Dienstag, 1. Mai 2012

»Zeichen der Unfreiheit in unserer freien Welt«


Warum die Krankheit Antisemitismus bis heute weiterlebt.
Anmerkungen eines Freundes Israels zur Grass-Debatte

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Von Paul Oestreicher

Nur mit Gewalt, nur mit Terror war es möglich, einen jüdischen Staat auf dem Boden Palästinas zu gründen. David Ben Gurion, der Vater des modernen Israels, hat es selber so dargestellt: »Wäre ich ein Palästinenser, hätte auch ich um meinen Heimathoden gekämpft.« Die neuen Ankömmlinge siegten. Sie waren unerbittlich. Sie waren zum großen Teil die Überlebenden des Massenmordes am jüdischen Volk. So wie die Deutschen in Schlesien und Ostpreußen wurde eine gute Hälfte der Palästinenser in die Flucht getrieben. Unzählige ihrer Dörfer wurden vernichtet. Der Gründungstag Israels war der »Tag der Tragödie« für die Palästinenser. So begann der tragische Konflikt, der heute noch andauert.

Die Welt hat ein hartes Urteil getroffen, und es musste so kommen. Eine Heimat für das geschundene jüdische Volk war ihnen nicht mehr zu verwehren. Ihnen wurde etwas mehr als die Hälfte des kleinen Landes zugesprochen, den Palästinensern das, was übrig blieb. Ohne Auschwitz gäbe es den Staat Israel nicht. So wurden auch indirekt die arabischen Bewohner des Landes zu Opfern des Nazi-Terrors. Sie bekamen aber keine Wiedergutmachung vom reichen Deutschland. Auch ihre arabischen Nachbarn kamen ihnen kaum zur Hilfe. Sie wehrten sich, wurden aber immer wieder besiegt. Das kleine Israel wurde unter dem Schutzmantel der USA zu einer der stärksten Militärmächte der Welt.

Siegreich hat Israel im Laufe des Konfliktes ganz Palästina besetzt, hat das Nachbarland jüdisch besiedelt und hält es unter einem harten Joch. Widerstand hat sich immer wieder als sinnlos erwiesen. Trotzdem und deswegen lebt Israel, leben fast alle Israelis in permanenter Angst. Diese Angst ist in der Gegenwart nicht unberechtigt und ist angesichts der jahrhundertelangen Verfolgung des jüdischen Volkes, meist durch Christen, aber auch durch den Islam, nicht verwunderlich. Die Krankheit Antisemitismus lebt weiter und findet in der heutigen Politik Israels immer neuen Nährboden. Kollektive Angst ist ein schlechter politischer Wegweiser, führt leicht zu Hass, zur Intoleranz, zum Rassismus, den Wahrzeichen des hochmilitarisierten Israels. Dieses Land glaubt es sich leisten zu können, die Beschlüsse der Vereinten Nationen – denen Israel seine Geburt verdankt – konsequent zumissachten.

Dieses Israel hat sich zur einzigen Atommacht im Mittelmeerraum gemacht. Dieses Israel droht nun Iran anzugreifen, in der Vermutung, Iran habe die Absicht, nichts anderes zu tun, als das, was Israel schon längst getan hat. Die Konsequenzen eines solchen Angriffes wären unermesslich. All das – so sagt »Political Correctness« – darf vor allem angesichts der deutschen Schuld von keinem Deutschen und angesichts der christlichen Schuld von keinem Christen ausgesprochen werden. Wer es doch ausspricht, wird gleich zum Antisemiten gebrandmarkt. Auf diese Art die Wahrheit zu unterdrücken ist nichts anderes als moralische Erpressung. Sie ist erstaunlich wirkungsvoll. Wer will sich heute sagen lassen, er oder sie sei Antisemit, oder Neofaschist? Erst recht kein Politiker. Das hat US-Präsident Barack Obama schnell lernen müssen. Sagt es ein Jude, und nicht wenige haben den Mut dazu, dann handelt es sich eben um einen sich selbst hassenden Juden.

Ich spreche es als Deutscher mit einer geliebten jüdischen Großmutter aus, die zum Opfer der Naziherrschaft wurde. Ich spreche es als Freund Israels aus, der sich mit der tapferen israelischen Minderheit solidarisch fühlt, die sich der Politik ihres Landes schämt, genauso wie sich einst die deutschen Widerständler schämten über das, was aus ihrem Land geworden war. Ich liebe Israel genauso, wie ich und meine Eltern im Exil Deutschland liebten, als Hitler noch herrschte. Bei allem Vergleichbaren sage ich damit aber nicht, Netanjahus Politik sei mit Hitlers Wahnsinn zu vergleichen. In Israel haben Araber noch begrenzte Rechte. Als Hitler losschlug, war Deutschland von keinem bedroht.

Ich sage all dies in Einklang mit denen, die – wie einst meine Gesinnungsfreunde in der DDR – heute in Israel friedlichen Widerstand leisten und die in Israel vergleichbar behandelt werden. Ich sage es in Hochachtung vor Mordechai Vanunu, der der Welt die Wahrheit über Israels Atomwaffen bekannt gab und dafür mit siebzehn Jahren Einzelhaft bestraft wurde und heute noch das Land nicht verlassen darf. Ich sage es im Einklang mit dem Nobelpreisträger Desmond Tutu und mit Jimmy Carter, dem einstigen, guten und ehrlichen amerikanischen Präsidenten. Ich sage es nun im Einklang mit Günter Grass, [Originaltext der Erstveröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung vom 4. April 2012, online auf Süddeutsche.de] der spät, aber nicht zu spät – wohl wissend, was auf ihn zukommen würde – den Mut fand, das zu sagen, was gesagt werden muss.

Dass Mut dazu gehört vor allem in Deutschland –, diese Wahrheit auszusprechen, ist eines der vielen Zeichen der Unfreiheit in unserer »freien Welt«. Zwar darf sich ein Dichter erlauben, nicht alles in einem Gedicht auszusprechen. Der Vorwurf, Günter Grass habe Iran nicht oder kaum angeprangert, ist in einer Situation, wo er es als allgemein anerkannte Tatsache sah, ein solches Regime sei untragbar, ungerecht. Der öffentlich ausgesprochene Wunsch, Israel zu vernichten, ist Welten entfernt von dem, was Grass bekundet hat, nämlich den Wunsch, Israel möge in sicheren Grenzen leben, Dazu gehört jedoch auch für Günter Grass - eine menschlich-freundlichere Politik Israels.




 Paul Oestreicher wurde 1931 als Sohn des Kinderarztes Paul Oestreicher im thüringischen Meiningen geboren. Aufgrund der jüdischen Abstammung seines Vaters musste seine Familie 1939 aus Deutsch' land fliehen. Sie fand in Neuseeland Asyl. Später ging er nach England. Er ist anglikanischer Pfarrer, Publizist und war Leiter des Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry. Heute lebt er mit seiner Frau Barbara Einhorn, deren Eltern ebenfalls einst vor dem Nazi-Terror aus Deutschland geflohen waren, in England und Neuseeland.


Man beachte das Video ab 2:58 Min.:


Bildschirmphoto aus dem Sanftleben-Vortrag
Ausführlichere Darstellungen
- von Freeman auf seinem Blog Alles Schall und Rauch
- von ATetzlaf auf seinem Blog Das Denken
- in einem Artikel der AG Friedensforschung
- in einem Artikel der Steinbergrecherche
- offener Brief der Arbeiterfotografie an die Bundeszentrale für Politische Bildung (hochinteressant!)
- Katajun Amirpur – Der iranische Schlüsselsatz bei der Süddeutschen
- Mahmud Ahmadinedschad bei Wikiquote

»Uncle Sam« greift zu den Waffen


Die Welt muß sicher gemacht werden für die Demokratie. Ihr Friede muß auf den erprobten Grundlagen politischer Freiheit errichet werden … Wir werden kämpfen … für eine allgemeine Herrschaft des Rechts durch ein Konzept der freien Völker, das allen Nationen Frieden und Sicherheit bringen und die Welt selbst endlich frei machen wird.

US-Präsident Woodrow Wilson,
 2. April 1917



Woodrow Wilson [Wikipedia]
Wenige Tage vor dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg am 6. April 1917 plädierte US-Präsident Woodrow Wilson mit diesen Worten vor dem Kongress für eine internationale Ordnung, die Frieden und Demokratie weltweit stärken und der Geißel Krieg den Garaus machen sollte. Gegen Ende des Kriegs, im Januar 1918, legte Wilson dann sein berühmtes 14-Punkte-Programm vor, das die Grundzüge einer Friedensordnung für das vom Krieg gezeichnete Europa enthielt.

Lange hatten die USA versucht, sich aus dem Ersten Weltkrieg herauszuhalten, auch wenn sie aus ihrer Sympathie für die EntenteMächte, vor allem für Großbritannien, keinen Hehl machten. Als Deutschland im Februar 1917 mit Hinweis auf die britische Seeblockade den »uneingeschränkten U-Boot-Krieg« erklärte und fortan auch unbewaffnete Handelsschiffe neutraler Staaten angriff, brachen die USA die diplomatischen Beziehungen ab, erklärten den Mittelmächten (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn) den Krieg und veränderten die Kräfteverhältnisse in Europa entscheidend zugunsten der Entente.
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012

Vielleicht sieht ja jemand einen Zusammenhang zwischen diesem und den beiden vorhergehenden Posts (Gracchen, CIA): Freiheit, Kampf, Herrschaft des Rechts… Es ist immer die Frage, um wessen Freiheit, um wessen Herrschaft es geht … und wer an dem Kampf verdient!

2. Jahrhundert v. Chr.: Die Reformen der Gracchen im Römischen Reich

Kampf um den »ager publicus« 

»Cornelia, die Mutter der Gracchen«
Gemälde von Philipp Friedrich Hetsch, 1794

Infolge des Zweiten Punischen Kriegs (218-201 v. Chr.) geriet die römische Gesellschaft in eine Krise. Die Kleinbauern mussten Kriegsdienst leisten, viele Felder lagen lange brach, was die Bauern ruinierte. Nutznießer der Situation waren die römischen Eliten, die durch den Handel und Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe reich wurden. Größere Ländereien entstanden auf Kosten des »agerpublicus« (staatliches Land), der eigentlich den Bauern Roms zustand. Diese Entwicklung gipfelte in einem politischen Kampf im Senat.

Zur Gesundung des Kleinbauerntums, also zur Wiederherstellung der Heereskraft Roms, ließ Volkstribun Tiberius Sempronius Gracchus um 133 v. Chr. Land aus dem Gemeinde- und Großgrundbesitz an Proletarier verteilen. Der Adel missachtete das Ackergesetz jedoch oder umging es. Seine Reformbemühungen bezahlte Gracchus mit dem Leben: Er wurde von seinen Gegnern auf dem Marsfeld ermordet. Zehn Jahre später versuchte sein Bruder, Volkstribun Gaius SemproniusGracchus, sich erneut an einer Land- und Sozialreform, aber auch er fand keine Mehrheit im Senat und wurde ebenfalls ermordet.

 ager publicus 
• ursprünglich das Gemeindeland Roms
• später Land im Staatsbesitz
• die versuchte Privatisierung führte zu scharfen Konflikten
aus Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2012

»Der größte Einzelerfolg der CIA«

Heute vor 61 Jahren, am 1. Mai 1951, stimmte der iranische Senat dem Ausführungsgesetz zur Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie zu.

Im Folgenden ein Ausschnitt aus Tim Weiners Buch »CIA – Die ganze Geschichte«, in welchem er aufzeigt, wie die britischen und amerikanischen Geheimdienste erfolgreich versuchten, den Iran zu destabilisieren, um die Kontrolle über die iranische Ölförderung zu behalten.
Ich finde diese Ausführungen sehr aufschlußreich, passen sie doch sehr gut zu dem Bild, welches uns in den Medien vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gezeichnet wird. Und genauso, wie damals von amerikanischer und britischer Seite vor der kommunistischen Einflußnahme gewarnt wurde, wird heute vor der möglichen Herstellung einer iranischen Atombombe gewarnt. Und mit Angst und einem äußeren Feind läßt sich bekanntermaßen gut regieren (siehe Irak-Krieg). Es ist Günter Grass hoch anzurechnen, daß er in unserer terrorismusgetränkten Zeit den von den Herrschenden des sogenannten freien Westens verwendeten Sprachduktus hinterfragt und die Selbstversändlichkeit der israelischen Vorwärtsverteidigung anprangert. [siehe: Günter Grass, Kontroverse um das Gedicht Was gesagt werden muss, Wikipedia, abgerufen am 23.07.2019]
Auch sollte man sich erinnern, das der Vater des unseligen George W. Bush, der den Krieg gegen den Terrorismus einläutete und den Dritten Golfkrieg (oder auch Irakkrieg) führte, George H. W. Bush war, der bisher einzige Präsident der Vereinigten Staaten (1989-1993), der zuvor CIA-Direktor war (1976-77) [unsere freiheitlich-demokratischen West-Medien werden ja im Zuge des transatlantisch angesagten Putin-Bashings nicht müde, ständig auf dessen Geheimdienst-Vergangenheit hinzuweisen] und den Zweiten Golfkrieg führte. Wie nie zuvor in der US-amerikanischen Geschichte wurden während des Irakkrieges (1990/91) die enge Verflechtung von Ölindustrie und Politik einerseits und andererseits die verlogene Aggressivität des US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes deutlich, der sich sogar erdreistet, die militärischen Verbündeten (siehe auch »Koalition der Willigen«), die UNO sowie die gesamte Weltöffentlichkeit mit voller Absicht zu belügen. (Wenn Angela Merkel damals Bundeskanzlerin gewesen wäre, würden heute deutsche Soldaten auch im Iran fallen. Wir können Gerhard Schröder nur danken, daß er das verhindert hat!)

Hier also ein Rückblick auf die Vorwärtsverteidigung der sogenannten freien Welt im damaligen Persien vor 60 Jahren:


Dwight D. Eisenhower
Im Januar 1953, ein paar Tage vor Eisenhowers Amtseinführung, wurde Kim Roosevelt von Walter Bedell Smith in die CIA-Zentrale bestellt und mit der Frage konfrontiert: »Wann geht unsere verdammte Operation endlich los?« 

Zwei Monate zuvor, Anfang November, war Roosevelt, der die CIA-Operationen in Nahost leitete, nach Teheran geflogen, um seinen Freunden vom britischen Nachrichtendienst aus einer bösen Patsche zu helfen. Der iranische Premierminister Mohammad Mossadegh hatte die Briten beim Versuch erwischt, ihn zu stürzen. Er hatte alle Mitarbeiter ihrer Botschaft ausgewiesen, auch die Spione. Roosevelt kam, um ein Netz von iranischen Agenten mit Geld bei der Stange zu halten; sie hatten für die Briten gearbeitet, nahmen jedoch die milde Gabe der Amerikaner hocherfreut an. Auf dem Heimflug legte er eine Zwischenlandung in London ein, um seinen britischen Kollegen Bericht zu erstatten. 

Hier erfuhr er vom Wunsch des Premierministers Winston Churchill, die CIA möge ihm beim Sturz der iranischen Regierung behilflich sein. Vierzig Jahre zuvor hatte das Erdöl des Iran – damals noch Persien – Churchill zu Macht und Ruhm verholfen. Jetzt wollte Sir Winston es wiederhaben. 

Winston Churchill 1943
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges hatte er als höchster Beamter der britischen Admiralität die Königliche Marine von kohle- auf ölbetriebene Schiffe umgestellt. Er plädierte dafür, daß die Briten 51 Prozent der neuen Anglo-Persian Oil Company [1954 in British Petroleum Company umbenannt, der heutigen BP, Ergänzung von mir], die fünf Jahre zuvor das erste Erdöl in Persien entdeckt hatte, übernehmen sollten. Die Briten verschafften sich einen Löwenanteil. [Die Konzession mit dem iranischen Staat sahen eine Gewinnbeteiligung von lediglich 20 % bis maximal 25 % vor. Angaben aus Wikipedia] Das persische Öl lieferte nicht nur den Brennstoff für Churchills neue Armada; die Einnahmen sorgten auch für deren Bezahlung. Das Erdöl wurde zum Lebensquell des britischen Finanzministeriums. Während Britannia die Weltmeere beherrschte, überrannten britische, russische und türkische Soldaten den Norden Persiens, verwüsteten einen Großteil der landwirtschaftlichen Anbauflächen des Landes und lösten eine Hungersnot aus,, der womöglich zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Aus diesem Chaos stieg ein Kosakenführer namens Resa Chan auf, der mit List und Gewalt die Macht eroberte. Im Jahr 1925 wurde er zum Schah von Persien ausgerufen. Unter den vier Abgeordneten des persischen Parlaments (des Majles), die gegen den Schah opponierten, war auch ein nationalistischer Politiker namens Mohammad Mossadegh.

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Operation Ajax (eigentlich TPAJAX, wobei TP für Tudeh-Party und AJAX für den Reiniger „Ajax“ von Colgate-Palmolive steht) bezeichnet eine historische und in ihrer Art für weitere Aktionen beispielgebende CIA/MI6-Operation im August 1953 im Iran, mit der Premierminister Mohammad Mossadegh gestürzt und Fazlollah Zahedi als neuer Premierminister installiert werden sollte. Der Plan wurde am 1. Juli 1953 vom britischen Premierminister Winston Churchill und am 11. Juli 1953 vom amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower genehmigt. Von den beiden Regierungen war ein Budget von $ 285.000 bereitgestellt worden, wobei die Vereinigten Staaten $ 147.000 und Großbritannien $ 137.000 zugesagt hatten. Der Plan basierte auf einer Zusammenarbeit mit prominenten Geistlichen, der Unterstützung der iranischen Armee und einer Mehrheit der Abgeordneten des iranischen Parlaments sowie des Schahs.[1]
Die genauen Abläufe sind bis heute nicht eindeutig geklärt, da zahlreiche in den US-amerikanischen und britischen Archiven liegende Akten bis August 2013 unter Verschluss waren und erst seither zugänglich sind. Es ist aber davon auszugehen, dass der ursprüngliche Plan, Mossadegh durch ein Dekret des Schahs abzusetzen und General Zahedi zum neuen Premierminister zu ernennen, zunächst gescheitert ist und Mossadegh, der an seinem Amt festhielt, die weitere Unterstützung der USA hatte, um den Iran vor einer kommunistischen Machtübernahme zu schützen. Erst durch massive Pro-Schah-Demonstrationen im ganzen Land, die von der Geistlichkeit auf Anweisung von Großayatollah Husain Borudscherdi organisiert worden waren, wendete sich die politische Lage und Mossadegh gab auf. [Operation Ajax, Wikipedia]
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Die britische Regierung wandte sich nach dem Scheitern der Verhandlungen an den UN-Sicherheitsrat, der am 1. Oktober 1951 beschloss, die Beschwerde der Briten gegen den Iran anzunehmen und einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten. Mossadeghs Kampf um die wirtschaftlichen Interessen seines Landes wurde von der westlichen Presse nicht ohne Sympathie begleitet. So kürte das Nachrichtenmagazin Time Mossadegh 1951 zum Man of the Year. [Mohammad Mossadegh, Premierminister, 1951Wikipedia]
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Reza Schah Pahlavi mit Pahlavi-Mütze
Das Parlament mußte schon bald entdecken, daß der britische Ölgigant, mittlerweile in Anglo-Iranian Oil Company umbenannt, seine Regierung systematisch um Milliardensummen betrug. Der Haß auf die Briten und die Angst vor den Sowjets gewannen im Iran der dreißiger Jahre ein solches Ausmaß, daß die Nationalsozialisten erheblichen Zulauf bekamen – und zwar so viel, daß Churchill und Stalin im August 1941 einmarschierten. Sie trieben Resa Chan ins Exil und setzten seinen gefügigen, naiven 21-jährigen Sohn Muhammad Resa Schah Pahlawi auf den Thron. 

Während die Streitkräfte der Sowjets und Briten den Iran besetzt hielten, benutzten die amerikanischen Truppen seine Flughäfen und Straßen, um Stalin Militärhilfe im Wert von ungefähr 18 Milliarden Dollar zukommen zu lassen.
Schwarzkopf, erster Superintendent
der State Police von New Jersey (1921)
Der einzige Amerikaner, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs im Iran Spuren hinterlassen hat, war General Norman Schwarzkopf, der die iranische Gendarmerie, eine auf dem Land operierende Polizeitruppe, aufbaute (sein gleichnamiger Sohn führte das Kommando über den Irakkrieg von 1991, die Operation »Desert Storm«). Roosevelt, Churchill und Stalin trafen sich Ende November 1943 in Teheran zu einer Kriegskonferenz, aber zurück ließen die Alliierten ein Land, das dem Verhungern nahe war, in dem Erdölarbeiter umgerechnet 50 Cent pro Tag verdienten und der junge Schah sich durch Wahlbetrug an der Macht hielt. Nach dem Krieg forderte Mossadegh den Majles auf, neu über die britischen Ölkonzessionen zu verhandeln. Die Anglo-Iranian Oil Company hatte die damals größten bekannten Ölvorkommen in der Hand. Auch ihre Raffinerie vor der Küste bei Abadan war die größte der Welt. Während britische Angestellte und Techniker sich in privaten Klubs und Swimmingpools vergnügten, lebten die iranischen Ölarbeiter in Hütten ohne fließendes Wasser, Strom oder Kanalisation; diese Ungerechtigkeit brachte der kommunistischen Tudeh-Partei, die damals nach eigenen Angaben etwa 2500 Mitglieder hatte, neuen Zulauf. Die Briten zogen doppelt so viel Einnahmen aus dem Öl wie die Iraner. Jetzt forderte der Iran eine Fifty-fifty-Aufteilung. Die Briten lehnten ab. Sie versuchten, Einfluß auf die öffentliche Meinung zu nehmen, und bestachen unter anderem Politiker, Zeitungsherausgeber sowie den Direktor des Staatsrundfunks. 

Premierminister Mossadegh
vor dem UN-Sicherheitsrat
Der Chef des britischen Nachrichtendienstes in Teheran, Christopher Montague Woodhouse, warnte seine Landsleute: Sie seien dabei, in ihr Verderben zu rennen. Das Desaster kam dann im April 1951, als der Majles sich für die Verstaatlichung der iranischen Ölproduktion aussprach. Wenige Tage später wurde Mohammad Mossadegh Premierminister des Iran. Ende Juni kreuzten britische Kriegsschiffe vor der iranischen Küste auf. Im Juli berichtete der amerikanische Botschafter Henry Grade, die Briten versuchten in einem »Anfall von Wahnsinn«, Mossadegh zu stürzen. Im September organisierten die Briten einen internationalen Boykott gegen iranisches Öl; mit diesem Akt ökonomischer Kriegführung wollten sie Mossadegh in die Knie zwingen. Dann kehrte Churchill als Premierminister an die Macht zurück. Er war 76 Jahre alt, Mossadegh 69. Beide waren starrköpfige alte Männer, die ihren Staat im Pyjama lenkten. Die britischen Kommandeure entwarfen Pläne, nach denen 70 000 Soldaten die iranischen Ölfelder und die Raffinerie bei Abadan besetzen sollten. Mossadegh brachte die Sache vor die Vereinten Nationen und ins Weiße Haus, wobei er in der Öffentlichkeit auf Charme setzte, im privaten Gespräch mit Truman jedoch auf die Warnung, ein Angriff der Briten könne den Dritten Weltkrieg auslösen. Truman teilte Churchill unmißverständlich mit, die Vereinigten Staaten würden einen derartigen Einmarsch niemals mitmachen. Churchill konterte mit dem Hinweis, die politische Unterstützung der USA für seine Position im Iran sei der Preis für die militärische Unterstützung der Briten im Koreakrieg. Im Sommer 1952 hatten sie einen toten Punkt erreicht. 


»Politik per Verweigerung« 

Walter Bedell Smith
Der britische Spion Monty Woodhouse flog nach Washington zu einer Besprechung mit Walter Bedell Smith und Frank Wisner. Am 26. November 1952 berieten sie über die Frage, wie Iran »Mossadegh absetzen« könnte. Ihr Komplott begann im Zwielicht eines Präsidentenwechsels – je mehr Trumans Macht dahinschwand, desto weiter gediehen die Putschpläne. Als die Sache in vollem Gange war, sagte Wisner einmal, es gebe Zeiten, »da macht die CIA Politik per Verweigerung«. Die erklärte Außenpolitik der USA bestand darin, Mossadegh zu unterstützen. Die CIA dagegen plante, ihn ohne das Plazet des Weißen Hauses aus dem Amt zu entfernen. 

Allen W. Dulles
Am 12. Februar 1953 traf der neu ernannte Chef des britischen Geheimdienstes in Washington ein. Sir John Sinclair, in der Öffentlichkeit unter dem Kürzel »C« und bei seinen Freunden als »Sinbad« bekannt, traf sich mit Allen Dulles und schlug ihm vor, das Außenkommando für den Staatsstreich Kim Roosevelt zu übertragen. Die Briten gaben ihrem Plan den prosaischen Namen Operation »Boot« (Stiefel). Roosevelt wählte einen anspruchsvolleren Namen: Operation »Ajax«, in Anspielung auf den mythischen Helden des Trojanischen Krieges (eine seltsame Wahl, denn das Epos erzählt, wie Ajax wahnsinnig wird, eine Schafherde niedermetzelt, weil er die Schafe für Krieger hält, und sich dann, als er wieder bei Sinnen ist, aus Scham das Leben nimmt).

Kermit Roosevelt jr., Enkel von Theodor
Roosevelt, 1950 [redfellow.blogspot.de]
Roosevelt ging mit viel Spürsinn an die Sache heran. Seit zwei Jahren arbeitete er an dem Problem, mit welcher politischen Propaganda und welchen paramilitärischen Operationen man einen sowjetischen Einmarsch im Iran abwehren könnte. CIA-Leute hatten bereits heimliche Geld- und Waffenvorräte angelegt, die ausreichten, um 
10 000 Stammeskrieger sechs Monate lang zu unterstützen. Roosevelt besaß außerdem die Erlaubnis, gegen die Tudeh-Partei, die kleine, einflußreiche verbotene Kommunistische Partei des Iran, vorzugehen. Jetzt wechselte er das Zielobjekt und versuchte, Mossadegh die Unterstützung in den politischen und religiösen Mehrheitsparteien des Iran zu entziehen.

Roosevelt startete eine Schritt für Schritt schärfer werdende Bestechungs- und Subversions-kampagne. Die CIA-Beamten und ihre iranischen Agenten kauften sich die Gefolgschaft von politischen Schreiberlingen, Geistlichen und Gangstern. Sie mieteten die Dienste von Straßenbanden, die die Versammlungen der Tudeh mit Fäusten auseinandertrieben, und von Mullahs, die Mossadegh von den Moscheen aus diffamierten. Die CIA hatte weder die jahrzehntelange Erfahrung der Briten im Iran noch annähernd so viele eigene iranische Agenten. Aber sie hatte mehr Geld zu verteilen: mindestens eine Million Dollar pro Jahr, was in einem der ärmeren Länder der Welt eine Riesensumme war. 

Mohammad Reza Pahlavi auf dem Weg
zum Parlament vor seiner
Vereidigung als Schah (1941)
Ihre Tips erhielt die CIA aus dem vom britischen Nachrichtendienst kontrollierten Netzwerk, das sieh dem Kauf von Einfluß widmete. An seiner Spitze standen die Raschidian-Brüder, drei Söhne eines iranischen Anglophilen, der Schiffe, Banken und Immobilien besaß. Die Brüder hatten Abgeordnete des iranischen Parlaments ebenso in der Hand wie die führenden Kaufleute des Basars, die heimlichen Gesetzgeber Teherans. Sie bestachen Senatoren, hohe Offiziere, Herausgeber und Verleger, Schlägertrupps und mindestens einen Minister in Mossadeghs Kabinett. Sie kauften Informationen mit geldgefüllten Keksdosen. Zu ihrem Kreis gehörte sogar der oberste Diener des Schahs. Und dieser Kreis erwies sich als Katalysator des Putsches. 

General Norman Schwarzkopf
Zur Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates am 4. März 1953 erschien Allen Dulles mit sieben Seiten voller Informationen, in denen es insbesondere um die »Folgen einer sowjetischen Machtübernahme« im Iran ging. Das Land sei konfrontiert mit »immer konkreteren Revolutionsvorbereitungen«, und sollte es kommunistisch werden, würden alle Dominosteine im Nahen und Mittleren Osten kippen. Dann wäre das Erdöl der freien Welt zu 60 Prozent in der Hand Moskaus. Dieser katastrophale Verlust würde, so warnte Dulles, »unsere Kriegsreserven erheblich schmälern«; in den Vereinigten Staaten müßten Öl und Benzin rationiert werden. Der Präsident glaubte kein Wort davon. Er hielt es für besser, Mossadegh einen 100-Millionen-Kredit anzubieten, um seine Regierung zu stabilisieren, als ihn zu stürzen. 

Mohammad Mossadegh (1951)
Monty Woodhouse legte seinen amerikanischen Kollegen von der CIA in dezenter Form nahe, Eisenhower das Problem etwas anders zu präsentieren. Sie könnten nicht behaupten, daß Mossadegh Kommunist sei. Aber sie könnten geltend machen, je länger er an der Macht bleibe, umso größer werde die Gefahr, daß die Sowjets im Iran einmarschierten. Kim Roosevelt stimmte diese Empfehlung auf das Ohr des Präsidenten ab: Sollte Mossadegh einen Linksschwenk vornehmen, würde der Iran in die Hände der Sowjets fallen. Drängte man ihn aber in die richtige Richtung, könnte die CIA seine Regierung unter amerikanischen Einfluß bringen. 

Fazlollah Zahedi
Mossadegh spielte mit und tappte geradewegs in die Falle. In einem fehlkalkulierten Bluff baute er gegenüber der Teheraner US-Botschaft das Gespenst einer sowjetischen Bedrohung auf. Er rechnete damit, »von den Amerikanern gerettet« zu werden, so John H. Stutesman, ein US-Diplomat, der Mossadegh gut kannte und 1953 als Beamter des Außenministeriums für die Iran-Politik zuständig war. »Mossadegh dachte, wenn er die Briten verjagte und den Amerikanern mit der russischen Vorherrschaft Angst machte, wären wir sofort da. Er hatte gar nicht so unrecht.« 

Am 18. März 1953 lies Frank Wisner Roosevelt und Woodhouse wissen, daß sie das Startsignal von Allen Dulles hätten. Am 4. April überwies die CIA-Zentrale dem Teheraner Büro eine Million Dollar. Aber Eisenhower hatte noch immer Zweifel – ebenso wie andere, die für den Umsturzplan im Iran eine Schlüsselrolle spielten. 

Harry S. Truman (1945)
Einige Tage später hielt der Präsident eine beeindruckende Rede mit dem Titel »Die Aussicht auf Frieden«, in der er erklärte: »Das Recht einer Nation, selbst eine Regierung zu bilden und ein Wirtschaftssystem aufzubauen, ist unveräußerlich«, und »jeder Versuch einer Nation, anderen ihre Regierungsform vorzuschreiben, ist unvertretbar«. Beim Leiter des Teheraner CIA-Büros, Roger Goiran, schlugen diese Gedanken ein wie eine Bombe. Er fragte in der Zentrale nach, warum die Vereinigten Staaten sich der Tradition des britischen Kolonialismus im Mittleren Osten anschließen wollten. Das sei ein historischer Fehler, so Goiran, und auf lange Sicht verheerend für die amerikanischen Interessen. Allen Dulles rief ihn nach Washington zurück und enthob ihn seines Postens. Loy Henderson, der US-Botschafter im Iran, der von Beginn an in die Pläne eingeweiht war, wandte sich mit Nachdruck gegen die Entscheidung der Briten, ausgerechnet den als Lebemann bekannten pensionierten Generalmajor Fazlollah Sahedi zum Spitzenmann des Staatsstreichs zu erheben. Mossadegh hatte dem Botschafter mitgeteilt, er wisse, daß Sahedi ein von den Briten protegierter Verräter sei. 

Ungeachtet dessen wurde Sahedi, der Einzige, der sich ganz offen um die Macht bewarb und als pro-amerikanisch galt, von den Briten nominiert und von der CIA unterstützt. Ende April, nach der Entführung und Ermordung des iranischen Polizeipräsidenten, tauchte er unter – mit gutem Grund, denn die mutmaßlichen Mörder waren seine eigenen Anhänger. Elf Wochen lang tauchte er nicht mehr auf. 

Loy W. Henderson
Im Mai gewann die Verschwörung an Schubkraft, obgleich sie noch immer nicht das Plazet des US-Präsidenten hatte. Mittlerweile war man beim letzten Entwurfsstadium angelangt. Sahedi, ausgerüstet mit 75 000 Dollar von der CIA, sollte ein Militärsekretariat bilden und zur Durchführung des Putsches mehrere Obersten auswählen. Eine Gruppe von religiösen Fanatikern, die sich Krieger des Islam nannten – eine »Terrorbande«, wie es in einer historischen CIA-Studie über den Staatsstreich heißt –, sollte politische und persönliche Anhänger Mossadeghs innerhalb und außerhalb der Regierung mit Morddrohungen überziehen. Diese »Krieger« sollten Anschläge auf geachtete religiöse Führer durchführen, und zwar so, daß sie als das Werk der Kommunisten erschienen. Im Rahmen einer 150 000 Dollar teuren Propaganda-Kampagne zur Steuerung der iranischen Presse und der öffentlichen Meinung verfaßte die CIA Flugschriften und Plakate, die Behauptungen verbreiteten wie: »Mossadegh begünstigt die Tudeh-Partei und die UdSSR (…) Mossadegh ist ein Feind des Islam (…) Mossadegh zerstört planmäßig die Moral der Armee (…) Mossadegh führt das Land vorsätzlich in den wirtschaftlichen Zusammenbruch (…) Mossadegh ist durch Macht korrumpiert.« Am Tag X sollten die Verschwörer unter Führung von Sahedis Militärsekretariat das Hauptquartier des Heeresgeneralstabs, Radio Teheran, Mossadeghs Wohnhaus, die Zentralbank, die Polizeizentrale sowie Fernsprech- und Telegrafenamt besetzen. Mossadegh und seine Minister sollten verhaftet werden. Weitere Gelder, 11 000 Dollar pro Woche, gingen direkt in die Bestechung von Parlamentsabgeordneten, um sicherzustellen, daß eine Mehrheit Sahedi zum neuen Premierminister ausrufen würde. Diese letzte Maßnahme hatte den Vorteil, dem Staatsstreich den Anschein von Rechtmäßigkeit zu verleihen. Sahedi seinerseits sollte seine Loyalität gegenüber dem Schah bekunden und dessen Monarchie wieder an die Macht bringen. 

Schah Mohammad Reza Pahlavi
Aber würde der willensschwache Schah seine Rolle spielen? Botschafter Henderson war überzeugt, daß er nicht das Rückgrat hatte, um einen Putsch zu unterstützen. Roosevelt hingegen meinte, es wäre aussichtslos, die Sache ohne ihn durchzuziehen. 

Am 15. Juni flog Roosevelt nach London, um den Spezialisten des britischen Nachrichtendienstes seinen Plan vorzustellen. Das Treffen fand in einem Konferenzraum der Zentrale statt, wo auf einem Schild zu lesen war: »Gäste bitte an der Leine führen.« Es kamen keine Einwände. Die Rechnung wurde ja von den Amerikanern bezahlt. Die Briten hatten sich den Staatsstreich zwar ausgedacht, aber ihre Spitzenpolitiker konnten das Kommando über seine Durchführung nicht übernehmen. Am 23. Juni unterzog sich Außenminister Anthony Eden in Boston einer umfangreichen Darmoperation. Am selben Tag erlitt Winston Churchill einen schweren Schlaganfall und war dem Tod nahe; die Nachricht wurde so geheim gehalten, daß die CIA nichts davon erfuhr. 

Reza Schah Pahlavi im Exil in Johannesburg
In den folgenden zwei Wochen baute die Agency eine doppelte Kommandokette auf. Die eine war zuständig für Sahedis Militärsekretariat, die andere für politische Kriegführung und den Propaganda-Feldzug. Beide sollten ihre Berichte direkt all Frank Wisner weitergeben. Kim Roosevelt flog nach Beirut, reiste durch Syrien und den Irak bis in den Iran und nahm Kontakt zu den Raschidian-Brüdern auf. Dann wartete die CIA auf grünes Licht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. Am 11. Juli kam es. Und von da an ging fast alles schief. 


»Nach Ihnen, Majestät« 

Bereits vor dem Tag eins war die Geheimhaltung der Mission geplatzt. Am 7. Juli hörte die CIA eine Sendung des Tudeh-Rundfunks ab. Der Geheimsender warnte die Iraner: die amerikanische Regierung arbeite, zusammen mit mehreren »Spionen und Verrätern«, darunter General Sahedi, darauf hin, »die Regierung Mossadegh zu beseitigen«. Mossadegh hatte, unabhängig von der Tudeh-Partei, seine eigenen Quellen im militärischen und politischen Nachrichtendienst, und er wußte, was ihm bevorstand. 
[…]
aus Tim Weiner, CIA – Die ganze Geschichte, S. 122 ff.
»Sollte jemand bisher der Ansicht gewesen sein, dass Geschichte langweilig ist, wird ihn die Lektüre dieses Buches eines Besseren belehren. »CIA« ist ein Werk, das jeden Thriller deklassiert, denn wieder einmal ist die Realität stärker als jede Fiktion.« zur vollständigen Rezension auf krimi-couch.de


Siehe auch:
Die CIA und das Öl (Markus Kompa, Telepolis, 19.07.2016)
Zeittafel zur Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie (Wikipedia, letzte Änderung: 03.10.2014)


Siba Shakib: Eskandar (Liisas LitBlog, 29.08.2011)

Von Mossadegh zu Ahmadinedschad: Die CIA und das Iran-Experiment  (Thierry Meyssan, Earthfiles, 30.06.2009)

Die CIA und das Iran-Experiment (Wahrheitsecke, 28.06.2009)
Die Asadis - Mohsen demonstriert (Ulrich Ladurner, ZEIT, 12.10.2005)
Der Militär-Industrie-Komplex: Wie man Firmenverbindungen untersucht (Frida Berrigan, War Resisters’ International, 31.08.2005)
- The United States and Middle East: Why Do "They" Hate Us? (Stephen R. Shalom, ThirdWorldTraveller, 12.12.2001 – Google-Übersetzer)

nicht mehr auffindbar:
 - Was steckt hinter den Revolten im Iran? Die Rolle der angelsächsischen Geheimdienste auf mynous.org

Die Geschichte der CIA - Teil 1/3 (1947-1977 Geheime Operationen) {52:39}


Hochgeladen am 31.10.2011
Dreiteilige Doku
Teil1: http://www.youtube.com/watch?v=1peuO7...
Teil2: http://www.youtube.com/watch?v=hUadyr...
Teil3: http://www.youtube.com/watch?v=a7f-ux...

Die dreiteilige Dokumentationsreihe erzählt die Geschichte der amerikanischen Geheimdienstorganisation von den Anfängen im Jahre 1947 bis heute. Neben Aufbau, Organisation, Sicherheitsstruktur, Handlungs- und Einflussbereich der CIA werden die Agentengewinnung, aber auch die - häufig missglückten - geheimdienstlichen Ermittlungen und Manipulationen sowie die Beziehung der CIA zur amerikanischen Regierung dargestellt.

Ehemalige CIA-Verantwortliche, deren Einfluss ausschlaggebend und deren Macht scheinbar grenzenlos war, liefern Hintergrundinformationen zu entscheidenden historischen Ereignissen. Ohne die übliche Zurückhaltung äußern sich Zeugen und direkt Beteiligte, ehemalige Verteidigungsminister, CIA-Direktoren und Geheimdienstagenten. Sie üben Selbstkritik, kritisieren ihre Vorgänger und Nachfolger sowie auch die verschiedenen amerikanischen Präsidenten.

Mit Unterstützung von Archivmaterial wird die Frage beantwortet, wie es dazu kam, dass die legendäre Geheimdienstbehörde oft zur "Hüterin" der Interessen der amerikanischen Außenpolitik wurde.


alter Info-Text:
Veröffentlicht am 24.09.2013 
History XXL über die Lügen der Geschichte vom Putsch im Iran 1953 bis zur Begründung für den zweiten Irakkrieg 2003

1953 unterstützte die CIA im Iran einen Putsch, bei dem der demokratisch gewählte Premierminister Mossadegh gestürzt wurde. Es war die erste Geheimoperation des Auslandsgeheimdienstes der USA, die auf einen politischen Umsturz abzielte und zugleich Blaupause für spätere CIA-Aktionen in anderen Ländern. Was von den USA zunächst als geopolitischer Erfolg gegen eine kommunistische Machtübernahme im Nahen Osten gefeiert wurde, führte 25 Jahre später jedoch zur Islamischen Revolution.

Oliver Stones Untold History Of The United States - Iran's part "Operation Ajax" {2:30}

Veröffentlicht am 08.01.2013
Iran Part of the movie - "Operation Ajax"

1953 - CIA Overthrow of Iran, Mohammed Mosaddeq {10:17}

Hochgeladen am 31.01.2010
The Secretary of State, John Foster Dulles and his brother Alan, Director of the CIA, decided with Eisenhowers approval, to overthrow Mosaddeq and reinstate the Shah of Iran. The mobs paid by the CIA, and the police and soldiers bribed by the CIA, drove Mosaddeq from office.

The National Security Act of 47 gave us the National Security Council. Never have we had a National Security Council so concerned about the nations security that were always looking for threats and looking how to orchestrate our society to oppose those threats. National Security was invented, almost, in 1947, and now it has become the prime mover of everything we do as measured against something we invented in 1947." 
-- U.S. Navy Admiral Gene La Rocque in PBS Documentary "The Secret Government"

aus der Abschiedsrede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower vom 17. Januar 1961:

Ausschnitt aus Eisenhowers Notizen zu seiner
Abschiedsrede: "military-industrial complex"
“In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together.”

„Wir in den Regierungsräten müssen uns vor unbefugtem Einfluß -- beabsichtigt oder unbeabsichtigt -- durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.”

Michael Lüders - Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet - kompletter Vortrag {1:10:42}

AkademieKanal
Am 12.05.2016 veröffentlicht 
Nachgefragt - Abendgespräche zu Gesellschaft, Religion und Politik
Michael Lüders „Wer den Wind sät, wird Stürme ernten.“ - Was westliche Politik im Orient anrichtet
Vortrag vom 11.04.2016 im Tagungszentrum Stuttgart Hohenheim
Michael Lüders ist Politik und Islamwissenschaftler und langjährigen Nahostkorrespondent.
Er beschreibt in seinem 2015 erschienen Buch, das bereits heute in der 14. Auflage steht, die westlichen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten und zeigt ihre verheerenden Folgen, darunter Terror, Staatszerfall und der Siegeszug des IS.
„Nachgefragt“ möchte auch hier einen Schritt zurück treten und nach den Ursachen der Konflikte fragen, die uns derzeit in Europa so einholen, dass sie auch hier und in den europäischen Nachbarländern noch nicht absehbare Folgen haben werden. Lüders beginnt seine Analyse mit dem inszenierten Putsch gegen Mossadegh und seine Regierung 1953.
Link zum Veranstaltungsteaser: https://youtu.be/f8H1Wu1LtuE

Iran - Du sollst nicht töten {3:06}

Jürgen Todenhöfer
Am 13.10.2013 veröffentlicht 
7773

zu Gaddafi siehe:
- Wüstenflüsse, wie ein Diktator verrückt wird, westliche Werte und ein moderater Moderator (Post, 23.07.2016)

letzte Aktualisierung am 23.07.2019