenden Artikel. Nichtsdestotrotz hoffe ich veranschaulichen zu können, dass und wie illegitime Konzernmacht mittlerweile auf jeder Ebene der Regierungstätigkeit zunehmend Platz greift, die internationale Sphäre eingeschlossen; dass sie der Demokratie schweren Schaden zufügt und unsere Länder, unseren Lebensalltag verändert, ganz besonders, wenn wir in westlichen Demokratien leben.[1]

- Die Idee des Westens: Vision und Realität (Blätter für deutsche und internationale Politik, 6/2014)
Die Krise in der Ukraine eskaliert derzeit nicht nur geographisch, sondern auch ideologisch – und zwar auch in unseren Breiten. Im 25. Jahr nach der Zeitenwende von 1989 werden wieder die alten Gräben bezogen: auf der einen Seite die Apologeten der Nato, die in erstaunlichem Kurzschluss den Westen mit dem transatlantischen Verteidigungsbündnis gleichsetzen; auf der anderen Seite ein Teil der Linken, der am liebsten mit der Kritik an Nato und Kapitalismus auch den Westen in Gänze beerdigen würde. 
Die größte Gefahr besteht somit darin, dass zwischen den beiden Kontrahenten auch die „Idee des Westens“ zerrieben wird – nämlich der Anspruch auf universelle Gültigkeit von Demokratie und Menschenrechten. Wie aber funktioniert das fatale Zusammenspiel der beiden Lager genau? 

The Mouse that Roared TRailer [2:24]


Pharma – Gefälschte Studien: Novartis-Mitarbeiter in Japan verhaftet (Deutsche Wirtschaft Nachrichten, 11.06.2014)
Ein früherer Mitarbeiter des Schweizer Pharmakonzerns Novartis soll Studien über das Herzmittel Diovan gefälscht haben. Jetzt wurde der Japaner wegen Datenmanipulation verhaftet. Zweifel an der Wirksamkeit des Medikaments werden lauter.

TRAILER Immer wenn er Pillen nahm [1:16]


- Die Zweckehe des Kremls mit den europäischen Rechtsextremen (de.indymedia.org, 06.06.2014)
Putins Kraftmeierei in der Ostukraine und seine “moralische, familienorientierte” Politik haben ihm die glühende Unterstützung der europäischen Rechtsextremen gewonnen. Aber sie sollten sich keine Illusionen machen… 
Für seinen massiven Informationskrieg gegen die Euromaidan-Proteste und die daraus folgende Revolution, die zum Sturz des autoritären Regimes des pro-russischen Viktor Janukowitschs führte, mobilisierte der Kreml vermutlich alle seine Lobby-Netzwerke im Westen. Dabei zeigte sich, was Experten schon lange vermutet hatten, nämlich, dass die heutigen europäischen rechtsextremen Parteien und Organisationen die eifrigsten Anhänger der politischen Agenda Putins sind. (Quelle: opendemocracy.net, 28.4.2014; Übersetzung aus dem Englischen)

- Putin: EU ist nicht souverän und die USA lügen (Alles Schall und Rauch, 06.06.2014)
Im Vorfeld seiner Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in Frankreich, hat Präsident Wladimir Putin die Fragen der Journalisten des französische TV-Sender Europe 1 und TF1 beantwortet 

Putin: EU ist nicht souverän + USA lügen [5:18]


- Justiz-Reform – Was Mord ist, muss neu formuliert werden (Welt, 12.06.2014)
Justizminister Heiko Maas wagt sich an eine Jahrhundert-Reform: Die Strafrechts-Paragrafen zu Mord und Totschlag aus der Zeit des Nationalsozialismus sollen endlich neu formuliert werden.

- … eine Seele, ein geistiges Prinzip (Die Gazette, Nr. 41) 
Warum fühlen wir uns als Deutsche, als Schweizer, als Österreicher? Und nicht – oder zumindest noch nicht – vor allem als Europäer? Wer in die Geschichte der „Nation“ eintaucht, landet unweigerlich bei Ernest Renan. Auch, weil er im Jahr 1882 die „europäische Konföderation“ vorausgesagt hat.

- Nicht nur ein Wort (Die Gazette, Nr. 41
Recht auf Heimat. Es wird immer wieder gefordert, lauthals etwa von dem ebenso streitbaren wie umstrittenen Völkerrechtler Alfred-Maurice de Zayas. Nur: Was ist denn eigentlich Heimat? Was steckt hinter dem Wort, das in andere Sprachen zu übersetzen gar nicht so einfach ist?

Samstag, 7. März 2009

Faschismus und Spiritualität

Damals, als ich in Gießen studierte, gab es da eine recht eindrucksvolle Sannyas-Szene. Viele Lehramts-Studenten, viele im Referendariat. Und – wie das bei uns Menschen nun mal so ist – es gab auch den sogenannten Gruppendruck. Gruppendruck halt auf rot mit Mala und auf dem Weg zur Erleuchtung. Der Weg ist halt das Ziel. Auch wenn es rot ist. Und das Referendariat war kein Zuckerschlecken. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre, waren sie noch nie. Auch zur Zeit, als es noch keine Globalisierung und keine Bankenkrise gab. Und, um es in dem damaligen Sannyas-Slang auszudrücken: die auf dem Weg zur Erleuchtung befindlichen roten Referendare »dropten« reihenweise. Der Weg in die Bürgerlichkeit stand halt im Widerspruch zum Weg zur Erleuchtung, jedenfalls sah das damals ganz so aus. Damals gab es auch Stempel auf den Briefen aus Poona. (Ganz so, wie ich keine Lust habe, die Rechtschreibreform mitzumachen, habe ich auch keine Lust, die neue Schreibweise »Pune« mitzumachen. Aufs mitmachen hatte ich noch nie viel Lust. Wahrscheinlich bin ich da nicht besser als viele andere, die versuchen irgendwelchen Bildern, die sie im Kopf haben, zu entkommen.) Simmt: Die Briefe kamen inzwischen aus Oregon, von der Ranch. Und diese Stempel auf den Briefen sagten »Let Go«, und waren so, daß man es auch als »Let Go Ego« lesen konnte. Und wie man das Ego loslassen konnte, jedenfalls in der Ansicht der vielen Roten, die keine Ahnung aber umso mehr Meinungen davon hatten, was sie sich unter Erleuchtung vorzustellen hatten (zur Rechten eines nicht existierenden Gottes zu sitzen, der der Scheiße, die hier ablief, einfach zu sah, war halt nicht besonders attraktiv), also nach Meinung der Roten war es der spirituellen Entwicklung förderlich, wenn man möglichst viele Sachen losließ oder dropte: Haus, Lebensgefährte, Ausbildung bzw. Beruf. Und in dieser Gießener Sannyas-Gruppe war man halt angesehen, wenn man alles mögliche dropte.

Ich war damals in der Sannays-Szene nicht besonders angesehen. Weil, einerseits kam ich mit dem Studium nicht gut zurecht, andererseits war ich für meine Studienkommilitonen ein absoluter Exot (um es gelinde auszudrücken) und zuguterletzt hielt ich als gut dressiertes Bürgersöhnchen auch noch an diesem Studium, unter dem ich so litt, auch noch fest, als alle um mich herum dropten. Und wenn dann nach dem neusten World-Festivel sämtliche Sannyas-Center auf der Welt für etwa einen Monat funktionsunfähig waren, weil mal wieder alle möglichen Leute neue Liebhaber gefunden hatten, mit denen sie zusammenleben wollten und alle möglichen Leute mit Trennungsschmerz und Umzug beschäftig waren und in allen Sannyas-Centern auf der Erde die Waschmaschinen rauchten, weil es neue Color-Cards mit den neuen angesagten Rot-Tönen gab und alle sich die Kleider umfärbten, saß ich in meinem Stübchen und büffelte und litt vor mich hin. Wie Danny Glover in »Lethal Weapon« »zu alt für den Scheiß’« war, hatte ich dafür einfach keine Zeit.

Und weil die Gießener Commune langsam den Bach runter ging – das vegetarische Restaurant lief nicht, die Osho-Disco in einer ehemaligen Schwulenkneipe war einfach zu klein, und das Investitionsrisiko für eine größere Räumlichkeit zu groß – und man dann trotzdem noch irgendwie in Kontakt mit der großen Gemeinde der auf dem roten Weg zur Erleuchtung sich befindlichen bleiben wollten, fuhren viele Gießener ab und zu zu Treffen nach Wiesbaden in eine große Sannyas-Disco, in der man dann regelmäßig die aktuellsten Meldungen von der Ranch zu hören bekam.

Alle wußten, daß die Ranch in Schwierigkeiten war, auch in politischen Schwierigkeiten. Die Rednecks konnten mit diesen Roten, die in the middle of nowhere eine riesige Kommune aus dem Boden stampften, nichts anfangen, im Gegenteil: sie waren ihnen äußerst suspekt.

Und Sheela, die schon seit Jahren die Organisation der Kummune in Händen hielt – nach Oshos Worten blicken Frauen im Leben einfach besser durch (und ich glaube, er hat sich immer die richtigen Leute ausgesucht) – war auf den Gedankan gekommen, die Umstände, unter denen die dortigen Kommunalwahlen stattfanden, zu ihren Gunsten zu verändern, indem man unter dem Deckmantel der Fürsorglichkeit Obdachlose aus ganz Nordamerika auf die Ranch einlud und so die Zahl der Stimmberechtigten drastisch erhöhen konnte. Mir war sofort klar, um was es ging, aber zu der damaligen Zeit gab es noch einen anderen Gruppendruck: außer »fallenlassen« ging es auch um »surrender«. Eine Art spiritueller Weichmacher für dieses starrsinnige Ego, das an einem klebte wie die Fliege auf der Scheiße und am Erleuchtet-Werden hinderte. Und wenn man den Meister wirklich liebte, dann gab man sich auch hin. Was Hingabe war, war auch nicht so ganz klar. (Für viele bedeutete es Selbstaufgabe.) 1983 in Alpbach auf dem Kongreß »Andere Wirklichkeiten« saß die »Botschafterin« Oshos für Europa, Ma Latifa – ich habe mir das von jemandem erzählen lassen, war also selbst nicht dabei – mit einigen Vortragenden – ich glaube, es handelte sich um Rupert Sheldrake und Morris Berman – abends beim Bier und entblödete sich nicht, den Anwesenden zu eröffnen, diese ganzen Diskussionen, wie irgendwas zu sehen und zu verstehen sei, habe sie eingestellt, ihren »Mind« habe sie schon vor ein paar Jahren weggeschmissen. (Ma Latifa war auch mit dafür verantwortlich, daß sich die Sannyasins auf diesem Kongreß bis auf die Knochen blamierten, aber das ist eine andere Geschichte.) Und genauso wie die »Mamas« (so wurden die Sannyas-Frauen in Führungspositionen genannt) ihre »Minds« wegschmissen, so schmissen auf dem Weg zur roten Erleuchtung auch viele Sannyasins ihre Verantwortung weg, ihr kritisches Denken und ihre Fähigkeiten, einen einmal eingeschlagenen Weg trotz aller Widrigkeiten fortzusetzen. Surrender und Dropen waren Freifahrtscheine fürs Vermeiden von Unannehmlichkeiten und erlaubten die graue Masse oberhalb der Nasenwurzel mit gutem Gewissen abzuschalten.

Wie gesagt, wir Gießener Unerschütterlichen, die noch Kontakt zur großen roten Karawane aufrechtzuerhalten versuchten, machten uns also alle paar Wochen auf nach Wiesbaden ins dortige Center. Und bei einer dieser Veranstaltungen im Herbst 1984 bekamen dann etwa 500 Rotgewandete von jemandem, der gerade von der Ranch zurückgekommen war, mit glänzenden Augen erzählt, uns Sannyasins ginge es ja jetzt gut, und wir würden nun im Rahmen des »Share a Home«-Programmes die Obdachlosen aus der ganzen USA auf die Ranch rufen, um ihnen sie Errungenschaften der Roten Gemeinde zukommen zu lassen. Als jemand aus dem Publikum fragte, wie denn das mit den bevorstehenden Kommunalwahlen sei und daß in der deutschen Presse sehr wohl Überlegungen angestellt würden, daß es eine seltsame Koinzidenz gebe von »Share a Home« und Kommunalwahlen, und wie sich denn die Ranch zu diesen Überlegungen und Verdächtigungen in der Presse stellen würde (ich freute mich, und dachte: endlich fragt hier mal einer kritisch nach), schlug die wohlig warme Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb-Stimmung plötzlich um. Um es kurz zu machen: Der Frager wurde vor versammelter Mannschaft ordentlich rund gemacht, er habe ja schon seit Jahren Schwierigkeiten zu Surrendern und mit seinem Mindfuck solle er doch die anderen nicht durcheinandermachen, und er solle doch jetzt einfach mal endlich vertrauen. Und in diesem Moment fragte ich mich, was ich da verloren hatte. War ich jetzt nach Poona gefahren, hatte zweifelnd an meinem Medizinstudium festgehalten und meinen größten Meister aller Zeiten mit seinen Ideen allen Nicht-Durchblickern mehr oder (meist) weniger geduldig erklärt und war dafür mit der Aura des Bekloppten belohnt worden, um mir nun in einer roten Faschisten-Gemeinde die Segnungen irgendwelcher größenwahnsinnigen Mamas vor Erleuchtungs-Seligkeit besoffen reinzutun und das Maul zu halten, wenn jemand da einfach fertiggemacht wurde? Was unterschied denn dann uns Rote von irgendwelchen anderen Gruppierungen? – Und das war für lange Jahre mein letzter Kontakt mit einer größeren Anzahl von Sannyasins. Ob die Faschisten rot, schwarz oder braun sind, damit wollte und will ich nichts zu tun haben.

Osho hat mal gesagt, wir Deutschen könnten froh sein, Hitler gehabt zu haben. Und hat, wie so oft, damit in ein Wespennest gestochen. In unserer deutschen – vielleicht auch westlichen – Pressekultur gibt es ja auch einen Gruppendruck: Kein Statement darf über die Länge einer Bildzeitungsschlagzeile hinausgehen, und wer das, was er sagt, so formuliert, daß jemand, der weniger als 20 Sekunden lang drüber nachdenkt, es mißverstehen kann, der ist verkehrt. Und die Presse fiel dann einmütig über diesen indischen Sex-Guru her und meinte, Osho habe damit sagen wollen, er finde Hitler gut. Was Osho meinte, war, daß wir Deutschen, die wir auf Hitler reingefallen sind, so viel Scheiße gebaut haben, daß die Schuld und die Scham darüber so groß ist, daß die Wahrscheinlichkeit, daß wir sowas in den nächsten Tausend Jahren nochmal tun, ziemlich gering ist. Wir Deutschen sind für sowas nach Hitler sensibilisiert. Deshalb auch die Proteste gegen die deutsche Wiederbewaffnung in den Fünzigern (Gustav Heinemann, späterer Bundespräsident und Mitbegründer der CDU trat 1952 aus Protest aus seiner Partei aus und in die SPD ein). Und genauso, wie wir Deutschen froh sein können, daß wir mit der Scham und der Schuld über Hitler nun gezwungen sind, wach zu bleiben, genauso kann sich die christliche Kirche über die Hexenverfolgung freuen. Auch die hat das Augenöffnen erzwungen. Wie schwierig es ist – und wir Deutschen haben das ja gewiß nicht freiwillig getan (das Mitscherlich-Buch über die Unfähigkeit zu Trauern wurde nicht umsonst geschrieben) – der eigenen Schuld ins Auge zu blicken, sehen wir an der Art, wie die Franzosen mit ihrem Napoleon und ihrer Kolonialgeschichte umgehen, die Russen mit Stalin, die Türken mit ihrem Genozid an den Armeniern und die Amis mit Bush (da wird ja hoffentlich noch einiges kommen).

Für mich ist Osho der einzige Meister, der noch zu Lebzeiten seinen Schülern die Möglichkeit gegeben hat, in die Scheiße zu springen – und wie auch hochintelligente Leute das mitmachen, haben wir auf der Ranch gesehen. Und da im offiziellen Sannyas-Diskurs darüber kaum geredet wird, ist Satyanandas Artikel mal wieder eine Wohltat. Aus Dummheiten lernen wir, und je größer die Dummheit, desto größer die Möglichkeit, für sich da was rauszuziehen. Das erzeugt unter anderem auch Demut. Viel effektiver, als wenn das nur auf einem Stück Papier steht und man sich wieder bauchpinseln kann, wie sanft man sein Ego, wenn man’s schon nicht loswerden kann, wieder hingebogen hat. Und weil der Alte den Mut hatte, seine ganze Community – und auch sich selbst – dermaßen vor den Augen der Weltöffentlichkeit bloßzustellen, unter anderem deshalb ist er für mich der Größte.

So jemand wie Ma Latifa wird auf absehbare Zeit in der Sannyas-Szene keinen Boden unter die Füße mehr kriegen, und egal, wie weh es getan hat, zu sehen, wie sich die Roten unsterblich blamieren, ich glaube, besser kann man nicht lernen. Ich jedenfalls habe nie mehr wieder jemandem begreiflich zu machen versucht, daß es nichts besseres gibt als Sannyas. Ich habe viele Leute auf dem spirituellen Weg getroffen, die meisten haben einen ziemlich kleinen Geist, egal wie sie ihn anstreichen, und ich habe viele Leute getroffen, die ich richtig klasse finde, und es ist mir völlig egal zu wem sie beten und welche Lieder sie singen. Ich habe ziemlich viel verloren auf dem Weg, wo ich doch hoffte viel zu gewinnen, aber von den Dingen, die ich verloren habe, hat sich häufig herausgestellt, daß der Schmerz des Verlustes es wert war. Es hat nur häufig ziemlich lange gebraucht, bis ich es merkte und mir eingestehen konnte. Und wie diese Sannyas-Dinosaurier über die Dummheiten ihrer Jugend reden, ist sehr erfrischend. Manches lernen wir spät und manches nie, das liegt in unserer Natur und in der Natur der Dinge. Und wenn wir das begreifen, dann haben wir was wichtiges gelernt auf unserem Weg, egal, was der für eine Farbe hat. Holz hacken, Wasser tragen, erleuchtet werden, holz hacken wasser tragen…

Mittwoch, 4. März 2009

Von den guten alten Zeiten

"Geldgeschäfte auf den Finanzmärkten werden von psychischen Stromstößen beherrscht: Gier, Wunschdenken, Eitelkeit, Neid, Minderwertigkeitskomplexe, Egomanie, Misstrauen und vor allem – Angst. Deshalb finde ich das Börsenspiel so interessant. Es spiegelt die menschliche Natur wider und du kannst deine eigenen psychischen Impulse beobachten."



Klartext

Und was ist aus der Erleuchtung geworden?

Ein Kamingespräch über das ferne Nirvana

von Satyananda

Neulich hatten wir Besuch von Freunden aus alten Zeiten. Mit den alten Zeiten verbinde ich vor allem Erinnerungen an Pune 1 und an die Ranch in Oregon. Lang, lang ist’s her! Und doch sind die Erinnerungen so frisch. Wenn ich Freunde aus dieser Zeit wiedersehe, bin ich erst mal verblüfft: Wie schnell wir uns verändert haben – dreißig Jahre sind nicht spurlos an uns vorübergegangen!
Devi zum Beispiel war gerade mal zwanzig Jahre alt, als wir uns in Pune begegneten. Hübsch, knackig und lustig, war sie besessen von der Idee, erleuchtet zu werden. So stürzte sie sich hoch motiviert und furchtlos in eine Selbsterfahrungsgruppe nach der anderen.
Jetzt saß sie mit uns vor dem Kamin, eine reife Frau mit interessanten Fältchen im Gesicht und grauen Strähnen im Haar. Als ich sie fragte, womit sie ihr Geld verdient, sagte sie lachend: „Ich versuche, Manager wieder aufzurichten, die in der Finanzkrise ihren Halt verloren haben.“ Coaching nennt man das heutzutage.

Was ist aus ihnen geworden?
Auch Khoji ist kaum wiederzuerkennen. Als ich ihn zum ersten Mal traf, erschien er mir in seinem langen roten Kleid wie eine biblische Gestalt. Schlank, hochgewachsen, schulterlanges dunkles Haar, wallender Bart, sanfte Bewegungen, strahlender Blick aus hellblauen Augen … Er war mit einem VW-Bus aus Deutschland nach Pune gekommen – ein Hippie mit Gitarre, Hasch-Pfeife und einer wunderschönen Freundin, die aber schon bald in den Armen eines Group-Leaders landete.
Dreißig Jahre später ist Khoji ein erfolgreicher Macher in der IT-Branche, immer noch schlank, aber ohne Bart. Verheiratet mit einer Ärztin, hat er drei Kinder, spielt Golf und Tennis und engagiert sich für ein Hilfsprojekt in Afrika.
Wir tranken Tee und unterhielten uns über andere Veteranen aus alten Sannyas-Zeiten. Was ist eigentlich aus Astha geworden? Und aus Rammurti? Und aus Chaitanya Hari? Während wir über sie sprachen, tauchten wir ein in die Welt, die Osho damals für uns hervorgezaubert hatte – eine Welt der Hingabe, der Ekstase, der schmerzvollen Begegnungen mit uns selbst und unserem Ego, der spirituellen Höhenflüge und der seelischen Abstürze. Es war eine wunderbar romantische Welt. Während Osho seine lectures hielt und wir ihm in stiller Versenkung lauschten, tobten mitunter Affen-Rudel über das Wellblechdach der Buddhahalle, und im Herbst ließen sich im Koregaon Park ganze Schwärme von bunten Wellensittichen in den ausladenden Kronen der Mangobäume nieder. Vorbei … vorbei …
Was hat uns damals hauptsächlich beschäftigt? Osho natürlich!
„Für mich war er der Über-Vater“, sagte Devi. „Ich liebte ihn abgöttisch. Es war ein tolles Gefühl, ihn fragen zu können, wenn ich Rat brauchte. Er sagte mir, wo es lang ging und ich fühlte mich bei ihm geborgen. Manchmal verstand ich ihn nicht. Aber das war mir egal. Für mich war er unfehlbar.“

Ein Geschmack von Faschismus
„Kam dir das nicht manchmal ein bisschen riskant vor?“, fragte ich.
„Erst viel später kam mir das riskant vor“, sagte Devi. „Als es mit der Ranch vorbei war und plötzlich FBI-Agenten und Staatsanwälte auftauchten. Da waren angeblich ein paar schräge Dinge passiert. Wir hatten keine Ahnung. Aber ich fragte mich plötzlich: ‚He Devi! Hast du gepennt, oder wolltest du nichts wissen?“
Khoji, etwas mürrisch: „Machst du dir etwa Selbstvorwürfe?“
„Ich versuche nur, meine Erfahrungen auf der Ranch richtig einzuordnen. Osho hat uns ja immer wieder eingeschärft, dass Hingabe und totales Vertrauen für die Arbeit mit einem spirituellen Meister absolut nötig sind. Also habe ich vertraut, auch wenn mir das auf der Ranch nicht immer leicht fiel.“
„Auf der Ranch gab es ja auch eine ganz einfache Regel“, warf ich ein. „Wer nicht JA sagt, ist negativ. Und Negativität ist das Schlimmste, was du Osho und der Kommune antun kannst.“
Khoji: „Für mich ist das Faschismus!“
„Ich erinnere mich an eine Lecture in Oregon“, sagte ich, „in der ich Osho sagen hörte: ,I gave you a taste of fascism!‘ (Ich habe euch einen Geschmack von Faschismus gegeben). Für mich war dieser Satz wie ein Erkenntnisblitz.“
„Das leuchtet mir total ein“, rief Devi. „Es ging auf der Ranch doch vor allem um Bewusstseins-Entwicklung unter Laborbedingungen. Dazu gehörte zum Beispiel auch, zwischen totalem und blindem Vertrauen zu unterscheiden. Wenn du Faschismus witterst, sagst du nicht JA, sondern du sagst ein klares NEIN. Osho ist wahrscheinlich der erste spirituelle Meister, der von seinen Schülern erwartet, dass sie auch NEIN sagen.“

Blindes Vertrauen
„Ich war damals echt sauer auf Osho“, sagte Khoji. „Ich fand, dass er mich verarscht hatte. Was ist denn der Unterschied zwischen totalem und blindem Vertrauen? Ich habe auch heute noch keine Lust dazu, mich für den Scheiß verantwortlich zu fühlen, den Sheela damals angerührt hat.“
Devi: „Dann gehörst du wohl auch zur Gemeinde der ‚Ranch-Geschädigten‘, die noch heute ihre Wunden in Chat-Foren lecken?“
„Ach was“, konterte Khoji. „Ich hab mich natürlich längst abgeregt. Heute kann ich sehen, dass die Ranch in Oregon das schärfste Experiment in Sachen Selbsterfahrung gewesen ist, das es je gegeben hat.“
Das Kaminfeuer knisterte und wir schwiegen eine Weile. Plötzlich sagte Devi: „Was ist denn eigentlich aus der Erleuchtung geworden?“
Fröhliches Gelächter.
Khoji: „Erleuchtung? Tolle Idee! Gut, dass du mich daran erinnerst!“
Devi: „In Pune gab es ja überhaupt kein anderes Thema als Erleuchtung. Könnt ihr euch erinnern? Osho redete fast jeden Tag von Erleuchtung und wir alle waren unheimlich scharf darauf.“

Fokus Meditation
Khoji: „Ich weiß noch, dass ich damals auf Tantra gesetzt habe. Ich fand Oshos These ‚Vom Sex zum kosmischen Bewusstsein‘ unwiderstehlich. Im Klartext hieß das für mich: durch Vögeln zur Erleuchtung! Ein tolles Konzept. Ich habe es unermüdlich ausprobiert, aber letztendlich war der spirituelle Gewinn gleich Null (lacht). Irgendwas muss ich da wohl missverstanden haben.“
Devi: „Ich habe auch vieles missverstanden. Zum Beispiel habe ich geglaubt, dass er für meine Erleuchtung sorgen würde, wenn ich nur brav zu seinen Füßen sitze und ihn anhimmele. Das hat er zwar nicht gesagt, aber ich habe ihn so verstanden.“
Khoji: „Als ich nach dem Abenteuer von Oregon in die real existierende Welt zurückkehrte, habe ich die Erleuchtung erst mal von meiner Prioritätenliste gestrichen. Ich hatte einfach keine Zeit mehr dafür. Zu viel Tempo, Lärm und Chaos. Wir leben in einem globalen Irrenhaus. Wenn man da erleuchtet werden will, braucht man einen starken Fokus und eine relativ stabile materielle Grundlage. Osho hat oft gesagt, dass man nicht meditieren kann, wenn man ständig ums tägliche Brot kämpfen muss. Das entspricht meiner Erfahrung.“
Wir sprachen eine Weile über Geld und Sicherheit. Wie viel braucht man, um sich sicher zu fühlen? Ein interessantes Thema, über das man stundenlang reden könnte. Aber es lohnt sich eigentlich nicht, denn Sicherheit ist sowieso eine Illusion. Also blieb die Frage: Wie kann man sich in dieser Welt des Wahnsinns auf Meditation fokussieren?
Dabei kamen wir wieder auf Oregon zu sprechen, und Devi fragte: „Vielleicht ist das Experiment gar nicht gescheitert? Wir machen einfach weiter! Die Themen, die uns damals beschäftigt haben, sind doch zeitlos. Und unsere Vision ist so aktuell wie noch nie!“

www.hierjetzt.de

bevor der Text wieder weg ist, »Klartext« aus der aktuellen Osho-Times

Mittwoch, 14. Februar 2007

Der Mönch und die Katze

Ein großer Mönch lag im Sterben und ließ seinen Nachfolger, einen jungen Mann, kommen und sagte: „Merk dir nur eines: Lass’ keine Katze in dein Leben.“ Sprach’s – und starb. Draußen hatte sich eine große Menge versammelt, um die letzten Worte dieses großen Heiligen zu vernehmen.
Aber was bekamen sie zu hören?! „Laßt keine Katze in euer Leben!“
Der Nachfolger sagte: „Mein Gott, wer will denn schon eine Katze in sein Leben reinlassen? Ist das etwa die ganze Religion?!“ Aber ein alter Mann – auch einer der selber zu alt war, um als Nachfolger in Frage zu kommen – sagte: „Du mußt wissen, daß dem eine lange Geschichte vorausgegangen ist. Er hat dir nur sein Fazit mitgeteilt.“ Der junge Mann sagte: „Dann muß ich die ganze Geschichte erfahren!“

Die Geschichte war, daß der Mönch, nachdem er seiner Frau und seinen Kindern und seinem Haus entsagt hatte, in den Himalaja gezogen war, wo er in einen kleinen Dorf' wohnte. Wo sonst soll er sein Essen herkriegen? Aber die Leute im Dorf waren froh einen Mönch zu beherbergen, also bauten sie ihm eine kleine Bambushütte.
Die indischen Mönche trugen statt Unterwäsche nur ein sogenanntes langot – ein langes Stoffband, nichts weiter als ein langer Streifen, mit dem sie sich einwickeln. Sie durften nur zwei langotis haben. Aber bald gab es ein Problem: Ein paar Ratten hatten sich bei ihm eingenistet und angefangen, eins seiner langotis zu zernagen. Der Mann wußte nicht, was er tun sollte; er hatte nur zwei, und die konnten nicht mehr lange halten. Also fragte er im Dorf um Rat: „Was tun? Denn meine Sekte gesteht einem Mönch nur zwei langotis zu. Das ist sein ganzer Besitz.“
Sie rieten: „Warum besorgst du dir keine Katze aus dem Dorf? Die wird die Ratten töten.“ Eine völlig logische Lösung also. Und so erhielt er eine gute Katze, und die Katze erlegte die Ratten. Aber das Problem war, daß jetzt auch die Katze ihr Futter brauchte, denn es gab keine Ratten mehr. Also mußte er für die Katze etwas Milch betteln gehen.
Die Leute sagten: „Unser Dorf ist nur klein … das Beste für uns wäre, wenn du dir eine Kuh hältst. Wir alle im Dorf' können zusammenlegen, und mit dem Geld kannst du dir eine wunderschöne Kuh kaufen. Und auf diese Weise wirst du genug Milch für dich und deine Katze haben.“ Das klang richtig, und so wurde eine wunderschöne Kuh angeschafft. Jetzt aber war das Problem, daß die Kuh Gras brauchte. Also mußte er jeden Tag im Dorf um gras betteln gehen. Die Leute sagten: „Das schickt sich nicht. Wir haben noch nie gehört, daß ein Mönch um Gras bettelt! Das ist nicht Sitte.“

Er sagte: „Aber was soll ich machen? Meine Kuh, meine Katze …“
Also sagten sie: „Eine simple Lösung: Wir sind ein einfaches Landvolk, wir wissen nicht viel über deine Philosophie. Bei uns ist eine Frau verwitwet, ihr Mann ist tot, und sie hat niemanden. Also werden wir sie überreden. Sie wird liebend gern einem Heiligen dienen, und dann brauchst du nicht mehr jeden tag herzukommen. Wir werden ein Stück Land neben deiner Hütte roden, und sie kann Gras darauf säen … und wenn du mal krank und bettlägerig wirst, wird sie sich deiner annehmen.“

Der Gedanke war richtig – sie hatten immer Recht. Es bedurfte nicht viel, um die Frau zu überreden; sie war allein und der Mönch war jung … sie witterte eine Möglichkeit, sie machte sich Hoffnung. Also war sie sofort bereit. Sie wurde seine Haushälterin, und wie ihr euch denken könnte: Es kam, wie es kommen mußte …
Basho sagt: „Das Gras wächst von selbst.“ Tatsächlich wächst so manches von selbst. Und so wuchs denn das Gras und sie verliebten sich … die Frau war schön, der Mönch war jung. Was brauchte man mehr?
Sie arbeiteten auf dem Feld, sie begannen Weizen und Gras anzubauen. Die Katze fühlte sich sohl, die Kuh fühlte sch wohl, und alles lief bestens. Und schließlich kam es zum Unabwendbaren – es kamen Kinder!
Und da schoß ihm durch den Kopf: „Mein Gott! Genau das hatte ich doch alles längst hinter mir gelassen – jetzt geht das wieder von vorne los: die ganze Welt! Es ist so langsam gegangen, daß ich es nicht eher bemerkte, als bis die Kinder kamen.“
Jetzt war nur der Katze wegen die ganze Welt wieder da.

Der alte Mann sagte: „Das war sein Fazit, sein letztes Wort. Er hat dir gesagt: ‚Denk dran, laß’ nie eine Katze rein.’ Weil hinter der Katze die ganze Welt hereinspaziert kommt. Er hat an seine eigene Lebensgeschichte denken müssen – wie er sich wieder in dieselbe Welt verwickeln ließ – und die Leute begannen ihn auszulachen: ‚Und so was will ein Mönch sein? Du hältst dir eine Frau! Du bist gefallen! Was ist nur aus dir geworden!’ Aber was konnte er nun machen?“, fuhr der Alte fort. „Wenn du einmal gefallen bist, bist du gefallen, dann ist es sehr schwer wieder aufzustehen. Er verspürte oft wieder den Wunsch zu entsagen, aber dann sagte er sich: ‚Was soll’s? Ratten gibt es überall. Und dann geht wieder dieselbe Geschichte los. Ich halte besser den Mund.’“

Dein Geist, dein Körper – beides braucht bestimmte Dinge. Du kannst der Welt nicht entsagen, du kannst nur zum Bettler werden. Aber wer zum Bettler wird, ist damit noch kein Heiliger. Mein Standpunkt ist klipp und klar: Ich möchte, daß ihr in der Welt lebt. Ihr braucht vor nichts Angst zu haben. Ihr braucht nur eure Lebensenergie nach innen zu lenken. Und das macht den ganzen Unterschied aus: Du bleibst in der Welt, aber ohne weltlich zu werden. Du bist in der Welt, aber die Welt ist nicht in dir.“

… schön wär’s, eine Zen-Geschichte, erzählt von Osho, Osho-Times 1/07