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Samstag, 5. Oktober 2019

Glyphosat: Ein kleines gallisches Dorf leistet Widerstand

Ein französischer Bürgermeister verbietet Glyphosat. Ein Gericht pfeift ihn zurück – 40 Bürgermeister solidarisieren sich.
In der französischen Gemeinde Langouët leben 600 Einwohnerinnen und Einwohner – und rund 700 Kühe. Nichts an dem ruhigen Dorf, das 18 Kilometer nordwestlich von Rennes inmitten von Mais- und Weizenfeldern am Fluss Flume liegt, war bisher von nationalem Interesse. Am ehesten noch die historisch bedeutungsvolle Kirche Saint-Armel. Und trotzdem ist Langouët in ganz Frankreich berühmt geworden. Berühmt für den Widerstand gegen das Herbizid Glyphosat, der sich inzwischen über die gesamte Republik ausbreitet.

Bürgermeister erliess regionales Glyphosat-Verbot

Am Ursprung der Vorreiterrolle, die die Gemeinde Langouët aktuell im Kampf gegen Glyphosat einnimmt, steht ihr Bürgermeister Daniel Cueff. Der 64-jährige parteilose Cueff setzt sich seit Jahrzehnten für die Umwelt ein, er sprach sich in der Vergangenheit zum Beispiel wiederholt gegen Atomreaktoren aus. Ausserdem war er 2003 der erste Bürgermeister der Bretagne, der Solarmodule an öffentlichen Gebäuden installieren liess. Nur wurden Umweltaktivisten von der Mehrheit damals nicht für voll genommen, sie galten als Aussenseiter und Träumer. Aber die Zeiten sind andere. Der menschengemachte Klimawandel schreitet voran – Frankreich spürte die massiven Auswirkungen etwa in Form von Hitzewellen, die langanhaltende Rekordtemperaturen brachten.

Am 18. Mai erliess Cueff eine Verordnung, die den Einsatz von Glyphosat in einem Umkreis von 150 Metern zu Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern verbietet. Sein Verbot begründete er mit dem Verfassungsrecht, dass es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, Massnahmen zu ergreifen um «vorbeugend Schaden abwenden zu können». Weiter verwies Cueff auf eine EU-Richtlinie von 2009, derzufolge die Bevölkerung am Rande von Agrarflächen vor Chemikalien zu schützen seien. Französische Medien berichteten, ebenso die «New York Times

Für sein Verbot hatte Cueff Gründe: Bei Urinproben der Einwohnerinnen und Einwohner von Langouët wurden Rückstände des Herbizids gefunden. Die empfohlenen Grenzwerte wurden bis zu 30-mal überschritten. Speziell bei Kindern waren die gefundenen Rückstände deutlich zu hoch.

Eigentlich dürfen die ansässigen Bauern ihre Pestizide nur bei mässigem Wind versprühen – eine Regelung, die nicht funktioniert. Immerhin ist die Bretagne eine Halbinsel, wo der Wind vom Meer kommt und stark ins Land weht. Cueff reagierte und sagte gegenüber französischen Medien, dass er nicht für unterlassene Hilfestellung verantwortlich sein wolle.

mehr:
- Glyphosat: Französische Bürgermeister trotzen dem Staat (Tobias Tscherrig, Info-Sperber, 05.10.2019 – Hervorhebungen von mir)
siehe auch:
Wissenschaft: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ (Post, 04.05.2019)
«Bayer-Monsanto-Konzern verdient an Krebsleiden gleich doppelt» (Post, 23.02.2019)
Politik vs. Großkonzern: Zulassungsentscheidung über Glyphosat erneut vertagt (Post, 10.11.2017)
- Fernsehhinweis: Roundup – das Tribunal in Den Haag (Post, 17.10.2017)

Arrêté anti-pesticides : le maire de Langouët applaudi à sa sortie du tribunal {1:47}

Le Parisien
Am 22.08.2019 veröffentlicht 
Plusieurs centaines de personnes ont acclamé Daniel Cueff, le maire de Langouet, à sa sortie du tribunal administratif de Rennes où il était convoqué pour avoir mis en place un arrêté interdisant les pesticides à proximité des habitations. L'État plaide l'incompétence de l'élu à prendre des décisions dans un domaine qui incombe aux ministres de l'Agriculture, de la Santé et de l'Environnement.
Retrouvez toute l’info sur Le Parisien : http://www.leparisien.fr/

Langouët, petit village Gaulois résistant aux pesticides ! {2:10}

Guillaume Bodin
Am 13.08.2019 veröffentlicht 
Daniel CUEFF, chef de ce petit village breton a fait interdire les pesticides à moins de 150 mètres de toute habitation ce qui provoque la colère de la Préfète ! Il est convoqué au Tribunal pour avoir fait interdire les pesticides sur sa commune…
RDV devant le Tribunal Administratif de Rennes le jeudi 22 août 2019 à 9h30 ou laissez un message de soutien sur le site de Agir Pour l'Environnement qui sera remis à la Préfète https://soutien-langouet.agirpourlenv… ;-)

Sonntag, 10. März 2019

Schweiz: aufrechter Ombudsmann gesichtet!

Der Pestizid-Konzern Syngenta fuhr gegen einen Beitrag von «10vor10» schweres Geschütz auf und fiel ziemlich unsanft auf die Nase.

Mehrere Todesopfer forderte 2017 der Pestizideinsatz im indischen Distrikt Yavatmal, 800 Menschen mussten mit Vergiftungen ins Spital. Darüber berichtete das SRF-Magazin «10vor10» am 17. September 2018 und ging dem Vorwurf nach, der Basler Pestizid-Konzern Syngenta gehöre mit seinem Pestizid Polo zu den Mitverursachern.

Syngenta heulte auf…

Rund drei Wochen nach der Ausstrahlung des Beitrages fuhr Syngenta schweres Geschütz gegen das SRF-Magazin «10vor10» auf, und zwar mit einer Beanstandung beim Ombudsmann der SRG Deutschschweiz. Darin spricht Syngenta von «vorsätzlicher und konstruierter Rufschädigung», von «extrem rufschädigender Unterstellung», von «falschen Fakten», von «Vorwürfen», die «wie ein Kartenhaus» in sich zusammenfallen, von «fahrlässigem und verwerflichem Thesenjournalismus», von «Verschleierung», von «reiner Polemik», von unterstellter «Illegalität», von «polemischer Pseudo-Recherche», von der «Verletzung grundlegender journalistischer Regeln» und von «fehlender Fairness».

…und krebste zurück

Inzwischen fielen die happigen Vorwürfe des Syngenta-Konzerns gegen «10vor10» wie ein Kartenhaus zusammen, wie dem Bericht des Ombudsmanns Roger Blum vom 8. Januar 2019 zu entnehmen ist. Blum kommt nämlich zum Schluss: «Keine Rufschädigung im Syngenta-Bericht von ‚10vor10‘.» Und: «Der Beitrag war, wie die Redaktion in Ihrer Stellungnahme nachweist, sachgerecht – mit geringfügigen Ausnahmen.»

mehr:
- Syngenta-Rohrkrepierer gegen SRF-Magazin «10vor10» (Kurt Marti, InfoSperber, 08.03.2019 – Zitat:)
Mit der Behauptung Syngentas, Polo sei in der Schweiz nicht verboten, bekommt auch der folgende Vorwurf von Syngenta Schlagseite:
«Der Bericht (von «10vor10»; Anm. d. Red.) suggeriert, Syngenta verkaufe in Schwellenländern etwas Gefährliches, das man in der Schweiz weder der Umwelt noch den Bauern zumuten könne. Das ist zwar eine süffige Geschichte, doch sie ist falsch. Und die Unterstellung ist extrem rufschädigend.»
Fakt ist: Das Syngenta-Produkt Polo mit seinem Wirkstoff Diafenthiuron darf «in der Schweiz wegen der Gesundheits- oder Umweltrisiken nicht in Verkehr gebracht werden», wie der Bundesrat auf eine Frage der SP-Nationalrätin Claudia Friedl im September 2018 erklärte. Gleichzeitig hielt der Bundesrat fest, dass es in der Schweiz «weder ein Herstellungs- noch Ausfuhrverbot für das Produkt Polo und seinen Wirkstoff Diafenthiuron» gibt.
siehe auch:
Keine Rufschädigung im Syngenta-Bericht von «10vor10» (SRG Deutschschweiz, 08.01.2019)
Stellungnahme: Medienberichterstattung – Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Yavatmal (Indien) (Syngenta, 18.09.2018)
Syngenta exportiert in der EU verbotenes Pestizid (S. Strittmatter, 20min.ch, 18.09.2018)
In der Schweiz produziertes Pestizid mitver­ant­wortlich für Vergiftungs­welle in Indien (Public Eye, 18.09.2018)
Syngenta macht hinter den Kulissen Druck gegen Brasiliens Paraquat-Verbot – mit Unterstützung der Schweiz (Public Eye, 17.11.2017)
- Biodiversität 65‘000 Menschen gegen Syngenta-Patent (Schweizer Bauer, 12.05.2016)

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Syngenta ist weltweit einer der grössten Konzerne im Agrargeschäft und eine Tochtergesellschaft der ChemChina. Das Unternehmen ist in der Sparte chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide, Herbizide, Insektizide: Syngenta Crop Protection) Marktführer und in der Sparte «kommerzielles Saatgut» (Mais, Soja, Sonnenblumen, Raps, Zuckerrüben, Getreide: Syngenta Seeds) auf Platz drei. Der Umsatz 2015 (2014) betrug 13,4 (15,1) Milliarden US-Dollar. Syngenta beschäftigt derzeit 28'700 Mitarbeiter in über 90 Ländern. Der grösste Mitbewerber ist Monsanto. Syngenta ist ebenso in der Biotechnologie tätig. 
[Syngenta, Wikipedia, abgerufen am 10.03.2019]
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Syngenta brand video: We all have to eat {3:03}

Syngenta
Am 24.08.2017 veröffentlicht 
We’re inspired by plants’ amazing ability to provide food, clothing and energy. Driven by their power to meet some of humanity’s most pressing needs, we constantly find new ways of bringing plant potential to life. By improving crop productivity and farming methods, we enable growers to feed a growing global population safely and sustainably.
For more information, visit our website at www.syngenta.com

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Das Herbizid Atrazin wurde in der EU 2004 verboten, weil seine Rückstände häufig im Grundwasser nachweisbar waren.[12] In den USAwurden 2003 jährlich noch etwa 34'500 Tonnen Atrazin eingesetzt.[13] 
Kritiker warfen dem Unternehmen sein Engagement auf dem Gebiet der Gentechnik vor. Zudem wurde Syngenta bezichtigt, durch den Verkauf des Herbizids Paraquat Vergiftungs- und Todesfälle von Landarbeitern in Kauf zu nehmen.[14][15] Dieses Produkt sollte beispielsweise in Entwicklungsländern auf Palmöl-Plantagen, entgegen den Anwendungsvorschriften des Herstellers, ohne die notwendige Schutzkleidung eingesetzt werden. Paraquat ist in der EU und der Schweiz auch wegen seiner hohen Humantoxizität verboten.[16] Im Jahr 2012 wurde der Konzern deshalb für die Negativ-Auszeichnung Public Eye Award nominiert.[17]

Im Rahmen von Protestaktionen gegen das Unternehmen kam es zu Erstürmungen von Syngenta-Anlagen durch die Bauernbewegung Via Campesina, im Oktober 2006 im Süden Brasiliens und im Dezember 2007 im Nordosten in der Nähe von Cajazeiras; dabei wurden Teile der Firmeneinrichtung zerstört, zwei Menschen starben.[18] Um den Konflikt zu beenden, übergab Syngenta im Oktober 2008 die Forschungsfarm an die brasilianische Regionalverwaltung, die erklärte, künftig Saatgut von Regionalsorten auf dieser Farm zu produzieren.[19]
[Syngenta, Produkte und Auswirkungen – Kritik, Wikipedia, abgerufen am 10.03.2019]
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Endocrine disruption, environmental justice, and the ivory tower | Tyrone Hayes | TEDxBerkeley {15:45}

TEDx Talks
Am 08.03.2018 veröffentlicht 
Dr. Tyrone Hayes discusses his journey as a scientist: initially just a “young boy who really liked frogs,” he would go on to earn worldwide fame for his work on the harmful effects of the pesticide atrazine. Arguing that “those who have the privilege to know, have the duty to act,” Dr. Hayes details his decade-long feud with Syngenta, the manufacturer of atrazine, as well as his acute observation that those who suffer most from the environmental impacts of harmful chemicals tend to be the socioeconomically-disadvantaged and racial or ethnic minorities.
At the University of California, Berkeley, and in ponds around the world, professor Tyrone Hayes studies frogs and other amphibians. He's become an active critic of the farm chemical atrazine, which he's found to interfere with the development of amphibians' endocrine systems. This talk was given at a TEDx event using the TED conference format but independently organized by a local community. Learn more at https://www.ted.com/tedx
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Samstag, 23. Februar 2019

«Bayer-Monsanto-Konzern verdient an Krebsleiden gleich doppelt»

Die «taz» nennt es ein «Krebs-Rundumpaket»: Zuerst Milliarden mit Glyphosat verdienen und dann mit Medikamenten gegen Krebs.
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Zuerst wollte der Bayer-Monsanto-Konzern der Berliner Tageszeitung «taz» verbieten, die oben abgebildete Titelseite zum Pestizid Glyphosat weiter zu verbreiten und im Archiv aufzubewahren. Doch die «taz» wehrte sich mit Erfolg dagegen.

Es war im 24. Oktober 2018, als die Zeitung auf der Titelseite die Persiflage eines Pharmainserats abbildete mit dem Untertitel: «Der Bayer-Konzern vertreibt Glyphosat, ein Mittel, das wohl Krebs verursacht. Er verkauft aber auch eines, das Krebs heilen soll.»

Auf einer Wolke schwebte eine Sprühflasche mit dem Glyphosat-haltigen Pestizid «Roundup» und dem Werbespruch «Super: macht Krebs».
Rechts daneben das Bayer-Medikament «Aliqopa», welches für die Krebsart indiziert ist, welche Wissenschaftler auch mit Glyphosat in Verbindung bringen. Darauf der Werbespruch «Super: heilt Krebs».
Der Bayer-Konzern wollte die Zeichnung nicht als Satire verstehen und beauftragte einen spezialisierten Medienanwalt, die «taz» abzumahnen: Die Zeitung solle sich verpflichten, nie mehr zu behaupten, Glyphosat verursache Krebs, und die beanstandete Titelseite aus dem Archiv löschen. Falls die «taz» nicht spure, drohte Bayer mit einem Prozess und einer Strafe.

mehr:
- «Bayer-Monsanto-Konzern verdient an Krebsleiden gleich doppelt» (Urs P. Gasche, InfoSperber.ch)
siehe auch:
- Politik vs. Großkonzern: Zulassungsentscheidung über Glyphosat erneut vertagt (Post, 10.11.2017)
- Fernsehhinweis: Roundup – das Tribunal in Den Haag (Post, 17.10.2017)
- Wird Dicamba (Monsanto) in Arkansas verboten? (Post, 01.10.2017)
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Freitag, 10. November 2017

Politik vs. Großkonzern: Zulassungsentscheidung über Glyphosat erneut vertagt

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat kommt in der ganzen Welt zum Einsatz. Jedoch ist es hochumstritten. Nun sollte eigentlich in Brüssel über eine Neuzulassung entschieden werden. Doch die Abstimmung ist von der EU erneut vertagt worden.
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Die Vertreter der EU-Mitgliedstaaten wollten den Vorschlag der EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel weder mit qualifizierter Mehrheit annehmen noch ablehnen, wie aus EU-Kreisen gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) verlautete. Die Kommission hatte eine Neuzulassung von fünf Jahren vorgeschlagen.
mehr:
- Glyphosat-Entscheidung erneut vertagt – Bewährter Helfer oder gefährliches Gift? (Phillipp Saure, Domradio, 08.11.2017)
siehe auch:
- Glyphosat - und kein Ende? (Susanne Aigner, Telepolis, 09.11.2017)
- EU Agrar: Weiterhin keine Mehrheit für Glyphosat-Zulassung ab 2018 (n-tv, 09.11.2017)
- EU vertagt Entscheidung über Glyphosat (ARD-Mediathek, 09.11.2017, verfügbar bis 16.11.2017)
- Ackerchemikalie Glyphosat: Hat Monsanto Behörden manipuliert? (Nicolai Kwasniewski, SPON, 09.11.2017)
- Monsantos anderes Herbizid (Bernd Schröder, Telepolis, 08.11.2017)

weitere Posts zum Thema»Glyphosat« und »Monsanto«

Samstag, 21. Oktober 2017

Das Wagnis der politischen Entscheidung

Kommt das Aus für Glyphosat in der Landwirtschaft? Die EU muss bald entscheiden – der Streit spitzt sich zu.
Wer die Wahrheit hinter Glyphosat sucht, riskiert Verwirrung: "Wir vertreten die Bürger! Was sollen wir ihnen antworten, wenn wir hier so unterschiedliche Auffassungen hören?" Der EU-Abgeordnete Alojz Peterle war nicht allein mit seiner Ratlosigkeit. Letzte Woche saß der Slowene in einem Hearing, das die Ausschüsse für Landwirtschaft und Umwelt anberaumt hatten. Beide Parlamentsgremien wollten endlich Klarheit gewinnen: Ist das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nun riskant für die Gesundheit oder nicht? Doch nach der Expertenbefragung fühlten sich viele Volksvertreter kaum klüger.

Die Kontroverse über Risiken und Nebenwirkungen des weltweit meistverkauften Herbizids spitzt sich kurz vor dem Entscheidungs-Showdown in Europa noch einmal zu. Am 25. Oktober wird der EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis die Regierungen erneut zusammenrufen. Dann sollen sie sich endlich über die Wiederzulassung des Wirkstoffs verständigen, denn die vorläufige Genehmigung läuft Ende des Jahres definitiv aus. Und eine Einigung ist nicht in Sicht.

mehr:
- Glyphosat: Ein Gift mit Zukunft ... (Christian Greve, ZON, 18.10.2017)
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siehe auch:
- Wird Dicamba (Monsanto) in Arkansas verboten? (Post, 01.10.2017 – mit weiteren Montanto-Links)

Dienstag, 17. Oktober 2017

Fernsehhinweis: Roundup – das Tribunal in Den Haag

Roundup® ist unter diesem und anderen Markennamen das weltweit am meisten gespritzte Pflanzenschutzmittel. Vierzig Jahre nach dessen Markteinführung wurde sein Wirkstoff Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft. Vor dem Hintergrund der in der Europäischen Union anstehenden Entscheidung über ein Glyphosat-Verbot geht die Doku dem Skandal auf den Grund.
mehr:
- Roundup, der Prozess (Arte Sendungsankündigung für 17.10.2017)

Monsanto und die Gentech-Mafia [Doku deutsch] {1:22:16}

Inside CIA TV
Am 17.11.2016 veröffentlicht

siehe auch:
- Monsanto, un demi-siècle de scandales sanitaires (Soren Seelow, Le Monde, 16.02.2012)
- Wird Dicamba (Monsanto) in Arkansas verboten? (Post, 01.10.2017)
Business: This miracle weed killer was supposed to save farms. Instead, it’s devastating them. (Caitlin Dewey, Washington Post, 29.08.2017)
Herbizid Dicamba: Ist Monsanto schuld an der US-Pflanzenkrise? (Tagesspiegel, 10.08.2017)
Glyphosat: Datenmasseure bei der Arbeit (Bernd Schröder, Telepolis, 27.04.2017)
Roundup Ready v2.0 (Bernd Schröder, Telepolis, 25.11.2016)
Hawaii: Rote Karte für Monsanto & Co (Post, 06.11.2014)
Monsanto? Brauchen wir nicht (Post, 29.04.2009)
Bush & Monsanto (Post, 16.03.2008)
Monsanto, mit Gift und Genen (Post, 12.03.2008)


Sonntag, 1. Oktober 2017

Wird Dicamba (Monsanto) in Arkansas verboten?

CHICAGO (Reuters) - Arkansas on Thursday moved just one step away from barring sprayings next summer of an herbicide linked to widespread U.S. crop damage, setting the stage for a potential legal showdown between the state and chemical maker Monsanto Co.

The Arkansas State Plant Board advanced a proposal prohibiting use of dicamba weed killers from April 16 to Oct. 31, 2018, after farmers reported that soybeans and other crops were damaged when the herbicide drifted away from where it was sprayed this summer.

Chemical companies have blamed damage to crops that cannot tolerate dicamba on farmers misusing the chemical.

Specialists, though, have said the weed killers are risky because they can vaporize and drift across fields after they are sprayed on dicamba-resistant soybeans or cotton developed by Monsanto. That process, known as volatility, occurs more often in high temperatures, according to experts.

In July, Arkansas banned dicamba use for 120 days.

Ty Vaughn, Monsanto’s vice president of global regulatory, said volatility is not a problem and that science did not support the plant board’s decision.

“All options are on the table” for Monsanto’s next move, he added.

mehr:
- Arkansas one step from ban on controversial herbicide next summer (Tom Polansek, Reuters, 22.09.2017)

siehe auch:
- Business: This miracle weed killer was supposed to save farms. Instead, it’s devastating them. (Caitlin Dewey, Washington Post, 29.08.2017)
- Herbizid Dicamba: Ist Monsanto schuld an der US-Pflanzenkrise? (Tagesspiegel, 10.08.2017)
Glyphosat: Datenmasseure bei der Arbeit (Bernd Schröder, Telepolis, 27.04.2017)
- Roundup Ready v2.0 (Bernd Schröder, Telepolis, 25.11.2016)
Hawaii: Rote Karte für Monsanto & Co (Post, 06.11.2014)
Monsanto? Brauchen wir nicht (Post, 29.04.2009)
Bush & Monsanto (Post, 16.03.2008)
Monsanto, mit Gift und Genen (Post, 12.03.2008)

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Freitag, 11. August 2017

Poison Papers: Gift für Medien und Demokratie

Eine Sammlung historischer Dokumente belegt unter anderem geheime Absprachen von Chemieunternehmen mit den Behörden, die sie eigentlich regulieren sollen


Die Ende Juli 2017 veröffentlichten "Poison Papers" sind eine Sammlung von Korrespondenzen und wiederentdeckten Dokumenten, die bis in die 1920er Jahre zurückreichen. Sie zeigen, dass sich sowohl die chemische Industrie als auch die zuständigen Regulierungsbehörden der außerordentlichen Toxizität vieler chemischer Produkte trotz anderslautenden Beteuerungen durchaus bewusst waren - und wie beide Seiten zusammengearbeitet haben, um diese Informationen vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Die "Poison Papers"-Aktivisten glauben, dass ihre Veröffentlichung die verbreitete Wahrnehmung der von Chemikalien ausgehenden Gefahren ändern kann, weil die Dokumente eine zusätzliche Dimension ans Licht holen: das Ausmaß des Betrugs, mit dem diese Stoffe marktfähig gemacht wurden, von Behörden, deren Aufgabe eigentlich im Schutz von Gesundheit und Umwelt besteht.

Die "Poison Papers" sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Bioscience Resource Project und des Center for Media and Democracy. Eine Schlüsselfigur ist Carol Van Strum, die einen Großteil der nun veröffentlichten Dokumente über Jahrzehnte in einer Scheune aufbewahrte.

mehr:
- Poison Papers: Schatztruhe voll toxischer Geheimnisse (Bernd Schröder, Telepolis, 10.08.2017)

mein Kommentar:
Ich bin ja mal gespannt, wann eines unserer Mainstream-Medien darüber berichtet…
dazu:
- Gerichtsprozess gegen Monsanto: Medien verweigern Berichterstattung (Post, 24.08.2015)

Volker Pispers: Wem gehören eigentlich die deutschen Medien? {6:07}

Veröffentlicht am 06.06.2015
Medienmeute verzweifelt: Verhasste Wahrheitsbewegung drangsaliert Eigentümer deutscher Medienkonzerne über Auftritte im Staatsfernsehen! Im April 2015 nutzte Volker Pispers erneut einen Auftritt im öffentlich-rechtlichen Gebührenfernsehen und stellte die Eigentümer der hiesigen Massenmedien öffentlich an den Pranger. Die neuerlichen Äußerungen des politischen Kabarettisten, der früher als Gymnasiallehrer tätig war, dürften im erlauchten Kreis deutscher Machteliten, für großen Unmut und Ärger gesorgt haben. Denn Pispers erklärt wie das perfide Spiel zwischen Politik und Medien funktioniert und nennt Ross und Reiter gnadenlos beim Namen. Die ungeschminkte Wahrheit unzensiert, scharfsinnig. und brillant vorgetragen! Chapeau Volker!

Samstag, 20. Mai 2017

Monsanto in Südamerika

In Argentinien sind 20 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Das Land wird mit Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden und künstlichem Dünger überflutet. Argentinien hält den weltweiten Rekord, was den Verbrauch an Glyphosat angeht. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto.
mehr:
- Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet (Kritisches Netzwerk, 17.05.2017)

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet {1:15:51}

Veröffentlicht am 15.05.2017
Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

20 Millionen Hektar Land werden mit Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden und künstlichem Dünger überflutet. Die Folge sind Überschwemmungen riesiger Landesteile. Staatliche Kontrollen sind nicht vorhanden. Argentinien hält den weltweiten Rekord, was den Verbrauch an Glyphosat angeht. Was die Lebensmittelindustrie von diesen Feldern in die Supermärkte bringt und exportiert, ist giftig. Aber es gibt Alternativen zu dieser tödlichen Agri-Kultur.

Achtung: Bei der im Abspann angegebenen IBAN fehlen vier Nummern. Richtig ist: DE53 2004 1155 usw. also die "2004" muss eingefügt werden.

siehe auch:
- Glyphosat: Wissenschaft im Kapitalismus (Post, 28.04.2017)
- Monsanto: Roundup Ready v2.0 (Post, 28.11.2016)
- Zunehmende Resistenzen – Das Monster auf dem Acker (Post, 30.07.2016)
- Gerichtsprozess gegen Monsanto: Medien verweigern Berichterstattung (Post, 24.08.2015)
- Superweeds als Symbol für den entfesselten Kapitalismus (Post, 29.05.2015)
- Patente auf Brokkoli und Tomaten (Post, 01.05.2015)
- Hawaii: Rote Karte für Monsanto & Co (Post, 06.11.2014)
- Genmais? – Nein, nein, nein, ja! Fuck the Bürger! (Post, 20.04.2014)
- Neros Gäste (Post, 14.12.2012)
- Monsanto? Brauchen wir nicht (Post, 29.04.2009)
- Gen-Scheiß, die nächsten drei von allen (Post, 31.03.2008)
- Bush & Monsanto (Post, 16.03.2008)
- Monsanto, mit Gift und Genen (Post, 12.03.2008)
- Gen Mais macht Ratten krank (Post, 30.05.2007)
- Gentechnik durch die Hintertür (Post, 25.04.2006)

KenFM im Gespräch mit: Gaby Weber ("Krater für den Frieden") {1:49:57}

Veröffentlicht am 12.09.2016
Gaby Weber ist das, was man eine Nervensäge nennt. Nur, dass diese Nervensäge seit Jahrzehnten mit einem Presseausweis unterwegs ist und auch dann immer noch nachbohrt, wenn andere längst aufgegeben hätten. Nicht, weil es keine neuen Fakten zum Fall X geben würde, sondern im Gegenteil. 

In den Chefetagen der großen Medienhäuser existiert Unabhängigkeit von der Politik nicht ab Werk. Sie kommt und geht, was mit der Haltung von Chefredaktionen und Intendanten zu tun hat. Aber auch altgediente Schlachtschiffe des investigativen Journalismus mit Linksdrall haben enorme Probleme, wenn eine Geschichte der eigenen Ideologie widerspricht. So musste Gaby Weber es immer häufiger erleben, dass sie ihre Geschichten nicht loswurde, wenn sie herausfand, dass auch linke Regierungen extrem korrupt sein konnten und sind.

Gaby Weber lebt seit über 20 Jahren in Südamerika und beobachtet von Buenos Aires aus, wie der Kontinent zwischen den Interessen des Imperiums und linken Dogmatikern aufgerieben wird. Sie berichtet über Morde an Gewerkschafter, die sich von Mercedes Benz nicht ausbeuten lassen wollten, über geheime Atomdeals zwischen Israel und der alten BRD und immer wieder über die Geschäftstätigkeit der CIA in ganz Südamerika.

Gaby Weber recherchiert vor allem in den großen Archiven. Wenn man ihr Akten vorenthält, klagt sie. Auch das macht sie zur Nervensäge für die Justiz, denn oft ist der BND die andere Partei.

KenFM traf Gaby Weber, die lange Jahre auch beim SFB in Berlin gearbeitet hat, um mit ihr über den Journalismus im Allgemeinen und ihren aktuellen Film im Speziellen zu sprechen. Dieser Film trägt den Titel: „Krater für den Frieden“. Er wurde von ihr mit bescheidenen Mitteln selber realisiert und auf Youtube veröffentlicht. Die Geschichte war den großen Anstalten zu heiß.

Es geht im Kern um die Anstrengungen, die der militärisch-industrielle Komplex unternahm, um die Abrüstung nach einem Ende des Kalten Krieges zu überleben.

Vor allem das deutsch-russische Verhältnis wurde entscheidend sabotiert, denn die Idee des damaligen russischen Staatschefs musste mit allen Mitteln hintertrieben werde. Nikita Sergejewitsch Chruschtschow fordert 1960 auf einer Gipfelkonferenz in Paris ein neutrales Deutschland, das weder der NATO noch dem Warschauer Pakt angehören sollte. Dafür sollte Deutschland schon 1960 wiedervereinigt werden.

Warum sind diese Fakten den deutschen Leitmedien keinen Sendeplatz wert?

Wir können Nervensägen mit Presseausweis, wie sie Gaby Weber darstellt, heute an einer Hand abzählen und wir brauchen dazu nicht mal alle Finger.

Inhaltsangabe in Kapiteln:
00:12:03 Veränderungen im Journalismus: uslandskorrespondenz in Bezug auf Südamerika praktisch nicht vorhanden
00:18:53 Journalistische Kontrolle über wirtschaftliche und politische Macht: notfalls über den Gang zum Gericht. BND: Unklarheiten im Eichmann-Prozess
00:29:14 Adolf Eichmann, Geheimdienst-Operationen und illegale Atomtests durch die USA
00:44:53 Journalistisches Vorgehen von Gaby Weber: Archivarbeit, Forderungen nach Akteneinsicht, ggf. Anklage
00:58:40 Journalismus heute: Grenzen der Crowdfunding-Finanzierung und die Notwendigkeit für ein neues Mediengesetz
01:12:28 Gezielte Desinformation im Netz: Zwischen Orientierungslosigkeit und dem Wachstum eines kritischen Bewusstseins
01:24:24 Der südamerikanische Blick auf Deutschland. Deutschland nach der Wiedervereinigung
01:31:21Russland-Argentinien, Europa und der Brexit
01:38:04 Die Rolle Südamerikas und der BRICS Staaten

Link zu "Krater für den Frieden": https://www.youtube.com/watch?v=UFzVn...

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Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://www.kenfm.de/unterstutze-kenfm

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Gaby Weber im Interview:
»Die Panama-Leaks sind doch Augenwischerei!«

Freitag, 28. April 2017

Glyphosat: Wissenschaft im Kapitalismus

Wie Wissenschaft in der Diskussion zur Sicherheit des Pflanzenschutzmittels manipuliert wird

Die Verwendung von glyphosatbasierten Herbiziden hat in den vergangenen 40 Jahren um das Hundertfache zugenommen. Eine weitere Zunahme wird erwartet: gentechnisch verändertes, glyphosattolerierendes Saatgut (Kapitulation vor der Agrarchemie-Industrie), die Ausbreitung glyphosatresistenter Unkräuter, neue Anwendungen. All das wird das weltweit am häufigsten genutzte Herbizid in immer größeren Mengen auf die Felder gelangen lassen. Der Goldesel unter den Pflanzenschutzmitteln soll 2019 neun Milliarden Euro ausspucken – 2012 belief sich die weltweite Nachfrage noch auf fünf Milliarden Euro.

In letzter Zeit mehren sich kritische Stimmen, die die bisher postulierte Unbedenklichkeit des Einsatzes in Frage stellen – und das dahinterstehende System: Denn es sind die Hersteller, die die Marktzulassung suchen und gleichzeitig die Studien erarbeiten, die die regulierenden Behörden von der Unbedenklichkeit ihres Produkts überzeugen sollen. Deren Sicherheitsbewertungen beziehen sich zum Teil auf mehr als 30 Jahre alte Studien, nach denen die Verwendung des Pflanzenschutzmittels keine schädlichen Wirkungen auf Mensch und Umwelt zur Folge hat.

Diese Studien wurden vor allem von Industriewissenschaftlern erstellt: nicht öffentlich publizierte Arbeiten und nicht durch unabhängige Gutachter beurteilt. Die Arbeiten sind Geschäftsgeheimnis. Eine Anzahl anderer, unabhängiger Studien berichtet hingegen seit Jahren vom krebserregenden Potential der Substanz und möglichen, von ihr ausgehenden Schädigungen der Erbsubstanz.

mehr:
- Glyphosat: Datenmasseure bei der Arbeit (Bernd Schröder, Telepolis, 27.04.2017)

siehe auch:
- Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)
- Gerichtsprozess gegen Monsanto: Medien verweigern Berichterstattung (Post, 24.08.2015)
- Monsanto? Brauchen wir nicht (Post, 29.04.2009)