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Donnerstag, 23. Januar 2020

Gemeinnützige Vereine am Gängelband

Aberkennung der Gemeinnützigkeit bremst kritisch-bürgerschaftliches Engagement per Steuerrecht aus und schadet einer lebendigen Demokratie. Während „attac“ und „VVN-BdA“ um ihren Status kämpfen müssen, gelten neoliberale und extrem rechte Vereine weiterhin unangefochten als „gemeinnützig“. Von Rolf Gössner.
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Im vergangenen Jahr ist etlichen linksprogressiven Vereinen durch die zuständigen Finanzämter die Gemeinnützigkeit aberkannt und entzogen worden – mit existentiellen Folgen für die betroffenen Organisationen. Es handelt sich nach Auffassung des Autors Rolf Gössner (Rechtsanwalt/Publizist, Internationale Liga für Menschenrechte) um ein staatliches Ausbremsen kritisch-bürgerschaftlichen Engagements mit den Mitteln des Steuerrechts und um einen Angriff auf Netzwerke demokratischer Willens- und Meinungsbildung.
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„Attac“-Urteil des Bundesfinanzhofs: Kehrtwende im Gemeinnützigkeitsrecht?

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Das globalisierungskritische Netzwerk „Attac“ war seit seiner Gründung Anfang der 2000er Jahre als gemeinnützig anerkannt. Zweck der Vereinigung ist „die Förderung des Schutzes der Umwelt und des Gemeinwesens, der Demokratie und der Solidarität, dies unter besonderer Berücksichtigung der ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Globalisierung“, so „Attac“-Anwalt Dr. Till Müller-Heidelberg („vorgänge“ 227/2019, S. 157ff.). Und weiter: „Außerdem fördert der Verein die Völkerverständigung und den Frieden. Hierzu betreibt der Verein Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen Nord-/Süd-Differenz und Entwicklung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit … und weltweite Gerechtigkeit.“ Mit seinem Engagement für eine demokratische Kontrolle der Wirtschaft, für soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit verteidige „Attac“ das Gemeinwohl gegen mächtige Kapitalinteressen.
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2014 entzog das Finanzamt Frankfurt/M. „Attac“ den Status der Gemeinnützigkeit, weil der Trägerverein politische Forderungen aufstelle, so etwa zur Regulierung der Finanzmärkte. Seit 2015 klagt „Attac“ dagegen. Nachdem das Hessische Finanzgericht die Aberkennung widerrufen und damit die Gemeinnützigkeit bestätigt hatte, weil alle Aktionen von „Attac“ der Förderung der politischen Bildung und des demokratischen Staatswesens dienten, beantragte das zuständige Finanzamt auf Weisung des Bundesfinanzministeriums eine Revision der Entscheidung. Mit der Anfang 2019 veröffentlichten Revisionsentscheidung gab der Bundesfinanzhof (BFH), also das höchste Finanzgericht der Bundesrepublik, dem Revisionsantrag statt und bestätigte die Aberkennung der Gemeinnützigkeit von „Attac“ (BFH-Urteil v. 10.01.2019; Az. V R 60/17). „Attac“ sei nicht gemeinnützig, so das Gericht, weil das Netzwerk mit seinen Kampagnen versuche, die politische Meinung zu beeinflussen. Zwar gelte die unter Volksbildung zu fassende politische Bildungsarbeit nach dem Gesetz als gemeinnützig, nicht aber der Einsatz für allgemeinpolitische Forderungen zur Tagespolitik und auch nicht Kampagnen, die zu diesem Zweck veranstaltet werden. Die Volksbildung, so das Gericht weiter, müsse eigenständig und in „geistiger Offenheit“ betrieben werden (was im Gesetz allerdings so nicht normiert ist).
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Diese gerichtliche Vorgabe werde von „Attac“ jedoch nicht erfüllt. Warum? Weil der Trägerverein ganz konkrete Lösungsvorschläge und Forderungen zu bestimmten allgemeinpolitischen Themen durchsetzen wolle, so etwa zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, zum „Spar-“ und zum „Klimapaket“ der Bundesregierung, zur Bekämpfung der Steuerflucht, zur Regulierung der Finanzmärkte, zur Besteuerung von Finanztransaktionen oder zum bedingungslosen Grundeinkommen. Eine solche Tätigkeit, „die darauf abzielt, die politische Willensbildung und die öffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen zu beeinflussen“, sei „nicht als politische Bildungsarbeit gemeinnützig“ (BFH-Pressemitteilung Nr. 9/19 v. 26.02.2019) – obwohl doch gerade dies zuvor voll akzeptiert worden ist, sofern solche politischen Aktivitäten, Forderungen und Einflussnahmen der Verwirklichung anerkannt gemeinnütziger Zwecke dienen und die betreffenden Organisationen nicht parteipolitisch agieren (vgl. Grundsatzentscheidungen des Bundesfinanzhofs v. 29.08.1984 und 23.09.1999).

mehr:
- Wie politisch dürfen gemeinnützige Vereine agieren? (Rolf Gössner, NachDenkSeiten, 23.01.2019)
siehe auch:
- Steuerpolitik im Neoliberalismus: Attac nicht mehr gemeinnützig – Die Atlantik-Brücke schon (Post, 26.02.2019)

Autokratie spielerisch erklärt - Die Anstalt vom 16.07.2019 | ZDF {7:55 – Start bei 1:04 
– Pelzig: »Dann wollen wir’s jetzt mal richtig originell machen…«}

ZDF Comedy
Am 21.07.2019 veröffentlicht 
Mehr Die Anstalt: http://ly.zdf.de/UbH1V/
Jetzt auch in Deutschland erhältlich: Aufhebung der Gewaltenteilung, Willkür und Gängelung der Zivilgesellschaft.
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Freitag, 17. Januar 2020

Human Rights Watch: Weißhelme in Nadelstreifen?

Human Rights Watch schießt gegen China. Kritik an den USA findet kaum Beachtung. Dabei wiegt sie schwerer
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Am Dienstag veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch ihren diesjährigen Bericht zur Lage der Menschenrechte in über 90 Ländern. Auf rund 650 Seiten beklagen die Autoren ein breites Spektrum an Diskriminierungen, Menschenrechtsverletzungen, und Bedrohungen der Zivilgesellschaft. Technologische Massenüberwachung, Internetsperren, extreme Polizeigewalt, institutioneller Rassismus, rechtsextremistische Angriffe auf Asylunterkünfte, Homophobie, politische Morde, Massenexekutionen, you name it.

Breites Medienecho findet allerdings nicht der Bericht selbst, sondern dessen Vorwort. HRW-Direktor Ken Roth erhebt darin schwere Vorwürfe gegen China. Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatte Roth Chinas Umgang mit Regimekritikern performativ entblößt. Wohlwissend, dass China seit Dezember als Reaktion auf das US-Gesetz "Hong Kong Human Rights and Democracy Act" Besuche von amerikanischen NGOs, insbesondere von Human Rights Watch, in Hongkong verbietet, hatte Roth die Pressekonferenz in Hongkong abhalten wollen. Seine Rechnung ging auf: China wies ihn unverzüglich wieder aus.

Schließlich hatte er über China einiges zu berichten, das er nun bestätigt sah. Unter Präsident Xi Jinping seien Menschenrechte und Meinungsfreiheit weltweit in Gefahr, überhaupt sei China die größte Bedrohung für Menschenrechte. „Die chinesische Regierung sieht die Menschenrechte anscheinend als existenzielle Bedrohung an. Aber ihre Haltung gegen Menschenrechte ist eine existenzielle Bedrohung für die Welt“, sagte Roth. Die Welt sei ohne angemessene Verteidigung von einer „dystopischen Zukunft bedroht, in der niemand außerhalb der Reichweite der chinesischen Zensur ist“.

"Peking hat einheimische Kritiker lange unterdrückt", sagte Roth. "Jetzt versucht die chinesische Regierung, diese Zensur auf den Rest der Welt auszudehnen. Um die Zukunft aller zu schützen, müssen die Regierungen gemeinsam handeln, um Pekings Angriffen auf das internationale Menschenrechtssystem Widerstand zu leisten." Zudem sei Chinas Einfluss auf die Vereinten Nationen als Veto-Macht nicht mehr haltbar. "Im September, als 3 Millionen Zivilisten wahllos von russischen und syrischen Jets bombardiert wurden, schloss sich China Russland an und legte im Sicherheitsrat sein Veto gegen die Forderung nach einem Waffenstillstand ein", so Roth im Vorwort des Berichts.

mehr:
- USA und China im HRW "World Report 2020" (Bulgan Molor-Erdene, Telepolis, 16.01.2020 – Hervorhebung von mir)
siehe auch:
- Human Rights Watch: Menschenrechte und Meinungsmache (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 18.01.2020)

mein Kommentar:
Wenn ich sowas lese (»Im September, als 3 Millionen Zivilisten wahllos von russischen und syrischen Jets bombardiert wurden…«) spare ich mir weiteren Energieaufwand. Sowas finde ich einfach nur noch plump und niveaulos.
Am stramm transatlantisch ausgerichteten Eric Frey mit seinen platten Pennälersprüchen haben sich Dirk Müller und Johannes Voggenhuber schon vor etwas über 5 Jahren vergeblich abgearbeitet:
Faktenfreie Qualitäts-Hetze im ARD-Faktenfinder (Post, 06.02.2019 – siehe die entsprechenden Video-Ausschnitte: Pro und Contra – PULS 4 News Talk vom 24.11.2014 – erstes und letztes Video) 
Ich habe mir diese »Diskussion« schon einige Male angesehen: Es rollen sich mir immer wieder die Zehnägel auf!
siehe auch die Kommentare auf:
- Dirk Müller war zu Gast bei Puls 4 - Thema: Die Stimmung zwischen Europa und Russland (cashkurs.com, 25.11.2014 – CashKurs ist Dirk Müllers Internet-Präsenz)
»Die Bedeutung des CFR ist nicht leicht zu übertreiben. Es ist die wichtigste nichtstaatliche außenpolitische Organisation der USA. Seine zentrale Rolle besteht darin, die akzeptierten, legitimen und orthodoxen Parameter der Diskussion über die US-Außenpolitik und damit zusammenhängende Fragen zu definieren. […] Der CFR entspricht also dem, was die Sowjets die oberste Ebene der Nomenklatura nannten.«
[Stephen F. Cohen, Princeton-Professor und ehem. CFR-Mitglied, The Nation, 2018 – Zitat gefunden in Die Propaganda-Matrix, Swiss Propaganda Research, September 2017, Kapitel 2: Die CFR-Matrix – Erklärung: CFR = Council on Foreign Relations]

eine Anmerkung:
Der Ausgewogenheit halber sollte ich vielleicht auch zu Mainstream-Medien-Artikeln verlinken. 
Aber das sehe ich nicht ein: Ich verschwende meine Zeit nicht damit, auf transatlantisch normierte Blabla-Artikel zu verweisen, bei denen ich jetzt schon weiß, was drinsteht…



  Nichtregierungsorganisationen (NGOs)
Während Propaganda in autoritären Staaten zumeist direkt von der Regierung ausgeht (und entsprechend einfach zu durchschauen ist), spielen in der CFR-Matrix die sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eine besondere Rolle, da sie der Bevölkerung eine Regierungsferne und mithin eine größere Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit suggerieren.

Tatsächlich sind die Direktoren von Amnesty International (AI), Human Rights Watch (HRW) und vieler weiterer vordergründig humanitärer Organisationen jedoch seit Jahrzehnten in den Council eingebunden, während zahlreiche andere von CFR-Milliardären wie George Soros finanziert und gelenkt werden. Letzterer betreibt dabei durchaus keine eigenständige Außenpolitik, sondern unterstützt lediglich die internationalen Operationen des Councils im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Während diese NGOs unterm Jahr bisweilen durchaus sinnvolle, indes überwiegend folgenlose Arbeit leisten (z.B. Berichte zur internationalen Menschenrechtslage verfassen), kommt ihre geopolitische Funktion immer dann zum Einsatz, wenn es gilt, einen Regime Change vorzubereiten oder eine Militärintervention humanitär zu legitimieren. So »verifizierte« Amnesty International bereits 1991 öffentlich die von einer amerikanischen PR-Firma erfundene »Brutkastenlüge« und trug damit wesentlich zur Lancierung des Golfkriegs bei. Auch auf dem Balkan, in Afghanistan („NATO: keep the progress going!“) und Libyen forderten AI und HRW auf Basis fragwürdiger bis falscher Behauptungen »humanitäre« Militärinterventionen.

Im Syrienkrieg hatte Human Rights Watch nach dem Giftgasangriff vom Sommer 2013 alsbald ein Gutachten zur Hand, welches die Täterschaft der syrischen Regierung belegen und damit eine NATO- Intervention begründen sollte. In einer späteren Analyse von MIT-Forschern stellte sich das Gutachten indes als fabriziert heraus, doch für CFR-Medien dürfte dies auch künftig kein Grund zur Skepsis sein.

[
Die Propaganda-Matrix: Wie der CFR den geostrategischen Informationsfluss kontrolliert, Studie von Swiss Propaganda Research, September 2017, S. 6]
siehe desweiteren:
«The United States is ready to embrace peace with all who seek it.»
[zu dem Trump-Zitat siehe:
Mediensprache: Vom Politiker-Blabla zur Schlagzeile
, Post, 12.01.2020]
mein Kommentar:
Aus diesem Trump-Zitat einen Artikel zu machen, da fällt mir nichts mehr ein, außer: dem Journalisten ist sonst nichts eingefallen… 
😜

Der Qualitätsverlust unserer Medien ist vorprogrammiert (Post, 10.01.2020)
Mord und Mediensprache (Post, 09.01.2020)
Freiheit, Demokratie und Mainstream-Gelaber? – Aufwachen!! (Post, 06.01.2020)
Kaum Lügen, aber die hohe Kunst der Verkürzung (Post, 31.12.2019)
Faktenfreie Qualitäts-Hetze im ARD-Faktenfinder (Post, 06.02.2019)
Wir wollen es gar nicht wissen: Demokratie, Globalisierung, Fracking und Meinungsmache (Post, 28.08.2017)
Eine CIA-NGO im Great Game: Das National Endowment for Democracy (Post, 19.02.2016)
Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)
Der Ukraine-Konflikt 5 – Die Nagelprobe der »freien Presse« (Post, 21.04.2014)
Tagesschau sachlich und objektiv: »Putin, einsam und verlassen« (Post, 19.11.2014)
27 000 PR-Berater polieren Image der USA (Post, 12.02.2009)
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Georg Schramm | Wir leben in einem großen Krieg {14:42}

Die Blaue Hand
Am 11.08.2019 veröffentlicht 
Georg Schramm | Wir leben in einem großen Krieg
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Schwanzus Longus Ansprache {4:17}

feciman21
Am 11.08.2019 veröffentlicht 
lasst nuschuwiak und Schmul frei, und den chönen pernhart...silas der syrische Sittenstrolch, samson der saluzäische ochse…
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Sonntag, 6. Oktober 2019

Irak: eskalierende Proteste von außen gesteuert?

Die Zahl der Toten steigt auf fast 100. Weder der Regierungschef Abdul Mahdi noch der einflussreiche Ayatollah Ali Sistani konnten die Lage beruhigen. Zeichen einer Einmischung von außen häufen sich

Die Proteste im Irak eskalieren. Mehrere Anzeichen deuten darauf hin, dass die von der aussichtslosen Lage der Jugend angestoßenen Proteste, wie befürchtet (Irak: Die Jugend stellt die Systemfrage), von Kräften geschürt werden, die die Gelegenheit nutzen, um eigene politische Ziele zu verfolgen.

Beobachter, die über Kontakte zur irakischen Regierung verfügen, stellen die These auf, dass der "stille Krieg zwischen den USA und Iran nun in einen irakischen Aufstand transformiert" wurde.

Mittlerweile zählt die Bilanz der Opfer laut Reuters beinahe 100. Die UN ruft zum Ende des sinnlosen Blutvergießens auf. Festzustellen ist, dass weder der 17-Punkte-Plan, den Regierungschef Adel Abdul Mahdi nach einer eilig einberufenen Kabinettssitzung zur Besänftigung der Proteste vorschlug, noch der deeskalierende Aufruf aus dem Umkreis des einflussreichen Ayatollahs Ali Sistani einen beruhigenden Effekt auf die Proteste ausüben konnten.

Einsatz von Scharfschützen, Angriffe vermummter Gruppen auf TV-Sender

Bilder vom Wochenende, wie sie von Reporting Iraq dokumentiert werden, die mit Mobiltelefonen inmitten von Protesten aufgenommen wurden, zeigen, dass Demonstranten gezielt von Scharfschützen (snipers) getötet wurden. Dazu kamen über Twitterkonten verbreitete Nachrichten, wonach mehrere Sendestationen von bewaffneten Gruppen angegriffen wurden. Auch die Washington Post, Al-Arabyia und RT berichteten darüber.

Es kursieren Beobachtungen, die sich auf Augenzeugen stützen, wonach die Gewalt gegen die meist jugendlichen Protestierer nicht nur von den Sicherheitskräften der Regierung stammt, sondern von anderer, "dritter" Seite kommt, die Opfer sowohl unter den Protestierern wie unter den irakischen Sicherheitskräften verursacht.

Unter den irakischen Militärs wie auch unter den Polizeikräften gebe es ein großes Maß an Verständnis und Solidarität für die Motive der jugendlichen Protestierer, wird zumindest im Fall von Basra behauptet.

Für diese Behauptung - die an anderer Stelle allerdings dahingehend relativiert wird, dass Sicherheitskräfte dennoch mit Härte gegen Protestierer vorgehen - sprechen Äußerungen aus dem Umkreis des Premierministers Adel Abdul Mahdi und von ihm selbst, die auf eine Position des grundlegenden Verständnisses für die Nöte der Jugendlichen und der Bevölkerung schließen lassen.

Allerdings kommen von Regierungsseite auch Interpretationen, wonach die Proteste schon seit Monaten geplant waren. Der Tod von 16 Mitgliedern der Sicherheitskräfte sowie das Inbrandsetzen von Regierungsgebäuden und Gebäuden von Parteien wird nach Informationen von Elijah J. Magnier in Bagdad als Zeichen dafür gewertet, dass die "echten Klagen der Bevölkerung" von Kräften umdirigiert wurden.

mehr:
- Irak: Proteste eskalieren (Thomas Pany, Telepolis, 06.10.2019)
siehe auch:
Was US-Stiftungen in Russland fördern (Friedrich Homann, 11.10.2016)
Eine CIA-NGO im Great Game: Das National Endowment for Democracy (Post, 19.02.2016)
- Putin und die USA: unpassende »Umtriebe«, FARA und die NGOs (Post, 17.08.2015)

Mittwoch, 18. September 2019

Neusprech aus den Netzwerken der Macht

Die westlichen Demokratien sind inzwischen mit einem dichten Gespinst sogenannter Nichtregierungsorganisationen durchzogen, die jedoch vom Grundsatz her allesamt einer Richtung folgen – einer neoliberalen Agenda (angeblich) freier, offener Märkte. Dabei bedienen sich Politik und Medien exzessiv dieser Netzwerke. Oder richtiger gesagt: Diese Netzwerke bedienen sich freimütig der Politik und Medien.

Im Zuge einer anstehenden Veranstaltung zum Weltfriedenstag der Vereinten Nationen wurde ich auf ein Symposium aufmerksam gemacht, in dem Friedensthemen behandelt werden möchten. Die Organisatoren konnten als Podiumsgäste:

“zwei sehr kompetente Wissenschaftlerinnen, die Friedens- und Konfliktforscherin Sahra Brockmeier vom Global Public Policy Institut (GPPi) und Dr. Nina Thomson, eine herausragende Analystin der Entwicklung des Weltordnungs-Systems im Zeitraum der US-Präsidentenschaften von Clinton bis Obama gewinnen.” (1) 
Da ich auch persönlich zu dieser Veranstaltung eingeladen wurde, tat ich das, was ich seit einiger Zeit immer tue, wenn ich neue Menschen kennen lernen darf. Ich befasse mich schon im Vorfeld mit ihrer Biografie, ihrem gesellschaftlichen Umfeld und dem Inhalt ihrer Arbeit. Das ermöglicht mir, ihre Perspektiven einnehmen und ihre Ansichten verstehen zu können. Verstehen heißt nicht, dass man Ansichten teilt. Verstehen heißt, sich mit einer gewissen Offenheit auf die Sicht zuzubewegen. Damit ist kein Verstricken in die Sicht des Gegenüber und seiner Persönlichkeit verbunden, kein Solidarisieren, aber auch kein Abwerten. Es lässt sich schlicht mit Achtung und Respekt umschreiben.

Für Menschen, die sich der Friedensbewegung aktiv verschrieben haben, ergibt sich an dieser Stelle eine große Herausforderung.

Denn das Verstehen allein – so meine erworbene Erkenntnis – genügt natürlich nicht, um aus dem Verständnis einer neuen Sicht auch einen signifikanten Mehrwert zu erzeugen. Die eigene Aktivität kann sich nicht im reinen Besuch und Konsum einer solchen Veranstaltung erschöpfen. Friedensarbeit äußert sich nicht darin, auf andere zu warten, die einem sagen, was man zu tun und zu lassen hat, aber auch nicht in reiner Zustimmung oder Ablehnung. Gerade bezogen auf eine Veranstaltung wie die obige, ist eine Interaktion erforderlich, die über den konsumierten Vortrag hinausgeht. Es muss tatsächlich – also nicht nur als Alibifunktion eingebettet – die Möglichkeit eines intensiven Austauschs gegeben sein und ich selbst bin gefordert, schon im Vorfeld meine Skepsis in Fragen aufzubereiten.

mehr:
- Global Governance und andere Täuschungen (Peter Frey, Peds Ansichten, 18.09.2019)

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Nach einem Bericht in Telepolis von 2018 gab das GPPI an, dass ein Sechstel ihrer Mittel vom Außenministerium kommen, weiter erhielte man Gelder von George Soros, der EU-Kommission, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der VolkswagenStiftung sowie der Stiftung der Firma Bosch.[4]
[Global Public Policy Institute, Finanzierung, Wikipedia, abgerufen am 19.09.2019]
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siehe auch:
Public Relations - Manipulation der Masse | Doku | ARTE (Post, 18.09.2019)
Gegen das Geschwurbel (Thorsten Benner, Internationale Politik, 22.02.2019 – gefunden auf gppi.net)


Our research found that there have been at least 336 chemical weapons attacks over the course of the Syrian civil war – significantly more than has commonly been known. Around 98 percent of these attacks can be attributed to the Assad régime, with the Islamic State group responsible for the rest. Approximately 90 percent of all confirmed attacks occurred after the infamous ​“red line” incident of August 2013.

The Syrian military’s chemical warfare campaign is closely intertwined – logistically, operationally and strategically – with its campaign of conventional warfare. The designs of the Assad régime’s improvised chlorine munitions, which have accounted for at least 89 percent of all chemical attacks throughout the war, are clearly derived from conventional ​“barrel” or ​“lob” bombs. Both are employed by the same Syrian military formations via the same delivery systems.
Unsere Forschung ergab, dass es im Verlauf des syrischen Bürgerkriegs mindestens 336 chemische Waffenangriffe gegeben hat – deutlich mehr als allgemein bekannt. Rund 98 Prozent dieser Angriffe sind auf das Assad-Regime zurückzuführen, für den Rest ist die islamische Staatsgruppe verantwortlich. Ungefähr 90 Prozent aller bestätigten Angriffe ereigneten sich nach dem berüchtigten Zwischenfall „rote Linie“ im August 2013.

Die chemische Kriegsführung des syrischen Militärs ist logistisch, operativ und strategisch eng mit der konventionellen Kriegsführung verknüpft. Die Entwürfe der improvisierten Chlormunition des Assad-Regimes, die während des Krieges mindestens 89 Prozent aller chemischen Angriffe ausmachte, leiten sich eindeutig von konventionellen ab "Fass" oder Bomben werfen. Beide werden von denselben syrischen Militärformationen über dieselben Trägersysteme eingesetzt.
[Tobias Schneider, Theresa Lütkefend, Nowhere to Hide: The Logic of Chemical Weapons Use in Syria, Studie, 17.02.2019 – gefunden auf gppi.net – Google-Übersetzer]
Die Briten völlig von der Rolle: »Integrity Initiative« taucht ab (Post, 24.01.2019)
- Commentary – Für eine ehrliche Außenpolitik (Philipp Rotmann, FAZ, 28.02.2018 – gefunden auf gppi.net)
Eine CIA-NGO im Great Game: Das National Endowment for Democracy (Post,  19.02.2016)

mein Commentary:
Definiere »ehrliche Außenpolitik«!
Und zur Giftgas-»Studie«: Viele Grüße an die britischen Propagandaorganisationen »Weißhelme« und die »Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte«!