Dienstag, 13. März 2012

»Wie sind Sie denn versichert?«

Zur besseren Versorgung von psychisch kranken Patienten wurde vor kurzem in Baden-Württemberg ein Facharztvertrag nach § 73 c SGB V für die Fachbereiche Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie abgeschlossen (siehe auch PP, Heft 11/2011). Unterschrieben haben die AOK Baden-Württemberg, die Bosch-BKK sowie der Medi-Verbund und Berufsverbände. Nun müssen Psychotherapeuten und Ärzte entscheiden, ob sie an dem „Psycho-Vertrag“ teilnehmen. Er verspricht in akuten Fällen einen Termin innerhalb von drei Tagen bei einem Psychotherapeuten. Um teilzunehmen, müssen Patienten sich in den Hausarztvertrag der AOK einschreiben, der auch eine Teilnahme in den Facharztverträgen Kardiologie und Gastroenterologie – soweit erforderlich – verbindlich nach sich zieht. Und sie müssen natürlich bei der AOK oder Bosch-BKK versichert sein.

Mögliche Szenarien für telefonische Kontaktaufnahmen:



Patient (P): Ich brauche eine Psychotherapie und habe eine Überweisung vom Hausarzt. Gibt es bei Ihnen auch so lange Wartezeiten?

Psychotherapeut (Psych): Wie sind Sie denn versichert?

P: Ich bin nicht privat versichert, wenn Sie das meinen.

Psych: Nein, in welcher gesetzlichen Kasse?

P: Ich bin in der TK. Macht das denn einen Unterschied?

Psych: Ja, denn bei der AOK gibt es einen Vertrag, mit dem Sie schneller einen Termin bekommen.

P: Na ja, ich bin aber mit der TK ansonsten sehr zufrieden.

Psych: Ja, also, ich bin verpflichtet, erst die Versicherten der AOK zu nehmen. Deswegen dauert es bei mir ziemlich lange. Da müssen Sie schon bis zu drei Monate bis zu einem Erstgespräch warten.

P: Und wenn ich in der AOK wäre?

Psych: Ja, dann könnten Sie an diesem Vertrag teilnehmen. Dann müsste ich Ihnen innerhalb von drei Tagen einen Termin geben, wenn es dringend ist.

P: Na ja, so dringend ist es nicht. Sagen Sie, bekommen Sie eigentlich mehr Geld, wenn Sie Leute in die AOK bringen?

Psych: Nein, aber für die Behandlung von Patienten der AOK.

P: Das ist doch dasselbe.

Ein anderer Patient:

P: Mich schickt der Soziale Dienst (SD) der Krankenkassen. Ich bin schon seit einer Woche krankgeschrieben, und es wird nicht besser.

Psych: Leider kann ich Ihnen da nicht helfen. Ich kann erst wieder Patienten in Behandlung nehmen, wenn die jetzigen Behandlungen abgeschlossen sind, das wird so in drei Monaten sein.

P: Die Frau vom SD hat gesagt, wenn Sie an dem AOK-Vertrag teilnehmen, dann müssen Sie mir einen Termin in drei Tagen geben.

Psych: Ich nehme aber nicht an dem Vertrag teil.

P: Ja, ich weiß, aber die Frau hat gemeint, ich soll Sie dazu überreden. Dann würde ich schneller einen Termin bekommen und Sie mehr Geld.

Psych: Das ist eine schwierige Frage. Sind Sie denn schon irgendwo eingeschrieben?

P: Nein, mein Hausarzt macht da auch nicht mit, aber den soll ich dann wechseln, hat die Frau vom SD gesagt.

Psych: Sind Sie denn mit Ihrem Hausarzt unzufrieden?


P: Nein, gar nicht. Der ist super, kommt nachts. Hat mich auch zu einem guten Kardiologen geschickt.

Psych: Ist denn Ihr Kardiologe im Facharztvertrag?

P: Keine Ahnung, aber warum ist das wichtig?

Psych: Wenn Sie sich in den Psycho-Facharztvertrag einschreiben, sind Sie auch für alle anderen Facharztverträge eingeschrieben.

P: Dürfen die sowas?

Psych: Offenbar.

P: Ja, und wenn ich mich einschreibe und dann einfach weiter zu einem gehe, der nicht im Vertrag ist?

Psych: Da müssen Sie mal die AOK fragen.

Und noch ein Patient: Ich habe eine Überweisung vom Hausarzt. Ich soll entweder eine Analyse oder eine tiefenpsychologische Therapie machen. Bin ich da bei Ihnen richtig?

Psych: Ja, das mache ich beides. In Vorgesprächen können wir klären, was für Sie das richtige ist.

P: Der Hausarzt hat mich gleich in diesen Psycho-Vertrag eingeschrieben, damit ich schneller einen Termin bekomme.

Psych: Dann muss ich Ihnen aber gleich sagen, dass eine Analyse in dem Vertrag nur bei bestimmten Diagnosen möglich ist.

P: Davon hat der Hausarzt nichts gesagt. Er meinte, dass ich jetzt schon so lange daran herummache, dass ich auch mit einer langen Therapie rechnen müsse. Ich bin 55 Jahre alt, und da hat sich viel angesammelt. Könnten Sie denn schon sagen, ob eine Analyse für mich infrage kommt?

Psych: Das geht so am Telefon natürlich nicht. Am besten, wir machen mal einen Termin aus und sehen dann weiter. In drei Wochen habe ich einen frei.

P: Der Hausarzt hat aber was von drei Tagen gesagt.

Psych: Das gilt nur für ganz akute Fälle.

Montag, 12. März 2012

Ein neuer Theobald

Günter Theobald, Ohne Titel 2011,
Dispersionsfarbe und Acryl auf Papier, auf Karton,
14,8 x 10,5 cm

Sonntag, 11. März 2012

Heute vor 100 Jahren: Der Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet beginnt

Bergleute im Ruhrgebiet begehren auf

Die Geschäfte liefen gut im Industriegebiet an der Ruhr und die Gewinne der Unternehmen stiegen stetig. Die Bergarbeiter wollten ihren Anteil an der florierenden Konjunktur haben und forderten im Frühjahr 1912 eine Lohnerhöhung um 15% sowie die Einführung der Achtstundenschicht. Der Zechenverband lehnte dieses Ansinnen unmissverständlich ab. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, legten daraufhin an die 200 000 Knappen am 11. März 1912 die Arbeit nieder.
Gendarmerie vor der Zeche Sterkrade in Oberhausen, März 1912
Unter den Gewerkschaften herrschte jedoch Uneinigkeit: Der konservative Christliche Gewerkverein distanzierte sich von den Forderungen der sozialdemokratisch bzw. liberal orientierten Arbeitervertretungen und rief seine Mitglieder auf, die Arbeit fortzusetzen. Vor den Zechentoren kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Streikbrechern. Zwei Tage nach Beginn des Streiks rückten 5000 Soldaten in die Kreise Dortmund, Hamm und Recklinghausen ein, Kaiser Wilhelm II. gab die Parole »Scharfschießen« aus. Vier Arbeiter wurden bei rigiden Einsätzen von Polizei und Militär getötet. Am 19. März brach der Streik zusammen, über 700 Streikende wurden zu Gefängnis und zu Geldstrafen verurteilt.
Brockhaus – Abenteuer Geschichte
Darstellung des Streiks bei Astrid Brand

Samstag, 10. März 2012

Heute vor 60 Jahren: Von wem stammt die berühmte politische Note vom März 1952

… in der es u. a. heißt:

»Deutschland wird als einheitlicher Staat wiederhergestellt. Damit wird der Spaltung Deutschlands ein Ende gemacht, und das geeinte Deutschland gewinnt die Möglichkeit, sich als unabhängiger, demokratischer, friedliebender Staat zu entwickeln.«


Stalin schlägt Wiedervereinigung vor

Im März 1952 übersandte der sowjetische Partei- und Regierungschef Josef Stalin (1879-1953) den Westmächten, also den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich, eine diplomatische Note (Stalin-Note), in der er die Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands vorschlug. Im Gegenzug forderte er den Abzug aller Besatzungstruppen.

Die Westalliierten und die Bundesregierung unter Konrad Adenauer (CDU) waren überzeugt, dass es sich bei diesem Angebot um ein taktisches Manöver der Sowjetunion handelte, das die Westintegration der Bundesrepublik verhindern sollte. Ein Notenwechsel zwischen der UdSSR und den Westmächten in dieser Frage wurde daher im September 1952 ergebnislos abgebrochen. In der deutschen Bevölkerung löste die Stalin-Note jedoch heftige Diskussionen aus. Die Fragen, ob die strikt ablehnende Haltung Adenauers eine frühe Wiedervereinigung verhinderte, und welche Folgen eine solche gehabt hätte, werden noch heute diskutiert.
aus Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2012