Posts mit dem Label Regime Change werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Regime Change werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 6. Februar 2019

Venezuela: Der Wandel muss von innen kommen

Die ganze Welt mischt mit, seit Juan Guaidó sich zum Übergangspräsidenten erklärt hat. Aber das globale Tauziehen ist gefährlich und alles andere als hilfreich

Alle Krisen sind global, alle Lösungen lokal – und Venezuela ist das jüngste Beispiel dafür. Kaum hatte der junge Thronbewerber Juan Guaidó sich im vergangenen Monat selbst zum Übergangspräsidenten erklärt, um den korrupten alten Revolutionär Nicolás Maduro aus dem Amt zu drängen, da mischte sich die Welt ein.

Die Regierung Trump bestand darauf, dass alle Länder sich „für eine Seite entscheiden“ und die „Kräfte der Freiheit“ unterstützen müssten. Russland prangerte einen von den USA gestützten „Coup“ an. China, lateinamerikanische Nachbarländer, Großbritannien und die EU – alle beeilten sich, sich je nach ihren Interessen und Vorurteilen zu positionieren.

Während sich Demonstranten und Sicherheitskräfte auf den Straßen gegenüber treten und das politische Patt sich verschärft, ist dieses internationale Tauziehen um Venezuelas Zukunft in der vergangenen Woche zunehmend gefährlich geworden. Es hilft zudem nicht weiter.

Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton drohte „ernste Konsequenzen“ an (im Klartext: militärische Intervention), sollte Oppositionsführer Guaidó etwas geschehen oder Unterstützer der Opposition angegriffen werden. Maduro dagegen warnt davor, dass die US ein zweites Vietnam erwarten könnte. Bolton sowie US-Vizepräsident Mike Pence und der konservative republikanische Senator Marco Rubio sind die Zugmaschinen in Washingtons jüngstem Regimewechsel-Abenteuer. Als Irak-Kriegsfalke und führender Neokonservativer hat Bolton ein ideologisches Eigeninteresse. Seitdem in Irak und Nordkorea angeblich alles in Ordnung gebracht ist, verläuft seine neueste „Achse des Bösen“ durch Kuba, Nicaragua und Venezuela (wobei er sich weiter auch für Iran wappnet).

mehr:
- Der Wandel muss von innen kommen (Simon Tisdall, der Freitag, 06.02.2019)
siehe auch:
Willkürliche Werte (Rüdiger Rauls, Rubikon, 06.02.2019)
Leserbriefe zu den Vorgängen in Venezuela (NachDenkSeiten, 06.02.2019)
Fahrt alle zur Hölle (Susanne Puschner, der Freitag, 05.02.2019)
Die gelähmte Opposition (Susanne Puschner, der Freitag, 05.02.2019)
- Venezuela geht uns nichts an (Reynaldo Riobueno, Rubikon, 01.02.2019)

Sonntag, 3. Februar 2019

Vier Kriege werden um Venezuela gefochten

Der Machtkampf um das südamerikanische Land verläuft auf vielen Ebenen - und ist noch lange nicht entschieden

Der Krieg um Venezuela ist in vollem Gange - und er wird bislang vor allem psychologisch geführt. Gut eine Woche nach seiner bislang gescheiterten Machtübernahme lanciert der selbsternannte "Interimspräsident" Juan Guaidó täglich neue Meldungen, mit denen er den vermeintlichen Zuwachs seiner Unterstützerbasis zu belegen versucht.

Präsident Maduro trat am Samstag indes vor hunderttausenden Anhängern auf und beschuldigte die Teile der Opposition, die hinter Guaidó stehen, mit Hilfe der USA einen Staatsstreich organisieren zu wollen. Seine Gegenspieler machen es ihm dabei nicht allzu schwer.

Sie traten bei einer parallelen Großdemonstration am Samstag im wohlhabenden Osten von Caracas unter einer riesigen projizierten US-Flagge auf und bejubeln offene Gewaltdrohungen von US-Vertretern gegen die amtierende Regierung des südamerikanischen Landes. Dennoch ist der Kampf um Venezuela auch in der zweiten Woche nach Guaidos versuchter Selbstinthronisierung noch lange nicht entschieden.

Auch wenn Venezuela das Ziel ist, wird die Auseinandersetzung vor allem auf der internationalen Bühne geführt. Mexiko, Uruguay und die Karibische Gemeinschaft (Caricom) laden in einigen Tagen nach Montevideo zu einer Vermittlungskonferenz ein. Der Staatenverband positioniert sich damit - von der westlichen Presse weitgehend ignoriert - gegen rechtsgerichtete Regierungen der sogenannten Lima-Gruppe, die sich nach dessen Selbstausrufung umgehend auf die Seite Guaidós geschlagen haben.

Vertreter von Guaidó führen von Washington aus derweil mit Unterstützung einiger US-Abgeordneter, dem Weißen Haus und Diplomaten ihre internationale Kampagne mit dem Ziel weiter, die Regierung Maduro zu stürzen. Carlos Vecchio, der von der US-Regierung als "Geschäftsträger" der "Botschaft" Venezuelas in Washington anerkannt wurde, bezeichnete einen Dialog mit Maduro als reine Zeitverschwendung. Es müsse stattdessen der Druck auf den Straßen, von der Nationalversammlung aus und von internationalen Verbündeten aufgebaut werden.

mehr:
- Diese vier Kriege werden um Venezuela gefochten (Harald Neuber, Telepolis, 03.02.2019)
siehe auch:
Die Imperialistische Intervention in Venezuela: UPDATE 3 (Einar Schlereth’s Blog, 03.02.2019)
Alfred de Zayas: "Venezuela erinnert mich an die Irak-Invasion" (Post, 29.01.2019)
EU-Parlament stimmt für Anerkennung Guaidós (Post, 29.01.2019)
Tagesdosis 28.1.2019 – Der nächste Putsch made in USA (Podcast) (Post, 28.01.2019)
Die venezolanische Krankheit (Sebastian Balzer, FAZ, 07.08.2017)
Warum das Erdöl Venezuela in den Ruin treibt (Christian Steiner, NZZ, 09.05.2017)
- Der Fluch des Öls, diesem „Kot des Teufels“ (WELT, 09.03.2014)

Venezuela- Erdöl und Misere | Mit offenen Karten {12:10}

Doku Underground
Am 31.10.2018 veröffentlicht 
Kostenlos Abonnieren - http://bit.ly/1TGtKeB
Unterstützt uns - http://amzn.to/PdNwnp
Twitter - https://twitter.com/InfoWarBLN
Wie konnte es in Venezuela so weit kommen? Das Land verfügt über die größten Erdölreserven weltweit. Dennoch stecken Wirtschaft, Politik und Gesellschaft des Landes heute in einer schweren Krise, vor dem Hintergrund zunehmender staatlicher Repression. Von Simón Bolívar über Hugo Chávez bis Nicolás Maduro.
Venezuela verfügt über die größten Erdölreserven weltweit. Dennoch stecken Wirtschaft, Politik und Gesellschaft des Landes heute in einer schweren Krise, vor dem Hintergrund zunehmender staatlicher Repression. Von Simón Bolívar über Hugo Chávez bis Nicolás Maduro - „Mit offenen Karten“ untersucht, wie es so weit kommen konnte.
Magazin (Frankreich 2018, 12 Min)


Dienstag, 29. Januar 2019

EU-Parlament stimmt für Anerkennung Guaidós

Die Mehrheit der europäischen Abgeordneten ist sich einig: Juan Guaidó ist rechtmäßiger Übergangspräsident Venezuelas. Die Staatschefs der EU-Länder ringen sich dagegen bislang zu keiner klaren Position durch. Das könnte sich bald ändern.

Das Europaparlament hat den venezolanischen Oppositionspolitiker Juan Guaidó als "legitimen Übergangspräsidenten" des Landes anerkannt und die EU-Staaten aufgefordert, das Gleiche zu tun. In einer verabschiedeten Entschließung bekundeten die Europa-Abgeordneten dem Herausforderer von Staatschef Nicolás Maduro ihre "volle Unterstützung für sein Programm". Guaidó hatte sich am Mittwoch vergangener Woche zum Übergangspräsidenten Venezuelas erklärt.

Als Grund für die klare Positionierung des EU-Parlaments wurden in der verabschiedeten Erklärung die jüngsten Äußerungen des amtierenden Präsidenten Maduro genannt. Dieser hatte die europäische Forderung nach einer umgehenden fairen Neuwahl des Präsidenten in dem Land öffentlich abgelehnt.

mehr:
- Interimspräsident von Venezuela – EU-Parlament stimmt für Anerkennung Guaidós (Post, 29.01.2019)
siehe auch:
Alfred de Zayas: "Venezuela erinnert mich an die Irak-Invasion" (Post, 29.01.2019)
- Tagesdosis 28.1.2019 – Der nächste Putsch made in USA (Podcast) (Susan Bonath, KenFM, 28.01.2019)

mein Kommentar:
Hört, hört! Guaidó wird zum erstenmal Übergangs- (oder auch Interims-Präsident) genannt. Diese Begriffe werden wir jetzt öfter hören! (Wahrscheinlich hat das Kanzleramt mal wieder eine neue Sprachregelung herausgegeben… 😂)

Alfred de Zayas: "Venezuela erinnert mich an die Irak-Invasion"

Diese Zusammenfassung ist nicht verfügbar. Klicke hier, um den Post aufzurufen.

Montag, 28. Januar 2019

Tagesdosis 28.1.2019 – Der nächste Putsch made in USA (Podcast)

Wirtschaftsblockaden, Umsturzversuche, Agententum, paramilitärische Infiltration und nun ein von den USA und ihren imperialen „Verbündeten“ der EU mitgetragener Putsch: Das von USA-hörigen Kapitaldiktaturen umzingelte Venezuela steht möglicherweise vor dem Rückfall in die postkoloniale Zeit.

Was ist aktuell passiert? Nach Unruhen, vorgezogenen Wahlen und einem Attentat auf Staatschef Nicolás Maduro im vergangenen Jahr ernennt sich Oppositionsführer Juan Guaidó am Mittwoch selbst zum neuen Präsidenten Venezuelas. Wenig später erkennt ihn US-Präsident Donald Trump an. Die EU zieht nach, stellt ein irrwitziges „Ultimatum“: Sollte es bis kommende Woche keine Neuwahlen geben, gelte der Selbstermächtigte auch für sie als neues Staatsoberhaupt.

Die USA drohen schließlich ganz offen den ultimativen Raubzug gegen das Land an, das dreimal größer als Deutschland ist, aber nur über gut ein Drittel der Einwohner verfügt. Man werde Venezuelas Einnahmen aus dem Öl beschlagnahmen und an Putschführer Guaidó umleiten, verkündete Trump. Es geht vor allem um Citgo, eine in den USA aktive Tochtergesellschaft des venezolanischen Staatsunternehmens PDVSA. Da gibt es nur eine Krux: 2016 hatte Venezuela den russischen Staatskonzern Rosneft im Zuge einer Schuldentilgung für Importe zu knapp 50 Prozent an Citgo beteiligt.

Venezuela ist vom Kapital begehrt. Nicht nur, dass das Land seit der Wahl von Maduros Vorgänger im Jahr 1999, dem Sozialisten Hugo Chavez, um Unabhängigkeit vom imperialistischen Block kämpft. Es verfügt auch über die wohl weltweit größten Ölvorkommen. Ein Schelm, wer geglaubt hatte, die USA ließen sich ein derartiges Riesengeschäft entgehen. Dazu brauchen sie geeignete Marionetten.

mehr:
- Tagesdosis 28.1.2019 – Der nächste Putsch made in USA (Podcast) (Susan Bonath, KenFM, 28.01.2019)