Montag, 4. Mai 2009

Bluthochdruck – Nicht auf Bewegung verzichten

Wer überhöhte Blutdruckwerte effektiv reduzieren möchte, sollte nicht auf körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion verzichten.Wie wichtig diese Komponenten sind, bestätigt einmal mehr die ENCORE-Studie. 144 Hypertoniker wurden entweder nur mit der für Bluthochdruck empfohlenen DASH-Diät behandelt oder zusätzlich zu körperlicher Aktivität (dreimal 30 Minuten/Woche) und Kalorienrestriktion angehalten. Ergebnis nach 16 Wochen: Eine Blutdruckreduktion um 5/9 mmHg unter DASH-Diät und um 13/11 mmHg bei zusätzlicher Bewegung. In der zweiten Gruppe hatten die stark übergewichtigen Patienten fast 10 kg abgenommen.
Quelle: Jahrestagung des American College of Cardiology, 29.3-1.4.2009, Orlando
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 15/2009

Freitag, 1. Mai 2009

Energiedrinks: Nichts für schwache Herzen

Wesentlicher Bestandteile der sog. Energiedrinks sind Koffein und Taurin. Beide Substanzen können Blutdruck und Herzfrequenz in die Höhe treiben. Wer an Hypertonie oder an einer Herzkrankheit leidet, sollte daher besser die Finger von diesen Getränken lassen, raten Forscher des Henry Ford Hospital, Detroit. Bei 15 jungen Probanden, die eine Woche lang Energiedrinks konsumierten, war die Herzfrequenz am 7.Tag um 11% erhöht. Der Blutdruck stieg um mindestens 7% an.
Annals of Pharmacotherapy, 2009; DOI: 10.1345/aph.1L614
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 14/2009

Dickes Kind: Für die Eltern nur pummelig

Nach offizieller Definition ist das Kind eindeutig übergewichtig, aber in den Augen der Eltern ist es höchstens "kräftig" oder "ein bisschen pummelig". Dieses Missverhältnis zwischen Realität und elterlicher Wahrnehmung ist häufig und trägt wahrscheinlich zur Adipositasepidemie unter Kindern bei. In einer britischen Studie erkannten nur 17% der Eltern, dass ihr Kind übergewichtig war. Besonders blind für die Fettleibigkeit ihrer Kinder sind Eltern, die selbst zu viele Kilos mit sich herumtragen.
J Amer Acad Nurse Pract 2009;21(3):160
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 14/2009

Prävention: Etwas weniger Salz, viel weniger Herzerkrankungen

Der Streit um EU-Grenzwerte für den Salzgehalt von Brot bekommt durch eine Studie aus den USA neue Nahrung. US-Amerikaner essen täglich 9-12 g Salz, empfohlen werden nicht mehr als 5-6 g. Würden sie ihren täglichen Salzkonsum um 3 g reduzieren, gäbe es in den USA in den nächsten zehn Jahren 6% weniger neue kardiovaskuläre Erkrankungen, 8% weniger Herzinfarkte und 3% weniger Todesfälle, so die neuen Berechnungen. Aber auch schon mit 1 g Salz weniger pro Tag ließen sich bis zum Jahr 2019 200.000 Todesfälle verhindern.
Bibbins-Domingo CG et al. AHA Conference On Cardiovascular Disease Epidemiology and Prevention, 10.-14.3.2009, Palm Harbor/FL
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 14/2009

Mittwoch, 29. April 2009

Monsanto? Brauchen wir nicht

Die Frauenrechtlicherin und Aktivistin Farida Akhter aus Bangladesch über den Klimawandel und genetisch verändertes Saatgut.

Bei ZEIT Online (Video)


siehe auch
- Monsanto, mit Gift und Genen (Post vom 12.03.2008)
- Bush und Monsanto (Post vom 16.03.2008) 

Meine bisherigen Gen-Mais-Posts:
– Gen-Mais darf auf die Äcker (11.3.2008)
– Gen-Mais macht Ratten krank (30.5.2007)
– Gen-Mais: also doch … (22.3.2007)
– Gentechnik durch die Hintertür (25.4.2006)


Monsanto bei Wikipedia

 

Zwillingsforschung: Nach der Scheidung sieht man alt aus

Oft nimmt der Volksmund vorweg, was die Wissenschaft erst mühsam ergründen muss. "Jetzt sehen wir aber alt aus", sagt man, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant. Handelt es sich um nachhaltigere Fehlschläge, hat der Spruch durchaus seine Berechtigung.
Amerikanische Schönheitschirurgen begutachteten Fotos von 186 eineiigen Zwillingspaaren. Hatte einer der Zwillinge eine Scheidung hinter sich, wirkte er nach Expertenmeinung zwei Jahre älter als sein nicht vom Schicksal gebeuteltes Geschwister. Eine Scheidung hinterließ tiefere Spuren als selbst der Tod des Ehepartners. Auch die Einnahme von Antidepressiva beschleunigt das Altern. Weniger verwunderlich: Wer Gewicht verliert, wirft eher Falten. Zumindest jenseits der 40 macht Übergewicht optisch jünger.
Plastic Reconstr Surg 2009; im Druck
aus MMW-Fortschr. Med Nr. 7/2009

Auch bei Frauen: Hoher Ruhepuls erhöht das Herzrisiko

Eine hohe Herzfrequenz erhöht das Risiko für Herzinfarkte und andere koronare Ereignisse. Dieser bisher nur bei Männern belegte Zusammenhang gilt auch für Frauen. In der WHI-Studie hatten Frauen mit einem Ruhepuls über 76/min ein um 26% erhöhtes kardiales Risiko. Unter den 129.135 postmenopausalen Frauen waren in knapp acht Jahren 2281 Herzinfarkte und koronare Todesfälle aufgetreten. Der Zusammenhang mit dem erhöhten kardialen Risiko war bei Frauen
zwischen 50 und 64 stärker ausgeprägt als bei älteren.
BMJ 2009;DOI:10.1136/bmj.b219
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 7/2009

Dienstag, 28. April 2009

Kopfkissen kommen wieder in Mode…

Urteil: Nachzahlung nicht auf Hartz IV anrechenbar

Montag, 06. April 2009 13.44 Uhr

Düsseldorf (dpa) - Eine Nachzahlung von Arbeitslosenhilfe darf nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden. Das hat das Sozialgericht Düsseldorf in einem am Montag veröffentlichten Urteil entschieden (Aktenzeichen: S 35 AS 12/07).

Es gab damit einer Düsseldorfer Klägerin Recht. Die Frau hatte bereits in einem früheren Rechtsstreit gegen die Bundesagentur für Arbeit erreicht, dass diese der Frau für zwei Jahre 9200 Euro Arbeitslosenhilfe nachzahlen musste. Die Klägerin erhielt das Geld 2005 und beließ es fast vollständig auf ihrem Konto.

Nachdem sie aber inzwischen Arbeitslosengeld II bezog, kam die Düsseldorfer ARGE zu dem Ergebnis, dass die Klägerin damit den Vermögensfreibetrag überschritten habe. Die ARGE hob ihre Bewilligung auf und forderte ihre Leistungen zurück.

Das Sozialgericht urteilte, dass die Nachzahlung eine zweckbestimmte Einnahme sei, die nach dem Gesetz nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden dürfe. Die Kammer ließ allerdings offen, ob ein derart erworbenes Vermögen dauerhaft unangetastet bleiben darf. Da die Berufungsfrist noch nicht verstrichen ist, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

[Sozialgericht]: Ludwig-Erhard-Allee 21, Düsseldorf

von Ursula Neumanns Seite

Da bleibt wohl in Zukunft nur: ab unter’s Kopfkissen…

Freitag, 24. April 2009

Bernhard Grzimek, Loriot und die Steinlaus

Heute wäre Bernhard Grzimek 100 Jahre alt geworden.
Eine Hommage von einem inzwischen ebenfalls Hochbetagtem:




zur Steinlaus bei Wikipedia

Ich war damals – und bin es auch noch heute – von der Veröffentlichung eines solchen »Nihil-Artikels«, wie man das so nennt (in Computerprogrammen wird das Osterei genannt), ganz begeistert. Man erzählte sich damals – ich habe im Internet nirgendwo dafür einen Beleg finden können – , ein als Aushilfskraft eingestellter Medizinstudent habe den Artikel kurz vor Drucklegung eingeschleust, so daß die Verantwortlichen diesen Eintrag nicht bemerkt hätten. Anderswo hat jemand die Geschichte erzählt, ein Verlagsangestellter habe dies getan und sei daraufhin gekündigt worden.

Ergänzung vom 14.12.2013:

Vor einigen Jahren wurde der Steinlaus-Artikel aus dem Pschyrembel entfernt.
Seit einem Sturm der Entrüstung, ist er wieder drin und wird jedes Jahr ergänzt.
Einer der aktuellen Verfasser ist Eckhart von Hirschhausen.
Inzwischen hat die Steinlaus einen eigenen Blog…

Montag, 20. April 2009

Was man als Arzt in der Ausbildung so erlebt…

Der Bericht einer jungen Ärztin, anscheinend heute noch so aktuell wie vor zwanzig Jahren.
Im Deutschen Ärzteblatt Nr. 14/2009

Samstag, 4. April 2009

Die Neuausrichtung der Bundeswehr zur Angriffsarmee

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Die Neuausrichtung der Bundeswehr ab 2010 ist die umfassendste Reform der Bundeswehr seit ihrem Bestehen. Sie umfasst nahezu alle Bereiche der Bundeswehr. 
Die Eckpunkte der Reform sind:
  • Die Reduzierung des Streitkräfteumfangs auf ca. 185.000 Soldaten sowie des zivilen Bereichs auf ca. 55.000 Beschäftigte
  • Die tiefgreifende Reorganisation der Bundeswehrverwaltung, und zwar Umformung der Territorialen Wehrverwaltung und des Rüstungsbereichsin die drei neuen Organisationsbereiche Personal (P), Ausrüstung, Informationstechnologie und Nutzung (AIN) und Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUD).
  • Die Stärkung des Generalinspekteurs. Dieser war bislang nur oberster militärischer Berater der Bundesregierung, war aber kein truppendienstlicher Vorgesetzter der Streitkräfte. Mit der Reform werden ihm die Inspekteure der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche unterstellt. Gleichzeitig wurde der Generalinspekteur Mitglied der Leitung des Bundesministerium der Verteidigung.
[Neuausrichtung der Bundeswehr, Wikipedia, abgerufen am 02.08.2019]

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Seit 2006 ist die Bundeswehr dem radikalsten Umbau ihrer Geschichte unterzogen. 2010 soll er abgeschlossen sein. Dann umfasst die Bundeswehr statt 285.000 noch 252.500 Soldaten und statt 621 wird es nur noch rund 400 Standorte geben. Wichtiger jedoch: Die Bundeswehr wird in drei völlig neue Kategorien unterteilt, die ihr neue Offensivkraft verleihen sollen, in so genannte Eingreif-, Stabilisierungs- und Unterstützungskräfte. Das ist Bestandteil des Weißbuchs der Bundeswehr vom Oktober 2006. Weshalb der Aufwand?

Als zentrale Herausforderung definiert die Bundesregierung im Weißbuch die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, die auch in die Hände von Terroristen gelangen können . Als wichtigste Ziele und Aufgaben der Bundeswehr formuliert sie eine strategische Partnerschaft von EU und NATO. Das heißt, eine Partnerschaft zwischen einem Militärpakt, der NATO, mit einer eher zivil geltenden Organisation, der EU. Der Militärpakt NATO führte 1999 einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien und führt derzeit einen Krieg in Afghanistan. Da die EU mit diesem Kriegsbündnis eine dauerhafte Partnerschaft bilden soll, legt das den Schluss nahe, dass die Bundesregierung aktiv die Militarisierung der EU vorantreiben will. Das ist auch der Fall.

Aber auch Interessen wirtschaftlicher Natur sind im Weißbuch festgeschrieben: „Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abhängt, hat ein elementares Interesse an einem friedlichen Wettbewerb der Gedanken, an einem offenen Welthandelssystem und freien Transportwegen.“ Folglich „muss die Sicherheit der Energieinfrastruktur gewährleistet werden.“ Der Begriff Energieinfrastruktur schließt die gesamte Versorgungskette – beginnend an der Quelle – ein. Ergo: Militär soll dafür eingesetzt werden.

mehr:
- Kriege – Denn heute gehört uns Deutschland ... (Lühr Henken, Hintergrund, 04.04.2009)
siehe auch:
- Elmar Brok will europäische Kampftruppen in den Kaukasus schicken (Peter Muehlbauer, Telepolis, 23.08.2008)
- Die Kriege der USA (mit der geschätzten Anzahl von Toten, aus dem Kommentar zu einem WELT-Artikel, zitiert nach Toms Wochenschau vom 15.03.2008)
- Ich kann gar nicht so viel essen… (Eliot Weinberger in Lettre International, Was ich hörte vom Irak, 25.03.2006)
- Armee für alle Fälle – Der Umbau der Bundeswehr zur Interventionsarmee (Buchbesprechung zu 
Arno Neuber: Armee für alle Fälle. Der Umbau der Bundeswehr zur Interventionsarmee. isw-Report Nr. 44 in Zusammenarbeit mit der Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V., München, August 2000, gefunden bei der AG Friedensforschung, Kassel)

aktualisiert am 02.08.2019


Montag, 30. März 2009

Querverbindungen – eine Baustelle

Ursprünglich sollte es ein kurzer Post werden, dann sollte es ein längerer werden, dann ein ziemlich großer, und jetzt ist das Projekt so groß geworden, daß ich ihm einen eigenen Blog gewidmet habe. Bevor ich, weil ich immer noch was Neues finde, gar nicht mehr anfange, fange ich einfach an.
Es fing an mit zwei Sartre-Biographien, dann kam eine Frau, die der Sohn dem Vater ausspannte, und nach Meinung von Ulrich Wickert (bei Frank Elstner) paßt dann der französische Premierminister gut in das »Beuteschema«.
Die Tatsache, daß es mit Weltgeschichte und großen Ideen beginnt, das Projekt, und mit dem Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel von Erwachsenen (?) endet, macht das Projekt vielleicht etwas fade, aber genau dies habe ich abzubilden versucht.
Also: Willkommen auf der Baustelle!

Montag, 23. März 2009

Das Ich und das Es

Heute vor 85 Jahren erschien Freuds Schrift »Das Ich und das Es«, in welcher er sein »Drei-Instanzen-Modell« erstmals ausarbeitete. Im Gegensatz zu seinem älteren »topischen Modell« zielt er hier mehr auf die Beziehung zwischen den drei Instanzen »Ich«, »Es« und »Über-Ich« ab.

Wider den Zeitgeist, Nachtrag

Es freut mich, daß Papst Benedikt nicht nur bescheuert ist, sondern im Gegenteil unter den Journalisten anscheinend das Bedürfnis wächst, hinter den erst einmal absurd und abwegig erscheinenden päpstlichen Äußerungen noch etwas Substantielles zu suchen. Und so kann man, wenn man es sich nicht zu leicht macht, schon manches an Nachdenkenswertem finden. So auch in dem Kommentar aus der heutigen HAZ:

»Spanien, das als Reaktion auf den Fauxpas des deutschen Papstes eine Million Kondome nach Afrika senden will, könnte auch eine Milliarde schicken, ohne dass sich an der Ausbreitung der Epidemie Grundsätzliches ändern würde. Im Westen wird vielerorts noch immer nicht verstanden, dass Afrika eigenen Regeln gehorcht – und Kondome hier verpönt sind. Afrikaner benutzen sie nicht deshalb selten, weil der Papst moralische Bedenken hegt, sondern weil sie sie als unmännlich empfinden. Es gibt inzwischen viele Studien, die diese Aversion belegen: Eine Frau, die den Mann um den Gebrauch eines Kondoms bittet, gilt schnell als Hure und wird mit physischer Gewalt „bestraft“. Minenarbeiter und Fernfahrer, die das HI-Virus besonders häufig in sich tragen, erklären ganz offen, dass sie ja auch nicht mit Socken baden oder Bonbons mit Papier lutschen würden. Wer dies aus Bequemlichkeit oder aus Angst, der Kritik an der afrikanischen Kultur bezichtigt zu werden, in Abrede stellt, trägt seinerseits dazu bei, dass Afrikas Aids-Problem ungelöst bleibt. In Südafrika weisen mit der Aids-Aufklärung betraute Gruppen seit Langem darauf hin, dass die große Mehrheit der Schwarzen zwar um die sexuelle Übertragung des Virus weiß, aber nur ein Bruchteil das Verhalten entsprechend ändert. Afrikaner haben in ihrem Leben vielleicht nicht mehr Sexualpartner als Weiße, aber mehr zur gleichen Zeit, was die Virusübertragung stark erleichtert. Es ist kein Zufall, dass sich allein in Südafrika an einem einzigen Tag fast ebenso viele Menschen mit dem HI-Virus infizieren wie in Deutschland in einem ganzen Jahr. Umso mehr verwundert, dass der zweite Teil der Aids-Botschaft des Papstes fast völlig unterging. Denn wenn Afrika seine Aids-Epidemie eindämmen will, braucht es in der Tat zunächst ein Wertesystem, das mehr als bisher auf Werten wie Treue, Selbstdisziplin und Eigenverantwortung fußt. Dazu zählt auch, dass Afrikaner ihren Frauen mit mehr Respekt begegnen müssen. Der Papst hat das mit seinem Appell zu einer verantwortungsvoll gelebten Partnerschaft angesprochen.«
(Wolfgang Drechsler, in »Mehr Respekt«, HAZ-Kommentar vom 23.03.2009)

Der Verfasser hat den Mut, die Afrikaner nicht einfach nur als die der Seuche ausgelieferten hilflosen Menschen zu sehen sondern als Menschen mit Emotionen und Verstand, die in bestimmten Situationen bestimmte Entscheidungen treffen und durch diese Entscheidungen bestimmte Konsequenzen hervorrufen. Und darum geht es: verantwortliches Handeln, Verantwortung übernehmen für sich selbst und Verantwortung übernehmen für den Anderen. Ein Gummi ersetzt keine Verantwortung und keine Selbstreflexion. Einfach nur auf die antiquierte Einstellung der Kirche zu zeigen bringt keinen Millimeter weiter.
Also, wer Ohren hat zu hören, Augen zu sehen und ein Hirn zum Nachdenken, der verwende, was uns der liebe Gott geschenkt hat! Die Vertreibung aus dem Paradies bedeutet nichts anderes als den Zwang, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Samstag, 21. März 2009

Fragen Sie Dr. Sommer

Nein, nicht in der BRAVO, sondern im PLAYBOY

Mittwoch, 18. März 2009

Wider den Zeitgeist

Auf einigen Internetseiten der ARD kann man zwei oder drei Sätze von Papst Benedikt als Zitat lesen. Und dann wird auch schon aufgefordert, mitzudiskutieren. Vielen hat der Papst mit dieser Vorlage in die Tiefe des Raumes ein großes Geschenk bereitet, gibt es doch die willkommene Gelegenheit, draufzuhauen. Wie wohltuend ist es doch, wenn der Bekloppte eindeutig identifizierbar und wir alle die Durchblicker sind. Massenpsychologie ist doch ein interessantes Phänomen, vor allem, wenn es bei anderen auftritt.

»Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln« sagt Benedikt (jedenfalls von der ARD so zitiert). Hier ist nicht klar, was genau gemeint ist. Natürlich ist es eine außerordentlich nützliche Regel, bei Aids Kondome zu verwenden. Aber nur, wenn man die Absicht hat, trotz Aids sexuell aktiv zu werden. Vielleicht wäre es ja noch nützlicher, bei Aids enthaltsam zu sein. Aber was heißt das? Soll ich jetzt enthaltsam sein, wenn ich Aids habe oder soll ich enthaltsam sein, wenn die Möglichkeit besteht, daß ich Aids kriege?

Vielleicht hilft es ja dabei, weniger lange nachzudenken, wenn meine biologische Programmierung wieder am Arbeiten ist, wenn ich ein Kondom in der Tasche habe. Wenn ich als Mann also jemanden zum Flachlegen suche und in der andern Ecke des Raumes sitzt ein attraktiv erscheinender möglicher Sexualpartner, denke ich vielleicht zwanzig Minuten über einen möglichen Geschlechtsverkehr und dessen Konsequenzen nach, wenn ich kein Kondom in der Tasche habe und vielleicht fünf Minuten – oder auch überhaupt nicht –, wenn ich eins besitze. Könnte es das sein, was Benedikt gemeint hat?

»Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem … die Lösung liegt vielmehr in einem spirituellen und menschlichen Erwachen.« Was? Wachwerden? Was soll das, ich lese doch die Nachrichten im Internet. Könnte ich ja nicht, wenn ich schlafen würde. Was will der Kerl? Soll ich vielleicht nachdenken? Bei der Finanzkrise hat das Nachdenken auch nicht geholfen. Wieso dann bei Aids? Dann doch lieber ein Kondom und ran an den Speck. Und dann auch noch spirituelles Erwachen. Als ob der liebe Gott helfen würde, wenn ich geil bin. Meine biologische Programmierung ist stärker als Gott. Meine biologische Programmierung verschafft mir einen Orgasmus. Den hat mir Gott noch nie besorgt. Der hat auch nix gegen die Finanzkrise getan und gegen die Judenverfolgung und die vielen Kündigungen jetzt überall. Und dann soll ich auch noch auf das Schönste im Leben verzichten. Die spinnen die Päpste. Die Ackermänner sind zwar Arschlöcher, aber sie spinnen nicht. Aber der spinnt ganz eindeutig. Statt zu bumsen soll ich spirituell erwachen. Was für ein Quatsch. Lieber eine heiße Nummer und ein toller Orgasmus als dieses Warmduscher-Enthaltsam-Sein und spirituell Erwachen. Das Leben ist kurz und »we don’t just want a bread, wo want the whole bakery, and that now!« (Jim Morrison)

Also, nicht lange nachdenken Leute, Kondome gibt’s genug, tun ja auch was für die Konjunktur, und die Wissenschaft wird schon noch bald was finden, damit wir auch ohne Kondome nicht nachdenken und »spirituell aufwachen« müssen. So’n Scheiß. Schweigen wir ihn doch einfach tot. Das mit Aids muß irgendwie geregelt werden, weil, das mit der biologischen Programmierung läßt sich ja nicht regeln. Und warum auch, macht doch’n Riesen-Spaß! Die einen hamm’ halt Pech und die anderen Glück – und hoffentlich Kondome. So ist das Leben! Kann man nix tun, iss so! Gib mal’n Bier rüber, wie hat eigentlich Hannover gespielt? Ist dieser DingsDa, weiß schon, ist der noch verletzt?

Wenn man will, mag man in folgendem Text des bestimmt nicht moralinsauren Micha Hilgers Parallelen finden:

»Zahlreiche Paare haben die stillschweigende Übereinkunft, es nicht so genau wissen zu wollen, ob der andere hier und da untreu wird. Damit gewähren sich die Partner zwar einen gewissen Freiraum, verhindern jedoch die intensive Auseinandersetzung über das, was sie bewegt, zumindest in manchen Bereichen. Das Paar läuft dann Gefahr, aus Konfliktscheu nach und nach immer weitere Bereiche des Dialogs seiner Beziehung preiszugeben. Sexuelle Attraktion über lange Zeiträume lebt jedoch gerade von den immer neuen Konflikten und Differenzen des Paars: Wo man sich als unterschiedlich erlebt, wachsen Neugier und sexuelle Spannung.
Das oft große Aufsehen einer eventuell kurzfristigen Affäre steht in merkwürdigem Gegensatz zu einer etablierten und in ihrem gewaltigen Ausmaß weitgehend tabuisierten Form: der alltäglichste, traurig-banale Seitensprung ist der Gang zur Prostituierten. Täglich nehmen in Deutschland rund 1,2 Millionen sogenannte Freier ihre Dienste in Anspruch. Die häufigste Variante der Nebenbeziehung findet im Puff statt, augenzwinkernd und verbunden mit sexistischen Herabsetzungen der rund 400.000 beteiligten Prostituierten. Mit bigotter Selbstverständlichkeit endet der Lärm um Treue und Einzigartigkeit der Liebesbeziehung für einen beträchtlichen Prozentsatz der Partnerschaften beim regelmäßigen Bordellbesuch der männlichen Partner.
Gelingt es dem Paar, über lange Zeiträume sexuelles Begehren aufrechtzuerhalten, bleibt dieses Verlangen nicht nur auf den Partner beschränkt. Sexuelle Vitalität kennt keine Ausschließlichkeit. Damit gerät jede verbindliche Partnerschaft in ein grundsätzliches Dilemma: Gegenseitiges Begehren setzt sexuelles Interesse beider Partner voraus, das sich jedoch wenigstens in der Phantasie immer auch auf potentielle Andere richtet. Der bewußte Verzicht, dieser Neigung nachzugehen, unterscheidet sich vom bloßen Befolgen moralischer Gebote. Denn das Begehren eines anderen wird zwar anerkannt und akzeptiert, jedoch nicht ausgelebt, um die bestehende Partnerschaft zu schützen.
Diese Verzichtsleistung geht immer mit Trauer über das Versäumte und Verpaßte einher, eventuell auch mit einer Portion Ärger auf den Partner, der eben jene begehrten Eigenschaften des attraktiven anderen nicht oder mit zunehmendem Alter nicht mehr besitzt. Der bewußte, nicht moralingesteuerte Verzicht kann, wenn das Verlangen immer wieder neu in den verbalen und sexuellen Dialog des Paars eingebracht wird, die Beziehung dauerhaft lebendig halten. Demgegenüber führt das Erlahmen sexuellen Interesses rasch zum Stillstand der Beziehung. Verbindliche sexuelle Intimität setzt daher bewußte Opfer voraus, die am Ende dauerhaftes gegenseitiges Verlangen am Leben halten.
Doch das Unbehagen, von dem Sigmund Freud angesichts kultureller Errungenschaften und Verzichtsleistungen sprach, bleibt.«

aus Micha Hilgers, Leidenschaft, Lust und Liebe


Montag, 16. März 2009

Finanzkrise verständlich gemacht

Auf Yürgen Osters Goldgrube-Blog gibt es einen Post, der die Vorgänge um die geplatzte Finanzblase sehr schön auf den Punkt bringt.

Freitag, 13. März 2009

Sie haben einfach nicht mitgemacht

Die eigensinnigen Gebirgler von Le Chambon ließen sich ihre Überzeugung von keiner noch so blutigen Hetzjagd austreiben

bei Publik-Forum

Während der Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs und in Zusammenarbeit mit dem Vichy-Regine wurden rund 77.000 – etwa ein Fünftel – der in Frankreich lebenden Juden in Polen ermordet oder starben in der Gefangenschaft: Deportation nach Auschwitz im Mai 1941.


Gedenkwand für die 11.000 von den Nazis aus Frankreich verschleppten und ermordeten jüdischen Kinder im Mémorial de la Shoah in Paris









Organisatoren des leisen Widerstands: Pfarrer Andrés und Magda Trocmé


Im gesamten Dorf vor den Nazis und ihren Kollaborateuren versteckt: eine Gruppe der geretten jüdischen Kinder


















Rettung vor dem sicheren Tod: Heute erinnert eine Gedenktafel
an den Mut der Christen von LeChambon.

Nur gestürzt?