Donnerstag, 6. Dezember 2018

Tagesdosis 6.12.2018 – Die Gelben Westen. Protest mit Potential? (Podcast)

Der Startschuss dieser Bewegung aus Frankreich ist im Mai diesen Jahres zu verorten. Die in den Randgebieten von Paris, den sog. Banlieues, lebende Priscillia Ludosky ruft eine Petition ins Leben. Sie, die klassische Berufspendlerin, ist wütend auf die Regierung Macron. Der Grund: eine erneute Erhöhung der Benzinkosten, eine anvisierte Bahnreform, d.h. der erneute Griff des Staates in ihr mäßig gefülltes Portemonnaie. Innerhalb kürzester Zeit unterschreiben überraschend eine halbe Million Franzosen. (1)

Man vergleicht seine Probleme, kennt die täglichen Sorgen. Die Bürger vernetzen sich, partei- und gewerkschaftsunabhängig, über die klassischen modernen Wege, d.h. Facebook und Twitter und können so erste landesweite Aktionen erfolgreich koordinieren. Landesweite Teilnehmerzahlen bis zu einer halben Million zeigen erste Blüten einer neuen Protestgruppierung. Erkennungszeichen, die gelbe Weste. Diese ist Pflicht in französischen Autos.

Interessanterweise wurde die Erhöhung der Benzinpreise den Franzosen als schlechtes Gewissen indoktriniert. Dazu Pierre Levy: Die Regierung war entschlossen, die auf Kraftstoff, insbesondere auf Diesel erhobenen Steuern zu erhöhen. Sie wollte den Menschen damit ausdrücklich eine Änderung des Verhaltens und der Lebensweise verordnen – „Energiewende“ nennt sich das. Zwei von drei Franzosen sehen das jedoch etwas anders. Das sogenannte, freiwillig gewählte und glücklich machende „einfache Leben“ stellt sich langsam als das heraus, was es ist: ein Fake-Account der aufgezwungenen Sparmaßnahmen.(2)

Die Bewegung der Gelben Westen zeichnet sich vordergründig durch den Normalbürger aus. Geringverdiener mit Tendenz zum täglichen Überlebenskampf. Aus existentieller Verzweiflung, wandelte sich die Ohnmacht in Wut. Ein wachsender Anteil französischer Bürger will nicht mehr schlicht funktionieren, Vorgaben von staatlicher Seite kommentarlos ausführen. Man trifft sich mit Gleichgesinnten auf der Straße, um „den da oben“ lautstark mitzuteilen: es reicht. Schluss mit der Gängelung durch Gesetzesanordnungen eines abgehobenen Präsidenten.

mehr:
- Tagesdosis 6.12.2018 – Die Gelben Westen. Protest mit Potential? (Podcast) (Kommentar von Bernhard Loyen, KenFM, 06.12.2018)

Sprache: Mama Merkel irritiert zum Ende ihrer Amtszeit mit Vulgär-Vokabular

Als sie das Internet sinngemäß als "Neuland" bezeichnete, löste Angela Merkel hierzulande Gelächter aus. Jahre später erzählt sie nun diese Anekdote. Doch wie die als besonnen geltende Kanzlerin davon spricht, stößt bei Englischsprachigen auf Unverständnis.

In Zeiten regelmäßiger digitaler Empörungswellen hat ein Wort im deutschen Sprachgebrauch Hochkonjunktur: "Shitstorm". Obwohl englischen Ursprungs schaffte es der Begriff vor Jahren in den Duden. Dort wird die Wortverbindung als ein "Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht" umschrieben. Für viele Deutsche - auch diejenigen, die ein politisches Amt bekleiden - ist dieser prägnante Ausdruck entsprechend eine gelungene Verkürzung eines ansonsten lang definierten Vorgangs.

Daher stößt es hierzulande auch nicht auf Verwunderung, wenn die "mächtigste Frau der Welt", Bundeskanzlerin Angela Merkel, in einer Rede beim Digitalgipfel in dieser Woche eine Anekdote über einen Shitstorm erzählt. Dieser erging über sie, als sie im Zusammenhang mit dem Internet von "Neuland" sprach.

Was im alltäglichen Nachrichtengeschehen eine amüsante Randnotiz ist, löst im englischsprachigen Ausland derartige Verwunderung aus, dass die renommierte "New York Times" nun in einem Artikel ihren Lesern erklärt, wie eine Regierungschefin dazu kommt, ein derart "vulgäres Wort" zu verwenden.

mehr:
- Vulgärer Empörungssturm: Mit diesem Wort irritiert Merkel Amerikaner (n-tv, 06.12.2018)

Gezielte Provokation

Der militärisch-industrielle Komplex will den Krieg gegen Russland und tut daher alles für die notwendige Eskalation.

Die „Kertsch-Krise“ erhitzt die Gemüter dies- und jenseits des Atlantiks: Poroschenko ruft das Kriegsrecht aus, ukrainische Matrosen werden als „Putins Geiseln“ bezeichnet, Trump „mag die Aggression nicht“ — und sowieso wurde die Krim ja bösartig „annektiert“. Michel Chossudovsky analysiert die Situation.

Strategische Wasserwege und die „Kertsch-Krise“

Am 25. November 2018 berichtete der Föderale Sicherheitsdienst Russlands (FSB), dass „drei ukrainische Kriegsschiffe illegal im Schwarzen Meer die Landesgrenze zu Russland überschritten hätten und in Russlands Gewässer eingedrungen seien sowie gefährliche Manöver vollzogen hätten … Alle drei ukrainischen Marineschiffe … wurden im Schwarzen Meer festgehalten“, so die Tass am 25. November.

Der Vorfall ereignete sich unweit der Straße von Kertsch, der schmalen Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer.

Seit der Vereinigung der Krim mit Russland im März 2014 wird der Zugang zum Asowschen Meer völlig von Russland kontrolliert und seit Mai 2018 verbindet eine neue Brücke die Ost-Krim mit der Krasnodar-Region in Russland.

mehr:
- Gezielte Provokation (Michel Chossudovsky, Rubikon, 06.12.2018)
siehe auch:
Die Kriegstrommler (Felix Feistel, Rubikon, 08.12.2018)
- Die Macht um Acht (15) (Podcast) (Uli Gellermann, KenFM, 05.12.2018)

Adventsrätsel, das Sechste von vierundzwanzig


Beim Wetter kann man ihn erfahren,
ihn gibt’s bei Hosen, Briefen, Büchern, Waren,
und zum Wehweh und bei Klagen,
kannst Du heiß und kalt ihn tragen.