Donnerstag, 29. November 2007

Die 68er

Im Stern Online gibt’s ’ne Serie, die folgendermaßen angekündigt wird:
»In acht Teilen entwirft der stern das Porträt einer bewegenden Zeit: von Vietnam und Protest, von Autoritäten und Partys, von Rebellion und Befreiung. stern.de begleitet die Serie mit zusätzlichen Interviews, Ton- und Bilddokumenten aus der Zeit, Wissenstests und Fotostrecken.«

Link

Bahman Nirumad gab unfreiwillig den Startschuß


Mittwoch, 28. November 2007

Dalai-Lama-Abstimmung – eilt!

Auf der »Welt«-Internetpräsenz gibt’s eine Abstimmung über die Einschätzung der Legitimität des Dalai Lama als Repräsentant des tibetischen Volkes. Die Wahlmöglichkeiten liegen zwar auf Bild-Niveau, aber ich denke trotzdem, daß möglichst viele teilnehmen sollten – und zwar möglichst umgehend, da ich nicht weiß, wie lange die Abstimmung noch läuft.

Hier geht’ lang

Dienstag, 20. November 2007

Ein paar Übungen zum Nicht-Machen

Link zur Barmenia

Who is who in der Medizin

Wer waren die Begründer der modernen Medizin? Was haben sie entdeckt, wo haben sie gewirkt, wie sahen sie aus? Und wer steckt hinter Namen, die als Bezeichnungen von anatomischen Strukturen, physiologischen Vorgängen und Krankheiten in die Medizingeschichte eingegangen sind? Alzheimer, Golgi, Rokitansky et cetera – zwei Internetlexika erleichtern die Suche nach den Wurzeln.
Seit August 2007 kann man unter www.mediziner-biographien.de die Biografien und Porträts von 581 bedeutenden Wissenschaftlern und Ärzten, die zwischen 1850 und 1920 gelebt haben, recherchieren. Der emeritierte Heidelberger Pathologe Professor Klaus Goerttler hat seine beiden Buchmonografien, die rund 370 Biografien enthielten, mit Unterstützung aus der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ins Internet gestellt und erweitert. Goerttler widmet sein Werk der jungen Generation, deren Verständnis für die Medizin er durch historisches Wissen fördern möchte.
Die Porträts stammen aus sehr unterschiedlichen Quellen: Kernstück ist ein Album des Anatomen Robert Wiedersheim, ergänzt durch das „Archiv hervorragender Ärzte und Naturforscher“, dessen Einzelporträts als Loseblatteinlagen der Münchner Medizinischen Wochenschrift zwischen 1880 und 1960 beigefügt waren. Weitere Porträts sind Jahresabreißkalendern entnommen, die von der Firma Ciba-Geigy in den Nachkriegsjahren unentgeltlich an Ärzte verteilt wurden, sowie dem Google-Bildarchiv, Universitätsarchiven und Einzelpublikationen.
Der besondere Reiz des Lexikons ergibt sich für historische Spurensucher aus dem Medium Internet: Mühelos lassen sich per Mausklick Querverbindungen zwischen Lehrern und Schülern herstellen. Die Koryphäen sind sowohl alphabetisch als auch nach ihrem Fachge-biet sortiert. Wer sich mit der medizinischen Terminologie schwertut, kann auf „Begriffserklärungen“ zurückgreifen. Die Porträts der Wissenschaftler sind jeweils mit Kurzbeschreibungen ihrer Arbeitsgebiete, Forschungsergebnisse und der entsprechenden Literatur bestückt.
Die zweite Internetadresse www.whonamedit.com, ein längst etabliertes englischsprachiges Lexikon, orientiert sich an der schönen Tradition, dass die Medizin neue Krankheiten und medizinische Entdeckungen meist nach dem Entdecker benannt und ihm damit ein medizinhistorisches Denkmal errichtet hat. Wer hat der Addisson’schen Krankheit ihren Namen gegeben? Wer war Sir David Bruce, der Entdecker der Brucellose, die übrigens auch Bang’s bacillus genannt wird?
Fast 8 000 „Eponyme“ wurden bislang beschrieben, zugehörige ausführliche Biografien sind nochmals nach Ländern und übergeordneten Fachbegriffen sortiert. Einen besonderen Eintrag haben sich Medizinerinnen verdient: Während das deutsche Lexikon noch eine reine Männerdomäne ist (abgesehen von der französischen Physikerin Marie Curie), verzeichnet www.whonamedit.com immerhin – separat aufgeführt unter „Female entries“ – 110 Einträge, darunter so prominente wie die amerikanische Anästhesistin Virginia Apgar (Apgar-Score bei Neugeborenen), allerdings keine aus Deutschland. Annette Tuffs

aus Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 46 vom 16.11.2007

Montag, 19. November 2007

Armut und Gesundheit

Das Deutsche Ärzteblatt legt in der Nr. 43 aus dem Oktober 2007 den Schwerpunkt auf den Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit.

das Editorial:

Priv.-Doz. Dr. med.
Christopher Baethge
Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion


Dieses Heft steht im Zeichen der Armut. Es ist ein Schwerpunktheft über den Zusammenhang von sozialer und gesundheitlicher Lage. Die Akuität vieler Leiden und die prompten Erfolge vieler Interventionen überlagern manchmal, dass Erkrankungen oft genug eine lange Geschichte sozialer Probleme vorausgeht. Je weiter wir jedoch zurücktreten, desto offensichtlicher wird das Wechselspiel zwischen Lebensbedingungen und Krankheit. Dies zeigt sich besonders bei Kindern: Thomas Lampert und Bärbel-Maria Kurth etwa demonstrieren in ihrem Artikel mit den Daten des deutschen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys die enge Assoziation von niedrigem sozialen Status mit Übergewicht und psychischen Auffälligkeiten (Seite 2944).
Unser Schwerpunktheft ist Teil einer gemeinsamen Aktion internationaler medizinischer Zeitschriften, die in ihren aktuellen Ausgaben über Armut und Gesundheit berichten: Global Theme Issue on Poverty and Human Development. Das Council of Science Editors, eine internationale Organisation von Wissenschaftsredakteuren, organisiert in diesem Jahr bereits die dritte Themenausgabe, um einem weltweiten Problem den gebührenden Platz einzuräumen. 1996 hatten mehr als 200 Artikel in 36 Fachblättern die Aufmerksamkeit auf die globale Bedrohung durch Infektionen gelenkt, ein Jahr später widmeten sich schon fast 100 Redaktionen dem Thema Altern. In dieser Woche nehmen mehr als 230 Zeitschriften teil, von JAMA und Nature über das Ghana Medical Journal bis zum Icelandic Journal of Nursing. Das Deutsche Ärzteblatt beteiligt sich zum ersten Mal – und als einzige deutschsprachige Fachzeitschrift.
Sunna Gieseke schildert ab Seite 2930 die Praxis des Sankt-Bonifaz-Klosters in München, die sich der Versorgung Obdachloser angenommen hat. Noch umfassender versucht der freie Trägerverein „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“, über den Heike Korzilius berichtet, die Bewohner der Obdachlosensiedlung „Zwerchallee“ in Mainz zu unterstützen: Gesundheitserziehung, Ernährungs- und Impfberatung, Sport, Entspannungsübungen zur Gewaltprävention – diese Programme sollen die Obdachlosen in die Lage versetzen, sich zu helfen (Seite 2918).
Wir wissen sicher, dass Arbeitslosigkeit und Krankheit überzufällig häufig gemeinsam auftreten, aber: Macht Arbeitslosigkeit krank oder macht Krankheit arbeitslos? Dieser Frage gehen Andreas Weber und seine Koautoren in ihrer Übersichtsarbeit nach (Seite 2957). Wie das Zusammenspiel zwischen Arzt und Gutachter der Arbeitslosenversicherung im Sinne des arbeitslosen Patienten verbessert werden kann, erklärt die Autorengruppe um Walther Heipertz, dem leitenden Arzt der Bundesagentur für Arbeit (Seite 2925). Viviane Brunne vom Kompetenznetz HIV/AIDS rechnet vor, dass die Immunschwächekrankheit auch Volkswirtschaften schädigt (Seite 2932).
Die Säuglingssterblichkeit liegt in Deutschland mit circa vier pro 1000 Geburten auf einem international niedrigen Niveau. Dennoch, und darauf weisen Oliver Razum und Jürgen Breckenkamp hin (Seite 2950), findet sich auch bei uns ein Sozialgradient: Für ausländische Neugeborene liegt etwa in Nordrhein-Westfalen die Sterblichkeit mehr als doppelt so hoch wie für deutsche. Ganz besonders dramatisch ist die Lage allerdings in vielen armen Staaten. Unsere Autoren zeigen in ihrem internationalen Vergleich, welche Faktoren eine hohe Kindersterblichkeit bedingen.
„Armut und Gesundheit“ – ein regionales und ein globales Thema, eine Herausforderung für die Gesellschaft und für den einzelnen Arzt. Ich würde mich freuen, wenn die Beiträge unseres Schwerpunktheftes Ihr Interesse fänden.

Link zur Global theme issue:
www.councilscienceeditors.org/globalthemeissue.cfm

Donnerstag, 15. November 2007

Biblis B: Der Mailer gehört stillgelegt

Mit einer Klage vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel möchte die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW die Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis B herbeiführen.

Eine soeben erschienene Zeitung mit dem Titel "Biblis angeklagt" informiert auf acht Seiten sachlich und seriös über die Klage, über die rund 150 Sicherheitsdefizite der Anlage, über Störfälle und über erschreckende Aussagen von Insidern über Missstände in Biblis. Skizziert werden auch die Vorzüge einer dezentralen Energiewirtschaft und die Möglichkeit des zügigen Ersatzes von Biblis durch 100% erneuerbare Energie. Herausgegeben wird die Zeitung von der IPPNW, dem Umweltverband BUND und der Solarenergie-Vereinigung EUROSOLAR.

Sie können sich die Zeitung im Internet ansehen.

Wir bitten um Ihre Mithilfe, um die Zeitung in den nächsten Wochen in möglichst vielen hessischen Städten und Gemeinden in die Briefkästen zu verteilen. Wenn Sie dabei helfen wollen, dass Biblis endlich stillgelegt und die Energiewende durchgesetzt wird:
1 Bestellen Sie diese Zeitung in der erforderlichen Stückzahl und verteilen Sie sie in die Briefkästen Ihres Stadtteils oder Ihrer Gemeinde (Beachten Sie bitte: Keine Zeitungen in Briefkästen, wenn z.B. keine Werbung erwünscht ist). Einen Bestellzettel finden Sie weiter unten und als pdf-Datei angehängt.
2 Nutzen Sie den Film "Biblis angeklagt" (DVD Video, 42 Minuten) für eine öffentliche Veranstaltung vor Ort.
3 Wenn Sie selbst nicht aktiv werden können, dann fördern Sie bitte diese Kampagne durch eine großzügige Spende auf das folgende Konto: IPPNW e.V., Konto: 600 14 859, Kreditinstitut: Sparkasse Rastatt-Gernsbach, BLZ: 66 55 00 70, Stichwort: "Biblis-Kampagne"
Mit freundlichen Grüßen
Henrik Paulitz
Fachreferent der IPPNW

PS. Hier finden Sie weitere Informationen zur Klage.

Dienstag, 13. November 2007

Für die Bootze…

Zu einem taz-Artikel über Jakob Maria Mierscheid
Zum Download einer Mierscheid-Stellungnahme:
- Gott mit Dir, du Land der Gauner? (Bundestag, 22.01.2014, PDF)

Inzwischen hat Jakob Maria Mierscheid geheiratet. Danke für den Link



Müller ist tot

Es gab mal einen daoistischen Meister: Gia-Fu Feng. Von dem gibt’s auch einige Bücher. Und bei Konfusius, der über Jahre hinweg Gia-Fu’s Kurse hier in Deutschland organisierte, gibt’s auch ein paar Geschichten über ihn. (Siehe auch Konfusius’ Dank Nr. 12. Ich wollte, es gäbe mehr.) Irgendwann hatte er die Nase von seiner irdischen Existenz voll. 1985 zog er sich während eines Aufenthaltes eine schwere Lungenentzündung zu, an der er er dann einige Zeit später nach seiner Rückkehr zu seiner Einsiedelei Stillpoint starb.
Der ihn hier in Deutschland pflegte, war Karl-Heinrich Müller, der mit Immobilien viel Geld verdient hatte und mit dem Geld einige interessante Sachen ins Laufen brachte. Der hat sich jetzt auch auf den Weg zu Gia-Fu gemacht.

Sonntag, 11. November 2007

Samstag, 10. November 2007

Der Weg zur Versöhnung

1938 übernahm Norbert Magis Sternheim & Emanuel – jetzt trafen sich die Nachkommen
Von Thorsten Fuchs


Es ist erst wenige Tage her, da war solch ein Treffen noch ganz undenkbar. Sie wussten ja noch nicht mal voneinander. Die einen, die Steinbergs, Juden, Nachfahren der Inhaber des in den zwanziger und dreißiger Jahren fast legendären Kaufhauses Sternheim & Emanuel, leben verstreut von Südamerika bis Israel, froh, überhaupt zueinander Kontakt halten zu können. Die anderen, Kinder des Kaufmanns Norbert Magis, sieben Geschwister, wussten nicht, dass es überhaupt Nachkommen jenes Geschäfts gab, das ihr Vater 1938 übernommen hatte. Und doch fanden die Familien jetzt zusammen, nach 70 Jahren zum ersten Mal.

Zu dem Treffen angeregt hatte ein Bericht in der HAZ in der vergangenen Woche über den Besuch der Steinbergs in Hannover. Die Kinder des 1970 verstorbenen Norbert Magis erfuhren so davon, und vier von ihnen kamen aus ganz Deutschland spontan nach Hannover, um sich mit den Steinbergs zu treffen. „Wir waren sehr aufgeregt“, sagt die in Dortmund lebende Dorit Pelle, „aber auch froh, die Haltung unseres Vaters und die Sicht unserer Familie vermitteln zu können.“ Drei Stunden lang saßen die Familien am Sonntag zusammen, schauten auf alte Bilder und hörten einander zu, und es geschah etwas, was bei solch einer Konstellation nicht selbstverständlich ist: Es entstand eine persönliche Atmosphäre.


Dort, wo früher das Gebäude von Sternheim & Emanuel (Bildmitte) an der Großen Packhofstraße stand, ist heute Karstadt-„Living“ untergebracht.


„Wir fanden es sehr positiv, daß die Töchter von Herrn Magis auf uns zugekommen sind“, sagt Ursula Steinberg, Großnichte des früheren Mitinhabers von Sternheim & Emanuel, Paul Steinberg. Dazu trug sicher bei, daß Briefe heute belegen, daß Firmengründer Louis Sternheim und sein Schwiegersohn Karl Munter die Atmosphäre der Verhandlungen mit Norbert Magis sogar als „freundschaftlich“ empfanden. Der bis dahin in Mülheim ansässige Magis und Sternheim hatten sich im Juni 1938, also fünf Monate vor der Reichspogromnacht und der Verschleppung Sternheims in ein KZ, geeinigt. Zuvor hatte Sternheim bereits erheblich unter Anfeindungen, Drohungen und Boykottaufrufen zu leiden, aber auch seit drei Jahren vergeblich versucht, sein Geschäft zu verkaufen. Magis pachtete das Geschäft und übernahm Inventar und Warenlager – zu einem Preis, den die „Arisierungsbehörde“ zwar nach unten korrigierte, was Magis aber nach den Unterlagen der Familie zumindest teilweise durch Zahlungen in die Schweiz ausglich, wohin Louis Sternheim 1939 floh. Seine Grundstücke sowie das Geschäftshaus fielen an das Deutsche Reich. Von den zum Teil erbitterten Verhandlungen um Wiedergutmachung nach dem Krieg erfuhr Sternheim nicht mehr – er starb 1941 in der Schweiz. Die Steinbergs wiederum waren bereits 1938 nach Argentinien emigriert.

Es ist in der Geschichte der Übernahme des Warenhauses Sternheim & Emanuel manches bisher unbearbeitet, was die Kinder von Norbert Magis jetzt mit Hilfe eines Historikers aufarbeiten wollen. Die Unterstützung der Steinbergs ist ihnen dabei sicher: „Wir halten das für einen guten Weg“, erklärt Ursula Sternberg.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 16. Oktober 2007

Freitag, 9. November 2007

Geliebte Linda

Zu einem Artikel in brand eins

grad habe ich im Internet eine Bezugsquelle gefunden (keine Gewähr):
Biobauer Nienstedt (Freitags auf dem Markt auf dem Döhrener Platz in Döhren)

Dienstag, 6. November 2007

Filmtip 1

Duell mit Worten: Tom Cruise und Meryl Streep liefern sich einen Schlagabtausch, bei dem sie beide verlieren.

Alle Helden sind grau

Robert Redford rechnet ab mit Bushs Amerika: Der Politfilm „Von Löwen und Lämmern“ startet am Donnerstag

Von Stefan Stosch
Für das Aufpolieren des amerikanischen Traums hat sich Robert Redford immer schon verantwortlich gefühlt. Ein Rückblick auf die Rollenauswahl des Hollywoodstars belegt das: In „Bill McKay – Der Kandidat“ (1972) brandmarkte er die Oberflächlichkeit der US-Wahlkampfmaschinerie. In „Die drei Tage des Condor“ (1975) war er ein CIA-Mann, dessen Vorgesetzte einen Krieg für Öl anzetteln wollten. In „Die Unbestechlichen“ (1976) enthüllte er als Reporter Bob Woodward den Watergate-Skandal. Und in „Quiz Show“ (1994) – nun als Regisseur – beleuchtete er Schiebereien in der Fernsehindustrie.
Dennoch galt Redford bislang zuerst als Sunnyboy. Damit könnte jetzt Schluss sein: Den 71-Jährigen hat der heilige Zorn auf sein Land – oder besser: seine Regierung – gepackt. Der Politfilm „Von Löwen und Lämmern“, seine siebte Regiearbeit (zuletzt inszenierte er vor sieben Jahren „Die Legende von Bagger Vance“), wird beherrscht von der Wut auf die Verantwortlichen in den USA.
Allerdings hat Redford seine Gefühle heruntergekühlt und in einen klug strukturierten Dialogfilm umgewandelt. So viel wird in „Von Löwen und Lämmern“ geredet, dass Freunde des üblichen Hollywood-Actionkinos wohl schnell Reißaus nehmen werden. Andere Zuschauer jedoch dürften sich an der intellektuellen Schärfe eines Films erfreuen, der die politische Wirklichkeit vorausgeahnt hat: Kürzlich erst schwadronierte der US-Präsident von einem Dritten Weltkrieg, und auch der Iran ist zwischenzeitlich ins Visier der amerikanischen Militärstrategen geraten. Beides wird in „Von Löwen und Lämmern“ angedeutet.
Das Drehbuch hat Matthew Michael Carnahan geschrieben. Das ist, man glaubt es kaum, derselbe Autor, der es gerade in dem Kriegsfilm „Operation: Kingdom“ im Dienste Amerikas so richtig krachen lässt. Hier entdeckt Carnahan Worte als Waffen.
In drei parallelen Handlungen beleuchtet Redford die amerikanische Misere. In einer Episode tritt er selbst als kalifornischer Soziologieprofessor auf, der einen desillusionierten Studenten dazu bringen will, sich politisch zu engagieren. Der linksliberale Professor hält ein Plädoyer gegen die Politikverdrossenheit einer Generation, die die kriegerischen Umtriebe der Regierung erst möglich machten: „Wenn sich niemand mehr für die Mächtigen interessiert, können sie machen, was sie wollen“, sagt er. Ob er damit zu dem Studenten durchdringt, lässt der Film offen. Zweifel sind erlaubt.
Zeitgleich begegnen sich in Washington ein aalglatter republikanischer Senator (Tom Cruise) und eine schlagfertige Reporterin (Meryl Streep). Er will ihr eine zweifelhafte Geheimstrategie für den Afghanistan-Krieg als Exklusivnachricht verkaufen. Sie versucht, ihn mit provozierenden Bemerkungen aus der Reserve zu locken – wird aber bald in die Defensive gedrängt und muss einräumen, dass die US-Medien ihren Posten als Korrektiv der Politik nach dem 11. September aus falsch verstandenem Patriotismus aufgegeben haben.
Der dritte Handlungsstrang führt in den Afghanistan-Krieg und nimmt exemplarisch das Scheitern aller Washingtoner Militärspiele vorweg: Zwei Soldaten einer versprengten US-Einheit sterben auf einem verschneiten Bergpass am Hindukusch den Heldentod. Im Angesicht des Feindes stellen sie sich mit leergeschossenen Waffen den Al-Qaida-Leuten.
Nur in diesem tödlichen Finale im Schneesturm demonstriert Redford ein letztes Mal amerikanisches Sendungsbewusstsein. Gerade deshalb sticht die Szene aus einem Film hervor, dem Pathos zuwider zu sein scheint: stille Verzweiflung, Resignation, Mutlosigkeit, wohin man blickt. Redford, der in so vielen Filmen erfolgreich für das bessere Amerika gekämpft hat, kann sich zu keiner Zuversicht durchringen. Er schreckt sogar davor zurück, eindeutig Böse oder Gute gegenüberzustellen. Bei ihm sind alle Helden grau. Der smarte Senator in Washington ist zwar ein Verblendeter, doch kein Unsympath, der Uniprofessor in seiner rhetorischen Erschöpfung keine Figur, mit der sich der Zuschauer identifizieren möchte, und auch der Journalistin scheint letztlich die Kraft zu fehlen, um für die politische Wahrheit zu streiten.
Bei der Berliner Premiere seines Films stellte sich Redford Ende Oktober der politischen Debatte: Der Hollywood-Regisseur diskutierte mit dem deutschen Exaußenminister Joschka Fischer. Das war mehr als ein klug gesetzter PR-Trick, es war ein echtes Anliegen Redfords: In den USA hat er seinen Film an Universitäten präsentiert – also dort, wo er das Publikum findet, das er aufrütteln möchte. Er selbst, das stellte er in Berlin klar, habe keine Antworten auf drängende Probleme im Nahen Osten und anderswo. Er habe zeigen wollen, wie die amerikanischen Werte in den Bush-Jahren mit Füßen getreten worden seien.
Der moralisch-didaktische Ansatz lastet zu sehr auf dem Film, als dass sich „Von Löwen und Lämmern“ zu einem cineastischen Meisterwerk emporschwingen könnte. Das Werk ist von der politischen Analyse eines Enttäuschten durchdrungen. Andererseits: So schlecht kann es um Amerika nicht stehen, wenn Amerikaner sich so sehr nach verlorenen Idealen sehnen.
aus der HAZ vom 6.11.07

Filmtip 2

Ratatouille

Die Angst der SPD


Ein Chefredakteur musste gehen, weil die Partei es wollte
Jetzt ist es bewiesen, doch es scheint kaum mehr zu interessieren: Die Pressepolitik der SPD ist nicht so neutral, wie sich die Verantwortlichen gerne geben und die Parteizentrale hat einen klaren Feind: die Linkspartei. Den Beweis für die Pressepolitik der SPD liefert das Vorgehen ihrer Beteiligungsgesellschaft DDVG bei der Entlassung von Wolfgang Storz, bis Mai vergangenen Jahres Chefredakteur der Frankfurter Rundschau.

Der Hintergrund: In einer wirtschaftlichen Krise hatte die Beteiligungsgesellschaft der SPD im Jahre 2004 rund 90 Prozent der Anteile von der Karl-Gerold-Stiftung übernommen, der Eigentümerin der Frankfurter Rundschau. Während Christdemokraten und FDP damals die Pressefreiheit bedroht sahen, betonte SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier und Chefin der DDVG, sie wolle die Pressefreiheit wahren: »Wir haben mit unseren bisherigen Medien-Beteiligungen gezeigt, dass wir keinen Einfluss auf Redaktionen nehmen.«

Redakteurinnen und Redakteure anderer Tageszeitungen mit SPD-Beteiligung bestätigten dies, manchmal sogar mit einem gewissen Bedauern, weil ihnen die Zeitungen angesichts einer Beteiligung der SPD zu konservativ erschienen. Im Falle der Frankfurter Rundschau wurde die Parteizentrale jedoch schon bald nach ihrem Einstieg nervös.

Der Grund: die offene Diskussion des Blattes über die Linkspartei. Im August 2005 schrieb Inge Wettig-Danielmeier dann einen Brief an die Chefredaktion der Frankfurter Rundschau: Darin heißt es, in der FR sei »in den letzten Wochen so mancherlei zum Thema Linkspartei erschienen. Manches davon zutreffend, manches sehr einseitig, gelegentlich auch provozierend, einiges davon auch uninformiert«. Im Stile einer Über-Chefredakteurin schlug die SPD-Schatzmeisterin dann den Abdruck eines Textes der Historikerin Helga Grebing vor, die mit der Linkspartei scharf ins Gericht geht. Wolfgang Storz, selbst kein Freund der Linkspartei, beteuerte zwar, dass die Thesen von Helga Grebing durchaus interessant seien - er kam der Empfehlung der SPD-Parteizentrale jedoch nicht nach. Denn: »Sie haben mir diesen Brief offiziell als Schatzmeisterin der SPD geschrieben.« Schon deshalb müsse er ihr Angebot ablehnen, da »dies die redaktionelle Unabhängigkeit berühre«.

Nach einem weiteren Briefwechsel, in dem beide Parteien ihre Positionen untermauerten, griff die DDVG als Mehrheitsgesellschafterin zu ihrer letzten Waffe: Im Mai 2006 entließ sie den Chefredakteur auf »amerikanische Art«: Storz musste sein Büro innerhalb von zwei Stunden verlassen, sein E-Mail-Account wurde sofort gesperrt. • Wolfgang Keßler

aus Publik-Forum 19/07


Wenn wir einer Auseinandersetzung zwischen Eva Herman und Johannes B. Kerner soviel Platz in unseren Medien und Köpfen einräumen und dem Rauswurf von Wolfgang Storz so wenig, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn in unserem Land Dinge geschehen, die uns nicht gefallen, gegen die aber anscheinend kein Widerstand möglich ist.
Daß der Chefredakteur einer Tageszeitung weisungsgebunden ist – zumal einer Partei gegenüber – ist das Szenario einer Bananenrepublik, wenn er auf diese Art und Weise rausgeworfen wird, ist das ein Skandal, und wenn dann kein Aufschrei in der Gesellschaft erfolgt, ist das ein Armutszeugnis. Wir sollten uns schämen – und dankbar sein für diejenigen Medien, in denen wir davon erfahren!

Montag, 5. November 2007

Höhere US-Militärhilfe an repressive Staaten

Nach Angaben des Forschungsinstituts Center for Defense Information haben die USA seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Militärhilfe und Rüstungsexporte an Staaten erhöht, deren Regierungen die Menschenrechte verletzen. Den Angaben zufolge erhielten die 25 verbündeten Staaten in Asien, Afrika und Nahen Osten in den fünf Jahren seit den Anschlägen achtzehnmal so viel Militärhilfe wie in den fünf Jahren vor September 2001. Die Rüstungsexporte der US-Unternehmen an die 25 Länder seien von 72 Millionen Dollar in den fünf Jahren vor 2001 auf drei Milliarden Dollar gestiegen. Nach Auskunft des Forschungsinstituts gibt es in mehr als der Hälfte der 25 Staaten schwere Übergriffe gegen Dissidenten und Minderheiten.

aus Publik-Forum 19/07

Der Film »Ausnahmezustand« (The Siege) mit dem Idar-Obersteiner Bruce Willis verdeutlicht sehr gut das Problematische an der fehlenden Kontinuität amerikanischer Außenpolitik und damit der Militärhilfe. Da dies in der Wikipedia-Inhaltsangabe nicht erwähnt wird: die Sprunghaftigkeit der amerikanischen Außenpolitik ist gerade Anlaß für die Terroranschläge, um deren Aufdeckung es in dem Film u.a. geht.


720 Millionen pro Tag für den Irakkrieg

Nach Berechnungen der Friedensorganisation American Friends Service Committee – sie wird in erster Linie von den pazifistischen Quäkern getragen – kostet der Krieg gegen den Irak die USA täglich 720 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die speziell für diesen Krieg bewilligten Militärausgaben, die Ausgaben für den Irakkrieg im Rahmen der allgemeinen Verteidigungsausgaben, die Kosten für das Ersetzen des im Irak zerstörten Militärgerätes, die Zinsen für die durch den Krieg entstandenen Staatsschulden sowie die langfristige Versorgung der mehr als 25 000 verwundeten Soldaten. Die Befürworter des Irakkrieges reagierten auf die Kostenberechnung nicht direkt. Der Publizist Frederick Kagan vom konservativen Forschungsinstitut American Enterprise Institute in Washington, der als einer der intellektuellen Väter des Irakkrieges gilt, wollte die Kostenrechnung nicht infrage stellen, betonte jedoch, die Kostenfrage sei nicht von Bedeutung, wenn man davon überzeugt sei, dass der Krieg die USA sicherer mache.
aus Publik-Forum 19/07
siehe auch:
- Irakkrieg kostet 720 Millionen Dollar pro Tag (RP Online, 23.09.2007)


aktualisiert am 29.10.2014

Strom und Wärme aus der Tiefe

Energiepioniere unter sich: Erwin Knapek (rechts), Bürgermeister in Unterhaching, mit Bohrungsleiter Eckhart Bintakies vor Deutschlands größtem Erdwärmekraft-
werk




In der bayerischen Stadt Unterhaching wird es bald Strom und Wärme aus der Tiefe des Erdbodens geben. Anfang Oktober ging dort Deutschlands größtes Erdwärmekraftwerk ans Netz. Dabei erwärmt 122 Grad heißes Wasser aus dem bayerischen Molassebecken ein Wasser-Ammoniak-Gemisch, das bereits bei rund 70 Grad eine »vernünftige Verdampfung« aufweist, Dieser Druck treibt eine Turbine an und produziert Strom. Darüber hinaus wird die Wärme genutzt. Insgesamt liefert das Kraftwerk künftig Fernwärme für rund 10 000 Einwohner. Rund 120 Großkunden – darunter vor allem Wohnungshaugenossenschaften und Unternehmen – wurden bereits an die Fernwärme angeschlossen. Die Kosten für das neu errichtete Erdwärmekraftwerk und das ebenfalls neu errichtete Fernwärmenetz belaufen sich auf 70 Millionen Euro.

Diese Summe wird zum Teil vom Bund getragen. Die Anlage befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Stadt und soll über einen Zeitraum von 20 Jahren abgeschrieben werden. »Bei einer erwarteten Lebensdauer des Kraftwerks von 40 Jahren kann man damit schon Geld verdienen«, sagt Reinhard Galbas, Fernwärmespezialist der Geothermie Unterhaching GmbH. Zudem erspart die Anlage der Umwelt viele schädliche Gase: Jährlich sollen 12 000 Tonnen Kohlendioxid, 7 Tonnen Schwefeldioxid und 11 Tonnen Stickoxid weniger in die Luft geblasen werden, als dies bei einem vergleichbaren Werk mit fossilen Brennstoffen der Fall wäre, so der Hersteller, die Siemens AG.

aus Publik-Forum 19/07

Weil das aber zu schön wäre, profiliert sich unser Rüttgers auf Kosten des Gemeinwohls: siehe den Post darunter:

Rolle rückwärts mit Jürgen Rüttgers

Viele Städte liefern wieder selbst Wasser und Strom, ohne private Anbieter. Nordrhein-Westfalens Regierung will das verhindern
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Von Günter Hoffmann

Die Mischung von Demonstranten vor dem Düsseldorfer Landtag im Frühjahr dieses Jahres war bunt. Führende CDU-Kommunalpolitiker marschierten Seite an Seite mit Sozialdemokraten und Grünen, kommunale Arbeitgeber gemeinsam mit Vertretern der Gewerkschaften. Mehr als 25 000 Menschen demonstrierten gegen die geplante Änderung der Gemeindeordnung. Vergebens. Am 1. Januar tritt ein Gesetz in Kraft, das die wirtschaftliche Tätigkeit der Städte und Gemeinden zugunsten der Privatfirmen drastisch einschränkt. »Privat vor Staat« begründet Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der sich gerne als soziales Gewissen seiner Partei präsentiert, dieses Gesetz. Für seinen Parteifreund Herbert Napp, den Bürgermeister von Neuss, wird diese Reform dagegen »zum Tod der Kommunalwirtschaft in allen Bereichen führen«.

Die Gesetzesnovelle kommt just zu einem Zeitpunkt, an dem in vielen Rathäusern ein radikales Umdenken einsetzt. Bisher galt es für viele Lokalpolitiker als nahezu selbstverständlich, das Haushaltsdefizit durch den Verkauf ihrer kommunalen Kliniken, Stadtwerke, Müllentsorgung oder Wohnungsbaugesellschaften zu sanieren vorausgesetzt, der Widerstand der Bürger vereitelte nicht ihre Pläne. Doch die Erfahrungen mit der Privatisierung zwingen inzwischen immer mehr Kommunalpolitiker zum Umdenken. Denn es erwies sich häufig als Trugschluss, dass die privaten Betreiber kompetenter, effizienter und kostengünstiger als die eigene Verwaltung seien. Im Gegenteil. Die Verkaufspreise und die hohen Renditeerwartungen der privaten Anbieter führten häufig zu einem sprunghaften Anstieg der Gebühren und Preise, trotz schlechter oder reduzierter Leistungen. Und wo sie günstiger als die kommunalen Betriebe arbeiten, geschieht dies häufig auf Kosten der Mitarbeiter; unbezahlte Überstunden, gekürzte Urlaubszeiten und Stundenlöhne zwischen vier und sechs Euro sind keine Ausnahme mehr.

Vor sechs Jahren begannen die ersten Kommunen damit, ihre privatisierten Betriebe wieder zu rekommunalisieren. Zu einer der Pionierstädte gehört die 52 000-Einwohner-Stadt Bergkamen in Westfalen. Bereits 2001 verstaatlichte die Verwaltung ihre Stadtreinigung. 2004 folgten Strom-, Gas- und Fernwärmeversorgung und im Sommer 2006 die Müllentsorgung. »Dutzende Male hatten wir die Rekommunalisierung der Müllentsorgung durchgerechnet und kamen dann zu dem Ergebnis, dass wir dieselben Leistungen günstiger anbieten können«, so Bürgermeister Roland Schäfer (SPD). Die Kommune kündigte die Verträge mit dem privaten Entsorger, gründete die Entsorgungsbetriebe Bergkamen und investierte rund 1,6 Millionen Euro in neue Fahrzeuge. Seit dem 3. Juli 2006 sorgen 21 städtische Mitarbeiter dafür, dass die Mülltonnen pünktlich geleert werden. Während der ehemalige private Entsorger für diese Leistung rund 1,1 Millionen Euro verlangte, erbringt die Stadt die gleiche Leistung jetzt für 770 000 Euro. »Wir wussten, dass wir günstiger sein würden. Aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir 30 Prozent günstiger sind«, so Schäfer. Und verweist stolz darauf, dass sie Tariflöhne für die Müllarbeiter zahlen. Die Gründe, warum die Stadt so kostengünstig fährt, sind einfach: Sie zahlt keine Umsatzsteuer, keine teuren Vorstandsgehälter und muss lediglich kostendeckend arbeiten, während private Unternehmen Gewinne für die Eigentümer erwirtschaften müssen. Auch für die Bevölkerung zahlt sich der Eigentümerwechsel aus. So haben die Entsorgungsbetriebe Bergkamen inzwischen ihr Angebot an Dienstleistungen erweitert und gleichzeitig die Müllgebühren um rund elf Prozent gesenkt.

Die Rekommunalisierung der Betriebe in Bergkamen wurde zum Vorbild für viele andere Städte und Gemeinden und widerlegte eindrucksvoll die weit verbreitete Meinung: Die öffentliche Hand arbeite zu langsam, zu umständlich und zu teuer. So bringt die Rekommunalisierung der Müllentsorgung im Rhein-Sieg-Kreis eine Kostenersparnis von 800 000 Euro pro Jahr. Die Stadt Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis vergab die Müllabfuhr an die kommunale Tochter Avea; Kostenersparnis 370 000 Euro pro Jahr. In der Stadt Herzogenrath sparen die Bürger durch die Rekommunalisierung bis zu 35 Prozent bei Müllgebühren. Und nachdem ein Gericht den Weg für die Verstaatlichung der Müllentsorgung in der Stadt Freudenberg freimachte, bot der private Entsorger einen Preisnachlass von 30 Prozent an.

Die Großstädte Bochum und Dortmund haben mit Gelsenwasser sogar den einst größten Privatkonzern der hiesigen Wasserwirtschaft zurückgekauft. Ebenso erwarb die Stadt Potsdam 2001 ihre Anteile an der Wasserversorgung von einem privaten Konzern zurück, nachdem die Preise in drei Jahren um fast 80 Prozent gestiegen waren. In Fürstenwalde ist die Abwasserentsorgung wieder in kommunaler Hand. Bochum und Hamm investieren in eigene Kraftwerke, weil sie sich der Preispolitik der Stromriesen ausgeliefert fühlen. Und in Dortmund, Elmshorn und Freiburg werden Straßen, Schulen, Kindergärten, Büros und Bürgerhäuser wieder von kommunalen Angestellten gereinigt.

Nach der neuen Gemeindeordnung in Nordrhein-Westfalen dürfen sich die Kommunen nur noch auf dringende öffentliche Kernaufgaben konzentrieren. Aber nicht nur in Nordrhein-Westfalen droht den kommunalen Betrieben Ungemach, sondern auch bundesweit. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft sieht »in der Verstaatlichung einen Rückschlag für die Marktwirtschaft« und will nicht tatenlos zusehen, wie seinen Mitgliedsunternehmen die Aufträge verloren gehen. Er reichte Beschwerde hei der EU-Kommission dagegen ein, dass Kommunalbetriebe im Gegensatz zu den Privatunternehmen von der 19-prozentigen Umsatzsteuer befreit sind. Schützenhilfe erhält der Verband von Hartmut Schauerte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Auch er will die kommunalen Betriebe mit der Umsatzsteuer belasten.

So weht den kommunalen Betrieben der Wind ins Gesicht. Das weiß auch Bergkamens Bürgermeister Schäfer. Die Stadt will auch die Wasserversorgung wieder in eigener Regie betreiben. »Aber ob und wie uns das gelingt, ist zur Zeit noch offen«, so Schäfer, »denn die neue Gemeindeordnung wird die Möglichkeiten der Rekommunalisierung und die Wirtschaftsaktivitäten der Stadtwerke drastisch einschränken.«

aus Publik-Forum 19/07

Harter Kampf gegen Korruption

Deutschland hat sich in der unrühmlichen Liga der globalen Korruption im vergangenen Jahr zwar nicht verschlechtert, aber auch nicht verbessert. Dies zeigt die Rangliste von Transparency International, die die Organisation jedes Jahr nach der Befragung vieler Experten und nach Berichten von einem Dutzend unabhängiger Organisationen erstellt. Danach belegt Deutschland auf dieser Korruptionsliste wieder den 16. Platz. Die geringste Korruption gibt es in den Ländern Dänemark, Finnland und Neuseeland – sie belegen die Medaillenplätze auf der Liste. Vor Deutschland liegen unter den Industriestaaten aber auch Schweden, Island, die Niederlande, die Schweiz, Großbritannien und Österreich. Dagegen schneiden die USA, Frankreich und Japan schlechter ab. Transparency International kritisiert in Deutschland vor allem die Wechsel von Politikern in Unternehmen, die oft zu zweifelhaften Kooperationen führten. Besonders in der Kritik steht die Deutsche Bahn AG. Der Grund: Mehrere ehemalige Verkehrsminister der Bundesländer haben dem Bahnkonzern vor ihrem Wechsel zur Deutschen Bahn noch milliardenschwere Aufträge zugeschanzt. Konkret kritisiert wird auch der frühere bayerische Verkehrsminister Otto Wiesheu. Er hatte vor seinem Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn noch als Minister dafür gesorgt, dass im Koalitionsvertrag der Bundesregierung die Privatisierung des Konzerns festgeschrieben wurde. Aus diesen Gründen fordert der Vorsitzende von Transparency International, Hans Jörg Elshorst, schärfere Regeln für Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft.

aus Publik-Forum 19/07

Sonntag, 4. November 2007

Schluß mit Lustig…

Ein lustiger Orden
• Schleswig-Holstein.
25 Jahre hat der Tüftler, Bastler und Techniker Peter Lustig, Sannyasname Satyam Puratana, in der Kinder-Serie „Löwenzahn“ jungen Menschen die Welt erklärt. Humorvoll und kindgerecht, gleichzeitig ernsthaft und konzentriert beantwortete er naturwissenschaftliche Fragen, regte die Kinder an, Fragen zu stellen und dem Leben auf den Grund zu gehen. Im September wurde er für seine Verdienste um die „Bildung für alle“ vom Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Verdienstorden ausgezeichnet. Zur Feier des Tages trug er eine schwarze Latzhose.
aus der Osho-Times 10/07

Die Neugier bleibt

Die erste Zeit ohne Bauwagen fiel Lustig schwer. Morgens fragte er: „Warum gibt’s heute keinen Drehplan?“ Dabi war eine TV-Karriere nie geplant. Lustig arbeitete als Tontechniker [bei der berühmten Kennedy-Rede in Berlin machte er fürs ARD die Tonaufnahmen, Anm. von mir], als ihn ein Regisseur einfach mal vor die Kamera zerrte. Heute spricht der 70-jährige Hörbücher, im Kino ist er derzeit als Erzähler der Komödie „Gordos Reise ans Ende der Welt“ zu hören.
aus TV Spielfilm 22/07