Sonntag, 14. Juni 2009

Haifische am Pokertisch

Um den Zustand seiner Magenschleimhaut zu testen, kann man sich die letzte Sendung des Monitor vom 11. Juni zu Gemüte führen.

Die Themen:

- Wie SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier die Reichen schonen will
- Wie Karstadt-Manager an hohen Mieten mitverdienen
- Pharmahersteller halten Studien unter Verschluss
(das dritte Thema wäre noch mal einen eigenen Post wert…)

Inzwischen nachgeholt:
- Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)

Ein Hoch auf unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk, von unseren privaten Fernsehsendern hätten wir sowas nicht erfahren!


Besonders der Karstadt-Bericht ist anläßlich der Diskussion um Staatshilfen interessant:


- Da gibt es erst einmal Josef Esch, der war früher Maurer und leitet inzwischen de facto die größte deutsche Privatbank Sal. Oppenheim. Diese wurde 1789 in Bonn gegründet, in der Nazizeit arisiert und hat ihren Sitz inzwischen in Luxemburg. 1992 trat der frühere Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl als Teilhaber ein. Im gleichen Jahr gründete die Bank zusammen mit Josef Esch die Fondsgesellschaft Oppenheim-Esch-Holding. Die war auch schon in Köln tätig. Der sogenannte Kölner Klüngel, der auch eine Zeit lang Konrad Adenauer tangierte, wurde 2005 einem größeren Publikum bekannt. In der WDR-Sendereihe »Die Story« berichtete die Sendung »Die Milliarden-Story« von dubiosen Geschäften der Oppenheim-Esch-Holding. (Bild: Oberbürgermeister Fritz Schramma (links) und Josef Esch bei der Grundsteinlegung zu den Messehallen (2004), aus der Neuen Rheinischen Zeitung)

Systematischer Irrsinn - Karstadt [45:47]


Veröffentlicht am 21.10.2012

Die Nachdenkseiten berichteten 2007 über einen Rechtsstreit bezüglich einer einstweiligen Verfügung, die das Bankhaus Sal. Oppenheim gegen Werner Rügemer erwirkt hatte. Dieser hatte nämlich ein Buch geschrieben: »Der Bankier«. Und in der zweiten Auflage mußten einige Stellen über die Verwicklungen des Bankhauses mit der Kölner Politik geschwärzt werden. Das Landgericht Berlin, so die Nachdenkseiten, hob einige der Verbots-Verfügungen wieder auf.

Der Hobby-Journalist Karl-Heinz Dittberner hat zu Oppenheim-Esch einen eigenen Thread angelegt, auch im Goldseiten-Forum wird man fündig. Eine Zusammenfassung findet sich auch bei Duckhome (mit der in handliche Video-Stücke zerlegten Milliarden-Story). Frank Überall darf man auch nicht vergessen. Und sogar der SPIEGEL widmet den Vorgängen jetzt einen Artikel.


Ein ähnlicher Artikel bei Karl Martell , daraus ein Zitat:

»Mit dabei waren beim Start der Fonds – außer Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, seiner Frau Cornelie und anderen – die Kunstsammlerin Claudia Oetker, der Bofrost-Gründer Josef Boquoi und Maxdata-Gründer Holger Lampatz, der 2006 und 2007 im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle saß. … Auch Münchner Oppenheim-Konkurrenten, die Privatbankiers Wilhelm von Finck Junior und Senior, zeichneten Anteile; ebenso die Ehefrau eines Ministerialbeamten aus dem Bundesjustizministerium, der dort für Gesellschaftsrecht zuständig ist.«


- Als nächster Mitspieler ist da natürlich Arcandor (toll, wer hat sich den Namen ausgedacht? Erinnert mich irgendwie an Bertelsmanns Arvato – siehe da den dritten Artikel »Ein Konzern übernimmt die Stadt«; und hier noch ein Link zu einem Artikel auf brand eins Online) mit den Geschäftsfeldern Warenhäuser, Versandhandel und Touristik. Arcandor ist gleich KarstadtQuelle, diese AG entstand 1999 durch Fusion von Karstadt und Quelle. Hauptaktionäre sind Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz. Wie es für mich aussieht, ist Arcandor der Kuchen für die Heuschrecken (oder das Holz für die Würmer). Im Monitor-Bericht wird deutlich, wie sich Karstadt (laut T-Online im letzten Jahr mit einem operativen Verlust von 272 Milionen Euro, angeblich inzwischen wieder mit Gewinn) durch sehr seltsame Mietverträge und dubiose »weiche Kosten« selbst das Wasser abgräbt (dazu weiter unten ausführlicher). Übrigens sind seltsame Mietverträge eine Spezialität von Oppenheim-Esch, davon kann der Kölner Rathaus-Klüngel ein Lied singen.









Bis 31. Dezember 2008 gehörte auch der wegen Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom Klaus Zumwinkel (hier im Bild mit René Obermann, seit November 2007 Telekom-Vorstandsvorsitzender und offiziell mit Maybrit Illner zusammen) zum Arcandor-Aufsichtsrat. (Seit 2002 nimmt er, wie weiter unten erwähnt auch Ted Turner, regelmäßig an den Bilderberg-Konferenzen teil. (Weitere frühere Posten als Aufsichtsrat: Allianz, Deutsche Lufthansa und Morgan Stanley)
Am 26. Januar 2009 wurde Klaus Zumwinkel von der 12. großen Strafkammer des Landgerichts Bochum wegen Steuerhinterziehung zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zugleich erteilte das Gericht eine Bewährungsauflage, nach der ein Geldbetrag in Höhe von einer Million Euro zu zahlen ist. Zumwinkel hatte gestanden, über eine Stiftung in Liechtenstein Steuern in Höhe von knapp 970.000 Euro hinterzogen zu haben. Laut Anklage soll Zumwinkel in den Jahren 2001 bis 2007 sogar Abgaben in Höhe von 1,2 Millionen Euro hinterzogen haben. Bezüglich des Jahres 2001 ließ das Gericht die Anklage allerdings nicht zur Hauptverhandlung zu, weil die Tat verjährt war und die Verjährung nicht rechtzeitig unterbrochen wurde. (Ein Ermittlungsrichter hatte Beschlüsse 12 Stunden zu spät ausgefertigt. Quelle: Wikipedia) Zumwinkel kündigte an, Deutschland zu verlassen, um auf Castello di Tenno zu residieren.
Zur Diskussion um ausgezahlte Pensionsansprüche und Bonus-Zahlungen siehe Wikipedia.

- Und als dritter im Milliarden-Skat sitzt Thomas Middelhoff am Tisch. Gegen den ermittelt inzwischen die Essener Staatsanwaltschaft (Essen ist Arcandor-Sitz). Von 1986 bis 2002 war Middelhoff bei der Bertelsmann AG. In den vier Jahren seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender (1998 bis 2002) verdoppelte er den Umsatz der Bertelsmann AG (von denen hab’ ich auch was). In seine Zeit bei Bertelsmann fallen der Aufbau der RTL Group, der Kauf von Random House, die Pleite der Musikbörse Napster und der Verkauf von AOL Europe (7,5 Millarden – der höchste Gewinn bis dahin in der Geschichte des Internets) an den Konkurrenten Time Warner.


ein kurzer Ausflug über den großen Teich:


Á propos Time Warner: Da ist Jane Fonda gleich um die Ecke, die Tochter von Henry und Schwester von Peter Fonda. Henrys Tochter war mal mit Ted Turner verheiratet, und zwar von 1991 bis 2001. Der ist mit 7.500 qkm – dreimal so viel wie das Saarland, das wird Heinz Becker aber nicht stören – der größte private Grundbesitzer der USA und Mitglied der Bilderberg-Gruppe. (Der Bilderberg-Link führt zur Hompage eines Teils des Forschungsprojektes »Wem gehört die EU?« am Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Wikipedia-Link findet sich weiter oben bei Klaus Zumwinkel.)
Nachdem sein Versuch gescheitert war, den US-amerikanischen Fernsehsender CBS aufzukaufen, übernahm Ted Turner 1986 von Kirk Kerkorian (der hatte mal seine Finger bei Daimler-Chrysler, General Motors und Ford drin) für einen Kaufpreis von 1,5 Milliarden Dollar das Hollywood Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und dessen Tochterfirma United Artists. Dabei hätte er sich fast verschluckt. Im Jahre 1996 fusionierte Time Warner mit Ted Turners Turner Broadcasting System (TBS). Und während der Dotcom-Blase 1999/2000 fusionierte AOL mit Time Warner.


zurück nach Deutschland:


Middelhoff verließ Bertelsmann 2002 mit einer zweistelligen Millionen-Abfindung, weil er sich mit Firmenpatriarch Reinhard Mohn nicht über eine Zukunftsstrategie einigen konnte. Als Vertrauter von Madeleine Schickedanz wurde Thomas Middelhoff im Juni 2004 als Vorsitzender des Aufsichtsrates der KarstadtQuelle AG bestellt und übernahm im Mai 2005 den Posten des Vorstandsvorsitzenden, nachdem sich KarstadtQuelle in einer existenziellen Schieflage befand. Er stabilisierte Arcandor, indem er das Tafelsilber verkaufte: danach war Karstadt Mieter in den eigenen Häusern. Am 1. März 2009 wurde er in seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG und der Thomas Cook Group von Dr. Karl-Gerhard Eick, dem ehemaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, abgelöst.





Im Februar 2009 gründete Thomas Middelhoff [Link zur Financial Times] mit Roland Berger und Florian Lahnstein in London die Investmentgesellschaft Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP (BLM), deren Chairman Middelhoff seitdem ist. Das Unternehmen sucht unterbewertete Firmen, um dort einzusteigen.


Roland Bergers Strategy Consultants ist heute mit 36 Büros in 25 Ländern Nr. 4 der weltweit größten Strategieberatungen und berät international führende Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie öffentliche Institutionen. Die Gesellschaft beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter, die 2007 einen Umsatz von mehr als 600 Mio. EUR erwirtschaftet haben.

Roland Berger ist Mitglied verschiedener Aufsichts- und Beiräte von nationalen und internationalen Unternehmen, Stiftungen und Organisationen, u. a. Fiat Group, Turin, Italien; Telecom Italia, Mailand, Italien; Fresenius SE (Vorsitzender des Prüfungausschusses), Bad Homburg; Prime Office AG, München (Vorsitzender); FC Bayern München. Außerdem gehört er International Advisory Boards an, etwa der Deutschen Bank AG, Frankfurt a.M.; von MillerBuckfire New York, USA; der Sony Corporation, Tokio, Japan, und The Blackstone Group, New York, USA.
(Angaben nach Frankfurt School Cenference 2009)

Florian Lahnstein ist der Sohn von Manfred Lahnstein, letzterer sitzt auch im Aufsichtsrat von BLM. Er war Chef des europäischen Investmentbanking von Bear Stearns sowie Chef des deutschen Investmentbanking bei UBS. (Link zu einer etwas seltsamen Meldung von Markt und Mittelstand aus dem Juli des letzten Jahres, da firmiert Florian Lahnstein noch als Vorsstandschef der Germany 1 Acqusition Limites, zu der auch »Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und der Unternehmensberater Roland Berger berufen worden« sind.)



Manfred Lahnstein war 1982 Bundesminister der Finanzen und Bundesminister für Wirtschaft und bis 2004 für Bertelsmann tätig. Sein Sohn Florian über die Aussichten der BLM: »Wir haben Zugänge in Deutschland wie kaum ein anderer.« Link zu Finanztreff.de)









Im Februar 2009 wurde auch Wolfgang Clement, ehemaliger nordrhein-westfälischer Minsterpräsident (1998-2002), in den Aufsichtsrat der BLM berufen. Dieser ist seit September 2008 auch Vorsitzender des EU-Russland-Forums und seit April 2009 auch Mitglied im Aufsichtsrat des russischen Beratungsunternehmens Energy Consulting. Neben vier Untersuchungsausschüssen gegen ihn während seiner Amtszeit als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen gab es weitere Kritikpunkte: Der Umzug der Staatskanzlei aus den bisherigen Liegenschaften in das mondäne Düsseldorfer Stadttor wurde als überflüssig und überteuert bewertet. Besonders brisant wurde die Affäre, als bekannt wurde, dass ein Clement-Vertrauter den Umzug geleitet und dafür Aufträge in Millionenhöhe erhalten hat. Nachdem er den umstrittenen Braunkohletagebau Garzweiler II genehmigt hatte, trat Clement anschließend einen Aufsichtsratsposten beim Tagebaubetreiber RWE Power AG an.


So, die drei Zocker sitzen also am Tisch. Um was geht’s nun bei dem Spiel? Wolfgang Urban handelte mit Josef Esch einen Deal aus: Karstadt verkaufte fünf seiner großen Häuser für sehr wenig Geld an Oppenheim-Esch, um sie nach deren Sanierung für sehr viel Geld zurückzumieten. (Der Vollständigkeit halber: Privatmann Urban hat bei Oppenheim-Esch sein Geld angelegt, und Josef Esch ist der Vermieter von Urbans Villa bei – na wo wohl? – Köln!)


Bei dem Geschäft Urban-Esch fallen zwei Dinge auf:


1. Der Oppenheim-Esch-Fonds hatte zum Beispiel das Karstadt-Gebäude in Leipzig für 10,4 Millionen Euro gekauft. Die Jahresmiete beträgt allein 11,3 Millionen, über 20 Jahre (Vertragslaufzeit), steigend. Die Miete in Leipzig macht 16% des Umsatzes aus, doppelt so viel üblich. Der Monitor-Experte sieht bei solchen Bedingungen keine Möglichkeit, ein Kaufhaus rentabel zu betreiben. Genauere Zahlen bei Karl Martell:


»In München betrug die Garantiemiete 23,2 Prozent vom Umsatz, in Leipzig 19,6 Prozent, in Potsdam 16,4 Prozent und in Karlsruhe 14,5. Schon bei einem Verhältnis Umsatz zu Miete von zehn Prozent, so Einzelhandelsexperten, beginne die sogenannte Todeszone, in der ein Warenhaus die Miete gemeinhin nicht mehr erwirtschaften könne.«


2. Bei Gesamtinvestitionskosten von 180 Millionen Euro tauchen 44 Millionen Euro »weicher kosten« auf, also 25%. Die setzen sich wie folgt zusammen:


Man achte dabei auf die Posten für die Geschäftsführung (sowohl für Esch wie auch für Oppenheim) und dann für die Mietervermittlung (Karstadt stand als Mieter ja von vorneherein fest): zusammen 42 Millionen Euro.

Hier wird mit einem Riesen-Besen gekehrt, da bleiben schon ein paar Krümel liegen.

Jetzt zu Thomas Middelhoff: Der erfuhr 2004 als Vorstandsvorsitzender bei Arcandor – zumindest offiziell – von den Geschäften mit Esch. In einem 22-seitigen Gutachten, das der ehemalige Syndikus des Konzerns, Bernd-Volker Schenk, mit Datum vom 8. November 2006, an Middelhoff schickte rügte dieser, daß weder die Kaufpreisfestsetzung noch Teile der so genannten weichen Kosten nachvollziehbar seien. Wenn die Gegenseite aus der Vereinbarung aussteige, »muss sie mindestens die Erträge an KarstadtQuelle zahlen« - nach Schenks Berechnungen, inklusive einiger Nebenansprüche, mehr als 110 Millionen Euro. Der Vorstand der KarstadtQuelle AG müsse deshalb »mit Herrn Esch vor Eintritt der Verjährung entweder ein Verhandlungsergebnis erzielen oder aber die Forderung verjährungsunterbrechend gerichtlich geltend machen« - also klagen [Quelle: SPIEGEL Online]. Jedoch ging Middelhoff nicht gegen Esch vor. Das wundert nicht. So hatte er nämlich Josef Esch schon vor vielen Jahren zu seinem persönlichen Vermögensverwalter gemacht und besitzt selbst Anteile an fast allen Oppenheim-Esch-Fonds, die mit Karstadt die Geschäfte gemacht hatten. Rund 7,4 Millionen Euro hat Middelhoff allein für Karstadt in Leipzig angelegt, noch mal 7,4 Millionen seine Ehefrau.

Übrigens: Seit 2007 ist Middelhoff Mitglied der von Bundesminister Sigmar Gabriel anlässlich der CBD-COP9 ins Leben gerufenen Naturallianz, die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzt. Und im Oktober 2007 wurde Middelhoff von der Universität Bayreuth mit dem Vorbildpreis ausgezeichnet.

Let's make MONEY - DVD ab 18.06. im Handel. [2:03]


Hochgeladen am 02.10.2008
"Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen kann, dann dieser." [CINEMA] 

http://www.lets-make-money.info
Ab 18.Juni 2009 auf DVD erhätlich.

Mit seinem Dokumentafilm "Let's make MONEY" folgt der Filmemacher Erwin Wagenhofer (WE FEED THE WORLD) der Spur unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem und blickt dabei hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken, Investmentmanagern und Versicherern.

"Let's make MONEY" ist ein bewegender Film, der aufgrund der aktuellen Bauchlandung der Finanzbranche nicht nur topaktuell ist, sondern auch Hintergründe und Zusammenhänge liefert, die uns die Probleme unserer Finanzwelt in eindrucksvollen Bildern vor Augen führt.

Ab 18.Juni 2009 auf DVD erhätlich.

Weitere Informationen zum Film unter:
http://www.lets-make-money.info


Und zum Schluß blenden wir zu Franz-Walter Steinmeiers Verzweiflungs-Wahlkampf zurück (Bericht 1 der Monitor-Sendung). O-Ton Steinmeier: »Und wir haben in unserem Regierungsprogramm deshalb noch mal sehr genau an den Artikel 14 erinnert, dick unterstrichen, was dort da steht: Eigentum verpflichtet, steht nämlich dort.« Monitor: »Die SPD will die sogenannte Reichensteuer. Das heißt, die Reichen sollen mehr zahlen auf ihr Einkommen, aber nicht auf ihr Vermögen. Eine Vermögensteuer schließt Steinmeier aus.« (Klar, wir leben ja im Zeitalter der Globalisierung, viele Reiche würden dann in Steueroasen auswandern.)
Dann wird der Millionär Klaus Barski vorgestellt. Der mag die SPD nicht. Angst vor der Einkommenssteuer hat er aber nicht. Klaus Barski geht es gut, auch in der Krise – er hat nie mit Aktien spekuliert. Er lebt von seinem Immobilienvermögen. Das schätzt er auf fünf Millionen Euro. Sein letzter Einkommmensteuer-Bescheid betrug 2.300 Euro. O-Ton Barski: »Und dann habe ich dieses Haus, habe ich wie gesagt, gekauft für knapp 70.000 Mark und dann für eine halbe Million wieder verkauft. Und das war dann der weitere Grundstock, um wieder in die nächsten Häuser einzusteigen. Mein erstes Mietshaus. Sehe ich immer wieder gern. Muss man nur aufpassen, dass es nicht umkippt.« Reporter: »Zahlen Sie da Steuern, wenn Sie das Haus verkauft haben?« Barski: »Ne, bei dem Haus habe ich natürlich keine Steuern bezahlt, aus dem einfachen Grund, … ich habe es Jahrzehnte besessen und nach zwei Jahren hätte es schon gereicht, … steuerfrei das Haus für … hätte ich es für zehn Millionen verkauft, ich hätte keinen Pfennig Einkommensteuer … Das war ja das Geheimnis der großen Spekulanten hier.«


DieStory 21.11.2011 Adel vernichtet - Untergang des Bankhauses Oppenheim [42:45]


Hochgeladen am 24.11.2011
DieStory 21.11.2011 Adel vernichtet - Der bemerkenswerte Untergang des Bankhauses Oppenheim WDR

Wer nichts weiß muss alles glauben ...
http://bewusstsein-online.de
http://www.youtube.com/user/Bewusstse...
http://www.facebook.com/pages/bewusst...


DieStory 21.11.2011 Adel vernichtet - Der bemerkenswerte Untergang des Bankhauses Oppenheim WDR

siehe auch:
- Hungergeister (Post, 09.04.2008)

zuletzt aktualisiert am 04.03.2016

60 Jahre Bundesrepublik – Quo vadis, Deutschland?

Nur mehr knapp ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) glaubt, heute noch in einer Wohlstandsgesellschaft zu leben. Mehr als doppelt so viele (66 Prozent) aber wünschen sich für die Zukunft eine "Sozialgesellschaft", in der der Staat die Bürger vor Not, Armut und Arbeitslosigkeit schützt und "sozial absichert" sowie allen eine individuelle Zukunftsvorsorge ermöglicht.

Dies geht aus einer aktuellen Repräsentativbefragung der Stiftung für Zukunftsfragen hervor, bei der 2.000 Teilnehmer ab 14 Jahren befragt wurden. "Die Deutschen wollen nach wie vor ein sicheres Einkommen haben und sorgenfrei und ohne Zukunftsangst leben können", so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Wissenschaftliche Leiter der Zukunftsstiftung. "Sie erwarten, dass der Staat seine Sicherheitsversprechen einlöst, und hoffen auf mehr soziale Gerechtigkeit."

Denn nur drei Prozent glauben, in einer Zivilgesellschaft zu leben, in der Freiheit, Gleichheit und Sicherheit garantiert und gelebt werden können. 39 Prozent finden, dass sie in einer Klassengesellschaft leben, in der das Wohlstandsgefälle wächst und die soziale Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Insbesondere die Landbewohner sähen sich benachteiligt, weil die Grundversorgung vom Nahverkehr bis zur ärztlichen Versorgung nicht mehr gewährleistet sei. Und auch die Ostdeutschen fühlten sich – zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung – ausgegrenzt, weil Arbeit und Wohlstand zunehmend in den Westen wanderten.

Politisch programmatische Leitbilder wie die Bürgergesellschaft (5 Prozent) und die Wissensgesellschaft (9 Prozent) sind bei den meisten nicht angekommen. Vor allem präsent ist dagegen die Leistungsgesellschaft (39 Prozent). Für die Zukunft wünschen sich die Deutschen eine Sozial-, Generationen- und Hilfeleistungsgesellschaft. Statt Erlebnis und Konsum ist Wohlfühlen gefragt. Motto: Weniger ist mehr. Quelle: Stiftung für Zukunftsfragen

aus Der niedergelassene Arzt 5/2009

Schwindel – Mit Bewegung Stürze vermeiden

Wer unter Schwindel leidet, fällt eher hin. Das Sturzrisiko kann man jedoch durch gezieltes körperliches Training deutlich reduzieren. Dasfanden Wissenschaftler des Departments Sportwissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) heraus. Für das Gleichgewicht des Menschen sind vier Systeme verantwortlich, die ständig Informationen über den Gleichgewichtszustand an das Gehirn senden: zwei Gleichgewichtsorgane im Innenohr, das visuelle System, das System der Körperwahrnehmung sowie das System der Informationsverarbeitung. Fällt ein Gleichgewichtsorgan im Innenohr aus, leidet der Patient unter Drehschwindel und Übelkeit sowie einer Fallneigung mit möglichen Stürzen.

Die Ursache der Erkrankung ist allerdings weitgehend unbekannt und bis heute gibt es keine wirksame Therapie. Um Patienten mit geschädigtem Gleichgewichtsorgan dennoch zu helfen, haben die MLU-Wissenschaftler eine besondere Behandlungsmethode entwickelt. "Bei einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans müssen die drei intakten Systeme idealerweise die Funktion des ausgefallenen Organs übernehmen", sagt Andreas Lauenroth, der zu dem Thema seine Doktorarbeit verfasste. Durch ein bewegungstherapeutisches Rehabilitationsprogramm können die drei intakten Systeme so sensibilisiert werden, dass den Patienten die alte Standsicherheit zurückgegeben und damit die Sturzgefahr reduziert wird.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Therapie keine Regeneration der erkrankten Gleichgewichtsorgane ermöglichte. Der Erfolg ist also auf eine bessere Informationsverarbeitung im Gehirn zurückzuführen, die durch das Training erreicht wurde. Die Erkenntnisse sollen jetzt in die Arbeit des Netzwerks Altersforschung der Uni Heidelberg einfließen. Quelle: Martin-Luther-Universität Wittenberg

aus Der niedergelassene Arzt 5/09