Samstag, 22. Dezember 2007

Frohe Weihnachten!

Habe grad einen echten Theobald geschenkt bekommen:

Ohne Titel, Graphitstift, Farbstift, Aquarell


Also:

Hiermit allen, die sich hierher verirren, eine frohe Weihnacht und einen guten Rutsch und alles, was Ihr sonst noch so brauchen könnt oder glaubt, es zu brauchen!

Donnerstag, 29. November 2007

Die 68er

Im Stern Online gibt’s ’ne Serie, die folgendermaßen angekündigt wird:
»In acht Teilen entwirft der stern das Porträt einer bewegenden Zeit: von Vietnam und Protest, von Autoritäten und Partys, von Rebellion und Befreiung. stern.de begleitet die Serie mit zusätzlichen Interviews, Ton- und Bilddokumenten aus der Zeit, Wissenstests und Fotostrecken.«

Link

Bahman Nirumad gab unfreiwillig den Startschuß


Mittwoch, 28. November 2007

Dalai-Lama-Abstimmung – eilt!

Auf der »Welt«-Internetpräsenz gibt’s eine Abstimmung über die Einschätzung der Legitimität des Dalai Lama als Repräsentant des tibetischen Volkes. Die Wahlmöglichkeiten liegen zwar auf Bild-Niveau, aber ich denke trotzdem, daß möglichst viele teilnehmen sollten – und zwar möglichst umgehend, da ich nicht weiß, wie lange die Abstimmung noch läuft.

Hier geht’ lang

Dienstag, 20. November 2007

Ein paar Übungen zum Nicht-Machen

Link zur Barmenia

Who is who in der Medizin

Wer waren die Begründer der modernen Medizin? Was haben sie entdeckt, wo haben sie gewirkt, wie sahen sie aus? Und wer steckt hinter Namen, die als Bezeichnungen von anatomischen Strukturen, physiologischen Vorgängen und Krankheiten in die Medizingeschichte eingegangen sind? Alzheimer, Golgi, Rokitansky et cetera – zwei Internetlexika erleichtern die Suche nach den Wurzeln.
Seit August 2007 kann man unter www.mediziner-biographien.de die Biografien und Porträts von 581 bedeutenden Wissenschaftlern und Ärzten, die zwischen 1850 und 1920 gelebt haben, recherchieren. Der emeritierte Heidelberger Pathologe Professor Klaus Goerttler hat seine beiden Buchmonografien, die rund 370 Biografien enthielten, mit Unterstützung aus der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ins Internet gestellt und erweitert. Goerttler widmet sein Werk der jungen Generation, deren Verständnis für die Medizin er durch historisches Wissen fördern möchte.
Die Porträts stammen aus sehr unterschiedlichen Quellen: Kernstück ist ein Album des Anatomen Robert Wiedersheim, ergänzt durch das „Archiv hervorragender Ärzte und Naturforscher“, dessen Einzelporträts als Loseblatteinlagen der Münchner Medizinischen Wochenschrift zwischen 1880 und 1960 beigefügt waren. Weitere Porträts sind Jahresabreißkalendern entnommen, die von der Firma Ciba-Geigy in den Nachkriegsjahren unentgeltlich an Ärzte verteilt wurden, sowie dem Google-Bildarchiv, Universitätsarchiven und Einzelpublikationen.
Der besondere Reiz des Lexikons ergibt sich für historische Spurensucher aus dem Medium Internet: Mühelos lassen sich per Mausklick Querverbindungen zwischen Lehrern und Schülern herstellen. Die Koryphäen sind sowohl alphabetisch als auch nach ihrem Fachge-biet sortiert. Wer sich mit der medizinischen Terminologie schwertut, kann auf „Begriffserklärungen“ zurückgreifen. Die Porträts der Wissenschaftler sind jeweils mit Kurzbeschreibungen ihrer Arbeitsgebiete, Forschungsergebnisse und der entsprechenden Literatur bestückt.
Die zweite Internetadresse www.whonamedit.com, ein längst etabliertes englischsprachiges Lexikon, orientiert sich an der schönen Tradition, dass die Medizin neue Krankheiten und medizinische Entdeckungen meist nach dem Entdecker benannt und ihm damit ein medizinhistorisches Denkmal errichtet hat. Wer hat der Addisson’schen Krankheit ihren Namen gegeben? Wer war Sir David Bruce, der Entdecker der Brucellose, die übrigens auch Bang’s bacillus genannt wird?
Fast 8 000 „Eponyme“ wurden bislang beschrieben, zugehörige ausführliche Biografien sind nochmals nach Ländern und übergeordneten Fachbegriffen sortiert. Einen besonderen Eintrag haben sich Medizinerinnen verdient: Während das deutsche Lexikon noch eine reine Männerdomäne ist (abgesehen von der französischen Physikerin Marie Curie), verzeichnet www.whonamedit.com immerhin – separat aufgeführt unter „Female entries“ – 110 Einträge, darunter so prominente wie die amerikanische Anästhesistin Virginia Apgar (Apgar-Score bei Neugeborenen), allerdings keine aus Deutschland. Annette Tuffs

aus Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 46 vom 16.11.2007

Montag, 19. November 2007

Armut und Gesundheit

Das Deutsche Ärzteblatt legt in der Nr. 43 aus dem Oktober 2007 den Schwerpunkt auf den Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit.

das Editorial:

Priv.-Doz. Dr. med.
Christopher Baethge
Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion


Dieses Heft steht im Zeichen der Armut. Es ist ein Schwerpunktheft über den Zusammenhang von sozialer und gesundheitlicher Lage. Die Akuität vieler Leiden und die prompten Erfolge vieler Interventionen überlagern manchmal, dass Erkrankungen oft genug eine lange Geschichte sozialer Probleme vorausgeht. Je weiter wir jedoch zurücktreten, desto offensichtlicher wird das Wechselspiel zwischen Lebensbedingungen und Krankheit. Dies zeigt sich besonders bei Kindern: Thomas Lampert und Bärbel-Maria Kurth etwa demonstrieren in ihrem Artikel mit den Daten des deutschen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys die enge Assoziation von niedrigem sozialen Status mit Übergewicht und psychischen Auffälligkeiten (Seite 2944).
Unser Schwerpunktheft ist Teil einer gemeinsamen Aktion internationaler medizinischer Zeitschriften, die in ihren aktuellen Ausgaben über Armut und Gesundheit berichten: Global Theme Issue on Poverty and Human Development. Das Council of Science Editors, eine internationale Organisation von Wissenschaftsredakteuren, organisiert in diesem Jahr bereits die dritte Themenausgabe, um einem weltweiten Problem den gebührenden Platz einzuräumen. 1996 hatten mehr als 200 Artikel in 36 Fachblättern die Aufmerksamkeit auf die globale Bedrohung durch Infektionen gelenkt, ein Jahr später widmeten sich schon fast 100 Redaktionen dem Thema Altern. In dieser Woche nehmen mehr als 230 Zeitschriften teil, von JAMA und Nature über das Ghana Medical Journal bis zum Icelandic Journal of Nursing. Das Deutsche Ärzteblatt beteiligt sich zum ersten Mal – und als einzige deutschsprachige Fachzeitschrift.
Sunna Gieseke schildert ab Seite 2930 die Praxis des Sankt-Bonifaz-Klosters in München, die sich der Versorgung Obdachloser angenommen hat. Noch umfassender versucht der freie Trägerverein „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“, über den Heike Korzilius berichtet, die Bewohner der Obdachlosensiedlung „Zwerchallee“ in Mainz zu unterstützen: Gesundheitserziehung, Ernährungs- und Impfberatung, Sport, Entspannungsübungen zur Gewaltprävention – diese Programme sollen die Obdachlosen in die Lage versetzen, sich zu helfen (Seite 2918).
Wir wissen sicher, dass Arbeitslosigkeit und Krankheit überzufällig häufig gemeinsam auftreten, aber: Macht Arbeitslosigkeit krank oder macht Krankheit arbeitslos? Dieser Frage gehen Andreas Weber und seine Koautoren in ihrer Übersichtsarbeit nach (Seite 2957). Wie das Zusammenspiel zwischen Arzt und Gutachter der Arbeitslosenversicherung im Sinne des arbeitslosen Patienten verbessert werden kann, erklärt die Autorengruppe um Walther Heipertz, dem leitenden Arzt der Bundesagentur für Arbeit (Seite 2925). Viviane Brunne vom Kompetenznetz HIV/AIDS rechnet vor, dass die Immunschwächekrankheit auch Volkswirtschaften schädigt (Seite 2932).
Die Säuglingssterblichkeit liegt in Deutschland mit circa vier pro 1000 Geburten auf einem international niedrigen Niveau. Dennoch, und darauf weisen Oliver Razum und Jürgen Breckenkamp hin (Seite 2950), findet sich auch bei uns ein Sozialgradient: Für ausländische Neugeborene liegt etwa in Nordrhein-Westfalen die Sterblichkeit mehr als doppelt so hoch wie für deutsche. Ganz besonders dramatisch ist die Lage allerdings in vielen armen Staaten. Unsere Autoren zeigen in ihrem internationalen Vergleich, welche Faktoren eine hohe Kindersterblichkeit bedingen.
„Armut und Gesundheit“ – ein regionales und ein globales Thema, eine Herausforderung für die Gesellschaft und für den einzelnen Arzt. Ich würde mich freuen, wenn die Beiträge unseres Schwerpunktheftes Ihr Interesse fänden.

Link zur Global theme issue:
www.councilscienceeditors.org/globalthemeissue.cfm

Donnerstag, 15. November 2007

Biblis B: Der Mailer gehört stillgelegt

Mit einer Klage vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel möchte die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW die Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis B herbeiführen.

Eine soeben erschienene Zeitung mit dem Titel "Biblis angeklagt" informiert auf acht Seiten sachlich und seriös über die Klage, über die rund 150 Sicherheitsdefizite der Anlage, über Störfälle und über erschreckende Aussagen von Insidern über Missstände in Biblis. Skizziert werden auch die Vorzüge einer dezentralen Energiewirtschaft und die Möglichkeit des zügigen Ersatzes von Biblis durch 100% erneuerbare Energie. Herausgegeben wird die Zeitung von der IPPNW, dem Umweltverband BUND und der Solarenergie-Vereinigung EUROSOLAR.

Sie können sich die Zeitung im Internet ansehen.

Wir bitten um Ihre Mithilfe, um die Zeitung in den nächsten Wochen in möglichst vielen hessischen Städten und Gemeinden in die Briefkästen zu verteilen. Wenn Sie dabei helfen wollen, dass Biblis endlich stillgelegt und die Energiewende durchgesetzt wird:
1 Bestellen Sie diese Zeitung in der erforderlichen Stückzahl und verteilen Sie sie in die Briefkästen Ihres Stadtteils oder Ihrer Gemeinde (Beachten Sie bitte: Keine Zeitungen in Briefkästen, wenn z.B. keine Werbung erwünscht ist). Einen Bestellzettel finden Sie weiter unten und als pdf-Datei angehängt.
2 Nutzen Sie den Film "Biblis angeklagt" (DVD Video, 42 Minuten) für eine öffentliche Veranstaltung vor Ort.
3 Wenn Sie selbst nicht aktiv werden können, dann fördern Sie bitte diese Kampagne durch eine großzügige Spende auf das folgende Konto: IPPNW e.V., Konto: 600 14 859, Kreditinstitut: Sparkasse Rastatt-Gernsbach, BLZ: 66 55 00 70, Stichwort: "Biblis-Kampagne"
Mit freundlichen Grüßen
Henrik Paulitz
Fachreferent der IPPNW

PS. Hier finden Sie weitere Informationen zur Klage.

Dienstag, 13. November 2007

Für die Bootze…

Zu einem taz-Artikel über Jakob Maria Mierscheid
Zum Download einer Mierscheid-Stellungnahme:
- Gott mit Dir, du Land der Gauner? (Bundestag, 22.01.2014, PDF)

Inzwischen hat Jakob Maria Mierscheid geheiratet. Danke für den Link



Müller ist tot

Es gab mal einen daoistischen Meister: Gia-Fu Feng. Von dem gibt’s auch einige Bücher. Und bei Konfusius, der über Jahre hinweg Gia-Fu’s Kurse hier in Deutschland organisierte, gibt’s auch ein paar Geschichten über ihn. (Siehe auch Konfusius’ Dank Nr. 12. Ich wollte, es gäbe mehr.) Irgendwann hatte er die Nase von seiner irdischen Existenz voll. 1985 zog er sich während eines Aufenthaltes eine schwere Lungenentzündung zu, an der er er dann einige Zeit später nach seiner Rückkehr zu seiner Einsiedelei Stillpoint starb.
Der ihn hier in Deutschland pflegte, war Karl-Heinrich Müller, der mit Immobilien viel Geld verdient hatte und mit dem Geld einige interessante Sachen ins Laufen brachte. Der hat sich jetzt auch auf den Weg zu Gia-Fu gemacht.

Sonntag, 11. November 2007

Samstag, 10. November 2007

Der Weg zur Versöhnung

1938 übernahm Norbert Magis Sternheim & Emanuel – jetzt trafen sich die Nachkommen
Von Thorsten Fuchs


Es ist erst wenige Tage her, da war solch ein Treffen noch ganz undenkbar. Sie wussten ja noch nicht mal voneinander. Die einen, die Steinbergs, Juden, Nachfahren der Inhaber des in den zwanziger und dreißiger Jahren fast legendären Kaufhauses Sternheim & Emanuel, leben verstreut von Südamerika bis Israel, froh, überhaupt zueinander Kontakt halten zu können. Die anderen, Kinder des Kaufmanns Norbert Magis, sieben Geschwister, wussten nicht, dass es überhaupt Nachkommen jenes Geschäfts gab, das ihr Vater 1938 übernommen hatte. Und doch fanden die Familien jetzt zusammen, nach 70 Jahren zum ersten Mal.

Zu dem Treffen angeregt hatte ein Bericht in der HAZ in der vergangenen Woche über den Besuch der Steinbergs in Hannover. Die Kinder des 1970 verstorbenen Norbert Magis erfuhren so davon, und vier von ihnen kamen aus ganz Deutschland spontan nach Hannover, um sich mit den Steinbergs zu treffen. „Wir waren sehr aufgeregt“, sagt die in Dortmund lebende Dorit Pelle, „aber auch froh, die Haltung unseres Vaters und die Sicht unserer Familie vermitteln zu können.“ Drei Stunden lang saßen die Familien am Sonntag zusammen, schauten auf alte Bilder und hörten einander zu, und es geschah etwas, was bei solch einer Konstellation nicht selbstverständlich ist: Es entstand eine persönliche Atmosphäre.


Dort, wo früher das Gebäude von Sternheim & Emanuel (Bildmitte) an der Großen Packhofstraße stand, ist heute Karstadt-„Living“ untergebracht.


„Wir fanden es sehr positiv, daß die Töchter von Herrn Magis auf uns zugekommen sind“, sagt Ursula Steinberg, Großnichte des früheren Mitinhabers von Sternheim & Emanuel, Paul Steinberg. Dazu trug sicher bei, daß Briefe heute belegen, daß Firmengründer Louis Sternheim und sein Schwiegersohn Karl Munter die Atmosphäre der Verhandlungen mit Norbert Magis sogar als „freundschaftlich“ empfanden. Der bis dahin in Mülheim ansässige Magis und Sternheim hatten sich im Juni 1938, also fünf Monate vor der Reichspogromnacht und der Verschleppung Sternheims in ein KZ, geeinigt. Zuvor hatte Sternheim bereits erheblich unter Anfeindungen, Drohungen und Boykottaufrufen zu leiden, aber auch seit drei Jahren vergeblich versucht, sein Geschäft zu verkaufen. Magis pachtete das Geschäft und übernahm Inventar und Warenlager – zu einem Preis, den die „Arisierungsbehörde“ zwar nach unten korrigierte, was Magis aber nach den Unterlagen der Familie zumindest teilweise durch Zahlungen in die Schweiz ausglich, wohin Louis Sternheim 1939 floh. Seine Grundstücke sowie das Geschäftshaus fielen an das Deutsche Reich. Von den zum Teil erbitterten Verhandlungen um Wiedergutmachung nach dem Krieg erfuhr Sternheim nicht mehr – er starb 1941 in der Schweiz. Die Steinbergs wiederum waren bereits 1938 nach Argentinien emigriert.

Es ist in der Geschichte der Übernahme des Warenhauses Sternheim & Emanuel manches bisher unbearbeitet, was die Kinder von Norbert Magis jetzt mit Hilfe eines Historikers aufarbeiten wollen. Die Unterstützung der Steinbergs ist ihnen dabei sicher: „Wir halten das für einen guten Weg“, erklärt Ursula Sternberg.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 16. Oktober 2007

Freitag, 9. November 2007

Geliebte Linda

Zu einem Artikel in brand eins

grad habe ich im Internet eine Bezugsquelle gefunden (keine Gewähr):
Biobauer Nienstedt (Freitags auf dem Markt auf dem Döhrener Platz in Döhren)

Dienstag, 6. November 2007

Filmtip 1

Duell mit Worten: Tom Cruise und Meryl Streep liefern sich einen Schlagabtausch, bei dem sie beide verlieren.

Alle Helden sind grau

Robert Redford rechnet ab mit Bushs Amerika: Der Politfilm „Von Löwen und Lämmern“ startet am Donnerstag

Von Stefan Stosch
Für das Aufpolieren des amerikanischen Traums hat sich Robert Redford immer schon verantwortlich gefühlt. Ein Rückblick auf die Rollenauswahl des Hollywoodstars belegt das: In „Bill McKay – Der Kandidat“ (1972) brandmarkte er die Oberflächlichkeit der US-Wahlkampfmaschinerie. In „Die drei Tage des Condor“ (1975) war er ein CIA-Mann, dessen Vorgesetzte einen Krieg für Öl anzetteln wollten. In „Die Unbestechlichen“ (1976) enthüllte er als Reporter Bob Woodward den Watergate-Skandal. Und in „Quiz Show“ (1994) – nun als Regisseur – beleuchtete er Schiebereien in der Fernsehindustrie.
Dennoch galt Redford bislang zuerst als Sunnyboy. Damit könnte jetzt Schluss sein: Den 71-Jährigen hat der heilige Zorn auf sein Land – oder besser: seine Regierung – gepackt. Der Politfilm „Von Löwen und Lämmern“, seine siebte Regiearbeit (zuletzt inszenierte er vor sieben Jahren „Die Legende von Bagger Vance“), wird beherrscht von der Wut auf die Verantwortlichen in den USA.
Allerdings hat Redford seine Gefühle heruntergekühlt und in einen klug strukturierten Dialogfilm umgewandelt. So viel wird in „Von Löwen und Lämmern“ geredet, dass Freunde des üblichen Hollywood-Actionkinos wohl schnell Reißaus nehmen werden. Andere Zuschauer jedoch dürften sich an der intellektuellen Schärfe eines Films erfreuen, der die politische Wirklichkeit vorausgeahnt hat: Kürzlich erst schwadronierte der US-Präsident von einem Dritten Weltkrieg, und auch der Iran ist zwischenzeitlich ins Visier der amerikanischen Militärstrategen geraten. Beides wird in „Von Löwen und Lämmern“ angedeutet.
Das Drehbuch hat Matthew Michael Carnahan geschrieben. Das ist, man glaubt es kaum, derselbe Autor, der es gerade in dem Kriegsfilm „Operation: Kingdom“ im Dienste Amerikas so richtig krachen lässt. Hier entdeckt Carnahan Worte als Waffen.
In drei parallelen Handlungen beleuchtet Redford die amerikanische Misere. In einer Episode tritt er selbst als kalifornischer Soziologieprofessor auf, der einen desillusionierten Studenten dazu bringen will, sich politisch zu engagieren. Der linksliberale Professor hält ein Plädoyer gegen die Politikverdrossenheit einer Generation, die die kriegerischen Umtriebe der Regierung erst möglich machten: „Wenn sich niemand mehr für die Mächtigen interessiert, können sie machen, was sie wollen“, sagt er. Ob er damit zu dem Studenten durchdringt, lässt der Film offen. Zweifel sind erlaubt.
Zeitgleich begegnen sich in Washington ein aalglatter republikanischer Senator (Tom Cruise) und eine schlagfertige Reporterin (Meryl Streep). Er will ihr eine zweifelhafte Geheimstrategie für den Afghanistan-Krieg als Exklusivnachricht verkaufen. Sie versucht, ihn mit provozierenden Bemerkungen aus der Reserve zu locken – wird aber bald in die Defensive gedrängt und muss einräumen, dass die US-Medien ihren Posten als Korrektiv der Politik nach dem 11. September aus falsch verstandenem Patriotismus aufgegeben haben.
Der dritte Handlungsstrang führt in den Afghanistan-Krieg und nimmt exemplarisch das Scheitern aller Washingtoner Militärspiele vorweg: Zwei Soldaten einer versprengten US-Einheit sterben auf einem verschneiten Bergpass am Hindukusch den Heldentod. Im Angesicht des Feindes stellen sie sich mit leergeschossenen Waffen den Al-Qaida-Leuten.
Nur in diesem tödlichen Finale im Schneesturm demonstriert Redford ein letztes Mal amerikanisches Sendungsbewusstsein. Gerade deshalb sticht die Szene aus einem Film hervor, dem Pathos zuwider zu sein scheint: stille Verzweiflung, Resignation, Mutlosigkeit, wohin man blickt. Redford, der in so vielen Filmen erfolgreich für das bessere Amerika gekämpft hat, kann sich zu keiner Zuversicht durchringen. Er schreckt sogar davor zurück, eindeutig Böse oder Gute gegenüberzustellen. Bei ihm sind alle Helden grau. Der smarte Senator in Washington ist zwar ein Verblendeter, doch kein Unsympath, der Uniprofessor in seiner rhetorischen Erschöpfung keine Figur, mit der sich der Zuschauer identifizieren möchte, und auch der Journalistin scheint letztlich die Kraft zu fehlen, um für die politische Wahrheit zu streiten.
Bei der Berliner Premiere seines Films stellte sich Redford Ende Oktober der politischen Debatte: Der Hollywood-Regisseur diskutierte mit dem deutschen Exaußenminister Joschka Fischer. Das war mehr als ein klug gesetzter PR-Trick, es war ein echtes Anliegen Redfords: In den USA hat er seinen Film an Universitäten präsentiert – also dort, wo er das Publikum findet, das er aufrütteln möchte. Er selbst, das stellte er in Berlin klar, habe keine Antworten auf drängende Probleme im Nahen Osten und anderswo. Er habe zeigen wollen, wie die amerikanischen Werte in den Bush-Jahren mit Füßen getreten worden seien.
Der moralisch-didaktische Ansatz lastet zu sehr auf dem Film, als dass sich „Von Löwen und Lämmern“ zu einem cineastischen Meisterwerk emporschwingen könnte. Das Werk ist von der politischen Analyse eines Enttäuschten durchdrungen. Andererseits: So schlecht kann es um Amerika nicht stehen, wenn Amerikaner sich so sehr nach verlorenen Idealen sehnen.
aus der HAZ vom 6.11.07

Filmtip 2

Ratatouille

Die Angst der SPD


Ein Chefredakteur musste gehen, weil die Partei es wollte
Jetzt ist es bewiesen, doch es scheint kaum mehr zu interessieren: Die Pressepolitik der SPD ist nicht so neutral, wie sich die Verantwortlichen gerne geben und die Parteizentrale hat einen klaren Feind: die Linkspartei. Den Beweis für die Pressepolitik der SPD liefert das Vorgehen ihrer Beteiligungsgesellschaft DDVG bei der Entlassung von Wolfgang Storz, bis Mai vergangenen Jahres Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.

Der Hintergrund: In einer wirtschaftlichen Krise hatte die Beteiligungsgesellschaft der SPD im Jahre 2004 rund 90 Prozent der Anteile von der Karl-Gerold-Stiftung übernommen, der Eigentümerin der Frankfurter Rundschau. Während Christdemokraten und FDP damals die Pressefreiheit bedroht sahen, betonte SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier und Chefin der DDVG, sie wolle die Pressefreiheit wahren: »Wir haben mit unseren bisherigen Medien-Beteiligungen gezeigt, dass wir keinen Einfluss auf Redaktionen nehmen.«

Redakteurinnen und Redakteure anderer Tageszeitungen mit SPD-Beteiligung bestätigten dies, manchmal sogar mit einem gewissen Bedauern, weil ihnen die Zeitungen angesichts einer Beteiligung der SPD zu konservativ erschienen. Im Falle der Frankfurter Rundschau wurde die Parteizentrale jedoch schon bald nach ihrem Einstieg nervös.

Der Grund: die offene Diskussion des Blattes über die Linkspartei. Im August 2005 schrieb Inge Wettig-Danielmeier dann einen Brief an die Chefredaktion der Frankfurter Rundschau: Darin heißt es, in der FR sei »in den letzten Wochen so mancherlei zum Thema Linkspartei erschienen. Manches davon zutreffend, manches sehr einseitig, gelegentlich auch provozierend, einiges davon auch uninformiert«. Im Stile einer Über-Chefredakteurin schlug die SPD-Schatzmeisterin dann den Abdruck eines Textes der Historikerin Helga Grebing vor, die mit der Linkspartei scharf ins Gericht geht. Wolfgang Storz, selbst kein Freund der Linkspartei, beteuerte zwar, dass die Thesen von Helga Grebing durchaus interessant seien - er kam der Empfehlung der SPD-Parteizentrale jedoch nicht nach. Denn: »Sie haben mir diesen Brief offiziell als Schatzmeisterin der SPD geschrieben.« Schon deshalb müsse er ihr Angebot ablehnen, da »dies die redaktionelle Unabhängigkeit berühre«.

Nach einem weiteren Briefwechsel, in dem beide Parteien ihre Positionen untermauerten, griff die DDVG als Mehrheitsgesellschafterin zu ihrer letzten Waffe: Im Mai 2006 entließ sie den Chefredakteur auf »amerikanische Art«: Storz musste sein Büro innerhalb von zwei Stunden verlassen, sein E-Mail-Account wurde sofort gesperrt. • Wolfgang Keßler

aus Publik-Forum 19/07


Wenn wir einer Auseinandersetzung zwischen Eva Herman und Johannes B. Kerner soviel Platz in unseren Medien und Köpfen einräumen und dem Rauswurf von Wolfgang Storz so wenig, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn in unserem Land Dinge geschehen, die uns nicht gefallen, gegen die aber anscheinend kein Widerstand möglich ist.
Daß der Chefredakteur einer Tageszeitung weisungsgebunden ist – zumal einer Partei gegenüber – ist das Szenario einer Bananenrepublik, wenn er auf diese Art und Weise rausgeworfen wird, ist das ein Skandal, und wenn dann kein Aufschrei in der Gesellschaft erfolgt, ist das ein Armutszeugnis. Wir sollten uns schämen – und dankbar sein für diejenigen Medien, in denen wir davon erfahren!

Montag, 5. November 2007

Höhere US-Militärhilfe an repressive Staaten

Nach Angaben des Forschungsinstituts Center for Defense Information haben die USA seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Militärhilfe und Rüstungsexporte an Staaten erhöht, deren Regierungen die Menschenrechte verletzen. Den Angaben zufolge erhielten die 25 verbündeten Staaten in Asien, Afrika und Nahen Osten in den fünf Jahren seit den Anschlägen achtzehnmal so viel Militärhilfe wie in den fünf Jahren vor September 2001. Die Rüstungsexporte der US-Unternehmen an die 25 Länder seien von 72 Millionen Dollar in den fünf Jahren vor 2001 auf drei Milliarden Dollar gestiegen. Nach Auskunft des Forschungsinstituts gibt es in mehr als der Hälfte der 25 Staaten schwere Übergriffe gegen Dissidenten und Minderheiten.

aus Publik-Forum 19/07

Der Film »Ausnahmezustand« (The Siege) mit dem Idar-Obersteiner Bruce Willis verdeutlicht sehr gut das Problematische an der fehlenden Kontinuität amerikanischer Außenpolitik und damit der Militärhilfe. Da dies in der Wikipedia-Inhaltsangabe nicht erwähnt wird: die Sprunghaftigkeit der amerikanischen Außenpolitik ist gerade Anlaß für die Terroranschläge, um deren Aufdeckung es in dem Film u.a. geht.


720 Millionen pro Tag für den Irakkrieg

Nach Berechnungen der Friedensorganisation American Friends Service Committee – sie wird in erster Linie von den pazifistischen Quäkern getragen – kostet der Krieg gegen den Irak die USA täglich 720 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die speziell für diesen Krieg bewilligten Militärausgaben, die Ausgaben für den Irakkrieg im Rahmen der allgemeinen Verteidigungsausgaben, die Kosten für das Ersetzen des im Irak zerstörten Militärgerätes, die Zinsen für die durch den Krieg entstandenen Staatsschulden sowie die langfristige Versorgung der mehr als 25 000 verwundeten Soldaten. Die Befürworter des Irakkrieges reagierten auf die Kostenberechnung nicht direkt. Der Publizist Frederick Kagan vom konservativen Forschungsinstitut American Enterprise Institute in Washington, der als einer der intellektuellen Väter des Irakkrieges gilt, wollte die Kostenrechnung nicht infrage stellen, betonte jedoch, die Kostenfrage sei nicht von Bedeutung, wenn man davon überzeugt sei, dass der Krieg die USA sicherer mache.
aus Publik-Forum 19/07
siehe auch:
- Irakkrieg kostet 720 Millionen Dollar pro Tag (RP Online, 23.09.2007)


aktualisiert am 29.10.2014

Strom und Wärme aus der Tiefe

Energiepioniere unter sich: Erwin Knapek (rechts), Bürgermeister in Unterhaching, mit Bohrungsleiter Eckhart Bintakies vor Deutschlands größtem Erdwärmekraft-
werk




In der bayerischen Stadt Unterhaching wird es bald Strom und Wärme aus der Tiefe des Erdbodens geben. Anfang Oktober ging dort Deutschlands größtes Erdwärmekraftwerk ans Netz. Dabei erwärmt 122 Grad heißes Wasser aus dem bayerischen Molassebecken ein Wasser-Ammoniak-Gemisch, das bereits bei rund 70 Grad eine »vernünftige Verdampfung« aufweist, Dieser Druck treibt eine Turbine an und produziert Strom. Darüber hinaus wird die Wärme genutzt. Insgesamt liefert das Kraftwerk künftig Fernwärme für rund 10 000 Einwohner. Rund 120 Großkunden – darunter vor allem Wohnungshaugenossenschaften und Unternehmen – wurden bereits an die Fernwärme angeschlossen. Die Kosten für das neu errichtete Erdwärmekraftwerk und das ebenfalls neu errichtete Fernwärmenetz belaufen sich auf 70 Millionen Euro.

Diese Summe wird zum Teil vom Bund getragen. Die Anlage befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Stadt und soll über einen Zeitraum von 20 Jahren abgeschrieben werden. »Bei einer erwarteten Lebensdauer des Kraftwerks von 40 Jahren kann man damit schon Geld verdienen«, sagt Reinhard Galbas, Fernwärmespezialist der Geothermie Unterhaching GmbH. Zudem erspart die Anlage der Umwelt viele schädliche Gase: Jährlich sollen 12 000 Tonnen Kohlendioxid, 7 Tonnen Schwefeldioxid und 11 Tonnen Stickoxid weniger in die Luft geblasen werden, als dies bei einem vergleichbaren Werk mit fossilen Brennstoffen der Fall wäre, so der Hersteller, die Siemens AG.

aus Publik-Forum 19/07

Weil das aber zu schön wäre, profiliert sich unser Rüttgers auf Kosten des Gemeinwohls: siehe den Post darunter:

Rolle rückwärts mit Jürgen Rüttgers

Viele Städte liefern wieder selbst Wasser und Strom, ohne private Anbieter. Nordrhein-Westfalens Regierung will das verhindern
__________________
Von Günter Hoffmann

Die Mischung von Demonstranten vor dem Düsseldorfer Landtag im Frühjahr dieses Jahres war bunt. Führende CDU-Kommunalpolitiker marschierten Seite an Seite mit Sozialdemokraten und Grünen, kommunale Arbeitgeber gemeinsam mit Vertretern der Gewerkschaften. Mehr als 25 000 Menschen demonstrierten gegen die geplante Änderung der Gemeindeordnung. Vergebens. Am 1. Januar tritt ein Gesetz in Kraft, das die wirtschaftliche Tätigkeit der Städte und Gemeinden zugunsten der Privatfirmen drastisch einschränkt. »Privat vor Staat« begründet Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der sich gerne als soziales Gewissen seiner Partei präsentiert, dieses Gesetz. Für seinen Parteifreund Herbert Napp, den Bürgermeister von Neuss, wird diese Reform dagegen »zum Tod der Kommunalwirtschaft in allen Bereichen führen«.

Die Gesetzesnovelle kommt just zu einem Zeitpunkt, an dem in vielen Rathäusern ein radikales Umdenken einsetzt. Bisher galt es für viele Lokalpolitiker als nahezu selbstverständlich, das Haushaltsdefizit durch den Verkauf ihrer kommunalen Kliniken, Stadtwerke, Müllentsorgung oder Wohnungsbaugesellschaften zu sanieren vorausgesetzt, der Widerstand der Bürger vereitelte nicht ihre Pläne. Doch die Erfahrungen mit der Privatisierung zwingen inzwischen immer mehr Kommunalpolitiker zum Umdenken. Denn es erwies sich häufig als Trugschluss, dass die privaten Betreiber kompetenter, effizienter und kostengünstiger als die eigene Verwaltung seien. Im Gegenteil. Die Verkaufspreise und die hohen Renditeerwartungen der privaten Anbieter führten häufig zu einem sprunghaften Anstieg der Gebühren und Preise, trotz schlechter oder reduzierter Leistungen. Und wo sie günstiger als die kommunalen Betriebe arbeiten, geschieht dies häufig auf Kosten der Mitarbeiter; unbezahlte Überstunden, gekürzte Urlaubszeiten und Stundenlöhne zwischen vier und sechs Euro sind keine Ausnahme mehr.

Vor sechs Jahren begannen die ersten Kommunen damit, ihre privatisierten Betriebe wieder zu rekommunalisieren. Zu einer der Pionierstädte gehört die 52 000-Einwohner-Stadt Bergkamen in Westfalen. Bereits 2001 verstaatlichte die Verwaltung ihre Stadtreinigung. 2004 folgten Strom-, Gas- und Fernwärmeversorgung und im Sommer 2006 die Müllentsorgung. »Dutzende Male hatten wir die Rekommunalisierung der Müllentsorgung durchgerechnet und kamen dann zu dem Ergebnis, dass wir dieselben Leistungen günstiger anbieten können«, so Bürgermeister Roland Schäfer (SPD). Die Kommune kündigte die Verträge mit dem privaten Entsorger, gründete die Entsorgungsbetriebe Bergkamen und investierte rund 1,6 Millionen Euro in neue Fahrzeuge. Seit dem 3. Juli 2006 sorgen 21 städtische Mitarbeiter dafür, dass die Mülltonnen pünktlich geleert werden. Während der ehemalige private Entsorger für diese Leistung rund 1,1 Millionen Euro verlangte, erbringt die Stadt die gleiche Leistung jetzt für 770 000 Euro. »Wir wussten, dass wir günstiger sein würden. Aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir 30 Prozent günstiger sind«, so Schäfer. Und verweist stolz darauf, dass sie Tariflöhne für die Müllarbeiter zahlen. Die Gründe, warum die Stadt so kostengünstig fährt, sind einfach: Sie zahlt keine Umsatzsteuer, keine teuren Vorstandsgehälter und muss lediglich kostendeckend arbeiten, während private Unternehmen Gewinne für die Eigentümer erwirtschaften müssen. Auch für die Bevölkerung zahlt sich der Eigentümerwechsel aus. So haben die Entsorgungsbetriebe Bergkamen inzwischen ihr Angebot an Dienstleistungen erweitert und gleichzeitig die Müllgebühren um rund elf Prozent gesenkt.

Die Rekommunalisierung der Betriebe in Bergkamen wurde zum Vorbild für viele andere Städte und Gemeinden und widerlegte eindrucksvoll die weit verbreitete Meinung: Die öffentliche Hand arbeite zu langsam, zu umständlich und zu teuer. So bringt die Rekommunalisierung der Müllentsorgung im Rhein-Sieg-Kreis eine Kostenersparnis von 800 000 Euro pro Jahr. Die Stadt Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis vergab die Müllabfuhr an die kommunale Tochter Avea; Kostenersparnis 370 000 Euro pro Jahr. In der Stadt Herzogenrath sparen die Bürger durch die Rekommunalisierung bis zu 35 Prozent bei Müllgebühren. Und nachdem ein Gericht den Weg für die Verstaatlichung der Müllentsorgung in der Stadt Freudenberg freimachte, bot der private Entsorger einen Preisnachlass von 30 Prozent an.

Die Großstädte Bochum und Dortmund haben mit Gelsenwasser sogar den einst größten Privatkonzern der hiesigen Wasserwirtschaft zurückgekauft. Ebenso erwarb die Stadt Potsdam 2001 ihre Anteile an der Wasserversorgung von einem privaten Konzern zurück, nachdem die Preise in drei Jahren um fast 80 Prozent gestiegen waren. In Fürstenwalde ist die Abwasserentsorgung wieder in kommunaler Hand. Bochum und Hamm investieren in eigene Kraftwerke, weil sie sich der Preispolitik der Stromriesen ausgeliefert fühlen. Und in Dortmund, Elmshorn und Freiburg werden Straßen, Schulen, Kindergärten, Büros und Bürgerhäuser wieder von kommunalen Angestellten gereinigt.

Nach der neuen Gemeindeordnung in Nordrhein-Westfalen dürfen sich die Kommunen nur noch auf dringende öffentliche Kernaufgaben konzentrieren. Aber nicht nur in Nordrhein-Westfalen droht den kommunalen Betrieben Ungemach, sondern auch bundesweit. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft sieht »in der Verstaatlichung einen Rückschlag für die Marktwirtschaft« und will nicht tatenlos zusehen, wie seinen Mitgliedsunternehmen die Aufträge verloren gehen. Er reichte Beschwerde hei der EU-Kommission dagegen ein, dass Kommunalbetriebe im Gegensatz zu den Privatunternehmen von der 19-prozentigen Umsatzsteuer befreit sind. Schützenhilfe erhält der Verband von Hartmut Schauerte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Auch er will die kommunalen Betriebe mit der Umsatzsteuer belasten.

So weht den kommunalen Betrieben der Wind ins Gesicht. Das weiß auch Bergkamens Bürgermeister Schäfer. Die Stadt will auch die Wasserversorgung wieder in eigener Regie betreiben. »Aber ob und wie uns das gelingt, ist zur Zeit noch offen«, so Schäfer, »denn die neue Gemeindeordnung wird die Möglichkeiten der Rekommunalisierung und die Wirtschaftsaktivitäten der Stadtwerke drastisch einschränken.«

aus Publik-Forum 19/07

Harter Kampf gegen Korruption

Deutschland hat sich in der unrühmlichen Liga der globalen Korruption im vergangenen Jahr zwar nicht verschlechtert, aber auch nicht verbessert. Dies zeigt die Rangliste von Transparency International, die die Organisation jedes Jahr nach der Befragung vieler Experten und nach Berichten von einem Dutzend unabhängiger Organisationen erstellt. Danach belegt Deutschland auf dieser Korruptionsliste wieder den 16. Platz. Die geringste Korruption gibt es in den Ländern Dänemark, Finnland und Neuseeland – sie belegen die Medaillenplätze auf der Liste. Vor Deutschland liegen unter den Industriestaaten aber auch Schweden, Island, die Niederlande, die Schweiz, Großbritannien und Österreich. Dagegen schneiden die USA, Frankreich und Japan schlechter ab. Transparency International kritisiert in Deutschland vor allem die Wechsel von Politikern in Unternehmen, die oft zu zweifelhaften Kooperationen führten. Besonders in der Kritik steht die Deutsche Bahn AG. Der Grund: Mehrere ehemalige Verkehrsminister der Bundesländer haben dem Bahnkonzern vor ihrem Wechsel zur Deutschen Bahn noch milliardenschwere Aufträge zugeschanzt. Konkret kritisiert wird auch der frühere bayerische Verkehrsminister Otto Wiesheu. Er hatte vor seinem Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn noch als Minister dafür gesorgt, dass im Koalitionsvertrag der Bundesregierung die Privatisierung des Konzerns festgeschrieben wurde. Aus diesen Gründen fordert der Vorsitzende von Transparency International, Hans Jörg Elshorst, schärfere Regeln für Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft.

aus Publik-Forum 19/07

Sonntag, 4. November 2007

Schluß mit Lustig…

Ein lustiger Orden
• Schleswig-Holstein.
25 Jahre hat der Tüftler, Bastler und Techniker Peter Lustig, Sannyasname Satyam Puratana, in der Kinder-Serie „Löwenzahn“ jungen Menschen die Welt erklärt. Humorvoll und kindgerecht, gleichzeitig ernsthaft und konzentriert beantwortete er naturwissenschaftliche Fragen, regte die Kinder an, Fragen zu stellen und dem Leben auf den Grund zu gehen. Im September wurde er für seine Verdienste um die „Bildung für alle“ vom Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Zur Feier des Tages trug er eine schwarze Latzhose.
aus der Osho-Times 10/07

Die Neugier bleibt

Die erste Zeit ohne Bauwagen fiel Lustig schwer. Morgens fragte er: „Warum gibt’s heute keinen Drehplan?“ Dabi war eine TV-Karriere nie geplant. Lustig arbeitete als Tontechniker [bei der berühmten Kennedy-Rede in Berlin machte er fürs ARD die Tonaufnahmen, Anm. von mir], als ihn ein Regisseur einfach mal vor die Kamera zerrte. Heute spricht der 70-jährige Hörbücher, im Kino ist er derzeit als Erzähler der Komödie „Gordos Reise ans Ende der Welt“ zu hören.
aus TV Spielfilm 22/07

Sonntag, 28. Oktober 2007

Wäscheleinen in den USA

Etwa 6% des Energieverbrauchs in den USA gehen auf Kosten von Wäschetrocknern. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es Leute, die sich über Möglichkeiten des Energiesparens Gedanken machen. Auch Terminator Arnie scheint sich damit profilieren zu wollen. (Wollen wir wetten, daß er in spätestens zehn Jahren Präsident wird?) Aber es ist nicht so einfach, Nachbarn den Anblick der eigenen Unterwäsche zuzumuten, wie der "Weltspiegel" vom 7. Oktober zeigt:

Oregon – Schmutzige Wäsche

Dienstag, 23. Oktober 2007

Rudolf Steiner, Waldorfschulen und die Medienmeute

Zur Debatte über das Indizierungsverfahren zweier Bücher von Rudolf Steiner

Vorbemerkungen der Redaktion: Auf Nachfrage vieler verunsicherter Eltern wird ein Artikel eines Redaktionsmitglieds der zu den Rassismusvorwürfen gegen Rudolf Steiner und der Verknüpfung dies Vorwürfe mit der Waldorfpädagogik Stellung nimmt, auszugsweise veröffentlicht. Dabei gibt der Verfasser nicht in allen Teilen die Meinung der Redaktion wieder. Der Artikel umfasst in voller Länge mindestens zehn SchulZeit-Seiten, weshalb sich die Redaktion für eine Kürzung entschied. Der Text wird in voller Länge am Tresen des Schulbüros ausliegen.


1. Die Ausgangslage:
Anfang September machte eine Meldung durch die gesamte Medienprominenz die Runde, (gemäß dem Motto: Meinungsvielfalt ist, wenn einer berichtet und viele schreiben ab: die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften würde im Auftrag des Familienministeriums in den nächsten Tagen prüfen, ob zwei Vortragssammlungen aus dem Gesamtwerk Rudolf Steiners auf den jugendgefährdenden Index kommen werden; die Konsequenz wäre, dass diese Bücher aus allen Bibliotheken entfernt werden müßten. Da dieser dürre und bis dahin unbestätigte Verdacht noch nicht als Spitzenmeldung taugt, wurde von fast allen großen Medien (SPIEGEL, Focus, Netzeitung, TAZ, Stern, FAZ) der Vorwurf auf andere Zitate Steine erweitert und mit der Waldorfpädagogik, ihren Unterrichtsinhalten, der im Vergleich zu Staatsschulen angeblich gehäuft auftretenden Gewalt (vom Verantwortlichen der entsprechenden Studie, Christian Pfeiffer inzwischen widerlegt), sowie mit dem ehemaligen Waldorflehrer und aktuellen NPD-Spitzenkandidaten, Andreas Molau, in direkte Verbindung gebracht.

Es ist ja in der Theorie auch eine einfach und verlockend-schlüssige Kausalkette: man nehme als argumentative Basis einige Ausagen Rudolf Steiners, die man aus heutiger Sicht als rassistisch einstufen kann und stilisiere den Autor damit zum überzeugten Rassisten hoch. Da der Begründer der Anthroposophie demnach ein Rassist war, müssen auch die Anthroposophen (allenthalben „Steiner-Jünger“ genannt) Rassisten sein. Da die Waldorflehrer samt und sonders Anthroposophen sind, sind sie demzufolge auch Rassisten; da die Waldorflehrer Rassisten sind, ist die Waldorfschule rassistisch; und da die Waldorfschule rassistisch ist, ist der Unterricht dort zwangsläufig rassistisch.

(…)

2.4. Steiners Geschichtsbild und die Herausbildung der menschlichen Rassen
Für die Anthroposophie besteht die Weltenentwicklung nicht nur aus den physikalisch-biologischen, sondern auch aus den geistigen Prozessen. Demnach durchliefen Erde und Mensch Stufen einer immer greifbarer werdenden Materialisation, sie wurden stofflicher und fester. Träger dieser Entwicklung waren verschiedene Rassen, die, wie bei einem Staffellauf, den Stab der Evolution voran trugen, ihn übergaben, dann stehen blieben oder sich einseitig weiterentwickelten, während eine andere Rasse die nächste Etappe zurücklegte. Die letzte und am weitesten entwickelte dieser Rassen war laut Steiner die weiße oder arische Rasse.
Hieraus ließe sich nur dann ein Rassismusvorwurf konstruieren, wenn man nicht berücksichtigt, dass Rudolf Steiner damit die Entwicklung in der so genannten atlantischen Periode, die vor etwa 10.000 Jahre endete, beschrieben hätte, wobei er sich nicht auf die geistigen Fähigkeiten, sondern ausschließlich auf die Bildung des physischen Leibes bezieht. Aber genau auf diese Passagen stützt sich im Wesentlichen der von der Kulturwissenschaftlerin und Genderforscherin Jana Husmann-Kastein formulierte Verbotsantrag der beiden Werke Steiners.
Bis in die Neuzeit hinein, in der so genannten nachatlantischen Phase, spricht Steiner nicht mehr von Rassen, sondern von Kulturen (altpersische, ägyptisch-mesopotamische, griechische… Kultur), in der die Menschen verschiedene Seelenqualitäten ausbildeten.
In der Gegenwart verliert nach dem Verständnis Steiners und der Anthroposophie jegliche Zugehörigkeit zu Rasse, Volk, Nation oder Gruppe zunehmend an Bedeutung. Denn worauf es der Anthroposophie ankommt, ist die individuelle Ausbildung und Weiterentwicklung des geistigen Kerns in jedem einzelnen Menschen.

2.5. Anthroposophie und Steiner in der Gegenwart
Und an diesem Punkt sind wir bei der Essenz, bei dem eigentlichen Anliegen der Anthroposophie angekommen: dem Ich. Steiner propagiert als Kernthema seines Werkes die unbedingte Freiheit des menschlichen Geistes. Da jeder Mensch in all seinen Facetten absolut einmalig ist, verbietet sich jegliche Kategorisierung von selbst. Rassendenken und Anthroposophie sind ein Widerspruch in sich! Und entsprechend auf den individuellen Wesenskern im Menschen ausgerichtet ist nicht nur die Anthroposophie, sondern auch die Waldorfpädagogik.

3. Steiners Aussagen zu Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus
Steiner ein Rassist? Klare Antwort: Nein! Dies ergibt sich nicht nur aufgrund des Kerns der Steinerschen Lehre, sondern auch aus einer Vielzahl von Äußerungen Steiners, die wesentlich zahlreicher sind als die oben zitierten.
Einige Beispiele:
„Ein Mensch, der heute von dem Ideal der Rassen und Nationen und Stammeszugehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen so genannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit. Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen“(1917).
„Der Antisemitismus ist ein Hohn auf allen Glauben an die Ideen. Er spricht vor allem der Idee Hohn, dass die Menschheit höher steht als jede Form (Stamm, Rasse, Volk), in der sich die Menschheit auslebt.“(1901).
„Unsere (anthroposophische) Gesellschaft vereint in einer gemeinsamen geistigen Strömung die Angehörigen der verschiedensten Rassen, Völker, die heute feindlich gegeneinander sind (…). Wir suchen das, was zerstreut war in der Welt, wiederum zu sammeln, und die Angehörigen der verschiedenen Nationen umfassen sich wieder brüderlich, werden Brüder innerhalb unserer Reihen“ (13.9.1914!).
Diese Reihe ließe sich mit ähnlichen Zitaten beliebig fortsetzen.

4. Die anthroposophische Praxis
1918, unter dem Eindruck der Weltkriegskatastrophe, vollzog Steiner eine für einen spirituellen Lehrer radikale Wende ins Praktische. Erst jetzt entstehen in schneller Folge die anthroposophischen Einrichtungen, unter anderem die Waldorfpädagogik.
Innerhalb weniger Jahre war die Anthroposophie weltweit präsent. Da die Kritiker von deren antisemitischer und rassistischer Ausrichtung überzeugt sind, dürfte dies gar nicht sein, weshalb man sich sicherheitshalber nicht mit ihrer Internationalität und ihrem Kosmopolitismus auseinandersetzt.
Sonst müsste man ja erklären, weshalb
… ausgerechnet anthroposophische Einrichtungen in Südafrika während der Apartheid Angehörige beider Rassen unterrichtet und erzogen haben;
… es Waldorfschulen und -kindergärten in Israel gibt, in denen jüdische und palästinensische Kinder koedukativ erzogen werden;
… viele enge Mitarbeiter Steiners Juden waren; der bekannteste war Karl König, der Begründer der Camphill-Bewegung;
… die von Rudolf Steiner und Ita Wegmann entscheidend geförderte anthroposophische Heilpädagogik bereits in den 20er Jahren Therapie und Heilung von geistig und seelisch Behinderten, nach damaligem Verständnis „minderwertigen“ Menschen, betrieben haben – zu einer Zeit also, als Behinderte bestenfalls auf Verwahranstalten hoffen konnten.
Außerdem müssten die Kritiker erklären, weshalb die Nazis von der Unvereinbarkeit von Anthroposophie und Nationalsozialismus überzeugt waren, Zitat: „(…) dass eine Verbindung von anthroposophischen Gedankengängen und germanisch-völkischer Weltanschauung unmöglich ist und die Anthroposophie letzten Endes zur Zersetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung führen muß“ (Bericht des Reichssicherheitshauptamtes, Berlin 1941)

Die Angriffe auf Steiner, die Anthroposophie und die Waldorfpädagogik sind ärgerlich, und sie sind in ihrer Form und Heftigkeit lächerlich.
Auch an Waldorfschulen werden Fehler gemacht wie an jeder anderen Institution auch. Wir Lehrer sind weder vor Übereifer oder Vereinfachungen, noch vor Fehlern im Umgang mit Kindern und Eltern gefeit. Das ist bedauerlich, aber menschlich, und es kommt an staatlichen Schulen genauso vor.
Diese individuellen Schwächen und Fehler der Waldorfpädagogik und der Anthroposophie und deren vermeintlich latenten Rassismus und Antisemitismus anzurechnen ist unfair und primitiv; hier wird Ignoranz zum Dogma!
Als ob es im Jahre 17 nach der Wiedervereinigung Deutschlands nicht längst viel zu viele real existierende Rassisten gäbe, gegen die dringend etwas unternommen werden müsste! Ist nicht ein Zusammenschluss aller demokratischen Köpfe und Herzen in Deutschland nötig, um dieser braunen Gefahr zu begegnen?

Ach ja, bevor ich es vergesse: die Bundesprüfstelle hat entschieden, die kritisierten Bücher von Rudolf Steiner NICHT auf den Index zu setzen.

Noch Fragen?

Thomas Beirle (L)



Extrem niedrige Fremdenfeindlichkeit an Waldorfschulen

Immer wieder werden dem Werk Rudolf Steiners rassistische Aussagen vorgeworfen und daraus eine fremdenfeindliche Tendenz an Waldorfschulen abgeleitet, wie im Frühjahr bei ZDF und 3SAT. Eine neue empirische Studie von Christian Pfeiffer vom Kriminologischen
Forschungsinstitut Niedersachsen zeigt, dass genau das Gegenteil zutrifft.

Sowohl bei Fremdenfeindlichkeit als auch bei Rechtsextremismus weisen Waldorfschüler nach der empirischen Studie von Kriminologie-Professor Christian Pfeiffer das allerniedrigste Niveau auf. Sind es bei Hauptschülern 24,7 Prozent beziehungsweise 9,5 Prozent, fallen die Anteile hei Gymnasiasten auf 8,3 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent, während nur 2,8 Prozent der Waldorfschüler als fremdenfeindlich und 1,2 Prozent als rechtsextrem einzustufen sind. Für diese Auswertungen wurden nur die Angaben der 9.001 deutschen Jugendlichen der 9. Jahrgangsstufe herangezogen.

Fremdenfeindlichkeit kommt damit drei mal häufiger an Hauptschulen als an Gymnasien vor, aber noch drei mal so häufig an Gymnasien wie an Waldorfschulen. Ein Wert, der in seiner deutlichen Niedrigkeit besonders ins Auge fällt, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass in einigen anderen Kategorien (etwa Graffitisprayen, Ladendiebstahl und Schulschwänzen) Waldorfschüler ähnlich wie Hauptschüler in der Studie eingeordnet werden, weit über den Gymnasiasten.

Noch frappierender sind die Ergebnisse bezüglich der so genannten ,,Machogesinnungen“, die bei Waldorfschülern eine ultrageringe Zustimmung erfahren: Nur 0,3 Prozent der Neuntklässler stimmten Aussagen wie „Ein Mann, der nicht bereit ist, sich gegen Beleidigungen mit Gewalt zu wehren, ist ein Schwächling“ oder „Wenn eine Frau ihren Mann betrügt, darf der Mann sie schlagen“ zu. Bei Gymnasiasten waren es fast sieben mal mehr (2,0 Prozent). Bei Hauptschülern im Vergleich zu Gymnasiasten „nur“ über vier mal mehr (8,7 Prozent).

Waldorfschüler haben also gerade in den Bereichen, wo es am häufigsten zu erniedrigenden Stereotypisierungen kommt (nämlich gegenüber Frauen und gegenüber Fremden) viel modernere Einstellungen als ihre Mitschüler an Regelschulen. Das wiederum entspricht der Einstellung Steiners hierzu in seinen schriftlichen Werken, insbesondere seinem Hauptwerk „Die Philosophie der Freiheit“, wo er im Schlusskapitel „Individualität und Gattung“ über das menschliche Wesen schreibt:

„Wir suchen nun vergebens den Grund für eine Äußerung dieses Wesens in den Gesetzen der Gattung. Wir haben es mit einem Individuum zu tun, das nur durch sich selbst erklärt werden kann. Ist ein Mensch bis zu dieser Loslösung von dem Gattungsmäßigen durchdrungen, und wir
wollen alles, was an ihm ist, auch dann noch aus dem Charakter der Gattung erklären, so haben wir für das Individuelle kein Organ. Es ist unmöglich, einen Menschen ganz zu verstehen, wenn man seiner Beurteilung einen Gattungsbegriff zugrunde legt.“

Detlef Hardorp


http://www.waldorf.net/html/aktuell/pfeiffer_studie.htm


aus SchulZeit Nr. 68, Oktober 2007 (Schulzeitung der Freien Waldorfschule Hannover – Maschsee)

Noch ’n Kommentar bei info3


Sonntag, 21. Oktober 2007

Ein »Lebensborn«-Kind

Gisela Heidenreich will mit ihrem persönlichen Beitrag zur Zeitgeschichte gegen Rechtsextremismus und Menschenverachtung ankämpfen

_____________
Von Ursula Frey

Als das junge Mädchen von der Volksschule ins Gymnasium wechselte, bekam sie von der Mutter eine schwarze Aktentasche. Sie war gebraucht, aber doch irgendwie edel. Für eine neue Mappe war kein Geld da, die Familie hatte kaum »die Butter aufs Brot«. Es waren die 1950er-Jahre und keiner fragte, warum die Mappe schwarz sei. Gisela machte sich nur Gedanken darüber, warum Buchstaben in die Tasche geritzt waren. Ein Männername:
»Horst Wagner«.

Heute weiß Gisela Heidenreich: Sie gehörte tatsächlich einem gewissen Horst Wagner, einem der Täter aus dem NS-Regime, der sich nach seiner Arbeit als hoher Beamter im Auswärtigen Amt seiner möglichen Bestrafung durch lange Flucht unter Deckadressen und falschen Namen über Italien bis zeitweilig sogar nach Südamerika entziehen konnte. Was immer in dieser schwarzen Tasche von ihm an Papieren transportiert worden sein mag, sei dahingestellt. Gisela Heidenreich fand jedenfalls heraus, dass Wagner die Lebensliebe ihrer Mutter war und ihr Stiefvater werden wollte. Dazu kam es aber nicht, denn das Paar trennte sich. Kennengelernt hatten sich die beiden Liebenden in Nürnberg im Justizgefängnis nach 1945, als die Verbrechen der Nazis von den Alliierten recherchiert und verhandelt wurden.

Gisela Heidenreich erfuhr nach dem Tod ihrer Mutter zufällig von dieser siebenjährigen Affäre durch einen dicken Stapel Liebesbriefe, den sie im Keller der ehemaligen Wohnung ihrer Mutter beim Ausräumen fand. Da hat sie auf dem hellen Teppich ihres Büros gesessen und wieder geweint – wie so oft im Leben. In diesem kleinen Zimmer mit den friedvollen, grünen Zweigen vor dem Fenster schreibt sie ihre Bücher. Ihr Mann hat sie in den Arm genommen, getröstet, bis sie wieder seelisch festen Boden unter sich spürte. Gisela Heidenreich musste in ihrem Leben viele Wahrheiten hinnehmen, Wahrheiten, die sie nach langer Ungewissheit fand. Nach endlosen Fragen, Recherchen in Archiven, gelesener Literatur vor allen von politisch analysierenden Zeitzeugen der NS-Zeit.

Sie ist belastet – durch ihre Geburt; denn sie ist ein »Lebensborn«-Kind. Das war und ist bisher eines der wichtigsten Themen ihres Lebens. Geradezu ungehalten wird sie, wenn sie darüber Legenden hört, sexuelle Fantasien etwa, dass es Edelbordelle gewesen seien, in denen SS-Offiziere mit ihnen zugeführten »arischen« Frauen blonde, großgewachsene, germanische Kinder mit blauen Augen zeugten. Vermeintliches Wissen, gefüttert durch reißerisch aufgemachte Zeitschriftenartikel. So etwas ist ihr schon als junges Mädchen entgegengehalten worden und hat sie tief verletzt und verunsichert. Aber die historische Wahrheit schmerzt nicht weniger.

Ihre leibliche Mutter, die sie liebevoll Mutti nennt, hat als Verwaltungskraft beim Lebensborn e. V gearbeitet. Der Nazi-Verein war tatsächlich eine SS-Organisation, die Heinrich Himmler gegründet hatte. Sie sollte der Aufrechterhaltung und Förderung der »arischen Rasse« dienen – weniger sensationell, als schon damals hinter vorgehaltener Hand überall geraunt wurde, wenn auch politisch nicht weniger kriminell.

Ihr leiblicherVater wiederum war SS -Standartenführer, erst Kommandant der SS-Junkerschule im bayerischen Bad Tölz, dann Stadtkommandant des französischen Metz. Die beiden hatten sich »im Dienst für die SS« kennengelernt. Geboren ist Gisela Heidenreich in Oslo, in einem der »Lebensborn«-Heime und Geburtsstationen für norwegische Frauen, die von deutschen Soldaten schwanger waren. Die werdenden Mütter bekamen dort genügend Milch und guten Käse, zu Kriegszeiten, wo im einer genug zu essen hatte.

Diese Kinder waren gefragt im sogenannten Dritten Reich – und später gehasst als »Deutschenkinder« in Norwegen. Giselas Mutter hatte sich 1943 dorthin versetzen lassen, möglichst weit weg von zu Hause, eigentlich geflüchtet, als der Bauch immer dicker und die Schande sichtbar wurde.

Es waren so viele Lügen und Halbwahrheiten, die die heute 64-jährige Gisela Heidenreich begleitet haben – ihre Mutter scheute sich, die Wahrheit zu sagen. Sie drehte und wendete die Fakten, hier eine Halbwahrheit, da ein belastendes Schweigen. Erst galt Gisela als das arme norwegische Waisenkind, von der Schwester der Mutter aufgenommen, musste ihre Tante »Mutti« nennen. Lange nachdem sie endlich wusste, wer ihre leibliche Mutter nun wirklich war, beschimpfte sie ganz brutal ein Onkel immer wieder: »Du SS-Bankert«. Ein Wunder, wie das Kind und noch mehr das junge Mädchen dies durchgestanden hat. Immer im Hintergrund die Botschaft an ihre Seele: »Mit dir stimmt etwas nicht, du bist bei uns nicht willkommen.«


Heute ist Gisela Heidenreich Familientherapeutin und hat zwei Bücher über ihre Familie geschrieben: eines über die Spurensuche ihrer verleugneten Herkunft und ihre Beziehung zu Mutter und Vater. Ein zweites über diese erschreckende zweite Liebe ihrer Mutter, die zu Horst Wagner. »Das endlose Jahr« und »Sieben Jahre Ewigkeit« heißen sie.

Eine richtige Familie, das war immer ihr sehnlichster Wunsch. Sie hat sie bekommen, mit Gert Heidenreich und ihren Söhnen. Gert Heidenreich, dem bekannten Schriftsteller und Journalisten, einem ausgewiesenen Kenner des Nationalsozialismus, der schon früh in Zeitungsartikeln und Rundfunkbeiträgen vor den Neonazis gewarnt hat, vor denen, deren rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten laut Bundesinnenministerium seit geraumer Zeit zunehmen, Diese Entwicklung, siehe die jüngsten schrecklichen Vorkommnisse im sächsischen Mügeln, macht jetzt große Sorgen in Berlin.

Gisela Heidenreich und ihr Mann haben eine schon enorme seelische Leistung vollbracht. Achtung ist da geboten. Sie haben die frühere Mitarbeiterin von Lebensborn und den ehemaligen SS-Mann innerlich angenommen, als Eltern bzw. als Schwiegereltern, und sie als Großeltern ihrer Kinder anerkannt. Welche inneren Barrikaden mussten sie dazu überwinden, sie, die beiden, die sich der Mitmenschlichkeit, dem Respekt, der Würde des Menschen und vor allem der Demokratie verschrieben haben. Oder waren sie gerade deshalb zu dieser Güte, Liebe und Toleranz fähig, die dahinter zu suchen sind? Gisela Heidenreichs Mutter konnte viele Jahre mit der Familie ihrer Tochter verbringen. In der hartnäckigen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter bei den Recherchen zum Buch »Das endlose Jahr« haben beide ihren Frieden gefunden. »Tief innen«, wie sie betont. Die Mutter habe das Buch noch gelesen und sei das erste Mal so richtig stolz auf ihre Tochter gewesen. Wer mit Gisela Heidenreich spricht, spürt, wie wichtig ihr diese späte Anerkennung bis heute ist. »Es ist gut, dass du das aufgeschrieben hast«, sagte die Mutter noch mal in ihren letzten Stunden.

Nazi-Verein zur Förderung und Aufrechtethaltung der »arischen Rasse«: Lebensborn-Heim in Steinhoering 1938

Das Mädchen, das so wenig Mutterliebe als Kind erfahren hat, ist zu einer Frau gereift, die Gefühl ausstrahlt, die Wärme gibt, die anderen vertraut – und der man vertrauen kann. Lügen hasst sie, wer wollte ihr das verdenken? Sie strahlt Ehrlichkeit aus – bis hin zur Selbstverletzung. Doch es ist auch eine Aura um sie, die auf erlebte Gewalt hindeutet, die sie nicht zu verantworten hat: rechte Gewalt. Heute will diese Frau vor allem eines, mit ihrem Beitrag zur Zeitgeschichte gegen Rechtsextremismus und Menschenverachtung ankämpfen. Als ihre Mutter einmal erklärte: »Ich weiß nicht, warum dich der alte Schmarrn so aufregt«, war Gisela Heidenreich fassungslos: »Der alte Schmarrn hat Millionen Menschen das Leben gekostet.« Menschen, die in einem sinnlosen Krieg erschossen wurden, die verhungerten, verbrannten. Die wegen des Rassenwahns aufgehängt, totgeschlagen wurden oder in Gaskammern erstickten. Ermordet, weil sie anders waren, weil sie politisch anders dachten, weil sie Juden, Sozialdemokraten, Homosexuelle oder Kommunisten waren. Oder weil sie einfach nur eine seelische oder geistige Behinderung hatten.

Erst am Ende ihres Lebens hat ihre Mutter sich mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt; bis dahin war sie sich »keiner Schuld bewusst«. Ihr Vater hat seine politische Haltung lange verteidigt. Vor seinem Tod habe Gisela Heidenreich ihm noch einen umfassenden Brief über seine Rolle im NS-Regime geschrieben. Grundlegende politische Worte mussten jetzt vor dieser letzten Stunde zwischen Vater und Tochter ausgesprochen werden. »Er war vermutlich NPD-Wähler und ich damals SPD-Mitglied.« Auf dem Sterbebett hat er aber ihr zumindest gesagt: »Ich habe für meine Ideale gelebt und nicht bemerkt, dass sie missbraucht wurden. Mach du es besser als ich.«

Immer noch bewegt ist Gisela Heidenreich, als sie erzählt, wie schwer es war, vor ihrer Heirat ihrem Partner zu erzählen, dass ihr Vater SS-Mann gewesen sei – sie hatte Angst vor erneuter Ablehnung. Diesmal glücklicherweise grundlos. Das doppelte Stigma ihrer Herkunft hat sie lange genug belastet. Das des Lebensborn-Kindes und das ihrer Unehelichkeit – in der kleinbürgerlichen katholischen Familie, aus der sie stammt, mindestens ebenso groß. Wie grausam hatte sich ihre Mutter verhalten. Gisela musste manchmal auf der anderen Straßenseite gehen, nie durfte sie ihre Mutter vom Büro abholen – damals in den Nachkriegsjahren, als das bürgerliche Leben ohne jede Zäsur der Aufarbeitung scheinbar wieder »normal« war.

Plötzlich und völlig unerwartet erfuhr Gisela mit fast zwanzig Jahren dennoch elterliche Liebe von dem Mann, der sie gezeugt hatte, dem SS-Standartenführer. Seit sie seinen Namen und seinen SS-Dienstrang erfahren und entdeckt hatte, dass er am Leben war, hatte sie Angst, irgendwann einem Unmenschen zu begegnen. So einer wie die NS-Täter, die vor Bergen an zu Skeletten abgemagerten toten Menschenleibern standen. Den von ihnen ermordeten Sinti, Roma und Juden: ihren Hauptopfern in Auschwitz. So, wie sie deren politische Mörder in historischen Filmaufnahmen über die Befreiung des Vernichtungslagers als junges Mädchen voller Entsetzen gesehen hatte. Das hätte sie ihm alles entgegenschreien wollen – alle ihre Überzeugungen. Doch als sie ihm tatsächlich begegnete, stand sie vor einem Zivilisten, einem hochgewachsenen »freundlichen älteren Herrn, voller Humor«. Gleich nahm er seine Tochter in die Arme. Sie fand das, was sie sich immer sehnlichst gewünscht hatte: einen liebevollen Vater, und konnte und wollte nicht begreifen, dass auch er sich schuldig gemacht hat im Regime der Unmenschen.

Auch das will die politisch hellwache Gisela Heidenreich am Beispiel ihrer Eltern und des Geliebten ihrer Mutter stellvertretend für deren Generation zeigen: »Es waren eben keine Monster, es waren sehr wohl Menschen, ganz normale Mitbürger. Aber die menschenverachtende NS-Ideologie hat ihre Emotionen falsch gelenkt und einen Teil amputiert. So waren die Täter auf der einen Seite liebesfähig und andererseits unfähig, das Leid ihrer Opfer wahrzunehmen. Da gab es für sie kein Mitgefühl.«

Bei Lesungen wird Gisela Heidenreich manchmal vorgehalten, dass sie mit ihrer Mutter zu hart umginge, während der Vater als SS-Mann doch der wahre Täter gewesen sei. Jetzt hat sie Erleichterung gefunden, kann ihre für sie selbst überraschende Liebe zu ihm besser akzeptieren. Bei einer Lesung in München hat ihr, dem »Täterkind«, ein Zuhörer geholfen, ein Therapeut, der als »Opferkind« fast seine ganze Familie im Holocaust verloren hat. Er sagte ihr voller Humanität: »Natürlich haben Sie wie alle Menschen das Recht, Ihre Eltern zu lieben. Die Täter brauchen Sie nicht lieben.« Sie erzählt diese Geschichte mit Tränen in den Augen.

Die Rolle ihrer Mutter im Lebensborn ist ihr einigermaßen klar geworden, auch wenn viele Akten über den Lebensborn bei Kriegsende »gezielt vernichtet wurden«. Ihre Mutter ist »nur« als Zeugin in Nürnberg vernommen worden, war dafür dort lange in einer Einzelzelle inhaftiert gewesen. Sie selber erklärte noch im hohen Alter stoisch, auch am Schluss, als es darum ging, ihr Leben möglichst ehrlich vor sich zu bilanzieren: »Ich war doch nur eine kleine Sekretärin.« Gisela Heidenreich weiß, dass die Mutter doch eine »wichtigere Rolle in der SS-Organisation innehatte«. Sie sei zuständig gewesen für die Adoption norwegischer Lebensborn-Kinder. Fragen über Fragen aber bleiben in der Beziehung zu Horst Wagner, doch Gisela Heidenreich forscht weiter, will wissen, warum ihre Mutter auch nach dem Krieg einen Nazitäter lieben und schützen konnte. Nicht alles lässt sich mehr klären. Weil die Täter schwiegen. Auch Gisela Heidenreich, das biologische, aber nicht politische Kind des Systems, ist ein weiteres Opfer der unmenschlichen Nazi-Ideologie.

Einer der Söhne ist erfolgreicher Schauspieler geworden. Eine Rolle aber lehnt er immer rigoros ab, er, der Nazitäter vertrauensvoll Oma und Opa nannte – eine Rolle, die er, groß, blond und blauäugig, oft angeboten bekommt: die eines SS-Offiziers in Uniform. Die schwarze Uniform, die bei überlebenden Opfern und oft bei ihren Kindern weltweit immer noch Angst und Schrecken auslöst. Ja, die für Menschen vieler Nationen zum schwarzen Ursymbol des politisch Bösen und des daraus rührenden verbrecherischen, gewaltsamen Todes geworden ist.


Gisela Heidenreich: Das endlose Jahr. Die langsame Entdeckung der eigenen Biographie – ein Lebensborn-Schicksal, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, 320 Seiten, 8,90 EUR; Gisela Heidenreich: Sieben Jahre Ewigkeit. Eine deutsche Liebe, Droemer Verlag, München 2007,431 Seiten, 19,90 EUR

aus Publik-Forum 17/2007

Freitag, 19. Oktober 2007

Eva Herman: Hat sie oder hat sie nicht?

Eigentlich wollte ich hier was über Eva Hermans Auftritt bei Johannes B. Kerner schreiben. Aber aus meinem spontanen Gefühl einer öffentlichen Hinrichtung wurde Ratlosigkeit, einmal darüber, was Frau Herman will und wie sie sich ausdrückt. Noch mehr aber darüber, wie schnell in unserem Land Aufgeregtheit hergestellt wird und was das für Konsequenzen hat. Inzwischen weiß ich nicht mehr, was sie meint, und da ich nicht mehr sicher bin, wer hier wen richtig oder falsch zitiert, überlasse ich die Herstellungsversuche von adäquaten Kommentaren Leuten, die mehr Zeit haben.


Zuerst das auf Eva Hermans Seite als PDF-Datei herunterladbare Originalzitat [Das umstrittene Zitat und das, was ich wirklich sagte, Eva Herman, September 2007], das Anlaß für die Einladung in Kerners Talkshow war:

“Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das – alles, was wir an Werten hatten – es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle - aber es ist damals eben auch das, was gut war - und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben ...“

Eva Herman, bei der Vorstellung ihres Buches »Das Prinzip Arche Noah« in Berlin am 6. September 2007

Zum Artikel von Barbara Möller im Hamburger Abendblatt vom 7.9.2007 (Man achte auf den letzten Absatz!)
=================Stellungnahme von Eva Herman auf ihrer Homepage über das Entstehen des Rauschens im Deutschen Blätterwald (man achte auf die Absätze 5 und 6). Zur »Analyse der Fälschung« auf ihrer Seite. (Wichtig!)
is hierher kann ich noch folgen: Frau Herman scheint es tatsächlich nicht gesagt zu haben, auch wenn man es aufgrund des Sprachduktus im ersten Moment annehmen könnte. Aber: In dubio pro reo. (Im Zweifel für den Angeklagten.)

Am 9. September meldet »Medienhure – Das Medienmagazin«„Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin“, so begründete NDR-Programmdirektor Volker Herres die sofortige Entlassung der früheren Tagesschau-Moderatorin Eva Herman.
… und weiter unten im gleichen Text:
Die Buchautorin und Fernsehmoderatorin Eva Herman bestätigte ihre Äußerungen: „Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden.“

Auch Focus meldet am 9. September: »Mit einem Anruf bei Herman versicherte sich der NDR der Echtheit der zitierten Aussagen.«

Auch die Süddeutsche meldet am 9.9.07, der NDR habe mitgeteilt, Eva Herman habe ihre Äußerungen bestätigt.

Ab hier kann ich nicht mehr folgen. Hat sie es nun bestätigt oder hat sie nicht? Einen Vergleich mit der NS-Familienpolitik habe ich jedenfalls nicht gefunden. (Ich werde deswegen aber nicht noch ein Buch von ihr lesen.)

Eine Stellungnahme des NDR habe ich nicht gefunden, auch keine Stellungnahme von Eva Herman zur Begründung ihrer Entlassung aufgrund ihrer angeblichen Bestätigung.

Am 9.10. wurde gemeldet, Eva Herman habe gegen ihre Entlassung geklagt.

Zu Stellungnahme einer Seite, die sich angeblich der freien Meinungsäußerung verschrieben hat (Opponent)

Im Opponent-Blog gibt’s You-Tube-Ausschnitte

Zur Einschätzung der Welt nach der Talkschow

Während der 50minütigen Auseinandersetzung mit Eva Herman (hier die Video-Adresse) waren die Standpunkte der beiden Kontrahenten:
Kerner: Nimmst Du jetzt den Vergleich mit der NS-Familienpolitik zurück?
Herman: Ich habe nichts zurückzunehmen, weil ich keinen Vergleich angestellt habe.

Die Frage ist also: Hat Kerner Herman zurecht rausgeworfen, weil sie den Vergleich nicht zurückgenommen hat oder ist sie vorgeführt und öffentlich hingerichtet worden, weil man ihr etwas in den Mund gelegt hat, was sie gar nicht gesagt hat?

Die Seite Matziberlin sympathisiert mit dem Opfer. Ein Link etwa in der Mitte der Seite führt zu »Sendungsbewusstsein« mit dem fachlich kompetenten Übersichtsaufsatz »Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene«. Gut recherchiert gibt der Aufsatz einen Überblick über die Kommentare nach der Sendung. Ein Link etwa in der Mitte der Seite führt zu dem Artikel »Die neue Antifa« bei Telepolis. (Zur Begriffsklärung »Antifa« bei Wikipedia)

Vom Aufsatz bei »Sendungsbewusstsein« führt bei Punkt 4 ein Link zu »f!xmbr«, wo der Artikel »Adolf, Eva und die Autobahnen« den Verlauf der Sendung kommentiert schildert. Eine Zusammenfassung des Vorfalls gibt’s auch beim ZDF (und noch ein Link zu einer ZDF-Darstellung). Weitere Links erspare ich mir, wer interessiert ist, suche Punkt 4 des oben erwähnten Übersichtsaufsatzes.
Hier ist noch ein ganz interessanter Link zu einem offenen Brief von Felix Hau, Journalist und Redakteur, an Johannes B. Kerner bei "Berzengeschnetz"
Da der Link nicht mehr funktioniert: Der Text ist in einem Thread zu finden:
- Interessanter Brief zum Thema "Herman" (Danny M3, Forum Panzer-Archiv, 16.10.2007, 15:49h, Beitrags-Nr.: 131589)

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Was ist also passiert? Frau Herman hat die Nazizeit erwähnt und ist von einer Journalistin des Hamburger Abendblattes anscheinend falsch zitiert worden. Daraufhin entsteht große Aufregung, und der NDR meldet, sie habe ihre falsch zitierten Äußerungen bestätigt. Sie wird gekündigt, erhebt Klage und wird ob des Medienrummels bei Kerner in die Talkshow geladen. Hier wird sie aufgefordert, ihre Äußerungen zurückzunehmen, was sie nicht tut. Während der Sendung läßt sie sich dazu hinreißen, weitere Äußerungen zu tun, die mißverständlich sind und wird rausgeworfen.

Ich frage mich: Weshalb lädt eigentlich keiner Barbara Möller vom Hamburger Abendblatt ein und befragt sie über journalistische Sorgfaltspflicht? Darf in Deutschland jeder irgendwem einen Skandal anhängen und wird daraufhin nicht zur Rechenschaft gezogen? Ist das undifferenzierte Skadalisieren von Dingen, die nur im Entferntesten mit dem Dritten Reich zu tun haben, nicht dasselbe wie die Ignoranz und Nicht-Wissen-Wollen nach dem Krieg und der Braunen Subkultur heute?

Wenn wir unsere Geschichte wirklich aufarbeiten wollen, müssen wir vor allem zuhören. In diesem Zusammenhang erwähne ich den wohltuenden buddhistischen Begriff des »Nicht-urteilenden Gewahrseins«. Wenn wir wirklich verstehen wollen – und das ist der zentrale Punkt des Aufarbeitens – müssen wir dies vorurteilslos tun und uns des wohlfeilen, moralisch entrüsteten Draufhauens bei jeder sich bietenden Gelegenheit enthalten. Das Unangenehme dabei ist nämlich, das wir dabei feststellen müssen, daß uns braune Bewußtseinsinhalte in unserem Innern näher sind, als wir das gerne hätten. (Und das verführt zum Draufhauen.) Doch nur, wenn wir uns dessen bewußt sind, können wir eine Wiederholung der Geschichte verhindern. Mit Schlagworten, Anklagen und demokratisch geläuterter Selbstherrlichkeit wird es nicht funktionieren.

In den Augen vieler ist Frau Herman das Problem: Sie ist wirr im Kopf und äußert kruse Wertevorstellungen, die in einem diffusen Zusammenhang mit der Nazizeit stehen. Nach den systemischen Therapeuten läßt sich aber das Problem auch als Lösungsstrategie verstehen: Wenn Frau Herman nicht das Problem wäre, hätten wir ein Problem des Journalismus und der Medien. Deshalb ist es praktischer, wenn Frau Herman, deren Einstellung zum Geschlechterverhältnis ja auch nicht so einfach zu verdauen sind, zum Außenseiter gemacht wird. Dann braucht sich niemand von denen, die sie da reingeritten – und sich selbst profiliert – haben, an die eigene Nase zu fassen und sich Gedanken zu machen.

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An dieser Stelle möchte ich an die Jenninger-Rede vom 10. November 1988 erinnern (Link zur vollständigen Fassung). Diese zum 50. Jahrestag der Novemberprogrome 1938 gehaltene Rede, mit der der damalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger ein Verständnis dafür vermitteln wollte, weshalb so viele Deutsche von Hitler begeistert waren, führte einen Tag später aufgrund massiver – auch internationaler – Proteste zu seinem Rücktritt. Horst Königstein hat 1989 dazu ein sehr einfühlsames und beeindruckendes Fernsehspiel gemacht (»Jenninger – Was eine Rede an den Tag brachte«). Ignatz Bubis, langjähriger Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland (siehe auch »Der Müll, die Stadt und der Tod« bei Wikipedia), hielt fast auf den Tag genau ein Jahr später, am 9. November 1989 in der Frankfurter Synagoge eine Gedenkrede, in der er weite Strecken aus der Jenninger-Rede übernahm. (Schon in einer Gedenkrede am 2. Mai 1989 hatte er einige Passagen aus der Jenninger-Rede übernommen.) Bei einer Diskussion im November 1995 anläßlich der Hamburger Kulturgespräche in Moorweide machte Bubis selbst darauf aufmerksam. Die Tatsache, daß zwei Journalisten anwesend waren, führte am nächsten Tag zu einem lauten Rauschen im deutschen Blätterwald (siehe auch bei ZEIT-online). Bei der Universität Koblenz läßt sich ein Artikel des japanischen Linguisten Ysushi Suzuki über die unterschiedliche Aufnahme der Jenninger und der Bubis-Rede aus der »Zeitschrift für angewandte Linguistik« herunterladen.

Dazu ein Standardspruch der Hypno-Therapeuten: »Der Empfänger bestimmt die Botschaft.«

Ein Link zur Walser–Bubis–Kontroverse

siehe auch:
- Unglücklicher Staatsakt - Philipp Jenningers Rede zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 (Wolfgang Benz, Bundeszentrale für politische Bildung, 04.11.2013)
- Rede am 10. November 1988 im Deutschen Bundestag (Wikipedia. siehe auch Literatur, Weblinks und Einzelnachweise!)

Eva Herman bei Kerner + Analyse {9:08}

Hochgeladen am 31.08.2009
Eva Herman bei Kerner mit einer TOP Analyse von FernsehKritik.tv, Abtreibungslobbyistin Berger und wie qualifiziert waren die anderen Gesprächsteilnehmer, sich moralisch so über Eva Herman zu erheben? Den so genannten Komiker Mario Barth können wir hier vernachlässigen, er wurde ohnehin kaum an der Debatte beteiligt. Die frühere TV Moderatorin Margarete Schreinemakers wollte 1996 ihre eigene Sendung schamlos dazu missbrauchen, ihren persönlichen Krieg mit dem Finanzamt in aller Öffentlichkeit mit Bundesfinanzminister Theo Waigel zu verhandeln.

Sat1 musste die Live Sendung abbrechen! Noch schlimmer die Schauspielerin Senta Berger. Sie hat 1971 an der Kampagne der Illustrierten Stern teilgenommen, die unter dem Bekenntnis Wir haben abgetrieben ein Recht der Frau auf die Tötung ihres ungeborenen Kindes einforderte.

Dass Menschen mit dieser Vergangenheit das Bedürfnis haben, ihre schmutzige Weste auf Kosten anderer in milderem Licht scheinen zu lassen, überrascht nicht. Aber vielen TV Zuschauern sind solche Zusammenhänge nicht klar.

Das Schlimmste passierte Senta Berger 1965 in New York. Da fragte der berühmte jüdische Produzent Zanuck: „War Ihr Vater Nazi? Senta antwortete: „Nein, Herr Zanuck. „War er in der Partei? „Ja, Herr Zanuck. „Dann ist Ihr Vater also mitverantwortlich für all die Greueltaten, die in den KZs verübt worden sind!

Senta Berger beschreibt: „Er öffnete seinen seidenen Schlafrock. Er war nackt darunter. Er schrie mich an: „Dein Volk hat Millionen von meinen Leuten getötet, vergast, erschossen Look at me! Ich bin bereit zu verzeihen. Mein ganzer Körper fiebert dir entgegen, du kleines Nazimädel! Das sagte er auf Deutsch: „Nazimädel.

Ich begann ihm auszuweichen. Und er mir nach, in seinem flatternden offen stehenden Schlafrock. Es gab ein kurzes absurdes Gerangel zwischen uns. Dann stand Senta Berger auf der Straße. Um eine Rolle ärmer, aber eine Erfahrung reicher. Senta Bergers Erlebnisse im jüdischen Hollywood.

Einseitiger Historiker - Wolfgang Wippermann
Ein einseitiger Experte ist der Geschichtsprofessor Wolfgang Wippermann (Berlin). Der Mann, dessen Sensorium für braunes Gedankengut so sensibel ist, dass es auch Unschuldige wie Eva Herman aufspürt, zeigt sich bei roten Verbrechen eher rustikal. Er warnte vor einer Dämonisierung des Kommunismus und verharmlost damit die Ideologie, die weltweit am meisten Todesopfer gekostet hat.

Und auch die Arbeit der Stasi Unterlagenbehörde hat er angegriffen, er nannte sie eine in der Verfassung nicht vorgesehenen Behörde; jedenfalls nicht in meiner Verfassung, man muss sich zwar mittlerweile dauernd eine neue kaufen, weil immer ein Grundrecht nach dem anderen beseitigt wird. Über das Interesse dieses Historikers an einer Aufarbeitung der DDR Geschichte spricht das ebenso Bände wie über sein Verhältnis zum Grundgesetz.

Auffällig, dass er dabei (wie abgesprochen) mit den anderen geladenen Gästen Margarete Schreinemakers und vor allem Senta Berger perfekt Doppelpass spielte. Fakten & Fiktionen hat schon recht bald Wippermanns dubiose Vergangenheit thematisiert, jetzt kommt heraus, dass Wippermann und Senta Berger sich wohl mindestens seit letztem Jahr gut kennen. Berger und ihr Mann, Michael Verhoeven, haben am Filmprojekt Der unbekannte Soldat in der ehelichen Sentana Filmproduktion GmbH zusammen gearbeitet.

Ein Schelm, wer böses dabei denkt
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Im Januar 2009 gewann Herman in erster Instanz vor dem Landgericht Köln zwei Prozesse gegen den Axel-Springer-Verlag, dessen Medien im September 2007 über ihre Aussagen berichtet hatten. Im ersten Verfahren verurteilte das Gericht die Bild-Zeitung für Franz Josef WagnersTitulierung Hermans als „dumme Kuh“ zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro. Die Überschrift „Ist Eva Herman braun oder nur doof?“ eines anderen Bild-Artikels wurde dagegen als zulässige Meinungsäußerung bewertet.[48] Im zweiten Fall urteilte das Gericht, dass das Hamburger Abendblatt Herman am 7. September 2007 falsch zitiert habe, und verurteilte den Verlag daher zur Unterlassung der strittigen Formulierungen, zum Abdruck einer Richtigstellung, dass es sich bei dem angeblichen Zitat nicht um Hermans Aussage gehandelt habe, und zu 10.000 Euro Schmerzensgeld für Herman.[49]
Nach einer Berufungsverhandlung zum ersten Fall erhöhte das Oberlandesgericht Köln das Schmerzensgeld, auf das der Axel-Springer-Verlag verklagt worden war, auf 25.000 Euro. Laut Urteilsbegründung handelte es sich um eine auch, aber nicht einzig mögliche Interpretation der „mehrdeutigen Äußerung“ Hermans, die aber als Zitat dargestellt worden sei. Das habe den Eindruck erweckt, Herman habe Positives am Nationalsozialismus hervorgehoben. Diese Tatsachenbehauptung habe ihr Persönlichkeitsrecht erheblich beeinträchtigt. Für weitere berufliche und private Auswirkungen dieser Interpretation könne Herman aber nicht allein den Springer-Verlag verantwortlich machen.[50]
Im Juni 2011 gab der für das allgemeine Persönlichkeitsrecht zuständige VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) der Revisionsklage des Axel-Springer-Verlags statt und widersprach dem Urteil des Oberlandesgerichts. Das Persönlichkeitsrecht schütze zwar vor „unrichtigen, verfälschten oder entstellten Wiedergaben einer Äußerung“. Diese lägen hier jedoch nicht vor, da Hermans Äußerung „im Gesamtzusammenhang betrachtet gemessen an Wortwahl, Kontext der Gedankenführung und Stoßrichtung“ nur die Deutung zulasse, „die die Beklagte ihr beigemessen hat.“[51][52]
Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) lehnte Hermans Beschwerde gegen dieses BGH-Urteil am 25. November 2012 ab: Die Entscheidung des BGH habe Herman nicht in ihren Grundrechten verletzt. Die vom Hamburger Abendblatt zitierten Äußerungen seien im Gesamtzusammenhang zu betrachten und stellten eine Meinungsäußerung dar. „Die Beschwerdeführerin, der es nicht gelungen war, sich unmissverständlich auszudrücken, muss die streitgegenständliche Passage als zum ‚Meinungskampf‘ gehörig hinnehmen.“[53][Eva Herman, Gerichtsurteile, Wikipedia, abgerufen am 12.05.2017]
Am 25. Juli 2010 kommentierte Herman beim Kopp Verlag das Unglück bei der Loveparade 2010, bei dem am Vortag 21 Personen gestorben waren. Sie kritisierte die Loveparade als „Sodom und Gomorra mit katastrophalen Folgen“ und als „riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie”, die den „kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft” symbolisiere. Dafür machte sie die 68er-Bewegung verantwortlich und vermutete:[54]
„Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“[59]
Diese Aussage interpretierten und kritisierten einige Kommentatoren als Andeutung einer Strafe Gottes, also einer Schuldzuweisung an Opfer und Besucher.[60] [Eva Herman, Aktivitäten seit 2009Wikipedia, zuletzt abgerufen am 12.05.2017]