Mittwoch, 6. April 2016

Elektronische Gesundheitskarte, digitale Transformation und unsere Zukunft in der Obhut von Bertelsmann

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf zentrale Gesellschaftsbereiche wie Gesundheitswesen, Arbeitswelt und Konsum in der Diskussion
Apple, Google, Facebook und Amazon sind heute mehr wert als alle Dax-30-Unternehmen in Deutschland zusammen. Die Marktkapitalisierung dieser großen Vier entspricht heute schon der gesamten Volkswirtschaft von Kanada. Jedes Unternehmen für sich ist 400 Milliarden US-Dollar wert“, sagte Gastredner Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, bei der Tagung „Digitale Transformation: Zur Zukunft der Gesellschaft“ am 19. Februar in Köln. Facebook habe derzeit 1,6 Milliarden Mitglieder, die katholische Kirche „nur“ 1,1 Milliarden, ergänzte er.

Interdisziplinäre Forschung
Das Forschungszentrum Ceres (Kasten) hatte dazu eingeladen, die Auswirkungen der digitalen Transformation auf zentrale Gesellschaftsbereiche wie das Gesundheitswesen oder die Arbeitswelt zu diskutieren. „Ceres führt in der Expertengruppe ,digitale Transformation‘ Wissen aus der Informatik, der mathematischen Optimierung, der Rechtswissenschaften, der Philosophie und Ethik, der Medizin und der Versorgungsforschung sowie der Sozialwissenschaften mit wirtschaftlicher Expertise zusammen“, erklärte eingangs die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft. „Dieser interdisziplinäre Ansatz ist genau das, was wir brauchen, um Digitalisierungsprozesse zu gestalten“, lobte sie. Zentrale betroffene Bereiche seien etwa der Wandel der Arbeitswelt und Fragen der Bildung.

„Ich halte es für wichtig, die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt und noch bringen wird, zu erspüren, um sie differenziert genug analysieren und dann auch gestalten zu können“, betonte Prof. Dr. med. Christiane Woopen, Geschäftsführende Direktorin von Ceres. Beim Begriff der digitalen Transformation, unter dem diese Veränderungen häufig zusammengefasst werden, gelte es, drei Facetten zu unterscheiden: „Veränderungen führen im harmlosen Fall zu Transitionen, zu organisch und kontinuierlich sich entwickelnden Übergängen von einen Zustand in einen anderen. Sind die Übergänge so umfassend, dass sich nicht nur ein neuer Zustand, sondern auch eine neue Form entwickelt, kann man im engeren Sinne von einer Transformation, einer Umgestaltung, sprechen. Werden jedoch ganze Lebens- und Gesellschaftsbereiche so tiefgreifend verändert, dass sich auch ihre jeweiligen Funktionsprinzipien ändern, möchte ich dies als Disruption bezeichnen“, erläuterte Woopen.

mehr:
- Digitale Transformation: Zukunftsfragen (Heike E. Krüger-Brand, Hervorhebung von mir) 

mein Kommentar:

schämt sich da eigentlich niemand bei so viel Fluff? 
Da sitzen – wohlgemerkt: 40 (in Worten: vierzig) Jahre nach der Gründung von Apple – hochbezahlte Leute in ihren Wolkenkucksheimen und produzieren jede Menge intelligent und kompliziert klingender heißer Luft.


Hat übrigens jemand schon mal was von dem Computerprogramm ELIZA gehört?
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Das Kommunikationsverhalten von Versuchspersonen gegenüber dem Programm entsprach demjenigen gegenüber einem menschlichen Gesprächspartner. Offensichtlich war es ihnen nicht allzu wichtig, ob der Antwortende am anderen Ende der Leitung wirklich ein Mensch war oder ein Computerprogramm. Es kam nur darauf an, dass die Antworten und Fragen „menschlich“ erschienen. Dies ist der sogenannte Eliza-Effekt, der heute bei vielen Chatterbots ausgenutzt wird.
Die Versuchspersonen in den Experimenten waren zu einem großen Teil sogar überzeugt, dass der „Gesprächspartner“ ein tatsächliches Verständnisfür ihre Probleme aufbrachte. Selbst wenn sie mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass das Computer-Programm, mit dem sie „gesprochen“ hatten, auf der Basis einiger simpler Regeln und sicherlich ohne „Intelligenz“, „Verstand“, „Einfühlungsvermögen“ usw. einfach gegebene Aussagen in Fragen umwandelte, weigerten sie sich oft, dies zu akzeptieren.
Weizenbaum war erschüttert über die Reaktionen auf sein Programm, vor allem, dass praktizierende Psychiater ernsthaft daran glaubten, damit zu einer automatisierten Form der Psychotherapie gelangen zu können. Er entwickelte sich nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen zu einem Gesellschaftskritiker. Diese Entwicklung Weizenbaums ist Thema eines Dokumentarfilms mit dem Titel Plug & Pray, der 2010 veröffentlicht wurde.[2] (ELIZA, Reaktionen, Wikipedia)
=========================== siehe auch:
- Der Shitstorm vom Fließband (Jennifer Wilton, die Welt, 03.04.2016)

My Fair Lady - Horse race scene [9:18]


Hochgeladen am 17.08.2008
My Fair Lady-the horse race scene

siehe auch:
- Neues von der elektronischen Gesundheitskarte (Post, 26.11.2006)
- Elektronische Gesundheitskarte, die Nächste (Post, 28.01.2008)
- Die elektronische Gesundheitskarte – heiße Nadel und heiße Luft (Post, 24.11.2011)
- Elektronische Gesundheitskarte: Ärzte sind keine Hilfspolizisten (Post, 10.02.2014)
- Neue Risiken und Nebenwirkungen bei der elektronischen Gesundheitskarte (Post, 30.04.2014)
- Elektronische Gesundheitskarte: Freie Ärzteschaft ruft zum Boykott der Online-Tests auf (Post, 04.05.2014)
- Reif für die Tonne: Elektronische Gesundheitskarte erstickt in Problemen (Post, 22.08.2015, Hervorhebung im Zitat von mir)
Erneut würde viel Geld verschwendet und der Datenschutz stehe einmal mehr in Frage, kritisierte Lüder. Denn offenbar beißt sich die Industrie an den Sicherheitsanforderungen die Zähne aus und kann daher bislang die sogenannten Konnektoren nicht liefern. Als eine Art Router sollen sie die Arztpraxen mit der Datenautobahn der Gematik verbinden, der Betreiberorganisation der eGK. Aufgebaut hat diese Datenautobahn die Arvato AG, eine Tochter des Bertelsmannkonzerns. Und noch etwas könnte zum Problem werden: Entgegen allen früheren Versprechen muss wohl ein Großteil der heutigen Kartenlesegeräte in den Arztpraxen erneut für mehrere 100 Millionen Euro ausgetauscht werden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll diese Kartenlesegeräte nur bis Ende 2017 genehmigt haben. Auch die teuren elektronischen Gesundheitskarten selbst müssen bis 2017 ausgetauscht werden.
- Bertelsmann SE (Lobbypedia)
- Auf dem Weg in die Schmalspur-Gesellschaft (Post, 28.06.2008)
- Bertelsmann macht Staat – Ein deutscher Konzern managt eine britische Grafschaft (Post, 30.04.2007)
- Gesundheitspolitik: Was derzeit wirklich passiert (Jan-Erik Döllein, NachDenkSeiten, 11.02.2008, empfehlenswert!)
- Bertelsmann in Aktion – Die Souffleure der Macht (Post, 29.02.2008)
- Bertelsmann, Nachtrag (21.05.2008)
siehe dazu auch:
- Deutschland im Sturzflug (Wolfgang Reuters, 2009-2014, S. 35, Googlebooks)
- Drahtzieher hinter den Kulissen – der Einfluss des Bertelsmann-Konzerns auf die Hochschulen (Post, 31.10.2008)
- Monopolisierung des Wissens? (Post, 20.10.2009)
- Bertelsmann: Ein Medienimperium macht Politik (Buchvorstellung bei Inverse Panopticum, 23.05.2013)
Eckart Spoo, der Veteran der legendären Anti-Springer-Kampagnen und Herausgeber der Zeitschrift “Ossietzky“, wirft das Thema Demokratie und Medien auf und warnt vor Gefahren ökonomischer Macht vor allem in diesem von regionalen Monopolen geprägten Bereich. Er kritisiert die mediale Manipulation durch verzerrte, unterdrückte wo nicht gleich gefälschte Nachrichten im Dienste der Kapitalinteressen.
- Die Floskeln der Macht – Wie wir durch Sprache manipuliert werden (Post, 01.04.2016) 

gefunden in Kein Mensch kann so viel kotzen (heartbreakerfoundation.org, 03.01.2008)

Bertelsmann und elektronische Gesundheitskarte:
- Elektronische Gesundheitskarte: gematik beauftragt arvato Systems (arvato Systems, 28.11.2013)
- Gesundheitskarte: Arvato baut telematische Infrastruktur für Gematik (Detlef Borchers, heise news, 28.11.2013)
Arvato Systems hat damit das letzte noch offene Los im Ausschreibungsverfahren zur Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte gewonnen. Im Erprobungstest soll geprüft werden, inwieweit der organisationsübergreifende Datenaustausch im Gesundheitswesen mit Hilfe der eGK und des elektronischen Heilberufausweises praktisch funktioniert. Arvato übernimmt dabei den kompletten Aufbau und Betrieb der telematischen Infrastruktur "im Sinne einer Ende-zu-Ende Verantwortung", wie es in der Vereinbarung heißt. In den Testregionen Nordwest und Südost werden jeweils 500 Arztpraxen und Kliniken miteinander vernetzt. Der IT-Auftrag umfasst auch die Anbindung der Fachdienste der Krankenkassen und anderer Akteure sowie die Ankoppelung des KV SafeNet der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Die Aktion Stoppt die E-Card kritisiert die Entscheidung der Gematik mit dem Hinweis, dass die Arvato-Tochter AZ Direkt eine der größten Adresshändler ist und eine weitere Tochtergesellschaft namens Arvato Infoscore einen Dienst für Wirtschaftsauskünfte und Inkassodienstleistungen betreibt. Zuvor hatten T-Systems und Atos den Zuschlag für die Produktion von Heilberufsausweisen (HBAs) und Institutionskarten (SMC-Bs) erhalten, die in den beiden Testregionen Nordwest und Südost zum Einsatz kommen sollen.
siehe auch:
Neue Sicherheitsprobleme mit der Gesundheitskarte (Uwe Sievers, 06.11.2015) 
Milliardenkosten: Der Zoff um die elektronische Gesundheitskarte (Basil Wegener, dpa, SPON, 18.06.2014)
- Netzmedienrecht, Lobbyismus und Korruption (Events CCC, 28.12.2010)
- Bertelsmann macht Staat (Post, 30.04.2007)
Die elektronische Gesundheitskarte: Neues Werkzeug in der Hand der Versicherten (Gesundheitsmonitor, 01.01.2006)

Netzmedienrecht, Lobbyismus und Korruption [52:34]

Hochgeladen am 04.01.2011
kkkwwwaaakkk
Wie wirkt die Lobby von Medienkonzernen? (more information:
http://events.ccc.de/congress/2010/Fa… )

alter Info-Text:
Hochgeladen am 22.11.2011
Netzmedienrecht, Lobbyismus und Korruption
Wie wirkt die Lobby von Medienkonzernen?

Die Mediennutzung, aber auch ihre Verwaltung und Vergütung, also ihr Management, müssen an eine digitale Netzwelt angepasst werden. Wie ist der Stand der juristischen Auseinandersetzung um die Rechte von Urhebern, Verwertern und Nutzern von Medieninhalten? Wie und wo setzen sich starke Wirtschaftsinteressen mit Lobbygruppen durch?

Hintergrund sind entsprechende Debatten in internationalen Organisationen, z. B. TRIPS (Trade Related Aspects of Intellectual Property) und WIPO (World Intellectual Property Organization) sowie das von der EU lancierte Grünbuch ‚Urheberrechte in der wissensbestimmten Wirtschaft' (2008). Dort wurde eine „Ausgewogenheit der Interessen von Urhebern und Nutzern von geistigen Produkten bzw. Wissensobjekten" proklamiert, die sich leider so nicht erkennen lässt. Im Grünbuch ist eine Tendenz erkennbar, die Lösung der Problematik der urheberrechtlich gebremsten Verbreitung von Wissen von der Verschiebung auf das Gebiet des Vertragsrechts zu erwarten. Dies erweckt den Verdacht, dass sich hier die Lobby der Medienindustrie durchgesetzt haben könnte, die dank ihrer Rechtsabteilungen von besagter Tendenz profitieren dürfte -- gegenüber Bildung und Forschung, aber auch generell gegenüber den Urhebern ihrer Inhalte.

Rechtlich entscheidend sind dabei die Ausnahmen und Beschränkungen kommerzieller Verwertungsrechte, im UHG kodifiziert für 1. Behinderte, 2. Archive/Museen etc., 3. Bildung/Forschung sowie „evtl. noch zu schaffende" für von Nutzern geschaffene Inhalte: v. a. Open Source, Wikis etc.

Redner: Thomas Barth
EventID: 4081
Event: 27. Chaos Communication Congress (27C3) des Chaos Computer Club [CCC]
Sprache: deutsch
Beginn: 28.12.2010 17:15:00 +01:00
Lizenz: CC-by-nc-sa

Download der Barth-Präsentation:
Kein Folientitel - CCC Event Weblog

US-Zentralkommando der Streitkräfte: Was nicht paßt, wird passend gemacht

Der militärische Kommandostab soll Nachrichten, die nicht seinem Bild vom Kampf gegen den IS entsprechen, unterdrückt oder schön gefärbt haben
Wie umgehen mit Informationen, die gegen die eigene politische Linie laufen? Eine besondere politische Relevanz bekommt eine affirmativ ausgerichtete Kultur, wenn es militärische Kommandostäbe gibt, die nur bestimmte Informationen zulassen. Der US-Vorgängerregierung unter George W. Bush wurde nachgewiesen, dass sie bei der Vorbereitung des Irak-Krieges Geheimdienst-Informationen manipuliert hat, bzw. ihren Plänen gegenlaufende Einschätzungen unter den Tisch fallen ließ.

Nun hat die Obama-Regierung ein ähnliches Problem, mit dem Zentralkommando der Streitkräfte, kurz Centcom. Allerdings mit dem großen Unterschied gegenüber der Vorgängerregierung, dass sich der Skandal über manipulierte oder zurückgehaltene Geheimdienstinformationen bisher ganz auf die militärische Führungsebene im Centcom konzentriert und das Weiße Haus davon bislang in der Öffentlichkeit noch verschont wird. Es kommt nicht als aktiver Mitspieler vor.

Der Konflikt spielt sich vielmehr zwischen den Militärs im Zentralkommando und den Zuträgern von Informationen ab, den so genannten Analysten, von denen 1.500 im Centcom-Hauptquartier in Tampa, Florida, arbeiten. Sie sind mit der DIA (Defense Intelligence Agency) verbunden und sollen dem Militärkommando mit Lage-Einschätzungen und Fakten über Entwicklungen in Kriegsgebieten zuarbeiten.

Im gegenwärtigen Machtkampf zwischen der militärischen Centcom-Führungsebene und den Analysten geht es um Informationen zum US-Krieg gegen den IS im Irak und in Syrien. Darum, wie etwa die syrische Opposition eingeschätzt wird. Oder wie es um die Möglichkeit steht, eine von den USA finanzierte und mit Waffen unterstützte Bodentruppe aus "moderaten Rebellen" aufzustellen. Wie die Resultate des Bombenkriegs gegen den IS, was etwa die Öleinnahmen der Dschihadisten betrifft, aussehen. Wie generell die US-Strategie im Kampf gegen den IS einzuschätzen ist, etc.

Bekannt ist mittlerweile, dass das 500 Millionen Dollar teure US-Programm zum Aufbau einer Bodentruppe aus syrischen Oppositionellen als peinliches Fiasko endete (US-Programm zur Ausbildung von syrischen Kämpfern gescheitert, Vom Pentagon ausgebildete syrische Kämpfer übergeben ihre Waffen an al-Nusra). Bemerkenswert ist, dass das Pentagon bis zuletzt daran festhielt, wie ein Bericht des US-Magazins Daily Beast noch einmal bestätigt.

Dies zeigt eine gewisse Hartnäckigkeit und Sturheit in der Verfolgung eigener Pläne und Vorstellungen an, die sich von der Realität auf dem Boden stark unterscheiden. 50 Analysten aus den obersten Rängen, die für Centcom arbeiteten, hatten dann im Oktober 2015 genug von dieser Haltung.


Sie beschwerten sich beim Generalinspekteur des Pentagon darüber, dass abweichende Geheimdienstinfos unterdrückt würden und gar manipuliert. Das militärische Kommando im Centcom würde nur passende Infos zulassen.
mehr:
- US-Centcom: Vorwürfe der manipulierten Geheimdienstinfos im Haus (Thomas Pany, Telepolis, 05.04.2016)