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Samstag, 7. November 2015

Achtung: deutschlandtreue Bauernfänger unterwegs, »Reines Beobachten« und Dosieren

Der AfD-Vorsitzende in den Landkreisen Verden und Osterholz, Uwe Wappler, ist zu zweifelhafter bundesweiter Berühmtheit gelangt.

Während einer Veranstaltung seiner Partei in Schwanewede, wo sich ein zentrales Aufnahmelager für Asylsuchende befindet, hatte er behauptet, Flüchtlinge hätten im Bereich Unterweser ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt, Polizei und Justiz hätten das nicht verfolgt. Wappler hatte dann nachgelegt, wenn Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter nicht ihren Pflichten nachkämen „und wenn niemand in diesem verdammten Laden seine Aufgabe erfüllt, dann werden wir das machen.“ Das Publikum jubelte.

Kurz danach fühlte ein Reporter des ARD-Politmagazins „Panorama“ Wappler auf den Zahn. Der wiederholte seinen Vergewaltigungsvorwurf und schimpfte: „Wenn so etwas passiert und man greift aus Political correctness nicht ein und macht die Täter nicht dingfest, dann ist das Anarchie.“ Der Panorama-Reporter hakte nach, wann, wo, wer, wen an der Unterweser vergewaltigt habe. Wappler gerät ins Schwimmen, räumt ein, dass der Journalist einen guten Job mache. Er, Wappler, habe das jetzt nicht exakt präsent, er wolle das nachliefern.

Vor der Ausstrahlung des Panorama-Beitrags habe er dann der Redaktion mitgeteilt, seine Darstellung sei nicht korrekt gewesen, er habe die Geschichte mit einem anderen Fall verwechselt, sagt uns Wappler. Er bedauerte und entschuldigte sich für seinen Fehler und bat nach seinen Angaben, diesen Beitrag aus dem Programm zu nehmen.

mehr:
- Haltlose Behauptungen des AfD-Kreisvorsitzenden Wappler gegen Flüchtlinge und Staat: „Will demnächst genauer recherchieren“ (Manfred Brodt, Kreiszeitung, 01.11.2015)
- Flüchtlinge – AfD-Mann blamiert sich mit Lüge vor laufender Kamera (der Westen, 03.11.2015)
- Uwe Wappler – ARD-Interview: AfD-Politiker erfindet Vergewaltigung durch Flüchtling (Michael Stifter, Augsburger Allgemeine, 03.11.2015)

ARD Panorama 29.10.2015 AfD verbreitet Lügen [0:54]

Veröffentlicht am 02.11.2015
.. als wäre die Stimmung so nicht schon genug eskaliert.. 

AfD-Mann Uwe Wappler erfindet vor laufender Kamera die Vergewaltigung eines 12-jährigen Mädchens durch Flüchtlinge.. und fliegt damit auf auf..

Der Originalbeitrag wurde von "Panorama" via fb gepostet.
Ein Beitrag dazu hier:
http://www.mopo.de/politik---wirtscha...

Deutsche Frauen: Bedroht von Flüchtlingen? | Panorama | NDR [9:47]

Veröffentlicht am 09.10.2015
Immer häufiger werden Gerüchte gestreut, wonach männliche Flüchtlinge deutsche Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt hätten. Doch laut Polizei ist an den Horror-Storys nichts dran.
- Diebe, Räuber, Vergewaltiger: Gerüchte über Flüchtlinge (Ben Bolz, Christian Salewski, Tagesschau, 29.10.2015)
Es gibt viele Gerüchte um Flüchtlinge. Sie kursieren vor allem dort, wo sich eine Flüchtlingseinrichtung befindet. Es sind Gerüchte über vermeintliche Straftaten der Asylbewerber. Das Problem: oftmals ist an diesen Gerüchten so gut wie nichts dran. Sie sind häufig frei erfunden und werden gezielt gestreut, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.
mein Kommentar:
Wir wachen immer erst auf, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Peter Scholl-Latour hat sich über den Arabischen Frühling lustig gemacht und vor Irak- und Syrien-Krieg gewarnt: Er wurde als »rechts« diffamiert. Seit Jahren machen wir der afrikanischen Mittelschicht das Leben schwer (EPA – TTIP für Arme und die Werte des »alten Europa«, Post, 23.09.2015; Der Kannibalismus und die Doppelzüngigkeit des Westens, Post, 16.11.2014) und wundern uns dann, wenn die Leute Schiffe kapern oder die Menschen hierher fliehen. Ich würd’s auch machen, wenn ich den Mut hätte.

Meinung der Deutschen zu Flüchtlingen [6:09]

Veröffentlicht am 30.10.2015
Orginaltitel: Wer mit Flüchtlingen kontakt hatte lehnt eher Flüchtlinge ab

Weiterverbreitung ist erwünscht.

Mein Kommentar:
zuerst Clint Eastwood (Dirty Harry V): »Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eins.«
Hier wird ständig Stille Post gespielt und kräftig katastrophisiert.
Dem kann man nur entgegenhalten: »Ruhe ist die erste Bügerpflicht!«

Marshall Rosenberg, der Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation, hat in seinen Workshops größten Wert auf die Unterscheidung zwischen objektiver Beobachtung und Interpretation gelegt. (siehe: Eine Hommage an Marshall B. Rosenberg, Post, 5. Video (Objektiv beobachten), ab 2:10)
Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich einen Text von Nyanaponika Mahathera, einem in Sri Lanka (bis 1972 Ceylon) hochangesehenen deutschen Mönch in der buddhistischen Theravada-Tradition: Reines Beobachten (Post, 24.03.2015). »Rein« wird dieses Beobachten genannt, wenn der Beobachter n i c h t »mit dem Gefühl, dem Willen oder Denken bewertend Stellung« nimmt. In unserer »normalen« sozialen Interaktion gibt es fast nichts Schwierigeres!

siehe auch:
Wegschauen und weglesen (Tilmann Moser, Kontext, 01.10.2014)

Freitag, 6. November 2015

Denken ist gefährlich, wenn es aus dem Ruder läuft

Die Ereignisse des letzten Monats haben gezeigt, dass einiges aus dem Ruder läuft. Es gibt zu viele (Noch-)Bürger, die ihre eigene Meinung äußern. Das wäre an sich nichts schlimmes, das machen ja viele, wenn nicht – und das ist entscheidend – diese Meinung diametral von der – wie sagt man so schön – herrschenden abweichen würde und das geht gar nicht. Wenn das so weiter geht, dann bekommen wir Schweizer Verhältnisse. Damals sagten nur 37%, dass sie gegen die Minarette in ihrem Land sind, im Schutz der Wahlkabine kreuzten auf einmal 57% das „Ja“-Feld an. Das kann nicht hingenommen werden.

Schlimm ist die ganze Ossi-Brut. Schon zu DDR-Zeiten wohnten die Dresdner im Tal der Ahnungslosen und hatten deshalb von Nichts eine Ahnung. Das hat sich jetzt systematisch verschlimmert. 1989, als sie mit „Wir sind das Volk“ gegen die Machthaber aus Pankow demonstriert hatten, da waren sie noch auf Spur und als treue Kohl-Wähler gerne willkommen. Aber jetzt!? Die rufen schon wieder „Wir sind das Volk“, aber was maßen die sich jetzt an? Gestern haben die noch für drei Bananen stundenlang vor dem Hungernden Osten (HO) gestanden und heute schnappen die nach der Hand, die sie füttert. Das ist der Gipfel! Das bedarf der Gegensteuerung. PEGIDA und AfD, nee, mit diesem Pack will ein ordentlicher deutscher Demokrat nichts zu tun haben. Wir haben ja mittlerweile mehr Nazis als im Dritten Reich!
mehr:
- Wir brauchen ein Ministerium für Volksbildung (AlterMannBlog, 21.10.2015)


dort gefunden:
Norbert Bolz über linke Medien und deren Sprechverbote.flv [10:00]

Hochgeladen am 19.08.2011
in diesem Land glauben Linke Meinungsfaschisten die Deutungshoheit zu haben. Sollte ein ganzes Volk anderer Meinung sein als dieses arrogante linkslastige Klientel, werden anders Denkende die sich das in der Öffentlichkeit auszusprechen erlauben mit allen Mitteln bis zur Kriminalisierung verfolgt, angeklagt und mundtot gemacht, bis zur Zerstörung ganzer Existenzen.

um nicht Ignazio Silone angebliches Zitat zu zitieren, kann man die Gegenwart realisierend betrachtend behaupten, die heutige Gruppe von Antifaschisten sind die Verfechter ihrer eigenen Meinungsdiktatur, also doch die eigentlichen Faschisten weil nur ihre Meinung zählt.
Das all diese politischen Gruppen nur ferngesteuert sind, realiesieren diese erst wenn sich die Schlinge im totalen Chaos auch um ihren Hals zuziehen wird.

Und dann Gnade den Schafen, die ihre Hunde an die Wölfe verraten haben!

„Medien bieten Ersatzformen von Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit an. An die Stelle religiöser Kommunikation tritt heute Kommunikation als Religion. Totale Verkabelung, die Verstrickung im elektronischen Netz, wird der unbefangene Blick aber als profane Variante der religio – und das heißt ja eben: Rückbindung erkennen. In der Vernetzung zum integralen Medienverbund ist uns eine stabile Umbesetzung der Transzendenz gelungen. Das Göttliche ist heute das Netzwerk. Und Religion funktioniert als Endlosschleife“.[11]  (Medien als Religionsersatz, Wikipedia)

siehe auch:
- Faschistische Antifaschisten (AlterMannBlog, 23.10.2015)
- An der Flüchtlingskrise ist alleine Putin schuld (AlterMannBlog, 24.10.2015)
- Tribunal der Gutmeinenden (AlterMannBlog, 28.10.2015)
- Zündet die Scheiterhaufen an! (AlterMannBlog, 29.10.2015)


Donnerstag, 5. November 2015

Theater: der deutschen Bildungsbürger gegen Pegida & Co.

Theater In der Schaubühne Berlin lässt Falk Richter den deutschen Bildungsbürger gegen Pegida & Co. antreten.

Da kann einem schon mal Angst und Bange werden, wenn man sich in die immer hasserfüllteren Kommentarspalten zum Thema Flüchtlingsbewegung in Europa im Internet verirrt. Nicht nur die Parolen des rechtsnationalen Rands, auch die Stimmen sogenannter besorgter Bürger lassen einen da ein ums andere Mal erschauern. Der Humus, aus dem das wächst, besteht laut Falk Richter aus einem tief braunen Morast ewig gestriger Diskursgräber, aus denen sich die Geister der Vergangenheit immer wieder neu erheben. Richters Deutschland-Analyse FEAR, die vor Kurzem in der Schaubühne am Lehniner Platz Premiere feierte, fällt dann dementsprechend auch reichlich düster aus.

Im Großen und Ganzen ging es in den letzten Arbeiten von Autor und Regisseur Falk Richter immer auch um Ängste. Vor allem um jene von im Großstadtdschungel vereinsamten und sich in sozialen Netzwerken verlierender, moderner Menschen in Metropolen wie Berlin. Immer auch eine politische Gesellschaftskritik, die sich nicht nur ins rein Private der Familie zurückzog. Schon in seinem Stück Small Town Boy zur Lebenswelt von Schwulen in Berlin (am Maxim Gorki Theater) hatte Richter seinem Protagonisten Thomas Wodianka einen wütenden Hassmonolog auf Politiker und rechtskonservative, schwulenfeindliche Einpeitscher halten lassen. Nun widmet er sich im Kontext von Pegida-Demos und AfD ganz dem deutschen Alptraum des Fremdenhasses und der nationalen Selektion als Abgrenzungsmechanismus gegen eine sich drastisch ändernde Welt.

Was bedeutet heute eigentlich Heimat? „Dass Deutschland Deutschland bleibt.“ Hört man gleich zu Beginn - während im Video blühende Heimatfilm-Landschaften flimmern - aus deutschen O-Tönen, die Richter akribisch für diesen Abend gesammelt hat. Diese diffusen Stimmen aus dem Volk, der sich von der Politik verraten Fühlenden, denen meist noch hörbar die Fähigkeit zur genauen Artikulation fehlt, haben aber in Lutz Bachmann, Frauke Petry, Björn Höcke oder auch kürzlich Akif Pirincci bereits recht effektive Ideologen und Sprachrohre für ihre Ängste gefunden. Deren geistige Brandstiftung feiert dabei schon wieder Erfolge, wie brennende Flüchtlingsunterkünfte zeigen. In FEAR versuchen Richter und sein Schaubühnenteam zu ergründen, wie sich gerade im Osten des Landes diese neue nationalpatriotischen Bewegung, die zwar vorgibt, nichts mit den Nazis zu tun zu haben, aber doch klar deren Vokabular benutzt, kommen konnte.

mehr:
- FEAR (Stefan Bock, Freitag-Community)

FEAR /// Probentrailer der Schaubühne Berlin [2:29]

Veröffentlicht am 14.10.2015
Ein Stück von Falk Richter
Uraufführung
Regie: Falk Richter

Trailer: Silke Briel

http://www.schaubuehne.de/de/produkti...

Wie könnte 2015 eine Familie aussehen? Was können Begriffe wie Herkunft, Heimat oder Zuhause in einer globalisierten Welt bedeuten, mit welchem neuen Leben können sie gefüllt werden? Die westlichen Gesellschaften leben gleichermaßen in Angst und im Aufbruch. Überall in Europa erstarken reaktionäre Parteien, gedeihen Rechtspopulismus, Chauvinismus, Fremdenfeindlichkeit. Verfechter von einfachen Weltbildern haben Hochkonjunktur. Längst errungen Geglaubtes wird plötzlich infrage gestellt: die EU wird angefeindet, die vierte Gewalt als »Lügenpresse« diffamiert, sexuelle und kulturelle Vielfalt bekämpft und in simpler Weise definiert, wie ein Mann, eine Frau, eine Familie oder eine Ehe zu sein hat. Beim Kampf um Gleichstellung erfährt gerade die Institution der Ehe eine symbolische Aufladung und Verklärung und wird als ein Privileg verteidigt, das einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe vorenthalten bleiben soll. Heraufbeschworen wird das konservative Idealbild einer Lebensform, in dessen Namen diskriminiert und aus- geschlossen wird. Zugleich scheinen normative Definitionen von Zugehörigkeit, Nationalität, Religion, Sprache, Kultur, Gender und sexueller Identität aufgegeben und individuell neu festgelegt zu werden.

Falk Richters Inszenierungen stellen den Menschen am Beginn des 21. Jahrhunderts, seine Art zu fühlen, denken und zu handeln in den Mittelpunkt. In prozesshaften, laborartigen Probenphasen, zusammen mit künstlerischen Ausdrucksformen wie Choreographie, Performance, klassischer oder elektronischer Musik, untersucht der Autor und Regisseur die Darstellung zeitgenössischer Lebens- und Empfindungswelten in den westlichen Gesellschaften auf der Bühne. Bjørn Melhus gehört zu den bekanntesten Videokünstlern Deutschlands. In seinem Werk untersucht er Einschreibungen gesellschaftlicher Traumata und Ängste in der Unterhaltungs- und Informationskultur der Massenmedien. Er arbeitet für »FEAR« zum zweiten Mal mit Falk Richter zusammen.

mein Kommentar:
Gefährlich wird’s in einer Gesellschaft, wenn sich Menschen nicht mehr ernst genommen fühlen.
Gefährlich wird‘s in einer Beziehung, wenn einer die Gefühle des anderen nicht respektiert.
Ganz gefährlich wird’s, wenn einer mitgeteilt bekommt: Das sollst Du nicht fühlen.
Wir sind eine Gesellschaft der Zu-kurz-Gekommenen.
Damit müssen wir nun zurecht kommen.
Mein Freund Charles [80J.], hat vor seinem Tod (vor zwei Jahren) prophezeit, daß wir in den kommenden Jahren auf der ganzen Welt einen Rechtsruck erleben werden. Da sind wir jetzt drin… Und die treibende Kraft ist Angst. Im Moment gehen wir in unserer Medienwelt mit unangenehmen Gefühlen so um, daß wir sie zu verdrängen versuchen. Das funktioniert nur eine Zeit lang…

Samstag, 31. Oktober 2015

Antiwestliche Ressentiments sind in der Mitte angekommen

Kolumne Grauzone: Während Deutschland die Rechtsextremen fürchtet, hat sich eine Bewegung formiert, die Ansätze linker und rechter Ideologien kombiniert: die Querfront. Mit ihren antiwestlichen und antiliberalen Ressentiments erreicht sie frustrierte Bürger

Pegida spaziert wieder. Die Stimmung im Land ist gereizt. Glaubt man den Umfragen, ist die Mehrzahl der Deutschen mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung eher unzufrieden – vorsichtig formuliert.

Beobachter warnen zunehmend vor „rechtem Gedankengut“. Was genau damit gemeint ist, bleibt häufig unklar und hängt mitunter auch vom Standpunkt des Betrachters ab. Die Fokussierung auf „rechtes Gedankengut“ hat in jedem Fall historische Gründe.

Hinzu kommt: Es gibt eine militante extreme Rechte, die das politische System der Bundesrepublik ablehnt, die gewaltbereit ist und Menschenleben bedroht. Es wäre ein Wunder, wenn diese Leute angesichts der politischen Stimmungslage im Land nicht Morgenluft wittern würden.

mehr:
- Querfront – Antiwestliche Ressentiments sind in der Mitte angekommen (Alexander Grau, Cicero, 31.10.2015)
- Tote-Hosen-Sänger Campino: „Angela Merkel hat Applaus verdient“ (Interview mit Campino, Cicero, 28.10.2015)

Campino bei 3nach9 "Die Kanzlerin hat bei mir angerufen!" [2:02]

Veröffentlicht am 17.11.2014
Campino von den Die Toten Hosen berichtet bei 3nach9 von einem überraschenden Entschuldigungs-Anruf aus dem Kanzleramt:

Freitag, 14. August 2015

Wie „Bild“ den Hass gegen Flüchtlinge schürt

Es sind ungewohnte Töne von Julian Reichelt. In letzter Zeit macht sich der „Bild“-Online-Chef immer wieder für Flüchtlinge stark
mehr:
- Wie „Bild“ den Hass gegen Flüchtlinge schürt (Max Schönauer, BildBlog, 14.08.2015)

Dienstag, 3. Februar 2015

Das Versagen der selbstgerechten Etablierten

Der Populismus der Gegenwart ist keine Bewegung der völlig Abgehängten, sondern ein Phänomen der breiten unteren Mitte. Er fußt in der globalisierten Wirklichkeit und setzt an tatsächlichen Missständen an. Wo Eliten diese Probleme leugnen, werden sie den Populismus nicht zurückdrängen können
mehr:
- Das Versagen der selbstgerechten Etablierten (René Cuperus)
Zitat:
Die entscheidende Frage also lautet, wie das linke politische Lager auf diese Entwicklungen reagieren kann. Das Problem ist, dass die Parteien der linken Mitte die aktuelle Situation mit zu verantworten haben, denn durch die Reform- und Austeritätspolitik haben sie den populistischen Unternehmern und Abenteurern erst den nötigen Raum gegeben. Beispiel Niederlande: In den siebziger Jahren haben wir die klassisch-sozialdemokratische Partei PvdA modernisiert und in eine fortschrittliche Partei verwandelt. Wir propagierten in erster Linie postmaterialistische Werte – durchaus vergleichbar mit den Grünen Parteien in Europa heute. Nicht gute Arbeit, sondern Kernenergie, Feminismus, Entwicklungshilfe und Multikulturalismus standen im Mittelpunkt unserer Politik. Die gesellschaftlichen Spannungen zwischen dem Weltbild der Akademiker und der Nicht-Akademiker wurden damals noch durch den Sozialvertrag über den allgemeinen Wohlfahrtsstaat abgemildert. Das schien zu funktionieren, zumindest für eine Weile. Doch als wir, die postmodernen Sozialdemokraten, den Sozialvertrag brachen oder sogar verrieten, wie die permanenten Reformen des Sozialstaats bisweilen wahrgenommen wurden, öffneten wir dem Misstrauen Tür und Tor. Zorn, Ressentiments und Frustration waren die Folge.

Wir müssen verstehen, dass der Populismus in der Wirklichkeit fußt. Er kommt nicht einfach aus dem Nirgendwo. Populistische Bewegungen repräsentieren äußerst reale Ängste und Sorgen, die wir ernstnehmen müssen. Dass die Gebildeten die weniger gebildete Klasse und deren legitime Sorgen verachten, ist alles andere als hilfreich. Ebenso wenig nützt es, den schlechter ausgebildeten Bürgern ihren niedrigeren Bildungsgrad und ihren mangelnden Enthusiasmus in Bezug auf Europa zum Vorwurf zu machen. Denn dabei gerät aus dem Blick, dass die Menschen mit geringerer Bildung im Alltag sehr viel direkter mit den Komplexitäten der europäischen Integration und Einwanderung konfrontiert sind als die Akademiker, die sich die so genannte weiße Flucht in weniger multikulturelle Stadtteile, Schulen und Sportklubs leisten können. […]

Das vielleicht größte Problem aber besteht darin, dass die besser ausgebildete Hälfte der Gesellschaft ein falsches Selbstbild entwickelt hat: Die Leute geben vor, kosmopolitisch und universalistisch, für Einwanderung und gegen Islamophobie, für die EU und gegen eine Politik des „Law and Order“ zu sein. Doch viele dieser Einstellungen beruhen zumeist nur auf dem Bemühen um soziale Statusabgrenzung gegenüber den als ordinär und vulgär wahrgenommenen unteren Klassen. Denn wie kosmopolitisch, pro-europäisch und islamfreundlich ist diese akademische Elite bei genauerer Betrachtung wirklich? Provozierend kann man sagen: Die wirkliche Avantgarde sind heute die weniger Gebildeten, indem sie auf die Schattenseiten der Globalisierung hinweisen und die ungerechte und ungleiche Lastenverteilung der Globalisierung auf die politische Agenda setzen. Es gibt also auch Hoffnung: In Wirklichkeit sind die besser und die weniger gut ausgebildeten Bürger einander in Gesellschaftsfragen vielleicht näher als angenommen. Daraus könnten sich ein neues wechselseitiges Verständnis und eine neue Zusammenarbeit entwickeln.

Dienstag, 23. Dezember 2014

PEGIDA, das mutierte Maidan-Virus?

Pegida hat in Dresden einen neuen Rekord mit rund 17,500 Teilnehmern erreicht. Das ist imponierend. Die Idee, Weihnachtslieder zu singen, finde ich großartig. Die Medien versuchen zur Zeit verbissen, dagegen anzuschreiben. Die Zeit, als Kampfblatt an vorderster Front, betitelt ihren Bericht über den bisher größten Erfolg der Bewegung mit der Schlagzeile: „Protest gegen Pegida-Bewegung wächst“.
Das ist nur auf den ersten Blick paradox: In München waren zeitgleich angeblich bis zu 12,000 Menschen auf der Straße, um gegen Pegida im Osten zu demonstrieren. Natürlich war wieder das berüchtigte „breite Bündnis“ mit von der Partie.

In München hatte ein breites Bündnis aus kirchlichen Gruppen, Künstlern und Flüchtlingsorganisationen zu einer Anti-“Pegida“-Demonstration aufgerufen. Mindestens 12.000 Menschen folgten diesem Ruf. Oberbürgermeister Dieter Reiter sagte: „Diese Demonstration heute Abend zeigt München von seiner besten Seite: Hier stehen Tausende Menschen gemeinsam auf gegen Rassismus und Ausgrenzung.“ Unter dem Motto „Platz Da! – Flüchtlinge sind hier willkommen“ hatten sich ursprünglich 1500 Teilnehmer zu der Veranstaltung angemeldet.
Ich muß sagen, daß es mich bei dieser Meldung etwas gruselt. Ich finde die verblüffende Torheit der Demonstranten gespenstisch, ja beängstigend, wie auch die Parolen, die allerorten mit roboterhafter Automatik ausgegeben werden: „Respekt“ und „Weltoffenheit“ und „Humanität“ und „Vielfalt“.
mehr:
- Zur Debatte gestellt – PEGIDA, als Falle betrachtet (Martin Lichtmesz, Sezession, 23.12.2014)
siehe auch:
Anti-Pegida-Demo München kann stolz sein (Peter Fahrenholz, Süddeutsche, 23.12.2014)
- Zur Debatte gestellt – Hetze, Hysterie und Gesprächstherapie: Reaktionen auf PEGIDA (feat. Georg Diez) (Martin Lichtmesz, Sezession, 22.12.2014)

siehe auch:
- Pegida, fremde Federn: Festival des Wahnsinns (Holger Finn, eigentümlich frei, 22.12.2014)
Zitat: Gerade ist es der Politik im engen Schulterschluss mit der Medienmaschine ja gelungen, die Protestler von Dresden zu Nazis, Fremdenfeinden, Islamhassern und missbrauchten Dummköpfen zu erklären. Das darf man nun nicht mehr gefährden.

Besteht doch der Kniff der Verächtlichmachung im Grunde darin, die zuvörderst gegen das politische und mediale Establishment gerichtete Bewegung zu einer Themendemo zu erklären. Es ist dann doch wieder Hendrik M. Broder, einer der letzten Klardenker im Land, der in einem Beitrag darlegt, worum es wirklich geht. Mit Pegida wachse auseinander, „was nicht zusammengehört: Auf der einen Seite die Politik, auf der anderen das angeblich dumme Volk“, schreibt er unter dem Titel „Fest des Wahnsinns“.


Der gleicht einer Obduktion der politischen Verhältnisse im Deutschland des Jahres vier nach Thilo Sarrazin, bei dessen Buch „Deutschland schafft sich ab“ zum ersten Mal deutlich wurde, wie weit sich die gefühlte Öffentlichkeit in Politik und Medien von der Gefühlslage vieler Menschen entfernt hat. „In Deutschland gibt es zwar die Demonstrationsfreiheit. Aber es ist kein Platz für Hetze und Verleumdung von Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen“, zitiert Broder die Kanzlerin, die mit diesem Satz einmal mehr in vorderster Front stand beim Versuch, aus der lebendigen Demokratie, die vom Meinungsstreit lebt, eine gelenkte Demokratie zu machen, in der deren Repräsentanten ihren Wählern vorgeben, was zu denken, zu glauben und zu sagen erlaubt ist.


siehe auch:
Pegida - jede verdammte Talkshow redet drüber (Lars Haider, Christoph Schwennicke, Cicero, 22.12.2014)
Unsere Medien werden immer peinlicher: Bekloppte Undercover-Journalisten (Post, 21.12.2014)
Pegida und die “Lügenpresse” – ein Begriff und seine Geschichte (Christian Buggischs Blog, 21.12.2014)
Pegida und andere Sorgen – Bei Angst das Licht anmachen (Marie Amrhein, Cicero, 21.12.2014)
Pegida: Latenznazis und Demonstrationstouristen? (Post, 21.12.2014)
“PEGIDA” und der Neoliberalismus (annotazioni.de, 17.12.2014)
Kontaktversuch: "Lügenpresse" trifft Pegida (Post, 15.12.2014)
- Warum Hamburger Muslime drei Feiertage erhalten (Die Welt, 15.08.2012)

mein Kommentar:
Jungs, Euch geh’n doch nicht etwa die Schubladen aus?!
Vielleicht wär’s nützlich, wenn alle einfach mal die Moschee im Dorf lassen.
Quelle: stuttmann-karikaturen.de
Wenn es Schulklassen gibt, in denen drei Viertel der Schüler mangelhaft Deutsch sprechen, wenn die Inklusionsgesetzgebung auf dem Rücken der Turboabi-gehetzten Schüler durchgedrückt wird, während die Schulen mit der Umsetzung überfordert sind, ein Bundespräsident tönt, der Islam gehöre zu Deutschland und Hamburg drei islamische Feiertage schafft und zur selben Zeit der IS verteufelt wird, braucht man sich nicht wundern. Dann grummelt es im Volk. 
Quelle: Wahlmonitor
Wenn wir von unseren amerikanischen Freunden von der NSA ausspioniert werden, die Regierung nichts tut, der Generalbundesanwalt keine Ermittlungen aufnimmt, Whistleblower Snowden Asyl in Rußland suchen muß, während der Untersuchungsausschuß ihn noch nicht einmal vorzuladen imstande ist und getuschelt wird, eigentlich stecke der BND ja in der Abhöraffäre mit drin, wenn seit Jahrzehnten immer wieder der Verdacht aufkommt, daß es bei den Abhöraktionen der Amerikaner in hohem Maße auch um Wirtschaftsspionage geht, der CIA den ihn kontrollierenden Untersuchungsausschuß ausspioniert und noch nicht einmal Strafe zu befürchten braucht, dann grummelt es im Volk.

Ellen ten Damme - Plattgefickt [4:11]

Hochgeladen am 14.07.2007
Ellen ten Damme & The Konrad Koselleck Big Band, live at De Parade, Utrecht, The Netherlands, July 23, 2005.


Quelle: allmystery.de
Wenn man uns zwingen will, völkerrechtswidrige Kriege zu führen, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen begonnen werden, wenn deutsche Soldaten am Hindukusch sterben, nur um unsere NATO-Zugehörigkeit unter Beweis zu stellen, wenn Rettungsschirme ausgespannt werden, an denen noch unsere Kindeskinder bezahlen haben, von Leuten, die zu blöde sind, weit genug in die Zukunft zu denken und von morgens bis abends damit beschäftig sind, dicke zu tun, wenn unsere Politiker die englische Sprache als Arbeitssprache in Europa propagieren, selbst aber noch nicht einmal einen einzigen englischen Satz geradeaus zu sprechen imstande sind, dann grummelt es im Volk.


Quelle: Goldseitenblog
Wenn Deutschland Sanktionen gegen Russland mitzutragen gezwungen wird und unsere Obstbauern zum Beispiel den größten Teil ihrer Äpfel nur noch unterpflügen können, während zur gleichen Zeit der Sohn des US-amerikanischen Vizepräsidenten im Vorstand der größten ukrainischen Gasfirma Platz nimmt und der Warenumsatz Russlands mit den USA um 7 Prozent und die Importe Russlands aus den USA um fast ein Viertel (!) steigen, wenn wir in der Vorweihnachtszeit wieder um Spenden für die Flüchtlinge auf der ganzen Welt gebeten werden, während die USA mal einfach 5 Milliarden Dollar in den ukrainischen Regimewechsel pumpen (natürlich einzig und allein für Freiheit und Demokratie!) oder 720 Millionen Dollar pro Tag für den Irak-Krieg ausgeben (natürlich nur, weil sie so furchtbare Angst vor Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen haben), und wenn alle fünf Sekunden ein Kind auf der Welt vor Hunger stirbt, dann grummelt es im Volk.


Seine berühmteste Geste: Ackermann beim Mannesmann-Prozess [Badische Zeitung]

Quelle: junge Freiheit
Wenn Dumpinglöhne gezahlt werden, Leute wenige Jahre vor ihrer Rente entlassen und durch Zeitarbeitskräfte ersetzt werden oder nach 40 Jahren Arbeit eine Rente knapp über Hartz-IV-Niveau erhalten, während Konzern-Manager, die sie freigesetzt haben, Abfindungen erhalten, von denen ein ganzes Dorf leben kann, die Großen und Reichen  sich dumm und dämlich verdienen und zusätzlich dabei noch bescheißen, weil sie den Kanal immer noch nicht voll haben, die Schere zwischen arm und reich immer weiter klafft, wir eine strukturelle Arbeitslosigkeit haben, über die aber nicht geredet werden darf, wenn EU-Politiker sich eine goldene Nase verdienen, indem sie Verordnungen über den Krümmungsradius von Bananen, den Durchmesser von Pizzen oder Seilbahngesetze fürs Flachland erlassen, während sie sich noch mal schnell ihr Tagesgeld erschleichen, bevor sie sich ins Wochenende verziehen, wenn Großkonzerne weniger Steuern zahlen brauchen als Otto Normalverbraucher und derjenige, der für die Steuerflüchtlinge die Luxemburger Tore sperrangelweit aufgerissen hat, jetzt als EU-Kommissionspräsident seine neoliberale Gülle über uns auskippen darf, dann grummelt es im Volk.


Quelle: toonpool
Wenn wir während des Ukrainekriegs mit ständigen Paniknachrichten in Atem gehalten werden und fast täglich von der medial aufbereiteten Notwendigkeit berieselt werden, unsere westlichen Werte von Freiheit und Demokratie zu verteidigen, finden die Verhandlungen über TTIP (euphemistisch: transatlantisches Freihandelsabkommen) hinter verschlossenen Türen statt, und wir wissen noch nicht einmal, wer da verhandelt. Da muß es im Volk grummeln.


Wenn über die Teilnahme am Irakkrieg oder über den Ausstieg aus der Atomkraft gewürfelt wird, Endlager gesucht werden, deren Verwendung auf manipulierten Gutachten beruht, wenn unsere Leitmedien tendenziös berichten, gegen Putin-Versteher Stimmung machen (Der Aufruf der 60: störende Abweichlerwichtige Ereignisse verschweigen (man suche im Internet einmal nach der Aachener Rede von Gabriele Krone-Schmalz oder der Resolution 758!), Nachrichten manipulieren und sogar fälschen, wenn sie ihre Fehlhandlungen noch nicht einmal zugeben, sich nur für angebliche Versehen entschuldigen und ihre Kritiker zu verleumden versuchen, dann grummelt es im Volk.


Quelle: Eulenfurz
Und wenn man heute seinen Mund aufmacht, dann läuft man ständig Gefahr, als Putinversteher, ausländer- oder frauenfeindlich, Israel- oder Amerika-Hasser, Latenznazi oder rechtsradikal etikettiert zu werden. Der öffentliche Diskurs ist heutzutage stärker tabuisiert als zu Zeiten des Deutschen Herbstes. Das fühlt sich an wie eine Gutmenschen-Zwangsjacke. Es entsteht – wie zu Zeiten des Eisernen Vorhangs – eine doppelte Realität: eine, von der berichtet wird und eine, von der nicht berichtet wird. Da grummelt es im Volk. Und wenn sich Merkel einfach immer nur hinstellt und gebetsmühlenartig herunterleiert, es ginge uns gut, dann ist das nur noch zum Kotzen. (Der Psychotherapeut: Sie macht das, was sie in ihrer Kindheit gelernt hat.) Dann hat sich ausgegrummelt, dann kommt’s hoch. Und wie sie sich jetzt alle verzweifelt bemühen, die passenden Schubladen zu finden, um die Demonstranten ins Unrecht zu setzen, ich könnt’ mich vor Vergnügen bepissen!
Quelle: Suttmann-Karikaturen

Und wenn Dylan aus seinem The Times They Are a-Changin' einen Walzer macht oder bei der Grammy-Verleihung sein »Masters of War« so singt, daß keiner ein Wort versteht, dann kann ich ihn so gut verstehen…

In Performance at The White House Bob Dylan [3:37]

Hochgeladen am 02.01.2011
Bob Dylan performs "The Times They Are A-Changin'" in his first performance at the White House.

Kommentare auf youtube:
  • »Each time I think Dylan can't get any worse he proves me wrong.«
  • »Don't get me wrong...I love Bob and I think he is one of the greatest musicians there is...but...this is just bad...this performance definitely shows the time changing.«
  • »Seriously..i have never disrespected' Bob..he is a musical hero of mine..But I just have to say something here..What is he doing?.he's made his classic sound like a Disney, Christmas carol, ditty..I don't know what the fuck to say. The stench of the White house must have got in to his nervous system. This is so far removed from anything that represents his usual sound TO ME that I would suggest that the people who think this is the best stuff he's done for years are either becoming demented or have forgotten the soul his music usually has..even when he re-arranges the fuck out of it. This is a re-arrangement waaaay too far.«
  • »OUCH. The tunes, they are a-changin'.«
  • »It's funny that this is a protest song and he's singing it in the house of one of the biggest liars of the world.«
  • »He should've sang with the Guantanamo Choir. Oh, they don't have rights. Or maybe the relatives of dead children, murdered by his drone armies in countries you're not at war with. Oh, the noise they make isn't pleasant. Obama may be black, but if he entered MLK's "dream" it would turn to a nightmare. Sure Obama isn't Bush, but he's just another killer who's been bought, and people like Dylan should spend more time pointing these things out, otherwise he becomes irrelevant.«
  • »Precisely. That is why he needs to stop singing. This doesn't sound good. You only think it does because it's Bob Dylan. If this were any other dude you'd think he sounded like shit.«
  • »I agree with you completely! Watching Bob Dylan perform at the White House is enough to make me puke! Likewise for Joan Baez and K. Kristofferson. Totally disgusting! And what the fuck has Dylan done to his voice?! What a phony! Just like Obama!«
  • »I keep coming back to this video, and it puts a big smile on my face every time.«
  • »›You don't need to hear what Bob Dylan is saying, you just need to hear the way he says it.‹ - John Lennon, Rolling Stone Interview, 1970.«

Sonntag, 21. Dezember 2014

Pegida: Latenznazis und Demonstrationstouristen?

Ausländerfeinde und Anti-Islamisten wagen sich aus der Deckung. Das ist ein Zeichen der deutschen Krise. Es geht gar nicht um Zuwanderung - sondern um Angst und Armut in einem kälter werdenden Land.
In Dresden waren es nun schon 15.000! Sie folgten am vergangenen Montag einem Aufruf der sogenannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Als Pegida drücken sie diesem Winter des deutschen Missvergnügens ihren Stempel auf.
In ganz Deutschland wächst der Protest. Medien und Politik reagieren: Sie wollen "verstehen" und "erklären". Das ist ein Fehler. Erstens ist Rassismus kein Problem der Erkenntnis, sondern eines der Moral. Und zweitens geht es weder um die Zuwanderer noch um den Islam. Es geht um den schwindenden Konsens und die zunehmende soziale Kälte in einem ungerechten Land.

mehr:
- Märsche der Anti-Islamisten: Null Toleranz für Pegida (Jakob Augstein, SPIEGEL, 18.12.2014)
siehe auch:
- Pegida: Nichts sehen, nichts hören, viel sagen (SPIEGEL, 17.12.2014)
Auf Facebook hat Pegida Zehntausende Anhänger. Sind die alle dumm? Sicher nicht. Aber genau das ist Teil des Problems. 
Pegida ist eines der bisher wenigen Politphänomene in Deutschland, die Online wie Offline funktionieren. Zum Zeitpunkt des "9. Abendspaziergangs" in Dresden am 15. Dezember mit rund 15.000 Teilnehmern hatte die Facebook-Seite mehr als 50.000 Fans, sie wächst derzeit täglich um rund 10.000 Anhänger und hat erstaunlich hohe Interaktionsraten. 
Mit den sozialen Medien ist eine neue Beobachtungsperspektive entstanden. Es lassen sich Gespräche, Kommentare, Meinungen nachvollziehen, die zuvor zwischen Kantinen, Stammtischen und Hausfluren undokumentiert verhallten. Obwohl inzwischen fast 30 Millionen Personen in Deutschland auf Facebook aktiv sind, ergibt sich natürlich nicht automatisch ein repräsentatives Bild. Aber es lassen sich wiederkehrende Denkmuster erkennen. Das ist hier auch notwendig, denn durch Politik und Medien zieht sich ein verzerrtes Bild von Pegida.

- Plötzlich berühmt – Interview mit Edwin Utrecht, dem „mutigen Holländer“, über sein Engagement bei PEGIDA (Castor Fiber Albicus, 18.12.2014)
Wie die offiziellen Medien ihre Stars und Prominenten haben, so beginnt auch das Internet, seine Helden hervorzubringen. Einer von ihnen ist seit wenigen Wochen Edwin Utrecht. Er wurde bekannt am Rande der Hogesa-Veranstaltung in Hannover als er, noch aufgewühlt von dem Geschehen dort, einigen Kamerateams vors Objektiv lief. Eine Sequenz davon verbreitete sich im Internet und wurde tausendfach geteilt. Darin spricht Edwin Utrecht darüber, warum er dabei sei. Dort bekam er auch sein Etikett: Der mutige Holländer. Auf der vorletzten PEGIDA-Veranstaltung in Dresden sprach er dann schon als einer der Hauptredner von der kleinen Bühne. Castorfiberalbicus sprach mit ihm über sein Engagement.

- Pegida (NachDenkSeiten, 19.12.2014)

Unsere Medien werden immer peinlicher: Bekloppte Undercover-Journalisten

Wie sich ein RTL-Journalist vor ARD-Kameras als falscher Demo-Teilnehmer ausgab und andere Verwirrungen im Sammelbecken
Pegida ist, was man aus Pegida macht. Das demonstrierte der junge Mann, der in dem ARD-Panorama-Beitrag mit dem ironischen Titel: Kontaktversuch: "Lügenpresse" trifft Pegida auftrat und seine Befürchtungen in die Kamera sprach. "Zu viele Türken auf der Straße", "Was passiert in Syrien, das macht mir Sorgen und da muss man halt aufpassen, ob das nicht in Deutschland auch bald so sein wird" , "Wir sollten aufpassen, dass Deutschland noch Deutschland bleibt."

Wie die ARD in einem Korrektur-Nachtrag zum Begleitartikel der Sendung informiert, hatte sich der junge Mann später noch einmal bei der Redaktion gemeldet, sich als Reporter von RTL zu erkennen gegeben "und beteuert, dass er eigentlich anderer Ansicht sei und dass diese Aussagen nicht seiner Meinung entsprechen".

Warum aber hat er diese Meinung dann geäußert? Und was hat ihn bewogen, sie anschließend zurückzunehmen?

mehr:
Pegida: "Sind wir noch deutsch in Deutschland?" (Thomas Perry, Telepolis, 20.12.2014)
siehe auch:
- Undercover-Reporter bei Pegida für Team Wallraff unterwegs (Thomas Pany, Telepolis, 20.12.2014)
Laut RTL sollte der Mann, der sich gegenüber dem NDR als Pegida-Demo-Teilnehmer ausgab, "Stimmungen aufgreifen"
Ein RTL-Statement beantwortet ein paar Fragen, die sich durch das Auftreten eines Mannes bei einem Panorama-Beitrag und seinem späteren Outing als Journalist stellen (siehe Pegida: "Sind wir noch deutsch in Deutschland?").
Der Undercover-Mann fasste seine Aufgabe anscheinend ähnlich auf, wie dies von FBI-Agenten im Umkreis von bestimmten Moschee-Gemeinden berichtet wird: Er gab Statements ab, die auf Sympathien bei radikaleren Anhängern stoßen sollten und ihnen Aussagen entlocken, die bestimmten Vorannahmen entsprechen. Im RTL-Statement heißt es:

Da Pegida-Anhänger bisher nicht oder kaum mit Journalisten reden, hat sich ein Reporter des Landesstudio Ost, welches für RTL aus der Region berichtet, verdeckt auf die Pegida-Demo am vergangenen Montag in Dresden begeben, um Stimmungen und Aussagen für eine spätere Berichterstattung aufzugreifen.

»Das macht mir insofern Sorge: Wenn Menschen nicht mehr glauben, was in den Medien informiert wird, wenn Menschen auch Politikern nicht mehr glauben, dann fliegt uns unser wunderschönes System Demokratie früher oder später um die Ohren.« (Gabriele Krone Schmalz über NATO in Zivil in der Ukraine, Russland und Medienpropaganda1, Youtube-Video ab 8:00)

mein Kommentar: 
Unser wunderschönes System ist gerade dabei, uns um die Ohren zu fliegen.