Dienstag, 16. Februar 2016

Lügenpresse Teil 3 – Die Quer- und die Queerfront

Warum aus rotbrauner Soße keine Klarheit über die Verhältnisse werden kann – Lügenpresse Teil 3


Was ist die mediale Querfront? Wenn ein linker Medienkritiker an einem Stuhl vorbeigeht, auf dem vor einem Jahr ein rechter Medienkritiker saß. So jedenfalls sehen es Journalisten der bürgerlichen Medienmitte, was nicht wundert, weil sie voneinander auch einfach abschreiben.

Teil 2: Vom "Spiegel-Bild"

Eine kleine Kostprobe dieser Fortpflanzung von Querfront-Funden:

Am 14. Februar vergangenen Jahres erschien in der "Schweiz am Sonntag" ein Bericht über "Die Ganser-Verschwörung". In der Polemik ging es um den Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser, der als "smarter Wissenschaftler" auftrete, zu "fast allen" Konflikten "etwas zu sagen habe" und Verschwörungen "wittert". Der Makel des promovierten Historikers: Er hinterfragt die offiziellen Versionen der aktuellen Geschichte, wie etwa bei 9/11, den Anschlägen auf Charlie Hebdo oder beim Ukraine-Konflikt.

Seine Doktorarbeit hat er über die Nato-Geheimarmee geschrieben und ist bisher unwiderlegt. Im Zeitungsartikel wird angeführt, Ganser habe schon mal auf einem Kongress des umstrittenen Sektenpredigers Ivor Sasek referiert, der auch Holocaust-Leugnern eine Plattform biete. Und er sei in YouTube-Kanälen wie "KenFM" präsent.

Im Oktober zieht dann die "Neue Zürcher Zeitung" mit einem Artikel über "Die Stimmen des digitalen Untergrunds" nach. Hier wird Ganser als "Star" einer Szene "radikaler Systemkritik" bezeichnet, als "Meister des Subtextes", der es aber "rhetorisch brilliant" verstehe, "gerade keine geschlossene Verschwörungstheorie" zu präsentieren.

mehr:
- Die Quer- und Queerfront (Rudolf Stumberger, Telepolis, 16.02.2016)
Ansonsten werden die üblichen Verdächtigen aufgezählt: Natürlich Elsässer, wieder einmal Ken Jebsen mit seinem Internet-TV, und selbstverständlich wieder Daniele Ganser, der "9/11-Zweifler". Erwähnt wird auch die Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Studie "Querfront" – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks" vom August 2014, die am Beginn der Querfront-Debatte steht. 
[…] 
Wenn es nach Bild geht, vielmehr nach den Bild-Analysten Nikolaus Blome und Ralf Schuler, wird der Westen auch dieses Mal wieder "gewinnen", auch wenn es derzeit so aussehe, als "treibe Putin Barack Obama oder Kanzlerin Angela Merkel fast nach Belieben vor sich her". Aber die am Ölpreis hängende russische Wirtschaft wackelt, das geht nicht gut aus (hätte aber wohl auch Folgen für die deutsche Wirtschaft, zumal scheint auch das globale Wirtschafts- und Finanzsystem ins Trudeln zu kommen). Wenn Russland von Swift, also vom internationalem Geldverkehr abgeschnitten würde, könnte das Russlands Wirtschaft "tödlich" treffen (und hätte wohl unabsehbare Folgen für die Globalwirtschaft). Russland könne sich das Wettrüsten wegen des geringen Ölpreises nicht lange leisten (die Frage müsste man auch im Hinblick auf die USA stellen). Russland sei nur formal eine Demokratie und ansonsten hoch korrupt. Deswegen tue sich das "allein auf Putin zugeschnittene russische System …, wie zu Zeiten des Kommunismus, schwer damit, aus Fehlern zu lernen oder flexibel zu reagieren". Auch da ließe sich fragen, ob die westlichen Staaten sehr viel besser aus ihren Fehlern lernen und flexibel sind.  

Dr. Daniele Ganser: "Medienkompetenz - Wie funktioniert Kriegspropaganda?" (Berlin, 23.10.2015) [2:10:00]

Veröffentlicht am 09.02.2016
Wie funktioniert Kriegspropaganda und was kann man dagegen tun?

Unter dieser Überschrift lud der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser am 23.10.2015 nach Berlin in das Kino Babylon.

Aufgrund der enormen Nachfrage sprach der Schweizer an zwei zusätzlichen Tagen vor ausverkauftem Saal über die Mechanik der Propaganda. Der Fokus lag natürlich auf der Macht der Massenmedien. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag wenn es darum geht, ein Volk auf einen Krieg vorzubereiten.

Im Vorfeld erschaffen die Massenmedien ein Feindbild. Angst als Hebel, und das Verbiegen der Wahrheit als Ziel. So wurden und werden Kriege medial vorbereitet. Wer sich davor schützen will, gerade dieser Tage, muss ins Archiv der Geschichte. Es geht darum, das Muster der Mechanik zu dechiffrieren, die Techniken uns Ausspielkanäle der Kriegspropaganda zu benennen.

Ganser ist als Historiker, der nur anhand von Fakten argumentiert, längst selbst ins Fadenkreuz der Propagandamaschine geraten. Dennoch beugt er sich nicht dem Druck, der auch - oder gerade - auf Wissenschaftler ausgeübt wird und der vor allem über die zahllosen Kanäle der Rüstungsindustrie die wirtschaftliche Zerstörung der Abtrünnigen zum Ziel hat.

„Für den Triumph der Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!“

Ganser tut aber nicht nichts. Er tut viel. In diesen Zeiten, in denen Krieg längst wieder alltäglich geworden ist, gibt es nur noch wenige Wissenschaftler, die ihre Stimme erheben und auf ihr Gewissen hören. Dr. Daniele Ganser ist einer von ihnen.

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siehe auch:
- Warum nach "Bild" Russland den "neuen Kalten Krieg" verlieren wird (Florian Rötzer, Telepolis, 15.02.2016)

Marschflugkörper landet aus Versehen in Kuba

Marschflugkörper war Mitte vergangenen Jahres versehentlich aus Paris nach Havanna verschickt worden
Die kubanische Regierung hat eine irrtümlich nach Havanna verschickte US-amerikanische Luft-Boden-Rakete an Washington zurückgegeben. US-Militärexperten seien am Samstag mit der Hellfire-Rakete in die USA zurückgereist, heißt es in einer Erklärung das Außenministeriums von Kuba. Die lasergelenkte Rakete war im Juni 2014 nach ihrem Einsatz im Rahmen von Nato-Manövern in Europa aus Paris versehentlich nach Havanna geschickt worden, wo sie vom kubanischen Zoll konfisziert wurde.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal war die von der US-Armee vermisste Luft-Boden-Rakete des Typs Hellfire im vergangenen Jahr bei der Rücksendung nach mehreren Nato-Manövern in Europa versehentlich nach Kuba versendet worden. Seither versuchten die US-Behörden und der Hersteller Lockheed Martin, die Waffe zurückzubekommen, bisher offenbar ohne Erfolg.

"Die inaktive Trainingsrakete ist in Zusammenarbeit mit der kubanischen Regierung zurückgeführt worden", sagte US-Außenamtssprecher Marc Toner gegenüber der Presse. Toner lehnte es ab, weitere Details zum Fall zu geben. Die Lösung des Falls sei aber aufgrund der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen möglich gewesen.

Auf kubanischer Seite legte man Wert auf einen seriösen Umgang mit der Raketen-Affäre. "Das Militärgut wurde ordnungsgemäß gelagert und bewacht", heißt es in der Erklärung des Außenministeriums in Havanna. Unmittelbar nach der Verlustmeldung durch die USA habe Kuba die entsprechenden Maßnahmen zur Rückgabe eingeleitet. "Als Ergebnis dieses Austauschs ist eine Gruppe von Experten der US-Regierung und Vertreter des Unternehmens (Lockheed Martin) nach Kuba gereist, um das Frachtgut zu begutachten. Am 13. Februar 2016 sind die Experten mit der Rakete in die USA zurückgekehrt", heißt es der Erklärung aus Havanna weiter.

mehr:
- Kuba gibt US-amerikanische Hellfire-Rakete zurück (Harald Neuber, Telepolis, 15.02.2016)

Missing U.S. Hellfire missile ends up in Cuba [1:47]

Veröffentlicht am 08.01.2016
A missing, inactive Hellfire missile ended up in Cuba instead of being returned to the U.S. CNN's Jim Sciutto reports.
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Politische Hygiene im Haus Axel Springer

Affäre Lachmann offenbart suboptimale politische Hygiene im Haus Axel Springer
Samstagnachmittag, wohl nach Redaktionsschluss der wichtigsten Medien, platzierte WELT-Chefredakteur Stefan Aust auf Twitter die Meldung, dass sich der Verlag von Günther Lachmann trenne. Dem waren Behauptungen des NRW-AfD-Vorsitzenden Marcus Pretzell vorangegangen, Lachmann habe sich der Partei als PR-Berater angedient und für ein monatliches Salär von 4.000,- € politische Dienste angeboten. Gleichzeitig aber habe Lachmann seinen Brotjob als politischer Redakteur der konservativen WELT behalten wollen. Pretzell erboste vor allem, dass Lachmann nach Ablehnung der Offerte über AfD-Ikone Frauke Petry nur noch negativ geschrieben habe, mit der Pretzell inzwischen auch privat verbunden ist.

Selbst bei Anwendung der großzügigen Maßstäbe des eher schamlosen Berliner Politikjournalismus hätte ein solcher Interessenkonflikt den Bogen des Erträglichen überspannt. Daher versuchte man im Hause Axel Springer die infrage gestellte Ehre durch juristischen Druck wieder herzustellen. Lachmann gab Medienberichten zufolge sogar eine eidesstattliche Versicherung ab. Am Freitag jedoch hatte eine das rechte Spektrum bedienende Postille aus E-Mails an Pretzells Sprecherin zitiert, deren Echtheit Lachmann inzwischen gegenüber Aust laut Tagesspiegel eingeräumt habe. Darin soll sogar ein "Manifest der Verantwortungsdemokratie" angeboten worden sein.

mehr:
- „Manifest der Verantwortungsdemokratie“ (Markus Kompa, Telepolis, 15.02.2016)

Axel Springer Verlag - Animationsfilm [2:28]

Veröffentlicht am 18.02.2015
Beschreibung

Fernsehempfehlung: »Familie Braun«

Das ZDF überrascht und nimmt die giftige Komödienserie„Familie Braun“ ins Hauptprogramm. Ursprünglich war sie fürs Netz entwickelt worden. Es geht um eine Nazi-WG, die ein schwarzes Kind aufnimmt.


Kai und Thomas sind grade damit beschäftigt, Nazi-Parolen auf Jutebeutel zu drucken, mit Kartoffelstempeln, hergestellt aus deutschen Kartoffeln. "Wir zeigen euch, wie ihr das zu Hause allein nachmachen könnt."

Schlechter Sex vor dem Flüchtlingsheim

Da klingelt es. Thomas geht zur Tür und schaut durch den Spion. "Sind es die Bullen?", fragt Kai. Es ist viel schlimmer. "Eine Negerin!" ruft Thomas, als stünde der Leibhaftige im Hausflur. Widerwillig macht er die Tür auf. Die Frau sagt: "2009... Demo vorm Flüchtlingsheim ... beide besoffen ... nachts im Keller..." Thomas dämmert es. "Ach ja, Scheiße ..." Die Frau macht es kurz. "Das ist deine Tochter." Und zu der Tochter, die neben ihr steht, gewandt: "Lara, das ist der Wichser, der sich nicht mehr gemeldet hat nach dem echt schlechten Sex." – "Hallo, was ist'n das jetzt?", stammelt Thomas. "Ich hab mich sechs Jahre um sie gekümmert, jetzt bist du dran!", sagt die Negerin. "Und was ist mit dir?", fragt Thomas. "Ich werde abgeschoben, Ausländer raus, kennst du doch ..." Und weg ist sie.

mehr:
- Wo das "Negerkind" unterm Hitlerbild aufwächst (Henryk M. Broder, die Welt, 13.02.2016)

Lara - Kapitel 1 - FAMILIE BRAUN | ZDF [4:39]

Veröffentlicht am 05.02.2016
Die Nazis Thomas und Kai wollten eigentlich nur Youtube-Videos drehen. Doch dann klingelt es an der Tür...

#FamilieBraun bis zum 12.02.2016 JEDEN TAG 17.00h eine neue Folge hier und in der ZDF Mediathek: http://familiebraun.zdf.de/

Hier geht es zur #FamilieBraun Playlist:
https://www.youtube.com/playlist?list...

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Titelsong: "Hitler im Hirn"
Musik: Marti Fischer (https://www.youtube.com/user/theclavi...), Frodo (https://www.youtube.com/user/Frodoapp...)
Text: Manuel Meimberg

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CAST & CREW
Edin Hasanovic als Thomas Braun
Vincent Krüger als Kai Stahl
Nomie Laine Tucker als Lara
Karmela Shako als Laras Mama

Buch: Manuel Meimberg
Regie: Maurice Hübner
Kamera: Julia Hönemann
Musik: Maik Oehme
Online Konzept und Realisation: Marie Meimberg
Creative Producer: Uwe Urbas und Manuel Meimberg
Produzenten: Uwe Urbas, Beatrice Kramm, Christoph Bicker
Produktion: Polyphon im Auftrag von ZDF Quantum/Das kleine Fernsehspiel
Redaktion: Lucia Haslauer, Lucas Schmidt
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Der nächste Todesfall im NSU-Komplex

Der Verlobte der toten Zeugin Melisa M. soll Suizid begangen haben - Gibt es einen Zusammenhang mit dem Fall Florian H. und dem Kiesewetter-Mord?


Im NSU-Komplex gibt es den nächsten Todesfall. Mit einer Woche Verspätung erfährt man vom Tod des 31jährigen Sascha W. aus Kraichtal in Baden-Württemberg. W. war der Verlobte von Melisa M., die im März 2015 vom NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart befragt worden war und vier Wochen danach an einer Lungenembolie verstarb, 20 Jahre alt.


Melisa M. wiederum war einmal Freundin von Florian Heilig, einem Neonazi-Aussteiger, der am 16. September 2013 in seinem Auto auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart verbrannte. Am selben Tag sollte er vom Landeskriminalamt zum Thema NSU vernommen werden. Heilig hatte in der Vergangenheit gesagt, er wisse, wer die Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter 2007 ermordet hatte. Das sollen aber nicht Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gewesen sein.

Sascha W. ist der dritte in einer Kette von Todesfällen, die mit dem NSU-Komplex zusammenhängen.

Er wurde am Montag vor einer Woche (8. Februar) abends gefunden. Weil keine natürliche Todesursache festgestellt wurde, ordnete die Staatsanwaltschaft Karlsruhe eine Obduktion an. Nach Auskunft von Behördensprecher Tobias Wagner habe man "bislang keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden" gefunden. Man gehe von einem Suizid aus. Zusätzlich gebe es eine Abschiedsnachricht von Herrn W., die elektronisch verschickt wurde.

mehr:
- Nächster Todesfall im NSU-Komplex (Thomas Moser, Telepolis, 15.02.2016)

Der Fall Melisa M. - Das NSU-Zeugensterben geht weiter [7:28]

Veröffentlicht am 04.04.2015
Ein weiterer Zeuge im NSU-Prozess ist gestorben - oder gestorben worden? Erst 2013 verbrannte der damalige Freund von Melisa M. in seinem Auto - angeblich Selbstmord aus Liebeskummer. Sein Vater bestritt dies gegenüber COMPACT. Nun ist Melisa selber tot und reiht sich ein in eine Reihe mysteriöser Todesfälle um den NSU-Prozess.

Die komplette Sendung gibt es unter: https://www.youtube.com/watch?v=Ngtr0...

Unterstütze die Produktion von COMPACT-TV mit einem Abonnenement der monatlichen Heftausgabe: http://abo.compact-online.de
Das unheimliche NSU-Zeugensterben (Jürgen Elsässer) [11:17]

Veröffentlicht am 27.03.2014
Im NSU Prozess geht es zu wie im belgischen Dutroux-Prozess. Reihenweise werden die Zeugen gestorben - durch mysteriöse und obskure Umstände.

Ein Verschwörungstheoretiker, wer böses dabei denkt?

Ausschnitt aus dm kompletten Interview der COMPACT Ausgabe vom Januar 2014:
https://www.youtube.com/watch?v=MRSKp...

NSU-Skandal - Unglaubliches Interview mit Richter a.D. Heindl [1:30:20]

Veröffentlicht am 23.02.2013
Gruß an die, die Gerechtigkeit wollen.
Quelle: http://derhonigmannsagt.wordpress.com
Das Video darf verbreitet werden.

siehe auch:
- Das Mord-Trio (Thomas Fischer, ZEIT-Online, 14.07.2015)

zu Thomas Fischer siehe auch:
- Bundesgerichtshof: Der unbequeme Richter (Sabine Rückert, ZEIT Online, 06.10.2014)
- Netzpolitik.org: BGH-Richter Thomas Fischer liest die Leviten (Markus Kompa, Telepolis, 11.08.2015)
Fischer vermisst zudem eine Haltung der Bundesrichterkollegen zum NSA-Skandal: "Wann immer, so mein Eindruck, an den Tischen der bundesgerichtshöflichen Kollegenschaft das Akronym "NSA" fiel und das Wort "Generalbundesanwalt" und der Begriff "Legalität", senkten sich die Köpfe rasch über die Salatsauce und die Fusilli siciliana."
zum NSA-Skandal:
- NSA-BND: Der Bericht des Sonderermittlers (Post, 31.10.2015)

Lügenpresse Teil 2 – Wie es dazu kam, dass es plötzlich nur noch ein einziges Märchen gab

Wie es dazu kam, dass es plötzlich nur noch ein einziges Märchen gab - Lügenpresse Teil 2
Und es begab sich, dass eines Tages alle Spieglein im Land nur noch eine Fratze zeigten: Die des bösen Putin, russischer Despot und Schlimmeres noch: Manifestierte sich in seiner Person nicht gar der Leibhaftige?


Teil 1: Über die neue Wut auf die Medien
Am 28. August 2014 zeigte das Titelbild des aktuellen "Spiegel" Portraitfotos der Menschen, die als Passagiere Opfer des Abschusses von "MH17" geworden waren. Das Flugzeug wurde bekanntlich über der Ost-Ukraine abgeschossen, 298 Menschen fanden den Tod.

Die genaue Ursache für den Absturz ist auch heute noch unklar, geschweige denn zu der Zeit des Spiegel-Titels. Was das Nachrichtenmagazin nicht hinderte zu verkünden, "niemand" im Westen zweifle an einem Abschuss durch die Separatisten, Putin habe sein "wahres" Gesicht gezeigt, nämlich als "Paria der Weltgemeinschaft". Auf dem Titelblatt wurde gefordert: "Stoppt Putin jetzt!", im Leitartikel erklärt, dass dies aber noch nicht mit Atomwaffen geschehen müsse.

Der Spiegel stand damit nicht alleine. "News", das österreichische Nachrichtenmagazin, zeigte im März 2014 Putin als irren Clown und erklärte ihn flugs "Zum Feind der Welt". "Newsweek" bildete Putin in einer totenkopfähnlichen Fotomontage ab, beim polnischen Magazin "Niepodlegla" floss Blut aus seinem Mund und aus Putins Vornamen Vladimir wurde "Bloodymir". Vorangegangen waren diesen Titelbildern der Umsturz in der Ukraine durch militante Kräfte des Maidan, die Abtrennung der Krim und der Bürgerkrieg im Osten der Ukraine.

Thema Lügenpresse. Was ist neu an der neuen Medienkritik? In der vorangegangenen Folge ging es um die Einschätzung der Münchner Kommunikationswissenschaftler, dass die Menschen ja schon immer skeptisch gegenüber den Medien eingestellt wären (Über die neue Wut auf die Medien). Und in der Tat: Da Medien ihre spezielle Rolle in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und sozialen Kämpfen spielen, ist es nicht verwunderlich, dass die Kritik je nach dem politischen Standort des Kritikers ausfällt. Und so gibt es seit jeher eine eher links und eine eher rechts angesiedelte Kritik an den Medien - und wen das überrascht, ist weltfremd.

Zeitungen sind nie nur bloße Übertragungsmedien von objektiven Nachrichten, sondern sie sind selbst Spieler im Spiel um die Deutung der Welt, sind selbst an der Konstruktion von Wirklichkeit beteiligt und stehen so für bestimmte weltanschaulich-politische Positionen.

mehr:
- Vom "Spiegel-Bild" (Rudolf Stumberger, Telepolis, 14.02.2015)

zum Abschuß von MH17 und die Medienberichterstattung:
- Aufrechterhaltung des westlichen Narrativs: Der Fall MH17 köchelt weiter (Post, 11.02.2016) 

zum Kampf um die Deutungshoheit:
- Zwischen Lesern und Lobbynetzwerken (Paul Schreyer, Telepolis, 04.11.2014)
Was früher in eingeübt antikommunistischer Manier über die publizistische Bühne ging, wird nun in Sachen Russland weitergeführt. Allerdings, die Reaktivierung der alten Beißreflexe gegenüber dem sowjetischen Bären, der jetzt zu einem russischen Bären umdekoriert wird, geht nicht reibungslos vonstatten.

Denn die Leser des Spiegel und anderer Blätter erkennen schon das Neue: Die Kriegstrommelei in den Redaktionsstuben bis hinauf in das Amt des Bundespräsidenten, die zunehmende Instabilität der politischen und sozialen Verhältnisse in Europa, die Wiederkehr von Alpträumen wie Bürgerkrieg, Tod, Flucht und Vertreibung.

Und die Leser erkennen auch, dass ihnen inmitten all dieser Wirrnisse vor allem eine Erzählung angeboten wird: Wir sind die Guten, böse sind immer die anderen. Denn wirklich neu an dieser medialen Situation, wie sie sich zum Beispiel am Ukraine-Konflikt zeigt, ist die uniforme Ausrichtung der Berichterstattung. Solange es in der Bundesrepublik politische Lager gab, existierte auch eine oppositionelle Presse, die einen Widerpart zum offiziellen Mainstream bildete. In Zeiten der Regierungen von Adenauer, Kiesinger und auch Kohl sorgten der Spiegel, die Frankfurter Rundschau, die Zeit oder die Süddeutsche für Kritik. Und dies auch, weil es eine identifizierbare Sozialdemokratie gab.

Seit der Neoliberalismus seine Herrschaft durch die Parteien angetreten hat, haben sich auch die politischen Konzepte angeglichen - die aktuelle "Groko" ("Große Koalition") ist dafür ein beredtes Beispiel. Wo aber keine unterschiedlichen politischen Konzepte existieren, können sich diese auch nicht in den Medien widerspiegeln. Dem politischen Einheitsbrei entspricht der einheitliche Medienbrei. Dass mittlerweile die Journalisten zwischen Bild und Spiegel beruflich hin- und herpendeln - früher völlig undenkbar -, ist dazu nur eine ergänzende, wenn auch beredte Facette.

Es geht also nicht in erster Linie darum, dass der Spiegel einen unsäglichen Titel wie den vom 28. August zu verantworten hat. Sondern darum, dass es dazu kaum eine mediale Alternative gab, auch nicht in den öffentlich-rechtlichen Sendern. So reicht mittlerweile die Front der Bellizisten, die eine Konfliktlösung mit militärischer Gewalt befürworten, von der SZ bis hin zur taz. Die "bürgerlichen" Medien sind sich ebenso wie die "bürgerlichen" Parteien einig.

Das Neue an der neuen Medienkritik ist, dass sie sich gegen diese geistige Gleichschaltung richtet. Und dass dabei der rechte Rand mit besonderem Gewicht vertreten ist, ist ein Indiz für eine neue Polarisierung der Gesellschaft.

Reaktionen auf den SPON-Titel:
Presserat tadelt "Spiegel" (Anja Janotta, W&V, 09.09.2014)
- Presserat missbilligt SPIEGEL MH17-Putin Cover (MMNews, 10.09.2014)
- Presserat missbilligt SPIEGEL-Hetze (Pressemitteilung Dieter Dehm, Die Linke, 10.09.2014)
- Presserat sanktioniert Spiegel, Bild und Stern wegen MH17-Berichterstattung (Wilhelm von Pax, NEOPresse, 11.09.2014)
- "Stoppt Putin jetzt!"-Cover war nur halbschlimm (Markus Kompa, Telepolis, 11.09.2014)
- „Spiegel“-Autor Neef: „Das ‚Stoppt Putin jetzt‘-Titelbild war misslungen“ (Blog Stefan Niggemeier, 04.11.2014)
Der Ausdruck Medienmanipulation wird in zweierlei Weise verwendet:
  • Meist wird er verwendet, um eine tatsächliche oder vermeintliche Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Medien zu bezeichnen.
  • Ebenfalls Verwendung findet der Begriff, um eine Manipulation der Medien mit dem Ziel einer bestimmten Veröffentlichung zu beschreiben. Abgrenzung: Sofern dies nicht als Manipulation, sondern als Information transparent und den journalistischen Handwerksregeln gemäß erfolgt, spricht man von Pressearbeit oder Medienarbeit. […] 
Gezielte Manipulation durch bewusste einseitige Berichterstattung widerspricht den Grundsätzen unabhängiger journalistischer Berichterstattung und journalistischer Ethik sowie den Regeln des Deutschen Presserates. […]
Der Gebrauch eines Wortes mit positivem bzw. negativem Beigeschmack (meliorativ bzw. pejorativ) an Stelle seines neutralen Synonyms ist geeignet, den Leser zu beeinflussen. Sind Themen strittig, so zeigt sich dies meist auch darin, dass die Parteien gleiche Sachverhalte mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnen (zum Beispiel „Flucht und Vertreibung“ (in Deutschland übliche Wortwahl) und „Umsiedlung“ (in Polen übliche Wortwahl)). Auch hier wird die Verwendung der Begrifflichkeit einer Partei leicht als parteilich oder manipulativ wahrgenommen. (Medienmanipulation, Wikipedia)
zur Verwendung von Sprache:
Alleine schon der Titel der Gesprächsrunde [»Zar Wladimir I. - Was will Putin wirklich?«] 
stellt deren Objektivität infrage und beantwortet sich selbst: »wirklich« – »Zar«
Werner Schulz’ (Bündnis 90/Grüne) Mantra im folgenden Video [ab 6:34]: 
»einen russischen Aggressonskrieg, einen russischen Aggressionskrieg, einen russischen Aggressionskrieg, einen russischen Aggressionskrieg,«

Krone-Schmalz bei Maischberger: "Dann machen Sie Ihre Sendung doch alleine" [7:55]

Veröffentlicht am 25.02.2015
Maischberger 24.02.2015: "Zar Wladimir I. - Was will Putin wirklich?"
Frau Gabriele Krone Schmalz wird dauernd unterbrochen und ihre Aussagen als Falschbehauptungen bezeichnet.
Ganze Sendung hier:http://x2t.com/349827

nochmal zur Verwendung von Sprache:
Peter Scholl-Latour kritisiert: 
»Der Titel dieser Sendung ["Assad lässt Kinder töten - wie lange wollen wir noch zuschauen?"] ist eine Vorwegnahme […] und eine gehässige Formulierung« 

Peter Scholl Latour rastet aus Syrien , Salafisten, Islam Der Talkshow Eklat [12:14]

Veröffentlicht am 05.09.2012 

Kritik an der ARD-
Ukraine-Berichterstattung:
- ARD-Desinformation zur Ukraine: Beschwerde beim NDR-Rundfunkrat durch Ex-Tagesschau-Redakteur Volker Bräutigam (Barth-Engelbart, 29.04.2014)
- Volker Bräutigam über den Umgang der ARD mit seiner Programmbeschwerde (Propagandaschau, 10.07.2014)
- Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik (Malte Daniljuk, Telepolis, 18.09.2014)
- ARD-Ukraineberichterstattung: Mangelhaft, Einseitig, Tendenziös (Fabian Köhler, neues deutschland, 18.09.2014)
- Streit über Ukraine-Berichte: Programmbeirat wirft ARD "antirussische Tendenzen" vor (Benjamin Bidder, SPON, 23.09.2014)
- ZDF zerreißt Ukraine-Berichterstattung (Julian K., Freitag-Community, 24.09.2014)
- Was der Presserat empfiehlt, ist dem „Spiegel“ egal (Blog Stefan Niggemeier, 29.09.2014)
- Ukraine-Berichterstattung: Fehlschüsse der ARD (Ursula Scheer, FAZ, 03.10.2014)
- Fiese Finten der ARD (II) (Volker Bräutigam, Ossietzky 2/2015)

Kritik an der ARD-Syrien-Berichterstattung:
Programmbeschwerde: ARD Tagesschau lügt erneut zu Syrien und erhält Nachhilfeunterricht (Friedrich Klinkhammer, Volker Bräutigam, StatusQuoNews, 09.02.2016)
Was in der ARD-Tagesschau an Propaganda über Syrien verbreitet haben, spottet jeder Beschreibung. Man könnte täglich seitenweise zusammenfassen, was alles verschwiegen, verzerrt, gelogen und geheuchelt wurde. Ginge es nur um dummes Zeug, wie das Wort zum Sonntag oder boulevardesken Informationsmüll im Nach­mittags­programm, man könnte es ignorieren und über die Protagonisten müde lächeln. Aber es geht um Krieg, Massenmord und Flüchtlingselend und die verantwortlichen Täter in ARD, DLF und ZDF haben das Blut Tausender Opfer an ihren Händen.

Wenn Angela Merkel heute bei ihren neuen Freund Erdogan Richtung Russland und syrische Regierung pöbelt, dann steht die Welt einmal mehr auf dem Kopf, denn es war Erdogan, der mit seiner Unterstützung militanter Gruppen einer der Hauptverantwortlichen für das syrische Elend ist.

Merkel hat mit ihrer Unterwürfigkeit unter geopolitische Interessen der USA das deutsche Volk gleich mehrfach verraten, Milliardenverluste von Bankstern sozialisiert, Milliarden für einen Putsch und Bankrott der Ukraine aus dem Fenster geworfen, über Jahre aufgebaute Wirtschaftsbeziehungen zu Russland ruiniert, Europa mit Flüchtlingen geflutet und pumpt jetzt Milliardengelder, die man dem griechischen Volk gerade noch abgepresst hat, in eine verbrecherische Türkei, die mit dem Islamischem Staat fraternisiert um das Nachbarland Syrien zu verheeren und im eigenen Land Kurden und politische Gegner abschlachtet.

»gefärbte« Berichterstattung: 
Der Ukraine-Konflikt 5 – Die Nagelprobe des Journalismus (Post, 21.04.2014)
Richter gegen Chefredakteur 5:0 (Post, 15.05.2014)
Ukraine 13 – Unser westliches System und die MH 17-Berichterstattung, 27.07.2014)
Was sich in den Medien ändern muss (Post, 07.11.2014)
Publizist Volker Bräutigam erhebt beim Rundfunkrat Beschwerde (Post, 06.11.2014)
ARD/Ukraine-Lügen: Vom Brok zum Gärtner (Julie, Politik im Spiegel, 18.11.2014)
Von Putinverstehern und Journalistenverstehern (Post, 19.11.2014)
Tagesschau sachlich und objektiv: »Putin, einsam und verlassen« (Post, 19.11.2014)
Ukraine und USA: Interessen, Nebelkerzen und Deutungshoheit (Post, 27.11.2014)
Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)

katastrophisierende Meldungen:
Ukraine 15 – Die – zumindest teilweise – Vernichtung eines gepanzerten russischen Phantom-Konvois (Post, 15.08.2014)
Publizist Volker Bräutigam erhebt beim Rundfunkrat Beschwerde (Post, 06.11.2014)
Keine Propaganda: Noch ein U-Boot! Oh Gott! (Post, 11.12.2014)