Mittwoch, 24. April 2019

Opfer sexueller Gewalt: Ein Urteil, das als historisch gilt

Ein prominenter Politiker warf Frauen vor zu lügen, weil sie ihm Übergriffe vorwerfen. Jetzt hat ein Gericht die Frauen freigesprochen. Das Urteil gilt als historisch.
In Frankreich hat der grüne Politiker Denis Baupin mehrere grüne Politikerinnen und frühere Mitarbeiterinnen wegen übler Nachrede vor Gericht gezerrt, weil sie ihm sexuelle Belästigung vorwerfen. Sie hatten ihre Vorwürfe vor drei Jahren in «France Inter» und der Onlinezeitung «Mediapart» öffentlich gemacht. Drei Betroffene erstatteten Anzeige gegen Baupin.
«Belästigte, schweigt nicht mehr!»
Jetzt hat ein Bezirksgericht in Paris alle Frauen vom Vorwurf gelogen zu haben freigesprochen, berichtet «Le Monde». Das Gericht verurteilte Baupin sogar wegen Rechtsmissbrauchs. Deshalb muss er nun allen Frauen je 500 Euro Schadenersatz und Genugtuung zahlen (560 Franken). Isabelle Attard, Abgeordnete im französischen Parlament, sprach von einem wegweisenden Urteil für alle Opfer sexueller Gewalt. Baupin sei es nicht gelungen, die Frauen zum Schweigen zu bringen. Ihre Parteikollegin Annie Lahmer twitterte: «Wir haben gewonnen! Belästigte, Begrapschte, schweigt nicht mehr!».
mehr:
- Sieg für Opfer sexueller Gewalt (Frauensicht.ch, 24.04.2019)

Das neue alte Kleid des US-Imperialismus

Sicherheitsberater wirbt für direktere Einflussnahme Washingtons in Lateinamerika und Karibik. Abkehr von der Regionalpolitik Obamas

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump strebt nach Auskunft hochrangiger Vertreter eine Rückkehr zur traditionellen Hinterhof-Politik in Lateinamerika und der Karibik an. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton hatte in diesem Zusammenhang unlängst neue Sanktionen gegen Venezuela, Kuba und Nicaragua angekündigt (USA haben weitere Sanktionen gegen die "Troika der Tyrannei" verhängt). Zugleich bekräftigte er die Gültigkeit der sogenannten Monroe-Doktrin. "Heute verkünden wir stolz, dass alle es hören: Die Monroe-Doktrin ist lebendig und sie ist eine gute Doktrin", sagte Bolton in Miami vor Veteranen der gescheiterten Invasion in der kubanischen Schweinebucht im Jahr 1961.

Die 1823 verfasste Monroe-Doktrin bildet seit fast 200 Jahren die Grundlage einer Null-Toleranz-Politik der USA gegen den Einfluss europäischer und weiterer Mächte auf dem amerikanischen Kontinent. Das ursprünglich progressive, weil antiimperialistische Konzept wurde später ins Gegenteil verkehrt: Mit dem Aufstieg zur Großmacht und spätestens mit Beginn des Kalten Krieges beriefen sich die USA auf die Monroe-Doktrin, um in Lateinamerika und der Karibik zu intervenieren.

mehr:
- USA kehren nun auch offiziell zur Monroe-Doktrin zurück (Harald Neuber, Telepolis, 24.04.2019)
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Bitterböses Syrien-Theater

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Der Kriegswille des Wertewestens gegenüber Syrien ist ungebrochen.
Diese Destruktivität einer sich selbst als Wertegemeinschaft gebenden Allianz hat zu millionenfachem Elend in Syrien geführt. Den Preis des von den westlichen Moralaposteln gern als Transformation bezeichneten angestrebten gewaltsamen Regierungswechsels in Damaskus bezahlt das gesamte syrische Volk. Allerdings: Wenn auch langsam, so doch stetig entgleitet den “kreativen Zerstörern” so nach und nach ihr Projekt.

Der Irak und Syrien schaffen konkrete Voraussetzungen, um die gemeinsame Grenze bei al-Bukamal für den Privat- und Gütertransfer zu öffnen. In spätestens sechs Monaten soll es einen regulären Grenzverkehr am Übergang al-Qaim geben. Dass es den bisher nicht gab – die Nutzung hätte theoretisch Ende 2017 beginnen können -, hat mit den ungebetenen Gästen zu tun, die sich ganz in der Nähe dieses Übergangs herumtreiben. Deshalb ist eine enge militärische Koordination zur Gewährleistung der Sicherheit in diesem Gebiet erforderlich. Wärmebildkameras sollen installiert werden und vorrangig die irakischen Luftstreitkräfte werden sich um die Überwachung und den Schutz aus der Luft kümmern. (1,2)
Die internationale Fernstraße zwischen Bagdad und Damaskus muss dafür sicherer gemacht werden, weshalb Verstärkungen der Syrischen Arabischen Armee zum Militärstützpunkt an der Pumpstation T2 (nordwestlich von al-Bukamal) entsandt wurden. Das allein wird jedoch kaum genügen, denn ganz in der Nähe treten ja noch immer fremde Besatzerstiefel syrischen Boden (3, weiter unten dazu mehr).
Zudem ist ein offizieller Besuch von Syriens Präsident Baschar al-Assad im Irak – wahrscheinlich im Mai – geplant (4). Weiterhin nahm dieser Tage eine Delegation der syrischen Volksversammlung an einer Konferenz der Parlamente irakischer Nachbarstaaten in Bagdad teil. Die Delegation wurde persönlich durch den Sprecher des irakischen Parlaments Mohammad al-Halbousi und im Beisein weiterer Parlamentsmitglieder empfangen (5). Und natürlich sind auch Vertreter des iranischen Parlaments Teilnehmer der Konferenz (6).
mehr:
- Bitterböses Syrien-Theater (Peter Frey, Peds Ansichten, 24.04.2019)
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Starker Anstieg von psychischen Störungen bei jungen Menschen

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US-Studie postuliert einen Generationenbruch mit der Zunahme von Depressionen, starkem Stress und Selbstmordgedanken durch die starke Nutzung des Internet und der sozialen Netzwerke bei jungen Amerikanern
Psychologen wollen eine Veränderung in der Befindlichkeit der jungen Amerikaner unter 26 Jahren festgestellt haben. Und diese soll sich auch noch relativ schnell ergeben haben. Jugendliche und junge Menschen unter 26 Jahren sollen nämlich in den späten 2010er Jahren mehr psychische Störungen wie schweren Stress, starke Depressionen oder Selbstmordgedanken bis zu versuchten Selbstmorden zeigen, als dies noch Ende der 2000er Jahre der Fall war. Bei den Menschen über 26 Jahren lässt sich der Trend nach den Wissenschaftlern hingegen nicht beobachten, die daher von einem Generationswechsel sprechen - und vermuten, dass dies mit den Sozialen Netzwerken zu tun haben könnte.
Die Psychologen von der San Diego University unter der Leitung von Jean Twenge haben für ihre Studie, die im Journal of Abnormal Psychology erschienen ist, Daten einer nationalen, repräsentativen Erhebung über Drogen- und Alkoholkonsum, psychische Gesundheit und andere Gesundheitsinformationen ausgewertet. Für die Erhebung, die seit 1971 gemacht wird, werden Amerikaner ab dem Alter von 12 Jahren befragt. Einbezogen wurden die Antworten von mehr als 200.000 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren von 2005 bis 2017 und von fast 400.000 Erwachsenen von 2008 bis 2017.
Die Zahl der Jugendlichen, die für das letzte Jahr vor der Befragung Symptome angaben, die auf eine schwere Depression hinweisen, stieg von 8,7 auf 13,2 Prozent und nahm damit um 52 Prozent zu. Noch stärker war die Zunahme bei den jungen Erwachsenen (18-25 Jahre) mit 63 Prozent. Der Anteil stieg von 8,1 Prozent im Jahr 2009 auf 13,2 Prozent in 2017. Bei den Älteren ließ sich zwischen 2005 und 2017 unter den 26-29-Jährigen noch ein Anstieg von Depressionen um 29 Prozent feststellen, in den anderen Altersgruppen wurden sie weniger, um dann bei den Über-65-Jährigen wieder anzusteigen, wenn auch mit 30 Prozent geringer als bei den Jungen.
mehr:
- Starker Anstieg von psychischen Störungen bei jungen Menschen (Florian Rötzer, Telepolis, 24.04.2019)
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