Samstag, 5. November 2016

Wie Realität hergestellt wird: Sprachverdrehungen, scheinbare Gewissheiten und Geschichtsklitterung

In den letzten Monaten wurde mir deutlich, wie wichtig die Verwendung von Sprache in der Vermittlung von Information ist. Hier eine erst einmal unorganisierte Beispielsammlung.

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argumentum ad hominem [Wikipedia, abgerufen am 15.11.2016]


Unter einem argumentum ad hominem (lateinisch „Beweisrede zum Menschen“) wird ein Argument verstanden, in dem die Position oder These eines Streitgegners durch einen Angriff auf persönliche Umstände oder Eigenschaften seiner Person angefochten wird. Dies geschieht meistens in der Absicht, wie bei einem argumentum ad populum, die Position und ihren Vertreter bei einem Publikum oder in der öffentlichen Meinung in Misskredit zu bringen. Es kann in der Rhetorik auch bewusst als polemische und unter Umständen auch rabulistische Strategie eingesetzt werden.
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Eine Liste von Beispielen, wie Putin von unseren Medien im Chor schlecht gemacht wird, erspare ich mir (noch)!



Geschichtsklitterung, Verschwindenlassen von Quellen

Als ich die Quellen zu dem Post
Ukraine-Krise: Unsere offiziellen Russland-Versteher konnten sie angeblich nicht kommen sehen! (09.12.2014) nochmal checkte, fiel mir auf:
- der Artikel »Charta über eine besondere Partnerschaft« gibt es bei Wikipedia nicht mehr!
- den Artikel »NATO-Ukraine-Kommission« gibt es bei Wikipedia nicht mehr!
- den Artikel »Militärische Ausbildungshilfe« gibt es bei Wikipedia nicht mehr!
- den Artikel »Vereinbarung über Militärische Ausbildungshilfe« gibt es bei Wikipedia nicht mehr!
- den Abschnitt »Militärische Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Ukraine« im Wikipedia-Artikel »Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine« gibt es nicht mehr!

Honi soit qui mal y pense!

siehe auch:


Die dunkle Seite der Wikipedia, Post, 18.07.2016)

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Junia oder Junias ist ein Apostel oder eine Apostelin, der/die im Römerbrief 16,7 LUT zusammen mit Andronikus erwähnt wird.
Im Römerbrief werden Andronikus und Junia erwähnt, die „angesehen unter den Aposteln sind“. Junia (weiblich) wird dabei von manchen als Kurzform für Junianus (männlich) interpretiert. Die Gute Nachricht Bibel, neuere Ausgaben der Lutherbibel und die Bibel in gerechter Sprache fassen dagegen Junia als Apostelin auf.
In den Erläuterungen zur Guten Nachricht zum Stichwort Junia heißt es:
„Für eine Frau spricht auch, daß der Frauenname Junia in der außerbiblischen antiken Literatur vielfach belegt ist, ein Männername Junias aber bis heute nicht nachgewiesen werden konnte. Die Ansicht, daß es sich bei der betreffenden Person um einen Mann namens Junias handle, wird zum ersten Mal im 13. Jh. in der lateinischsprechenden Kirche des Westens vertreten. Sie wird hier sehr schnell Gemeingut der Ausleger und ist es bis heute geblieben, während die orthodoxen Kirchen des Ostens immer noch an der althergebrachten Auffassung festhalten.“– Erläuterungen Gute Nachricht Bibel

 [Junia (Apostel), Wikipedia, abgerufen am 28.11.2016]
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Kausalverschiebung
War die Ukrainekrise vorhersehbar? 
Die EU war tatsächlich überrascht von der Krise, da in Brüssel nicht damit gerechnet wurde, dass Russland mit militärischen Maßnahmen auf ein ursprünglich rein technisches Freihandelsabkommen reagieren würde. Hier wurde unterschätzt, welche Bedeutung die Ukraine für Russland hat. [Das Assozierungsabkommen mit der EU war Auslöser des Konfliktes, Interview mit Lana Fix, Russland-Expertin der DGAP (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik), Deutsch-Türkisches Journal, 04.07.2014, Hervorhebungen von mir]
Lana Fix stellt in dem Interview einen Kausalzusammenhang zwischen den sogenannten »militärische Maßnahmen« Russlands und dem Assoziierungsabkommen mit der EU her.

A) Es regnet
B) Ich spanne einen Schirm auf.
In dem Satz:
»Ich habe einen Schirm aufgespannt, weil es zu regnen begonnen hat.«
stelle ich einen Kausalzusammenhang her: Der Regen ist der Grund (die Ursache) dafür, daß ich den Schirm aufgespannt habe.

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Kausalität (lat. causa „Ursache“) ist die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, betrifft also die Abfolge aufeinander bezogener Ereignisse und Zustände. Oder: Ein Ereignis oder der Zustand A ist die Ursache für die Wirkung B, wenn B von A herbeigeführt wird.Vom Begriff der Ursache werden im Alltag oft die Begriffe GrundAnlass und Bedingung (Voraussetzung) unterschieden; über die genaue Abgrenzung herrscht allerdings keine Einigkeit. Meistens gilt:
  • die Bedingung als eine besondere Art der Ursache, nämlich eine zeitlich streng vor der Wirkung liegende und in irgendeiner Weise besonders herausragende, ohne die eine entsprechende Wirkung nicht eintritt;
  • der Anlass als zufälliger, „unwesentlicher“ Auslöser einer Wirkung neben einer „eigentlichen“, „wesentlichen“ Ursache;
  • der Begriff Grund als Element rationaler Überlegungen oder Begründungen im Gegensatz zur Naturkausalität. [Kausalität, Wikipedia, abgerufen am 05.11.2016] 
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Die Frage, die ich stelle: Hat Russland (mit militärischen Maßnahmen, diese Tatsache nehme ich jetzt einmal so hin)
A) auf das Assoziierungsabkommen reagiert oder 
B) auf die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der Ukraine?

Die zweite Kausalverschiebung ist versteckt:

Russland [reagierte] mit militärischen Maßnahmen auf ein ursprünglich rein technisches Freihandelsabkommen.
Zur Verdeutlichung mein Beispiel mit dem Regenschirm:
A) Die Sonne scheint am Morgen
B) kurz vor Mittag regnet es
C) Ich spanne einen Schirm auf

In dem Satz:
»Der Mann spannt seinen Schirm auf, dabei war es am Morgen noch sonnig.«
läßt das Aufspannen des Schirms als sinnlos erscheinen, indem er die Tatsache, daß es regnete, verschweigt. 

siehe auch:
- Tendenziöse Attributierung in deutschen Printmedien: Putin vs. Obama – eine linguistische Analyse (Bachelorarbeit, Miriam Zwingli, Hochschule für angewandte Sprachen, München, 2012 )



scheinbare Gewissheiten
Erst die Ukraine, jetzt Syrien: Die russische Außenpolitik ist ohne Zweifel aggressiv. Trotzdem muss Deutschland nicht in Panik verfallen. Es gibt ein Mittel gegen die Eskalation - es stammt aus dem ersten Kalten Krieg. Russisches Syrien-Abenteuer – Das Ende der alten Weltordnung, Matthias Schepp, SPON, 10.10.2015, Hervorhebung von mir)
»It ain't what you don't know that gets you into trouble. It's what you know for sure that just ain't so.« [Mark Twain]
Ukraine: Russia not behaving like '21st century G8 major nation' - Kerry [1:29]

Veröffentlicht am 05.03.2014
US Secretary of State John Kerry spoke at the US embassy in Kiev on Tuesday after meeting with the Rada-appointed interim president of Ukraine, Oleksandr Turchynov, and the Rada-appointed interim prime minister of Ukraine, Arseniy Yatsenyuk.

Kerry said Russia was not behaving like a "21st century G8 major nation" by deploying troops in Crimea. Kerry added that if Moscow did not agree to cooperate with the new Ukrainian authorities, the US' partners would have no choice but to join the Obama administration in imposing sanctions "in order to isolate Russia politically, diplomatically and economically".

Kerry also confirmed that the US would, together with the IMF, provide Ukraine with $1bn (€730m) in loan guarantees in order to support the country's recovery.

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Das bleibt bis auf Weiteres eine schlecht organisierte Dauerbaustelle…

      


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