Mittwoch, 26. Juni 2019

Das Geheimnis um das neue Gesicht von Ullrich Mies

Machen wir es ruhig an Ullrich fest. Anlässlich des Erscheinens seines neuen Buches „Der Tiefe Staat schlägt zu“ war Ullrich Mies vor kurzem in der Sendereihe KenFM im Gespräch zu Gast. Seine Ausführungen über die wahren Machtverhältnisse auf diesem Planeten mögen für die meisten Zuschauer schockierend gewesen sein, für andere waren sie nur eine Bestätigung dessen, was sie ohnehin schon gewusst oder geahnt hatten. Mies spricht davon, dass die Planung des Nuklearkrieges in all seinen Formen Teil einer übergeordneten Strategie der USA ist. Er nennt sie die Full-spectrum dominance, welche die Vereinigten Staaten nach eigenem Selbstverständnis dazu verpflichtet, auf allen Gebieten die erste Geige spielen zu müssen. Dazu gehören neben der militärischen Dominanz inzwischen auch die Überlegenheit im Space und Cyberspace. „Ich bin davon überzeugt, dass da psychopathogene Figuren am Werk sind,“ sagt Mies.
Und diese Figuren sind es, die die totale Überwachung der Weltbevölkerung organisieren, die Manipulationstechniken entwickeln und einen Informationskrieg ungeahnten Ausmaßes führen. „Sie haben ein Riesenbündel an Faktoren zu bedienen, um überall die Nummer eins zu sein,“ so Mies, „und wenn irgendwo ein Land die Nase aus dem Staub hebt und die Gefahr aufleuchtet, dass es auf irgendeinem Sektor besser sein könnte, reicht das aus, um militärisch zu intervenieren oder einen Regimechange durchzuführen.“
Es ist nicht so sehr das Gesagte, was mich an dem Gespräch zwischen Ullrich Mies und Ken Jebsen fasziniert. Es ist die Art und Weise, in der Ullrich Mies erklärt und Antwort gibt, es ist vor allem sein Gesicht, das seine Ausführungen begleitet und in dem sich kaum noch Empörung zeigen will. Es nistet auch kein Anflug von Stolz oder Zufriedenheit über die geleistete aufklärerische Arbeit darin, keine Leidenschaft, wie noch im Gespräch an gleicher Stelle, als sein Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“ vorgestellt wurde. Nein, dieses Gesicht ist in gewisser Weise verstummt, es ist ohne Regung auf sich selbst reduziert und dadurch von unglaublicher Klarheit. Es akzeptiert das Ungeheuerliche, weil Ullrich Mies inzwischen weiß, dass die Ungeheuerlichkeiten einer geistesgestörten Finanz- und Politelite bis zur Totalkatastrophe ungestraft durchgewinkt werden. Widerstand scheint zwecklos. Was ich sehe, wenn ich mir den Mann in dem besagten Gespräch bei KenFM ansehe, ist vor allem dies: hinter seinem Gesicht verbirgt sich eine unumstößliche Traurigkeit und Melancholie, als würde man auf den Grund eines stillen Sees schauen. So sehen früher oder später alle aus, die durch ihre erlittene Müdigkeit geneigt sind, die Waffen zu strecken.
mehr:
- Das Geheimnis um das neue Gesicht von Ullrich Mies (Dirk C. Fleck, KenFM, 26.06.2019)

USA: "Schockierende Bereitschaft, das Töten von Zivilisten eines Gegners zu befürworten"

Nach einer Umfrage spricht sich ein Drittel der Amerikaner für Präventivschläge, auch nukleare, gegen Nordkorea aus, Trump-Anhänger stehen besonders auf "militärische Lösungen"
Die Amerikaner waren die ersten und einzigen, die am Ende des Krieges, militärisch kaum begründbar Atombomben als Massenvernichtungswaffen einsetzten und 150.000 Menschen oder mehr mit den Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki töteten. Das hat in den USA nicht zu größeren Reflexionen geführt, sondern nur zu Rechtfertigungen (Die US-Legende über Hiroshima und Nagasaki), zu einer Entschuldigung sieht man sich selbst Jahrzehnte später nicht in der Lage, auch wenn zuletzt Barack Obama immerhin 2016 als erster amerikanischer Präsident zur Teilnahme an der Gedenkfeier Hiroshima besucht hatte - mit dabei hatte Obama den "Fußball", also den Koffer, den ein Adjutant auf Reisen stets in seiner Nähe bei sich hat, um Atomwaffen einzusetzen (Was will US-Präsident Obama in Hiroshima demonstrieren?).
Eine Umfrage, die YouGov für das Bulletin of the Atomic Scientists im Februar durchgeführt hat, erkundete die Einstellung der Amerikaner zum Einsatz von Atomwaffen gegenüber Nordkorea. Ausgangspunkt der Studie war für die Wissenschaftler Alida R. Haworth, Scott D. Sagan und Benjamin A. Valentino die Androhung von US-Präsident Donald Trump, Nordkorea - mit Atomwaffen - zu vernichten, wie er das gerade wieder gegenüber dem Iran hat, nachdem er erst einmal eine Bombardierung von iranischen Zielen als Reaktion auf den Abschuss einer Drohne unterbunden hat.
Im Fall von Nordkorea traf sich Trump mit Kim Jong-un, es kam zu einer Verbrüderung, aber Verhandlungen wurden dann wieder im Februar abgebrochen. Die Nordkoreaner machten dafür das "Gangster-ähnliche Verhalten" von Pompeo und seinem Team verantwortlich. Die Nordkoreaner feuerten im Mai wieder Raketen ab, mit denen sich auch US-Stützpunkte angreifen ließen, Trump hielt an seinem Versöhnungskurs fest, während von Bolton und anderen aus dem Weißen Haus wieder schärfere Töne anschlugen. Die Amerikaner, so die Wissenschaftler, sind über die ambivalente Position der US-Regierung verwirrt, ob Nordkorea nun eine Bedrohung ist oder nicht. Das nahmen sie zum Ausgangspunkt, um zu prüfen, ob die Amerikaner unter diesen Bedingungen den Einsatz militärischer Gewalt und auch von Atomwaffen befürworten würden.
mehr:
- USA: "Schockierende Bereitschaft, das Töten von Zivilisten eines Gegners zu befürworten" (Florian Rötzer, Telepolis, 26.06.2019)
siehe auch:
Die US-imperiale Strategie, der »Zwang« Kriege führen zu müssen und die Manipulation der öffentlichen Meinung (Post, 16.12.2018)

Medien in Frankreich: Größter Vertrauensverlust seit Jahren

Glaubwürdigkeit und die Wahrnehmung der Unabhängigkeit der Journalisten sind ganz unten angelangt
Ausgerechnet in dem Land, das so viel mit seiner aufklärerischen Tradition wirbt und dessen Regierung eine große Debatte bemühte, sind die Medien mit einer bislang ungekannten Dimension des Vertrauensverlusts konfrontiert. Eine kürzlich erschienene Reuters-Studie bestätigte die Misere: "The biggest fall in trust in years", wird über Frankreich berichtet.
Der Studie, die auch danach fragte, wie es um die Bereitschaft steht, für Online-Nachrichten Geld locker zu machen (Journalismusdämmerung? Für Online-Nachrichten will kaum jemand zahlen), war im Januar ein Stimmungsbarometer vorausgegangen, das in der Medienwelt einen Ruf hat, und das zum gleichen Befund kam: "Die Glaubwürdigkeit, die unterschiedlichen Informationsträgern zugestanden wird, und die Wahrnehmung der Unabhängigkeit der Journalisten sind ganz unten angelangt." (Frankreich: Vertrauen in Medien am Tiefpunkt).
Die Pointe, wenn man dies so nennen will, des Medienbarometers war, dass gleichzeitig ein Anstieg der Nachfrage nach News und Informationen festgestellt wurde. Anfang des Jahres dominierten die Proteste der Gelbwesten die Nachrichtenlage im Nachbarland. So fiel auch bei der Kantar-Umfrage auf, dass lediglich ein Drittel der Befragten zufrieden mit der Medienberichterstattung zu den Gelbwesten war. Genau diesen Aspekt betont auch die Reuters-Studie.
Die Libération veröffentlicht dazu heute einen Nachschlag in ihrer Kolumne CheckNews, die sich "Entgiftung" (Désintox) von Nachrichten als Zweck ausgesucht hat. Die Frage lautet heute: Ist das Vertrauen der Franzosen in ihre Medien auf ihrem Tiefstand?. Die Antwort bleibt unverändert: "Ja".

Nur 24 Prozent der Französinnen und Franzosen gaben an, dass sie den Medien trauen. Das sei der tiefste Stand, den Reuters jemals ermittelt habe. Allerdings fragt die Studie erst seit 2015 nach dem Vertrauen und schon damals war es eine Minderheit - nämlich 38 %. Damit war aber der Kredit doch deutlich höher als bei den Mediennutzern im Jahr 2019. Die Désintox-Kolumne erwähnt ebenfalls das Ergebnis der Kantarstudie und spricht von einer beachtenswerten Erosion zwischen 2018 und 2019: eine Abnahme des Vertrauens seither von 11 Prozentpunkten bei Reuters und im Durchschnitt von 6 Prozentpunkten beim Medienbarometer.
mehr:
- Medien in Frankreich: Größter Vertrauensverlust seit Jahren (Thomas Pany, Telepolis, 26.06.2018)
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