Donnerstag, 13. Oktober 2016

Endlich: Bob Dylan kriegt den Literaturnobelpreis – »The way we look at the world…«


Wie werden sich jetzt alle möglichen Leute wieder das Maul zerreißen…
Bob Dylan ist einer von denen, die Amerika (also die USA) groß machen.
Und damit es nicht untergeht: 
Die Preisverleihung an Dylan ist ebenso eine politische Botschaft wie die (– möglicherweise zu Unrecht – als vorschnell kritisierte) Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama. 
Ich wette, kein deutsches Qualitätsmedium wird die Nominierung als Ohrfeige für die US-amerikanische Politik unter(?) dem Friedensnobelpreisträger Obama interpretieren!

Wenn ich raus auf die Straße gehe und die Leute frage, was sie von dem folgenden Haiku halten:

Alter Teich,
Frosch springt hinein –
platsch!
Wird mir mindestens die Hälfte antworten: Quatsch!

Darum geht’s!


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Heute gilt Matsuo Bashō (1644–1694) als der erste große Haiku-Dichter. Sein Frosch-Haiku ist wohl das meistzitierte Haiku der Welt. [Haiku, Geschichte, Wikipedia, abgerufen am 14.10.2016]
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Wenn Frank Zappa sagt:
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
redet er nur von der einen Seite der Medaille. Von der anderen, nämlich dem Bedürfnis, Illusionen für bare Münze zu nehmen, nicht.
siehe dazu:
- Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013)
Wer will es der Firma Matell verübeln, ein angeblich durch die Konzentration des Geistes gesteuerte Gebläse zu vertreiben. Genauso wie bei Chanel No. 5 geben wir unser Geld da ja nicht für etwas Reales sondern für die damit verbundene narzißtische Phantasie aus!
Es mag einer Gesellschaft so gut gehen, wie es will, es gibt immer Menschen, die klagen. Wer kennt den Spruch nicht: »Es kommt nix im Fernsehen1«. Den hat’s schon gegeben, als wir nur zwei Programme hatten.
Wer kennt jemanden, der zugibt, regelmäßig die »Bild« zu lesen?!
Ständig benehmen wir uns wie kleine Kinder, die wie Erwachsene behandelt werden möchten!
Als hochsensibler und -intelligenter Protestsänger wird man mit einem solchen Publikum wahnsinnig.
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1966 wurde er bei einem Konzert für seinen vermeintlichen „Verrat“ an der Folkmusik gar als „Judas“ beschimpft (zu hören auf The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (1998)). Während dieser Tournee wurde es beinahe zu einem Ritual, dass das Publikum Dylan und seine Band ausbuhte. [Bob Dylan als Rockmusiker, Wikipedia, abgerufen am 17.10.2016] 
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Welches Recht hat Maureen Dowd, Dylan für seinen angeblich zahnlosen Auftritt in China zu kritisieren? (Blowin’ in the Idiot WindMaureen Dowd, NY Times, 09.04.2011)

Dirty Harry [0:09]


Hochgeladen am 10.07.2007
Meinungen sind wie Arschlöcher

Aus dem Abstand von nunmehr 45 Jahren könnte man Dirty Harry als Persiflage gewalttätiger Phantasien interpretieren. Wer würde dies jetzt noch »eindimensional« nennen wollen! Was den Menschen einfach nicht in den Kopf geht: Dirty Harry ist nicht eindimensional, er wird (von wem?) eindimensional wahrgenommen.

Don Siegel schuf mit „Dirty“ Harry Callahan einen zynischen Gesetzeshüter, der seine Umwelt mit feindselig verengten Sehschlitzen und einer 44er Magnum resozialisierte. Frieden schaffen – aber bitte nur mit großkalibrigen Waffen. Es hat gedauert, bis Eastwood das Etikett des mundfaulen Soziopathen seiner Cowboy-und-Cop-Ära hinter sich ließ. In „Pale Rider“ (1985) und später in „Erbarmungslos“ brach er mit dem eindimensionalen Kerle-Klischee. [85. Geburtstag: Warum Clint Eastwood mehr als nur ein Cowboy ist, Dirk Hautkapp, Der Westen, 29.05.2016]

»The way we look at the world is the way we really are.«  

Welches Recht beanspruchen Leute für sich, die Dylan für den Umstieg auf die E-Gitarre »Judas« nennen? (Inzwischen beanspruchen angeblich schon zwei Leute diese zweifelhafte Ehre…)


»Die Leute, die glauben, die Wirklichkeit ist das, was sie daraus machen, die leben in der Psychiatrie! […] Die anderen wissen ganz genau, daß es nicht in ihrem Belieben ist, was sie als wirklich definieren, was sie anerkennen. Daran mangelt’s! Mit anderen Worten: Demut, Rücksichtnahme, Selbstbeschränkung, Selbstaufgeklärtheit, d.h. Anerkennung, daß man selber der Fall ist, mit dem man eigentlich handeln muß. Nicht die anderen sind die Faschisten, die Dummköpfe, die Radikalen, sondern man muß sich selbst als potentiellen Faschisten, potentiellen Radikalen in sein Urteil miteinbeziehen…« [Bazon Brock in einem Interview mit RT Deutsch, dem sogenannten russischen Propagandasender, siehe: Anerkennen, daß man selber der Fall ist! (Post, 25.06.2015)]
Ein gutes Beispiel für das ideologische Schubladendenken der 60er: Die Interpretationen der Science-Fiction-Serie »Perry Rhodan« durch Claus Hinrich Castorff und Zukunftsforscher Robert Jungk als faschistoid…

Monitor-Magazin 1969: Perry Rhodan [9:59]

Hochgeladen am 23.06.2008
Ein Original-Beitrag aus dem Jahr 1969 über Perry Rhodan. Damals hat man über die größte SciFi-Serie der Welt noch übelst hergezogen, faschistoid, Ersatz-Führer usw. Heute nahezu unvorstellbar.

So lange, wie wir uns russische Narrative als »Propaganda« und westliche als »Public Relations« verkaufen lassen, so lange, wie über 60 Prozent einer Bevölkerung jenseits des Atlantik ernsthaft glauben, Saddam Hussein könne nach Belieben Giftgas oder sonstiges tödliches Zeugs über einer amerikanischen Stadt abwerfen, so lange, wie die USA ständig Russland wegen Dingen anklagen oder verdächtigen können, die sie selber tun, ohne daß sich Millionen von Fernsehzuschauern und Zeitungslesern in den Cafés, in den Bussen und U-Bahnen, auf den Bürgersteigen und Straßen in Lachkrämpfen winden, so lange werden Leute wie Dylan gebraucht wie der Sauerstoff in unserer Luft. 
(siehe dazu auch: 
Volker Pispers über Ukraine und Demokratie (youtube, 07.10.2014)
- Dianne Feinstein, CIA, NSA (Post, 09.08.2014)

Aber die Sache mit unserer Bequemlichkeit wollen wir nicht hören! Wir wollen Recht haben, in unserer aufgeregten Empörung bestätigt werden und auf die Schulter geklopft bekommen. Das ist uns wichtiger als Aufklärung 2.0!

Es kann so viele Immanuel Kants geben, wie’s will, wir wählen seit Jahrtausenden den bequemeren Weg!
So lange wir uns unseren Joghurt für 39 Cent aus dem Supermarkt-Regal reinziehen können, ist für uns die Welt in Ordnung. Wenn abends dann die ARD-Märchenstunde über die Not der Bauern berichtet oder die syrische Bevölkerung, die undemokratisch mit Faßbomben drangsaliert wird, weinen wir Krokodilstränen und wünschen Assad, Putin und die Großkonzerne in die Hölle!

brav, setzen, Zwei plus!


Argument "Prorussisch + Antiamerikanisch" dominiert in der Diskussion über 9/11 [32:59]


Veröffentlicht am 28.09.2016
Pro und Contra Sendung vom 5.09.2016 mit dem Thema "Wahrheit oder Verschwörung? Die 9/11 Anschläge wurden von den USA inszeniert". Ausschnitte. Die Gäste: Willy Wimmer, Monika Donner, Alexander Waschkau, Eric Frey, Don F. Jordan, Werner Gruber.
Alle Rechte auf Video bei Pro und Contra, Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=pBs35...

How many years…
wird es brauchen, bis die Leute merken, daß das Einzige, was bei so einem Talk-Wrestling rauskommt, die Erkenntnis ist, daß nichts rauskommt.
Wieviel Jahre wird es brauchen, bis Leute wie Willy Wimmer einfach aufstehen und gehen?
Wieviel Jahre wird es brauchen, bis den Leuten egal ist, ob und von wem sich Clinton im Oval Office einen blasen läßt?


I'm sick and tired of hearing things
From uptight, short sighted
Narrow-minded hypocritics
[…]
I'm sick to death of seeing things
From tight-lipped, condescending,
mama's little chauvinists
 [aus: John Lennon, Gimme some truth]


Es sind immer die anderen, und wenn ich jemanden mißverstehe, ist es dessen Schuld, weil er sich nicht unmißverständlich ausgedrückt hat. Wozu nachdenken? Wozu Selbstreflexion? Das ist doch nur anstrengend und kränkend!


„Die Beschwerdeführerin, der es nicht gelungen war, sich unmissverständlich auszudrücken, muss die streitgegenständliche Passage als zum ‚Meinungskampf‘ gehörig hinnehmen.“[53] [Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25.11.2012, zitiert in Eva Herman, Gerichtsurteile, Wikipedia, abgerufen am 17.10.2016, siehe auch: Eva Herman: Hat sie oder hat sie nicht?, Post, 19.10.2007]
Anstatt selbst zu denken wollen die Menschen die Wahrheit in der Länge einer BILD-Schlagzeile serviert bekommen, am liebsten vorgekaut und vorverdaut… und für 39 Cent den Becher… Geiz ist geil!

Nobel Prize: US songwriter Bob Dylan wins top prize for literature [3:27]


Veröffentlicht am 13.10.2016
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Für mich ist Dylan DAS Genie unserer Tage, ein engagierter Meister der hochverdichteten Beschreibung des gegenwärtigen, wachen, sensiblen In-der-Welt-Seins, immer wieder mißverstanden, fehlinterpretiert und kritisiert, was (möglicherweise) sowohl mit ihm als auch mit seinen kurzgeistigen Hörern zu tun hat, die ihn oder das, was er singt, möglichst schnell in eine ihrer bereitstehenden Schubladen zu packen versuchen.
Er versucht, auf allgemeine, grundlegende und zeitlose Gesetzmäßigkeiten hinzweisen, die hinter dem Geschehen, welches sich vor unseren Augen abspielt, gültig sind und wirken.

Bob Dylan.Funny Interview. [5:54]


Hochgeladen am 26.06.2010

Jesses, Jesses! Was soll man antworten, wenn man gefragt wird: »Ist braun quadratisch oder rund?« oder: »Ist’s nachts kälter als draußen?«
So, wie ich ihn verstehe, singt Dylan gegen die politischen Eliten unserer Gesellschaft wie auch gegen die Rezipienten seiner Songs an, die durch ihr übergroßes Bedürfnis nach einfachen Erklärungsmodellen wie auch ihre kindliche Anspruchshaltung letztlich für die gesellschaftlichen Verhältnisse mitverantwortlich sind.
Über seinen Song Masters of War sagte er wörtlich:
“It’s not an anti-war song. It’s speaking against what Eisenhower was calling a military industrial complex.”  [zitiert in: Dylan is positively on top of his game (Edna Gundersen, USA Today, 10.09.2001)]
Trotzdem läuft das Lied noch heute in der Kategorie »Anti-Kriegs-Lied«!
genieße dazu auch:
- Heute vor 20 Jahren – Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung (Post, 20.02.2011; Abgesehen von Dylans vielschichtiger Theateraufführung [in Anlehnung an Deterings Buch neige ich inzwischen dazu, die Theateraufführung Mysterienspiel zu nennen] ist Nicholsons Laudatio für sich schon ein Genuß!)
»He’s been and still is a disturber of peace – his own – as well as our’s« [Nicholson bei der Laudatio]
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Bei Teilen der Folkszene sorgte das Album für Befremden. So veröffentlichte Irwin Silber in der von ihm herausgegebenen Folk-Zeitschrift Sing Out! einen offenen Brief an Dylan, in dem er seiner Sorge Ausdruck verlieh, der Sänger drohe durch die Begleitumstände von Ruhm und Erfolg den Kontakt zur Basis zu verlieren, was auch in seinen neuen Liedern zum Ausdruck komme.[4] Der Folksänger Phil Ochs hingegen verteidigte im Broadside Magazine Dylans Recht auf Wandel.[5] [Another Side of Bob Dylan, Wikipedia, abgerufen am 17.10.2016]
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Hört, hört!
Der Sänger muß also vor der Basis in Schutz genommen und verteidigt werden.
Die Basis hat somit immer Recht mit ihren Erwartungen und Forderungen? - Bullshit!
Gegen das rechhaberische Schubladendenken hat er sich ganz klar in seinem Lied »My Back Pages« gewandt:

Bob Dylan performs My Back Pages at his 30th anniversary concert 


Text und Übersetzung stehen parallel auf:
- Bob Dylan – My Back Pages (Post, 30.05.2013)
Daß ihr Menschen …gleich sprechen müßt: Das ist töricht, das ist gut, das ist bös’ Und was will das alles heißen? Habt ihr deswegen die inneren Verhältnisse einer Handlung erforscht? Wißt ihr mit Bestimmtheit die Ursachen zu entwickeln, warum sie geschah, warum sie geschehen mußte? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit euren Urteilen sein. [Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers, 1797]

- Weil er anfing, seine Lieder auf der E-Gitarre zu begleiten, wurde er kritisiert:
- Heute vor 45 Jahren – 25. Juli 1965: Die Geburtsstunde des Folk-Rock (Post, 25.07.2010)
Screenshot aus dem von Dylan selbst konzipierten Musikvideo »Jokerman«
mehr dazu in Bob Dylan – Jokerman, Teil 1 (Post, 27.11.2014)
Dylan ist der einzige Zeitgenosse, dem ich es nicht verübele (oder eine Marketing-Strategie vermute – selbst wenn!), sich (wie übrigens auch Dürer – siehe den Jokerman-Post!) mit Jesus zu vergleichen. Aus meiner Sicht ist er dem »Sohn Gottes« ähnlicher als jeder Papst, den ich kenne!
Dylan hat sich an Gott ausverkauft. Das heißt, sein Befehl war, seine Schönheit so weit wie möglich zu verbreiten. Die künstlerische Herausforderung lag darin, zu sehen, ob große Kunst mit einer Musikbox vermittelt werden kann. Er hat bewiesen, dass man das kann. [Allen Ginsberg, 1966 (zitiert nach Clinton Heylin - Behind The Shades Revisited; 2001) gefunden bei quotez.net, abgerufen am 20.10.2016]

Bob Dylan - Jokerman [5:57]


Hochgeladen am 23.11.2009
Music video by Bob Dylan performing Jokerman. (C) 1983 SONY BMG MUSIC ENTERTAINMENT

- Weil er keine Lust mehr darauf hatte, sich von der Protestbewegung vereinnahmen zu lassen, wurde er mit Tomaten beworfen:
- Mr. Mark & Mr. Bob (Post, 07.11.2011)
- Weil er bei seinem Auftritt in China auf Veranlassung der Parteiführung auf einige seiner Lieder verzichtete, wurde er kritisiert:
Auftritt in China – Kritik an Bob Dylans protestlosem Konzert (ZEIT Online, 12.04.2011)
- Weil er bei seinem Auftritt im Weißen Haus aus seinem Times they are a'Changing einen Walzer machte, wurde er kritisiert.


So viele Kleingeister! 

Und es ist völlig egal, ob man sie grün, rot, schwarz-rot-gold, mit Hammer und Sichel oder dem Weißkopfseeadler anmalt. Sowas ähnliches ist mir auch bei den Dirty-Harry-Filmen durch den Kopf gegangen: Es gibt langhaarige Arschlöcher und welche mit Schlips, und es gibt aufrechte Langhaarige und aufrechte Schlipsträger. Was hat das mit »eindimensional« zu tun?

Don’t wake up a slave!
He may be dreaming, he’s free
 [arabisches Sprichwort]
siehe auch (die Angaben der Uhrzeiten habe ich mir erspart!):
- Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis 2016 (Martin Holland, heise-online, 13.10.2016)
Literaturnobelpreis für Bob Dylan (Tom Appleton, Telepolis, 13.10.2016)
- Bob Dylan bekommt der Literatur-Nobelpreis: Ein Außenseiter im Literatur-Olymp (Jan Ulrich Welke, Stuttgarter Zeitung, 13.10.2016)
- „Bob Dylan ist der Polarstern“ (Constantin Wißmann im Interview mit Wolfgang Niedecken, Cicero, 13.10.2016)
- Nobelpreis für Bob Dylan – Eine schöne Überraschung (Andreas Platthaus, FAZ, 13.10.2016)
- Legendärer Songwriter: Literaturnobelpreis geht an Bob Dylan (SPON, 13.10.2016)
- US-Musiker - Literaturnobelpreis geht an Bob Dylan (ZON, 13.10.2016)
- Literaturnobelpreis für Bob Dylan "Ein Nobelpreisträger, den man nicht erst verschämt googeln muss" (Süddeutsche Zeitung, 13.10.2016)
Jury zeichnet Bob Dylan aus Nobelpreis für den "Shakespeare seiner Generation" (Lothar Schröder, rp Online, 13.10.2016)
- Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis (Harry Nutt, FR online, 13.10.2016)
- Literaturnobelpreis für Bob Dylan (Rolling Stone, 13.10.2016)
- Literaturnobelpreis: Bob Dylan wird ausgezeichnet (Stuttgarter Nachrichten, 13.10.2016)
- Literaturnobelpreis für Bob Dylan Hommage an den Mann, den es nicht gibt (Frank Junghänel, Berliner Zeitung, 13.10.2016)
- Literaturnobelpreis für Bob Dylan (Perlentaucher, 13.10.2016)
Jury zeichnet Bob Dylan aus Nobelpreis für den "Shakespeare seiner Generation" (Lothar Schröder, rp Online, 13.10.2016)
- Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis (L’essentiel, 13.10.2016)
- Thema: Bob Dylan - ein wahrhaft verdienter Nobelpreisträger! (Thread auf Politik sind wir, 13.10.2016)
- Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis (Kultur & Gesellschaft, 13.10.2016)
- Den Literaturnobelpreis 2016 erhält Bob Dylan: Beiträge über ihn in literaturkritik.de (Linkliste, 13.10.2016)
- Er hat unsere Köpfe befreit (Udo Reenz, FAZ, 14.10.2016)
- Bob Dylan: Schwedische Akademie gibt Kontaktversuch vorerst auf (SPON, 18.10.2016, siehe auch die Archiv-Links! z.B.: Ich war ein Wrack, Auszug aus »Chronicals, Volume One«)
- "Unhöflich und arrogant" – Nobelpreis-Jury verärgert über Sänger Bob Dylan (Welt.de, )
- Kritik an Nobelpreisträger "Unhöflich und arrogant" - Dylan geht nicht ran (Süddeutsche Zeitung, 22.10.2016)
Sein Schweigen löst bei der Schwedischen Akademie inzwischen Ärger aus.
mein Kommentar:
Der Satz »Sein Schweigen löst bei der Schwedischen Akademie inzwischen Ärger aus.« ist nicht ganz korrekt. Sein Schweigen hat bei Per Wästberg, einem von 18 Mitgliedern der Schwedischen Akademie der Wissenschaften (, die – laut Wikipedia – den Literaturnobelpreisträger bestimmt) offensichtlich Ärger ausgelöst. Anlässlich des Ärgers eines Mitglieds einen Satz über die emotionale Gestimmtheit eine 18köpfigen Gruppe zu konstruieren, ist zumindest gewagt.

dazu auch:

- Literaturnobelpreis: Ich ruf zurück! (Martin Zips, Südeutsche Zeitung, 18.10.2016)
In einer Gesellschaft, in der jeder jederzeit erreichbar ist, gilt das Unerreichbarsein mitunter als Affront. Wenn jemand nicht sofort auf etwas antwortet oder zurückruft, schießen schnell Spekulationen ins Kraut, der Mensch könne arrogant, frech oder gar unverschämt sein. Womöglich leide er unter einer narzisstischen Störung oder sei ein leicht durchgeknallter Anhänger des Hesychasmus, einer spirituellen Bewegung der Ruhe. Und die Reaktionen fallen umso heftiger aus, wenn es sich bei dem Abgetauchten um ein verdientes Mitglied der Gesellschaft handelt, das man doch nur mit einer kleinen Auszeichnung beglücken möchte.

- Literaturnobelpreisträger Bob Dylan: Ist sein Schweigen arrogant? (Tagesspiegel, 23.10.2016)
Giving Bob Dylan a Nobel Prize in Literature “is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.” [aus: Leonard Cohen über Bob Dylan’s Nobelpreis!, Zwentner.com, 15.10.2016]
- Bob Dylan and a noble refusal of the Nobel prize for literature (Harry Watson, Guardian, 23.10.2016) 

siehe auch folgende heise-online-Artikel:

- "Copyright Collection" (Peter Mühlbauer, Telepolis, 10.01.2013)
- Radio Dylan (Tom Appleton, Telepolis, 22.05.2011)
- Die 10 besten Protest-Songs? (Tom Appleton, Telepolis, 30.04.2011)
- Ach, Bob (Tom Appleton, Telepolis, 05.07.2009)
- Die Fluchtbewegungen des Bob Dylan (Ulrich Breth, Glanz& Elend, ursprünglich in den Stuttgarter Nachrichten, 23.02.2008)

siehe auch meine Bob-Dylan-Posts:

Abgekupfert… (25.04.2007)  
Heute vor 45 Jahren – 25. Juli 1965: Die Geburtsstunde des Folk-Rock (25.07.2010) 
Vor 55 Jahren – Highway 61 Revisited (30.08.2010) 
Heute vor 20 Jahren – Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung (20.02.2011, aktualisiert am 12.12.2015 – Masters of WarBlowin’ in the Wind
Heute wird Bob Dylan 70 Jahre alt (24.05.2011) 
Mr. Mark & Mr. Bob (07.11.2011) 
- My Back Pages (30.05.2013) 
All Along the Watchtower (20.01.2014)
Bob Dylan – Jokerman, Teil 1 (27.11.2014)
Bob Dylan – Jokerman, Teil 2 (05.12.2014)
„Der Kongress teilt das Bett mit der Wall Street“ (22.05.2015 – Bob Dylan Performs at the White House)

Desolation Row 24 6 1998 Birmingham [8:57]


Veröffentlicht am 04.10.2014
"Equality, I spoke the word/ As if a wedding vow/ Ah, but I was so much older then, I'm younger than that now"

siehe auch:
- Bob-Dylan-Zitate (quotez.net)
- "Die Stimmen aus der Unterwelt" – Heinrich Detering über Dylans Mysterienspiele (Beate Meierfrankenfeld, Bayern 2, 17.05.2016)
"Kein Zweifel, die Anführungszeichen im Albumtitel waren so programmatisch wie nur möglich zu verstehen. So wurde denn der Vorwurf des Plagiats immer leiser, je mehr Zitate identifiziert wurden und je deutlicher sich Dylans Arbeit des Aus- und Zuschneidens, der fintenreichen Neukombination, der De- und Rekontextualisierung seines Materials erkennen ließ. Schließlich, so mussten auch die Kritiker zugeben, wäre es am Ende wohl doch sehr viel einfacher gewesen, ganz neue Songs zu verfassen, als diese überaus komplexen Collagen zu basteln. Kein Zweifel, Dylans Album setzte jenes Spiel mit Hoch und Tief, Klassisch und Populär, Alt und Neu, Aneignung und Transformation fort, das Lott an der Tradition der Minstrelsy vorgeführt hatte."

aus: Heinrich Detering: "Die Stimmen aus der Unterwelt. Bob Dylans Mysterienspiele", Verlag C.H. Beck 2016
A (Brief) History of Blackface & Minstrelsy [14:18]

Veröffentlicht am 30.06.2016
I do not own rights to the music in this video. Any content used is intended for educational purposes.

Blackface allowed actors and artists to hide behind a caricature while protesting and mocking the powerful without fear of retaliation. Minstrel performers could safely question authority while claiming to be acting out authentic African American expressions.
The primary function of blackface wasn’t just to invoke the “other,” but also to act as a mask. “The performers are maskers whose assumed disguises facilitate ironic poses that paint figurative portraits,” Finson observed. In times of carnival, celebrants often transvested, or wore the clothes of others to take on their identity. A common worker might dress up like an aristocrat or deliberately dress in low garb to become a pirate, a bum, a convict, and so on.
Blackface became a mainstay of stage and later film performance in the twentieth century. Most often blackface was used as a comic device that played on the stereotypes of black laziness, ignorance, or crass behavior for laughs. Sometimes blackface was used simply to portray black characters.
These erroneous portrayals of black life were seen by thousands of Americans in the decades before the Civil War. Mark Twain and Abraham Lincoln attended and enjoyed minstrel shows. President Lincoln had the Union band play Dixie at Lee’s surrender; the comic dialogues in Huckleberry Finn are reminiscent of minstrel performances. Minstrelsy became America’s first national popular culture.

Music
The Virginians – Nothing Could Be Sweeter (1927)

Works Cited
B. (2012). 3 stooges in black face. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=MGNpY...

I. (2010). Al Jolson Blackface Minstrel Show. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=nhava...

I. (2013). Blackface Minstrel Show Sand Dance. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=A6dXr...

Blackface Minstrel Troupe [Photograph]. (1870). Public Domain, London.

M. (2011). Blacks and Vaudeville - part 1 from documentary. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=agTF2...

I. (2010). Christy's Minstrels in Blackface - Part 2. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=h3Hm-...

I. (2013). Cotton and Chick Watts Blackface Minstrel Show Comedy. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=-_swt...

F. (2014). Jerry Purpdrank - All Watermelon Vines 1080p ᴴᴰ (11 vines) (As of August 1, 2014). Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=Rk7bx...

C. (2014). Uncle Tom and Little Eva 1932 aka Pickaninny Blues Van Beuren Studios. Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=lS5zn...

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Auf der These Du Bois’, dass Weißsein (Whiteness) einen „Zugewinn“ für weiße nordamerikanische Industriearbeiter gegenüber schwarzen Arbeitern darstelle, basiert die psychoanalytische Erklärung David Roedigers für das Blackface Minstrelsy. Nach DuBois wurde den weißen Arbeitern „öffentlich Achtung gezollt …, weil sie weiß waren. Sie hatten zusammen mit den Weißen anderer Klassen freien Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen und Parks … Die Polizei wurde aus ihren Reihen rekrutiert … Durch ihre Wählerstimmen wurden öffentliche Amtsträger bestellt, was zwar wenig Auswirkung auf ihre wirtschaftliche Situation hatte, aber viel auf ihre Behandlung durch die Ämter …“. Nach Roediger waren die Industriearbeiter im Norden der USA einer intensiven Disziplinierung und Kontrolle unterworfen. Die daraus resultierende Wut wurde jedoch nicht auf die Verursacher ihrer Misere gerichtet, sondern vor allem durch das Blackface Minstrelsy auf die Schwarzen. Im Blackface Minstrelsy spielten psychologisch gesehen die weißen Arbeiter ihr verlorengegangenes ungezügeltes Selbst. So konnten sie „ihr natürliches Selbst zur Schau stellen und zugleich zurückweisen“ (Roediger). Wie DuBois bezeichnet Roediger das Vergnügen an diesem Spiel als den „Zugewinn“ der weißen Arbeiter für ihr Weißsein. Durch die Abgrenzung gegenüber den Schwarzen im Blackface Minstrelsy wurde somit Weißsein konstruiert.[1]
Im Gegensatz zu Roediger sieht Alexander Saxton im Blackface Minstrelsy, das er derselben Haltung zuschreibt, die 1863 bei Unruhen in New York zum Lynchmord an Schwarzen führte, eine Form der Klassenpolitik: „Durch seine stilisierte Form propagierte sie metaphorisch eine Allianz zwischen den städtischen Werktätigen und den Interessen der Plantagenbesitzer in den Südstaaten.“ Die weißen Arbeiter reproduzierten dabei naiv die Perspektive des weißen Sklavenbesitzers. Blackface Minstrelsy diene demnach den Zwecken der Demokratischen Partei und verdecke gleichzeitig den Widerspruch zwischen den reichen Südstaaten-Aristokraten und den „kämpfenden Arbeitern im Norden“. Andrew Hartmanbeschreibt Roedigers These so: „Somit war Blackface Minstrelsy für Saxton mehr als nur ein psychologischer Zugewinn, sondern vielmehr das massenkulturelle Äquivalent zum weißen Egalitarismus der Jackson-Demokraten.“[1] [Minstrel Show, Sozialhistorische Erklärungen , Wikipedia, abgerufen am 03.11.2016]
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- Literaturwissenschaftler über Bob Dylan "Der Nobelpreis braucht ihn" (Heinrich Detering im Gespräch mit Liane von Billerbeck, Deutschlandradio Kultur, 24.05.2016)
Das Bob-Dylan-Rätsel: Der radikale Verweigerer (Eduard Erne, 3sat, Kulturzeit, 24.05.2016)
- Plagiator, Provokateur, Popmusikgenie? (Eduard Erne, 3sat, Kulturzeit, 18.05.2016)
- Legendäre Konzerte: Der Dylan-Schock (Olaf Rippe, SPON, 28.06.2008)
- Bob Dylan Der Große Vorsitzende des Folk (Michael Kloft, SPON, 20.05.2011)
Bob Dylan: Abschied von gestern. Das vollständige Interview! (Mikail Gilmore, Rolling Stone, 24.10.2012, Zitat:)

[…] es gab auch andere Sachen, die mir nicht gefielen. Das Großkonzern-Denken griff immer weiter um sich – was mich vermutlich nicht mal tangiert hätte, wenn es nicht auch in der Musik Einzug gehalten hätte. Und ich liebte Musik aus ganzem Herzen. Ich sah etwas sterben, das ich über alles liebte – und mit ihm auch den Untergang eines Lebensstils, den ich als gottgegeben vorausgesetzt hatte.
- Heinrich Detering: "Die Stimmen aus der Unterwelt" – Dylans Masken- und Mysterienspiele (Jörg Magenau, Deutschlandradio Kultur, 29.04.2016)
Viel einfacher als diese ausgesuchte Disparatheit der Person wäre es, als ein übersichtliches "Ich" aufzutreten und simpel Songs zu schreiben, wie gehabt. Das aber – so Detering – will Dylan nicht, nicht mehr. Seine Eitelkeiten sind befriedigt. Wenn er Botschaften verkündet, dann nur als Zitat und mit dem doppelten Boden der "Selbstironie und Entpersönlichung". Dieser Spur folgt Detering konsequent. In einzelnen Kapiteln untersucht er die Songs "Working Man’s Blues #2", "Tempest", "Roll on John" – und entdeckt schließlich sogar in den doch eher faden Sinatra-Adaptionen von "Stay with me" Dylans abgründige Anwesenheit im bloßen Arrangement.

Mysterien also, Menschheit, Zeitlosigkeit – große Worte, beiläufig eingespielt. Time Out Of Mind nennt Dylan das durchaus auf monumentale Wirkung angelegte Album, dass er im selben Jahr wie diesen kleinen Essay veröffentlichte, dies im Jahr 1997, das ihn mit einer schweren Erkrankung in Lebensgefahr gebracht hatte und dann mit dem Album seine triumphale Wiederkehr einleitete. Der Titel war von kalkulierter Mehrdeutigkeit. Er bedeutet »vor unendlich langer Zeit«, aber beim Wort genommen auch «Zeit außerhalb des Bewusstseins», Zeit die sich nicht ändert, mythische Zeit. Tatsächlich erkundete das Album dann «the mystery of life and death without saying too much», «the nature of humanity».
Als Bob Dylan im Februar 2015, am Vorabend der jährlichen Grammy-Verleihungen, wieder einmal eine Auszeichnung für sein Lebenswerk erhielt, diesmal von der sozialen Initiative MusiCares, dann nahm er das Wort von den «Mysterien» wieder auf, nun ausdrücklich im Blick auf sein eigenes Werk und einer sehr grundsätzlichen Erklärung. «Die Rede» überschrieb die Süddeutsche Zeitung ihren Feuilletonaufmacher lapidar: «Er hat gesprochen.» Ja, fast 40 Minuten lang hatte der notorische Schweiger gesprochen: über seine Songs und seine Kritiker, über seine musikalischen und literarischen Vorbilder, über die Country-Musik und den Blues und über Shakespeare. Den hatte Dylan gleich eingangs genannt. «These Songs of mine», hatte er kategorisch erklärt, «I think of them as mystery plays, the kind Shakespeare saw when he was growing up. [18]

Mysterienspiele also. Bedenkt man diesen an jenem Abend überraschenden, im Kontext der vorangegangenen Reflexion aber ganz folgerichtigen Begriff, dann fasst er mindestens 4 Grundsätze von Dylans später Kunst zusammen.

• Erstens greift er demonstrativ weitaus in der Zeitentiefe, weit zurück hinter die amerikanischen Songs und Texte des 19. Jahrhunderts, deren Nennung man von Dylan nun schon erwartete, zurück bis in die Zeit von Shakespeare. Noch vor ihm, dem lebenslangen Rollenmodell (darum wird es im 3. Kapitel gehen), steht das archaische und anonyme Volkstheater, aus dessen Traditionen dann auch die Menschheitsdichtung Shakespeares hervorging time out of mind.

• Zweitens bezieht sich Dylans Satz unter allen archaischen Kunstformen auf diejenige, die es am offensichtlichsten mit Themen zu tun hat, die über die Zeiten hinweg dieselben bleiben, anthropologische Grundkonstellationen – eben dem, was er schon im Blick auf Jimmie Rodgers’ vielstimmige Country Songs «the mystery auf life and death» genannt hatte.
• Drittens rückt er diese Themen mit dem Bezug ausgerechnet auf die Mysterienspiele in einen signifikant religiösen Zusammenhang ein. Die unter diesem Begriff zusammengefassten volkstümlichen Oster-, Passions- und Weltuntergangsspiele waren in den Kirchen und auf den Straßen des spätmittelalterlichen England und Europa ja aufgeführt worden, um zu Heiligen Festzeiten den jeweiligen Aspekt des Heilsgeschehens im unterhaltsamen Spiel zu vermitteln, zu vergegenwärtigen; sie sind in empathischen Sinne ‹heilige› Kunst – was keineswegs ausschließt, dass sich karnevaleske, histrionische Verfahren einschleichen und den Ernst und Geltungsanspruch der Stücke unterwandern, infiltrieren, aufmischen.
• Und viertens schließlich fällt auf, dass Dylans Vergleich seiner eigenen Songpoesie mit ältester Tradition sich, wenn es schon um diese drei Aspekte gehen sollte, nicht etwa auf religiöse Songs bezieht, was doch weitaus näher gelegen hätte und leicht möglich gewesen wäre (mit seinem späteren Album My Mother’s Hymn Book hatte sein Freund Johnny Cash genau dies ja kurz zuvor getan), sondern stattdessen auf theatralische Texte, auf Mysterienspiele. Auch das erwies sich, hatte man Dylans Entwicklung in diesen späten Jahren verfolgt, als gut vorbereitet. «All the world’s a stage», hatte er in Can’t Escape from You gesungen [19] – keineswegs bloß als redensartlich gewordenes Bildungsgut – immerhin schon in seiner Radio Show hatte er diesen Shakespeare-Vers kurz zuvor rezitiert, und zwar mitsamt dem As-You-Like-It-Monolog, dem er entstammt. In Masked and Anonymous lautes derselbe Satz, in Dylans lakonischer Variante, 2003:«Are you aware, gentlemen, that this is all a play?»
Wirklich sind Dylans Songs seit «Love And Theft» in auffallender Konsequenz szenisch konzipiert, teils als Monologe von Rollen-Ichs (davon wird gleich im nächsten Kapitel ausführlich die Rede sein), teils als visuell geschilderte Szenenfolgen, die wie Tin Angel (auf Tempest, 2012) komplett in unkommentierte Dialoge übergeben, aber auch durch eine Erzählinstanz vermittelt sein können – wie im Titelsong Tempest,  dem das 3. Kapitel gewidmet ist. Viele von Dylans späten Songs sind Dramen, denen man erst auf den zweiten Blick ansieht, dass sie welche sind. Und «Mysterienspiele» im weiteren, den Jimmy-Rodgers-Essays und die Dank weder um spannende Sinne sind sie alle.  

[Heinrich Detering, Die Stimmen aus der Unterwelt – Bob Dylans Mysterienspiele, C. H. Beck, 2016, S. 19f. Googlebooks]

Sheryl Crow performing " Mississippi " [6:34]   Text (azlyrics)

Veröffentlicht am 22.10.2009
Song written by bob dylan for the album "The Globe Sessions" of Sheryl Crow

Bob Dylan Standing in The Doorway scene (live) from 'Masked & Anonymous' [5:31]   Text (LyricsWiki)   Übersetzung   mehr: Standing in the doorway (Tony Attwood, Untold Dylan, 07.01.2009, File:Rembrandt - Portrait of a man in a doorway, Wikimedia commons, abgerufen am 17.10.2016)

Veröffentlicht am 24.06.2015
The live performance of "Standing in the Doorway" which was cut from the final edit in Masked & Anonymous

- Umfrage zu Bob Dylan: „Den Nobelpreis hätte er verdient“ (Badische Zeitung, 24.05.2011)
- They Still Do: Warum Bob Dylan besser ist als Eric Clapton und den Literaturnobelpreis verdient hat, obwohl er auf der neuen Platte gar nichts selbst geschrieben hat. His Bobness zum 75. Geburtstag (GBlog, 23.05.2016, Blog-Motto: Auf gar keinen Fall sollte man den Versuch machen, Arschdenker auf Kopfdenk umzuschulen)
Eine Anekdote aus Amendts Buch: Kurz vor dem Kosovo-Krieg wird ihm Rudolph Scharping als Dylan-Fan vorgestellt, und Amendt verspricht, ihm einen Konzertmitschnitt zu schicken, der eine hervorragende Version von "Masters of War" enthielte. Einige Monate später schickt der persönliche Referent des neuen Verteidigungsministers einen Brief: Schönen Dank, der Chef höre das Band oft im Büro. Zur gleichen Zeit führt Scharping den ersten deutschen Angriffskrieg nach dem Zweiten Weltkrieg.
Günter Amendt: "Back to the Sixties. Bob Dylan zum Sechzigsten".

à propos:
- Zuweilen (XII) - Das wäre ein Abgang gewesen, Günter Amendt … (GBlog, 14.03.2011)
- Dylan, Amendt und die 68er Krieger der wahren Coolness (Daniel-Dylan Böhmer, SPON, 24.05.2001)
siehe dazu auch:

Mr. Mark & Mr. Bob (07.11.2011) 



- «Dylan täte dem Nobelpreis gut» (Manfred Papst interviewt Heinrich Detering, NZZ, 22.05.2016)

- Bob Dylan wird 70 – Nur der Nobelpreis fehlt noch (Kölner Stadt-Anzeiger, 22.05.2011)
- It‘s life, and life only – Bob Dylans Passionsgeschichte der Freiheit (Jens Hacke, Blätter für deutsche und internationale Politik, Mai 2011, Hervorhebungen von mir)
Im Summer of Love 1967 widmete er sich dem Familienleben und versenkte sich ins Studium des alten amerikanischen Liedguts. Die lange sagenumwobenen Basement Tapes und das karge Album mit biblisch inspirierten Parabeln John Wesley Harding zeugen von Dylans weltabgewandter Zeitgeistopposition in jenen Tagen. Zwar lebte er in Woodstock, das epochemachende Rockfestival war für ihn allerdings ein Ärgernis. Mit Hippies und Fantourismus ins Künstlerdorf wollte der junge Familienvater nichts zu tun haben. […]
Der Humanist Bob Dylan fand es zusehends schwerer, den Glauben an eine gemeinsame parteigebundene Sache aufrechtzuerhalten. Einige seiner stärksten Songs reflektieren den bereits mit „Another Side of Bob Dylan“ (1964) einsetzenden Zweifel an selbstgewissen politischen Überzeugungen. Es war ihm nicht mehr möglich, die Welt in Schwarz und Weiß, Gut und Schlecht zu unterteilen, wie er es ehedem noch vermocht hatte: „I was so much older then, but I’m younger than that now.“ Dieser Zweifel, die Ungewissheit und der Widerstand gegen jede Rollenerwartung läutete die kreativste Phase seiner langen Karriere ein.  […]
Er sieht nämlich weder einen Hebel, an dem es sich anzusetzen lohnt („there is no sense in trying“), noch kann er erkennen, dass noch irgendjemand Werte verficht, für die es sich einzutreten lohnt: „It’s easy to see without looking to far / That not much is really sacred“. Seine Skepsis gegenüber einfachen Protestformen führte ihn so weit, dass er in Zeiten, als gerade in Europa die Kritik am Vietnamkrieg beträchtlich zunahm, seine Konzerte in Paris vor dem Hintergrund einer überdimensionierten amerikanischen Flagge veranstaltete.
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Einschub:

It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding) [7:28]   Text (BobDylan)   Übersetzung (GoLyr)   Interpretation (Kees de Graaf, PDF)


Veröffentlicht am 21.04.2014 

‘It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)’ completely changes this framework of thinking. Those who criticize and protest, including the poet himself, are now also under criticism. In this song the focus has changed and the protest seems to have been taken to a new and higher level. The American culture – with its taboos: politics, sex and religion – is not spared in this song and it even goes further than that, in fact the whole human condition is under the knife and filleted in this song[Kees de Graaf]
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 (weiter mit dem Zitat aus dem Jens-Hacke-Artikel:)
Die Abrechnung mit der Gegenwart korrespondiert bei Dylan bald mit einem Rückzug auf kulturkonservative Positionen. Das ähnelt in seiner Haltung den kritischen Theoretikern aus dem Hotel Abgrund. Wenn in Dylans religiös inspirierter Lyrik immer wieder von Sünde die Rede ist, kommt dies Adornos Verständnis vom totalen Verblendungszusammenhang gleich. Freilich spielen in Dylans Juden-Christentum spirituell-religiöse Desorientierungen eine ebenso wichtige Rolle wie die kulturindustriell und gesellschaftlich induzierte Verblendung des Einzelnen. Dieser Aspekt bleibt bis heute eine Konstante in Dylans Werk. […]
Obamas Schilderung dieser Begegnung, die sich in einem Händedruck nach dem von Dylan gesungenen Lied – „The Times They Are A-Changin’“ – erschöpfte, vermittelt einmal mehr den Eindruck, dass Dylan nicht so sehr daran gelegen ist, politische Wirkung jenseits seiner künstlerischen Ausdrucksmittel zu suchen. Die Präsidenten buhlten um ihn – nicht er um sie. […]
 siehe zum Händedruck mit Obama
„Der Kongress teilt das Bett mit der Wall Street“ (22.05.2015 – Bob Dylan Performs at the White House) … ( und dann weiter mit dem Zitat aus dem Jens-Hacke-Artikel:)
… zeigte sich noch einmal die unglaubliche Vielseitigkeit seines Werks, das Folk, Rock, Blues, Country und Gospel vereinigte, die amerikanische Literatur, Shakespeare und die Bibel verarbeitete und überhaupt viel tiefer in der amerikanischen Kulturgeschichte verankert war, als man es bei einem Menschen in der Revolte erwartet hätte. Insbesondere Dylans Selbstversicherung der eigenen Wurzeln, die er seit 1988 in über 100 Konzerten pro Jahr praktizierte sowie in den beiden hörenswerten Alben „Good as I Been to You“ (1992) und „World Gone Wrong“ (1993) mit alten, vergessenen Folksongs dokumentierte, weckte neugieriges Erstaunen. In den 90er Jahren löste sich Dylan endgültig von modischen und kommerziellen Zwängen. Er steigt aus der Gegenwart aus und entwickelt sich zum Antiquar, zum Historiker, besinnt sich auf Traditionen und schöpft aus den Americana der vergangenen 200 Jahre, die er wohl wie kein zweiter Musiker kennt. So wandelte sich Dylan in der öffentlichen Wahrnehmung vom Avantgardisten, der den Rock einst mit Intellekt und Geist ausgestattet hatte, vollends zum Traditionalisten, vom Innovator zum trauernden Konservativen, der nach alternativen Lebensentwürfen fahndet und vergangene Vielfalt beklagt. Outlaws, Romanzen „verbotener Liebe“, Naturkatastrophen, mythische Geschichten, Heilige, der Amerikanische Bürgerkrieg – das sind die Themen, mit denen Dylan die Geister der Vergangenheit beschwört. 
- Nobelpreis für Dylan gefordert: „Bei ihm wird aus Dichtung Musik und aus Musik Poesie“ (Berliner Literaturkritik, 28.09.2009)
- Dylan’s Vision of Sin (Chrisopher Ricks, 2003, gefunden bei: Wilamette University, PDF); dazu eine Rezension:
Forget the Dylai Lama (Thomas Jones, London Review of Books, 06.11.2003) 
- »Ich finde Farben scheußlich« – Bob Dylan über seine Vorliebe für Schwarz und Weiß, die verhängnisvolle Macht der Medien und sein neues Album Love And Theft (Literatur-Live.de, Verfasser unbekannt, 2001?) 
- Näher gerückt (Martin Krauss, Freitag, 02.06.2000)

Masked and Anonymous Final Scene [7:09]


Veröffentlicht am 24.05.2016
From the 2003 Bob Dylan movie Masked and Anonymous.
»The way we look at the world ist the way we really are.«
Bob Dylan Interviews - The Hardships of Public Image [6:26]

Hochgeladen am 08.12.2009
Bob Dylan Interviews - The Hardships of Fame
this is a compilation of interviews with bob dylan.

Favorite Bob Dylan Moments [4:07]

Veröffentlicht am 11.08.2015
Favorite Bob Dylan moments.
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Bob Dylan - Simple Twist Of Fate [3:42]   Text (BobDylan.com)   Übersetzung

Veröffentlicht am 19.10.2016
Bob Dylan - Simple Twist Of Fate

siehe dazu:
- Mein Bob, Dein Bob – Bob ist für uns alle da. Heute wird der Beliebtest Nichtsänger, der Welt, der Friedensbotschafter, jüdische Bohemien, Wiedergeborene Christ, Folkmusikverräter und Dauerrumnörgler Bob Dyllan 70 Jahre alt. – Gewitter aus der Grabsteinbluesküche (Lutz Schmeckenbecher, Berliner Zeitung, 24.05.2011)
»Wenn er der Welt entsagt hat, so daß er nicht um seine eigenen Begierden noch um dessentwillen, was sein eigenes Selbst gebieterisch verlangt, zu ihr sich wendet, sondern allein, um Gottes Willen zu erfüllen – dann ist es seine Pflicht, zur Welt zu sprechen und mit ihr sich einzulassen, denn nun hält sie eine Mitgift für ihn bereit, die nicht ausgeschlagen werden kann, und die für niemand anderen erschaffen worden ist.« [’Abd al-Qādir al-Dschīlānī]


zuletzt aktualisiert am 13.11.2016 

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