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Samstag, 13. Juni 2020

Auch Großbritannien säubert seine Vergangenheit



Zu den Hobbys der politisch Überkorrekten gehört bekanntlich die rückwärtige Säuberung, also die Vergangenheits-Zensur. Diese Leidenschaft ist international. Diktaturen, ob kommunistisch, ob militaristisch haben darin eine lange Erfahrung, in der westlich-demokratischen Welt handelt es sich im wesentlichen um eine Errungenschaft der letzten ein, zwei Jahrzehnte. Jüngstes Opfer dieser Liebe zur Zensur ist eine britische Fernseh-Komödie, die den schönsten Spruch zum angespannten Verhältnis der Briten zu Deutschland hervorgebracht hat: „Don’t mention the war.“

Jawohl, John Cleese, der chaotische Wirt des Familienhotels „Fawlty Towers“ darf neuerdings nicht mehr versuchen, gegenüber seinen deutschen Gästen den Krieg nicht zu erwähnen. In der Episode aus dem Jahr 1975 mit dem Titel „The Germans“ scheitert er kläglich in seinem Bemühen, durch Schweigen („Don’t mention the war“) der Völkerverständigung zu dienen. Er kann das Wasser nicht halten und schwadroniert eben doch über den Krieg und führt den Germans auch noch einen fantastischen Hitler mit Stechschritt vor. Eine herrliche Episode einer Kult-Serie, die auch in Deutschland erfolgreich gelaufen ist. Jetzt hat die BBC diese Episode in den Giftschrank verbannt. Mit Rücksicht auf die armen Deutschen?

Natürlich nicht. Das Stück ist der Zensur zum Opfer gefallen, weil ein alter tatteriger Stammgast, Major Gowan, in einem anderen Zusammenhang das „N“-Wort von sich gibt, das inzwischen so unaussprechlich ist wie der Name Voldemorts bei Harry Potter. Es wird in der Szene zwar überdeutlich, dass Major Gowan ein Mann von vorgestern ist. Die Episode macht sich das „N“-Wort nicht zu eigen sondern erinnert durch den Mund des alten Knackers selbstkritisch an den eigenen englischen Rassismus früherer Zeiten. Darin besteht eine Parallele zur Stechschritt-Szene, die sich ja auch nicht gegen die Deutschen richtet sondern – wiederum selbstkritisch – die Haltung vieler Engländer karikiert.

mehr:
siehe auch:
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Fawlty Towers - Don't mention the war.mpg {4:23}

itslikeasaunainhere
Am 26.12.2009 veröffentlicht 
Basil Fawlty waits on some German guests while suffering the effects of a concussion.
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Donnerstag, 28. November 2019

Tagesdosis 28.11.2019 – Anything to say? Freiheit für Assange!

John Shipton weilt aktuell in Berlin. John wer? Es wundert nicht wirklich, dass sehr wenige Menschen, zumindest in meinem Umfeld, die ein eher reduziertes Verhältnis zu den sog. Alternativen Medien pflegen, mit diesem Namen wenig bis gar nichts anfangen können.

Es gibt Gründe, warum einem sehr breiten Prozentsatz der Deutschen der Name John Shipton, der Vater von Julian Assange, wenig sagt. Ich war die Tage auf einem Klassentreffen, Abgangsjahrgang 1983. Sage und schreibe zwei von zehn Anwesenden konnten zumindest mit dem Namen Julian Assange etwas anfangen.

John Shipton ist in Berlin. Sein Sohn befindet sich weiterhin in akuter Lebensgefahr. Er wird mit unsäglich vernichtender Willkür unter Haftbedingungen gehalten, die ihm das Leben kosten können. Den HörerInnen und LeserInnen von KenFM, NachdenkSeiten, Rubikon, RT, NuoViso sind die Umstände mehr als vertraut, sie sind solidarisch mit Julian Assange. Leiden mit dem Vater.

Nehmen wir die Berliner Abendschau und die Tagesschau. Beides Sendungen der ggf. meinungsbildenden täglichen Routine für Millionen von Zuschauern, also der Möglichkeit sehr breit in diesem Land zu informieren, aufzuklären.

Der Suchbegriff John Shipton auf der Mediathek-Seite der Berliner Abendschau ergibt – 0 Treffer. Der von Julian Assange einen, aus dem Jahre 2010.

Der Suchbegriff John Shipton auf der Mediathek-Seite der Tagesschau ergibt folgende Information: Suchergebnis – Ihre Suche nach „John Shipton“ war leider erfolglos. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe. (1) Kein Kommentar.

John Shipton kämpft wie jeder Vater um seinen Sohn. Mr. Shipton war schon Anfang Oktober diesen Jahres in Berlin. Die Deutsche Welle berichtete, Zitat: Whistleblower-Vater von Julian Assange: „Er ist ein sehr guter Kämpfer – und ich auch“. Der Wikileaks-Gründer sitzt in Großbritannien im Gefängnis. Sein Vater prangert den Umgang mit Sohn Julian an und wirbt in Europa um Unterstützung – auch in Deutschland (2).

Julian Assange befindet sich 22 bis 23 Stunden am Tag in Einzelhaft, der Sportraum wird ihm verweigert. Er hat keinen Zugang zu Computern. Er darf zwei Stunden pro Monat Besuch empfangen, natürlich der seiner Anwälte mit einberechnet.

mehr:
- Tagesdosis 28.11.2019 – Anything to say? Freiheit für Assange! (Kommentar von Bernhard Loyen, KenFM, 28.11.2019)
siehe auch:
- xxx ()
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Dienstag, 15. Oktober 2019

Twittermädchen Bana Alabed – Twitter-Redaktionsleiter Naher Osten ist PsyOps-Offizier der britischen Armee

Dass das Propagandamärchen rund um das syrische Twittermädchen Bana Alabed nicht nur auf dem Mist ihrer Terroristeneltern gewachsen ist, sondern eine Operation des britischen Geheimdienstes beziehungsweise der britischen Militäreinheiten für psychologische Kriegsführung ist, war eigentlich schnell klar. Jetzt stellte sich heraus, dass der zuständige Redaktionsleiter bei Twitter für den Nahen Osten inklusive Syrien „nebenbei“ auch Offizier der 77. Brigade – einer Einheit für Informationskriegsführung – ist.
mehr:
- Twittermädchen Bana Alabed – Twitter-Redaktionsleiter Naher Osten ist PsyOps-Offizier der britischen Armee (Jens Bernert, Blauer Bote, 13.10.2019)
siehe auch:
Das transatlantische Narrativ und die Meinungsfreiheit: Da prallen Welten aufeinander (Post, 27.05.2019)
Propaganda mit Fragezeichen? – Der nächste Blogger vor Gericht… (Post, 14.06.2018)
Fake News mit zweierlei Maß – Stern vs. Blauer Bote (Post, 21.03.2017)

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Brexit - ganz einfach erklärt.

UK: Wir wollen ein Einhorn. 
EU: Einhörner gibt's nicht - ihr könnt ein Pony haben. 
UK: Wir haben abgestimmt. Das Pony wollen wir nicht. 
EU: Ein Pony oder gar nichts. 
UK: Wir haben abgestimmt. Gar nichts wollen wir nicht. 
EU: Ihr habt's noch nicht verstanden, oder? 
UK: Wir brauchen mehr Zeit zum Nachdenken. 
EU: Über das Pony oder über das gar nichts? 
UK: Wir wollen ein Einhorn!
Dank an M.P.

Mittwoch, 18. September 2019

Londoner Gericht will Assange weiter in Haft behalten

Richterin brachte die Frage einer Haftentlassung auf Kaution überraschend auf - und lehnte diese Option umgehend ab

WikiLeaks-Gründer Julian Assange wird wohl auch nach Ende seiner Mindesthaftzeit in Großbritannien im Gefängnis bleiben müssen. Das berichtete unlängst die in London erscheinende Tageszeitung Evening Standard. Assange sei mitgeteilt worden, dass er nicht auf eine Haftentlassung hoffen kann, wenn seine derzeitige Freiheitsstrafe am 22. September erstmals auf Kaution ausgesetzt werden könnte. Der Publizist war nach seiner Festnahme in den Räumen der ecuadorianischen Botschaft in London am 11. April wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen inhaftiert worden.

Der 48-Jährige wurde nach seiner im Mai zu einer 50-wöchigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er sieben Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London verbracht hatte. Im April hatte die Polizei ihn in einer spektakulären Aktion aus den Räumen im Londoner Nobelstadtteil Knightsbridge gezerrt. Grund dafür war eine Entscheidung der ecuadorianischen Regierung: Anders als sein Vorgänger Rafael Correa wollte der neue Präsident Lenín Moreno Assange loswerden, nachdem er überraschend auf einen prowestlichen und neoliberalen Kurs eingeschwenkt ist.

Die Folgen von Morenos Entscheidung wurden rasch klar: Nachdem die britische Justiz Assange festnahm, machte Innenminister Sajid Javid im Juni eine Anordnung öffentlich, die es ermöglichte, Assange wegen Hacking-Vorwürfen an die USA auszuliefern. Vor einer möglichen Auslieferung an die US-Justiz hatten die Verteidiger des Publizisten stets gewarnt.

Bei einer technischen Anhörung am vergangenen Freitag sagte Richterin Vanessa Baraitser am Westminster Magistrates Court, es gebe "erhebliche Gründe" für die Annahme, dass Assange sich nach einer möglichen Haftentlassung erneut absetzen könnte. Der WikiLeaks-Gründer war der Verhandlung per Video aus dem Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh zugeschaltet.

Baraitser sagte zu Assange: "Sie wurden hier vorgeladen, weil Ihre Haftstrafe kurz vor einem möglichen Ende steht." In diesem Fall ändere sich sein Status von einem einsitzenden Häftling zu einem Auslieferungskandidaten. Deshalb habe sie der Verteidigung die Möglichkeit gegeben, in seinem Namen einen Antrag auf Kaution zu stellen, so die Richterin weiter. Die anwesende Verteidigerin habe sich aber geweigert. "Das ist vielleicht nicht überraschend angesichts ihrer Geschichte der Justizflucht", so Baraitser weiter - um eine Freilassung auf Kaution abzulehnen. Als Assange gefragt wurde, ob er den Sachverhalt verstanden habe, entgegnete er: "Nicht wirklich. Aber ich bin sicher, die Anwälte werden es erklären."
mehr:

- Londoner Gericht will Assange weiter in Haft behalten (Harald Neuber, Telepolis, 18.09.2019)
siehe auch:
Assange wird fertiggemacht… (Post, 05.09.2019)
Es geht nicht nur um Assange (Edward Wassermann, IPG-Jpurnal, Internationale Politik und Gesellschaft, 03.05.2019)
Der Verrat (Rubikon, 23.04.2019)
Assanges Verhaftung: Mainstream-Medien sägen am eigenen Ast (James O’Neill, Pressenza, 19.04.2019)
 Lebte 7 Jahre in BotschaftAssange spülte Klo nicht: Wächter verraten irre Details über Wikileaks-Gründer (Focus, 15.04.2019)

mein Kommentar:
Liebe Bild-Schreiberlinge, die Ihr grad beim Focus ein Praktikum absolviert, 
habt ihr schon mal was mit einem schwer Depressiven zu tun gehabt? Anscheinend nicht… – ekelhaft!
"In 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung habe ich noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammenschließt, um ein einzelnes Individuum so lange Zeit und unter so geringer Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu verteufeln und zu missbrauchen."
[Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter, zit. in Mathias Bröckers, Präzedenzfall WikiLeaks, Telepolis, 01.07.2019]
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Der UN-Sonderberichterstatter über Folter (englisch UN Special Rapporteur on Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment or Punishment) ist ein von den Vereinten Nationen ernannter Sachverständiger, der als Amtsträger Zugang und Inspektionsrechte in allen Haftanstalten der der UNO angehörenden und das Völkerrecht anerkennenden Nationen beansprucht. Über die von ihm in Erfahrung gebrachten Vorfälle und nachprüfbar begründeten Vorwürfe leistet er jährlich einen detaillierten Bericht an die Öffentlichkeit der Weltgemeinschaft.
[UN-Sonderberichterstatter über Folter, Wikipedia, abgerufen am 18.09.2019]
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Mittwoch, 11. September 2019

Großbritannien: Wie sich ein Staat selbst zerlegt

Anmerkungen zum Stand der Inszenierung von Großbritanniens Einstieg in den Ausstieg aus der Europäischen Union - Ein Kommentar

Schade, dass Shakespeare das nicht mehr erleben darf! Der Brexit hätte zweifellos das Zeug zum Stoff für eines seiner klassischen Dramen um die unheilvolle Dynamik des Wahns, mit dem Herrscher sich und ihr Fußvolk in den Untergang treiben.

Der schräge Boris Johnson gäbe gewiss eine Traumbesetzung für den unvermeidlichen "Mad King" ab, der, von Hybris getrieben, gegen alle Vernunft agiert und die Folgen seiner selbstdestruktiven Machenschaften achselzuckend in Kauf nimmt. Auch das Ambiente würde wunderbar mit einer theatralischen Umsetzung harmonieren: Die Parlamentsdebatten ähneln immer mehr einer Vorabend-Soap und sind mit sachlichen Einlassungen zum Thema zumeist nicht zu verwechseln.

Worin besteht der politökonomische Kern der Sache?

Johnson legt es offensichtlich darauf an, das verrückte Ideal von einem unabhängigen, nur sich selbst verpflichteten, im eigenen Saft schmorenden Großbritannien gegen alle realen Abhängigkeiten, Handelsbeziehungen und Verflechtungen als rücksichtslosen Bruch mit der Europäischen Union theatralisch zu inszenieren - komme, was wolle, und sei dagegen, wer will! Wen interessieren schon die etwa sechs- bis siebentausend Vereinbarungen und Vertragsklauseln, in die die britische Ökonomie eingebunden und von denen ihr Erfolg seit Jahrzehnten abhängig ist?!

Getragen wird er dabei von einer Welle der nationalistischen Verblendung, zu der sich ein nicht unerheblicher Teil der britischen Bevölkerung hat hinreißen lassen. Deren Frust über den von den britischen Regierungen der letzten vierzig Jahre durchgesetzten Ruin des Sozialstaats und des Lebensunterhalts der arbeitenden Klassen bis in die Mittelschicht hinein wurde erfolgreich auf den Hass gegen alles "Fremde", die EU, die Ausländer und überhaupt umgeleitet.

Dabei wurde als unterschwelliger Tenor der rückwärtsgewandte Traum von der "guten alten Zeit", vom britischen Empire bemüht: Wir, einst die herrschende Macht der Erde, müssen uns von den Bürokraten vom Kontinent nichts sagen lassen! Unser großartiges Großbritannien kommt auch alleine zurecht!

mehr:
- Das Brexit-Drama geht in die nächste Runde (Rainer Schreiber, Telepolis, 10.09.2019)
siehe auch:
Der Weg zum Autoritarismus ist mit Lügen gepflastert (Post, 20.07.2019)
"So, jetzt reicht's!": Queen führt wieder absolute Monarchie ein (Post, 16.01.2019)
- Boris Johnson fällt auf einen Telefonstreich herein (Post, 25.05.2018)

Samstag, 20. Juli 2019

Der Weg zum Autoritarismus ist mit Lügen gepflastert

Lügen gehört zur Condition humaine. Wenn Politiker das Lügen aber zum «Geschäftsprinzip» erheben, ist die Demokratie in Gefahr.
Sein flexibles Verhältnis zur Wahrheit war bisher kein Hinderungsgrund für seine Karriere: Der wahrscheinlich neue britische Premierminister Boris Johnson gilt allgemein als berüchtigter Lügner und Schwindler. Die Beispiele sind zahlreich. So hat er die Öffentlichkeit vor der Brexit-Abstimmung 2016 gezielt mit falschen Behauptungen in die Irre geführt. Johnson behauptete damals etwa, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund an die EU zahlen müsse. Dieses Geld solle besser in den staatlichen Gesundheitsdienst investiert werden, meinte Johnson. Der Chef der britischen Überwachungsbehörde für öffentliche Statistiken sah sich genötigt, die Sache klarzustellen: Es handle sich um Bruttobeträge, und Grossbritannien erhalte einen erheblichen Teil der Summe wieder zurück. «Das ist ein klarer Missbrauch öffentlicher Statistiken», teilte die Behörde Johnson schriftlich mit. Die Klage einer Privatperson gegen Johnson wegen Irreführung der Öffentlichkeit wurde allerdings abgewiesen.
Der phantasievolle Journalist Johnson
Johnson betätigte sich auch als Journalist, und auch in diesem Metier pflegte er einen saloppen Umgang mit den Fakten. Einst wurde er zwar von der Times wegen einer Zitatfälschung gefeuert, hat dann aber für den Daily Telegraph von Brüssel aus berichtet. Seine Artikel waren zwar gemäss New York Times farbig, mit der Realität hätten sie allerdings wenig zu tun gehabt. Doch den Chefs der übrigen Zeitungen gefielen Johnsons Artikel so gut, dass sie ihre Korrespondenten förmlich dazu drängten, ähnlich «phantasievolle Berichte» zu schreiben. Als Brüsseler Korrespondent habe er sich in erster Linie über die EU-Bürokratie lustig gemacht, «bauschte Geschichten bis zur Unkenntlichkeit auf und trug seinen Teil dazu bei, die britische Bevölkerung zu EU-Skeptikern zu machen», wie die NZZ am Sonntag vom 30.06.2019 schreibt.
mehr:
- Der Weg zum Autoritarismus ist mit Lügen gepflastert (Jürg Müller-Muralt, Info-Sperber, 20.07.2019)
siehe auch:
Großbritannien: Die Marke Boris Johnson (Stephen Lendman, NachDenkSeiten, 31.07.2019)
Iran: Wird Johnson deeskalieren oder nur Trump assistieren? (Thomas Pany, Telepolis, 25.07.2019)
- Clown BoJo eilt in die Manege (Frank Jödicke, Telepolis, 25.07.2019)

Fall Skripal: Boris Johnson beschuldigt Wladimir Putin {1:10}

euronews (deutsch)
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
Russland hat Ermittlungen eingeleitet und angeboten, mit den britischen Kollegen zusammenzuarbeiten. …
LESEN SIE MEHR : http://de.euronews.com/2018/03/16/fal...

siehe auch:
REVEALED: Pentagon’s $70 Million Chemical & Biological Program at Porton Down in UK (Dilyana Gaytandzhieva, 21stcenturywire.com, 28.03.2018 – Google-Übersetzer)
- How the British Government subjected thousands of people to chemical and biological warfare trials during Cold War (David Keys, independent.co.uk, 09.07.2015 – Google-Übersetzer)
- The past Porton Down can't hide (Rob Evans, The Guardian, 06.05.2004 – Google-Übersetzer)
aktualisiert am 31.07.2019

Freitag, 31. Mai 2019

UN-Ermittler kritisiert Umgang mit Assange

Ein Sonderermittler der Vereinten Nationen und zwei Ärzte statten Julian Assange einen Besuch ab, um seinen Zustand einzuschätzen - und fällen ein verheerendes Urteil. Schuld daran seien die USA, Großbritannien, Ecuador und Schweden.
Der in Großbritannien inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange ist nach UN-Angaben das Opfer von "psychologischer Folter". Die Gesundheit des 47-Jährigen sei durch ein "extrem feindseliges und willkürliches Umfeld, dem er während vieler Jahre ausgesetzt war, schwer beeinträchtigt", erklärte der UN-Sonderberichterstatter zu Folter, Nils Melzer. Er hatte Assange am 9. Mai zusammen mit zwei Medizinern im Gefängnis besucht.
Neben "psychischen Beschwerden" habe der Australier "alle typischen Symptome" von anhaltender psychologischer Folter aufgewiesen, erklärte Melzer. Dazu zählten "extremer Stress, chronische Angst und ein starkes psychologisches Trauma". Assange sei über Jahre hinweg "grausamer, inhumaner oder entwürdigender Behandlung oder Bestrafung" ausgesetzt gewesen.
Melzer warf zudem den USA, Großbritannien, Ecuador und Schweden "gemeinschaftliche Verfolgung" von Assange vor. Sie hätten Assange "isoliert, dämonisiert und misshandelt". Sollte das Vereinigte Königreich dem Auslieferungsgesuch der USA nachkommen, drohten Assange dort bis zu 175 Jahre Haft und im Fall weiterer Anklagepunkte sogar die Todesstrafe, erklärte Melzer.
mehr:
- "Psychologische Folter": UN-Ermittler kritisiert Umgang mit Assange (n-tv, 31.05.2019)
siehe auch:
Hexenjagd auf Julian Assange – Die Tagesschau in transatlantischer Solidarität 
(Post, 25.07.2019)
Julian Assange shows psychological torture symptoms, says UN expert (Ben Quinn, The Guardian, 31.05.2019 – Google-Übersetzer)
UN Torture Expert: “collective persecution” of Julian Assange must end now (defend.wikileaks.org, 31.05.2019 – Google-Übersetzer)
Julian Assange zu krank für Gerichtstermin (Moritz Müller, NachDenkSeiten, 31.05.2019)
Assange: Fakten – Interessen – Sprache – Medien (Post, 27.05.2019)
Hüte Dich vor dem Imperium! (Post, 02.05.2019)
Die Story im Ersten: Whistleblower – Die Einsamkeit der Mutigen! (Post, 22.11.2016)
UN-Arbeitsgruppe: Festsetzung von Assange willkürlich (Post, 05.02.2016)


Die Staaten des Westens sind Demokratien. Es wird gewählt. Regierungen wechseln. Es gibt die Medien, die mehr oder weniger unabhängig sind. Es gibt Nichtregierungsorganisationen. Es gibt die Gewaltenteilung. Das ist alles schön und gut, und wir sollten uns darüber freuen. Denn es könnte tatsächlich schlimmer sein.

Aber unter dieser Oberfläche gibt es unsichtbare Tiefenstrukturen. Von Macht und Rechtlosigkeit, von Überwachung und Kontrolle und von Gehorsam. Vor allem von Gehorsam. Es gibt eine funktionstüchtige Infrastruktur des vollkommenen Polizeistaats, in die wir alle eingebettet sind. Wir sehen sie nicht. Wir spüren sie nicht. Aber sie umgibt uns. Wir leben in einem ruhenden Polizeistaat, in einem schlafenden Polizeistaat – der jederzeit zum Leben erweckt werden kann.

Wer diesem Rechtsstaat in die Quere kommt, kann sich auf einiges gefasst machen. Chelsea Manning verbrachte neun Monate in Isolationshaft. Sie musste nachts ihre Kleider abgeben und morgens nackt vor der Zelle antreten. Körperliche Übungen waren ihr verboten. Das Licht brannte unablässig. Das ist der Rechtsstaat.

Und Selbsttäuschung war es, die viele Journalisten in Deutschland eher mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen reagieren ließ. Der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, war da typisch. Er schrieb, er wünsche sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat“. Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das grausame Waterboarding in den Gefängnissen der CIA, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch Whistleblower. […
]
Nach US-amerikanischem Recht ist die Überwachung der Welt erlaubt. Was soll das? Diesen Rechtsanspruch können sich die Amerikaner gar nicht selbst genehmigen.

In Bezug auf ihre Auffassung von Sicherheitspolitik sind die USA heute ein totalitärer Staat. Solange das so ist, haben wir eine besondere Verpflichtung, wir in Europa, wir in Deutschland. Es ist die Verpflichtung, die Flamme der Freiheit nicht ausgehen zu lassen. Es ist die Verpflichtung, jenen, die gegen diesen Totalitarismus kämpfen, Schutz zu gewähren.
[Vater aller Whistleblower, Jakob Augstein, Freitag, 03.03.2016 – Hervorhebungen von mir]

WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist nach Ansicht eines Uno-Sonderberichterstatters über Jahre hinweg "psychologischer Folter" ausgesetzt worden. Assange weise alle entsprechenden Symptome auf, "dazu gehören extremer Stress, chronische Angst und ein schweres psychologisches Trauma", sagte Nils Melzer, Sonderberichterstatter zum Thema Folter laut einer Mitteilung vom Freitag. "Es ist offensichtlich, dass die Gesundheit von Herrn Assange ernsthaft durch das extrem feindselige und willkürliche Umfeld der vergangenen Jahre beeinträchtigt wurde."

Melzer, ein Schweizer, hatte Assange am 9. Mai gemeinsam mit Medizinern in einem Gefängnis in London besucht. Assange ist in Großbritannien wegen des Verstoßes gegen Kautionsauflagen zu 50 Wochen Haft verurteilt worden. […]

Von Nils Melzer heißt es zum Schluss der Mitteilung, "in 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung" habe er noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammenschließt, um eine einzelne Person so lange und unter so geringer Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu verteufeln und zu missbrauchen. "Die kollektive Verfolgung von Julian Assange muss hier und jetzt enden!"
[Uno-Sonderberichterstatter spricht von "psychologischer Folter", SPON, 31.05.2019]

Pink Floyd's Roger Waters: WHOLE WORLD Must Focus on Julian Assange Arrest! {20:26 – Start bei 19:18}

goingundergroundRT
Am 17.04.2019 veröffentlicht 
we speak to Pink Floyd’s Roger Waters on the arrest of Julian Assange. He calls on the UK to rise up to oppose Assange’s extradition, labels the UK a satellite state of US empire for arresting Assange and attacks the government of Lenin Moreno for revoking his asylum
LIKE Going Underground http://fb.me/GoingUndergroundRT
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Donnerstag, 2. Mai 2019

Hüte Dich vor dem Imperium!

Die Verhaftung Assanges soll jeden abschrecken, der es fortan wagen sollte, die Macht herauszufordern.

Julian Assange wird in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis gefangen gehalten, weil er Kautionsauflagen verletzt haben soll. Genau aus diesem Grund hat Großbritannien ihn auch in den letzten sieben Jahren für Millionen von Pfund in seinem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft bewachen lassen. So weit, so hanebüchen unglaubwürdig. Doch nicht nur dem WikiLeaks-Herausgeber wird übelst mitgespielt. Vielmehr schafft man mit seiner Verhaftung einen Präzedenzfall — wie Assange kann es fortan weltweit jedem gehen, der investigativ berichtet, der Verbrechen und schmutzige Geheimnisse der Mächtigen ans Licht zerrt. Caitlin Johnstone warnt eindringlich: An Assange wird ein Exempel statuiert. Wenn wir hinnehmen, dass Assange wie ein Schwerverbrecher behandelt wird, wenn wir uns von belanglosen Details zu seinen angeblichen Eigenschaften und seiner Katze ablenken lassen, ermöglichen wir skrupellosen Weltlenkern, die Wahrheit zum Verstummen zu bringen.

Julian Assanges Mutter berichtete gestern, dass dem WikiLeaks-Gründer während seiner Haft in Belmarsh Prison im Südosten Londons keinerlei Besuch gestattet wird, nicht einmal von Ärzten oder seinen Anwälten. Ärzte, die Assange in der ecuadorianischen Botschaft besucht hatten, haben versichert, dass er dringend medizinische Versorgung benötigt. Belmarsh ist ein Hochsicherheitsgefängnis, das zuweilen als „britisches Guantanamo“ bezeichnet wird.

Und noch immer wird uns eingeredet, dieser Umstand habe etwas zu tun mit einem angeblichen Verstoß gegen Kautionsauflagen und einem US-Auslieferungsgesuch wegen angeblicher Computerkriminaltät, auf die eine Höchststrafe von fünf Jahren steht. Tritt man einen Schritt zurück und lauscht dem weniger gut informierten Geplapper der unverhohlenen Propagandisten und der gehirngewaschenen Normalkonsumenten westlicher Massenmedien, hört man zudem: Die Leute glauben, es habe auch etwas mit Russland und mit Vergewaltigungsvorwürfen zu tun.

mehr:
- Der Präzedenzfall (Caitlin Johnstone, Rubikon, 02.05.2019)
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Das Imperium schlägt zurück {16:57}

NuoViso.TV
Am 03.05.2019 veröffentlicht 
Sollte es also in der Zukunft noch so etwas wie freien und unabhängigen Journalismus geben, und sollten dann Journalismusstudenten in der Uni etwas über die Vergangenheit lernen, dann wird ihnen ein Datum ganz bestimmt ins Auge fallen: Der 11. April 2019. Dieser Tag wird nämlich in die Geschichte eingehen, als der Tag an dem der freie Journalismus zu Grabe getragen wurden. Oder besser gesagt, aus einem Botschaftsgebäude getragen wurden. Wir alle haben die Bilder gesehen, wie ein unglaublich gealterter und sichtlich gezeichneter Julian Assange nach sieben Jahren Zuflucht im Botschaftsgebäude von Ecuador von Polizeikräften abgeführt wurde. Ein Vorgang mit wirklich enormem Symbolcharakter und bin wohl nicht der einzige, bei dem diese Bilder große Bestürzung ausgelöst haben. Wenn man sich die Berichte dazu von wirklich freien Journalisten anschaut, dann wird klar, dass wir hier von einer Zäsur sprechen, von einem Ereignis welches große Schockwellen über den ganzen Globus geschickt hat. John Pilger, der berühmte investigative Journalist aus Australien sprach davon, dass die Verhaftung von Julian Assange eine Warnung in sich trägt, so wie Oscar Wilde es ausgedrückt hat, eine Warnung an alle, die die Samen der Unzufriedenheit säen, ohne die nie ein Fortschritt in Richtung Zivilisation stattfinden würde. In London zeigte sich Macht gegen Recht, Muskeln gegen Gesetz, Unanständigkeit gegen Mut. In einem Interview mit Russia Today konnte man sehen, wie John Pilger fassungslos war über diesen Vorgang, wie Julian Assange wie ein Tier aus der Botschaft geschleppt wurde. Die gleiche Fassungslosigkeit sah ich auch bei Dirk Pohlmann, als er zusammen mit Robert Fleischer und Mathias Bröckers in das Dritte Jahrtausend den Fall besprochen hat. Seht Euch die Sendung an, dann versteht Ihr was ich meine mit Schockwellen. Ich habe Dirk Pohlmann noch nie so bestürzt gesehen. Und genau so müsste sich jeder Journalist mit einem letzten Rest an Rückgrat fühlen, beschämt und angewidert von diesem Vorgang. Dieses ganze Drama hat sich schließlich schon lange angebahnt, aber dass es dann doch so schnell kommen würden, hat wohl alle überrascht.
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aktualisiert am 08.05.2019


Donnerstag, 25. April 2019

Whistleblower: Wenn’s ans Eingemachte geht, gibt es keine »westlichen Werte« mehr

Die Whistleblowerin Chelsea Manning befindet sich seit gut sechs Wochen in Beugehaft (davon 28 Tage in Isolationshaft) in den USA und Julian Assange, der ihre brisanten Informationen vor 9 Jahren mittels Wikileaks und mehrerer großer Zeitungen veröffentlicht hat, muss sich in einem englischen Hochsicherheitsgefängnis gegen seine drohende Auslieferung an die USA wehren. Die Zeitungen, bei denen es sich u.a. um den SPIEGEL, den englischen Guardian und die New York Times handelt, halten sich im Falle von Manning und Assange auffällig zurück oder veröffentlichen Klatsch-Artikel über Assanges angebliches Benehmen in der Botschaft von Ecuador, bei dem sich das Lesen nur dahingehend lohnen könnte, um erneut zu erkennen, dass der Guardian als ein unabhängiges Medium ausgedient hat. Ein Bericht von Moritz Müller. Unser Bild zeigt zwei besorgte Mitbürger in Brüssel.

Andererseits findet man im Internet ausgesprochen informative Artikel wie diesen, der sich eingehender mit der Rolle der deutschen Medien und Politiker im Falle Assange befasst. Auch in diesem Artikel wird beschrieben, dass Chelsea Manning inhaftiert ist, während Folterer und Mörder weiterhin auf freiem Fuß sind und hohe Posten bekleiden. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Journalisten aufwachen werden, weil sie merken, dass die derzeitigen Vorgänge um Chelsea Manning und Julian Assange auch mit ihrer eigenen Tätigkeit zu tun haben.
Die Mutter von Julian Assange twittert, dass es ihm seit seiner Festnahme nicht erlaubt war, im Gefängnis Besuch zu empfangen, auch nicht von seinen Rechtsanwälten. „Julian hatte eine Videokonferenz mit seinen Rechtsanwälten und sie werden ihn am 26. April im Belmarsh Gefängnis besuchen“ („Julian has had one video conference with his lawyers & they will visit him at Belmarsh Prison on April 26 Many …)“
mehr:
- Chelsea Manning und Julian Assange weiterhin in Gefängnissen der „westlichen Wertegemeinschaft“ (Moritz Müller, NachDenkSeiten, 25.04.2019)
Juristen vermuten laut dem Bericht der Zeit, dass die US-Behörden mit dem geringeren Vorwurf der "Verschwörung zum Eindringen in Computer" vermeiden wollen, dass die britische Justiz einer Auslieferung Assanges an die USA widerspricht und die erweiterten Vorwürfe erst in einem späteren Stadium präsentieren will. Das britische Recht verbietet die Auslieferung eines Verdächtigen, wenn ihm in einem anderen Land die Todesstrafe droht.
[US-Vorwurf gegen Assange offenbar größer als bekanntSüddeutsche Zeitung, 16.04.2019]
Quelle: Sankt Julian, Andrian Kreye, Süddeutsche Zeitung, 13.04.2019 

mein Kommentar zu diesem Bild:
Manchmal kotzt mich die tendenziöse »Berichterstattung« unserer transatlantischen Mainstreampresse so richtig an. 
Zu Zeiten der »Pentagon Papers« hätte die Erstellung bzw. Veröfentlichung eines solches Bild gar nicht zur Debatte gestanden!


Wikileaks: "9/11 war ein Inside Job" (Enthüllungen vom 25.12.2010) {6:57}

2010IslamTube
Am 25.12.2010 veröffentlicht 
Das sind die Haupfgründe für den 11. September...

Honest Government Ad | Julian Assange {2:11}

thejuicemedia
Am 15.04.2019 veröffentlicht 
The British, Australian, Ecuadorian and US Governments have made an ad about Julian Assange’s arrest and it’s surprisingly honest and informative!
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Gerhard Baisch: Assange droht die Todesstrafe {14:33}
weltnetzTV
Am 14.04.2019 veröffentlicht 
Rechtsanwalt Gerhard Baisch von der Whistleblower-Preis-Jury über die rechtlichen Aspekte von Julian Assanges Verhaftung.
Nach fast 7 Jahren „Exil“ in der ecuadorianischen Botschaft, hat die britische Polizei Julian Assange, Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, in London festgenommen. Ecuador hatte Assange zuvor das diplomatische Asyl entzogen. Die Botschaft öffnete für die britische Polizei die Türen und Assange wurde direkt aus der Botschaft verhaftet und hinausgezerrt.
Sönke Hundt von weltnetz.tv hat zu den Vorkommnissen den Rechtsanwalt Gerhard Baisch (Mitglied der Whistleblower-Preis-Jury der Vereinigung für Friedensrecht, IALANA) befragt. Verstößt die Verhaftung von Julian Assange gegen internationales Recht? Welche Anklagen werden gegen ihn erhoben? Wird er womöglich an die USA ausgeliefert und droht ihm dort die Todesstrafe? Wie sieht die rechtliche Situation von Whistleblowern weltweit aus?
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Nach drei veröffentlichten Folgen der „Papers“ in der New York Times ließ Nixon weitere Zeitungsberichte verbieten – ein bis dahin einmaliger Fall von Zensur in der US-Geschichte. Ellsberg gab die Dokumente an 18 andere Zeitungen. Auch diesen wurde die Veröffentlichung verboten. Der Streit ging bis vor den Obersten Gerichtshof (Supreme Court), der die Veröffentlichung per Grundsatzurteil am Ende erlaubte.[8] Ellsberg wurde trotzdem als Spion nach dem Espionage Act von 1917 angeklagt. Ihm drohten 115 Jahre Haft. Der Prozess platzte allerdings, als herauskam, dass Nixon Ellsberg hatte ausspähen lassen und einem Einbruch in die Praxis von Ellsbergs Psychiater zugestimmt hatte – man hatte sich erhofft, in Ellsbergs Patientenakte Belastendes über ihn zu finden, das zu seiner Diskreditierung hätte eingesetzt werden können.[9] Mit dieser illegalen Operation war dasselbe Team von ehemaligen und aktiven FBI- und CIA-Agenten betraut worden, das ein Jahr später in den Watergate-Gebäudekomplex einbrach und den gleichnamigen Skandal lostrat, der Nixon 1974 das Amt kostete.[2] Auch diese politische Affäre wurde durch einen Whistleblower an die Öffentlichkeit gebracht, den hochrangigen FBI-Mitarbeiter Mark Felt, dessen Identität die Washington-Post-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein allerdings bis 2005 geheim hielten.[10]
In dem betreffenden Grundsatzurteil des obersten Gerichts legten die Richter fest, dass das Geheimhaltungsinteresse des Staates an von Whistleblowern gelieferten geheimen Regierungsdokumenten im Zweifelsfall hinter dem Interesse der Öffentlichkeit und der Pressefreiheitzurückstehen müsse. Einer der Richter schrieb dazu, unter Bezug auf die durch die Pentagon-Papiere aufgedeckte Desinformation der Öffentlichkeit durch die US-Regierung:
“Only a free and unrestrained press can effectively expose deception in government. And paramount among the responsibilities of a free press is the duty to prevent any part of the government from deceiving the people and sending them off to distant lands to die of foreign fevers and foreign shot and shell.”
„Nur eine freie, unbehindert agierende Presse kann effizient Täuschungen durch die Regierung aufdecken. Und über allen Verantwortlichkeiten einer freien Presse steht die Pflicht, jeglichen Teil der Regierung daran zu hindern, die Menschen zu betrügen und in ferne Länder zu schicken, um an fremdländischen Krankheiten und fremdländischen Kugeln und Granaten zu sterben.“[8]
[Daniel Ellsberg, Die Veröffentlichung der geheimen „Pentagon-Papiere“, Wikipedia, abgerufen am 26.04.2019 – Hervorhebung von mir]
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Unter dem Begriff Disaster Preparedness verstärkte die US-Regierung Mittel, Personal, Kompetenzen und Aufgaben für den Katastrophenschutz, die Flughafensicherheit und Luftsicherheit. Am 14. September 2001 wurde der Ausnahmezustand verhängt.[61]
Im Oktober 2001 wies Vizepräsident Dick Cheney acht Inlandsgeheimdienste an, ein bestehendes Gesetz aus den 1970er Jahren, das Schleppnetz- und Rasterfahndung ohne richterliche Anordnung verbot, zu umgehen. Am 26. Oktober 2001 trat der USA PATRIOT Act in Kraft, der „inländischen Terrorismus“ als Beeinflussen der Regierung durch Einschüchterung oder Zwang definiert und US-Bundesbehörden weitreichende Eingriffe in Bürgerrechte für Anti-Terror-Ermittlungen erlaubt: etwa das Überwachen verdächtigter Personen ohne richterliche Anordnung, das geheime Abhören von Telefonaten, Speichern von Verbindungsdaten und Ausspionieren von E-Mail-Kontakten, das Einholen von personengebundenen Informationen bei Versicherungen, Geldinstituten und Arbeitgebern, das Inhaftieren und Ausweisen terrorverdächtiger Ausländer ohne Angaben und richterliche Prüfung von Verdachtsmomenten und mit erschwerten Haftprüfungsrechten. Danach wurden bis 2003 über 5000 Ausländer, meist junge männliche Muslime mit Kontakten in arabischen Staaten, verhaftet, davon 531 ausgewiesen, manche bis zu acht Monaten festgehalten, aber keiner von ihnen wurde angeklagt. Zwar erklärte der Supreme Court einige dieser Bestimmungen seit 2004 für verfassungswidrig, doch im März 2006 verlängerte der US-Kongress 14 von 16 Bestimmungen des USA PATRIOT Actunbefristet. Bush brach die Gesetzesauflage, dem Kongress vollständig Auskunft über die Umsetzung der Maßnahmen zu geben – insgesamt wurden in den USA neben dem zentralen Ministerium für Heimatsicherheit mit 170.000 Beschäftigten 263 Sicherheitsbehörden neu gegründet oder reorganisiert; 1200 staatliche Organisationen und 1931 private Firmen befassen sich seither mit Gefahrenabwehr.[62]
[Terroranschläge am 11. September 2001, Innenpolitische Maßnahmen, Wikipedia, abgerufen am 26.04.2019 – Hervorhebungen von mir]
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mein Kommentar:
Da mit dem 9/11-Anschlag der nationale Notstand ausgerufen und mit der Ausrufung zahlreiche Bürgerrechte stark eingeschränkt wurden, bleibt abzuwarten, welche Geschütze der US-Staat auffahren wird, um Julian Assange hinter Gitter zu bringen.
Die Zeiten der »Pentagon Papers« scheinen definitiv vorbei, und unsere Mainstream-Medien schlafen!

Pink Floyd's Roger Waters: WHOLE WORLD Must Focus on Julian Assange Arrest! {20:26} – unter Video-Einstellungen (Zahnrad) »automatische Übersetzung – Deutsch« wählen!

goingundergroundRT
Am 17.04.2019 veröffentlicht 
we speak to Pink Floyd’s Roger Waters on the arrest of Julian Assange. He calls on the UK to rise up to oppose Assange’s extradition, labels the UK a satellite state of US empire for arresting Assange and attacks the government of Lenin Moreno for revoking his asylum
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siehe auch:
US-Vorwurf gegen Assange offenbar größer als bekannt (Süddeutsche Zeitung, 16.04.2019)
Dirk Pohlmann: "Der duale Staat – Recht, Macht und Ausnahmezustand" (Post, 16.05.2018)
Postfaktisches Zeitalter: Wir trampeln auf unseren »Westlichen Werten« herum, bis der Begriff keinen substantiellen Inhalt mehr hat (Post, 02.04.2018)
Wäre es besser, wenn wir‘s nicht wüßten? Wikileaks hat Geburtstag (Post, 05.10.2016)
Daniel Ellsberg, Vater aller Whistleblower (Post, 03.03.2016)

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  • 2010 – Sam Adams Award für das Zugänglichmachen von US-Militärdokumenten zum Irak- und Afghanistankrieg[215]
Der norwegische Parlamentsabgeordnete Snorre Valen schlug WikiLeaks offiziell beim Nobelinstitut als Kandidat für den Friedensnobelpreis 2011 vor. Zur Begründung sagte der Abgeordnete der Sosialistisk Venstreparti, WikiLeaks sei „einer der wichtigsten Beiträge dieses Jahrhunderts zu Meinungsfreiheit und Transparenz“.[217][218]
[WikiLeaks, Auszeichnungen, Wikipedia, abgerufen am 28.04.2019]
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WikiLeaks, its publisher and its journalists have won many awards, including:
The Economist New Media Award (2008)
The Amnesty New Media Award (2009)
TIME Magazine Person of the Year, People’s Choice (highest global vote) (2010)
The Sam Adams Award for Integrity (2010)
The National Union of Journalists Journalist of the Year (Hrafnsson) (2011)
The Sydney Peace Foundation Gold Medal (2011)
The Martha Gellhorn Prize for Journalism (2011)
The Blanquerna Award for Best Communicator (2011)
The Walkley Award for Most Outstanding Contribution to Journalism (2011)
The Voltaire Award for Free Speech (2011)
The International Piero Passetti Journalism Prize of the National Union of Italian Journalists (2011)
The Jose Couso Press Freedom Award (2011)
The Privacy International Hero of Privacy (2012)
The Global Exchange Human Rights People’s Choice Award (2013)
The Yoko Ono Lennon Courage Award for the Arts (2013)
The Brazillian Press Association Human Rights Award (2013)
The Kazakstan Union of Journalists Top Prize (2014)
The Willy Brandt Award for Political Courage (Harrison) (2015)
WikiLeaks has also been nominated for the UN Mandela Prize (2015) and, in six consecutive years, for the Nobel Peace Prize (2010-2015).
[Awards, Defend.Wikileaks.org, undatiert – ich habe mir nicht die Arbeit gemacht und jeden einzelnen Preis noch recherchiert, aber ich glaube, daß sich Wikileaks nicht leisten kann, falsche Angaben zu machen]


Was sind Whistleblower für Menschen? Was treibt sie an? Die meisten von ihnen entsprechen kaum dem Hollywood-Klischee vom scheuen Außenseiter mit rebellischem Herzen. Sie sind eher konservativ. Sie packen aus, weil ihr Gewissen ihnen keine andere Wahl lässt. Aber damit beginnt ihre Geschichte erst. […]
Warum idealisieren wir Whistleblower abstrakt und machen ihnen konkret das Leben schwer? Die Einsamkeit, in die ihr Mut sie führt, scheint uns nur darin zu bestärken, sie als Sonderlinge abzustempeln. Warum?
Mit dieser Frage wende ich mich an den Psychologen Philip Zimbardo, der 1971 das Stanford-Gefängnis-Experiment leitete. Zimbardo teilte eine Studentengruppe in Häftlinge und Wärter ein und überwachte ihr Verhalten. Nach sechs Tagen musste das Experiment abgebrochen werden, weil die Wärter zu sadistisch wurden und die Häftlinge verzweifelten. Die größte Überraschung war, dass sich aus den zuvor durch Tests ermittelten Persönlichkeitstypen kaum ableiten ließ, wie die Einzelnen handelten. Viel prägender war die Situation selbst. Man nehme noch den Befund von Zimbardos Kollegen Solomon Asch hinzu, dass selbst Menschen mit großer Willenskraft es nicht dauerhaft ertragen, aus der Menge herauszustechen, und wir erhalten ein klares Bild: Der Mensch als soziales Wesen tut lieber etwas Falsches als allein zu bleiben. Unser Wunsch nach Zugehörigkeit kann also missbraucht werden. Wo er mit unseren moralischen Werten kollidiert, da „strengen wir uns erheblich an, um das eigentlich Unvereinbare in irgendeine funktionale Übereinstimmung zu zwängen“, so Zimbardo. Genau diese schützenden Rationalisierungen aber erlauben sich die Whistleblower nicht.  
[Quelle: Sonderlings Schicksal, Andrew Smith, der Freitag
29.12.2014; zum Thema siehe:  Sonderlings Schicksal, Post, 07.01.2015 – Hervorhebungen von mir]


Die Staaten des Westens sind Demokratien. Es wird gewählt. Regierungen wechseln. Es gibt die Medien, die mehr oder weniger unabhängig sind. Es gibt Nichtregierungsorganisationen. Es gibt die Gewaltenteilung. Das ist alles schön und gut, und wir sollten uns darüber freuen. Denn es könnte tatsächlich schlimmer sein.

Aber unter dieser Oberfläche gibt es unsichtbare Tiefenstrukturen. Von Macht und Rechtlosigkeit, von Überwachung und Kontrolle und von Gehorsam. Vor allem von Gehorsam. Es gibt eine funktionstüchtige Infrastruktur des vollkommenen Polizeistaats, in die wir alle eingebettet sind. Wir sehen sie nicht. Wir spüren sie nicht. Aber sie umgibt uns. Wir leben in einem ruhenden Polizeistaat, in einem schlafenden Polizeistaat – der jederzeit zum Leben erweckt werden kann.

Wer diesem Rechtsstaat in die Quere kommt, kann sich auf einiges gefasst machen.
Chelsea Manning verbrachte neun Monate in Isolationshaft. Sie musste nachts ihre Kleider abgeben und morgens nackt vor der Zelle antreten. Körperliche Übungen waren ihr verboten. Das Licht brannte unablässig. Das ist der Rechtsstaat.

Und Selbsttäuschung war es, die viele Journalisten in Deutschland eher mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen reagieren ließ. Der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, war da typisch. Er schrieb, er wünsche sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat“. Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das grausame Waterboarding in den Gefängnissen der CIA, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch Whistleblower. […
]
Nach US-amerikanischem Recht ist die Überwachung der Welt erlaubt. Was soll das? Diesen Rechtsanspruch können sich die Amerikaner gar nicht selbst genehmigen.

In Bezug auf ihre Auffassung von Sicherheitspolitik sind die USA heute ein totalitärer Staat. Solange das so ist, haben wir eine besondere Verpflichtung, wir in Europa, wir in Deutschland. Es ist die Verpflichtung, die Flamme der Freiheit nicht ausgehen zu lassen. Es ist die Verpflichtung, jenen, die gegen diesen Totalitarismus kämpfen, Schutz zu gewähren.
Quelle: Vater aller Whistleblower (Jakob Augstein, der Freitag, 03.03.2016, Hervorhebungen von mir)
siehe aber auch:
In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn Assange nicht als Vergewaltiger gilt? (Viruletta, Mädchenmannschaft, 24.08.2012)
- Die Schönheit des Abgrunds (Post, 04.06.2018)
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Julian Assange: Ein sehr gesuchter Mann | ARTE Reportage {36:34}

ARTEde
Am 01.07.2019 veröffentlicht 
Am 11. April 2019 verhafteten britische Polizisten den Gründer von Wikileaks in der Londoner Botschaft von Ecuador.
Fast 7 Jahre lang hatte die Botschaft Ecuadors Julian Assange diplomatisches Asyl gewährt und damit seine Auslieferung erst nach Schweden und von dort aus möglicherweise in die USA verhindert. In Schweden erwartet ihn ein Verfahren wegen des Vorwurfs von sexuellem Missbrauch und in den USA wollen sie ihn wegen der Veröffentlichung streng geheimer Dokumente auf der von ihm gegründeten Internetplattform Wikileaks anklagen. Nach der Verhaftung im April aber sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis am Rand von London – dort haben die Engländer ihre gefährlichsten Terroristen untergebracht. Sollte Assange von England aus in die USA ausgeliefert werden, dann drohen ihm dort bis zu 175 Jahre Haft. Die Arte Reporter hatten Julian Assange vor 3 Jahren in der Botschaft Ecuadors interviewen dürfen. Sie fassen heute den aktuellen Stand der Ermittlungen gegen ihn in dieser Reportage noch einmal zusammen – die einen sehen in ihm einen Verräter, die anderen einen Kämpfer für das Recht auf Information.
Abonniert den Youtube-Kanal von ARTE: http://www.youtube.com/user/ARTEde
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