Freitag, 17. Oktober 2014

Die französische Legislative entdeckt die Obsoleszenz

Frankreich bestraft künftig die absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten 

Künftig ist es in Frankreich möglich, Produkthersteller oder -importeure wegen "geplanter Obsoleszenz" vor Gericht zu bringen. Ein entsprechendes Gesetz, das zum Energiewende-Gesetzespaket gehört (vgl. auch Das langsame Ende der Plastiktüten), wurde am Dienstag in der Nationalversammlung verabschiedet. Es sieht vor, die "obsolescence programmée" als Betrugsdelikt zu behandeln und zu bestrafen - mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldbuße von bis zu 300.000 Euro. 

An Beispielen fehlt es nicht, wie auf einem Webportal zu erfahren ist, dessen Betreiber seit langem gegen den Murks in Form "geplanter Obsoleszenz" vorgehen. Andere sprechen von "geplantem Verschleiss" ("Im Prinzip heben wir Löcher aus und schütten sie wieder zu"). Zugrunde liegt dem der Ärger über Produkte, besonders oft Elektrogeräte, die für gutes Geld gekauft, so billig gemacht sind, dass sie schneller kaputt gehen, als vom Käufer erwartet, auffallend oft kurz nach Ablauf der Garantiezeit.
mehr: 
Geplante Obsoleszenz als Betrugsdelikt (Thomas Pany, Telepolis, 16.10.2014)

Frage von mir:
ist eine kapitalistische Gesellschaft ohne geplante Obsoleszenz überlebensfähig?

Ein Leben in Lüge um eines ruhigen Lebens willen führen?

Vaclav Havel schreibt in seinem Essay „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ (Rowohlt: Hamburg, 1989) über die Funktionsweise eines posttotalitären Systems. Mitten im sich damals abzeichnenden Umbruch in seinem Heimatland und seiner erneuten Haftstrafe schrieb er seine scharfsinnigen Beobachtungen auf. 

 Natürlich kann man nicht alles eins zu eins in eine andere Welt transferieren. Doch es gibt manche Parallele zur Funktionsweise von Systemen, seien das Familien, Unternehmen, Kirchgemeinden oder NPO. Wie viele Menschen führen ein Leben in Lüge um eines ruhigen Lebens willen!

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siehe dazu auch:
- Sind Wissen, Denken, Interpretationen, Aufmerksamkeit und Bewußtheit einfach nur Fragen der inneren Ökonomie? (Post, 18.10.2014)

Sonderfall Katar

Geldgeber und Waffenlieferant der Islamisten, »strategischer Verbündeter« der USA – und auch gegenüber Israel aufgeschlossen. 

Das größte Problem der USA im Kampf gegen die Islamisten seien ihre eigenen Verbündeten, klagte Vizepräsident Joseph Biden Anfang Oktober in einer Rede vor Harvard-Studenten. Die Türkei, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten extremistische syrische Rebellen mit Waffen und Geld unterstützt, weil ihr einziges Ziel der Sturz des Assad-Regimes sei. Dass es sich dabei um eine mit den USA koordinierte Arbeitsteilung handelt, verschwieg Biden. Weil das jedoch ein für alle Beteiligten unangenehmes Thema ist, musste sich Obamas Vize schon am nächsten Tag bei Washingtons Partnern entschuldigen.
mehr:
- Hintergrund – Sonderfall Katar (junge Welt, 16.10.2014)

Software AG: Standardsoftware hat keine Zukunft mehr

Karl-Heinz Streibich und Wolfram Jost, führende Manager der Software AG, äußerten sich auf der Innovation World kritisch zum Status quo von Standardsoftware und sehen keine Zukunft für den Desktop. 
"Standardsoftware standardisiert ein Unternehmen – und das ist genau das Gegenteil von dem, was die Unternehmen heute von ihrer IT-Abteilung fordern", rief Karl-Heinz Streibich, CEO der Software AG, in seiner Eröffnungsrede zur diesjährigen Innovation World in New Orleans den rund 1000 Teilnehmern zu. So hätten die großen ERP-Systeme, wie die von SAP und Oracle, vor 20 Jahren den IT-Einsatz in den Unternehmen auf breiter Front vorangebracht; sie hätten auch die Datenstruktur vereinheitlicht und die Geschäftsprozesse standardisiert, doch heute benötigten die Unternehmen IT-Produkte für die Schnittstellen zum Kunden, mit denen sie sich besser von der Konkurrenz unterscheiden können. Doch solche individuellen Anpassungen dauerten lange und seien teuer. "Standardsoftware wurde nicht dafür entwickelt, dass man sie ständig anpassen und neu konfigurieren muss", sagte Wolfram Jost, CTO der Software AG in einem Gespräch mit iX.
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Mein Kommentar:
Big Brother nähert sich langsam, leise Selbstverständlich- und Alternativlosigkeit verbreitend auf großen, aber leisen Pfoten. Warten wir also auf das mediale Fukushima…

Freiheit, Demokratie und Postenschacherei

Auch Konservative sind entsetzt, dass eine slowenische Schamanin bald für den Verkehr zuständig sein soll 

Durch die klare Ablehnung der Slowenin Alenka Bratušek und die Probleme vieler EU-Parlamentarier mit dem Ungarn Tibor Navracsics ist der Zeitplan zur Bildung der EU-Kommission durcheinander geraten. Doch um die komplizierte Balance zwischen Ost‑ und Westeuropäern, Konservativen und Sozialdemokraten, Männern und Frauen zu bewahren, hat nun Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Slowenin Violeta Bulc akzeptiert, die Kommissarin für Verkehr werden soll. 

Um für die abgelehnte Bratušek nun Bulc durchsetzen zu können, hatte der slowenische Premier Miro Cerar sogar mit Rücktritt gedroht. Nach dem Gespräch mit Bulc am Dienstag hält Juncker die Esoterikerin für das Verkehrsressort geeignet. Sie hat eine Schamanen-Akademie absolviert und besitzt einen Trainerschein für Kurse zum "persönlichen Wachstum". Sie schwärmt zum Beispiel im eigenen Blog von der "kosmischen Erfahrung" beim Gang über glühende Kohlen.
mehr:
- Juncker will nun Esoterikerin in die EU-Kommission holen (Ralf Streck, Telepolis, 16.10.2014)

Vorschlag von mir:
Vielleicht könnte man Frau Bulc als Schamanin mit dem persönlichen Wachstum der EU-Abgeordneten beauftragen. Dazu ließe sich der monatlich einmal zurückzulegende Weg der Abgeordneten zwischen Straßburg und Brüssel (Die EU als Politik-Konzern: Parlament beschäftigt 6.000 Mitarbeiter, DeutscheWirtschaftsNachrichten, 29.08.2014; Ein Parlament auf Wanderschaft, Tagesschau, 16.05.2014) vielleicht mit glühenden Kohlen auslegen, um den Parlamentariern »kosmische Erfahrungen« zu ermöglichen. Das hätte auch möglicherweise für die Nachrücker Vorteile, da davon auszugehen ist, daß – sei es aufgrund geographischer Verhältnisse, sei es aufgrund seelischer Erfahrungen – einige Abgeordnete dem Parlament abhanden kommen.
Mein Vorschlag hat einen Nachteil: für die Räder der Trolleys müßte man eine feuerfeste Lösung finden:

Das EU-Parlament: Ein Nest voller korrupter Parasiten [6:09]

Veröffentlicht am 02.05.2014
Ein ausnahmsweise mal investigativer Bericht von RTL, indem der Parasitismus der EU-Abgeordneten entlarvt wird. Die Abgeordneten kassieren Spitzengehälter, ohne einen Finger krumm zu machen. Um möglichst viel Beute zu machen, tragen sie sich morgens in die Anwesenheitsliste ein, um anschließend sofort wieder abzureisen.

Aber bei dem Kindergarten sollte man das Ganze vielleicht nicht ganz so ernst nehmen:
Terry, Jan und Ska berichten aus ihrer ersten Parlamentswoche [3:39]

Veröffentlicht am 03.07.2014
Auch in dieser Legislaturperiode berichten Jan und Ska wieder aus jeder Plenarsitzung. Jetzt wird auch Terry dazukommen, sie ist als Kandidatin der Grünen Jugend neu ins Parlament gewählt worden. Diese Woche wurden die neuen Ausschüsse verteilt und der Präsident des Parlaments gewählt. Aber seht selbst!

siehe auch:
- "Juhuuuu" - Spott für Grünen-Video aus dem EU-Parlament (Der Westen, 08.07.2014)
Per Youtube-Video informieren drei deutsche Grünen-Abgeordnete von ihren Erlebnissen im Europaparlament. Das jüngste Video mit Ska Keller, Jan Philipp Albrecht und Terry Reintke sorgt jedoch für Spott im Netz - und offenbart ein bizarres Demokratieverständnis.

Seilbahngesetz | EXTRA 3 | NDR [2:21]

Veröffentlicht am 19.07.2012
Eine Seilbahn in Schwerin -- da müsste Mecklenburg-Vorpommern ja ein Seilbahngesetz haben? Fragte sich Martina Hauschild schon 2004.
http://www.x3.de
Mehr Videos:
http://www.ardmediathek.de
http://mediathek.daserste.de
Zitat Otto Ebnet, Wirtschaftsminister M-V:
»Wenn Mecklenburg-Vorpommern dieses Gesetz, das hier im Land niemand braucht, nicht erläßt, dann sind wir von einem Bußgeld von der Europäischen Union bedroht, das bis zu 791.000 EUR pro Tag geht.«

mein Kommentar:
Da sollte doch einfach mal einer den Mut haben! Aber alle ducken sich weg.

dazu passen auch folgende beiden Meldungen:
- Kühe in Windeln gewickelt? (Christoph Jehle, Telepolis, 15.10.2014)
Ein Vorschlag der EU-Kommission hätte ein faktisches Nutzungsverbot für Hanglagen zur Folge
- UKIP beschuldigt Schulz der Abgeordnetenmanipulation (Peter Mühlbauer, 17.10.2014)
Einer lettischen Abgeordneten soll als Gegenleistung für einen Fraktionsaustritt die Leitung einer Auslandsdelegation angeboten worden sein - das Büro des deutschen Sozialdemokraten bestreitet die Vorwürfe
dazu auch:
- Abgeordnete tritt aus EFDD aus – Nigel Farage verliert Fraktionsstatus (Die Freie Welt, 17.10.2014)
Im EU-Parlament verliert die Gruppe um den populären Eurokritiker Nigel Farage den Fraktionsstatus. Eine Abgeordnete ist ausgetreten. Farage glaubt, Martin Schulz habe ihr dafür einen Posten geboten.
- EU-Parlament: Martin Schulz löst Fraktion der Euro-Skeptiker auf (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 16.10.2014)
Die Fraktion der Euroskeptiker im EU-Parlament wird überraschend aufgelöst. Eine lettische Abgeordnete hat nach einem Treffen mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ihren Austritt aus der Fraktion erklärt. Schulz bestreitet, dass er die Abgeordnete zu dem Schritt bewogen habe. Mit der Aberkennung des Fraktionsstatus verlieren die Euro-Skeptiker 4 Millionen Euro an Förderung und erhält deutlich weniger Redezeit.
- UKIP könnte im Mai auf 128 Sitze kommen (Peter Mühlbauer, Telepolis, 13.10.2014)
Obwohl die United Kingdom Independence Party (UKIP) bei den Europawahlen in Großbritannien mit 27,5 Prozent stärkste Partei wurde, sind die Europakritiker im Westminster-Parlament nur mit einem einzigen Abgeordneten vertreten - und das erst seit einer Nachwahl vom letzten Donnerstag. Einer neuen Umfrage zufolge könnten sie bald 128 Mal so viele Sitze haben.
aktualisiert am 08.11.2014

Bill Gates fordert progressive Verbrauchssteuern

In Europa behindern EU-Vorschriften eine Differenzierung 

Vor gut sechs Jahren zog sich der Microsoft-Gründer Bill Gates aus dem Geschäft zurück. Seitdem hat er viel Zeit. So viel, dass er sehr dicke Bücher lesen kann. Zum Beispiel Thomas Pikettys Capital in the Twenty-First Century. Nach eigenen Angaben findet er viele Ideen darin richtig, hat aber einige Verbesserungsvorschläge, die er mit dem Franzosen via Skype diskutierte. 

 Grundsätzlich stimmt der mit einem geschätzten Vermögen in Höhe von 72,7 Milliarden US-Dollar mutmaßlich reichste Mann der Welt mit Piketty darin überein, dass sich der Kapitalismus selbst nicht zufriedenstellend reguliert und dass eine extreme Ungleichheit die Demokratie unterminiert, Leistungsanreize verwässert und eine Tendenz zum Feudalismus in sich birgt. 

Allerdings sind die USA nach Gates Ansicht von so einem Zustand weit entfernt. In diesem Zusammenhang verweist er unter anderem darauf, dass von den laut Forbes 400 reichsten Leuten die Hälfte ihr Vermögen nicht ererbt, sondern selbst akkumuliert hat. Darüber hinaus berücksichtigt Piketty seiner Ansicht nach nicht ausreichend, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel neuer Reichtum in Ländern wie China, Mexiko, Kolumbien, Brasilien und Thailand anhäufte.
mehr:
- Bill Gates fordert progressive Verbrauchssteuern (Peter Mühlbauer, Telepolis, 17.10.2014)

Kommentar von mir:
Oh, oh, Multimilliardäre machen sich Gedanken um den Fortbestand unserer Gesellschaft… Das sieht nicht gut aus. Kriegen die Bauern Angst um ihre Milchkühe?

(Ich habe oben Bill Gates nach Wikipedia verlinkt. Da ich allmählich alt werde, muß ich der Möglichkeit Rechnung tragen, daß die Anzahl der Leute, die Bill Gates nicht kennen, allmählich größer wird.)

Fukushima Update

Verzögerungen gibt es weiter mit dem Entfernen von radioaktivem Müll aus den Reaktorgebäuden und mit der Lagerung, noch sind alle 48 Reaktoren abgeschaltet

Gerade erst wieder wurden im Grundwasser des havarierten AKW Fukushima sehr hohe Cäsium-Konzentrationen festgestellt. Gemessen wurden in einem Brunnen in der Nähe von Reaktor 2 an der Küste die bislang höchsten Cäsium-Werte von 251. 000 Becquerel pro Liter. Gemessen wurden auch 7.8 Millionen Becquerel an Betastrahlung (z.B. Strontium-90). Schuld soll der heftige Regen sein, für den der Taifun Fanfone verantwortlich ist. Hohe Radioaktivität wurde auch an anderen Stellen in der Nähe der Tanks gemessen, in denen radioaktiv belastetes Kühlwasser gelagert wird.

Mehr als drei Jahre nach dem schweren Unfall, bei dem es zu einer Kernschmelze gekommen war, ist man noch nicht viel weiter mit der Sicherung und der Dekontaminierung gekommen. Eine neue Schätzung des Betreibers Tepco geht davon aus, dass für das havarierte AKW ein Tsunami mit einer Wellenhöhe von 26 m, doppelt so hoch wie frühere Annahmen, katastrophal gefährlich werden könnte, weil dann Wasser aus den Reaktorbehältern ins Meer gespült würde – belastet mit "hunderten
Billionen Becquerel Cäsium-137".

mehr:
- Fukushima: Rekordwerte von Cäsium im Grundwasser (Florian Rötzer, Telepolis, 17.10.2014)

Kommentar:

- Sind Wissen, Denken, Interpretationen, Aufmerksamkeit und Bewußtheit einfach nur Fragen der inneren Ökonomie? (Post, 19.10.2014)