Sonntag, 19. Mai 2019

Prinzipienbefreite Politiker, Verschwörungstheorien und eine Prise Russophobie

Während ich diese Zeilen schreibe, ist in Österreich der Vizekanzler Heinz-Christian Strache zurückgetreten, wegen eines Videos von 2017. Es war ein, na, sagen wir mal, „pseudo-konspiratives Treffen“ auf Ibiza. In monatelanger Arbeit und mit Methoden, die an feindlich-geheimdienstliche Tätigkeiten erinnern, wurde Strache in ein verwanztes Haus gelockt und alkoholisiert, und er sagte Dinge, die sich für einen Politiker zweifellos nicht ziemen – um es höflich auszudrücken. Davon wurden heimlich nach Art sowjetischer Agententätigkeit auch Videoaufnahmen gemacht, und diese wurde nun via linker Zeitungen platziert. Interessanterweise scheint ein umstrittener Satiriker vom deutschen Staatsfunk bereits im April von dem Video gewusst zu haben (siehe sueddeutsche.de, 17.1.2019, aber auch diepresse.com, 18.5.2019) – Verschwörungstheoretiker fragen sich, wo präzise die Grenze zwischen geheimdienstartigen Tätigkeiten, feindlichem Fallenstellen und deutschen Medien verläuft.
Ist es „Wahlkampf mit erweiterten Mitteln“, Politiker in Fallen zu locken, zu alkoholisieren und zu verhängnisvollen Aussagen zu verlocken? Manche vermuten, hinter der Aktion nach Art sowjetischer Geheimdienste stecke „Political Beauty“ (etwa @DanielLaufer, 17.5.2019) – siehe auch Kontext „Dürfte Satire einen Menschen töten?" (2017)
Es ist immer wieder nützlich, alte Wörter neu zu lernen, heute „Kompromat“, vom russischen "компромат", war die Kurzform von "компрометирующий материал" ist, laut Wikipedia „ein ursprünglich aus dem Jargon des sowjetischen Geheimdienstes KGB stammender Begriff für kompromittierendes Material, meist über einen Politiker oder eine andere Person des öffentlichen Lebens. Solches Material kann verwendet werden, um unliebsame Personen zu diskreditieren oder um Personen mit der Drohung, das Material zu veröffentlichen, zur Kooperation zu zwingen“.
Wir sollten uns darauf einstellen, dass Globalisten den Geist und die Methoden alter Schule mit den Möglichkeiten neuer Technik kombinieren. Wie viele „feindliche“ Politiker wurden noch abgehört, bis man endlich Kompromat fand? In der Logik derer, welche das Fallenstellen und heimliche Filmen bejahen, ist es ab sofort moralisch und demokratisch vertretbar, den politischen Gegner auch mittels junger Damen zu verführen, ihn zum Trinken zu verleiten und zu filmen, und das so lange und so oft, bis er etwas Verwerfliches sagt.
mehr:
- Verschwörungstheorien und Kompromat (Dushan Wegner, AchGut, 19.05.2019)
Mein Kommentar:
Abgesehen davon, daß sich der Artikel angenehm unaufgeregt liest, stolpere ich – natürlich – über den KGB-Jargon und über Vorgehensweisen á la sowjetischer Geheimdienst – als ob westliche Geheimdienste sowas nicht machen würden.
Nun gut, möglicherweise hat’s der KGB erfunden, aber ein Blick in die Artikel Church Committee, Operation Northwoods, Operation Moongoose oder Operation Ajax bei Wikipedia zeigt, daß die Amis zumindest gelehrige Schüler waren.
Den Unterschied zwischen den beiden Systemen sehe ich hauptsächlich in der Chance für die Bürger, nach 50-100 Jahren Akten zu Gesicht zu bekommen.
Das ist ja schon mal was! Zumindest gibt sich der Westen den Anschein, seine Geheimdienste zu kontrollieren…
Ich gebe es zu, eine böswillige Unterstellung: Die Sowjets waren/die Russen sind da ein bißchen primitiver unterwegs. Wenn man sich den Artikel über die Weißhelme bei Wikipedia aufmerksam durchliest, kommt man möglicherweise zu der Vermutung, die Briten könnten von vorneherein eine Propagandatruppe geplant haben. Wie gesagt, ich bin nicht Sherlock Holmes, aber es würde passen! 
Ich habe da einige Zweifel, daß, wenn Russland die Weißhelme gepimpt hätte, daß sich da ein russischer Roger Waters in Kaliningrad auf die Bühne stellen und den Mund aufmachen würde. Die Chance, daß er am nächsten Tag noch lebendig aufwachen würde, halte ich für recht gering.
Jeder Hansel, der heutzutage in den Medien gut dastehen (und – natürlich – Geld haben) will, packt sowas wie »Demokratie« oder »Menschenrechte« in seinen Namen. Die wären ja auch blöde, wenn sie sich »Anti-Assad« oder so ähnlich nennen würden.
Und der Westen unterstützt ab sofort nur noch oppositionelle Gruppen, die »demokratisch« sind, keinesfalls Frauen vergewaltigen und Kinder in Ruhe lassen. So ist der Leser beruhigt, die Grenzen sind klar abgesteckt, und laut UN-Resolution Nummer soundso ist alles geregelt.
Das Pech mit dem Nahen Osten: Da sind ganze Heerscharen von Leuten, die sich auf sowas wie »Rotes Kreuz« oder »Reporter« ein Ei pellen. Sobald die gecheckt haben, daß Krankenhäuser nicht angegriffen werden, stellen sie ihre MGs genau da auf. Und weil sie rausgekriegt haben, wie geil inzwischen das westliche Medien-Publikum auf eine gute Welt ist, werden deren Aufgeregtheits-Bedürfnisse entsprechend bedient!
Ich behaupe ganz einfach mal aus der Hüfte:
zwei Drittel der Vorkommnisse, die uns in den letzten 60 Jahren aufgeregt haben, waren False-Flag-Operationen. Punkt.
Der Westen hat noch einen weiteren Vorteil: Bei uns dürfen die Leute auf die Straße gehen und gegen Guantanamo oder den Vietnamkrieg protestieren. Doch da hat sich inwischen auch einiges geändert…
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