Mittwoch, 1. April 2020

Die Geschichte wiederholt sich: Brot und Schweinegrippe… und Ansichtssache

Erst gab es ungewöhnlich viele Kranke in Mexiko. Dann wurde ein neuer Influenza-Virustyp entdeckt. Und dann geriet die Welt in Panik. Vor zehn Jahren breitete sich die Schweinegrippe um den Globus aus. Das verlief glimpflich – aber eine neue Pandemie ist nur eine Frage der Zeit.

Wie eine Chefärztin im weißen Kittel bei der Verkündung einer gravierenden Diagnose sah Margaret Chan am 11. Juni 2009 aus, als sie schlimmste Befürchtungen bestätigte: «Die Welt steht nun am Anfang der 2009-Grippe-Pandemie», verkündete die damalige Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Ein zuvor unbekannter Virustyp hatte sich innerhalb von Wochen um den Globus verbreitet und viele Menschen sehr krank gemacht: Das Virus gehörte zum A(H1N1)-Subtyp, ähnliche Viren waren bis dahin nur bei Schweinen bekannt.


Wie gefährlich die Situation werden würde, wusste zu dem Zeitpunkt niemand. Aber die Sorgen waren riesig, wie Sylvie Briand sagt. Sie war damals verantwortlich für das WHO-Grippeprogramm, heute ist sie WHO-Direktorin für Infektionsgefahrenmanagement. Jeder habe an die Spanische Grippe 1918-20 mit bis zu 50 Millionen Toten gedacht, die auch von einem Virus aus der (A)H1N1-Familie ausgelöst worden war. «Wir hatten seit 2003 erst die Infektionskrankheit SARS, die in Asien zu Grenzschließungen und Reiseeinschränkungen führte, dann die Vogelgrippe (A)H5N1», sagt Briand der Deutschen Presse-Agentur in Genf. «Und als sich alle Welt mit Impfstoffen auf eine neue Vogelgrippe-Welle eingestellt hatte, tauchte dieses unbekannte neue Virus auf, das sich auch noch rasend schnell verbreitete.»

mehr:
- 10 Jahre »Schweinegrippe«: Nach der Pandemie ist vor der Pandemie (Pharmazeutische Zeitung, 11.06.2019)
siehe auch:

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Als Pandemie H1N1 2009/10 wurde das globale Auftreten von Influenza-Erkrankungen bezeichnet, die durch eine im Jahr 2009 entdeckte Influenzavirus-Variante des Subtyps A(H1N1) (A/California/7/2009 (H1N1)[3] und weiteren mit diesem genetisch eng verwandten Subvarianten[4]) hervorgerufen wurde. Die Erkrankung wurde umgangssprachlich häufig als Schweinegrippe, von offiziellen Stellen eher als Neue Grippe bezeichnet. Der Virus-Subtyp wurde erstmals Mitte April 2009 bei zwei Patienten gefunden, die Ende März unabhängig voneinander in den USA erkrankt waren.[5] Eine weitere Suche zeigte zunächst eine Häufung solcher Krankheitsfälle in Mexiko und Hinweise auf eine Verschleppung der Viren über die Landesgrenzen nach Norden.Ende April 2009 warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Gefahr einer Pandemie, das heißt vor einer weltweiten Verbreitung. Anfang Juni 2009 wurden die wachsenden und anhaltenden Virus-Übertragungen von Mensch zu Mensch von der WHO als Pandemie eingestuft. Die WHO hatte jedoch bereits Mitte Mai bekannt gegeben, dass die Kriterien für die Ausrufung einer Pandemie angesichts der geringen Pathogenität dieses H1N1-Virus überarbeitet werden sollten. Die enorme Aufmerksamkeit und der Umfang der getroffenen Maßnahmen lag darin begründet, dass ein früherer H1N1-Subtyp die Influenza-Pandemie von 1918/19 (die Spanische Grippe) verursacht hatte, an deren Folgen 20 bis 50 Millionen Menschen verstarben.Im August 2010 hat die WHO die Phase der Pandemie für die „Schweinegrippe“ für beendet erklärt.[6] Während der Pandemiephase waren in Labors von insgesamt 214 Staaten und Überseegebieten Fälle von Infektionen mit H1N1 bestätigt worden. Bei 18.449 Todesfällen wird von einem Zusammenhang mit laborbestätigten H1N1-Infektionen ausgegangen.[7] Eine Studie, die 2012 in The Lancet Infectious Diseases erschienen ist, schätzte die Todesfälle für das erste Jahr, als das Virus zirkulierte, auf 151.700 bis 575.400.[8][9][Pandemie H1N1 2009/10, Wikipedia, abgerufen am 20.04.2020]
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Coronahypnose Tag 74: Das bereitliegende Drehbuch (Post, 13.04.2020)
10 Jahre Schweinegrippe-Pandemie (ZDF, Volle Kanne, 11.06.2019 – Video verfügbar bis 11.06.2020)
Schweinegrippe-Pandemie 2009/10 – Impfkampagne mit Nebenwirkungen (Richard Friebe, Tagesspiegel, 27.09.2018)


„Um den Absatz ihrer patentierten Pillen und Impfstoffe gegen Influenza zu steigern, haben pharmazeutische Unternehmen Wissenschaftler und Normen im öffentlichen Gesundheitswesen zuständige Behörden beeinflusst, Regierungen weltweit in einen Alarmzustand zu versetzen. Sie haben diese dazu bewegt, knappe gesundheitliche Ressourcen für ineffiziente Impfstrategien zu verwenden und Millionen gesunder Menschen dem Risiko unbekannter Nebenwirkungen unzureichend getesteter Impfstoffe auszusetzen…“

So lautete der Text des Antrages der unter der Überschrift „Faked Pandemics – a threat for health“[1] vom Europarat eine Untersuchung jener Vorgänge einforderte, die zur erstmaligen Ausrufung einer Pandemie durch die UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf geführt hatten. Einer „Pandemie“, die schon im europäischen Spätsommer 2009 als harmlose Grippe erkennbar war, die aber von der WHO, vielen nationalen Experten und von vielen Medien bis weit in das Jahr 2010 hinein weiterhin beharrlich als gefährliche Seuche dargestellt wurde. […]


Die WHO lässt sich kaufen

Die WHO als oberste Seuchenwächterin hat sich früher viele Verdienste um die Bekämpfung und Ausrottung ansteckender Erkrankungen erworben und hat auch einen heldenhaften Einsatz gegen den Gesundheitsschädling Nr. 1 geleistet. Ohne den von Gro Harlem Brundtland mit viel Energie geführten Kampf gegen die Tabak-Lobby und ihre käuflichen Protagonisten in Wissenschaft, Medien und Politik hätten wir jetzt nicht das hochwirksame Instrument der Internationalen Tabak-Rahmenkonvention.

Ende der 70ger Jahre hatte die WHO sich heldenhaft gegen die sich ausbreitende Verdrängung des Stillens in Entwicklungsländern durch die Milchpulver-Industrie und für Schaffung einer Liste mit essentiellen Arzneimitteln eingesetzt, zu denen auch armen Ländern der Zugang gesichert werden müsse. Beide Projekte hatten die in den USA ansässigen Lobbyisten der betroffenen Industrien verärgert. Die USA werteten daraufhin ihre wirtschaftlichen Interessen höher als die öffentliche Gesundheit und strichen aus Protest ihren Finanzierungsanteil an der WHO.[7]

Die Wirtschaft hat einen unumstößlichen Code. Sie lebt vom Wettbewerb um den Verkauf möglichst vieler Waren und Dienstleistungen mit dem Ziel möglichst hoher privater Gewinnschöpfung. Auch die Pharma-Konzerne produzieren ihre Medikamente oder Impfstoffe primär nicht deshalb, weil Kranke diese benötigen, sondern weil sie Gewinn bringend vermarktet werden sollen. Sie sind zumeist Kapitalgesellschaften und müssen das tun, was ihre Geldgeber von ihnen erwarten: Sie sollen das in sie investierte Kapital möglichst gut vermehren. Für die gesundheitlichen Probleme armer Länder sind solche Unternehmen deshalb nur dann zu gewinnen, wenn sie auch eigenen Nutzen erwarten.

Die WHO war aber ohnehin chronisch knapp bei Kasse und wurde von vielen staatlichen Trägern als lästige Pflicht gesehen. Entsprechend der Global Compact Direktive des UN- Generalsekretärs Kofi Annan begann also die WHO Generalsekretärin Gro Harlem Brundtland für eine Public Private Health Partnership (PPHP) zu werben und lud 2001 auf dem Wirtschaftsforum in Davos die dort versammelten Konzernchefs ausdrücklich zur Partnerschaft ein. Sie sprach von einer exzellenten Möglichkeit für praktischen Erfahrungsaustausch, welcher die Unternehmen zu weiterem öffentlichem Engagement inspirieren könne. Sie sei froh, für die WHO eine solche Initiative zu unterstützen.[8]

Das Transnational Resource & Action Center (TRAC, www.corpswatch.com) veröffentlichte schon im September 2000 einen alarmierenden Bericht unter dem Titel „Tangled up in Blue“[9], in dem vor der systemfremden Einflussnahme großer multinationaler Konzerne wie Bayer, Rio Tinto, Shell, Aventis, Novartis und anderer auf die UN-Organisationen gewarnt wurde.

Auch in einem 2001 von der WHO sebst veröffentlichten Assessment ihrer PPHP wurde von den Autoren Kent Buse und Amalia Waxman unter dem Titel „Public–private health partnerships: a strategy for WHO“[10] eindringlich vor den möglichen Schäden einer solchen Kooperation für die öffentliche Gesundheit und die Glaubwürdigkeit der WHO gewarnt. Die Autoren schilderten Beispiele für Interessenkonflikte und Einflussnahmen und empfahlen schon damals äußerste Vorsicht und große Transparenz bei der Zusammenarbeit mit diesen viel stärkeren Partnern aus der Wirtschaft.

Big Pharma definiert Krankheit neu

Big Pharma hat sich die Möglichkeiten einer Instrumentalisierung der WHO für die eigenen Interessen natürlich nicht entgehen lassen. Die Arzneimittel-Lobby saß seit jener Zeit in Genf mit am Tisch und konnte wirksamer dafür sorgen, dass neue Absatzmärkte für ihre Medikamente entstehen und dass ihre Patent-Monopole nicht von ärmeren Staaten oder Schwellenländern in Frage gestellt wurden. Auch bestückte die Industrie normsetzende Gremien der WHO mit ihr nahestehenden Experten. Dadurch war es ihr möglich, direkten Einfluss auf global gültige Definitionen zu nehmen, nach denen eine Störung oder Krankheit als behandlungsbedürftig angesehen wird oder nicht.

So soll die Arzneimittellobby zum Beispiel für eine Absenkung der Normwerte für Blutdruck gesorgt haben, damit die Zahl der Behandlungsbedürftigen hochschnellt[11]. Die Beeinflussung der Definition von Normwerten ist für die Arzneimittelindustrie eine sehr attraktive Möglichkeit der Expansion ihrer Geschäftsfelder. Zum Beispiel führte die Absenkung der Normwerte für Cholesterin von 240 auf 200 mg/dl allein in den USA zu einer Erhöhung der Zahl der „Therapiebedürftigen“ um 86% - ein Riesengeschäft für die Hersteller von Statinen und anderen Cholesterinsenkern[12].

Der Trick mit der Beeinflussung von weltweiten Gesundheitsnormen durch gekaufte Experten hatte sich offenbar so gut bewährt, dass er dann auch in Sachen Influenza genutzt werden konnte. Die Leitung der WHO war sich zumindest in den ersten Jahren des grundsätzlichen Interessenkonfliktes zwischen Public Health und Wirtschaft bewusst und hat immer wieder versucht, Interessenkonflikte durch administrative Gegenmaßnahmen zu neutralisieren. Spätestens aber unter der Leitung von Dr. Margaret Chan wurde die Praxis dieser„Kontrollen immer mehr zur Farce, wie aus dem Bericht des British Medical Journal von 2010[13] deutlich wird.

[Wolfgang Wodarg, Falscher Alarm: Die Schweinegrippe-Pandemie, in: Mikkel Borch-Jacobsen Hrsg., Big Pharma, Piper 2015, S. 310 ff – PDF – Download-Link]

Die „Schweinegrippe“-Pandemie im Jahr 2009 verlief hierzulande glimpflicher als gedacht. Weltweit aber hat die Influenza des Virenstammes H1N1 wahrscheinlich zehnmal mehr Todesopfer gefordert, als die Weltgesundheitsorganisation WHO zunächst annahm, wie eine neue Studie zeigt. Auf dem amerikanischen Kontinent lag dabei die Mortalität 20fach höher als anderswo.
Das gab es lange nicht mehr: Am 12. Juni 2009 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell die weltweite Pandemie-Warnstufe 6 aus – und damit die höchstmögliche. Grund für den Seuchen-Alarm: Die sich immer stärker ausbreitende Influenza A/H1N1 neuen Typs, die sogenannte „Schweinegrippe“. Diese Virenvariante war aus einem normalen Schweinegrippe-Virus entstanden, das durch Austausch einiger Gene die Fähigkeit erlangte, Menschen zu infizieren und auch von Mensch zu Mensch überzuspringen.

Übertriebene Angst?
Nachdem die ersten Fälle in Mexiko und den USA aufgetreten waren, breitete sich diese „neue“ Influenza“ sehr schnell weltweit aus. Im Gegensatz zur saisonalen Grippe, die vor allem für Ältere gefährlich werden kann, erkrankten an der pandemischen H1N1-Grippe vor allem jüngere Erwachsene und Kinder besonders schwer. Auch in Deutschland war die Angst zunächst groß: Grippemittel waren mancherorts ausverkauft und die Gesundheitsbehörden legten große Vorräte an Impfstoff an, um für die Pandemie gerüstet zu sein.

Die tatsächliche Infektionswelle dann allerdings bei uns relativ glimpflich. Bis Mitte 2010 wurden in Deutschland 258 Todesfälle und 226.000 Erkrankungen gemeldet und damit weniger als bei einer normalen, saisonalen Grippewelle. Es wurde daher im Nachhinein Kritik laut, die Gefahr sei völlig übertrieben worden. Weltweit soll die Influenza H1N1 neuen Typs bis Mitte 2010 rund 18.449 Todesopfer gefordert haben, so die Angaben der WHO. Auch das ist weniger als bei vielen saisonalen Grippewellen der Fall.

Fallzahlen neu überprüft

Inzwischen aber mehren sich die Zweifel an den niedrigen Fallzahlen der WHO, da diese nur labordiagnostisch gesicherte Fälle umfassen. Die Zahl der Todesopfer und Erkrankten könnte daher weitaus größer gewesen sein. Deshalb hat nun ein Team von 60 Wissenschaftlern aus 26 Ländern im Auftrag der WHO den Fall neu aufgerollt. „Denn es ist entscheidend wichtig, die globalen Auswirkungen einer solchen Pandemie zu verstehen, um sich auf das nächste Mal vorzubereiten, wenn ein pandemischer Virus auftaucht“, erklärt Erstautorin Lone Simonsen von der George Washington University. Und der nächste Ausbruch kommt bestimmt, darüber sind sich die Experten einig.
 
[„Schweinegrippe“ war tödlicher als gedacht, scinexx.de, 
PLOS Medicine, 20123;  doi: 10.1371/journal.pmed.1001558,
George Washington University, 27.11.2013 – NPO, Sinexx]

H1N1 – WHO: Schweinegrippe-Pandemie ist zu Ende (dpa/beu, Süddeutsche Zeitung, 04.01.2012)
Pandemie-Pläne – Die Pandemie-Alarmstufen der WHO (Lungenärzte im Netz, undatiert)

Bill Gates spricht über die Bevölkerungsreduktion {3:38}

Reinhard Gröll
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
Gespräch mit Markus Lanz am 14.07.2011

WHO: Schweinegrippe-Pandemie ist zu Ende (Berufsverband Deutscher Internisten, 12.08.2010)


Am Freitag hatte das britische Medizinmagazin zusammen mit der englischen Journalisteninitiative Bureau of Investigative Journalism (BIJ) einen Bericht mit brisantem Inhalt veröffentlicht. Das Papier dreht sich im Wesentlichen um eine Entscheidung, die am 11. Juni 2009 fiel und die weltweit weitreichende Folgen mit sich brachte. Es geht um den Tag, an dem die WHO die Schweinegrippe zur Pandemie, einer Seuche der WHO-Stufe 6, erklärte.
In dem Bericht heißt es, einige der Autoren, die an den Richtlinien der WHO zum Umgang mit Grippepandemien mitgewirkt haben, hätten zur gleichen Zeit Geld von den Pharmafirmen GlaxoSmithKline (GSK) und Roche erhalten. GSK ist Hersteller des Impfstoffs Pandemrix, der gegen die Schweinegrippe zum Einsatz kam. 2007 hatte sich Deutschland dem britischen Konzern gegenüber vertraglich verpflichtet, den GSK-Pandemie-Impfstoff zu kaufen, sobald Phase 6 ausgerufen wird. Roche vertreibt das Grippemedikament Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir). […]  Auch der SPIEGEL berichtete im März diesen Jahres über mögliche Interessenskonflikte: So erhält Roy Anderson, einer der wichtigsten wissenschaftlichen Berater der britischen Regierung von GSK ein Jahresgehalt von mehr als 130.000 Euro - bereits am 1. Mai 2009 erklärte Großbritannien die Schweinegrippe zur Pandemie. Zufall?

Die Pharmaindustrie finanziert sogar einen eigenen Wissenschaftlerverband, die European Scientific Working Group on Influenza, an deren Spitze Albert Osterhaus vom Erasmus Medical Center in Rotterdam steht. Osterhaus ist einer der einflussreichsten WHO-Berater in Sachen Grippeimpfung.

Seit klar wurde, dass die Schweinegrippe doch weitaus harmloser verlaufen würde, als es die düsteren Prognosen der WHO vorhergesagt hatten, haben WHO-Mitglieder immer wieder beteuern müssen, dass die Pharmaindustrie ihre Entscheidungen nicht beeinflusst habe. Das "BMJ" aber brachte neue Verbindungen ans Tageslicht. Wie etwa die des Mediziners Fred Hayden von der University of Virginia, der 2004 von Roche Honorare für Vorträge und Beratertätigkeiten erhalten habe.

[Cinthia Briseño, Schweinegrippe-Pandemie: Wie die WHO das Vertrauen der Verbraucher verseucht, SPIEGEL Wissenschaft, 09.06.2010]

Anhörung : Europarat rügt Panikmache bei Schweinegrippe (Albrecht Meier, ZON, 27.01.2010 – Leserbriefe beachten!!)
SCHWEINEGRIPPE – Der enorme Schaden der Pandemie, die keine war (Elke Bodderas, WELT, 03.01.2010)
Schweinegrippe: Eine kurze Geschichte der Pandemie (Hartmut Wewetzer, ZON, 05.11.2009)
Schweinegrippe: Experte warnt vor Viren-Hysterie (Spiegel Wissenschaft, 18.07.2009)


Was strukturell kritisiert wird
Die WHO definiert eine Pandemie bisher nur danach, wie schnell sich ein neues Virus verbreitet – und zwar unabhängig davon, wie häufig die Infektion mit milden Krankheitsverläufen einhergeht oder nicht.

Die Kompetenz der Influenza-Kommission für den Pandemiefall („Pandemiekommission“), die aus Experten verschiedener Fachgebiete zusammengesetzt ist, wurde gegenüber der Bevölkerung nicht ausreichend verdeutlicht. So war öffentlich nicht erkennbar, dass das Gremium konstant im Hintergrund als Ratgeber für das RKI und PEI fungierte.

Der Abbau der Gesundheitsämter erweist sich in nationalen Gesundheitsnotfällen als falsch.

Bezüglich der Impflogistik blieb die jeweilige Rolle der niedergelassenen Ärzte einerseits und des öffentlichen Gesundheitsdienstes andererseits lange unklar. Zuständigkeiten wurden regional sehr unterschiedlich und offenbar nicht überall für beide Seiten befriedigend geregelt. Nach Angaben von Ministerialdirigent Enno Gosling gab es in Niedersachsen diesbezüglich positive Rückmeldungen.
Aufgrund der bestellten Zehnerdosen und der Strategie der Pandemiepläne lag zunächst eine zentrale Verimpfung nahe. Anders als in der Pandemieplanung vorgesehen, erfolgte jedoch eine Indikationsimpfung aufgrund individueller Risikoabwägung, was wiederum für eine Impfung durch Hausärzte sprach.

Die Aussage der damaligen Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt vom 19. August 2009, dass „jeder, der geimpft werden möchte, sich impfen lassen kann“ (wenn auch zeitlich gestaffelt), war missverständlich. Denn die Länder hatten von vornherein gesagt, dass sie in Anbetracht der Lage für maximal 30 Prozent der Bevölkerung Impfstoffe einlagern würden.

Ein Hauptproblem beim Management der Pandemie war das bestehende – und durch die anstehende Bundestagswahl getriggerte – Spannungsfeld zwischen Bund und Ländern. Verfassungsgemäß liegt die Verantwortung für die Bestellung und die Bezahlung des Pandemie-Impfstoffs bei den Ländern. Nicht zuletzt durch den „nationalen“ Kauf von Pockenimpfstoff im Jahr 2001 sowie einer Nachbestellung des Neuraminidasehemmers Tamiflu 2009 hatten die Länder auf eine entsprechende finanzielle Übernahme durch den Bund gehofft. Eine solche Zusage war aber nie in Aussicht gestellt worden.

Obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits vor der Verfügbarkeit des Impfstoffs ausführlich begründete Empfehlungen veröffentlicht hat, wurde deutlich, dass ihre jetzige Geschäftsordnung für unter Zeitdruck erstellte Impfempfehlungen (emergency modus) nicht geschaffen ist.

Teile der deutschen Bevölkerung, der Ärzteschaft und der Medien haben grundsätzlich eine kritischere Haltung gegenüber Impfungen als andere Nationen, wie die intensiven Diskussionen um die Vakzine gegen das humane Papillomavirus (HPV) gezeigt haben. Durch das Kommunikationschaos im Rahmen der Pandemie ist der Impfgedanke weiter erodiert worden. Auch mögliche Interessenkonflikte einzelner STIKO-Mitglieder haben daran Anteil.

Die Behörden haben die ärztlichen Fachverbände über ihre Funktion als Berater in der Pandemiekommission hinaus nicht ausreichend als Multiplikatoren in die Überzeugungsarbeit eingebunden.

Die meisten Fachgesellschaften wiederum haben es lange Zeit versäumt, sich zu engagieren beziehungsweise fachlich nichthaltbare Äußerungen einzelner Mitglieder offensiv als solche zu klassifizieren.
Kommunikationsdesaster
Der deutsche Pandemieplan enthält zwar ausführliche Maßgaben für die Kommunikation, „diese haben aber nicht funktioniert“, sagte Prof. Dr. med. Reinhard Kurth.

Es wurde vermittelt, dass der deutsche Pandemieplan automatisch in Kraft tritt, wenn die WHO die Pandemiewarnstufe 6 ausruft. Das ist falsch. Der deutsche Pandemieplan besteht aus mehreren Phasen, für die dann entsprechende Präventionsmaßnahmen aktiviert werden können – er sieht bewusst eine flexible Handhabung vor. So wurden einige Maßnahmen, die laut Pandemieplan für Phase 5 vorgesehen sind, bereits in Phase 4 aktiviert. Andere Maßnahmen, die für Phase 5 vorgesehen sind, wurden sogar in Phase 6 und bis heute nicht aktiviert.

Problematisch war nicht ein Mangel an Informationen, sondern die teilweise unterschiedlichen und/oder zeitweise wechselnden Botschaften.

Innerhalb der ärztlichen Fach- und Berufsverbände wurden – entweder aus Unkenntnis, verbandspolitischen oder persönlichen Interessen – widersprüchliche Informationen und Forderungen kommuniziert. Das führte in der Ärzteschaft, aber auch in der Öffentlichkeit zu Verunsicherung.

Die Tatsache, dass die Verträge mit den Impfstoffherstellern und die Preisgestaltung für den Impfstoff geheim gehalten werden mussten (war Teil der Verträge), letztlich aber nicht geheim gehalten werden konnten, hat der Bildung von Verschwörungstheorien Vorschub geleistet.

Die (plausiblen) Gründe, weshalb für die allgemeine Bevölkerung ein adjuvantierter Spaltimpfstoff, für Bundesbedienstete abweichend davon ein nichtadjuvantierter Ganzvirusimpfstoff bestellt wurde, hätten auf jeden Fall aktiv kommuniziert werden müssen.

Millionen Menschen sind monatelang verunsichert worden, weil die Kommunikation des „Unwissens“ nicht stattgefunden hat. In einer Situation, in der zu vielen wichtigen Fragen keine Erkenntnisse vorlagen, fehlten der Mut und die Autorität, fachkompetent Ordnung hineinzubringen. So war bei den Bürgern zeitweise die Angst vor dem Impfstoff größer als die Sorge vor einer Infektion.

Angesichts der damaligen Datenlage hätte man den Impfstoff nicht als „sicher“, sondern als „unbedenklich“ einstufen müssen. Der Grund: In der Kürze der Zeit konnten keine durch klinische Evidenz gesicherten Daten vorgelegt werden. Dazu Prof. Dr. Johannes Löwer: „Es ist uns nicht gelungen zu kommunizieren, dass vorab schon viele Erfahrungen für einen Pandemie-Impfstoff existierten – auch zum Adjuvans. Es ist richtig, dass der A/H1N1-Pandemie-Impfstoff zum Zeitpunkt der Zulassung im Oktober 2009 zunächst nur an 170 Personen getestet wurde – so wie die jährlichen Versionen der saisonalen Grippeimpfstoffe auch.“

Sowohl bei Fachleuten als auch in der Öffentlichkeit war der Begriff der Pandemie grundsätzlich mit der Vorstellung einer „Großschadenslage“ verknüpft.

Der Bevölkerung von Industrienationen sind Mangelsituationen im Gesundheitswesen fremd. Es ist nicht gelungen zu vermitteln, dass ein Pandemie-Impfstoff nicht direkt in ausreichender Menge vorhanden sein wird und deshalb zeitlich gestaffelt geimpft werden muss.

Kritik an den Medien wurde laut, und es wurde gefragt, warum viele Zeitungen und der Rundfunk Informationen von selbst ernannten Experten ungeprüft verbreiten. Zu erheblicher Verunsicherung trug die nachweislich falsche Behauptung bei, das im Pandemie-Impfstoff enthaltene Squalen sei für das „Golfkriegssyndrom“ verantwortlich.

Was man damals noch nicht wissen konnte
Über das Verhalten und die Pathogenität eines neuen Influenzavirus in der menschlichen Bevölkerung können die Forscher noch keine sicheren Voraussagen treffen: Anhand des Erbguts einzuschätzen, ob und zu wie vielen schweren Erkrankungen es kommt, ist derzeit nicht möglich. Hier steht die Forschung ganz am Anfang.

Jedes Bundesland musste sich zu einem Zeitpunkt für oder gegen die Bestellung entscheiden, als die Pathogenität des neuen Virustyps unbekannt war. Ebenso musste die Entscheidung zum Umfang der Impfstoffbestellung getroffen werden, als weder die Impfempfehlungen beschlossen noch die Anzahl der pro Person erforderlichen Impfdosen endgültig festgelegt noch die Impfbereitschaft der Bevölkerung verlässlich vorhergesehen werden konnten.

Worüber kein Konsens erzielt werden konnte
Ein Teil der Diskutanten vertrat die Ansicht, dass das für „normale“ Impfungen gut funktionierende System im Umgang mit einer Pandemie überfordert ist. Die Zuständigkeiten zwischen Bund (Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium) und den angeschlossenen Instituten einerseits und den für das Impfen verantwortlichen Landesstrukturen andererseits eigneten sich nicht, um mit einer dynamischen Situation wie im vergangenen Jahr umzugehen. Das beginne beim Einkauf des Impfstoffs und ende beim Informationsmanagement. „Es kann nicht sein, dass die Pandemiepläne scheitern, wenn sie auf das föderale System stoßen“, so Dr. med. Paul Rheinberger.

Als logische Konsequenz wurde vorgeschlagen, die föderale Struktur im Fall einer nationalen Gesundheitsgefährdung für einen bestimmten Zeitraum außer Kraft zu setzen, so dass alle diesbezüglich notwendigen Entscheidungen zentral getroffen, verantwortet und kommuniziert würden. Letzteres zum Beispiel durch einen „Chief Medical Officer“, der medial als gemeinsamer Sprecher aller Institutionen und Behörden auftritt und die Entscheidungen erläutert.

Nach Ansicht von Ministerialdirigent Enno Gosling hat die zeitlich unterschiedlich verlaufende Krankheitswelle gezeigt, dass gerade im Föderalismus auf lokale Belange flexibler reagiert werden kann: „Die Nähe zur Basis kommt dem Föderalismus gelegen. Leicht unterschiedliche Strategien sind nun mal der Charme des Föderalismus.“

Der ehemalige Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder ergänzte: „Die föderalistische Ordnung ist in Krisen nicht einfach zu handhaben, hat aber auch Vorteile und bietet viel Potenzial. Klar muss immer nur die Verantwortung sein.“

Was konkret verbessert werden sollte
Es sollten zeitnah Pandemiepläne entwickelt werden, welche auch die Möglichkeit regional unterschiedlicher Schweregrade einer Pandemie berücksichtigen (also eher lage- als phasenabhängig sind).

Die Rolle der Pandemiekommission muss faktisch und in der Außendarstellung gestärkt werden, um Vertrauen für den Ernstfall herzustellen.

Für die Zukunft müssen mit den Impfstoffherstellern flexiblere Verträge verhandelt und diese transparent gemacht werden.

Die epidemiologische Entwicklung einer Influenza sollte mit geeigneten Methoden begleitend untersucht und dokumentiert werden, empfahl der Leiter des Deutschen Cochrane-Zentrums und STIKO-Mitglied, Dr. rer. nat. Gerd Antes.

Strategieanpassungen im Rahmen einer Pandemie müssen sowohl den Fachkreisen als auch der Öffentlichkeit verständlicher und vorausschauender angekündigt werden.

Entscheidungen von Behörden müssen von den wissenschaftlichen und ärztlichen Fachgesellschaften kritischer hinterfragt werden; ihre fachlichen Beurteilungen sollten der Bevölkerung stärker vermittelt werden.

Für den Pandemiefall muss eine Kooperationsstruktur zwischen dem öffentlichen Gesundheitsdienst und der niedergelassenen Ärzteschaft vor Ort vorbereitet und „eingeübt“ werden.

„Schlecht geimpfte Ärzte haben auch schlecht geimpfte Patienten. Hier ist mehr Vorbildfunktion gefordert“, betonte Pädiater Dr. med. Martin Terhardt. Die Aufklärung über den Nutzen von Impfungen (und Infektionsschutzmaßnahmen) nicht nur zur Minimierung des individuellen Risikos, sondern auch zum Schutz der Allgemeinheit muss forciert werden.

Originalaufzeichnungen und Mitschriften von Pressebriefings sollten zeitnah im Internet bereitgestellt werden, um eine effizientere und transparentere Medienarbeit zu fördern.

Einig war sich die Diskussionsrunde, dass auch in einem künftigen Pandemiefall sich einige Entscheidungen im Nachhinein als falsch erweisen werden. Allerdings könne man nur aus Fehlern lernen – dies gelte auch für Pandemien und deren Bekämpfung.

[Vera Zylka-Menhorn, Neue Influenza: Kritischer Rückblick mit wegweisender Vorausschau, Dtsch Arztebl 2010; 107(18): A-850 / B-744 / C-732]

Ein dreistufiger nationaler Pandemieplan soll die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 eindämmen. Experten befürchten derweil einen Lieferengpass bei Medikamenten.

Pandemieplan in drei Stufen
Der Pandemieplan gilt, solange es noch keinen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt. Ziel ist es, die Ausbreitung einzudämmen. Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto mehr Zeit bleibt, um Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen vorzubereiten, Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen, antivirale Medikamente zu beschaffen und die Entwicklung eines Impfstoffs voranzutreiben.
Die Übergänge zwischen den einzelnen Stufen sind fließend:
  • In Stufe 1 (Eindämmung) geht es darum, die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Möglichst jeder Infizierte und alle Menschen, die mit ihm in Kontakt waren, sollen identifiziert werden und 14 Tage zu Hause in Quarantäne bleiben. Die Betroffenen telefonieren täglich mit dem Gesundheitsamt. Treten Symptome auf, wird ein Abstrich gemacht und auf den Erreger getestet. Die Quarantäne endet nach 14 symptomfreien Tagen. Denn wenn Viren von einem Infizierten auf einen Gesunden übergehen, kann es bis zu 14 Tagen dauern, bis dieser erkrankt und das Virus nachweisbar ist. Die Maßnahmen der Stufe 1 gelten nur in betroffenen Regionen und solange, wie sich einzelne Infektionswege nachvollziehen lassen und der Nutzen den Schaden (fehlende Ärzte und Pfleger, Störungen der Infrastruktur) überwiegt.
  • Zusätzlich gilt Stufe 2 (Schutz) des Pandemieplans, wenn es viele Infizierte gibt, bei denen nicht klar ist, wo sie sich angesteckt haben. Dann sollen vor allem Menschen geschützt werden, bei denen schwere Verläufe von COVID-19 wahrscheinlich sind, vor allem Ältere und chronisch Kranke. Die besonders gefährdeten Personengruppen sollen die Öffentlichkeit meiden und keine großen Veranstaltungen besuchen.
  • Wenn es nicht mehr gelingt, gefährdete Menschen vor schweren Verläufen zu schützen, greift Stufe 3 (Grundversorgung) des Pandemieplans: Dann geht es darum, das gesellschaftliche Leben aufrecht zu erhalten und die notwendige medizinische Versorgung zu gewährleisten. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass alle nicht notwendigen Operationen verschoben werden, um Ressourcen zu schonen.
Mit dem dreistufigen Pandemieplan lässt sich ein großer Coronavirus-Ausbruch möglicherweise weiter ins Frühjahr verschieben, sodass es nicht gleichzeitig zu einer Grippewelle und Coronavirus-Epidemie kommt.
[Ulrike Heimes, Coronavirus-Pandemieplan: Was die drei Stufen bedeuten, NDR-Visite, 10.03.2020]

Mit der Planung zu Notfällen und Katastrophen sollen die schädlichen Folgen solcher Ereignisse durch gezieltes und wirksames Handeln möglichst klein gehalten werden. Das gilt auch für den speziellen Fall einer Grippepandemie. Mit den über die WHO mit 194 Staaten der Welt vereinbarten Internationalen Gesundheitsvorschriften (International Health Regulations – IHR 2005) wurde ein Instrument geschaffen, um Gefahren für die Gesundheit, die sich über die Ländergrenzen ausbreiten können und für die Bevölkerung bedrohlich werden könnten, vorzubeugen, sie abzuwehren und zu überwachen. Dies gilt, wenn 

  • die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung ernsthaft sind, 
  • das Ereignis ungewöhnlich ist und unerwartet auftritt, 
  • ein erhebliches Risiko besteht, dass es zu einer internationalen Ausbreitung kommt, 
  • ein erhebliches Risiko besteht, dass es dadurch zu Einschränkungen für den internationalen Handel und für Reisen kommt. 

Die Unterzeichnerstaaten müssen solche Ereignisse unverzüglich der WHO melden. Dazu gehören auch Grippeerkrankungen beim Menschen, die durch einen neuen Subtyp hervorgerufen werden. 

Wie bei jeder anderen Form von Notfall- und Katastrophenplanung müssen Annahmen zugrunde gelegt werden, wie das Ereignis ablaufen könnte. Trotz aller Erfahrungen aus den Pandemien des vergangenen Jahrhunderts und Überlegungen über die Eigenschaften eines zukünftigen Grippepandemievirus bleiben große Ungewissheiten. Die Annahmen, auf denen eine Planung – unabhängig auf welcher Ebene – beruht, sollten daher in der Regel auf einem besonders gravierenden Ereignis aufbauen. Dies gilt für die Betriebliche Pandemieplanung ebenso. Auch wenn man verschiedene Szenarien konstruiert, wird sich die Planung an einem schweren Ereignisablauf orientieren müssen. 

Die WHO hat die Vorgänge, die zu einer Pandemie führen, nach äußeren Merkmalen in Phasen eingeteilt. Der Wechsel in eine neue Phase wird vom WHO-Generaldirektorium bekannt gegeben. Die Phaseneinteilung wurde bei der letzten Revision im April 2009 geändert, die einzelnen Phasen einfacher und präziser definiert und an nachvollziehbare und feststellbare Tatsachen gebunden (siehe Graphik auf der folgenden Seite). Die Feststellung, dass eine bestimmte Pandemiephase vorliegt, er- laubt keine Aussage über den Schweregrad und Verlauf der kommenden Pandemie. Sie macht lediglich eine Aussage über die Übertragbarkeit der Influenzaviren, d. h. ob die Übertragung der Viren von Mensch zu Mensch anhaltend ist. Die neue Definition beschreibt zusätzlich zwei neue Phasen, welche die epidemiologischen Vorgänge nach dem Höhepunkt der ersten Welle und das Erlöschen der Pandemie beschreiben. Die Phaseneinteilung soll Staaten und Institutionen – z. B. Betriebe und Unter- nehmen – zu den jeweils erforderlichen Vorbereitungen motivieren und Anleitung geben. 

Die WHO beabsichtigt, die Schwere einer Pandemie (was Häufigkeit und Schwere der Krankheiten betrifft) zukünftig in drei Schweregraden (mild – mäßig – schwer) zu beschreiben. Der Schweregrad wird nicht durch die Pandemiephasen bestimmt; es können schon in der Phase 3 schwer verlaufende Krankheiten mit großem Mortalitätsrisiko auftreten (z. B. die Krankheitsfälle mit Aviärer Influenza ab 2005 besonders in südostasiatischen Ländern), umgekehrt können die WHO-Kriterien für die Phasen 4 und 5 erfüllt sein, das Pandemievirus aber überwiegend leicht verlaufende Krankheiten hervorruft (z. B. bei der Neuen Influenza A/H1N1 – „Schweinegrippe“ im Frühjahr 2009). Die Schwere einer Pandemie lässt sich z. B. anhand bestimmter Indikatoren festlegen: Wie viele Erkrankte sterben an der Krankheit; treten ungewöhnlich schwere Krankheitsverläufe auf; gibt es bei der Verteilung der Sterbefälle in der Bevölkerung unerwartete Ergebnisse; treten ungewöhnliche Komplikationen im Krankheitsverlauf auf?
[Handbuch Betriebliche Pandemieplanung, Anhang 2: Fiktive Chronik einer Pandemie, Einleitung, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Version 3, Dezember 2010 – PDF – Hervorhebungen von mir]

Schweinegrippe: Virus wird ganze Welt erfassen {3:13}


focusonline
Am 15.07.2009 veröffentlicht 
Die Schweinegrippe wird sich wohl weltweit verbreiten, sagt der Virologe Prof. Hermann Schätzl von der TU München. Sterben werden wahrscheinlich nur wenige Infizierte.
http://www.focus.de/gesundheit/video/...
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Schweinegrippe 2009 - Wolfgang Wodarg vs. Christian Drosten - wer hatte recht? {7:12}

Reinhard Gröll
Am 01.04.2020 veröffentlicht 

Arte-Dokumentation (laut Impfkritik.de Erstausstrahlung am 20.10.2009):
Profiteure der Angst - arte Dokumentation 2009 {56:44 – Start bei 8:56 – Off-Sprecher: »Wieviele Menschen weltweit sterben oder schwer erkranken ist kein Kriterium mehr für eine Pandemie.«}

Be Be
Am 29.03.2020 veröffentlicht 
Schreiben Sie ihre Meinungen, aber bleiben Sie bitte höflich und besonnen mit Ihren Aussagen. Kommentare mit Beleidigungen werden nicht veröffentlicht, bzw. gelöscht. Permanent wiederholende Kommentare mit Linkangaben werden ebenfalls gelöscht. Vielen Dank.

aktualisiert am 05.04.2020
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