Montag, 17. Juni 2019

Golf von Oman: Die USA schütteln mal wieder einen Schuldigen aus dem Ärmel

Am Freitagmorgen wurden zwei Chemikalientanker im Golf von Oman wenige Kilometer vor der iranischen Küste unter bislang noch ungeklärten Umständen attackiert. Die US-Regierung gab bereits wenige Stunden später Iran die Schuld und präsentierte ein verschwommenes „Beweisvideo“. Beweisen lässt sich mit diesem Video jedoch nichts und Staaten wie Japan und auch Deutschland haben ihre Skepsis bereits verlautbart. Vieles spricht dafür, dass das Video selbst eine Fälschung ist. Dann würden sich jedoch Fragen stellen, deren Konsequenzen die Weltöffentlichkeit sehr ernstnehmen müsste, will man einen drohenden Flächenbrand am Persischen Golf verhindern.
Für US-Außenminister Mike Pompeo ist die Sache glasklar. Er habe „keinen Zweifel“ daran, dass Iran den Angriff auf die zwei Tanker begangen hat. Es gäbe „viele Beweise“, die von den Geheimdiensten gesammelt wurden und die Weltöffentlichkeit werde viele davon auch noch zu Gesicht bekommen. Man darf gespannt sein. Der erste angebliche Beweis sollte das vom U.S. Central Command veröffentlichte Video sein, das jedoch selbst bei wohlwollender Betrachtung schwerlich mehr als ein schwaches Indiz für eine unterstellte iranische Täterschaft sein kann. Warum ist das Video, das immerhin gute 12 Stunden nach dem ersten Anschlag aufgenommen wurde, eigentlich von derart schlechter Qualität? Man sollte doch annehmen, dass die modernste und hochgerüstetste Armee der Welt in der wohl weltweit am besten überwachten Seestraße zwölf Stunden nach einem derartigen Vorfall im Stande sein sollte, ein scharfes Video zu drehen. Aber das ist nur eine Frage am Rande. Die eigentlichen Zweifel am Video und damit der US-Version sind gravierend.
Die US-Version ist unwahrscheinlich
Im Video soll gezeigt werden, dass ein zehnköpfiges Team der Revolutionären Garden auf einem Patrouillenboot an der mittlerweile manövrierunfähigen und evakuierten Kokuka Courageous anlegt und eine nicht explodierte magnetische Haftmine entfernt. Zwei weitere Haftminen sind demnach in den Morgenstunden explodiert und haben das Schiff schwer beschädigt. Dies widerspricht jedoch den Aussagen der Besatzung und auch die japanische Reederei[*] widersprach der US-Erklärung im japanischen Staatsfernsehen massiv. Demnach habe die Crew kurz vor den Explosionen anfliegende Objekte gesehen. Dies könnten Raketen oder aber – was wahrscheinlicher ist – eine Drohne gewesen sein.
mehr:
- Ist der Golf von Oman der Golf von Tonkin des Jahres 2019? (Jens Berger, NachDenkSeiten, 17.06.2019)
siehe auch:
Was die Medien im Konflikt zwischen den USA und Iran übersehen (Post, 31.05.2019)
Greifen die USA den Iran an? (Post, 17.05.2019)
Venezuela und der Iran – demokratischer Anspruch und schmutzige Realität (Post, 27.03.2019)
- Operation Ajax revisited (Post, 24.07.2016)
mein Kommentar:
Wenn ich das Wort »Geheimdienste« höre, übersetzte ich das inzwischen in »Propaganda-Abteilung«
27 000 PR-Berater polieren das Image der USA (Post, 17.05.2019)



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