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Samstag, 7. November 2020

Ralf Streck (Telepolis) im Panik-Modus: »Wieder Todeszahlen wie im Frühjahr in Spanien«

Das Land ist wieder auf dem direkten Weg in einen Lockdown, weil nicht frühzeitig und zu zaghaft auf die 2. Welle reagiert wird

Am Freitag wurden neue Covid-Horrorzahlen in Spanien gemeldet, die deutlich an die erinnern, die in der ersten Welle im Frühjahr registriert wurden. In den letzten 24 Stunden waren erneut 347 Menschen gestorben. In spanischen Krankenhäusern befinden sich inzwischen mehr als 20.000 Menschen wegen Coronavirus. Mehr als 2.800 Patienten liegen inzwischen auf Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben.

In einigen Regionen, wie Andalusien, die fälschlicherweise, wie Telepolis immer wieder angemerkt hatte, im Sommer als weitgehend sichere Gebiete galten, befinden sich nun 442 Patienten auf Intensivstationen. Das sind mehr als zum Höhepunkt der ersten Welle im März.

Erneut zeigt sich, dass man in Spanien viel zu spät und zu zaghaft auf die zweite Infektionswelle reagiert hat, da erst vor gut einer Woche wieder der Alarmzustand ausgerufen wurde. Es zeigt sich allerdings auch, dass Regionen wie Katalonien, wo Kneipen schon seit drei Wochen wieder geschlossen sind und eine nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr gilt, es auch ohne einen neunen Lockdown geschafft wurde, die Kurve wieder zu knicken. Sowohl die Zahl der neu entdeckten Infizierten als auch die der Einlieferungen in Krankenhäuser und der Toten geht zurück, weshalb die Maßnahmen um zwei Wochen verlängert wurden.
mehr:
- Wieder Todeszahlen wie im Frühjahr in Spanien (Ralf Streck, Telepolis, 07.11.2020)

siehe auch:
- Número de defunciones incorporadas al Indice Nacional de Defunciones (Gobierno de España, Ministerio die Sanidad, 23.10.2020 – PDF)
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die obige Liste habe ich zu den wöchentlichen Sterberaten umgerechnet:
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Sterberaten in Spanien Stand:

23. Oktober 2020

Jahr Tote wöchentlich

1987 304.044 5.847

1988 314.664 6.051

1989 323.066 6.213

1990 330.594 6.358

1991 334.583 6.434

1992 325.319 6.256

1993 334.693 6.436

1994 331.269 6.371

1995 338.457 6.509

1996 329.881 6.344

1997 349.533 6.722

1998 360.485 6.932

1999 371.623 7.147

2000 360.368 6.930

2001 333.640 6.416

2002 327.639 6.301

2003 384.186 7.388

2004 372.564 7.165

2005 373.387 7.181

2006 372.626 7.166

2007 386.887 7.440

2008 385.492 7.413

2009 383.009 7.366

2010 383.420 7.373

2011 388.802 7.477

2012 403.942 7.768

2013 388.465 7.470

2014 395.659 7.609

2015 423.012 8.135

2016 409.359 7.872

2017 422.133 8.118

2018 427.957 8.230

2019 416.602 8.012

2020 305.802 7.281


Da die aktuellste offizielle Sterberaten-Datei vom 23. Oktober stammt (Freitag der 43. KW), habe ich die Zahl des Jahres 2020 durch 42 dividiert.

Ergebnis: Die wöchentliche Sterberate in Spanien des Jahres 2020
ist mit annähernd 7.300 Toten pro Woche die niedrigste seit 2006!
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Dienstag, 22. September 2020

Einwohner von Madrid protestieren gegen verschärfte Corona-Beschränkungen

Einwohner von Madrid protestieren gegen verschärfte Corona-Beschränkungen {1:43}

Handelsblatt  
Am ttt veröffentlicht 
Seit Montag gelten in Teilen der spanischen Hauptstadt neue Ausgangsbeschränkungen. Während eines Treffens der Regionalregierungs-Präsidentin mit dem Ministerpräsident Sanchez protestierten Einwohner gegen die Maßnahmen – besonders Viertel mit durchschnittlich schwächeren Einkommen sind betroffen.
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siehe auch:
Corona, Aluhutträger und die Qualitätsmedien-Berichterstattung (Post, 18.09.2020)

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Freitag, 4. September 2020

Corona: spanische Sterberaten im Vergleich (Quelle: span. Gesundheitsministerium, Stand: 29.07.2020)

Anzahl der im Nationalen Todesindex enthaltenen Todesfälle



Bildquelle: Screenshot (Google-Übersetzer)

Man beachte die letzte Zahl!

Donnerstag, 21. März 2019

Je mehr ein Staat in Bedrängnis gerät…

Der Prozess gegen die 12 Katalanen wegen angeblicher Rebellion, Aufruhr und Veruntreuung wird immer deutlicher zur Farce
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Jordi Cuixart und Jordi Sànchez wurden als Präsidenten der großen Zivilgesellschaftlichen katalanischen Organisationen schon inhaftiert, noch bevor die katalanische Republik überhaupt am 27. Oktober ausgerufen wurde. Zunächst wurden beide nur des Aufruhrs wegen der Vorgänge am 20. September 2017 in Barcelona beschuldigt, aus denen die spanische Justiz eine "Rebellion" herbeifabuliert hat.

Bald wurden auch diese beiden Aktivisten einer angeblichen "gewaltsame öffentliche Erhebung" beschuldigt, zu der nach der Definition von Rebellion auch der Einsatz von Kriegswaffen oder Explosivstoffen gehört. Den angebliche Chef dieses "Putschs", wie spanische Nationalisten die Vorgänge schon lange vor diesen Vorgängen nannten, hat das deutsche Oberlandesgericht in Schleswig aber nicht nach Spanien ausgeliefert. Die Richter sortierten die Rebellion ins Märchenreich ein, auch einen Aufruhr wollten sie im Fall von Carles Puigdemont nicht sehen, da sie nicht einmal einen Landfriedensbruch feststellen konnten, weshalb Carles Puigdemont nicht auf der Anklagebank sitzt. Das trieb spanischen Nationalisten die Wut auf die Stirn.

Die Fabelwelt bricht aber zusehends zusammen. Schon im Vorfeld hatten zahlreiche hochrangige Juristen aus ganz Spanien erklärt, dass es keine Rebellion oder Aufruhr gab und die Vorwürfe angesichts der Friedfertigkeit der Katalanen damit nur "banalisiert" würden. Angesichts von Erinnerungsschwächen und fehlender Dokumente, Videos oder Bilder, mit der die angebliche Gewalt der Unabhängigkeitsbewegung oder die Veruntreuung von Steuergeldern für das Referendum belegt werden könnten, steht auch für einen emeritierten Richter des Obersten Gerichtshof längst fest, dass man die Urteile schon schreiben könnte. "Bestenfalls Ungehorsam" könnte man den Katalanen vorwerfen, meint José Antonio Martín Pallín, der lange an dem Gericht tätig war, das über die Katalanen urteilen soll.

mehr:
- "Die Taktik ist, sich hinzusetzen und die Arme untereinander unterzuhaken" (Ralf Streck. Telepolis, 22.03.2019)

Mein Kommentar:
Man vergleiche mit den französischen Gelbwesten…
- Gelbwesten als "Aufrührer": Militär soll helfen (Thomas Pany, Telepolis, 21.03.2019)


Freitag, 16. November 2018

Heute vor 80 Jahren – 16. November 1938: Ende der Ebroschlacht

Letztes Gefecht der Republikaner

Im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) wurden die rechten Falangisten unter General Francisco Franco vom nationalsozialistischen Deutschland und faschistischen Italien unterstützt, während die demokratischen Staaten Europas der um ihre Existenz kämpfenden Republik nur indirekt beistanden. In der Schlacht von Teruel (Dezember 1937 bis Februar 1938) brachte Franco mit Hilfe der deutschen Legion Condor den Republikanern schwere Verluste bei. Trotz ihres Mangels an Waffen und ausgebildeten Soldaten beschloss die Republik mit der am 25. Juli 1938 beginnenden Ebroschlacht, eine Gegenoffensive zu starten, da Franco auf Valencia marschierte und durch seinen Vorstoß zum Mittelmeer Katalonien vom übrigen Gebiet unter Kontrolle der Republikaner abzuschneiden drohte. 
Von General Franco rekrutierte marokkanische Soldaten kämpfen im Spanischen Bürgerkrieg 
gegen die Republikaner, November 1938

Zunächst war der republikanische Vorstoß am Ebro erfolgreich, doch dann griff die Legion Condor erneut ein. Die Luftwaffe und die Artillerie Francos schossen die Republikaner auf weitgehend offenem Gelände zusammen. Die blutige Schlacht erinnerte mit ihren Grausamkeiten an den Ersten Weltkrieg. Viel zu spät bliesen die republikanischen Kommandeure zum Rückzug. Franco nutzte die hohen Verluste der Republikaner im Dezember für eine Offensive in Katalonien, die 1939 mit seinem vollständigen Sieg endete. Bis 1975 hatte die Diktatur des »Generalissimus« das Land fest im Griff. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2018

Samstag, 13. Mai 2017

»Die meisten Macho-Kommentare und Beleidigungen kamen von den Müttern«

Als die Mädchenmannschaft AEM Lleida sich für ein Jungenturnier anmeldete, haben alle gelacht. Das Lachen dürfte ihnen jetzt vergangen sein.

Real Madrid, Atlético de Madrid und FC Barcelona sind drei der bekanntesten Fußballclubs weltweit. Trotzdem ist Frauenfußball in Spanien immer noch eine Nischensportart – Real tut sich bis heute schwer, Mädchen überhaupt in den Club aufzunehmen. Zum Glück bewiesen einige Spanierinnen jetzt, dass es kein Y-Chromosom braucht, um exzellenten Fußball zu spielen.

Lücken nutzen, Tore versenken

Dass die Mädchen überhaupt am Turnier teilnehmen durften, verdanken sie einem Schlupfloch in den Bestimmungen der Liga. Für die Altersgruppe der unter 14-Jährigen ist das Geschlecht für die Teilnahme nicht relevant. Eigentlich wird diese Regelung genutzt, um leere Plätze mit Mädchen aufzufüllen. Das Team von AEM Lleida beschloss aber, sich als reine Mädchenmannschaft anzumelden.

Am Anfang lachten viele über die Spielerinnen des AEM Lleida. Wie sollten sie gewinnen – gegen so viele gute Jungs? Tja, sie besiegten sie alle. 13 Mannschaften räumten die Kickerinnen im Verlauf des Turniers aus dem Weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Für sie war das überhaupt nicht überraschend, sie waren an das Siegen schon gewöhnt.

mehr:
- Diese Fußballerinnen haben bei einem Turnier alle Jungs weggebolzt (Anna Christin Koch, ze.tt, 12.05.2017, Zitat aus dem Artikel:)
In einem Interview mit der New York Times erklärte Vorsitzende des Clubs José María Salmerón: Viele Eltern seien besorgt gewesen, der psychische Druck könnte den Mädchen zu viel werden. Als die Mädchen sich bewehrten und einen Sieg nach dem anderen einfuhren, gingen stattdessen die Eltern der Jungenteams auf die Barrikaden: „Es ist seltsam, aber die meisten Macho-Kommentare und Beleidigungen kamen von den Müttern der Jungen, gegen die wir spielten.“
Un equipo femenino de Lleida hace historia al ganar una liga masculina {1:45}

Veröffentlicht am 02.04.2017

Na, da müssen wir wohl die Liga-Bestimmungen ändern…

Mittwoch, 26. April 2017

Heute vor 80 Jahren – 26. April 1937: Die deutsche Legion Condor bombardiert Guernica

Generalprobe für den Luftkrieg 

Im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) erhielt General Francisco Franco massive Unterstützung durch die faschistischen Mächte Italien und Deutschland. Hitler und Göring sahen den Krieg auch als Möglichkeit, die gerade aufgerüstete deutsche Luftwaffe zu testen, und schickten die Legion Condor. Diese bombardierte Ende März 1937 die Kleinstadt Durango; der Luftschlag forderte mehr als 330 Tote. 

Nachdem ein Aufklärungsflugzeug Menschen auf dem Marktplatz als »Partisanenbataillone« ausgemacht hatte, starteten am Nachmittag des 26. April 1937 von Vitoria und Burgos aus mehrere Bomberstaffeln der Legion Condor und warfen auf die baskische Stadt Guernica (baskisch: Gernika) in drei Wellen 22-40 Tonnen Spreng-, Splitter- und Brandbomben. Anschließend schossen die Bord-MGs auf die flüchtenden Menschen. Etwa 300 Menschen wurden getötet (früher ging man von über 1600 aus) und 80% der Gebäude zerstört. Kurz darauf eroberten Francos Truppen die bis dahin republikanische Stadt. Die Schrecken des Angriffs wurden durch das großformatige Ölbild »Guernica«, das Pablo Picasso für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung im gleichen Jahr malte, weltweit bekannt. 

Was am 26. April noch geschah: 

1925: Paul von Hindenburg wird zum zweiten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt
[Harenberg – Abenteuer Geschichte 2017]

Internationale Brigaden deutsch {43:39}
Veröffentlicht am 20.06.2012
Ein unterhaltsamer und interessanter Film über eine oftmals längst vergessene Zeit, in der Menschen alles aufgaben um für ihr Ideal einer gerechteren Gesellschaft einzustehen. Diese Doku berichtet über die Internationalen Brigaden.
Zehntausende Antifaschisten meldeten sich 1936 freiwillig, um die demokratische Republik in Spanien gegen den Putsch der Faschisten zu schützen. Allein gelassen vom Rest der Welt kämpften diese Freiwilligen zusammen mit der spanischen Bevölkerung für etwas was den meisten heute als selbstverständlich gilt. Freiheit, Gleichheit und eine Gesellschaft der Solidarität.

Volksfronten - 1936 Spanien Bürgerkrieg Anarchisten Kommunisten {10:39}

Hochgeladen am 11.11.2009

Montag, 23. Januar 2017

Extreme Strompreise in Spanien

Nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft, dabei zahlen spanische Verbraucher auch dafür, dass Frankreichs Atomstromnetz gestützt wird
Ganz Europa bibbert in der Kälte und die macht nicht einmal vor Spaniens Mittelmeerküste halt. Im sonst warmen Murcia oder Valencia blieben die Temperaturen zum Teil sogar tagsüber unter dem Gefrierpunkt, ganze Gemeinden waren eingeschneit, Hochgeschwindigkeitszüge steckten fest und Fahrzeuge auf blockierten Autobahnen. Heizen können viele darbende Familien bei einer Arbeitslosigkeit von 19,2% nicht, schon gar nicht, wenn Preise neue Rekordstände erreichen.

Nach dem Tarifsystem, das die konservative Regierung durchgedrückt hat, berechnen Stromanbieter ihre Tarife stündlich. Der internationale Strompreis schlägt direkt durch und deshalb explodieren Stromrechnungen im Januar. Welcher Preis für "Luz" (Licht), wie man in Spanien Strom nennt, gerade über neue digitale Zähler berechnet wird, bekommt der normale Verbraucher nicht mit.

mehr:
- Extreme Strompreise in Spanien (Ralf Streck, Telepolis, 21.01.2017)

Donnerstag, 21. Juli 2016

Der lange Schatten von Bürgerkrieg und Diktatur

Vor 80 Jahren putschte General Francisco Franco gegen die spanische Republik. Ein dreijähriger, blutiger Bürgerkrieg begann. Der Konflikt prägt Spaniens Politik und Gesellschaft noch heute

Keine königliche Ansprache, keine Verurteilung des Militärputsches und der darauf folgenden, fast vierzigjährigen Diktatur, keine Trauerfeier für die 500.000 Toten, die halbe Million Flüchtlinge: Am 18. Juli jährt sich der Beginn des Bürgerkrieges zum 80. Mal. Doch das offizielle Spanien schweigt.

Das liegt nicht daran, dass das Land nach den zweiten Wahlen in sechs Monaten immer noch damit beschäftigt ist, eine neue Regierung zu finden – am Dienstag tritt erstmals das Parlament zusammen: Spanien tut sich mit seiner Vergangenheit schwer, belässt Bürgerkrieg und Diktatur lieber im Ungewissen, statt sich einem zu allen Seiten gleichermaßen kritischen Dialog zu stellen. Immer noch liegen über hunderttausend überwiegend republikanische Bürgerkriegsopfer anonym verscharrt unter der Erde, die Menschenrechtsverletzungen der Diktatur sind auf Grund des generösen Amnestiegesetzes weiter ungesühnt.

mehr:
- Spanien: Der lange Schatten von Bürgerkrieg und Diktatur (Julia Macher, Cicero, 18.07.2016)

Spaniens schwierige Aufarbeitung der Franco Diktatur [7:09]

Hochgeladen am 02.12.2008
3sat - Kulturzeit 1.12.2008

Franco Wächter des Westens - Doku Deutsch über Franco [57:09]

Veröffentlicht am 20.05.2013
Francisco Franco [fɾanˈθisko ˈfɾaŋko], voller Name Francisco Paulino Hermenegildo Teódulo Franco y Bahamonde Salgado Pardo (* 4. Dezember 1892 in Ferrol, Galicien; † 20. November 1975 in Madrid), war ein spanischer General und Diktator.
In der Zeit von 1939 bis zu seinem Tod war Franco Staatschef von Spanien. Unter seiner Führung führten rechtsextreme Militärs im Juli 1936 einen Staatsstreich gegen die im Februar 1936 demokratisch gewählte republikanische Regierung Spaniens durch. Er regierte das Land nach dem Sieg der Aufständischen im Spanischen Bürgerkrieg 1939 bis zu seinem Tod diktatorisch. Sein Herrschaftssystem wird ebenso wie die zugrundeliegende Ideologie als Franquismus bezeichnet. Franco wurde in Spanien als El Caudillo („Der Führer") bezeichnet. Im Jahre 1946 führte er in Spanien die Monarchie wieder ein, ohne allerdings einen König zu ernennen. Franco blieb Regent des Königreichs Spanien bis 1975.

The Spainish Revolution 1931-1936 - Francisco Franco (720p) [52:07]

Veröffentlicht am 18.06.2014
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Mittwoch, 23. März 2016

Heute vor 250 Jahren – 23. März 1766: Der Madrider Hutaufstand

Spanier wollen die alten Hüte behalten
Als Karl III. (1716-1788) 1759 König von Spanien wurde, beendete er den zuvor herrschenden Schlendrian. Als Vertreter des »Aufgeklärten Absolutismus- (»Dispotismo llustrado«) verpasste er dem rückständigen Land Straßenbeleuchtungen und Abwassersysteme, errichtete Nutzbauten und besiedelte karge Landstriche. Spanien blühte auf, die Einwohnerzahl stieg von 6 Mio. auf 10,5 Mio. Menschen. Karl beschnitt nicht nur radikal den Einfluss der Kirche, sondern verfügte im März 1766 auch die Abschaffung des traditionellen langen Mantels sowie der breitkrempigen Hüte zugunsten der moderneren französischen Kleidung. 

Soldaten versuchen einem Bürger seinen altspanischen breitkrempigen Hut abzunehmen,
Straßenszene in Madrid, 1766
Die überforderten traditionalistischen Spanier richteten ihre Wut vor allem gegen Karls italienischen Minister Marques de Esquilache (1699-1785), den er aus seiner Zeit als König von Neapel und Sizilien (1735-59) mitgebracht hatte: Heute vor 250 Jahren brach der »Madrider Hutaufstand« aus, der rasch auf andere Städte Spaniens übergriff und an dem sich etwa 50000 Menschen beteiligten. Karl, der zunächst gemeint hatte, die Spanier seien wie Kinder, die schreien, wenn man ihnen das Gesicht wäscht, musste aus Madrid fliehen, den Italiener entlassen und das Militär einsetzen. Da er die Jesuiten als Drahtzieher des Aufstands im Verdacht hatte, ließ er den Orden 1767 aus Spanien und Lateinamerika ausweisen.
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2016 

Madrider Hutaufstand im folgenden Video ab 1:50:
Geschichtlicher Rückblick von 23.03.-29.03. [5:14]


Veröffentlicht am 27.05.2015
Die ersten Wahlen in der Ukraine nach der Orangenen Revolution, der erste Flug eines Hundes ins Weltall oder der Madrider Hutaufstand, dies und mehr in dieser Folge von WikiVid Geschichte. Mehr dazu auf: https://wikivid.eu/de/VIDs-Seite/603/...

Samstag, 19. März 2016

Heute vor 134 Jahren – 19. März 1882: Grundsteinlegung der Sagrada Família in Barcelona

Kathedrale der Moderne 

Am 19. März 1882 erfolgte die Grundsteinlegung für ein einmaliges, bis heute im Bau befindliches Gesamtkunstwerk, die Basilika Sagrada Familia in Barcelona. Der Architekt Antoni Gaudi (1852-1926) krönte damit sein Lebenswerk, das den katalanischen Jugendstil (»Modernisme«) mit seinen runden, organischen Formen und geschwungenen Linien maßgeblich geprägt hat. Auf dem Weg zur Baustelle der Sagrada Familia wurde Gaudi am 10. Juni 1926 von einer Straßenbahn erfasst. Er starb noch am selben Tag. 
Die Basilika Sagrada Família in Barcelona am Bau,
Foto vom Anfang des 20. Jh.s
Die 2010 vom Papst eingeweihte Kirche, deren Fertigstellung derzeit für 2026 vorgesehen ist, besitzt zwei prunkvolle Schaufassaden. Die »Geburtstassade« im Nordosten entstand bereits unter Gaudi. Die »Passionsfassade« im Südwesten wurde erst später begonnen und ist bis heute unvollendet. Besonders charakteristisch sind die zwischen 90 und 112 m hohen raketenartigen Türme. Von den insgesamt 18 geplanten Türmen – sie sind Jesus, Maria, den vier Evangelisten und den zwölf Aposteln gewidmet – wurden bisher acht vollendet. Der Jesus-Turm soll mit 170 m der höchste Kirchturm der Welt werden. Im Innenraum fallen die Säulen auf, die das Gewölbe tragen: Sie sind wie Bäume gestaltet, deren Enden sich zu Ästen verzweigen. Unter der Apsis befindet sich eine Krypta im neogotischen Stil. 

Was am 19. März noch geschah: 

1279: Die Mongolen unter Kublai Khan beenden die Herrschaft der Song-Dynastie in China. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2016 

2026 We build tomorrow | Construïm el demà | Construimos el mañana [1:32]

Veröffentlicht am 25.09.2013
[EN] Final stages of Gaudí's masterpiece.
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[CA] Recta final de l'obra mestra de Gaudí.
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[ES] Recta final de la obra maestra de Gaudí.

Production|Realització|Realización: Joan Carles Vendrell

Sagdrada Familia Reportage Deutsch ARD vom 21.0 2014 [51:51]

Veröffentlicht am 25.09.2014
Die Sagrada Família (vollständige katalanische Bezeichnung: Temple Expiatori de la Sagrada Família; deutsch Sühnekirche der Heiligen Familie) ist eine römisch-katholische Basilika in Barcelona. Der Bau der von Antoni Gaudí im neukatalanischen Stil entworfenen Kirche ist bis heute unvollendet. Sie wurde 1882 begonnen und soll nach jüngsten Prognosen 2026 abgeschlossen sein.

ALAN PARSONS LIVE PROJECT: "LA SAGRADA FAMILIA" Live at the Concert Hall, NYC 2/3/15 [5:41]

Veröffentlicht am 04.02.2015
More from NYC. La Sagrada Famila from their classic album, Gaudi.
Todd Cooper on vocals....

siehe auch:
- Barcelona – Die berühmteste Baustelle Europas: La Sagrada Familia (FAZ, 30.05.2017)
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Mittwoch, 30. September 2015

Heute vor 354 Jahren – 30. September 1661: »Kutschenstreit« zwischen Frankreich und Spanien

Scharmützel um den Vorrang 

Frankreich und Spanien hielten sich Mitte des 17. Jahrhunderts jeweils für die erste Macht in Europa und reklamierten beide den protokollarischen Vorrang ihrer Vertreter anlässlich diplomatischer Akte. Beim Amtsantritt des neuen schwedischen Gesandten in London am 30. September 1661 führte diese Rivalität zu einem Eklat mit tödlichen Folgen. Gemäß Protokoll erwartete der englische König den neuen Gesandten Schwedens in seiner Kutsche. Dieser stieg in die Kutsche des Königs, die dann die Kolonne anführte, es folgte die schwedische Kutsche. Dann folgten die Fahrzeuge der europäischen Gesandten in der Rangfolge ihrer Bedeutung. 
Der französische König Ludwig XIV. gibt einer spanischen Delegation
eine Entschuldigungsaudienz, Bildteppich, um 1700
Die Spanier nahmen bereits fünf Stunden vor der Ankunft des Schweden mit ihrer Kutsche die günstigste Position ein, die Franzosen folgten kurze Zeit später. Da beide Seiten bewaffnete Begleiter hatten, eskalierte die Situation. Die Spanier töteten die Pferde und ein Mitglied der französischen Delegation, die Franzosen konnten nur nachrangig den Zug aufnehmen. Der französische König Ludwig XIV. drohte Spanien mit Krieg, falls es sich nicht offiziell entschuldige. Ein halbes Jahr später musste eine spanische Delegation Abbitte leisten. 

Notiz des englischen Augenzeugen Samuel Pepys 
Und natürlich lieben wir alle die Spanier und hassen die Franzosen

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2015 

Sonntag, 27. September 2015

Spanien: Kampf ums Wasser in Spanien verschärft sich

Das spanische Verfassungsgericht hat ein Gesetz einstweilig außer Kraft gesetzt, mit dem Aragon seine Reserven schützen will
Es war für viele in der nordspanischen Region Aragon erstaunlich, dass die Zentralregierung in Madrid plötzlich Ende Juli Klage gegen ihr eigenes Gesetz zum Schutz des Wassers beim Verfassungsgericht eingereicht hat. Das Gesetz war schon im vergangenen November verabschiedet worden, es wurde damals von der auch in Aragon regierenden konservativen Volkspartei (PP) eingebracht und verabschiedet, die weiterhin auch in Madrid regiert. Damit wurden die Wasserreserven der Region am Rand der Pyrenäen für die Entwicklung der Region vor dem Zugriff der Mittelmeerregionen geschützt, deren Bedarf wegen der intensiven Landwirtschaft, Tourismus und Trockenheit steigt.

Nur zu gut erinnerten sich viele noch in Aragon an die Begehrlichkeiten im Nationalen Wasserplan, auch das Wasser aus den Pyrenäen für den Tourismus im gesamten Mittelmeerraum zugänglich zu machen. Doch die EU wollte die Pläne der Konservativen einst nicht finanzieren und die sozialistische Nachfolgeregierung stoppte sie schließlich. Nach dem Wahlsieg der PP kamen die Kanalträume in Madrid wieder auf und so war es eher erstaunlich, dass eine PP-Regierung das Wasser vor Zugriff schützen wollte.

Doch das Schutzgesetz war vermutlich nur ein Trick, um vor den Wahlen im Mai die besorgte Bevölkerung in Aragon zu beruhigen und nicht noch mehr Stimmen zu verlieren. Unter einer PP-Regionalregierung wollte die PP-Zentralregierung keinen Verfassungsverstoß erkennen. Doch als die PP wie in fast allen Regionen auch in Aragon abgewählt wurde, änderte sich das. Denn nun regieren die Sozialisten, die von der Empörtenpartei "Podemos" (Wir können es) gestützt werden.

mehr:
- Kampf ums Wasser in Spanien verschärft sich (Ralf Streck, Telepolis, 18.09.2015)

Spanien: Kampf ums Wasser | Europa Aktuell [5:02]

Veröffentlicht am 22.08.2013
Unter dem Druck der Wirtschaftskrise in Spanien haben viele Kommunen die öffentlichen Trinkwassernetze an Privatunternehmen verkauft. Jetzt stellt ein Teil der Gemeinden fest, dass die Netze teilweise schlecht oder gar nicht gewartet wurden und die Wasserqualität sinkt. Weil immer mehr Bürger protestieren, rudern einige Gemeinden langsam zurück.

Weitere Informationen unter: http://www.dw.de/europa-aktuell-das-m...üssel-2013-08-21/e-16984036-9800
siehe auch:
- Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen (Post, 16.02.2013)

Donnerstag, 24. September 2015

Spaniens Hochgechwindigkeitsstrecken: nicht rentabel, aber weiterbauen

Studien attestierten allen Strecken Unrentabilität, während fleißig weitergebaut wird, soll nun die Rentabilität geprüft werden

Am kommenden Sonntag wird der Vizeweltmeister bei Hochgeschwindigkeitsstrecken weitere 162 Kilometer einweihen, welche die spanische Hauptstadt Madrid mit den Provinzstädten Palencia und León verbinden. Es ist Vorwahlkampf vor den Parlamentswahlen im Dezember, deshalb übernimmt sogar der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy den Vorsitz des Festakts. Das Streckennetz der "Alta Velociad Española" verfügt dann über 3000 mehr als Kilometer, auf denen der "AVE", was "Vogel" bedeutet, sprichwörtlich unrentabel durchs Land fliegt.

Dass die neue Strecke einmal rentabel werden wird, ist kaum zu erwarten. Das hatte auch der spanische Rechnungshof schon im April kritisiert. Er verwies darauf, dass die staatliche Betreiberfirma eine Schuldenlast von mehr als neun Milliarden Euro angehäuft habe, die ab 2017 zurückgezahlt werden müssten. Passagierzahlen der Strecken seien "nicht ausreichend", um die Wartungskosten zu decken und die "ökonomische Tragfähigkeit zu garantieren". Aber die Regierung gab bekannt, dass in der nächsten Legislaturperiode weitere 800 Streckenkilometer gebaut werden sollen. Mit denen, die noch in diesem Jahr eingeweiht werden, käme das Land nahe an die Marke von 5000 Kilometern.

Schon 55 Milliarden Euro wurden in das Streckennetz gepumpt, in vier Jahren sollen weitere sechs Milliarden hinzukommen. Noch vor den Wahlen will die konservative Volkspartei (PP) eilig den Haushalt verabschieden, um im Fall des Machtverlusts einer neuen Regierung auch bei den AVE-Strecken die Hände zu binden. Jede neue Regierung dürfte die Schere am Ausbau ansetzen, da sie Defizitbringer für die Zukunft sind.

mehr:
- Spanien untersucht nun Hochgeschwindigkeits-Rentabilität (Ralf Streck, 24.09.2015)

mein Kommentar:
in 20 Jahren wird rauskommen, daß irgendein wichtiger Hansel geschmiert wurde. Vielleicht geht ja sogar mal einer in den Knast

Mittwoch, 19. August 2015

Der mündige Bürger stört!

Strafen für die neuen Vergehen werden von Behörden schnell verhängt, auch kritische Internet-Kommentare und Satire kommen unter die Räder 
In Spanien trat im Juli das so genannte "Gesetz zum Schutz der Bürger" in Kraft, das von der gesamten Opposition als "ley mordaza" (Knebelgesetz) bezeichnet wird. Denn Bürger werden nicht geschützt, sondern wie erwartet dafür bestraft, wenn sie eine kritische Meinung kundtun. Die bisherige Anwendung zeigt, dass es sogar noch restriktiver gehandhabt wird, als ohnehin befürchtet worden war, da nun auch Satire darüber geahndet wird. Als Kollateralschaden, womit die Macher der rechten Volkspartei (PP) nicht gerechnet haben, droht selbst einer von ihr regierten Gemeinde wegen eine Geldstrafe von bis zu 30.000 Euro.

Es gab nie einen Zweifel daran, dass der Name des Gesetzes als "Neusprech" im Sinne von George Orwell eingeordnet werden muss. Denn der Schutz der Bürger ist nicht das Ziel. Es steht die Bestrafung derer im Vordergrund, die aufbegehren oder eine kritische Meinung äußern. So hatten Experten stets davor gewarnt, dass sich das Gesetz gegen die Bewegungen richtet, die in den vergangenen Jahren zahlreich gegen die tiefen Einschnitte ins Sozialsystem entstanden sind ("Eigentlich müsste die UNO längst Blauhelmtruppen nach Spanien schicken") .

Nun ist das Gesetz gut sechs Wochen in Kraft und diverse Beispiele zeigen, wie die Behörden, ohne richterliche Kontrolle, diese neue Waffe einsetzen. Und sie zeigen auch, dass der Name Knebelgesetz die Realität deutlich besser beschreibt. So bewegt zum Beispiel ein Fall in Petrer gerade die Gemüter im Land, womit die kleine Stadt im südspanischen Valencia landesweit bekannt wurde. Dort hatte vergangene Woche, wie die Lokalzeitung "Petreraldia" berichtete, eine Frau per Foto dokumentiert, wie Polizisten der Kleinstadt auf einem Behindertenparkplatz parken. Sie veröffentlichte das Bild per Facebook mit dem Hinweis: "Man parkt wo es einem gerade passt und bekommt keine Strafe."

Dafür wurde sie von den betroffenen Polizisten angezeigt. Die Behörden verhängten eilig in nur 48 Stunden eine Geldstrafe "von mehr als 800 Euro". Die Angeschuldigte soll einen "schweren Verstoß" gegen das "Gesetz zum Schutz der Bürger" begangen haben. Mit diesem Vorgang wird deutlich, dass der Knebel sogar noch deutlich drastischer eingesetzt werden soll, als es sich Gegner einst in Albträumen ausgemalt hatten. Für das Vorgehen gegen die aufmerksame Bürgerin wird ein Paragraph eingesetzt, der eigentlich anderes zugeschnitten war. So sollten vor allem Demonstranten davon abgehalten werden, zum Teil schwere Übergriffe der Sicherheitskräfte und andere Vorgänge zu dokumentieren.

Denn mit diesen Bildern oder Videoaufnahmen konnten in Strafverfahren die Angeschuldigten immer wieder entlastet oder Polizisten angeschuldigt werden. Jetzt drohen nach Artikel 36.23 des Gesetzes Geldstrafen zwischen 600 und 30.000 Euro, wenn "Bilder oder Daten" von "Mitgliedern der Sicherheitskräfte" benutzt werden, "die deren Sicherheit oder die ihrer Familie gefährden". Worin die Gefahr für die Beamten oder ihre Familie im Fall von Petrer bestehen soll, ist völlig unklar. Dabei hatte Innenminister Jorge Fernández sogar beschworen, dass niemand dafür bestraft werde, weil er die Polizei filmt oder fotografiert, obgleich der Gesetzestext deutlich macht, dass eben dies verhindert werden soll.

mehr:
- Spanisches Knebelgesetz knebelt schon (Ralf Streck, Telepolis, 19.08.2015)

siehe auch:
- Spanien beerdigt Demonstrationsfreiheit (El Dorado, der Freitag, Community, 28.06.2015)
- Gesetzlich verordnete Zensur (The European, 13.12.2014)
- Einschüchterung für die Sicherheit (Frankfurter Rundschau Online, 11.12.2014)
- Kommentar Antidemogesetz in Spanien Angst verbreiten, mundtot machen (Reiner Wandler, taz, 11.12.2014)

»Es gibt gute Gründe für Nixon’s intensive Reaktion: Er trifft im nationalen Sicherheitsrat eine Entscheidung und liest sie am nächsten Tag auf der Titelseite der New York Times oder irgendeiner anderen Zeitung. Das macht es praktisch unmöglich zu regieren.«[John Dean (Rechtsberater des Weißen Hauses unter Richard Nixon über das BEkanntwerden der Pentagon-Papiere)siehe dazu auch Atombombe, Demokratie und Deutungssysteme, Post, 11.08.2015]

Demokratie funktioniert einfach nicht [0:06]

Hochgeladen am 28.03.2011
Wer die Grünen wählt ist selbst schuld

siehe auch:
Australien: Krieg gegen "Eco-Warriors" (Thomas Pany, Telepolis, 19.08.2015)
Die Regierung plant eine Gesetzesänderung, damit Umweltschutzaktivisten keine großen Kohleabbauprojekte mehr "gesetzlich sabotieren" können
Diese Umweltschützer… Wegen einer Schlange, der Ornament-Bänderotter, und Echsen, genauer: die Stachelschwanz-Skinke, laut Wikipedia mit einem auffallendem hochentwickelten sozialen Verhalten, wurde ein 20-Milliarden-Großprojekt in Australien gerichtlich gestoppt. Vorerst.

10.000 neue Arbeitsplätze sind mit dem Urteil gegen das Kohleprojekt Carmichael Coal Mine in den Wind gegangen, wettert die australische Regierung. Sie erklärt wehrhaften Umweltaktivisten den Krieg, erklären Unterstützer der Umweltschützer.

Großes Schlagwort-Kino in Australien: Die Regierung will es nutzen, um eine Gesetzesänderung durchzuführen, die es Umweltschützern oder "grünen Gruppen" erschwert Klagen gegen große Projekte vor Gerichten anzustrengen. Das Gesetz, das bisher den Kreis "geschädigter Personen" verhältnismäßig weit fasste, soll geändert werden.

Rise of the Eco-Warriors, Virgo Productions [2:32]

Veröffentlicht am 21.09.2014

Carmichael Coal - tracing the route of export coal in Queensland. [4:41]

Veröffentlicht am 25.05.2014
In March 2014 Greenpeace sent a team to the Galilee Basin in Queensland to trace the expected coal route from Adani's Carmichael Coal mine to the Abbot Point Coal terminal to see first hand some of the potential impacts of the proposed development.

Gegen die "Sabotage" der Ökos

Bislang zählt laut Sektion 487 dazu jeder australische Staatsbürger, der sich in einer Reihe von Aktivitäten für den Schutz oder die Bewahrung der Umwelt in Australien engagiert. Die Regierung beabsichtigt, diesen Passus zu streichen. Sie will die Möglichkeiten einer "Sabotage", wie sie es nennt, von Großprojekten durch Aktivisten streichen, die gar nicht unmittelbar betroffen sind. Die weit entfernt von dem Ort leben, an dem das Großprojekt durchgeführt wird, "aber Echsen oder Schlangen retten wollen".

Die Auffassung, dass eine bestimmte Schlange oder eine Echse oder was auch immer, die Arbeitsbedingungen von Männern und Frauen einem Risiko aussetzen, sei "pervers", sagte der Agrarminister Barnaby Joyce und versuchte gegenüber beunruhigten Farmern, eine Unterscheidung zwischen "Aktivisten, Vandalen" und den Farmern.


siehe auch:
- Der nützliche Kaiser: Joseph II. (Stephan Gruber, Habsburger.net)
- Der Volkserzieher (Jan Friedmann, SPIEGEL Geschichte, 24.11.2009)
Joseph II. setzte im Habsburger-Reich beeindruckende Radikalreformen ins Werk. Aber sein Übereifer machte ihn unbeliebt.
Megaprojekt zur Kohleförderung bedroht Weltnaturerbe Great Barrier Reef (WWF, 14.05.2014)
Hautkrebs: Dramatische Zunahme (Medizinauskunft, 09.05.2006)
Kohleprojekt in Australien: Umweltschützer fahren Kampagne gegen Deutsche Bank (Maria Marquart, Stefan Kaiser, SPIEGEL Online, 20.05.2014)
Australisches Gericht bremst Bergwerk aus (Neues Deutschland, 06.08.2015)Das Projekt soll nach Angaben von Adani 10 000 Arbeitsplätze schaffen. Dies bestreiten jedoch Umweltschützer. Sie gehen davon aus, dass maximal rund 1400 neue Jobs geschaffen werden. Stattdessen werde die Mine jährlich zwölf Milliarden Liter Wasser verbrauchen und so das bestehende Problem der Wasserknappheit massiv verschärfen. 

Welcher Weg blieb ihm schon, dem erstgeborenen Sohn, bei diesen Eltern? Der Vater, Franz Stephan von Lothringen, in Wien nur "der Franzos" genannt, war der Prototyp eines Lebemanns. Er widmete sich der Jagd, dem Kartenspiel, seinen zahlreichen Liebschaften und der Vermehrung seines persönlichen Vermögens. Die Mutter, Maria Theresia, schaffte es, 16 Kinder zu gebären und gleichzeitig das Reich passabel zu regieren, fürsorglich, frömmelnd, auf Ausgleich bedacht.

Joseph, 1741 geboren, wählte die Vernunft, die Askese, den großen Entwurf. "In einem Reiche, das ich regiere, muss - nach meinen Grundsätzen beherrscht - Vorurteil, Fanatismus, Parteilichkeit und Sklaverei verschwinden, damit jeder meiner Untertanen in den Genuss seiner angeborenen Freiheiten eingesetzt werden kann." Hehre Ansprüche, verkündet beim Amtsantritt als Alleinherrscher 1780.

Er war zugleich ehrgeiziger Aufklärer und absoluter Monarch, eine Kombination, die bis dahin eher nach Preußen als ins barocke Österreich gepasst hatte. In nur zehn Jahren krempelte er sein Land fast vollständig um, was erst die moderne Geschichtsschreibung gebührend würdigte. Er wurde, so sein britischer Biograf Derek Beales, zum "bei weitem innovativsten Herrscher" unter den Habsburgern, ja zu "einem der originellsten, die je ein Land gekannt hat".

Dennoch kursierten gegen Ende seiner Regentschaft in Wien Schmähschriften mit Titeln wie "Die Regierung des Hanswursten" und "Herr! Befreie uns von Krieg und Not - durchs Josephs II. Tod!" Als der Monarch, der für die Regierungsgeschäfte seine Gesundheit ruiniert hatte, 1790 starb, ging ein Aufatmen durch Österreich.


Stuttgart 21: Die brutale Räumung am 30.09.2010 im Schlossgarten [9:11]

Hochgeladen am 26.10.2010
Ein Zusammenschnitt der Staatsgewalt gegen friedliche Demonstranten, Rentner und Schüler am 30.09.2010 aus ca. 40 Videos die hier auf Youtube zu finden sind. Vielen Dank an alle originalen Uploader und Fernsehsender, deren Bilder hier zu sehen sind!


Spielball der Mächte | 3sat kulturzeit: Beitrag zum Buch "EGO..." von Frank Schirrmacher [5:35]

Veröffentlicht am 23.02.2013
Dieses 5.35-min. Video aus der 3sat-Kulturzeit vom 13.02.2013 weist auf das neue Buch "EGO - Das Spiel des Lebens" von Frank Schirrmacher, Blessing-Verlag 2013, hin.
Frank Schirrmacher erzählt davon, wie nach dem Ende des Kalten Krieges ein neuer Kalter Krieg im Herzen unserer Gesellschaft eröffnet wird... (c) 3sat-Kulturzeit/ZDF

EGO: Das Spiel des Lebens ist der Titel eines deutschen Sachbuches von Frank Schirrmacher. Das Buch erschien 2013 im Münchener Verlag Karl Blessing. Die Themen sind den Bereichen MetaethikPhilosophie des GeistesSozialphilosophieHerrschaftssoziologie und Kantianismus zuzuordnen.
Das Buch stellt Fragen zum freien Willen von Menschen und zur Demokratiefähigkeit von Staaten angesichts einer scheinbar berechenbaren, zum automatisierten „Monster“ entwickelten Ökonomie eines radikalen Egoismus ohne Moral.[1]
Der Autor erzählt von einer allgemeinen Manipulation der Menschen durch eine „monströse“ Ökonomie, einen neuen Kalten Krieg, in dem „nur der eigene Vorteil zählt, Moral spielt keine Rolle.“ Das Diktat der Ökonomie stelle nicht nur den freien Willen einzelner Seelen in Frage: In einem berechenbaren Spiel eines radikalen Egoismus, bei dem automatisierte Maschinen an den Aktien- und Devisenmärkten wie etwa an der Wall Street ursprünglich autonom gedachte Staaten als Illusion erscheinen lassen. Selbst Demokratien würden durch den auf Computer-Maschinen übertragenen Kalten Krieg vom politischen Akteur zum Spielball der Märkte, zu Marionetten eines „Monsters“.[1]
„Die Logik des Kalten Krieges ist zur Logik der Zivilgesellschaft geworden und korrumpiert sie. Die Egoismus-Maschinen spielen das große Spiel längst ohne den Menschen. Der Verlierer steht von vornherein fest: wir alle.[2]
„Was erlauben wir, [...] welches Spiel wollen wir spielen? Wollen wir ein uneigentliches Spiel von verdeckten Schachzügen, von heimlichem, indirekten Reden in unseren Gesellschaften, in unseren Demokratien, oder wollen wir etwas anderes? Honorieren wir offenes Spiel mit dem Anderen?[2]
Einen Ausweg erwartet Frank Schirrmacher von der Realwirtschaft, vor allem vom – deutschen – Mittelstand:
„Nehmen Sie Familienunternehmen, die finden auch alle ganz schrecklich, was dort passiert. Das sind Unternehmen, die Marx vielleicht noch Kapitalisten genannt hätte, aber das sind Unternehmen, die sagen: 'Wir sind auf Nachhaltigkeit aus'. Das, woraus Deutschland besteht, der deutsche Mittelstand, ist hier mit im Boot der Kapitalismuskritik.[2] (Inhalt, Wikipedia)

Das Ego, der Informationskapitalismus und die liberale Demokratie. Schirrmacher und Lindner. [1:27:46]

Veröffentlicht am 05.07.2013
Abschied von der Marktkonformität? - Das Ego, der Informationskapitalismus und die liberale Demokratie

Streitgespräch zwischen:
Dr. Frank SCHIRRMACHER, Mit-Herausgeber der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung, Buchautor von „Ego -- Das Spiel des Lebens" und

Christian LINDNER MdL, Stellv. Bundesvorsitzender der FDP und Vorsitzender
der nordrhein-westfälischen FDP-Landtagsfraktion.

Moderation: Henrik Böhme, Hauptabteilung Wirtschaft der Deutschen Welle
Frank Schirrmacher: Gefahr einer totalitären Verschmelzung von Staat, Privatwirtschaft und IT-Technologie zulasten der Freiheit.
Christian Lindner: Digitale Informationen ist die Währung der Gegenwart, unregulierten Datenkraken sind eine Gefahr.

Dieses Gespräch wurde im Rahmen der III. Liberalismuskonferenz am 30. Juni 2013 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach geführt und aufgezeichnet. Die Konferenz stand unter dem Titel "Die Perspektiven der Sozialen Marktwirtschaft und die Debatten-Kultur in Deutschland".

mein Kommentar:
Schirrmacher beginnt die Diskussion mit der Erwähnung des NSA-Skandals. Dieser Skandal hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, daß er nicht nur unseren Staat sondern unser gesamtes politisches Denken aus den Angeln hebt.