Freitag, 31. Mai 2019

Was die Medien im Konflikt zwischen den USA und Iran übersehen

Iran hielt sich ans Atomabkommen – doch die USA führten Sanktionen fort. Iran soll keine Waffen verkaufen – doch die USA dürfen.
Red. Andrew Lee Butters war Bürochef in Beirut und Korrespondent für den Mittleren Osten für das Magazin «Time». Heute lehrt er Journalismus an der Yale University. Folgender Artikel von ihm erschien in der «New York Times».
Die Weichen für einen weiteren Krieg am Persischen Golf sind gestellt. Mitte Mai zog die Trump-Administration nicht zwingend nötiges Personal in US-Botschaften und -konsulaten im Irak zurück und verschob B-52-Bomber und Patriot-Raketen auf US-Basen in die Region, um sich auf einen angeblich drohenden iranischen Konflikt vorzubereiten. US-Beamte schlugen als militärische Optionen gegen den Iran vor, 120’000 Soldaten einzusetzen und mit Cyberangriffen das Stromnetz des Landes lahmzulegen. Gleichzeitig traten Hardliner gegen den Iran in den Medien auf. 
Weshalb die USA plötzlich auf Kriegsfuss mit dem Iran stehen, ist jedoch nur schwierig nachzuvollziehen. Irritierend ist die hysterische Art und Weise, wie die US-Presse die Beziehungen der USA mit dem Iran darstellt. Da hilft es wenig, wenn Präsident Trump erklärt, er wolle keinen Krieg mit dem Iran, sofern das Land die USA atomar nicht bedrohe.
Ich war vor ungefähr einem Jahrzehnt Nahost-Korrespondent des Magazins Time. Es ist in den USA schwierig, über den Iran zu berichten. Wenn Journalisten im Iran ins Gefängnis gesteckt werden, wird darüber berichtet. Doch wenn das Land von Katastrophen heimgesucht wird oder wenn der humanitäre Preis für die Sanktionen steigt, die gegen Iran verhängt wurden, dann gibt es so gut wie keine westlichen Medienvertreter, die sich im Iran befinden und die Einzelschicksale hinter den tragischen Schlagzeilen beleuchten würden. Als kürzlich Überschwemmungen dutzende Menschenleben forderten oder als Passagierflugzeuge abstürzten, weil keine Ersatzteile mehr erhältlich sind, dann wird darüber kaum berichtet.
mehr:
- Was die Medien im Konflikt zwischen den USA und Iran übersehen (Andrew Lee Butters, InfoSperber, 31.05.2019)
siehe auch:
Teheran hält Uran-Grenzwerte ein: Atombehörde bescheinigt Iran Vertragstreue (Post, 31.05.2019)
Greifen die USA den Iran an? (Post, 17.05.2019)
Sind »Freiheit und Demokratie« das Leben von einer halben Million Kinder wert? (Post, 08.05.2019)
Der vergessene Krieg gegen Iraks Zivilbevölkerung (Michel Holmes, Welt, 22.09.2010)
- Der andere Krieg gegen den Irak (Andrew Cockburn, Le Monde diplomatique deutsch, 10.09.2010)

Mein Kommentar:
In den 13 Jahren, die auf die UNO-Sicherheitsrat-Resolution 661 (völliges Embargo gegen den Irak) folgten, starben jährlich etwa 38.000 Kinder an den Folgen des Embargos.
Wenn das US-Embargo gegen den Iran nur ein Viertel der irakischen Kindertoten kostet, sind das immer noch 10.000 Kinder pro Jahr! Und das macht etwa 27 Kinder pro Tag, heißt: 1 Kind pro Stunde.


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…die USA sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch Angriffe auf andere Länder für den Tod von 20-30 Millionen Menschen verantwortlich.
(Mausfeld-Vortrag »Warum schweigen die Lämmer?« bei 39:00)

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