Donnerstag, 9. Juli 2009

Geht’s auch anders?

Zum wievielhunderdsten Mal, auf den Punkt gebracht bei ZEIT Online.

Sonntag, 5. Juli 2009

Unser Planet hat eine neue Zivilgesellschaft

Die Rede von Jean Ziegler, dem UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, zur Eröffnung des Anti-G-8-Gipfels in Heiligendamm bei Publik-Forum

Ein Bischof, der verfolgt wird

Ein Interview mit Álvaro Ramazzini in Publik-Forum

Bargeld für alle!

Fleißig oder faul, ein Grundeinkommen sichert namibischen Dorfbewohnern das Überleben – und setzt überraschende Kräfte frei. Ein Modell?

VON MARC ENGELHARDT

Otjivero. Die Sonne scheint für alle an diesem Morgen in Otjivero, einer 1200-Einwohner-Gemeinde gut 100 Kilometer östlich von Namibias Hauptstadt Windhuk. Sana Gaueroman wärmt sich in ihren Strahlen, während sie vor der Krankenstation des Dorfes darauf wartet, dass ihre zweijährige Tochter Paloma zur Polioimpfung aufgerufen wird. „Eigentlich hätte sie die schon kurz nach der Geburt bekommen sollen, aber das konnte ich mir nicht leisten“, gesteht die arbeitslose Mutter. Vier namibische Dollar kostet die Impfung, 32 Euro-Cent. Aber die hatte Gaueroman nie übrig.

Das hat sich geändert. In Otjivero fließt das Geld – garantiert. Jeder Bürger erhält monatlich 100 Namibia-Dollar (acht Euro). Reich ist man damit nicht, aber leben kann man davon. Tun muss man dafür nichts, es gibt keine Bedingungen. Wer in Otjivero lebt, bekommt das Geld. So einfach ist das.

Kaum jemand konnte es glauben, als im Januar 2008 Bischof Zephania Kameeta, eine Art namibischer Desmond Tutu, im schäbigen Otjivero auftauchte, um den Geldsegen zu versprechen. Der auf dem Dorfplatz versammelten Menschenmenge rief der 62-Jährige irgendwann zu: „Ich bin nicht den langen Weg aus Windhuk hierhergekommen, um zu lügen, dafür bin ich zu alt.“ Die Leute staunten. Richtig ernst genommen, sagt Kameeta, hätten die meisten ihn aber wohl erst, als Monate später die Zählung der Bürger begann. „Das ganze war eine Nacht-und-Nebel-Aktion, selbst die Helfer haben wir erst unmittelbar vor der Abfahrt aus Windhuk informiert“, erinnert sich Dirk Haarmann, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia das Projekt zum Grundeinkommen in Otjivero im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche Namibias begleitet hat.

Die Geheimnistuerei sollte verhindern, dass Außenstehende in Otjivero einströmen. Denn nur wer am Stichtag registriert wurde und jünger war als 60 Jahre, bekommt das Geld: genau 930 Menschen. Außer Rentnern, die staatliche Grundversorgung erhalten, kriegt jeder die 100 Dollar, vom Säugling bis zum Familienvater, vom Bettler bis zum Kaufmann. „Das Grundeinkommen befreit die Menschen vom täglichen Existenzkampf“, erklärt Haarmann. „Hunger macht ökonomisch keinen Sinn“, glaubt der ordinierte Theologe, der aus dem rheinischen Mettmann stammt. „Nur wer nicht hungert, wird wirtschaftlich aktiv und kann sich selbst aus der Armut befreien.“ Damit stützt er den Bericht einer staatlichen Kommission, die der Regierung schon vor sechs Jahren die Einführung des Grundeinkommens für jeden Bürger als Beitrag zum Ausgleich sozialer Schieflagen empfohlen hat. „Aber die Regierung hat gezögert und gezögert, bis Kirchen, Gewerkschaften und Verbände gesagt haben: Jetzt wollen wir einfach mal einen Feldversuch wagen.“ Es ist das erste Modellprojekt seiner Art weltweit. Der Ende Juni vorgelegte Abschlussbericht legt den Schluss nahe, dass es ein spektakulärer Erfolg war.

Finanziell, so hat Haarmann ausgerechnet, wäre die flächendeckende Einführung des Grundeinkommens kein Problem. Namibia hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas. Hier liegen die Diamanten in der Wüste herum, die deshalb mit hohen Zäunen abgesperrt ist in Areale, die Sperrgebiete heißen. Deshalb ist die Schere zwischen Arm und Reich kaum irgendwo größer als hier: Zwei Drittel der Namibier leben unterhalb der Armutsgrenze. Maximal vier Prozent des Bruttosozialprodukts wären nötig, so glaubt Haarmann, um die Lage grundlegend zu ändern. Finanziert werden soll das Grundeinkommen über Steuern, die Reiche stärker belasten, und über Einsparungen: Weil jeder das Gleiche bekommt, ist keine Überprüfung nötig und kein bürokratischer Überbau. Das macht die Sache für den Staat attraktiv.

Kein Schlaraffenland, aber ein besserer Ort: Otjivero, das Hoffnungsdorf in Namibia. rtr

Einer der Profiteure in Otjivero ist John Thomason, der in der Morgensonne seine einjährige Tochter Hildegard auf dem Arm hält. „Ich kann jetzt einen alten Pick-up abbezahlen.“ Sein Hof ist übersät mit Ersatzteilen, mit Autos kennt Thomason sich aus. Doch das nötige Kapital fehlte ihm bisher. „Wenn Leute in die Stadt wollen, dann lade ich sie auf die Ladefläche und fahre sie die 50 Kilometer.“ Zehn Namibia-Dollar verlangt er für die Hin- und Rückfahrt, bis zu zwölf Personen bekommt Thomason locker zusammen: Wegen des Grundeinkommens gibt es nun auf einmal zahlende Kunden. Wenn Thomas seine Kosten abrechnet, bleibt genug zum Leben und um das Schulgeld für seine Kinder zu bezahlen. Früher hat der 43-Jährige wie die meisten in Otjivero gar keine reguläre Arbeit gehabt. Seine Frau hat auf einem schmalen Streifen staubiger Erde versucht, ein bisschen Gemüse anzubauen.

Otjivero war nicht nur arm, sondern als Hort von Ganoven und Taugenichtsen verschrien. „Ein Pfarrer hat mich gewarnt: Dieses Dorf ist ein Krebsgeschwür, geht da nicht hin“, erinnert sich Haarmann. Inzwischen, berichten die Dörfler stolz, seien die Farmer der Umgebung sogar bereit, Leute aus Otjivero als Erntehelfer oder Handlanger einzustellen. „Das wäre früher nicht möglich gewesen“, frohlockt Steven Eigowab.

Eigowab ist Chef des 18-köpfigen Komitees, das die Dorfbewohner kurz nach der Zählung gewählt haben. Die Idee hatten sie selbst. Das Komitee half mit, bei der ersten Geldausgabe Ordnung zu schaffen: Sonst wären viele der Wartenden bei dem Ansturm auf die Kasse wohl zertrampelt worden. Inzwischen weiß jeder, dass genug Geld für alle da ist. Das zweite Problem ist delikater: die richtige Verwendung der Hilfen. „Wir wollen nicht, dass alle ihr Geld gleich am Ausgabetag versaufen.“ Genau das nämlich werfen die Kritiker dem Projekt vor: Den Untätigen werde Geld in den Rachen geworfen. Anstatt Arbeit zu belohnen, werde Faulheit finanziert. Und tatsächlich feierten die 13 Kaschemmen am Abend des ersten Ausgabetags das Geschäft ihres Lebens. Wegen Trunkenheit und ,ungebührlichen Verhaltens? nahm die Polizei ein paar Bewohner mit in die Ausnüchterungszelle. Andere trugen einige Tage später stolz ein neues Handy oder anderes Konsumgut zur Schau.

Das hat sich gegeben. Der Abschlussbericht für die namibische Regierung zieht nun eine fast begeisterte Bilanz: Der Prozentsatz mangelernährter Kinder ist von 42 auf 10 Prozent gefallen; die Zahl der Kinder, die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen, sank um 42, die Kriminalitätsrate um 47 Prozent. Das für die Nachhaltigkeit des Projekts aber vielleicht wichtigste Ergebnis ist dieses: Die Menschen haben das Grundeinkommen vermehrt. Das Durchschnittseinkommen aus Beschäftigung, selbstständiger oder angestellter, stieg von 118 namibischen Dollar auf 152 – ohne das Grundeinkommen. Mit solchen Zahlen, so hofft Kameeta, wird man die Regierung von einer Ausweitung des Grundeinkommens überzeugen können.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 2. Juli 2009

Bei Youtube kann man sich ein Video in deutscher Sprache ansehen, ich konnte es nicht einbetten, um zu Beginn wirbt Müller Milch…


Lieber Arash, ich muß wissen, wo Du bist

Neda ist zum Symbol des iranischen Widerstands geworden.



Als die Junge Frau in Teheran von einer Kugel getroffen wurde, versuchten zwei Männer, ihr das Leben zu retten. Einer davon ist Arzt, heißt Arash Hejazi und ist mit dem Dichter Paulo Coelho befreundet.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Der bloggende Mullah

Ein iranischer Geistlicher fordert Freiheit und eine Religion ohne Zwang: Mohammed Ali Abtahi

Iranische Mullahs haben in der Regel lange Bärte, wirken ungeheuer ernst, geben nichts Persönliches preis, sind im Rentenalter und zumeist bereit, alle Machtsäulen der Islamischen Republik Iran dogmatisch zu verteidigen, wenn nötig auch mit Gewalt.

Mohammed Ali Abtahi gehört nicht zu diesen Mullahs. Der Geistliche ist 51 Jahre alt, hat nur einen kurzen Bart, lacht gerne, spricht offen darüber, dass er mit wechselnden Diäten gegen sein Übergewicht kämpft und führt ein Institut für Interreligiösen Dialog. Mohammed Ali Abtahi war Präsident des iranischen Rundfunks und unter der Regierung des Reformers Mohammed Khatami Erster Vizepräsident des Irans, zunächst als Stellvertreter des Präsidenten, dann als Vizepräsident für parlamentarische Angelegenheiten.

Doch inzwischen ist er auf andere Weise berühmt geworden: Mohammed Ali Abtahi ist der bloggende Mullah. Seit mehr als fünf Jahren schreibt er täglich einen Blog. Sein Internettagebuch ist den Mächtigen in Teheran und der geistlichen Metropole Ghom zunehmend unheimlich. Kurz nach Beginn der Demonstrationen gegen die Unregelmäßigkeiten hei der Präsidentenwahl wurde der bloggende Mullah verhaftet.

Unbeliebt war Mohammed Ah Abtahi bei den Mächtigen im Lande schon vor der großen Rebellion. Jeden Tag ärgerte er sie mit Indiskretionen über Empfänge, über geheime Verbindungen und Absprachen, mit Insidergeschichten aus den Korridoren der Macht. Der bloggende Mullah ist gut vernetzt und hat seine Fühler überall. Seine Internetseite webneveshteha.com wurde immer beliebter, zumal der Mullah auch unkonventionelle Lebensberatung für jüngere Leute erteilte. Lange Zeit blieb er erstaunlich unbehelligt. Inzwischen ist sein Blog gesperrt. An einem grauen Morgen wurde er von Polizisten abgeholt.

Abtahi ist Mitglied der iranischen Partei Verband der kämpfenden Geistlichkeit und versteht sich als Bürgerrechtler. Bei den iranischen Präsidentschaftswahlen hatte Abtahi nicht den führenden Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi, sondern dessen reformerischen Konkurrenten Mehdi Karroubi unterstützt. Inzwischen unterstützt er die Proteste für die Überprüfung der Wahlergebnisse. Für Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad gehört der bloggende Mullah zu den »Drahtziehern« der Unruhen.

Letzteres verwundert nicht, denn der bloggende Mullah hat vor allem theologisch gänzlich andere Auffassungen als der Staatspräsident, der einer radikalen islamischen Sekte angehört, und viele der anderen Mullahs um Ali Khamenei, den Religionsführer des Irans. Mohammed Ali Abtahi bringt den Gegensatz schnell auf den Punkt: »Wer erzwingen will, dass alle religiös werden, erzeugt nur Hass«, sagte er vor wenigen Wochen, noch vor den Unruhen. »Und wer Freiheit sabotiert, macht die Religion kaputt.« Das ist ein geistiger Generalangriff auf Theologen, die die Menschen in das Korsett ihrer engen Auffassungen von einer islamischen Republik zwingen wollen. Michael Damm

Dienstag, 23. Juni 2009

Piet Klocke zur Europawahl

Solange sich das Parlament selbst nicht ernst nimmt, gehe ich da nicht hin.

Piet Klocke in Neues aus der Anstalt [4:33]



Naja, vielleicht überleg’ ich mir das noch mal.


Heidelberger Bibliotheca Palatina komplett online

Die Heidelberger Bibliotheca Palatina, eine der wertvollsten Sammlungen deutschsprachiger Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, ist vollständig digitalisiert im Internet zugänglich. In einem auf drei Jahre angelegten Projekt hat die Universitätsbibliothek Heidelberg alle 848 Codices Palatini germanici der ehemals Pfalzgräflichen Bibliothek (Bibliotheca Palatina) mit insgesamt ca. 270.000 Seiten und ca. 7.000 Miniaturen digitalisiert und für die Online-Nutzung aufbereitet.

Die Ursprünge der Bibliotheca Palatina reichen bis 1386, in das Jahr der Gründung der Universität Heidelberg zurück. Die deutschsprachigen Handschriften befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg; nahezu alle griechischen und lateinischen Handschriften sowie sämtliche Drucke befinden sich heute in der Bibliotheca Apostolica Vaticana in Rom. Die berühmte Büchersammlung bietet reichhaltiges Quellenmaterial für eine Vielzahl von Wissenschaftsdisziplinen. Neben Preziosen, wie dem Heidelberger Sachsenspiegel oder dem Codex Manesse, finden sich Beispiele höfischer Epik, biblische Texte, medizinische Traktate oder gar Kriegsbücher. Alle Heidelberger Palatina-Handschriften können nun virtuell geblättert werden. Mit einem Klick können sie zudem als pdf-Datei auf den eigenen Rechner geladen werden.
vom Blog von Thomas Pape

Samstag, 20. Juni 2009

Der Zweite Tschetschenienkrieg ist zuende…

Im Ersten Tschetschenienkrieg, welcher von 1994 bis 1996 andauerte, konnte die Tschetschenische Republik Itschkerien ihre Unabhängigkeit behaupten.Rund 400 tschetschenische Freischärler unter der Führung von Schamil Bassajew und Ibn al-Chattab griffen am 7. August 1999 die Nachbarprovinz Dagestan an. In diesen Kämpfen (siehe Dagestankrieg) bis zum 26. August 1999 kamen rund 73 russische Soldaten ums Leben und 259 wurden verwundet. Zwischen dem 5. und 15. September 1999 griffen rund 2.000 Kämpfer den dagestanischen Bezirk Nowolakskij an und töteten mehrere hundert Menschen. Im gleichen Zeitraum kamen in Moskau und anderen russischen Städten über 300 Menschen bei Sprengstoffanschlägen auf Wohnhäuser ums Leben. Ministerpräsident Putin machte tschetschenische Terroristen für die Taten verantwortlich und erklärte ihnen öffentlich den Krieg. [Zweiter Tschetschenienkrieg, Hintergründe, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 08.10.2016]
Es war einmal Tschetschenien [57:11]

Veröffentlicht am 18.12.2014
Vor fast einem Jahrzehnt sind russische Truppen in Tschetschenien einmarschiert. Am 25. Dezember 1994 erklärte Boris Jelzin, er werde "Recht und Ordnung in Tschetschenien wieder herstellen". Zum erstem Mal seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Geburt der Russischen Föderation beschloss der Kreml, entgegen der Vorbehalte von Armee und Abgeordneten, einen innenpolitischen Konflikt mit militärischen Mitteln zu lösen. Der erste Feldzug dauerte zwei Jahre und hatte lediglich zur Folge, dass der Ruf der "Unbesiegbarkeit der russischen Armee" zerstört und die unerbittliche Widerstandskraft des tschetschenischen Volkes augenfällig wurde. 1999, drei Jahre danach, fing alles von vorne an: Russische Truppen marschierten in Grosnij ein, und die Stadt wurde Monate lang mit Bomben und Raketen beschossen.

Die Autorin und Regisseurin georgischer Abstammung, Nino Kirtadze, hatte den Tschetschenien-Krieg 1994 und 1996 als Kriegsberichtserstatterin zuerst für die französische Presseagentur AFP, danach für die Associated Press begleitet. Um die gesamte Tragweite dieses Krieges begreiflich zu machen, konfrontiert Nino Kirtadze in ihrer Dokumentation die Aussagen von fünf Journalisten unterschiedlicher Herkunft, die in beiden tschetschenischen Konflikten als Berichterstatter für internationale Presseagenturen tätig waren. Diese Augenzeugenberichte liefern wesentliche Bausteine zur Rekonstruktion der Ereignisse und zeigen Dreh- und Angelpunkte des Konflikts sowohl aus professioneller als auch aus persönlicher Sicht. Die Journalisten stützen ihre Berichte auf von ihnen selbst geschossene und ausgewählte Bilder. Die Stellungnahmen sind keineswegs homogen, aber Widersprüche und abweichende Untermauerungen spiegeln gerade die Vielschichtigkeit dieses bewaffneten Konflikts wider, den Präsident Putin nicht beenden konnte, sondern eher verschärft hat. Dabei wird auch deutlich, welchen Schwierigkeiten Kriegsberichtserstatter beim Ausüben ihres Berufs ausgesetzt sind.

Zu Wort kommen:

- Robert Parsons
bis 2001 Leiter der BBC-Niederlassung in Moskau: er berichtete über mehrere Konflikte nach der Zersplitterung der UdSSR und über die beiden Tschetschenien-Kriege. Sein Beitrag ist eine scharfsinnige Analyse der politischen Situation.

- Stanley Greene
Fotograf im Auftrag der Agentur VU. Mit dem "World Press Photo Award" ausgezeichnet, fotografierte den Fall der Berliner Mauer 1989 und den Moskauer Putsch des Jahres 1993. Seit 1994 berichtet er vom Tschetschenien-Krieg, der für ihn zum Symbol von Ungerechtigkeit und Verständnislosigkeit wurde.

- Sophie Shihab
Auslandskorrespondentin der Tageszeitung "Le Monde" in Moskau: Sie berichtete anfangs über den Tschetschenien-Krieg und lieferte eindrucksvolle Interviews von Kämpfern beider Lager. Sie verfügt über hervorragende Kenntnisse der politischen Aspekte sowie der Interessen beider Parteien des Konflikts.

- Andrej Babitsky
Korrespondent von "Radio Free Europe": Er hatte als erster auf die Existenz russischer Konzentrationslager für Tschetschenen aufmerksam gemacht. In Tschetschenien vom russischen Geheimdienst gekidnappt, wurde er nach mehreren Wochen Gefangenschaft dank einer internationalen Protestkampagne freigelassen. Er steht nach wie vor unter Beobachtung des ehemaligen KGB.

- Petra Prokhatskova
Auslandskorrespondentin der tschechischen Presseagentur "Epizentrum": Sie genoss das Vertrauen der tschetschenischen Kriegsherren und konnte dadurch entscheidende Momente des Kriegsgeschehens mitverfolgen. Sie gab ihren Journalisten-Beruf auf und baute inmitten der Ruinen der Stadt Grosny ein Waisenhaus auf. Nach den Dreharbeiten musste sie auch dieses Projekt wieder aufgeben und kehrte zurück in die Tschechische Republik.
(2005)

Dokumentarfilm "Sarema" (Deutsch) [41:17]

Veröffentlicht am 10.06.2013
SAREMA, SELBSTMORDATTENTäTERIN
ÜBER SCHWARZE WITWEN AUS TSCHETSCHENIEN

Produktion: 2005
Studio, Verleih, Vertrieb: mediaversand
Regie: Juri Ginsburg & Markus Thöß

Der Dokumentarfilm, gefilmt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Patner.

Sie werden am Hüftgurt des Todes gebunden. Sie - die Waffe der Massenvernichtung. Wir werden niemals verstehen ihre Logik: Wir sind bereit, alles zu tun, um zu überleben, und sie - um zu sterben. Man nennt sie die Selbstmordattentäter. Geschichte der tschetschenischen Selbstmordattentätern begann vor vier Jahren. Dann Hawa Barayeva ein LKW mit TNT durchbrach auf der Kommandantur in Alkhan-Yurt. Während dieser vier Jahre wandte terroristischen Anschlägen gegen Selbstmordattentäter aus einer extremen Form des religiösen Fanatismus in den Akt der Gewalt zur Norm geworden abnorme Leben. Frauen Selbstmordattentäter, so gut wie möglich, geeignet für die Bildgebung der unsichtbare Feind, der fast nicht angezeigt werden live und wir können nicht die Toten. Zum ersten Mal sah Russland aus erster Hand die Lebensbedingungen Selbstmordattentäter während der Geiselnahme in Dubrowki. Später wurde das Land eine ganze Reihe von Angriffen, denen Selbstmordattentäter - die schädigende Wirkung und abschreckende Wirkung war stärker als wahrscheinlich von den Veranstaltern übernommen. Die Autoren des Dokumentarfilms hat ein exklusives Interview mit Shahid, nie auf der Twerskaja explodierte ...

Tödliche Normalität - Schicksale in Tschetschenien, Part 2/2 DOKU [13:39]

Hochgeladen am 23.08.2010
Routiniert zerlegt der 14-jährige Chassa die Kalaschnikoff seines Vaters. "Immer wenn er geschossen hat, gibt er sie mir danach", meint er stolz. Dann spielt Chassa mit anderen Kinder "Ausweiskontrolle" - in einer Kriegsruine mitten in Grosny, Tschetschenien. Gleich nebenan wühlt die Tschetschenin Sazita im Schutt und klopft mit ihren Söhnen Ziegelsteine. 20 Euro umgerechnet erhalten sie für tausend Steine, ein mörderischer Job in der sengenden Sonne. Doch von dem Erlös geht die Hälfte an einen Beamten der Bezirksverwaltung. Schmiergeld, damit er sie gewähren lässt. Korruption, Nötigung, Erpressung, Mord - das sind die Spielregeln in der kleinen Kaukasusrepublik Tschetschenien, ein lukrativer Schauplatz für Raubritter aller Art. Anarchie ist Geschäftsgrundlage.

Tschetschenien Vergessen auf Befehl, Arte Doku 2015 [1:21:37]

Veröffentlicht am 14.03.2015
Manon Loizeau wurde 1995 auf Tschetschenien aufmerksam. Sie war damals Korrespondentin in Moskau. Tschetschenien hatte seine Unabhängigkeit ausgerufen und es kam zum Krieg mit Russland, damals unter Führung von Boris Jelzin. 1999 lässt Russland erneut Bomben auf Tschetschenien regnen - um den Terror zu bekämpfen, wie der neue russische Präsident Wladimir Putin damals rechtfertigt. Dabei wird keine Rücksicht auf Zivilisten genommen. 20 Jahre später kehrt Manon Loizeau nach Tschetschenien zurück. Was sie vorfindet ist ein scheinbar befriedetes Land, dessen Einwohner verängstigt vom Terror tschetschenischer Milizen ihren Alltag bestreiten, als sei nie etwas passiert. Methodisch verwischt das Regime um Ramsan Kadyrow jede Spur des Krieges. Gleichzeitig entdeckt die Regisseurin einen Personenkult um den neuen Präsidenten Kadyrow, der sogar Stalin alle Ehre gemacht hätte. Folter und Mord Mit Hilfe russischer Finanzspritzen ist es dem jungen Ramsan Kadyrow (38) gelungen, sein vom Krieg zerstörtes Land wieder aufzubauen. Grozny, die von Bomben zerstörte Hauptstadt, ähnelt mit seinen schicken Einkaufszentren und seinen prunkvollen Moscheen heute Dubai. Die Straßen sind zu eindrucksvollen Allen ausgebaut worden und tragen die Namen der einstigen russischen Feinde - allen voran den Putins. Aber die schöne Fassade ändert nichts an der Tatsache, dass täglich Menschen verschwinden. Sie werden zu Opfern der omnipräsenten Regierung, die mit Folter und Mord Schrecken unter der Bevölkerung verbreitet. Nur wenige trauen sich, ihre Gedanken öffentlich zu äussern. Manon Loizeau hat sie getroffen und den Prozess des Oppositionspolitikers Rouslan Koutaiew mitverfolgt. Offiziell wird ihm illegaler Heroinbesitz vorgeworfen. Sein eigentliches Verbrechen bestand jedoch darin, dem 70. Jahrestag der Deportation der Tschetschenen unter Stalin gedacht zu haben.

18 + Tripp to Death - Deutsche Doku über den Chechenien Krieg [29:37]

Veröffentlicht am 07.06.2013
Deutsche Doku über Chechenien Krieg. 1998.

aktualisiert am 08.10.2016

Freitag, 19. Juni 2009

Ein »vorbildlicher Akt der Rechtsauslegung« …

Rechtsklick…
aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 19.06.09

Donnerstag, 18. Juni 2009

Ralf Dahrendorf ist gestorben

Der deutsch-britische Soziologe und Politiker Lord Ralf Dahrendorf ist tot. Er war einer der bedeutendsten deutschen Gesellschaftswissenschaftler. Dahrendorf starb am Mittwochabend nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren in Köln.

Er war eine feste Größe in meinem gesellschaftspolitischen Hintergrund. Ich muß gestehen, daß ich noch nicht mal soviel über ihn weiß, aber es tat immer gut zu hören, daß es ihn noch gab. (Und immer, wenn ich ihn sah, mußte ich an Paul Breitner denken.) Jetzt nicht mehr…

Ein Lebenslauf beim ZDF
Ein Nachruf von Theo Sommer bei ZEIT-Online

Theo Sommer war von 1973 bis 1992 Chefredakteur bei der ZEIT, von 1992 bis 2000 ihr Herausgeber. Gegründet und über viele Jahre lang verlegt wurde die ZEIT von Gerd Bucerius, der ab Anfang der 50er Jahre auch den STERN verlegte. In Bucerius’ Nachlaß finden sich Dokumente, die über sein Verhältnis zu den 1968 revoltierenden Studenten Aufschluß geben. (bei ZEIT Online)

Die Festrede zu Dahrendorfs 80stem Geburtstag hielt Jürgen Habermas, der heute ebenfalls 80 Jahre alt wird. (Die werden alle älter, was ist nur los mit denen?). Zu Dahrendorfs Tod schreibt Habermas ebenfalls auf FAZ.NET

Zu einem Aufsatz über »Rollentheorie in struktur-funktionaler Sicht« (Universität Bielefeld)

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit feierte am 19. Mai 2008 ihren 50. Geburtstag mit einem Festakt in Bonn. Zu diesem Anlaß eine sehr persönliche Rede von Ralf Dahrendorf.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Zerstörerische Glücksbringer

Die Sportler haben es nur gut gemeint. In Swasiland im südlichen Afrika haben Fußballer den Rasen im Nationalstaidon von Lobamba quasi umgepflügt. Ziel war es, unter der Grasnarbe sogenannte "Muti" zu platzieren - traditionelle Amulette, die Glück bringen sollen. Vor allem der Mittelkreis und der Bereich vor den Toren wurden reichlich mit Mutis versehen. Der Sportminister will Klage erheben, und die Polizei ermittelt bereits, denn der 600.000 Dollar teure und ein Jahr alte Rasen ist leider vollkommen im Eimer.

Schöne Frau, dummer Mann

Amsterdam: Schöne Frauen machen Männer dümmer – zumindes zeitweise. Das jedenfalls glauben Wissenschaftler der Radboud Univerisät in der niederländischen Stadt Mijmegen. Sie beobachteten die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Studenten kurz nachdem diese mit besonders attraktiven Kommilitoninnen zusammengebracht wurden. Fazit: Ein Mann kann während und kurz nach der Begegnung mit einer schönen Frau nicht mehr klar denken. Für Frauen galt das umgekehrt jedoch nicht.
Quelle: HAZ vom 13.06.2009

Dienstag, 16. Juni 2009

Chushi Gangdruk wird 51 Jahre alt.

Chushi Gangdruk

Französisch im Internet

http://www.arte-tv.com
der deutsch-französische Kultursender

http://www.tv5.org
der französische Fernsehkanal im Ausland

http://www.rfi.fr
der internationale französische Radiosender

http://www.franceguide.com
alles über Frankreich als Urlaubsland

http://www.lemonde.fr
die Online-Ausgabe einer der renommiertesten französischen Tageszeitungen

http://www.orthographe-recommandee.info
Neues und Wissenswertes zur französischen Sprache

http://www.fplusd.de
das deutsch-französische Sprachenportal

http://www.botschaft-frankreich.de

informiert über Frankreich, französische Events und die deutsch-französischen Beziehungen


Sonntag, 14. Juni 2009

Haifische am Pokertisch

Um den Zustand seiner Magenschleimhaut zu testen, kann man sich die letzte Sendung des Monitor vom 11. Juni zu Gemüte führen.

Die Themen:

- Wie SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier die Reichen schonen will
- Wie Karstadt-Manager an hohen Mieten mitverdienen
- Pharmahersteller halten Studien unter Verschluss
(das dritte Thema wäre noch mal einen eigenen Post wert…)

Inzwischen nachgeholt:
- Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)

Ein Hoch auf unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk, von unseren privaten Fernsehsendern hätten wir sowas nicht erfahren!


Besonders der Karstadt-Bericht ist anläßlich der Diskussion um Staatshilfen interessant:



- Da gibt es erst einmal Josef Esch, der war früher Maurer und leitet inzwischen de facto die größte deutsche Privatbank Sal. Oppenheim. Diese wurde 1789 in Bonn gegründet, in der Nazizeit arisiert und hat ihren Sitz inzwischen in Luxemburg. 1992 trat der frühere Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl als Teilhaber ein. Im gleichen Jahr gründete die Bank zusammen mit Josef Esch die Fondsgesellschaft Oppenheim-Esch-Holding. Die war auch schon in Köln tätig. Der sogenannte Kölner Klüngel, der auch eine Zeit lang Konrad Adenauer tangierte, wurde 2005 einem größeren Publikum bekannt. In der WDR-Sendereihe »Die Story« berichtete die Sendung »Die Milliarden-Story« von dubiosen Geschäften der Oppenheim-Esch-Holding. (Bild: Oberbürgermeister Fritz Schramma (links) und Josef Esch bei der Grundsteinlegung zu den Messehallen (2004), aus der Neuen Rheinischen Zeitung)

Systematischer Irrsinn - Karstadt {45:47}

geigin2001
Am 21.10.2012 veröffentlicht

Die Nachdenkseiten berichteten 2007 über einen Rechtsstreit bezüglich einer einstweiligen Verfügung, die das Bankhaus Sal. Oppenheim gegen Werner Rügemer erwirkt hatte. Dieser hatte nämlich ein Buch geschrieben: »Der Bankier«. Und in der zweiten Auflage mußten einige Stellen über die Verwicklungen des Bankhauses mit der Kölner Politik geschwärzt werden. Das Landgericht Berlin, so die Nachdenkseiten, hob einige der Verbots-Verfügungen wieder auf.

Der Hobby-Journalist Karl-Heinz Dittberner hat zu Oppenheim-Esch einen eigenen Thread angelegt, auch im Goldseiten-Forum wird man fündig. Eine Zusammenfassung findet sich auch bei Duckhome (mit der in handliche Video-Stücke zerlegten Milliarden-Story). Frank Überall darf man auch nicht vergessen. Und sogar der SPIEGEL widmet den Vorgängen jetzt einen Artikel.


Ein ähnlicher Artikel bei Karl Martell , daraus ein Zitat:


»Mit dabei waren beim Start der Fonds – außer Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, seiner Frau Cornelie und anderen – die Kunstsammlerin Claudia Oetker, der Bofrost-Gründer Josef Boquoi und Maxdata-Gründer Holger Lampatz, der 2006 und 2007 im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle saß. … Auch Münchner Oppenheim-Konkurrenten, die Privatbankiers Wilhelm von Finck Junior und Senior, zeichneten Anteile; ebenso die Ehefrau eines Ministerialbeamten aus dem Bundesjustizministerium, der dort für Gesellschaftsrecht zuständig ist.«

- Als nächster Mitspieler ist da natürlich Arcandor (toll, wer hat sich den Namen ausgedacht? Erinnert mich irgendwie an Bertelsmanns Arvato – siehe da den dritten Artikel »Ein Konzern übernimmt die Stadt«; und hier noch ein Link zu einem Artikel auf brand eins Online) mit den Geschäftsfeldern Warenhäuser, Versandhandel und Touristik. Arcandor ist gleich KarstadtQuelle, diese AG entstand 1999 durch Fusion von Karstadt und Quelle. Hauptaktionäre sind Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz. Wie es für mich aussieht, ist Arcandor der Kuchen für die Heuschrecken (oder das Holz für die Würmer). Im Monitor-Bericht wird deutlich, wie sich Karstadt (laut T-Online im letzten Jahr mit einem operativen Verlust von 272 Milionen Euro, angeblich inzwischen wieder mit Gewinn) durch sehr seltsame Mietverträge und dubiose »weiche Kosten« selbst das Wasser abgräbt (dazu weiter unten ausführlicher). Übrigens sind seltsame Mietverträge eine Spezialität von Oppenheim-Esch, davon kann der Kölner Rathaus-Klüngel ein Lied singen.




Bis 31. Dezember 2008 gehörte auch der wegen Steuerhinterziehung verurteilte ehemalige Aufsichtsratsvor-sitzende der Deutschen Telekom Klaus Zumwinkel (hier im Bild mit René Obermann, seit November 2007 Telekom-Vorstandsvorsitzender und offiziell mit Maybrit Illner zusammen) zum Arcandor-Aufsichtsrat. (Seit 2002 nimmt er, wie – weiter unten erwähnt – auch Ted Turner, regelmäßig an den Bilderberg-Konferenzen teil. (Weitere frühere Posten als Aufsichtsrat: Allianz, Deutsche Lufthansa und Morgan Stanley
Am 26. Januar 2009 wurde Klaus Zumwinkel von der 12. großen Strafkammer des Landgerichts Bochum wegen Steuerhinterziehung zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Zugleich erteilte das Gericht eine Bewährungsauflage, nach der ein Geldbetrag in Höhe von einer Million Euro zu zahlen ist. Zumwinkel hatte gestanden, über eine Stiftung in Liechtenstein Steuern in Höhe von knapp 970.000 Euro hinterzogen zu haben. Laut Anklage soll Zumwinkel in den Jahren 2001 bis 2007 sogar Abgaben in Höhe von 1,2 Millionen Euro hinterzogen haben. Bezüglich des Jahres 2001 ließ das Gericht die Anklage allerdings nicht zur Hauptverhandlung zu, weil die Tat verjährt war und die Verjährung nicht rechtzeitig unterbrochen wurde. (Ein Ermittlungsrichter hatte Beschlüsse 12 Stunden zu spät ausgefertigt. Quelle: Wikipedia) Zumwinkel kündigte an, Deutschland zu verlassen, um auf Castello di Tenno zu residieren. Zur Diskussion um ausgezahlte Pensionsansprüche und Bonus-Zahlungen siehe Wikipedia.


- Und als dritter im Milliarden-Skat sitzt Thomas Middelhoff am Tisch. Gegen den ermittelt inzwischen die Essener Staatsanwaltschaft (Essen ist Arcandor-Sitz). Von 1986 bis 2002 war Middelhoff bei der Bertelsmann AG. In den vier Jahren seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender (1998 bis 2002) verdoppelte er den Umsatz der Bertelsmann AG (von denen hab’ ich auch was). In seine Zeit bei Bertelsmann fallen der Aufbau der RTL Group, der Kauf von Random House, die Pleite der Musikbörse Napster und der Verkauf von AOL Europe (7,5 Millarden – der höchste Gewinn bis dahin in der Geschichte des Internets) an den Konkurrenten Time Warner.


ein kurzer Ausflug über den großen Teich:


Á propos Time Warner: Da ist Jane Fonda gleich um die Ecke, die Tochter von Henry und Schwester von Peter Fonda. Henrys Tochter war mal mit Ted Turner verheiratet, und zwar von 1991 bis 2001. Der ist mit 7.500 qkm – dreimal so viel wie das Saarland, das wird Heinz Becker aber nicht stören – der größte private Grundbesitzer der USA und Mitglied der Bilderberg-Gruppe. (Der Bilderberg-Link führt zur Hompage eines Teils des Forschungsprojektes »Wem gehört die EU?« am Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Wikipedia-Link findet sich weiter oben bei Klaus Zumwinkel.)

siehe dazu:
- Wem gehört die EU? (Hans-Jürgen Krysmanski, Studie im Auftrag der PDS-Delegation in der Konföderalen Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL) im Europäischen Parlament, gefunden bei Tadema, online gestellt am 02.08.2006 – PDF)



Nachdem sein Versuch gescheitert war, den US-amerikanischen Fernsehsender CBS aufzukaufen, übernahm Ted Turner 1986 von Kirk Kerkorian (der hatte mal seine Finger bei Daimler-Chrysler, General Motors und Ford drin) für einen Kaufpreis von 1,5 Milliarden Dollar das Hollywood Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und dessen Tochterfirma United Artists. Dabei hätte er sich fast verschluckt. Im Jahre 1996 fusionierte Time Warner mit Ted Turners Turner Broadcasting System (TBS). Und während der Dotcom-Blase 1999/2000 fusionierte AOL mit Time Warner.



zurück nach Deutschland:

Middelhoff verließ Bertelsmann 2002 mit einer zweistelligen Millionen-Abfindung, weil er sich mit Firmenpatriarch Reinhard Mohn nicht über eine Zukunftsstrategie einigen konnte. Als Vertrauter von Madeleine Schickedanz wurde Thomas Middelhoff im Juni 2004 als Vorsitzender des Aufsichtsrates der KarstadtQuelle AG bestellt und übernahm im Mai 2005 den Posten des Vorstandsvorsitzenden, nachdem sich KarstadtQuelle in einer existenziellen Schieflage befand. Er stabilisierte Arcandor, indem er das Tafelsilber verkaufte: danach war Karstadt Mieter in den eigenen Häusern. Am 1. März 2009 wurde er in seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG und der Thomas Cook Group von Dr. Karl-Gerhard Eick, dem ehemaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, abgelöst.





Im Februar 2009 gründete Thomas Middelhoff [Link zur Financial Times] mit Roland Berger und Florian Lahnstein in London die Investmentgesellschaft Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP (BLM), deren Chairman Middelhoff seitdem ist. Das Unternehmen sucht unterbewertete Firmen, um dort einzusteigen.


Roland Bergers Strategy Consultants ist heute mit 36 Büros in 25 Ländern Nr. 4 der weltweit größten Strategieberatungen und berät international führende Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie öffentliche Institutionen. Die Gesellschaft beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter, die 2007 einen Umsatz von mehr als 600 Mio. EUR erwirtschaftet haben.

Roland Berger ist Mitglied verschiedener Aufsichts- und Beiräte von nationalen und internationalen Unternehmen, Stiftungen und Organisationen, u. a. Fiat Group, Turin, Italien; Telecom Italia, Mailand, Italien; Fresenius SE (Vorsitzender des Prüfungausschusses), Bad Homburg; Prime Office AG, München (Vorsitzender); FC Bayern München. Außerdem gehört er International Advisory Boards an, etwa der Deutschen Bank AG, Frankfurt a.M.; von MillerBuckfire New York, USA; der Sony Corporation, Tokio, Japan, und The Blackstone Group, New York, USA.
(Angaben nach Frankfurt School Cenference 2009)



Florian Lahnstein ist der Sohn von Manfred Lahnstein, letzterer sitzt auch im Aufsichtsrat von BLM. Er war Chef des europäischen Investmentbanking von Bear Stearns sowie Chef des deutschen Investmentbanking bei UBS. (Link zu einer etwas seltsamen Meldung von Markt und Mittelstand aus dem Juli des letzten Jahres, da firmiert Florian Lahnstein noch als Vorsstandschef der Germany 1 Acqusition Limites, zu der auch »Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und der Unternehmensberater Roland Berger berufen worden« sind.)


Manfred Lahnstein war 1982 Bundesminister der Finanzen und Bundesminister für Wirtschaft und bis 2004 für Bertelsmann tätig. Sein Sohn Florian über die Aussichten der BLM: »Wir haben Zugänge in Deutschland wie kaum ein anderer.« Link zu Finanztreff.de)











Im Februar 2009 wurde auch Wolfgang Clement, ehemaliger nordrhein-westfälischer Minsterpräsident (1998-2002), in den Aufsichtsrat der BLM berufen. Dieser ist seit September 2008 auch Vorsitzender des EU-Russland-Forums und seit April 2009 auch Mitglied im Aufsichtsrat des russischen Beratungsunternehmens Energy Consulting. Neben vier Untersuchungsausschüssen gegen ihn während seiner Amtszeit als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen gab es weitere Kritikpunkte: Der Umzug der Staatskanzlei aus den bisherigen Liegenschaften in das mondäne Düsseldorfer Stadttor wurde als überflüssig und überteuert bewertet. Besonders brisant wurde die Affäre, als bekannt wurde, dass ein Clement-Vertrauter den Umzug geleitet und dafür Aufträge in Millionenhöhe erhalten hat. Nachdem er den umstrittenen Braunkohletagebau Garzweiler II genehmigt hatte, trat Clement anschließend einen Aufsichtsratsposten beim Tagebaubetreiber RWE Power AG an.




So, die drei Zocker sitzen also am Tisch. Um was geht’s nun bei dem Spiel? Wolfgang Urban handelte mit Josef Esch einen Deal aus: Karstadt verkaufte fünf seiner großen Häuser für sehr wenig Geld an Oppenheim-Esch, um sie nach deren Sanierung für sehr viel Geld zurückzumieten. (Der Vollständigkeit halber: Privatmann Urban hat bei Oppenheim-Esch sein Geld angelegt, und Josef Esch ist der Vermieter von Urbans Villa bei – na wo wohl? – Köln!)


Bei dem Geschäft Urban-Esch fallen zwei Dinge auf:


1. Der Oppenheim-Esch-Fonds hatte zum Beispiel das Karstadt-Gebäude in Leipzig für 10,4 Millionen Euro gekauft. Die Jahresmiete beträgt allein 11,3 Millionen, über 20 Jahre (Vertragslaufzeit), steigend. Die Miete in Leipzig macht 16% des Umsatzes aus, doppelt so viel üblich. Der Monitor-Experte sieht bei solchen Bedingungen keine Möglichkeit, ein Kaufhaus rentabel zu betreiben. Genauere Zahlen bei Karl Martell:


»In München betrug die Garantiemiete 23,2 Prozent vom Umsatz, in Leipzig 19,6 Prozent, in Potsdam 16,4 Prozent und in Karlsruhe 14,5. Schon bei einem Verhältnis Umsatz zu Miete von zehn Prozent, so Einzelhandelsexperten, beginne die sogenannte Todeszone, in der ein Warenhaus die Miete gemeinhin nicht mehr erwirtschaften könne.«

2. Bei Gesamtinvestitionskosten von 180 Millionen Euro tauchen 44 Millionen Euro »weicher Kosten« auf, also 25%. Die setzen sich wie folgt zusammen:

Man achte dabei auf die Posten für die Geschäftsführung (sowohl für Esch wie auch für Oppenheim) und dann für die Mietervermittlung (Karstadt stand als Mieter ja von vorneherein fest): zusammen 42 Millionen Euro.

Hier wird mit einem Riesen-Besen gekehrt, da bleiben schon ein paar Krümel liegen.

Jetzt zu Thomas Middelhoff: Der erfuhr 2004 als Vorstandsvorsitzender bei Arcandor – zumindest offiziell – von den Geschäften mit Esch. In einem 22-seitigen Gutachten, das der ehemalige Syndikus des Konzerns, Bernd-Volker Schenk, mit Datum vom 8. November 2006, an Middelhoff schickte, rügte dieser, daß weder die Kaufpreisfestsetzung noch Teile der so genannten weichen Kosten nachvollziehbar seien. Wenn die Gegenseite aus der Vereinbarung aussteige, »muss sie mindestens die Erträge an KarstadtQuelle zahlen« – nach Schenks Berechnungen, inklusive einiger Nebenansprüche, mehr als 110 Millionen Euro. Der Vorstand der KarstadtQuelle AG müsse deshalb »mit Herrn Esch vor Eintritt der Verjährung entweder ein Verhandlungsergebnis erzielen oder aber die Forderung verjährungsunterbrechend gerichtlich geltend machen« – also klagen [Quelle: SPIEGEL Online]. Jedoch ging Middelhoff nicht gegen Esch vor. Das wundert nicht. So hatte er nämlich Josef Esch schon vor vielen Jahren zu seinem persönlichen Vermögensverwalter gemacht und besitzt selbst Anteile an fast allen Oppenheim-Esch-Fonds, die mit Karstadt die Geschäfte gemacht hatten. Rund 7,4 Millionen Euro hat Middelhoff allein für Karstadt in Leipzig angelegt, noch mal 7,4 Millionen seine Ehefrau.


Übrigens: Seit 2007 ist Middelhoff Mitglied der von Bundesminister Sigmar Gabriel anlässlich der CBD-COP9 ins Leben gerufenen Naturallianz, die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzt. Und im Oktober 2007 wurde Middelhoff von der Universität Bayreuth mit dem Vorbildpreis ausgezeichnet.

Let's make MONEY - DVD ab 18.06. im Handel. {2:03}


letsmakemoneyfilm
Am 02.10.2008 veröffentlicht
"Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen kann, dann dieser." [CINEMA] 
http://www.lets-make-money.info
Ab 18.Juni 2009 auf DVD erhätlich.
Mit seinem Dokumentafilm "Let's make MONEY" folgt der Filmemacher Erwin Wagenhofer (WE FEED THE WORLD) der Spur unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem und blickt dabei hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken, Investmentmanagern und Versicherern.
"Let's make MONEY" ist ein bewegender Film, der aufgrund der aktuellen Bauchlandung der Finanzbranche nicht nur topaktuell ist, sondern auch Hintergründe und Zusammenhänge liefert, die uns die Probleme unserer Finanzwelt in eindrucksvollen Bildern vor Augen führt.
Ab 18.Juni 2009 auf DVD erhätlich.
Weitere Informationen zum Film unter:
http://www.lets-make-money.info


Und zum Schluß blenden wir zu Franz-Walter Steinmeiers Verzweiflungs-Wahlkampf zurück (Bericht 1 der Monitor-Sendung). O-Ton Steinmeier: »Und wir haben in unserem Regierungsprogramm deshalb noch mal sehr genau an den Artikel 14 erinnert, dick unterstrichen, was dort da steht: Eigentum verpflichtet, steht nämlich dort.« Monitor: »Die SPD will die sogenannte Reichensteuer. Das heißt, die Reichen sollen mehr zahlen auf ihr Einkommen, aber nicht auf ihr Vermögen. Eine Vermögensteuer schließt Steinmeier aus.« (Klar, wir leben ja im Zeitalter der Globalisierung, viele Reiche würden dann in Steueroasen auswandern.)

Dann wird der Millionär Klaus Barski vorgestellt. Der mag die SPD nicht. Angst vor der Einkommenssteuer hat er aber nicht. Klaus Barski geht es gut, auch in der Krise – er hat nie mit Aktien spekuliert. Er lebt von seinem Immobilienvermögen. Das schätzt er auf fünf Millionen Euro. Sein letzter Einkommmensteuer-Bescheid betrug 2.300 Euro. O-Ton Barski: »Und dann habe ich dieses Haus, habe ich wie gesagt, gekauft für knapp 70.000 Mark und dann für eine halbe Million wieder verkauft. Und das war dann der weitere Grundstock, um wieder in die nächsten Häuser einzusteigen. Mein erstes Mietshaus. Sehe ich immer wieder gern. Muss man nur aufpassen, dass es nicht umkippt.« Reporter: »Zahlen Sie da Steuern, wenn Sie das Haus verkauft haben?« Barski: »Ne, bei dem Haus habe ich natürlich keine Steuern bezahlt, aus dem einfachen Grund, … ich habe es Jahrzehnte besessen und nach zwei Jahren hätte es schon gereicht, … steuerfrei das Haus für … hätte ich es für zehn Millionen verkauft, ich hätte keinen Pfennig Einkommensteuer … Das war ja das Geheimnis der großen Spekulanten hier.«


DieStory 21.11.2011 Adel vernichtet - Untergang des Bankhauses Oppenheim {42:45}


Bewußtseinonlinemag
Am 24.11.2011 veröffentlicht
DieStory 21.11.2011 Adel vernichtet - Der bemerkenswerte Untergang des Bankhauses Oppenheim WDR
Wer nichts weiß muss alles glauben ...
http://bewusstsein-online.de
http://www.youtube.com/user/Bewusstse...
http://www.facebook.com/pages/bewusst...
DieStory 21.11.2011 Adel vernichtet - Der bemerkenswerte Untergang des Bankhauses Oppenheim WDR

siehe auch:
- Hungergeister (Post, 08.05.2008)

zuletzt aktualisiert am 04.03.2016