Sonntag, 16. März 2014

Heute vor 75 Jahren – 16. März 1939: Einrichtung des »Protektorats Böhmen und Mähren«

Hitler verleibt dem Reich die »Resttschechei« ein 

Im November 1937 hatte Reichskanzler Adolf Hitler der Wehrmacht seine militärischen Pläne erläutert und dabei neben Österreich auch die Tschechoslowakei als Objekt einer ersten Expansionsphase herausgestellt. Im folgenden Jahr erzwang er zunächst die Abtretung des mehrheitlich deutsch besiedelten Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Am 15. März 1939 besetzte die Wehrmacht dann die »Resttschechei«. Noch am selben Abend diktierte Hitler auf der Prager Burg den »Erlass zur Einrichtung des Protektorats Böhmen und Mähren«, der vor 75 Jahren, am 16. März 1939, in Kraft trat.

Londoner Geografen arbeiten nach der Zerschlagung
der Tschechoslowakei an der Änderung der Landkarte Europas, 1939
Dem Protektorat wurde die Staatlichkeit aberkannt, stattdessen wurde es ein (theoretisch) autonomer Bestandteil des Deutschen Reichs. »Gefährliche Elemente«, Kommunisten und oppositionelle Intellektuelle, deutsche Emigranten, fielen »Säuberungsaktionen« zum Opfer, etwa 70.000 tschechische Juden wurden Opfer des Holocausts. Zur Symbolfigur der brutalen Fremdherrschaft wurde vor allem Reichsprotektor Reinhard Heydrich, der am 4. Juni 1942 den Folgen eines Attentats erlag.

Reinhard Heydrich (1904-1942) 
einer der Organisatoren der »Endlösung der Judenfrage«
Leiter der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes
im Auftrag der tschechischen Exilregierungin Prag von Attentätern getötet

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Samstag, 15. März 2014

Pink Floyd - Live in Venice Italy 1989

Pink Floyd "Live in Venice Italy 1989" FuLL Widescreen HD [1:31:37]

Veröffentlicht am 21.10.2013
Pink Floyd "Live in Venice Italy 1989" FuLL Widescreen HD

Angaben aus einem anderen Upload:
Pink Floyd - Live In Venice July 15,1989
01. Shine You Crazy Diamond (part 1)
02. Learning To Fly
03. Yet Another Movie
04. Round And Around
05. Sorrow
06. The Dogs Of War
07. On The Turning Away
08. Time
09. The Great Gig In The Sky
10. Wish You Were Here
11. Money
12. Another Brick In The Wall (part 2)
13. Comfortably Numb
14. Run Like Hell
David Gilmour - Lead guitars and Lead vocals
Nick Mason - Drums and Percussion
Richard Wright - Keyboards and Vocals
with:
Tim Renwick - Guitars
Gary Wallis - Percussion
Jon Carin - Keyboards, Synthesizers and Vocals

Guy Pratt - Bass and Vocals
Scott Page - Saxophones
Rachel Fury, Durga McBroom and Lorelei McBroom - Backing Vocals

Freitag, 14. März 2014

In memoriam Dr. Eyad al-Sarraj, Psychiater und Menschenrechtsaktivist, 1944-2013

Für mentale Gesundheit und Menschenrechte 

In memoriam Dr. Eyad al-Sarraj, Psychiater und Menschenrechtsaktivist, 1944-2013

Gaza, im Januar 1988 im Shifa-Hospital. Dort trafen wir Dr. Eyad al-Sarraj. Er begleitete uns und erklärte mit sanfter Stimme den harschen Anblick der verwundeten jungen Menschen und die Vernachlässigung und den Schmutz des Shifa-Regierungskrankenhauses. Nach eineinhalb Stunden in seiner Wohnung war die Stimmung gut und kooperativ. Es war Eyad, der den Prozess und den Wandel in unserer Gruppe bewirkte. Plötzlich hatten wir einen palästinensischen Doktor zum Freund. 

Zwei Monate später, in Neve Tzedek in Tel Aviv, fand die Gründungskonferenz der Vereinigung Israelischer und Palästinensischer Ärzte für Menschenrechte (AIPPHR) statt. Der Saal war voll von Ärzten aus Israel, dem Gazastreifen, Ost-Jerusalem, der West Bank und den Golanhöhen. Eyad sagte: "Ich bin ein palästinensischer Arzt aus Gaza, und ich bin stolz, an der Gründung dieser Ärzte-Organisation für Menschenrechte teilzuhaben. Ich rufe Sie alle auf, daran mitzuwirken." Die Organisation wurde am gleichen Tag gegründet. Danke, Eyad!

Er sammelte Gelder und kehrte nach Gaza zurück, mit der Möglichkeit, seinen Traum zu verwirklichen: ein Zentrum für psychische Gesundheit in Gaza. Das war nicht einfach in einer Gesellschaft, in der es keine Infrastruktur und kein professionelles Personal gab. Ich beteiligte mich zusammen mit anderen Kollegen als Freiwillige beim Gaza Zentrum für Mentale Gesundheit (GCMH) an der Ausbildung von therapeutischem Personal. 

Wir stellten Kontakte zur psychologischen Abteilung der Universität Tel Aviv her und schufen einen Rahmen für Supervision und Ausbildung. Dieses Netzwerk arbeitete weiter, bis die Armee den Studenten aus Gaza nicht mehr erlaubte, für ihre Studien nach Tel Aviv zu kommen. 

Eyad gehörte nicht zu irgendeiner politischen Partei in Gaza. Er war nicht einverstanden mit der verbreiteten Meinung: Zuerst bekämpfen wir die Besatzung, und erst danach kämpfen wir für Unversehrtheit zu Hause. Die palästinensische Behörde mochte seine Meinung oder seine politische Unabhängigkeit nicht. Eyad wurde während der Zeit des Vorsitzenden Yasser Arafat 1995/96 dreimal verhaftet. Die Inhaftierung durch die eigenen Leute deprimierte ihn. Er brauchte eine lange Zeit und viele Gespräche, um wieder er selbst zu werden. Währenddessen machte das GCMH Fortschritte. Eyad kümmerte sich besonders um Kinder und Jugendliche. Er verstand deren schwierige emotionale Situation, in der die traditionelle Institution der Familie unmittelbar vor ihren eigenen Augen zerstört worden war, indem der Vater seinen Platz in der Familie verlor, entweder infolge der Schläge und Erniedrigung durch israelische Soldaten vor den Augen der Familie oder durch den Mangel und die Arbeitslosigkeit, die den Eltern aufgezwungen wurden. 

Eyad kämpfte für die Frauen in Gaza und schuf ein spezielles therapeutisches Netzwerk für sie. Das war keine leichte Aufgabe in einer traditionellen Gesellschaft im beschleunigten Prozess der Rückkehr zur Religion. Auf der ganzen Strecke unseres gemeinsamen Weges war Eyad ein untrennbarer Teil des Kampfes gegen Folter. Eyads publizierte Artikel über seine psychologische Sichtweise als Ergebnis seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Gaza ernteten große internationale Aufmerksamkeit. Eyad sagte vor dem Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen aus – nach der Operation "Vergossenes Blei" (der israelischen Armee, Anmerkung des Übersetzers) 2009. Sein Zeugnis war wichtiger Teil des Goldstoneberichts

2008 wurde das Gaza Center for Medical Health von der israelischen Armee bombardiert. Die Zerstörungen waren schwer und es war schwer für Eyad, ihnen ins Auge zu sehen. Ich traf ihn einige Zeit nach der Bombardierung. Ich sah, dass er krank war. Einige Jahre vergingen für Eyad in seinem Kampf gegen die maligne Leukämie, an der am 17. Dezember 2013 in einem Krankenhaus in Israel verstarb. 

Eyad wurde in Beersheva geboren und floh als kleiner Flüchtlingsjunge nach Gaza – er sah sich selbst als stolzer Gaza-Bürger. Er war nicht religiös und war nicht mit irgendeiner politischen Partei verbunden, sondern sein Wunsch war es, mit all der Großzügigkeit zu helfen, die ihn charakterisierte. Ich vermisse dich sehr, lieber Freund, einen Menschen, mit dem zu sprechen und Gedanken auszutauschen solch eine einzigartige Erfahrung war. Unsere Welt ist anders und ärmer ohne ihn. 

Dies ist eine gekürzte und übersetzte Fassung des Nachrufs von Dr. Ruchama Marton. Übersetzung Matthias Jochheim (IPPNW, Deutschland). Den vollständigen Nachruf in englisch finden Sie unter: www.phr.org.il/default.asp?PageID=190&ltemID=1844 


Dr. Ruchama Marton ist Präsidentin der "Physicians For Human Rights Israel" und Trägerin des alternativen Nobelpreises
ippnw-forum nr 137, märz 2014



Eyad al-Sarraj war Träger des Olof-Palme-Preises 2010 und des Martin-Ennals-Award 1998







Eyad El-Sarraj, Psychiatrist Who Fought for Palestinians’ Rights, Dies at 70 (New York Times)
Zum Tode von Dr. Eyad al-Sarraj (medico international)
Palestinians honour Gaza psychiatric pioneer (Aljazeera, Gruß übrigens an meine Freunde von der NSA!)





 








Ruchama Marton ist Gründerin der Physicians for Human Rights Israel und Trägerin des Emil-Grünzweig-Menschenrechtspreises 1999

Donnerstag, 13. März 2014

Elektronische Gesundheitskarte rechtswidrig

Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, verstößt die Anfang 2014 eingeführte Gesundheitskarte mit Bild laut eines Gutachtens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gegen das Gesetz. Die Krankenkassen hätten es versäumt, die Fotos zu überprüfen. 

Aufgefallen war dies als Mitglieder Fotos des "Star Wars"-Charakters "Darth Vader" oder berühmter Persönlichkeiten, wie Brad Pitt oder Lady Gaga eingereicht hatten. Derzeit sind zwischen 55 und 60 Millionen E-Cards im Umlauf. Wie viele davon ungültig sind, ist nicht bekannt. Deshalb müssten prinzipiell alle Karten eingezogen oder nachgerüstet werden, da sie so keine gesetzlich gültigen Identitätsnachweise darstellen. 

Die Aktion "Stoppt die e-card", ein Bündnis aus 54 Bürgerrechtsorganisationen, Datenschützern, Patienten- und Ärzteverbänden, fordert seit Langem die Abschaffung der Karte. Dr. Manfred Lotze, Vertreter der IPPNW im Bündnis, warnt: "Die NSA hat vorgemacht, wie schnell Daten zu entschlüsseln sind – das sollte auch den letzten Sicherheitsgläubigen eines Besseren belehren." Trotz allem ist das Bundesministerium für Gesundheit der Ansicht, die Krankenkassen hätten keinen Fehler gemacht, da die Verifizierung der Daten nicht zwingend während der Übermittlung des Lichtbilds geschehen müsste. [Hervorhebung von mir] Informationen darüber, wann die Überprüfung stattfinden müsse, gibt es allerdings nicht. 
ippnw forum nr137, märz2014



Eine Zusammenfassung des zeitlichen Ablaufs (alle Infos aus Wikipedia, abgerufen am 13.03.2014): 
In dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung vom 14. November 2003 (Inkrafttreten am 1.1.2004) wurde die Einführung der eGK zum 1. Januar 2006 in § 291a SGB V gesetzlich festgeschrieben.

Die Vorlage zum Gesundheitsmodernisierungsgesetz von 2003 fordert das Aufbringen eines Lichtbildes, um Missbrauch zu verhindern.[21] [A 5]
Gemäß dem verbindlichen Sicherheitskonzept der gematik [22] sind die Krankenkassen als Herausgeber der eGK für die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen und den Spezifikationen der gematik GmbH verantwortlich. [A 6] Jede Krankenkasse verantwortet selbst die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen und berücksichtigt neben dem Sicherheitskonzept der gematik GmbH die Anforderungen des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) und die europäischen Vorgaben.
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Peter Schaar fordert am 3. Juni 2009 in der Tagesschau, dass „die Krankenkassen dafür Sorge tragen müssen, dass die Fotos den Betroffenen zuzuordnen sind“.

Im Januar 2005 [also ein Jahr vor der im Gesetz geplanten Einführung, Anmerkung von mir] gründeten die Spitzenverbände der Selbstverwaltung [wer das außer der Kassenärztlichen Bundesverwaltung noch ist, ist für mich nicht eruierbar] im Januar 2005 die Betriebsorganisation gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH).

Der 110. Deutsche Ärztetag beschloss im Mai 2007, die eGK in der heute vorliegenden Form abzulehnen und neue Wege zu gehen, die eine größere Datensicherheit und eindeutige Aussagen über die Finanzierbarkeit aufweisen. Der 111. Ärztetag erneuerte im Mai 2008 seine Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte in der jetzigen Form und verlangte einen Stopp der Tests. Bei der Mehrheit der Delegierten überwogen die datenschutzrechtlichen Bedenken gegen die zentrale Speicherung der Patienteninformationen.  
Der Verband der privaten Krankenversicherer stieg unter Hinweis auf die fehlende Investitionssicherheit im Juli 2009 aus der Teilnahme am Basis-Rollout der neuen Chipkarten-Lesegeräte aus. (Der entsprechende Link bei Wikipedia funktioniert nicht mehr.)
Der 113. Deutsche Ärztetag beschloss am 14. Mai 2010, das Projekt Gesundheitskarte „in der weiterverfolgten Zielsetzung endgültig aufzugeben“.
Auch der 116. Deutsche Ärztetag im Mai 2013 in Hannover bekräftigte die in seinen Beschlüssen der letzten Jahre formulierte Ablehnung des Großprojektes „Elektronische Gesundheitskarte“. „In den vergangenen 7 Jahren hat sich herausgestellt, dass das eGK-Projekt nicht geeignet ist, eine moderne, sichere, patienten- und arztdienliche elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen zu befördern. Die bisher investierten Gelder sind der medizinischen Versorgung verloren gegangen.“ [10]

Die Artikel-29-Datenschutzgruppe (das unabhängige Beratungsgremium der Europäischen Gemeinschaft in Fragen des Datenschutzes) fordert, dass „Patienten absolut zweifelsfrei identifizierbar sein müssen".

Die Anlage 4a des Bundesmantelvertrags [A 7] setzt die Umsetzung der MUSS-Anforderungen des Sicherheitskonzeptes der gematik voraus. Die Ärzteschaft ist zur Identitätsprüfung verpflichtet [Hervorhebung von mir], kann diese aber ohne vorausgegangene zweifelsfreie Zuordnung der eGK zur Person durch Bestätigung durch eine vom Benutzer unabhängige Instanz nicht erfüllen. Der 112. Deutsche Ärztetag vom 19 - 22. Mai 2009 hat deshalb folgende Entschließung gefasst: „Die Krankenkassen werden aufgefordert sicherzustellen, dass die Fotos, die die Versichertenkarten schmücken sollen, tatsächlich den Versicherten darstellen.“[27]
 
Die für die Ausgabe der eGK verantwortlichen Krankenkassen haben entgegen dem gültigen Sicherheitskonzept der gematik, den Forderungen der Datenschutzgruppe der EU, den Anforderungen des Bundesdatenschützers und damit auch entgegen den relevanten Gesetzen keine Bestätigung der Identität durch eine vom Benutzer unabhängige Instanz etabliert und für die Lichtbilder keine Identitätsprüfung vorgesehen. Sie verlassen sich ausschließlich auf ungeprüfte Selbstangaben der Versicherten. Die im gematik-Sicherheitskonzept geforderte Adressprüfung durch eine vom Benutzer unabhängige Instanz ist in den derzeitigen (Stand 2012) Verfahren gleichfalls nicht vorgesehen. Gemäß dem verbindlichen Sicherheitskonzept der gematik sind die Krankenkassen als Herausgeber der eGK für die Einhaltung der Anforderungen verantwortlich. „Die Erreichung der Schutzziele und die Wirksamkeit und Konsistenz der gewählten Prozesse sowie der einzelnen Prozessschritte ist vom Kartenherausgeber zu gewährleisten.“[28] [Hervorhebung von mir

Während auf der KVK nur die oben genannten Daten gespeichert werden durften, muss die eGK geeignet sein, ärztliche Verordnungen (sog. eRezept) und den Berechtigungsnachweis für EU-Ausländer (sog. Europäische Krankenversicherungskarte) zu speichern.[G 11]
Darüber hinaus muss die Gesundheitskarte geeignet sein, folgende freiwillige Anwendungen zu unterstützen, insbesondere das Erheben, Verarbeiten und Nutzen von

  1. medizinischen Daten, soweit sie für die Notfallversorgung erforderlich sind (Notfallversorgungsdaten),
  2. den sogenannten elektronischen Arztbrief,
  3. Daten zur Prüfung der Arzneimitteltherapiesicherheit (persönliche Arzneimittelrisiken und -unverträglichkeiten),
  4. die sogenannte elektronische Patientenakte,
  5. weitere von Versicherten selbst oder für sie zur Verfügung gestellte Daten (Patientenfach), sowie
  6. Daten über in Anspruch genommene Leistungen und deren vorläufige Kosten für die Versicherten.
Dabei können, weil der Speicherplatz – nicht nach den gesetzlichen Vorgaben, aber nach der geplanten technischen Umsetzung – auf der eGK begrenzt ist (32 kB), nur bis zu 8 eRezepte und die Notfalldaten[30] auf der eGK selbst speicherbar sein. Die übrigen freiwilligen Anwendungen wie z. B. eine Patientenakte werden auf Servern der sog. Telematik-Infrastruktur abgelegt. [Hervorhebungen von mir]


Zusammenfassung der Zusammenfassung:

- Anfang 2004 tritt ein Gesetz in Kraft, welches die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte für 2006 vorsieht. Die geplante Chipkarte soll die Identität des Inhabers sicherstellen sowie verwaltungstechnische und medizinische Daten (z.B. Notfalldaten wie »Bluter« oder »Diabetiker«) speichern können.
- 2005 wird eine Gesellschaft gegründet, die das Ganze organisieren und umsetzen soll.
- Das Rollout wird 2009/2010 gegen die Kritik von Datenschützern und den Widerstand der Ärzteschaft erzwungen, etwa 120.000 Arztpraxen in Deutschland müssen neue Lesegeräte anschaffen, obwohl grundlegende gesetzliche Forderungen nicht eingehalten werden und diese Tatsache über Jahre hinweg bekannt ist. 
- Die Speicherfähigkeit der E-Card ist mit 32 kB äußerst begrenzt.
- Alle freiwilligen Daten, für deren Speicherung die Kapazität der E-Card schon von vorneherein nicht ausreicht, sollen in einer »Cloud« gespeichert werden.
- Fünf Jahre nach dem Beginn des Lesegeräte-Rollouts stellt ein Gutachten fest, daß das Handling der E-Card durch die Krankenkassen die gesetzlichen Bestimmungen nicht einhält. Anscheinend kann niemand dafür verantwortlich gemacht werden, daß eine Identitätsprüfung der Chipkarteninhaber nicht möglich ist, obwohl dies die Voraussetzung für die Einführung der Chipkarte war. Laut obigem Artikel ist aber das BGM der Meinung, die Krankenkassen hätten keinen Fehler gemacht. (Die Erfahrung zeigt, daß man sowas nur lange genug behaupten braucht…)
Link zu den Kostenerwartungen (Wikipedia)



Was für ein Herumgemache! Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, mit wie heißer Nadel dieses Gesetz gestrickt und wie stümperhaft und borniert es umgesetzt wurde.
Es dürfen Wetten abgegeben werden: 
Wenn also in ein paar Jahren stabile juristische Verhältnisse geschaffen sein werden, wird es dann neue Chipkarten-Lesegeräte geben, die angeschafft werden müssen? 
Den Firmen, die die Chipkarten-Lesegeräte produzieren, wären ja doof, hätten sie Geräte hergestellt, die Chipkarten mit größerer Speicherkapazität lesen könnten. Die Arztpraxen in Deutschland dürfen sich also schon auf das nächste Roll-Out freuen!
Eigentlich gehört dieser Post auf den 1. April. Mal sehen…

Mittwoch, 12. März 2014

Sind wir zur Moral fähig?

Der Mensch ist ein Herdentier und hält sich für Gottes Geschöpf. Wir pflegen täglich unseren Körper, am Wochenende unser Auto, wir spülen unser Geschirr und wischen und staubsaugen die Böden unserer Wohnungen. Aber wie gehen wir mit unserer Seele um?

Wir begeistern uns, wenn ein kleines Kind aus einem Brunnen gerettet wird, sind aber auch dazu in der Lage, Menschen, die Anforderungen nicht zu erfüllen imstande sind, Schmerzen zuzufügen oder sogar zu töten (Milgram-Experiment). Das Privatfernsehen produziert Quotenrenner, in denen die voyeuristische Lust, andere in seelischen Nöten zu sehen, befriedigt wird. Immer wieder sehe ich Menschen, die anderen ihr Laub vor die Türe kehren, ihre Hunde nicht erziehen und in die Gegend kacken lassen oder die zwei Parkplätze in Anspruch nehmen, wo bei ein wenig Achtsamkeit auch einer genügen würde. Wir akzeptieren die Nutzung von Atomenergie, wollen das Entmüllager aber keinesfalls vor unserer Tür. Wir verschleudern natürliche Ressourcen aus Bequemlichkeit. Wir lassen unsere Kinder taufen, die Kirchen sind zu Weihnachten überfüllt, ein schönes »Ave Maria« treibt uns die Tränen in die Augen, und abends schauen wir zu, wie sich zwei bei »Big Brother« unter der Dusche befummeln. Hunderttausende von Männern besuchen täglich Prostituierte, aber die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, scheint, das Symptom zu verbieten. Wozu nach der Krankheit fragen? Sind die möglichen Antworten zu unbequem oder gar zu lang?



Wir klagen ständig über Politiker, die die Unwahrheit sagen. Politiker aber, die unbequeme Wahrheiten aussprechen, werden nicht gewählt. Täglich werden neue Nebenkriegsschauplätze eröffnet, um die aus den gesellschaftlichen Verhältnissen erwachsende Aggressivität in Bahnen zu lenken. Menschen werden ausgebeutet, als Ware benutzt und weggeworfen, aber die Erregung einem anonymen System gegenüber, in welchem keiner mehr Verantwortung hat (oder: zu haben scheint), erhält eine Form, wenn wir »Deutschland sucht den Superstar« konsumieren und entlädt sich bei Boxkämpfen, Fußballspielen oder telegen aufbereiteten Verfolgungsjagden. Wir gieren danach, eine heile Welt vorgegaukelt zu bekommen und empören uns pflichtschuldigst, wenn die Kulissen des Theaterstücks, in welchem wir uns in unserer Trance suhlen, zusammenbrechen. Während die Supermarkt-Kassiererin gekündigt wird, die sich einen weggeworfenen Joghurt für 39 Cent aus dem Müll einverleibt, wird tagelang in den Nachrichten darüber diskutiert, ob Uli Hoeneß drei, 18,5 oder sogar 26 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat und ob er noch eine Bewährungsstrafe kriegt und ob er nach diesem Fauxpas noch Aufsichtsratschef bei den Bayern bleiben kann.

Wir verwenden eine große Anzahl unterschiedlicher Messlatten; und wir legen sie an die Realität, die uns begegnet, so an, daß unser Weltbild aufrechterhalten bleibt und wir nicht zu sehr gestört werden, in dem was wir tun und von uns und der Welt denken. Edward Snowden gibt seine Karriere auf, um den Menschen etwas über die Dinge mitzuteilen, die hinter dem Vorhang passieren, die Politiker und die Medien haben etwas in der Hand, womit sie ihre Existenzberechtigung zelebrieren können, eine riesiges Kartenhaus an Aufgeregtheiten bannt unsere Aufmerksamkeit… – und fällt in sich zusammen, wenn Putin auf die Krim marschiert und damit angeblich das Völkerrecht bricht. Wenn unsere westlihen Staaten mit unserer angeblich so fortschrittlichen Gesellschaft, das Völkerrecht bricht, naja, dann ist das so, wir sind ja die Guten. Die Tatsache, daß das Flugzeug von Boliviens Präsident Evo Morales mal kurz vom Himmel geholt und der Präsident zwölf Stunden auf dem Wiener Flughafen festgehalten wurde (geschehen am 2. Juli 2013), weil es das Gerücht gab, Edward Snowden befinde sich an Bord und dem Flugzeug daraufhin mal kurz die Überfluggenehmigungen für Frankreich, Spanien, Portugal und Italien entzogen wurden, war unseren westlichen Medien nur eine kurze Meldung wert. Wir messen ständig mit unterschiedlichen Maßstäben, wollen es aber nicht wissen. Wie funktioniert es, daß es ein wahrer Shitstorm über Bischof Tebartz-van Elst niedergeht, weil er 31 Millionen Euro verbaut und die Tatsache, daß ein halbes Dutzend Fußballspieler des AS Monaco mehr als 10 Millionen Euro pro Jahr (steuerfrei) verdienen, erst gar nicht in den Medien auftaucht?



Maßstäbe, Ansprüche, Hoffnungen, Erwartungen, Gewissheiten… All das sind hochkomplizierte und gleichzeitig sehr einfache Phänomene, die durch unseren Geist wandern und uns hierher oder dorthin lenken. Irgendwo drückt irgendjemand auf irgendein Knöpfchen, und wie die Marionetten marschieren wir los und empören uns, verzweifeln, trauern … oder schlagen auch mal zu. Und in dem Durchflutet-Werden durch diese getriggerten intensive Gefühle fühlen wir uns sehr lebendig und glauben, daß wir leben – während uns andere wie einen Tanzbären am Ring in der Nase durch die Manege ziehen. (Meldung in der Tagesschau: »60% der Deutschen sind für die Ukraine!« Na, Bravo!) 

Wir wollen die Welt verstehen, dabei verstehen wir noch nicht einmal uns selbst. Wir haben Überzeugungen, und denen sollen andere gefälligst gerecht werden, aber wir hinterfragen unsere Überzeugungen nicht. Wir haben Forderungen, denen sollen andere nachkommen, aber wir hinterfragen unsere Forderungen nicht. Wir trauern, wollen Unglücke verhindern, das sollen gefälligst andere machen, deren Aufgabe das ja ist, aber wir hinterfragen unser Leiden nicht. Wir wollen leben, wir wollen glücklich leben und machen die Qualität unseres Lebens davon abhängig, daß die Welt da draußen und die Menschen, mit denen wir zu tun haben, so funktioniert und so sind, wie wir das gern hätten. Wir fragen aber nicht danach, was wir uns unter Glück vorstellen, wir fragen uns nicht, warum wir uns Glück so vorstellen, wir wir das tun, wir hinterfragen uns selbst nicht. Wozu auch? Wir wollen ja funktionieren können, wir wollen Stabilität – und wir wollen vor allem recht haben! Und »Germany's Next Topmodel« ist kurzweiliger als das Aufräumen unserer Seele. Wir wollen Stars, zu denen wir aufblicken können und geilen uns daran auf, wenn sie fehltreten oder zusammenbrechen.

Als Kinder haben uns unsere Eltern dazu angehalten, regelmäßig die Zähne zu putzen. Wir kümmern uns um den Ölstand unseres Autos, und nächsten Samstag gehen wir neue Schuhe kaufen, weil, die alten, das geht ja gar nicht mehr. Was ist mit unserer Seele? Wir laufen in Schuhkartons herum, deren Wände wir für die Realität halten. Und wir finanzieren diejenigen, die uns diese Wände anmalen. Wir laufen mit Gewissheiten herum, die nicht die unsrigen sind. Wir lassen uns ständig neue Wahrheiten verkaufen, damit wir selbst nicht denken brauchen. Und wenn wir eine Wahrheit erzählt bekommen, die länger ist als drei Sätze, schalten wir ab. Alles nur eine Energiefrage?

Wir sind Roboter, die sich ständig etwas von freiem Willen vorgaukeln (lassen) und begierig darauf sind, in diesem Glauben bestätigt zu werden. Wir halten uns für die Krone der Schöpfung, nur seltsam, daß sich ständig irgendwelche Kronen dieser Schöpfung die Schädel einschlagen oder sonstwie malträtieren. Wir brauchen unser kurzes Gedächtnis, um nicht an uns (ver-)zweifeln zu müssen. Und wir müssen uns ständig in Bewegung und beschäftig halten, um nicht mit uns selbst konfrontiert zu werden. Jede Sau, die durch’s Dorf gejagt wird, lenkt uns von unserer Hilflosigkeit und unserer Pseudo-Existenz ab. Dem Machtwillen einiger Weniger reicht unser Bedürfnis nach Ablenkung und Verleugnung die Hand…


Tiere sind ein Zweck an sich

Von Leick, Romain und Schmitter, Elke
Haben wir das Recht, Tiere für unsere Bedürfnisse zu nutzen und zu töten? Die Autorin und Philosophin Hilal Sezgin hält ein radikales Plädoyer gegen eine Sonderstellung der menschlichen Spezies.

In diesem SPIEGEL-Interview wird unsere Haltung der Welt gegenüber infrage gestellt.

Dienstag, 11. März 2014

Torschlußpanik

Wenn Menschen Angst haben, etwas Wichtiges zu verpassen oder dass sie persönliche Ziele aus altersbedingten Gründen nicht mehr erreichen können, spricht man häufig von »Torschlusspanik«. Welches Tor droht sich da zu schließen? 


Die Uhr tickt unerbittlich 

Auch diese Wendung stammt aus dem mittelalterlichen Alltag: Stadttore wurden bei Anbruch der Dunkelheit aus Sicherheitsgründen geschlossen. Stadtbewohner, die bis dahin nicht zurückgekehrt waren, mussten entweder die Einlassgebühr für den Aufwand der außerordentlichen Toröffnung, den sogenannten Torgroschen, zahlen oder vor den Stadtmauern übernachten. Dort waren sie allerdings diversen Gefahren wie Räubern oder wilden Tieren schutzlos ausgeliefert. Deswegen achtete jedermann darauf, dass er rechtzeitig wieder zu Hause war, um nicht in »Torschlusspanik« zu verfallen. 

 In jüngerer Zeit wurde der Begriff »Torschlusspanik« im politischen Umfeld vor allem in Bezug auf den Bau und den Fall der Berliner Mauer verwendet. Als allein am letzten Tag vor der Sperrung der Zonengrenze im August 1961 noch über 4.000 Bürger in den Westsektor wechselten, griffen selbst englischsprachige Medien den Begriff im Original auf. Als sich 1989 die Mauer spontan auftat, eilten viele Bürger sofort zur Grenze, da sie Angst hatten, die Tore könnten sich bald wieder schließen. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Montag, 10. März 2014

Heute vor 66 Jahren – 10. März 1948: Jan Masaryk stirbt bei Sturz aus dem Fenster

Mord oder Freitod? 

Seit über 60 Jahren beschäftigt der rätselhafte Tod des seinerzeitigen Außenministers Jan Masaryk (1886-1948) die Tschechen: Am frühen Morgen des 10. März 1948 fanden Mitarbeiter die Leiche des beliebten Politikers und Staatsmannes im Innenhof des Ministeriums. Masaryk war lediglich mit einem Schlafanzug bekleidet und offensichtlich aus einem Fenster der Privatwohnung im zweiten Stock gestürzt. Die Frage, ob er sich das Leben genommen hat, ob er einem tragischen Unfall zum Opfer fiel oder ob jemand nachgeholfen hat, ist bis heute unbeantwortet. Die Mehrheit der Tschechen vermutete stets, dass der Politiker von den Kommunisten aus dem Weg geräumt wurde, es fanden sich jedoch keine Belege dafür. Auch nach der politischen Wende musste eine Kommission den Fall ungeklärt zu den Akten legen. 
 
Zuschauer einer Veranstaltung in Prag zeigen Fotos von
tschechischen Politikern, u. a. von Jan Masaryk (links)
und von Tomas Masaryk (rechts), Juli 1948

 Jan Masaryk war der Sohn von Tomas Masaryk, der 1918-35 der erste Staatspräsident der Tschechoslowakei war. Jan Masaryk, von 1940 bis 1945 Außenminister der Exilregierung, gehörte auch den ersten Nachkriegsregierungen in der Heimat an, die immer stärker unter den Druck der Kommunisten gerieten. Seine engsten Freunde waren sich sicher, dass Masaryk mit dem Sturz aus dem Fenster gegen diese politische Entwicklung protestieren wollte. 

Was am 10. März noch geschah: 
241 v. Chr.: Mit dem Sieg der römischen Flotte über die Flotte Karthagos endet der Erste Punische Krieg
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Heute vor 40 Jahren – 10. März 1974: Der letzte japanische Soldat ergibt sich

Auf der philippinischen Insel Lubang ergibt sich ein Leutnant der ehemaligen kaiserlich-japanischen Armee. Onoda Hirō, 52, hatte kurz vor Kriegsende eine Spezialausbildung im Guerillakampf erhalten und war 1944 auf Lubang ausgesetzt worden.

Mission erfüllt (Spiegel Online vom 4.12.1972)
Schöner Soldat (Spiegel Online vom 4.12.1972)

Sonntag, 9. März 2014

Heute vor 175 Jahren – 9. März 1839: Preußen schränkt Kinderarbeit ein

Gesunde Kinder für das Schlachtfeld 

Die Industrialisierung bedeutete die Wandlung einer Agrar- in eine Industriegesellschaft und war gekennzeichnet durch Veränderungen in der Produktionstechnik, Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Kinderarbeit in Fabriken wurde zur Regel. Die Folgen für die Gesundheit der Kinder waren katastrophal. In ganz Europa wurden daher Kinderschutzgesetze erlassen, die aber die Kinderarbeit nur einschränkten, nicht aufhoben. 

Kinderarbeit in einer Berliner Schuhmacherwerksatatt, 1926
Mit dem »Preußischen Regulativ« vom 9. März 1839 sollte die Kinderarbeit in Preußen begrenzt werden, weil befürchtet wurde, dass der größte Teil der Kinder wegen ihres schlechten Gesundheitszustands später nicht fürs Militär taugen würden. Das Mindestalter arbeitender Kinder wurde auf neun Jahre festgesetzt, die Arbeitszeit auf zehn Stunden täglich beschränkt. Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie Nachtarbeit wurden verboten, drei Jahre Schulbesuch wurden zur Pflicht gemacht. In den folgenden Jahren baute der Staat diese Kinderschutzgesetze immer weiter aus, ein grundsätzliches Kinderarbeitsverbot gab es in Deutschland aber erst nach 1945.

Was am 9. März noch geschah: 
1848: Die Versammlung des Deutschen Bundes erklärt Schwarz, Rot und Gold zu den Bundesfarben.
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Peter Scholl-Latour wird heute 90 Jahre alt

Zu seinem 90. Geburtstag wirft der Journalist und Islamexperte, der Gott und die Welt kennt, einen Blick auf sein Leben und auch auf die Krise in der Ukraine
mehr:
- Scholl-Latour: "Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung" (Ramon Schack im interview mit Peter Scholl-Latour Telepolis, 09.03.2014)

Peter Scholl-Latour: Mein Leben [43:22]

Veröffentlicht am 24.01.2013

Peter Scholl-Latour - Die Arabische Revolution 2011 {12:26}
Veröffentlicht am 26.11.2012

Peter Scholl-Latour - Vom arabischen Frühling in den arabischen Winter {1:03:22}
Veröffentlicht am 26.01.2013
Peter Scholl-Latour - Vom arabischen Frühling in den arabischen Winter

mein Kommentar:
seltsam, nur die Rechten scheinen ein Problem mit dem »Arabischen Frühling« zu haben…

Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage - Der blutige Schacher um Erdöl und Diamanten {1:31:41}
Veröffentlicht am 21.07.2013
Diese aus dem Jahre 2002 stammende Dokumentation von Peter Scholl-Latour dreht sich um den afrikanischen Kontinent und die schmutzigen Geschäfte mit den Ressourcen dort.

Passend dazu erschien PSL Buch: Afrikanische Totenklage - Der Ausverkauf des schwarzen Kontinents

Schattenseite der Globalisierung - Waffenhandel und Diktaturen in Afrika // Dokumentation 2016 DOKU {1:31:52}
Veröffentlicht am 25.01.2016
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Peter Scholl Latour rastet aus Syrien , Salafisten, Islam Der Talkshow Eklat {12:14 Start bei 1:38 – Reichelt: »}

Der Sünder
Am 05.09.2012 veröffentlicht 
»Der starke Mann da unten heißt Abd-el Hakim bel-Haj, und das sind nicht diese Jungs, die da mit Facebook rumspielen. […] Das sind Dilettanten. Um eine Revolution zu machen, muß man Schläger haben und Ganoven haben. […] Dieses humanitäre Geschwafel bin ich leid.«
[Zitat Peter Scholl Latour aus der obigen Diskussion]
Was kann ein alter Provokateur wie Peter Scholl-Latour uns noch erzählen über so komplizierte und neuartige Ereignisse wie die im Nahen Osten? Wie eine Veranstaltung in Potsdam zeigt, eine Menge. Denn der 88 Jahre alte Journalist nimmt sich die Freiheit, Dinge zu vereinfachen und daraufhin klarer zu sehen.

Sein Fazit des Arabischen Frühlings mag man unbefriedigend finden, doch es ist ehrlich: "Das ist alles entsetzlich kompliziert", sagt Peter Scholl-Latour, der immerhin als Experte in solchen Fragen gilt. Den Begriff "Arabischer Frühling" lehnt er ab, er hält ihn für zynisch. "Der Arabische Frühling war eine Illusion", glaubt der Buchautor. So kommt der Begriff, der für die arabischen Volksaufstände, Revolten und Bürgerkriege der vergangenen eineinhalb Jahre stehen soll, im Titel seines jüngsten Buches auch nicht vor. Der Altmeister spricht lieber von "Arabiens Stunde der Wahrheit". "Die eigentliche Auseinandersetzung kommt noch", prophezeit er.
mehr bei n-tv

Man kann über ihn sagen was man will. Offenbar wird häufig in Diskussionen mit ihm, daß er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung sehr viel desillusionierter und abgeklärter ist als seine teilweise von den politischen Ereignissen begeisterten oder zumindest stark emotional betroffenen Diskussionspartner. Die Tatsache, daß er nicht darüber redet, was gut oder schön wäre oder was er sich wünscht, rückt ihn häufig in die rechte politische Ecke.
Er steht der heutigen Zeit skeptisch gegenüber, auch in Bezug auf die Möglichkeiten und Freiheiten der Journalisten…
siehe:
- Scholl-Latour hält nichts vom Arabischen Frühling: Mit Zynismus gegen Weltverbesserer (Nora Schareika, n-tv, 12.05.2012, Wikipedia-Link von mir)


alpha-Forum – Peter Scholl-Latour, Journalist, Autor und Publizist {44:13}

ausgestrahlt am 07.08.2014 (ARD alpha)
gefunden bei hgeiss.de

Ukraine Berichterstattung ist falsch - Peter Scholl-Latour {6:10}

Veröffentlicht am 24.05.2014
Kleiner Ausschnitt aus einem Interview zum 90. Geburtstag
Alpha Forum
www.youtube.com/watch?v=Jspx1o_wu4k



zuletzt aktualisiert am 14.04.2016

Donnerstag, 6. März 2014

Heute vor 300 Jahren – 6. März 1714: Ende des Spanischen Erbfolgekrieges

Umkämpftes Erbe eines Kinderlosen 

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) kämpften Frankreich und Österreich nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers, Karl II., um das spanische Erbe. Sowohl der französische König Ludwig XIV. als auch der habsburgische Kaiser Leopold I. waren mit Schwestern Karls II. verheiratet und leiteten daraus Erbansprüche ab. Da die Konkurrenten in verschiedenen Allianzen standen und diverse Koalitionen bildeten, weitete sich der Konflikt zu einem europäischen Krieg aus, dessen Hauptkriegsschauplätze in Spanien, Oberitalien, den Spanischen Niederlanden und Süddeutschland lagen. 
 
Die Gesandten des Kongresses zu Baden (Gemälde von Johann Rudolf Huber, um 1714)

 Nach zwölf Jahren militärischer Auseinandersetzungen wurde 1713 in Utrecht ein erster Frieden geschlossen, dem der Kaiser heute vor 300 Jahren, am 6. März 1714 im Frieden von Rastatt I. beitrat. Das Heilige Römische Reich folgte seinem Beispiel im September 1714 im Frieden von Baden. Philipp V., Enkel Ludwigs XIV., wurde als spanischer König anerkannt, Österreich erhielt die Spanischen Niederlande und Herrschaften in Italien, Großbritannien erhielt von Frankreich Kolonialbesitz in Nordamerika und von Spanien Gibraltar.

Philipp von Anjou (1683-1746) 
 als Philipp V., spanisch »Felipe«, König von Spanien
 • erster spanischer Herrscher aus dem Haus Bourbon
 • litt an schwacher Konstitution und Depressionen
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Mittwoch, 5. März 2014

Heute vor 68 Jahren – 5. März 1946: Churchill verwendet den Begriff »Eiserner Vorhang«

Eine Metapher für die politische Teilung 

»Von Stettin an der Ostsee bis nach Triest an der Adria ist längs durch den Kontinent ein eiserner Vorhang niedergegangen. Hinter dieser Linie liegen die Hauptstädte der alten, geschichtlichen Staaten Mittel- und Osteuropas: Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia, alles berühmte Städte. Und die Völker um sie herum leben in dem, was ich die sowjetische Einflusssphäre nennen muss.« Winston Churchill (1874-1965) war zwar nicht der Erste, der den Begriff »Eiserner Vorhang« für eine unüberwindbare Grenze aufgriff, er aber prägte ihn in seiner Verwendung für den Ost-West-Konflikt. 
 
Winston Churchill während seiner Rede im Westminster College
in Fulton, USA, am 5.3.1946

Das Westminster College in Fulton, Missouri, hatte den vormaligen britischen Premier zu einem Vortrag über die politische Situation in Europa nach dem Krieg eingeladen. Auch US-Präsident Harry S. Truman war an jenem 5. März 1946 anwesend, als Churchill die Amerikaner auf die bedrohliche politische Situation in Europa aufmerksam machen wollte. Kurz nach dem großartigen Sieg der Alliierten, so führte der weltweit geachtete Staatsmann aus, legten sich Schatten auf die von der Hitlerdiktatur befreiten Länder. Und er griff zur Veranschaulichung das Bild vom »Iron Curtain« auf. 

Was am 5. März noch geschah: 
1969: Der SPD-Politiker Gustav Heinemann wird zum dritten deutschen Bundespräsidenten gewählt. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Dienstag, 4. März 2014

Der Ukraine-Konflikt 1 – Westliche Aufgeregtheit und staatliches Gedächtnis

Die sehr emotionale Berichterstattung über Rußlands Vorgehen auf der Krim läßt mich den Kopf schütteln. Ist das eigentlich niemandem peinlich?

Ich denke: zwei Supermächte sind besser als eine, und ich hoffe, daß China noch auf absehbare Zeit genug mit sich selbst zu tun hat. Und genauso, wie die USA vor ihrer Haustüre Ordnung halten (Schweinebucht, Salvador Allende), versucht Putin, vor seiner Haustüre Ordnung zu halten.
Die Kubakrise wurde übrigens durch die Vereinigten Staaten provoziert, nur zur Erinnerung… 

»Im April 1962 wurden die amerikanischen Thor- und Jupiter-Atomraketen in der Türkei einsatzbereit gemacht. Weil sie wegen ihrer ungeschützten Aufstellung leicht angreifbar waren, konnten sie nur zu einem atomaren Erstschlag genutzt werden.
Zudem fuhren auf den Meeren US-U-Boote mit Polaris-Atomraketen. Diese Submarine Launched Ballistic Missiles konnten auch unter Wasser abgefeuert werden und waren entsprechend schwer zu treffen. Die Sowjetunion hatte zu dem Zeitpunkt nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.« (Kubakrise, Unmittelbare Vorgeschichte, Wikipedia, abgerufen am 04.03.2014)


Auf der Seite der ZEIT finden sich zwei angenehm unaufgeregte Artikel:
- Putins Krim-Kalkül geht auf (ZEIT vom 3.2.2014, hier finde ich vor allem Putins Einschätzung sehr bedenkenswert)
- Europa muss Machtpolitik lernen (ZEIT vom 3.2.2014)

Ich könnte manchmal auf die Knie fallen vor Begeisterung, wenn die Theaterakteure des Machtspiels auf unserem Planeten überdrehen und sich damit einmal selbst ans Bein pinkeln. So dem US-Außenminister Kerry vor wenigen Tagen geschehen.

Ukraine: Russia not behaving like '21st century G8 major nation' - Kerry [1:30]
Veröffentlicht am 05.03.2014 
US Secretary of State John Kerry spoke at the US embassy in Kiev on Tuesday after meeting with the Rada-appointed interim president of Ukraine, Oleksandr Turchynov, and the Rada-appointed interim prime minister of Ukraine, Arseniy Yatsenyuk.
Kerry said Russia was not behaving like a "21st century G8 major nation" by deploying troops in Crimea. Kerry added that if Moscow did not agree to cooperate with the new Ukrainian authorities, the US' partners would have no choice but to join the Obama administration in imposing sanctions "in order to isolate Russia politically, diplomatically and economically".
Kerry also confirmed that the US would, together with the IMF, provide Ukraine with $1bn (€730m) in loan guarantees in order to support the country's recovery.
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»You just don't in the 21st century behave in 19th century fashion by invading another country on completely trumped-up pretext.« 
(Diese Äußerung stammt aus einem Interview, in dem er das, was er in dem Video sagt, wiederholte. Es darf nicht überraschen, wenn dieser Satz in vielen US-amerikanischen Publikationen nicht zitiert wird.)

Promt twitterte Michael Moore: »Um, does he know 2003 was part of the 21st cen?«

Und selbst der Münchener Abendzeitung fiel die unfreiwillige Parallele zum Irak-Krieg auf, die Kerry seither genüßlich um die Ohren gehauen wird. 

Ich bewundere die Amis für ihre stete Begeisterungsfähigkeit, fürchte allerdings, daß diese ganz wesentlich mit ihrem kurzen Gedächtnis zu tun hat. Die unbeirrbare Penetranz, mit der sich diese Nation für die gute Seite hält und die Selbstverständlichkeit, mit der die russische Machtpolitik als unmoralisch gebrandmarkt wird, verbunden mit dem anscheinend völlig schamfreien Ignorieren eigenen Fehlverhaltens ist hoch beeindruckend. 

Nachdem sich die Amerikaner in Vietnam eine blutige Nase geholt (2 Millionen tote Vietnamesen, ein vergiftetes Land zurückgelassen und das Regime der Roten Khmer in Kambodscha erst ermöglicht) haben, sind sie 30 Jahre später mit der gleichen Begeisterung bereit, über Afghanistan herzufallen. Leute wie Peter Scholl-Latour, die von unseren politisch korrekten Gutmenschen in die Rechtsaußen-Schublade gesteckt werden, haben damals eindringlich – und natürlich vergeblich – gewarnt: Scholl-Latour zitierte den französischen General Massu, der seine Erfahrungen im Algerienkrieg so zusammenfaßte: »In Algier sind wir hineingeschlittert in Blut und in Scheiße - dans le sang et dans la merde.« Aber eine Supermacht – gleich welcher weltanschaulichen Couleur – muß demonstrieren, daß sie sich bestimmte Dinge nicht gefallen läßt. Erfahrungen aus dem alten Europa zählen angesichts des amerikanischen Begeisterungsbedürfnisses nichts… 
Vielleicht sind wir ja in 20 Jahren auch so weit wie die Amis, und unsere Bundestagsabgeordneten strafen befreundete Staaten durch das Umbenennen von Lebensmitteln

Frankreich / Algerien - Die Schwierigkeiten des Erinnerns - ARTE - Oktober 2010 [2:37]
Hochgeladen am 30.07.2011 
ARTE Journal - 19. Oktober 2010 - 21/10/10
Die Schwierigkeiten des Erinnerns
In Paris wurde am Dienstag eine Stiftung zum Gedenken an den Algerienkrieg von 1954-1962 eingeweiht. Vergangenheits-Bewältigung, das ist eine gute Sache, könnte man denken.
Aber Präsident Nicolas Sarkozy will, dass die Stiftung von Franzosen geleitet wird, die aus Algerien vertrieben wurden und von Algeriern, die auf Seiten der Franzosen gekämpft haben. Historiker protestieren: Es gehe nur darum, den "schmutzigen Krieg" von Frankreichs Armee unter den Teppich zu kehren. Eine Reportage von Richard Bonnet.

Man stelle sich vor (im Video ab 1:50 Min.), Angela Merkel würde über die Kolonialzeit in Namibia sagen: »Das Deutsche Reich ist nicht nur gekommen, hat ausgebeutet und die Ressourcen geplündert. Aber es war nicht nur ein Nehmen: Das Deutsche Reich hat Brücken, Straßen, Krankenhäuser und Schulen gebaut.«

ALGERIE - Les Auschwitz de la France en Algerie [9:58] Hochgeladen am 23.06.2007 
A video describing the atrocities in the concentration camps set up by the French in Algeria during the colonial occupation which France never admitted they existed.
La France n'arrete pas de pleurnicher sur les atrocités NAZI(es) en Europe..hélas, elle semble tres fiere des siennes en Algerie, elle les glorifie meme.
[Übersetzung: Frankreich hört nicht auf über Entsetzlichkeit NAZIs in Europa zu heulen … leider, es scheint sehr stolz über die Seinigen in Algerien zu sein, es verherrlicht sie sogar.]

Massu: …dans le sang et dans la merde… (Peter Scholl-Latour, Der Fluch des neuen Jahrtausends: Eine Bilanz, googlebooks, Download Leseprobe, S. 17)

Zitat: 
Bei Ihrem Balkan-Engagement sollten sich die deutschen Politiker, denen die Fürsorgepflicht für die Bundeswehr-Soldaten am Amselfeld obliegt, folgendes einprägen: das vielgerühmte G-8-Abkommen, das die fiktive Erhaltung einer jugoslawischen Föderation vorsah, ist heute nur noch ein Papierfetzen, und die Entwaffnung bzw. die »Demilitarisierung« der ominösen UCK – eine unerträgliche Wortklauberei – ist bestenfalls punktuell zu erreichen. Die NATO-Truppe droht dort in einen heimtückischen Partisanenkrieg mit wechselnden Fronten und Gegnern verstrickt zu werden. Die Guerilla und deren Bekämpfung gehen stets mit besonderer Brutalität einher. Die französischen Paras, die während der Schlacht von Algier Den Bombenlegern der algerischen Befreiungsfront nachstellten, sind bei den Verhören von Verdächtigen auch vor Folterungen nicht zurückgeschreckt, genauso wenig wie die Amerikaner bei der Operation »Phoenix« in Vietnam. 

Montag, 3. März 2014

Heute vor 90 Jahren – 3. März 1924: Die Türkei schafft das Kalifat ab

Ein Staat auf dem Weg in die Moderne 

Die türkische Nationalversammlung beschloss heute vor 90 Jahren in Ankara die Abschaffung des Kalifats. Abdul Madschid II., als Kalif Oberhaupt der muslimischen Gemeinschaft, wurde des Landes verwiesen, alle geistlichen Schulen und Gerichte wurden aufgelöst. Damit vollzog die junge Republik Türkei unter der Führung von Mustafa Kemal »Atatürk« (1881-1938) einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen Staatsform. Er ersetzte die religiösen Gesetze der Scharia durch westliche Rechtssammlungen wie etwa das deutsche Handels- und das italienische Strafrecht. So wurde aus dem muslimischen Osmanischen Reich die laizistische (weltliche) türkische Republik, in der Staat und Religion streng voneinander getrennt sein sollten. Außerdem führte Atatürk die lateinische anstelle der arabischen Schrift ein und verbesserte die rechtliche Stellung der Frauen. 
 
Kalif Abdul Madschid II. erhält die Nachricht von seiner
Absetzung (Titelblatt »Le Petit Journal«, 16.3.1924)

 Das Kalifat war eine islamische Regierungsform, bei der die säkulare und geistliche Herrschaft in der Person des Kalifen vereint waren. Diese Staatsform basierte auf der Lehre des Propheten Mohammed, der sowohl Führer der religiösen Bewegung als auch Herrscher über den Machtbereich war, in dem dieser Glaube gelebt wurde. 

Was am 3. März noch geschah: 
1933: Ernst Thälmann, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands, wird von den Nationalsozialisten verhaftet. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014