Dienstag, 28. Juli 2015

Europa und die Spieltheorie

Die Konkurrenz-Programmierung vernebelt den Verstand auch dann, wenn es zum "Gemeinsam-Gewinnen-Spiel" keine Alternative gibt

Als es noch Konservative und Sozialdemokraten gab, die ihre Namen verdienten, bestand die Möglichkeit einer Verständigung über "Werte" jenseits des Lagerdenkens. Doch heute müssen wir Politik nolens volens als Dienstleistung oder als Spiel verstehen. Besonders im letzten Fall gibt es ungezählte Varianten. Auf dem Spielfeld können z.B. Dilettanten und knallharte Zocker agieren. Beide Rollen sind in Personalunion spielbar.

Unbedingt sind in spieltheoretischer Hinsicht unterschiedliche Phasen zu bedenken. Dies ist bei einer Betrachtung zum "Europa der Spieler" leicht einsehbar: Mit lukrativen Krediten gehätschelte "Importnationen" können sich z.B. anfänglich als konspirative Partner jener "Exportnation" verstehen, die die Architektur eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes maßgeblich bestimmt. Im weiteren Spielverlauf stellt sich dann aber - zu spät - heraus, dass den willigen "Knechten" (als vermeintlichen Juniorpartnern) vom Spielleiter von Anfang an eine Opfer- bzw. Verliererrolle zugeteilt worden ist. Wie das Spiel weitergeht, weiß vielleicht noch keiner. Am Ende kann natürlich auch der "Herr" als Verlierer dastehen ...

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- Europa und die Spieltheorie (Peter Bürger, Telepolis, 28.07.2015)

Tausende Apps scheffeln mit unsichtbarer Werbung Geld

Mittels einer neu entdeckten Betrugsmasche sollen Online-Ganoven bis Ende des Jahres mehr als eine Milliarde US-Dollar einsacken. Die Gewinne generieren Apps auf mobilen Geräten, indem sie vom Nutzer unbemerkt Werbung in hoher Frequenz laden.

Zwölf Millionen Smartphones und Tablets aus dem Android-, Apple- und Windows-Lager sollen aktuell weltweit vom so genannten Mobile Device Hacking betroffen sein, erklären die Sicherheitsforscher von Forensiq. Dabei laden betrügerische Apps heimlich im Hintergrund Werbung. Die Sicherheitsforscher prognostizieren, dass die Betrugsmasche bis zum Jahresende mehr als eine Milliarde US-Dollar generieren soll.

Forensiq hat eignen Angaben zufolge über 5.000 derartiger Apps enttarnt; ein Großteil davon hat sich in die offiziellen App Stores von Apple, Google und Microsoft geschlichen. Bei einer Stichprobe waren drei von vier Betrüger-Apps noch erhältlich. Eine Liste mit den betroffen Apps ist derzeit nicht verfügbar. Heise Security hat eine entsprechende Anfrage an Forensiq geschickt.

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- Tausende Apps scheffeln mit unsichtbarer Werbung Geld (heise News, 28.07.2015)

KI-Forscher und Tech-Prominenz fordern Verbot autonomer Waffen

In einem offenem Brief haben sich zahlreiche Wissenschaftler sowie Tech-Prominente wie Steve Wozniak und Elon Musk für eine weltweite Ächtung autonomer Waffensysteme ausgesprochen. Sie fürchten die "Kalaschnikow der Zukunft".

Über tausend Wissenschaftler aus dem Forschungsfeld künstlicher Intelligenz haben in einem offenen Brief ein Verbot autonomer Waffensysteme gefordert. Ein Wettrüsten mit selbststeuernden Tötungsmaschinen könne nicht im Interesse der Menschheit liegen, heißt es im Brief. Zu den Unterzeichnern gehören auch prominente Unterstützer wie Stephen Hawking, Steve Wozniak, Noam Chomsky und Elon Musk.

"Kalaschnikow der Zukunft"
Dem Argument, dass der Einsatz autonomer Systeme für weniger Todesopfer im Krieg sorgt, erteilten die Verfasser eine Abfuhr. Vielmehr werde die Hemmschwelle für bewaffnete Konflikte dadurch eher gesenkt. Sobald auch nur das Militär eines großen Landes einsatzfähige autonome Waffen entwickele, sorge das für eine weltweite Rüstungsspirale, warnen die Forscher. Und dann wäre es nur eine Frage der Zeit bis solche System auf dem Schwarzmarkt landeten und sich zur günstigen und verbreiteten "Kalaschnikow der Zukunft“ entwickelten.

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- KI-Forscher und Tech-Prominenz fordern Verbot autonomer Waffen (heise News, 27.07.2015)

Iran: Atomprogramm und neue Geopolitik

Die Folgen des IranDeal: Neuordnung des Mittleren Ostens und Chance einer multipolaren Weltordnung 

Es ist erstaunlich, dass angesichts der vor einer Woche erzielten Vereinbarung überall nur über das iranische Atomprogramm und die stets damit gerechtfertigten Wirtschaftssanktionen gegen das Land diskutiert wird. Dabei geht es in Wirklichkeit um viel mehr als das: Wir erleben gerade die Neuordnung des ganzen Mittleren Ostens, wenn nicht der gesamten Welt. Die geopolitischen Implikationen des Abkommens werden jedoch vermutlich erst im Laufe der nächsten Jahre nach und nach offen zu Tage treten. Gemeinsam mit dem Minsker Abkommen vom Februar und einer hoffentlich kommenden Einigung in Südostasien könnte der Vertrag so etwas wie das "Tordesillas des 21. Jahrhunderts" werden.


Dass es beim fast überall hochgelobten Abkommen nicht in erster Linie um Nuklearfragen gehen soll, klingt wohl erst einmal wenig überzeugend. Denn natürlich handelt der Vertragstext rein inhaltlich vom "umstrittenen" Atomprogramm und den Sanktionen, und es wurde bekanntlich lang und breit über die Modalitäten gestritten, wie beides abgebaut und dies überwacht werden soll. Aber war denn das iranische Atomprogramm je mehr als ein Symbol für den scheinbar unversöhnlichen Antagonismus zwischen Teheran und Washington (und Jerusalem)?

Zwei Staaten in der Region verfügen bereits über Atomwaffen. Selbst wenn der Iran auch solche entwickelte, würde das nur insofern einen praktischen Unterschied bedeuten, als das Land dann nicht mehr ohne weiteres von den USA (und Israel) angegriffen werden könnte. Diese Drohung lag, wie immer ernst gemeint, in den letzten Jahren stets in der Luft und diente rechten Politikern als Wahlkampfthema, wie überhaupt der Konflikt den Charakter eines populistischen Totschlagarguments angenommen hatte - in allen beteiligten Staaten.

mehr:
- Die neue Geopolitik (Urs Kleinert, Telepolis, 26.07.2015)

07. Juni 1494: Der Vertrag von Tordesillas wird geschlossen [14:38]

Veröffentlicht am 21.02.2015
siehe dazu auch:
- »Der größte Einzelerfolg der CIA« (Post, 01.05.2012)
 
Mit offenen Karten - Zur Lage im Iran [10:54]

Veröffentlicht am 14.02.2011
Iran (Persien, persisch ‏ايران‎ Īrān [iːˈrɔːn]/, dt. Land der Arier) ist ein Staat in Vorderasien (Westasien). Mit rund 74 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1.648.195 km² zählt er zu den 20 bevölkerungsreichsten und größten Staaten der Welt.

Seit frühester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Iran (eine Abkürzung des mittelpersischen Eran Schahr) bezeichnet. Die altiranische Form dieses Namens, Aryānām Xšaθra, bedeutet „Land der Arier".

Die im Abendland bis ins 20. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Persien geht auf Pars (bzw. Parsa/Perser),[4] das Kernland der Achämeniden zurück, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Von den Griechen Persis genannt, bezeichnete es im wesentlichen die heutige Provinz Fars um Schiraz. Von ihr leitet sich auch der Name فارسی (Farsi) („Persisch") für die persische Sprache ab.

Seit einigen Jahren wird in der deutschen Nachrichtensendung Tagesschau der Name „Iran" auch ohne Artikel benutzt. Im Deutschen sind sowohl die Form mit, als auch die Form ohne Artikel gebräuchlich. Der geografische Begriff Iran bezieht sich auf das gesamte iranische Hochland.

Quelle:
ARTE http://www.arte.tv/de/70.html
Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Iran

Mit Offenen Karten: Neuigkeiten aus dem Iran [12:08]

Veröffentlicht am 05.05.2014
Mit Offenen Karten: Sendung zur Entwicklung Irans 


Australien auf dem griechischen Weg?

Gewarnt wird vor einem Schock wegen der enormen Abhängigkeit von Rohstoffen angesichts fallender Preise 

Es scheint einigermaßen erstaunlich, dass das reiche Australien, das relativ gut durch die Jahre der Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen ist, nun in einem Atemzug mit Griechenland genannt wird. Doch das Land hängt vor allem vom Verkauf von Rohstoffen ab und ist zudem in diesem Bereich wenig diversifiziert. Fallende Preise, die zunehmend zu beobachten sind, können da schnell dramatische Auswirkungen haben. Die schwächelnde Wirtschaft Chinas bekommt das Land besonders zu spüren, das bisher den größten Teil des Exportschlagers abgenommen hat: Eisenerz.
"Rohstoff-Crash kann Australien in ein neues Griechenland verwandeln", titelte der britische "The Telegraph" in diesen Tagen. In Deutschland fanden die Warnungen, die auch auf die reichste Frau Australiens zurückgehen, keinen Widerhall. Beim Nachbar Neuseeland sah das schon anders aus, wo man mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Auch im großen europäischen Krisenland Spanien wurde das Thema aufgegriffen. Man hat Erfahrung damit, wenn die Wirtschaft sehr stark auf einem Bein steht und das einzuknicken beginnt.

Aufgeschreckt wurde die britische Zeitung durch Gina Rinehart. Denn die Bergbaumagnatin forderte von ihren Beschäftigten einen Lohnverzicht von bis zu 10%, um baldige Kündigungen zu vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Rinehart, die reichste Frau des roten Kontinents im Süden, sieht die Dynastie von Hancock Prospecting in Gefahr. Ihr enormer Reichtum beruht auf dem Minengeschäft. Doch der, so stellt auch der Telegraph fest, hat sich ihr in nur drei Jahren von 30 Milliarden US-Dollar auf gut ein Drittel reduziert. Verantwortlich dafür sind vor allem starke fallende Preise für das Eisenerz. Zuletzt kommt dazu auch noch fallender Goldpreis, der gerade auf ein neues Fünfeinhalb-Jahres-Tief gestürzt.

Hancock stöhnt, weil vor allem die Preise für Eisenerz nach unten gepurzelt sind. Der Preis pro Tonne bewegt sich derzeit im Bereich von 50 Dollar. Vor gut einem Jahr lag er noch über 100 Dollar, bisweilen fiel er sogar schon unter die Marke von 50 Dollar. Somit geht auch dieser Rohstoffpreis parallel zum Ölpreis in die Knie. In dem Fall war die Fracking-Blase in den USA dafür mit verantwortlich (Platzt angesichts des Ölpreissturzes nun die Fracking-Blase in den USA?). Und insgesamt fallen Rohstoffpreise und, was Australien hart trifft, auch der Kohlepreis.

mehr:
- Australien auf dem griechischen Weg? (Ralf Streck, Telepolis, 26.07.2015)

Der kastrierte Mann ohne Perspektive auf Rückgewinnung seiner Potenz

Nach einer Umfrage in den USA sinkt die Zahl der Mädchen und Jungen unter 20 Jahren, die schon einmal Sex hatten 

Bekannt ist vor allem aus Japan, dass es dort mit der Sexualität zwischen Mann und Frau nicht gut aussieht, mithin, dass die Libido austrocknet. Da die japanische Gesellschaft schnell altert und zugleich der Zuwanderung enge Grenzen setzt, ist man besorgt ob der schwindenden Fertilitätsrate und führt staatlicherseits Umfragen durch, um zu sehen, wie es mit der Sexlust der Menschen steht, die ja noch in er Regel eine Vorbedingung für die Reproduktion ist.

Nach der letzten, im September 2014 durchgeführten Umfrage der japanischen Gesellschaft für Familienplanung, sagte die Hälfte der 16- bis 49-Jährigen, sie hätten im vergangenen Monat keinen Sex gehabt (Japan: Die Libido trocknet aus). Der Anteil der vorübergehend oder dauerhaft Asexuellen wächst kontinuierlich an. Vor zwei Jahren waren es noch 45 Prozent. Und es steigt auch der Anteil der sexlosen Verheirateten weiter an. Zunehmend schwindet bei Männern die Lust am Sex. 17,9 Prozent bekennen, nur ein geringes oder kein Interesse daran zu haben oder ihn auch extrem zu verabscheuen. Mit 20,3 Prozent findet sich der größte Teil der Asexuellen unter den 25-29-Jährigen, ein Anstieg um das 2,5-Fache sei 2008.

Die Umfrage der Centers for Disease Control and Prevention, für die 2000 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren befragt wurden, ist zwar nicht direkt vergleichbar, zeigt aber doch auch auf, dass irgendetwas mit der Sexlust sich verändert. Die Umfrage fand 2013 statt. Danach sagten 44 Prozent der Mädchen, sie hätten schon einmal gevögelt, 1988 waren es noch 51 Prozent. Bei den Jungen war der Rückgang stärker. 1988 wollten 60 Prozent schon mindestens einmal Sex gehabt haben, 2013 waren es nur noch 47 Prozent, 22 Prozent weniger.

Gefragt wurden die jungen Menschen freilich nicht, warum sie keinen Sex hatten. Eine Folge der größeren Enthaltsamkeit ist, dass die Geburtenrate bei den Mädchen der Altersgruppe stark gesunken ist, aber, so die CDC, Schwangerschaft bei Minderjährigen gebe es noch deutlich häufiger als in anderen Ländern. Jungen üben sich trotz Rückgang etwas eher in den Geschlechtsverkehr als Mädchen ein, möglicherweise sagen sie es nur eher, während Mädchen es eher leugnen. Mit 19 Jahren hatten zwei Drittel der Männer und Frauen schon einmal Geschlechtsverkehr.

mehr:
- Vor allem bei jungen Männern geht der Sex verloren (Florian Rötzer, Telepolis, 26.07.2015)
mein Kommentar:
Was jetzt: Denkt nun der Staat (männlich) nur noch an das Eine?
Was sagt Alice (weiblich und lesbisch) dazu?

siehe auch:
- Universitäres Gendersprech (Post, 02.07.2015)
- Warum Jungs öfter scheitern (Post, 21.06.2015)
- Männer auf dem Rückzug (Post, 21.06.2015)
- »Natürlich nehmen wir den Mann mit.« (Post, 22.04.2012)
Lay off men, Lessing tells feminists (Guardian, 14.08.2001)