Mittwoch, 6. Mai 2020

Fernsehempfehlung: »Diplomatie«

DIPLOMATIE (ein Film von Volker Schlöndorff) | im kult.kino Basel {2:06}

kultkino Basel
Am 01.09.2014 veröffentlicht 
In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944 liegt das Schicksal der französischen Hauptstadt Paris in den Händen des deutschen Generals von Choltitz. Doch der deutsche Stadtkommandant steht vor einer moralischen Zwickmühle: Soll er, wie von Hitler befohlen, die Stadt um jeden Preis verteidigen und wenn nötig, ganz Paris durch Minen und Bomben in Asche legen? Oder soll er doch kapitulieren, tausende Menschen vor dem Tod retten sowie die historische Architektur der französischen Hauptstadt verschonen? Der deutsche General kämpft mit seinem Gewissen und der schwedische Generalkonsul Raoul Nordling versucht mit allen diplomatischen und rhetorischen Mitteln, die Stadt vor der Zerstörung zu bewahren.
Nach dem gleichnamigen Theaterstück von Cyril Gély inszeniert Volker Schlöndorff ein psychologisch ausgefeiltes Duell der Worte zwischen zwei völlig gegensätzlichen Charakteren und kreiert ein intelligentes und fesselndes Kammerspiel zwischen Realität und Fikition.
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Raoul Nils André Nordling (* 11. November 1882 in Paris; † 1. Oktober 1962 in Neuilly-sur-Seine[1]) war ein schwedischer Diplomat und Geschäftsmann. Er besuchte das Pariser Traditionsgymnasium Lycée Janson de Sailly und trat in die Firma seines Vaters ein. Von ihm übernahm er auch das Amt des Generalkonsuls.[2]
Bekannt wurde Nordling durch seine Vermittlung zwischen der französischen Résistance und dem deutschen Stadtkommandanten General Dietrich von Choltitz im Jahr 1944. Nordling war damals Generalkonsul Schwedens in Paris.
Das Ergebnis der Verhandlungen war, dass die von Adolf Hitler befohlene Zerstörung von Paris verhindert werden konnte.[3] Für seine Verdienste wurde er 1949 mit dem Croix de Guerre[4] und 1958 mit dem Großkreuz der Ehrenlegion[5] ausgezeichnet.
[Raoul Nordling, Wikipedia, abgerufen am 06.05.2020]
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heute noch in der Arte-Mediathek
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Hypnosetag 97: Datensammelwut



Während die Aufmerksamkeit auf den Immunitätsnachweis gerichtet ist, plant Spahn mit seinem zweiten Pandemieschutzgesetz unverhältnismäßige Grundrechtseingriffe. Der fleißige Herr Spahn – Mit Vollgas gegen den Datenschutz – Teil 4


Noch vor einigen Wochen hatte der Bundesgesundheitsminister die Bedeutung des rechtsstaatlichen Verhältnismäßigkeitsprinzips hervorgehoben. Auf die Frage von ARD-Moderator Zamperoni, ob man nicht besser den Karneval abgesagt hätte, entgegnete Spahn [1]: "Die Frage ist natürlich immer auch die der Verhältnismäßigkeit."

Das war Ende Februar. Jetzt muss sich der Bundesgesundheitsminister den Vorwurf gefallen lassen, bei seiner Sammelleidenschaft für Gesundheitsdaten jedes Maß zu verlieren. Dabei geht es um den Entwurf eines zweiten Pandemieschutzgesetzes, den Spahn letzte Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt hat und über den der Bundestag am 07. Mai berät.

Das "nötige Augenmaß" fehlt, kritisiert Ulrich Kelber den Gesetzesentwurf. Die Liste der Kritikpunkte in der Stellungnahme des Bundesdatenschutzbeauftragten ist lang: fehlende Erforderlichkeit, fehlende Verhältnismäßigkeit der Datensammlung, fehlende Begründungen für Grundrechtseingriffe und vieles mehr. Kelbers Gesamturteil:

Insgesamt tragen die vorgesehenen Regelungen der Bedeutung des Datenschutzes als Schutz des Grundrechts der Bürgerinnen und Bürger auf informationelle Selbstbestimmung nicht gebührend Rechnung.
Ulrich Kelber
Worum geht es konkret? Der Entwurf eines Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite sieht eine erhebliche Ausweitung der im Infektionsschutzgesetz (IfSG) vorgesehenen Meldepflichten vor.

mehr:
- Corona-Krise: Spahn will auch Daten von Nicht-Infizierten (Brigitta Engel, Telepolis, 06.05.2020)
siehe auch:
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Das Netzwerk-Durchsetzungsgesetz: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!



Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte über Meinungsfreiheit in der Neuen Normalität. Die ersten Folgen lauteten Der Lockdown und die Tagesschau und Die Tribute von Coronam.

Das letzte der drei Interviews zum Lockdown, die ich dem Onlinemagazin Punkt.Preradovic gab, erreichte in Windeseile über 150.000 Aufrufe, wurde dann aber von Youtube gelöscht, da es gegen die Richtlinien verstoße. Gegen welche Richtlinie genau und inwiefern teilte man Punkt.Preradovic nicht mit. Während wir noch nach der Ursache fahndeten, schrieb uns Wulf Rohwedder, der im „Faktencheck“ eine meiner Aussagen in ihr Gegenteil verkehrt hatte und das später korrigieren musste.

Rohwedder gab an, die Löschung des Interviews auf Youtube erwirkt zu haben, weil darin „mehrfach die Unwahrheit“ gesagt werde, außerdem drohte er für den Fall, dass die Aufzeichnung wieder hochgeladen werde, mit rechtlichen Schritten – er habe die Angelegenheit inzwischen Anwälten und Strafverfolgungsbehörden übergeben. Welche meiner sorgfältig belegten Aussagen unwahr seien, ließ Rohwedder offen. Vermutlich ist der NDR auf seinen Rufmordversuch ebenso hereingefallen wie zahlreiche Leser, die sich in meiner Inbox beschwerten, warum ein Universitätsprofessor solchen Nonsens verbreite. Gestern hat mich der NDR übrigens auf der Samstags-Demo in Hannover interviewt.

mehr:
- Die Früchtchen der Netzwerk-Durchsetzung (Stefan Homburg, AchGut, 03.05.2020)
siehe auch:
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Hypnosetag 97: Aneinander-vorbei-Reden, Desorientierung und Überdruß


Corona bedeutet im poetischen Sinne Krone, Kranz, verstanden als Auszeichnung, als Schmuck. Im gesellschaftlichen Sinne bedeutet Corona Versammlung und im militärischen Verständnis versteht man unter Corona eine Einschließungslinie. Nimmt man diese doch sehr verschiedenen Bedeutungen zum Ausgangspunkt, hat man schon eine gute Basis, um das Thema vielseitig anzugehen.

Der Kapitalismus ist der Wirt, COVID-19 nur (s)ein Gast.

Man kann nach über vier Wochen Pandemie-Erfahrung nicht behaupten, es gäbe zu wenig Informationen über das, was es mit dem Virus COVID-19 auf sich hat, wie man sich schützen kann, was mit der Bekämpfung der Pandemie wenig bis gar nichts zu tun hat. Auch der mancherorts erhobene Vorwurf, es gäbe zu wenig Gegenstimmen zur offiziellen Linie, ist nicht haltbar, da immer mehr Menschen den öffentlich-rechtlich-privaten Mediensektor schon lange nicht mehr als die einzige Informationsquelle nutzen.

Dennoch formieren sich in diesem Meinungskampf scheinbar zwei Lager, die im Großen und Ganzen die Konfliktlinien kondensieren: Es gehe um Drosten versus Wodarg. Prof. Drosten, Institutsdirektor der Charité in Berlin, steht für die offizielle Linie der Bundesregierung. Dr. Wodarg steht für eine regierungskritische Haltung und betont dabei, dass viel zu oft „Sekundärinteressen aus Wirtschaft und/oder Politik“ im Spiel sind. Der folgende Beitrag möchte diese Spielfeldmarkierungen ignorieren.

Wahrscheinlich geht es vielen so: Man blickt nicht mehr durch, je mehr Meinungen, Standpunkte, Blickwinkel dazukommen. Vor lauter Wald sieht man überall nur noch Bäume und verliert den Überblick … und den (roten) Faden. Nicht wenige steigen aus, wollen nichts mehr hören, sind aber auch der „Streitkultur“, dem aneinander vorbei Reden, überdrüssig.

mehr:
- Einige Überlegungen zu Corona und den „Nebenwirkungen“ (Wolf Wetzel, NachDenkSeiten, 06.05.2020)
siehe auch:
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Hypnosetag 97: »Wirrkopf« Rainald Becker verbreitet sein Herzensanliegen in den Tagesthemen vom 06.05.2020

SO NICHT, liebe ARD!!! {14:40}

Gunnar Kaiser
Am 08.05.2020 veröffentlicht 
Wie soll die neue Normalität nach Corona denn aussehen?
Ich stelle fünf Gesellschaftsutopien verschiedenster Couleur vor.
Quelle:
Tagesthemen vom 6. 5. 2020 www.youtube.com/watch?v=16m0mpfQYQc
Aufruf in Le Monde: https://www.lemonde.fr/idees/article/...
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siehe auch:
Ihr Fokus: Nachrichtensendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – ob Tageschau oder Panorama, sie nehmen verschiedene Formate unter die Lupe. Ihre Kritik: Einseitige, unausgewogene, tendenziöse, manipulative, desinformative Berichterstattung – wichtige Ereignisse werden weggelassen, andere falsch dargestellt oder durch die Nutzung bestimmter Begriffen schon eine Deutung nahegelegt. Ihr Mittel: Öffentliche Programmbeschwerden – eine im Rundfunkstaatsvertrag festgelegte formelle Beschwerdemöglichkeit.
Dafür arbeiten sie sechs bis acht Stunden, manchmal auch zehn Stunden am Tag. Möglich ist das für Klinkhammer und Bräutigam, da sie beide Rentner sind. Als Maren Müller den Verein startete ging sie gerade keiner Erwerbsarbeit nach. Die 50 ordentlichen Mitglieder des Vereins blieben „leider sehr passiv“, sie machte die Hauptarbeit. Seit ihrem neuen Job kann sie das Arbeitspensum für Blog und Verein kaum mehr leisten. Die Aufgaben von Müller, Klinkhammer und Bräutigam bestehen darin, Sendungen anzusehen, danach weitere Quellen zu recherchieren und darüber zu schreiben. Sie verfassen Programmbeschwerden, mittlerweile haben sie über 400 eingereicht. Bisher wurden alle abgelehnt. Auch auf die Ablehnungen antworten sie wieder.
Ihre Artikel veröffentlichen sie auf dem Blog der Publikumskonferenz, Klinkhammer und Bräutigam haben bedienen außerdem monatlich ihre Kolumne „Wunderlampe“ bei Rubikon. Manche ihrer Texte landen auf den Nachdenkseiten, andere werden bei RT Deutschland veröffentlicht. Mit dem russischen Sender in Verbindung zu stehen, macht Klinkhammer nichts aus. Er sagt, er würde seine Texte auch bei der Bild Zeitung veröffentlichen, wenn sie das wöllte. Wichtiger als die Plattform ist ihm, dass ihre Artikel viele Menschen erreichen. Daher auch die Sprache: Bräutigam werden oft seine derben oder harschen Formulierungen vorgeworfen. Er findet, man solle die Sachen sagen, wie sie sind. Außerdem würden eben viele Menschen so eine Sprache sprechen und nur wenn man diese vielen Menschen erreiche, könne sich überhaupt etwas ändern.
Ändert sich denn etwas? Der Eindruck der drei Medienkritiker_innen ist, dass die öffentliche-rechtlichen Nachrichtensendungen „immer schlimmer, immer dreister“ werden. Sie glauben, dass sie zu dritt „nicht gewinnen können“, haben nicht die Erwartungen, dass ihre Programmbeschwerden wirklich etwas am Programm ändern. Sie verstehen ihre Arbeit als Aufklärung. Sie schreiben für die Netzöffentlichkeit, für das interessierte Publikum – immerhin, bis zu 30.000 Menschen klicken ihre Artikel an. Müller meint, man könne zwar nichts Großes ausrichten, aber immerhin stören – wie eine Mücke im Schlafzimmer! Immerhin: Einmal musste Thomas Roth sich aufgrund einer Programmbeschwerde öffentlich entschuldigen.
Auch innerhalb der Öffentlich-Rechtlichen rumort es. Einige Mitarbeiter_innen freuen sich über die Programmbeschwerden ihrer ehemaligen Kollegen. Mittlerweile arbeiten die meisten Journalist_innen als Freie und in solch prekären Verhältnisse wage es keiner mehr, sich selbst kritisch zu äußern. In früheren Zeiten sei das noch gegangen, als Festangestellte konnte man interne Kritik äußern.
[Sevda Can Arslan, Die Mücke im Schlafzimmer – Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus der Zivilgesellschaft, Media Future Lab, 21.06.2020]
ein eindrucksvolles Beispiel, was sich Nachrichtensprecher im Öffentlich-Rechtlichen inzwischen erlauben können:

Uli Gellermann: Ab heute wird zurückgeschossen - ZDF beginnt 3. Weltkrieg {13:54}

weltnetzTV
Am 09.04.2019 veröffentlicht 
Am 4. April 2019 hat Claus Kleber im ZDF heute-journal den 3. Weltkrieg ausgerufen. In seiner Ansprache schockte er die Zuschauer mit den Worten:
„Guten Abend, zu Wasser und zu Luft sind heute Nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben.“
Erst nach einer Kunstpause löste Kleber das Horrorszenario auf und erklärte, es handele sich „nur [um] eine Vision. Aber eine realistische“. Anlass für diesen Tiefpunkt des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks war der 70. Jahrestag der NATO-Gründung. Claus Kleber wollte offensichtlich für die NATO werben und die Zuschauer eindringlich von der Notwendigkeit des (Angriffs-)Bündnisses überzeugen. Somit erfand er einen Feldzug deutscher Soldaten zusammen mit der NATO gegen Russland.
weltnetz.tv sprach mit Uli Gellermann (Journalist und Filmemacher) über diese geschmacklose Entgleisung sowie Verletzung der journalistischen Standards im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und warum sie in den deutschen Medien totgeschwiegen wird.

- Endlich: Die Gniffke-Truppe wird von Bräutigam und Klinkhammer ordentlich abgewatscht (Post, 19.05.2018)