Sonntag, 30. Oktober 2016

Europa wird untergehen… Habe ich was verpaßt?

Brexit, Trump und Europas Umgang mit der Flüchtlingskrise – es gibt mehr als genug Anzeichen dafür, dass der Westen nicht mehr das ist, was er einmal war. In der neuen Cicero-Ausgabe beschreibt der belgische Historiker David Engels, wie die westliche Zivilisation ihrem Niedergang entgegengeht
Kurz mal die Augen zumachen und die vergangenen Monate Revue passieren lassen. Da flackern Bilder und Ereignisse, die man sich in dieser Dichte kaum hätte vorstellen können: Großbritannien beschließt, sich aus dem europäischen Verbund zurückzuziehen. In den USA schafft es ein Verhaltensauffälliger als Präsidentschaftskandidat bis kurz vor die Türen des Weißen Hauses. Im Umgang mit der Flüchtlingsfrage zerfällt die Europäische Union in zwei Teile: Deutschland auf der einen, alle anderen auf der anderen Seite. Freihandelsabkommen zwischen dem amerikanischen Kontinent und Europa stehen auf der Kippe.

Kurzum: Der sogenannte Westen driftet auseinander und wird von außen durch neue strategische Allianzen unter Druck gesetzt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Kollege Wladimir Putin sind nun wahrlich keine Bilderbuchfreunde. Aber für den gemeinsamen Gegner Europa vergessen sie sogar einen abgeschossenen Kampfjet und verständigen sich auf eine gemeinsame Gaspipeline, mit der um Kerneuropa ein Bypass gelegt wird. Noch zieht sich die westliche Wertegemeinschaft daran hoch, dass ihre Attraktivität groß ist und sich für Freiheit, Menschenrechte und Wohlstand Millionen Menschen auf den Weg nach Westen machen.

mehr:
- Abendland im Abendrot (Christoph Schwennicke, Cicero, 27.10.2016)

mein Kommentar:

- Wenn demokratische Rechte (noch) wahrgenommen werden und die Wahrnehmung solcher Rechte in einem äußerst dubiosen »Frei«-Handelsabkommen (, dessen Inhalt noch nicht einmal den Bundestagsabgeordneten zur Verfügung gestellt werden sollte,) seinen Niederschlag findet, das Bestehen auf inhaltlicher Diskussion aber in vielen Medien als »Handlungsunfähigkeit« dargestellt wird, dann ist für viele das Procedere wichtiger als der Inhalt. Sollen sich in Zukunft Chirurgen nicht mehr die Hände sterilisieren, damit’s schneller geht? Kann man, wenn der Sterilisationsvorgang einige Minuten in Anspruch nimmt, tatsächlich von »Blamage« reden?
Wo ist dann das Problem? Bei denen, die handeln oder bei denen, die darüber urteilen?
- Wenn sich Bob Dylan zwei Wochen Zeit nimmt, um sich zur Verleihung des Nobelpreises zu positionieren und die Wartezeit bis zu seiner Reaktion von einigen Menschen verärgert als Arroganz interpretiert wird, wo ist dann das Problem?
Bei Dylan, der sich Zeit nimmt, oder bei denen, die ihre Schnellschuß-Erwartungen frustriert sehen?
- Wenn die USA als Anführer der westlichen Hemisphäre nach einem furchtbaren Terrorakt (ca. 3.500 Tote) innerhalb weniger Tage mit einer Kriegserklärung an unbekannt reagieren, mit der Einschränkung von Bürgerrechten, mit Kriegen, die mindestens 1,5 mio Tote gefordert und den IS hervorgebracht haben, 
wo ist dann das Problem?
- Wenn Bob Dylan in China auftritt, sich der Forderung der Parteiführung beugt, auf den Vortrag einiger seiner bekanntesten Protestsongs verzichtet und dafür von angesehenen amerikanischen Tageszeitungen kritisiert wird
wo ist dann das Problem?
- Wenn die industrialisierte Welt Afrikas Küsten leerfischt, den ostafrikanischen Markt mit subventioniertem Geflügelfleisch-Abfall und viele Teile Afrikas – abhängig von der Bestechlichkeit der jeweiligen Clan-Chefs und Politiker – mit radioaktivem Abfall und sonstigem Giftmüll überschwemmt und die Bevölkerung, die bis dato in einer spätmittelalterlichen Welt gelebt hatte, wegläuft und an unsere Türen klopft, 
wo ist dann das Problem?
- Wenn Westeuropa – fesh und trendy Zivilcourage demonstrierend Fußnägel regenbogenfarben bemalend – vom Rest der Welt die Abkehr von einem Denken fordert, welches es selbst noch vor wenigen Jahrzehnten praktiziert hat oder 
- wenn wir seit dem Zweiten Weltkrieg ununterbrochen erzählt bekommen, daß östlich der Ukraine die Morlocks sitzen, der reflexionsresistente Westen dem russischen Bären zwischen die Beine greift (weil er sich anscheinend nicht vorstellen kann, daß den das gewaltig nervt) und der dann brüllt –
wo ist das Problem?
Wenn Putin immer wieder mit nacktem Oberkörper, Kalaschnikow in der Hand auf einem Gaul mit Tarnuniform-Hose und Springerstiefeln durch die russische Pampa reitet, unter Wasser antike Reliquien findet und auf der Taekwondo-Matte einen durchtrainierten Riesen nach dem anderen umlegt (»Ich muß so sein, wie mein Volk von mir erwartet!«) – und das in unseren Qualitätsmedien einhellig als pathologischer Narzissmus interpretiert wird:
Wo ist das Problem?
- Wenn Russland-Experten der DGAP (deutsche Gesellschaft für auswärtige Politik) in einem Interview sagen dürfen, man habe die Bedeutung der Ukraine für Russland unterschätzt –
wo ist dann das Problem?
- Wenn die Brüste irgendeines zweitklassigen Filmsternchens im 35. Dschungelcamp-Aufguß ein größeres Gewicht haben als die Frage, was eine Annexion ist – 
wo ist das Problem?
- Wenn sich die Tagesthemen erlauben, ihren Zuschauern 500 bezahlte und in einem Fußballstadion kameragerecht zusammengepferchte Ostukrainer als »Zehntausende« zu verkaufen – und man ihnen dann draufkommt –
wo ist das Problem?
Wenn der NATO-Generalsekretär einen Tag nach den ersten Katastrophenmeldungen bestätigt, ein Konvoi aus gepanzerten russischen Fahrzeugen habe die Grenze zur Ukraine überschritten (für wie blöde halten die die Russen und insbesondere Putin eigentlich?) und sei teilweise zerstört worden,
Und wenn, nachdem Tag für Tag neue Meldungen über den angeblichen militärischen Zusammenstoß lanciert worden sind, urplötzlich Funkstille ist, so als ob nie was gewesen wäre:
Wo ist das Problem?
Wenn Tagesthemen und heute-Magazin den exakt gleichen zusammengeschnittenen Ausschnitt aus einem Reuters-Video vom G20-Gipfel in Brisbane zeigen, in welchem die brasilianische Außenministerin – Putin gegenüber am Mittagstisch – gerade von einem ihr Wein eingießenden Kellner überdeckt wird und der Sprecher aus dem Off tönt, Putin sei unter den anwesenden Politikern völlig isoliert, und es habe sich wohl niemand zu ihm an den Tisch setzen wollen,
und in den Internet-Blogs und sozialen Medien schlagen die Wellen der Empörung hoch (Ne,nee, Leute, das waren nicht nur Bots) und das Wort von der Lügenpresse kommt auf (das wurde nämlich schon vor Pegida benutzt) –
wo ist dann das Problem?
Wenn Philosophen, Politologen und andere Denker von einem Untergang reden, 
was meinen sie damit?
Wenn jemand freiheitlich-demokratisches Wasser predigt und turbokapitalistischen Wein trinkt…
wo ist das Problem?

Wenn sowohl Martin Luther wie auch Immanuel Kant dazu aufrufen, den eigenen Kopf zu benutzen –

wenn Aufklärung ein Buch ist, welches im Regal verstaubt –
wo ist das Problem?


Hauptkritikpunkte waren, dass […]
Preisfrage: Wo ist das Problem?
Antwort: Ich habe auch keine Ahnung, aber macht nichts, es gibt Walzer!


"He came in and played 'The Times They Are A-Changin'. A beautiful rendition. The guy is so steeped in this stuff that he can just come up with some new arrangement, and the song sounds completely different. Finishes the song, steps off the stage – I'm sitting right in the front row – comes up, shakes my hand, sort of tips his head, gives me just a little grin, and then leaves. And that was it – then he left. That was our only interaction with him. And I thought: That's how you want Bob Dylan, right? You don't want him to be all cheesin' and grinnin' with you. You want him to be a little skeptical about the whole enterprise. So that was a real treat." (zitiert in: Flashback: Bob Dylan Plays for Obama at the White House, Rolling Stone, 10.09.2013)

In Performance at The White House Bob Dylan [3:37]   Text

Hochgeladen am 02.01.2011
Bob Dylan performs "The Times They Are A-Changin'" in his first performance at the White House.

Samstag, 29. Oktober 2016

Die Empfänger der Fördermaßnahmen aus den USA

Der Transparenzpolitik der US-Regierung ist zugute zu halten, dass nicht nur ein Großteil der Themen und Zwecke der im Ausland unternommenen politischen Aktivitäten mit Hilfe des Foreign Aid Explorers konkret nachvollzogen werden kann, sondern zumindest auch eine nicht geringe Zahl der auf diesem politischen Feld aktiven Zahlungsempfänger. Das heißt, abgesehen von Globalprogrammen können insgesamt spezielle Programme und Aktivitäten mit eindeutig politischem impact mit einem Gesamtvolumen von rd. $ 780 Mio. identifiziert werden (das sind 44% der von der US-Regierung unternommenen politischen Gesamtaktivitäten von rd. $ 1,74 Mrd., inkl. NED-Anteil).
Allerdings werden von der US-Regierung bei diesen speziellen Programmen von $ 780 Mio. nur für einen Anteil von rd. $ 300 Mio. (38%) die konkreten Zahlungsempfänger ausgewiesen. In den anderen Fällen werden nur pauschale Empfängerbeschreibungen gemacht: Enterprise (Non-) United States Other, NGO (Non-) United States Other, University/Research Institute (Non-) United States Other oder Einheiten der US-Regierung selbst sind als sog. Channel ausgewiesen, ohne dass im letzten Fall die Ausführung der jeweiligen Operationen durch diese selbst erfolgt. 
Als Beispiel mag genügen, dass von den insoweit nicht näher genannten Unternehmen/enterprises Aktivitäten allein im Bereich "demokratische Teilhabe, Wahlen und Menschenrecht" im Volumen von rd. $ 43 Mio. ergriffen wurden und von nicht genannten NGOs Aktivitäten im Bereich "Teilhabe, Wahlen und Medienfreiheit" von rd. $ 23 Mio.  
Quelle: Die Empfänger der Fördermaßnahmen aus den USA (Friedrich Homann, Telepolis, 29.10.2016)
Aus der Telepolis-Liste habe ich folgende Organisationen übernommen, die mit Sicherheit in Russland lokalisierbar sind:


European University of St. Petersburg             12.516.328
Fund for Sustainable Development (Russia)     7.968.741
Moscow School for (of) Social and Economic Sciences      6.821.900
Moscow Helsinki Group (MHG)      3.824.417
Center for Policy Studies in Russia - PIR Center                 3.407.397
Strategy - St. Petersburg Center of Humanities and Political Studies   2.551.934
Glasnost Defense Foundation (GDF)                  2.294.493
Center for Russian Environmental Policy           2.283.190
Andrei Sakharov - Andrei Sakharov Archive and Human Rights Center                 1.349.074
Women of the Don Region              1.195.781
Moscow Center for Gender Studies                  1.193.040
All Russian Public Movement for Human Rights                  800.000
Center for Journalism in Extreme Situations / Russian Union of Journalists             773.897
Bellona - Environmental and Human Rights Center "Bellona" - St. Petersburg Public Organization            611.420
NGO Development Centre - Saint-Petersburg NGO Development Centre               610.285
Glasnost Public Foundation             571.560
Moscow Public Science Foundation, Center for the Study of Constitutionalism       570.635
Russian-Chechen Friendship Society - Society for Russian¬Chechen Friendship499.871
Soldiers' Mothers of St. Petersburg - St. Petersburg Regional Public Human Rights Organization             490.134
Greenpeace Russia     490.065
League of Women Voters of St. Petersburg - St. Petersburg Human Rights Public Organization                352.800
Russian Association of Civic Education             350.336
Center for Community Partnerships - Krasnoyarsk Center for Community Partnerships           350.000
Russian Lawyers Committee in Defense of Human Rights  350.000
Public Organization Human Rights Network Group Ryazan-Center       340.000
Kazan Centre of Federalism and Public Policy  310.000
Moscow School of Civic Education                   300.000
                                                                                                                                                                                                         
meine Ecxel-Tabelle errechnet eine Summe von                                                                                                                                                                      53.177.298 $

siehe auch:

- NGOs im Great Game… Die National Endowment for Democracy (Post, 19.02.2016)
- Putin und die USA: unpassende »Umtriebe«, FARA und die NGOs (Post, 17.08.2015)
- Die CIA bei den Uiguren (Post, 07.12.2014)
»Der größte Einzelerfolg der CIA« (01.05.2012)
Ich kann gar nicht so viel essen… (Eliot Weinberger in Lettre International, Was ich hörte vom Irak, 25.03.2006)


Die Liste der russischen NGOs, die seit 2013 auf die Liste "ausländischer Agenten" gesetzt wurden, umfaßt 154 Organisationen:
- Liste der NGOs, die zu "ausländischen Agenten" ernannt wurden (article20.org)
aktualisiert am 13.05.2018

AREVA, Kernkraft und Profiteure: verschwundene Milliarden…

Anne Lauvergeon (* 2. August 1959 in Dijon) ist eine französische Geschäftsfrau. Sie ist Mitglied in den Vorständen von SuezTotalSAFRANVodafone und der EADS.[1] Seit 2004 wird sie in der Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt des Forbes Magazine geführt. 2008 belegte sie auf der Weltrangliste Platz 8, 2007 Platz 14. In Frankreich gilt sie als Nummer 1 und in Europa belegte sie Platz 3.

Anne Lauvergeon (2009)
2006 war sie die weibliche Vorgesetzte mit den meisten Mitarbeitern weltweit und eine der mächtigsten Frauen weltweit. Anne Lauvergeon sitzt dem Aufsichtsrat der École des Mines de Nancy vor und leitet einen Förder- und Freundeskreis des Institut François Mitterrand. Sie ist Mitglied der französischen sozialistischen Partei. Bekannte Widersacher der streitbaren sozialistischen Managerin sind die konservativen Politiker Thierry Breton und Jacques Chirac, bei einem Sieg der Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal war sie für ein Ministeramt im Gespräch. Einen 2007 angefragten Eintritt in die Regierung Sarkozy lehnte Anne Lauvergeon ab. [Anne Lauvergeon, Wikipedia, abgerufen am 29.10.2016]
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1999 wurde sie Chefin von Cogema und folgte dabei Jean Syrota nach. 2001 wurde Cogema mit Framatome und Siemens­anteilen zu Areva zusammengelegt.
Unter ihrer Führung zeigte der ehemalige Staatskonzern mehr Offenheit, etwa bei der umstrittenen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague.[3] Innerhalb der Areva hat sie den Frauenanteil von 10 auf 20 % erhöht und setzt sich für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein.
Das wichtigste Projekt für Areva ist der neue europäische Druckwasserreaktor EPR. Den ersten Auftrag für einen Reaktorneubau ("Block 3") im finnischen Olkiluoto erhielt AREVA 2003. Der EPR soll die französischen und deutschen Druckwasserreaktorlinien zusammenführen und galt als ein Schlüsselprojekt für eine mögliche europäische Renaissance der Kernenergie[4]. Baubeginn in Finnland war im August 2005. Anne Lauvergeon wurde für Verzögerungen und Probleme bei dieser Entwicklung und der Realisierung verantwortlich gemacht (zu Bauproblemen siehe hier).
Nach der Nuklearunfällen von Fukushima-Daiichi am 11. März 2011 hatten Vertreter der japanischen Opposition wie z.B. Tarō Kōno das Krisenmanagement der Tōkyō Denryoku (Tokyo Electric Power Company – TEPCO) heftig kritisiert und die umgehende Einbindung ausländischer Experten und Ausrüstung gefordert. Zwei Wochen später flog Lauvergeon mit einer Expertengruppe des Kernkraftwerkes Marcoule nach Japan.[5] Lauvergeon schien mit dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion ihre Position an der Spitze des Arevakonzerns zu sichern[6][7], nachdem sie zuvor wegen mangelhaften Krisenmanagements unter heftiger öffentlicher Kritik stand[8]. Nachdem Areva im Juni 2011 jedoch für das Jahr 2010 einen operativen Verlust von 423 Millionen Euro bekanntgegeben hatte, musste Lauvergeon auf Entscheidung des Präsidenten der Republik, Nicolas Sarkozy, und entgegen der Empfehlung des Präsidenten des Aufsichtsrats, Jean-Cyril Spinetta, die Leitung von Areva abgeben[9][10]. Der zuständige Fachminister, Éric Besson, bescheinigte ihr eine «gute Bilanz» und gab der Überzeugung Ausdruck, dass Lauvergeons Nachfolger und bisheriger Stellvertreter, Luc Oursel, ihre Strategien fortführen werde[11]. Nach ihrem Ausscheiden bei Areva erhielt Lauvergeon eine Abfindung von 1,5 Millionen Euro, außerdem 319.045 Euro als Ausgleich für Unkosten in der 2.Jahreshälfte 2011 (für Sekretariat, Leibwächter und Sicherheitsdienst)[12] [Anne Lauvergeon, Tätigkeit in der Nuklearindustrie, Wikipedia, abgerufen am 29.10.2016]
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Im Januar 2012 wurde Anne Lauvergeon erstmals verdächtigt, in Betrügereien um die 2004 gegründete und auf den Britischen Jungferninseln registrierte kanadische Bergbau-Gesellschaft UraMin verwickelt gewesen zu sein. Areva hatte UraMin im Jahr 2007 zum hohen Preis von 1,8 Milliarden Euro (aus öffentlichen Mitteln) übernommen, ohne dass dieses Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt jemals Erz gefördert hatte. Lauvergeon hatte den Kauf des Unternehmens seinerzeit gegen den Rat ihrer Mitarbeiter beschlossen[25][26]. Eine von Areva rasch einberufene interne Untersuchungskommission entlastete die ehemalige Präsidentin[27][28]. Für die vermuteten Schmiergeld- und Kick-Back-Zahlungen an Politiker afrikanischer Länder, besonders der Republik Südafrika, in denen Erzminen der Gesellschaft liegen, fanden sich keine Beweise. Umso mehr wurde in der Folge Lauvergeons Ehemann, der auf Mineralerz-Handel spezialisierte Unternehmensberater Olivier Fric, des Insiderhandels verdächtigt, weil er 2007 ein großes Aktienpaket des Minenunternehmens erworben hatte, unmittelbar bevor dieses von Areva übernommen wurde[29]. Gegen Fric wird in diesem Zusammenhang seit 23. März 2016 offiziell gerichtlich ermittelt[30][31].
Der französische Rechnungshof untersucht 2014 Lauvergeons Tätigkeit bei Avera. Er kritisiert Lauvergeon Geschäfts-Aktivitäten, ihre Gehaltsentwicklung, insbesondere eine auf falschen Erfolgsangaben beruhende Gehaltserhöhung[32] sowie insbesondere den Misserfolg des EPR und den Kauf von UraMin. Die beiden letztgenannten Unternehmungen haben den französischen Staat auf Grund der schlechten Vorbereitung durch Areva mehrere Milliarden Euro gekostet[33]. Zu ihrer Rechtfertigung verweist Anne Lauvergeon darauf, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Jean-Cyril Spinetta die Bedingungen des Erwerbs von UraMin nicht beanstandet habe und dass die Bilanzen von Areva durch mehrere Wirtschaftsprüfer bestätigt worden seien[34]. Der Rechnungshof eröffnete bezüglich Lauvergeons Geschäftsführung in den Jahren 2007 bis 2010 eine Voruntersuchung wegen «Vorlage oder Veröffentlichung einer ungenauen oder unzuverlässigen Bilanz» und «Verbreitung falscher oder betrügerischer Informationen»[35].
Am 17. Februar 2016 wurde Lauvergeon in der Magazinsendung "Pièces à conviction" des Senders France 3 für die zwischen 10 und 15 Milliarden Euro betragenden Verluste des Areva-Konzerns verantwortlich gemacht[36].
Im Mai 2016 wurde gegen Lauvergeon ein Verfahren wegen «Vorlage oder Veröffentlichung einer ungenauen oder unzuverlässigen Bilanz» eröffnet[37][38].  [Anne Lauvergeon, Die UraMin-Affäre, Wikipedia, abgerufen am 29.10.2016]
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Der französische Atomgigant AREVA ist wirtschaftlich schwer angeschlagen und hat im letzten Jahr über vier Milliarden Euro Verlust eingefahren. Hinzu kommen völlig aus dem Ruder gelaufene AKW-Neubauprojekte in Flamaville und im finnischen Olkiluoto. Erst vor wenigen Wochen kam die nächste Hiobsbotschaft für den Konzern. Materialfehler im Herzstück der Neubauten, den Reaktordruckbehältern, könnten die Projekte zum völligen Desaster machen. Auch Neubau-Aufträge z.B. in China sind betroffen. Damit nicht genug: Arte-TV berichtet nun auch von Ermittlungsverfahren der französischen Staatsanwaltschaft gegen den Konzern, die richtig unangenehm werden könnten und bei denen es um dubiose Geschäfte im Umfang von drei Milliarden Euro bei der Übernahme eines Unternehmens UraMin geht und nicht nur die Firmenspitze betrifft, sondern ein ganzes Netzwerk von Profiteuren bis in die Regierung hinein. Es geht um vermeintliche Uranminen, in denen es aber kein Uran gab. Arte spricht davon, dass es hier um die Enthüllung eines Skandals geht, der sich „in Frankreich zu einer Staatsaffäre auswachsen könnte.“

Krise der Atomkonzerne: Französischer Atomgigant AREVA vor dem Super-GAU
 Atomkonzern AREVA: Krise und Stellenabbau in Deutschland

Dazu ist auf der Seite von ARTE-TV zu lesen: „Die französische Justiz setzt sich nun ernsthaft mit der Areva-UraMin Affäre auseinander. Am 28. Mai hat sie zwei neue Ermittlungsverfahren gegen “Unbekannt” eingeleitet – ein anderes läuft bereits seit April. Das erste Ermittlungsverfahren, das die Bedingungen und Umstände des UraMin-Kaufes betrifft, wurde wegen “Betrugs, Veruntreuung und Bestechung ausländischer Amtsträger” eingeleitet. Das zweite Verfahren wurde wegen der „Verbreitung falscher Informationen, Verwendung oder Vorlage falscher Bilanzen, Machtmissbrauch und der Fälschung von Dokumenten und der Verwendung von gefälschten Dokumenten” eingeleitet und soll sich in erster Linie gegen Anne Lauvergeon richten.“ Lauvergeon ist die ehemalige Chefin der Anfang 2000 neu gegründeten AREVA, die vom Uranbergbau über den Bau von Atomkraftwerken bis hin zur Wiederaufarbeitung und Plutonium tätig ist.

 Atomgigant AREVA schwer angeschlagen – Vier Milliarden Euro Verlust
 Atomkonzerne am Abgrund – “Französischer Atomkonzern Areva ist pleite”
 Rohstoff Uran – Konflikte und Verträge: Niger und AREVA einigen sich
 Französische Atom-Interessen – AREVA in Afrika

Die umfangreiche Recherche ist vollständig samt vieler Videos und interessanter grafischer Darstellungen auf der Homepage von Arte dokumentiert und gliedert sich in vier Episoden, deren „Überschriften“ ich hier gleich zum „anfüttern“ mal übernehme. Zur Einleitung heißt es u.a.: „Alles beginnt 2007: Damals erwirbt der französische Nukleargigant Areva das kleine kanadische Unternehmen UraMin, das in drei afrikanischen Ländern Uranminen besitzt. Diese Transaktion – eine der größten, die in Frankreich seit dem Jahr 2000 getätigt wurde – erweist sich für den von Anne Lauvergeon alias „Atomic Anne“ geleiteten Konzern als finanzielle Katastrophe. Welche Geheimnisse verbergen sich hinter diesem Fiasko? In dieser weltumspannenden Affäre treffen wir auf Staatschefs, Finanzhaie aller Art, zwielichtige Politiker, gescheiterte Industriebosse…“

mehr:
- Atomgigant AREVA am Abgrund: Eine Zeitbombe der französischen Atomindustrie (Dirk Seifert, umweltFAIRändern, 02.06.2015)


Doku Atomic Africa - Dokumentation German [1:28:51]

Veröffentlicht am 25.01.2015

Pièce à conviction - Affaire Areva Uramin 3 milliards en fumée [1:14:12]

Veröffentlicht am 17.02.2016
En 2007, Areva, leader mondial du nucléaire civil, achète Uramin, une petite société minière canadienne, pour 1,8 milliard d'euros. Mais rapidement, les gisements, situés notamment en Namibie et en République centrafricaine, se révèlent inexploitables. Depuis avril 2014, la justice enquête sur cette affaire et sur les 3 milliards d'euros investis par Areva, une entreprise détenue à 87% par l'Etat. Les investigations doivent permettre d'identifier les responsables de ce fiasco, mais aussi de déterminer si cet argent a été détourné. En outre, quel a été le rôle d'Anne Lauvergeon, l'ancienne patronne d'Areva ? Et celui de l'Etat ? En plateau, l'enquête est suivie d'un débat animé par Patricia Loison.
Documentaire réalisé par Pascal Henry
Reportage Monter par Vincent Liger
Pièces à conviction, France 3
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Durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima (seit März 2011) geriet die Atombranche in eine schwere Krise. Die Areva-Chefin und -Gründerin Lauvergeon wurde zum 30. Juni 2011 abgelöst.[12] Die französische Regierung teilte mit, dass der Bergbauingenieur Luc Oursel an ihre Stelle treten solle, obwohl Gewerkschaftsvertreter und Abgeordnete sich intensiv für eine dritte Amtszeit der über Jahre sehr erfolgreichen Physikerin und Managerin einsetzten. Als Hintergrund wird ein Konflikt von Frau Lauvergeon mit dem EdF-Direktor (Électricité de France, französischer Staats-Energiekonzern) und Vertrauten des französischen Staatspräsidenten Nicolas SarkozyHenri Proglio, im Jahre 2010 vermutet, in dem sie eine Zerschlagung von AREVA und die Übernahme der Führung über die französische Atomwirtschaft durch die EdF verhindert hatte.[13]
Presseberichten im Herbst 2011 zufolge will der Konzern im Zuge drastischer Sparmaßnahmen an dreien seiner Standorte in Deutschland (Lingen (Ems)OffenbachErlangen) 800 Arbeitsplätze streichen, außerdem eine Fabrik in Dessel (Belgien) schließen sowie den Bau einer Brennelemente-Anreicherungs-Fabrik in Eagle Rock(USA) sowie Projekte zur Urangewinnung in Niger und Namibia verschieben bzw. aufgeben.[14] In diesem Zusammenhang erklärte auch der bisherige Deutschland-Chef Ulrich Gräber seinen Rücktritt.[15]
Ende 2014 gab Areva bekannt, dass der Konzern Verluste schreibt, zudem wurde die Gewinnprognose für 2015 und 2016 zurückgenommen. Daraufhin brach der Aktienkurs um 20 % ein. Hintergrund sind die Verzögerungen bei den laufenden Kernkraftwerksprojekten in Olkiluoto und Flamanville, bei denen die ursprünglich geplante Bauzeiten um einige Jahre verlängert und sich die Kosten von jeweils ca. 3 Mrd. Euro auf etwa 9 Mrd. Euro verdreifacht hatten. Zudem waren durch die weltweite Krise der Kernenergiebranche, die Nuklearkatastrophe von Fukushima und den Atomausstieg Neuaufträge eingebrochen; ein neues Kraftwerksprojekt war zuletzt sieben Jahre zuvor vereinbart worden. Um den Konzern vor der Insolvenz zu bewahren, soll der französische Staat weitere Anteile in Höhe von 2 Mrd. Euro übernehmen, zudem sollen defizitäre Teilbereiche des Konzerns in Bad Banks ausgelagert werden.[16][17][18]
Im Frühjahr 2015 wurde bekanntgegeben, dass der Standort Offenbach bis Mitte 2016 geschlossen wird und die Arbeitsplätze nach Erlangen und Karlstein verlagert werden.[19] Im Juni 2016 war die Verlagerung abgeschlossen.[20][Areva, Krise, Wikipedia, abgerufen am 29.10.2016]
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Areva, de fiasco en scandale d'Etat - Pièces à conviction [45:45]

Veröffentlicht am 16.06.2016
Le magazine « Pièces à conviction » enquête, à charge, sur les volets les plus sulfureux et coûteux du dossier Areva, et le rôle d'Anne Lauvergeon, qui a incarné le nucléaire français durant une décennie.
Documentaire diffusé sur France 3 dans Pièce à Conviction

Pièces à conviction - Uramin-Areva, la suite [21:52]

Veröffentlicht am 21.10.2016
Depuis trois ans, Pascal Henry enquête sur "l'affaire" Areva. A travers des témoignages inédits, "Pièces à conviction" révèle des enjeux politiques, des jeux de pouvoir jusqu'au plus haut sommet de l'Etat et des alliances secrètes entre les différents protagonistes. Le naufrage d'Areva résulte-t-il de mauvais choix ou est-il le fruit d'une opération qui visait à tuer et dépecer le géant français du nucléaire ?
En 2013, Areva a basculé dans la rubrique des faits divers après l'achat en 2007, à prix d'or d'une obscure société minière baptisée UraMin. Une acquisition en Afrique devenue un véritable boulet pour Areva. Mais au-delà d'UraMin, c'est la gestion et l'attitude d'Anne Lauvergeon, présidente du directoire de la multinationale française de 2001 à 2011, qui sont mis en cause.
CAT&Cie Productions

siehe auch:
- AREVA & URAMIN – Eine Zeitbombe der französischen Atomindustrie (Arte.tv, Info, Datum unbekannt)
- Wer gegen sie ist, wird überrannt (Michael Mönninger, ZON, 01.02.2007)
- Areva will weltweit ein Drittel der neuen Kernkraftwerke bauen (Florian Rötzer, Telepolis, 21.12.2007)
- "Atomic Anne" ist wieder da (Hans-Hagen Bremer, Tagesspiegel, 31.03.2011)
- Areva-Chefin Lauvergeon: Frankreichs bekannteste Topmanagerin muss gehen (Holger Alich, Wirtschaftswoche, 16.06.2011)
- Kernenergie: Erhöhte Aktivität (Gero von Randow, ZON; 22.06.2011)
- Deutsche Beteiligung an zweifelhaften EU-Missionen in der Demokratischen Republik Kongo (Christoph, Marischka, Telepolis, 06.07.2011, gefunden bei Informationsstelle Militarisierung e.V.)
- Atomenergie in Frankreich (Gar Nix, Ueberhauptgarnix, 21.07.2011)
- AREVA, EPR und Macht: AREVA Plutonium & Uran töten (nicht nur) in Fukushima (mitwelt, 09.01.2015)
- AREVA: Der tiefe Sturz der französischen Nuklear-Legende (n-24, 28.04.2015)
- Ex-Areva-Chefin Lauvergeon soll EADS-Verwaltungsratschefin werden (ZON, 28.01.2016)
- VIDEO. Pièces à conviction. Anne Lauvergeon, l'ancienne patronne controversée d'Areva (FrancetvInfo, 16.02.2016)
- Der verfängliche Ehemann von Anne Lauvergeon (Arte-Info, 24.05.2016)
- "Lauvergeon schummelt nicht" (Arte-Info, 24.05.2016)
- Uramin: Anne Lauvergeon chez les juges pour une confrontation (le Parisien, 28.09.2016)
- Areva : Anne Lauvergeon chez les juges sur le dossier Uramin (le Parisien, 28.09.2016)
- La justice met en cause un ex-dirigeant d'Areva pour le désastre financier qui a plombé le spécialiste du nucléaire (Reuters, Bussinessinsider.fr, 12.10.2016)
- Uramin : Anne Lauvergeon conteste avoir caché les difficultés d'Areva (La Tribune.fr, 20.10.2016)
- Anne Lauvergeon defends disastrous uranium deal (AFR Weekend, 28.10.2016)

mein Kommentar:

Ich werde den Verdacht nicht los, daß diese angebliche Pleite ein abgekartetes Spiel war: da hat eine Seilschaft gut vernetzter »Leistungsträger« Konkurs in die eigene Tasche gemacht!
Mit großem Genuß zitiere ich aus einem viereinhalb Jahre alten Artikel in der ZEIT:
Gleich zu Beginn der Finanzkrise sah das Magazin der Süddeutschen Zeitung, wie sich ein unheimlicher Penis der Zerstörung erhob. Neben dem Foto eines erigierten Büroturms und unter der moralstickigen Überschrift  Hochmut kommt vor dem Phall schrieb das Blatt: »Die Wirtschaftskrise ist vor allem eine Krise der Männer.« Um in Klammern und kokett hinzuzufügen: »Im Ernst: Wäre Frauen der ganze Mist passiert?« Die einzig sinnvolle Antwort »Klar, warum denn nicht?« fiel dem Autor nicht ein. [Geschlechterverhältnis – Das verteufelte Geschlecht, Christoph Kucklick, ZEIT Online, 08.05.2012, man beachte auch die Kommentare] 

Freitag, 28. Oktober 2016

CETA, TTIP, der nächste GAU, die gallischen Dörfer und ein Dylan-Film

Die Wallonie steht mit ihrer Gegnerschaft zu CETA in Europa nicht alleine da
Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk heißt es derzeit, die Wallonie, in der nur 0,7 Prozent der Bürger der EU-Mitgliedsländer lebten, blockiere für alle 510,06 Millionen Einwohner das Freihandelsabkommen CETA. Das kann man so sehen - oder auch nicht.

Geht man nämlich nicht nur in Belgien, sondern auch in anderen europäischen Ländern auf die Ebenen unterhalb der Nationalparlamente, dann stellt sich die Situation etwas anders dar: Hier haben sich inzwischen 2.087 Regionen und Kommunen explizit gegen CETA und dessen großen Bruder TTIP ausgesprochen - darunter auch Metropolen wie Amsterdam, Edinburgh, Barcelona, Mailand und Wien.

mehr:
- 2.087 kleine und große gallische Dörfer (Peter Mühlbauer, Telepolis, 26.10.2016)

siehe auch:

- Die Seiteneinsteigerin (Christian Füller, Freitag, 27.10.2016)
- Die Legende vom freundlichen Kanadier (Jesse Brown, der Freitag, 26.10.2016)
- Hatte Bertrand Russell Recht? (Hans Springstein, der Freitag, 25.10.2016)
- CETA/Wallonie: "RWMM - Lückenpresse - Lügen. (Pregetter Otmar, Freitag-Community, 27.10.2016)
- "Der Großteil versteht die Sanktionen nicht" (Ulrich Heyden, Freitag, Community, 25.10.2016)
- Belgische Blockade – Ein Lob den Ceta-Feilschern (David Böcking, SPON, 26.10.2016)
- Das Waterloo der Handelspolitik (Eric Bonse, Cicero, 27.10.2016)
- Weniger Freihandel wagen (Harald Klimenta, Telepolis, 29.10.2016)

Muß ich jetzt erklären, weshalb ich den folgenden Filmausschnitt hier reingesetzt habe? – und was das mit dem blöden weißen Kaninchen soll?

- und ob die Tatsache, daß Dylan einen Hut trägt, was damit zu tun hat, daß das Kaninchen anscheinend geköpft wird? und und und…

Masked and Anonymous - Beautiful Animals [3:38]


Veröffentlicht am 21.06.2012
Scene from the movie Masked and Anonymous (I do not own the rights to this video nor do I stand to profit from its use)

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Die professionellen Filmkritiker konnten mit dem Film so recht nichts anfangen und gaben ihm im Durchschnitt lediglich 33 von 100 Punkten.[2] Exemplarisch schreibt Lisa Schwarzbaum in der Entertainment Weekly: "Es erfordert enorme Zurückhaltung, nicht zu dem Schluss zu kommen, dass dieses unterhaltsam apokalyptische Chaos von Nichts handelt, denn es könnte genau so gut von Allem handeln. Aber ich bezweifle es." (Requires tremendous restraint not to conclude that this entertainingly apocalyptic mess is about nothing, since it may well be about everything. But I doubt it)[3]
Hauptkritikpunkte waren, dass
  • der Film, anders als "normale" Hollywoodproduktionen, nicht die Handlung in den Vordergrund stelle
  • einige Rollen jeweils nur aus einem langen Monolog bestehen
  • der Film keine Antworten gebe auf die Fragen, die er aufwirft
Ann Hornaday nannte den Film in der Washington Post immerhin eine "faszinierende, irritierende, tolerante, visionäre, prätentiöse, hypnotisierende Popkultur-Kuriosität" (a fascinating, vexing, indulgent, visionary, pretentious, mesmerizing pop culture curio) [4]
Das Lexikon des internationalen Films meinte: „Rätselhafter Film, in dem der Sänger Bob Dylan ein resigniertes Resümee zieht und angesichts der allgemeinen Verlogenheit alle Werte und Überzeugungen in Frage stellt. Der unfertig wirkende, teilweise absurde Film bezieht einen Teil seiner Wirkung aus den neu arrangierten Liedern Dylans sowie Gastauftritten vieler mitunter bis zur Unkenntlichkeit verkleideten Stars. [Masked and Anonymous, Kritik, Wikipedia, abgerufen am 28.10.2016]
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»This thing I feel, I can’t name it straight out but it seems important, do you feel it too?’ — this sort of direct question is not for the squeamish.« [David Foster Wallace, Octet]
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„Der Schnitt, der in dieser legendären Eröffnungsszene das Auge durchtrennt, wird letztlich nicht vom Rasiermesser, sondern von der filmischen Montage ausgeführt. Auf geniale Weise verschränken sich hier Form und Inhalt: erst der Filmschnitt gebiert den Schnitt durchs Auge, der wiederum den Filmschnitt symbolisiert. Denn wie das Messer das Organ der Erkenntnis durchtrennt, so zerschneidet die Montage die narrative Kohärenz des Filmes. Und so wie der Mann seine Rasierklinge an das Auge der Frau legte, legten Buñuel und Dali ihre Klingen an das Auge des Zuschauers.“
– Stefan Volk: Skandalfilme[6]
„So überraschend, wie gerne behauptet wird, ist der Schnitt durchs Auge nämlich gar nicht. Vielmehr wird der Zuschauer präzise darauf vorbereitet und das mit absolut klassischen filmischen Mitteln […] Das Erschreckende dieses Anblicks beruht gerade nicht darauf, dass er uns vollkommen unvermittelt trifft, sondern vielmehr dass wir ihn bereits beim Bild des geteilten Mondes ahnen. Was als grosser Tabubruch in die Filmgeschichte eingehen sollte, ist zugleich das Schulbuchbeispiel eines Match Cut. […] Der surrealistische Überraschungseffekt von Un chien andalou entspringt somit erst aus einer absoluten Beherrschung der gängigen Erzähltechniken des Kinos.“
– Johannes Binotto: Für ein unreines Kino: Film und Surrealismus[7]
„Ein Klassiker der Filmkunst, an dessen Drehbuch der surrealistische Maler Salvatore Dali mitwirkte. Thematisch nicht durchaus erfreulich, in der surrealistischen Gestaltung kühn und einfallsreich. Von hier aus gesehen nicht nur filmhistorisch interessant.“  
– Evangelischer Filmbeobachter[8]  [Ein andalusischer Hund, Rezensionen, Wikipedia, abgerufen am 28.10.2016]
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mein Kommentar:
Der Film gibt keine Antworten auf die Fragen, die er aufwirft?
Die Reaktionen der Kritiker sind die Antwort!

[Quelle: Lang gedacht, nichts verstanden]
- und manchmal reichts auch schon, einfach nur den Kopf aus dem Sand zu nehmen!

und noch was:
Während in allen möglichen alternativen Medien in den letzten Monaten vor den Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada gewarnt wurde, wurden die Schlußverhandlungen mit Belgien in den Fernsehnachrichten durch die Bank weg als GAU oder Beihnahe-GAU und die EU als handlungsunfähig dargestellt. Fällt jemandem dazu was ein?
Vielleicht das weiße Kaninchen im Dylan-Film?
Was hat die Darstellung der EU als handlungsunfähig für Konsequenzen?
Daß, um Handlungsfähigkeit zu beweisen, TTIP von der EU durchgewinkt wird?
Nach dem Motto »Inhalte überwinden«? (siehe oben verlinkten SPON-Artikel)