Montag, 20. März 2006

Nicht im Umbau, im Abbau begriffen …

Die heile Welt wankt

Wer seine Zukunft hinter sich hat, dein mag es leichter fallen zu sagen, was andere noch vor sich haben. Als Professor Fritz Beske, profilierter Gesundheitsökonom der Republik und gefragter Ratgeber der Regierungen in Kiel und Berlin, am 8. Februar im Ärztehaus Verden vor vollbesetztem Saal über die Zukunftsperspektiven des deutschen Gesundheitswesens sprach, spielte er launig auf seine 83 Jahre an: „Sie erlauben mir, ohne Rücksicht auf meine berufliche Zukunft zu sagen, was ich denke.“ Womit das Wesentliche schon ausgesprochen war daß es um die Zukunft dieses Gesundheitswesens nicht rosig aussieht und daß die Verantwortlichen diese Wahrheit nicht gerne hören.

Fakten aus dem Artikel:
Ein Zehnjähriger kostet die Krankenversicherung durchschnittlich 80 Euro im Jahr, ein 40-jähriger 1.100 bis 1.200 Euro. Bei einem 75-jährigen belaufen sich die Kosten schon auf 4.500 Euro jährlich, bei einem 90-jährigen dann auf rund 6.000 Euro.
Rechnet man diese Zahlen gegen die wahrscheinliche Bevölkerungsentwicklung in Deutschland auf, so ergibt sich im Jahr 2050 ein Beitragssatz zur GKV von 18 Prozent.
Gehe man von einem Prozent Kostensteigerung jährlich aus, den der medizinische Fortschritt verursacht, liegt der Beitragssatz 2050 bei 28 Prozent. Realisticher sind aber wohl zwei Prozent Kostensteigerung jährlich. Damit wären wir um 2050 hei einem benötigten KV-Beitragssatz von 42 Prozent.
Eine aktuelle Studie der OECD prognostiziert eine Verdreifachung der Ausgaben im Gesundheitswesen bis 2050.
En Beispiel: Prognosen zufolge werden im Jahr 2030 2 – 2,3 Millionen Demenzkranke leben – mehr als doppelt so viele wie heute. Dabei werden heute 70 – 75 Prozent in den Familien versorgt. 2030 wird es aber nicht mehr so viele Familien geben, die meisten Demenzkranken müssen dann in Pflegeheimen betreut werden.

Zitat:
„Wir haben zu viel in das investiert, was wir nicht mehr bezahlen können. Wir haben uns schlicht übernommen. Wir müssen bescheidener werden. … Wir sind nicht im Umbau, wir sind im Abbau begriffen.“

Komfortabler Mercedes
In den nächsten Jahren werden kontinuierlich Leistungen aus der GKV in den privaten Bereich verlagert werden – da ist sich Beske sicher. Er stellte aber klar, daß wir in Deutschland bei der Diskussion über den Leistungskatalog dr GKV von einem hohen Niveau ausgehen. „Es konnte nachgewiesen werden, daß das Gesundheitswesen in Deutschland im Vergleich ovn 14 führenden Industrienationen über eine hohe Qualität der medizinischen Versorgung verfügt, den wohl umfangreichsten Leistungskatalog aufweist, mit die geringsten Zuzahlungen hat und insgesamt überdurchschnittlich effizient ist.“
aus dem Niedersächsischen Ärzteblatt 3/2006


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