Sonntag, 13. April 2003

Das privilegierte Geschlecht

Frauen, heißt es ständig, werden benachteiligt. Stimmt das wirklich, fragten sich unabhängig voneinander ein israelischer und ein deutscher Forscher. Ihre Antwort: nein! Wie es zugeht im Patriarchat, erfuhr der Medienwissenschaftler Arne Hoffmann, 35, im Herbst 1998, als er mit seinem Manuskript zum Stand des Geschlechterkriegs bei hiesigen Buchherstellern vorsprach. 80 Verlage lehnten das Opus als „zu brisant“ oder „zu polarisierend“ ab. Schließlich ermannte sich ein Berliner Szeneverlag. Rezensionen? Fehlanzeige.

Was hatte der Mann aus dem Taunus da bloß verzapft? Ein Frauen verachtendes Machwerk? Eine sexistische Ketzerei? Eine absurde, durch nichts zu belegende Theorie? Ganz im Gegenteil. Hoffmanns Buch ist faktensatt (554 Belegquellen), es hat nur einen Makel: Sein Gegenstand ist die Benachteiligung von Männern. Emsig hat der Autor Belege zusammengetragen, um nachzuweisen, dass in unserer Gesellschaft „bestimmte aggressive Vorurteile“ gegen Männer gepflegt und Frauen dadurch privilegiert würden.

In diesen Tagen erhält der deutsche Maskulinist renommierten Flankenschutz: Martin van Creveld, „Israels führender Historiker“ („Sunday Telegraph“), hat eine Art Weltgeschichte der weiblichen Bevorzugung verfasst – mit der Conclusio, dass nichts unsinniger sei als die Meinung, Adam habe Eva stets unterdrückt. Das weibliche Geschlecht habe vielmehr auf Grund seiner Fruchtbarkeit schon allen frühen Gesellschaften als wertvoller und schützenswerter gegolten. Creveld: „Das weibliche ist das erste Geschlecht; er existiert, um ihr zu dienen, nicht andersherum“ (siehe Interview S. 126).

Das las man bisher anders – jedermann hat die Litaneien über weibliche Benachteiligung im Ohr -, aber die Belege, die beide Autoren für ihre These anführen, sind Legion.

mehr:
- ZEITGEIST – Das privilegierte Geschlecht (Michael Klonovsky, Focus, 07.04.2003)

staatliche Lügenpresse interviewt Arne Hoffmann (und macht ihn "so gut wie möglich" lächerlich) {6:03}

Nico Morger
Am 11.06.2016 veröffentlicht 
http://genderama.blogspot.com/
Genderama ist das Blog des linken Flügels der antisexistischen Männerbewegung (Maskulismus). Es wird von Arne Hoffmann betrieben. Arne Hoffmann ist Mitglied von MANNdat und unterstützt die Initiativen Gleichmaß e.V. sowie das Forum Soziale Inklusion.
"Auf die Revolutionäre von heute werden keine Scharfschützen mehr angesetzt, Attentate zielen heute auf den Ruf eines Gegners." (Mathangi "Maya" Arulpragasam)
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3sat schreibt beim Video
Mehr Männlichkeit wagen!
Die boomende maskulistische Bewegung sind radikale Vertreter der selbsternannten Maskulisten. Was regt sie auf? Warum fordern sie wieder mehr Männlichkeit?
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meine Anmerkung:
Man sehe sich das Video ein zweites Mal an und stelle sich dabei vor, dieser 3sat-Beitrag würde die Geschlechter einfach vertauschen: 
Wie käme der Film dann rüber?

Dienstag, 31. Dezember 2002

Medien: intellektuelle Korrumpierbarkeit in Konfliktzeiten

"Journalisten immer anfälliger für Propaganda" - zu diesem Ergebnis kommt eine kritische Medienstudie, in Auftrag gegeben von einer schwedischen Regierungsbehörde. Grundlage war vor allem die Informationspolitik zu Zeiten des Kosovokrieges

Manipuliert von Politikern und Militärs sowie deren Propagandastrategen. Das waren die Medien im Kosovokrieg, einem Informationskrieg, den die Nato gewann und in den sich Presse und Fernsehen in eine "unkritische Kampagne für die Sache der Kosovoalbaner einspannen ließen". Zu diesem Fazit kommt eine in dieser Woche veröffentlichte Studie ("Kampen om det kommunikative rummet" - "Kampf um den kommunikativen Raum") des schwedischen "Amts für psychologische Verteidigung". Eine Regierungsbehörde, die im Falle einer Krisen- oder Kriegssituation die eigene Bevölkerung in der Richtung "beeinflussen" soll, welche dem Staatsinteresse dient. Die jetzige Kritik an den unkritischen Medien beinhaltet gleichzeitig das Urteil, dass vor allem den USA ihr Propagandakrieg glänzend gelungen ist: "Die Medien der Krieg führenden Länder verwandelten sich von einem kritischen Kontrolleur der Staatsmacht zu einer vierten Waffengattung neben Heer, Luftwaffe und Marine." Ausgewertet wurden die größten schwedischen Print- und TV-Medien, die dann zum Teil mit britischen Medien verglichen wurden. In weiten Teilen dürfte die Studie aber auch für Resteuropa repräsentativ sein. Hier vor allem die Handhabung der aus dem Nato-"Media Operations Center" kommenden Informationen und unkritische Übernahme von als weithin "unzuverlässig" eingestuften Informationen aus US-Quellen.

"Dominanz der USA"
Die Studie konstatiert eine "Dominanz des US-Weltbilds", welche "nationale Unterschiede vor allem in den westlichen Medien immer mehr vermindert". Die JournalistInnen ließen sich von diesem Weltbild beeinflussen. Eine Tendenz zu einer regelrechten freiwilligen Gleichschaltung meinen die skandinavischen ForscherInnen ausgemacht zu haben: "Die Unabhängigkeit und die Integrität der Medien in der westlichen Welt ist in der neuen Weltordnung immer mehr zurückgegangen."

mehr:
- Heer, Luftwaffe, Marine - Medien? (Reinhard Wolff, taz, 31.12.2002)
- schwedische Studie über NATO-Propaganda im Kosovokrieg (der taz-Artikel von Reinhard Wolff bei infopeace.stderr.de)
- Journalisten - Opfer der Propagandamaschine (Nina, Thread Schere im Kopf, Journalismus.com, zitiert wird ein Artikel vom 31.12.2002)

Die Anstalt: D. Trump vs. H. Clinton {7:41}

Am 02.11.2016 hochgeladen
Mr. Milgram
Gegen-Sozialismus.jimdo.com
http://gegen-sozialismus.jimdo.com

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Als Methode der psychologischen Kriegsführung zählt alles dass die Moral der gegnerischen Kräfte stört, vermindert oder zerstört oder deren Wahrnehmung verfälscht. Propaganda und Gaslighting gehören ebenso wie brutale Abschreckungsbeispiele dazu.[6][7] Auch der unmittelbare Einsatz militärischer Mittel kann Elemente psychologischer Kriegsführung enthalten. So können Manöver nahe dem Hoheitsgebiet eines potenziellen Gegners dessen Kampfeswillen schwächen oder Überfälle im Hinterland zur Verunsicherung gegnerischer Truppen führen.
Klassische Methoden bzw. Medien der psychologischen Kriegführung sind auch das Verteilen von Handzetteln, das Verbringen von Flugblättern per Flugzeug, Ballon, Granate oder Rakete, Lautsprecheraufrufe oder Hörfunksender. Dabei nutzt man die Erkenntnisse der modernen Werbepsychologie: Flugblätter wurden etwa im Zweiten Weltkriegauch im Stil der jeweiligen Landeswährung gefertigt und waren auf den ersten Blick kaum von einem auf der Straße liegenden Geldschein zu unterscheiden. [Psychologische Kriegsführung, Methoden, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 21.01.2018]
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siehe auch:
- Die psychologische Verteidigung : Die Grundzüge der Vorlage einer schwedischen Regierungskommission über die Massnahmen zur Stärkung der psychologischen Verteidigungsbereitschaft Schwedens (Verfasser unbekannt, Artikel aus dem Jahr 1954)

Horst-Eberhard Richter erwähnt diese Studie in dem folgenden Interview mit Sandra Maischberger


Sandra Maischberger interviewt Horst-Eberhard Richter {21:01 – Start bei 1:13}


docuville2 cinematographos
Am 05.05.2016 veröffentlicht 
ntv-Sendung vom 27.3.2003

siehe dazu:
- Der Kosovo-Krieg in den Medien - Analyse einer globalen Diskursordnung (Birgitta Höijer, Stig Arne Nohrstedt, Rune Ottosen, conflict & communication online, Vol 1 Nr. 2 2002)
- Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg (Elvi Claßen, Medienanalyse, Ausgabe 7/1999, Themenhaft Kosovo-Krieg)
"Die westlichen Führer sind intensiv damit beschäftigt, die Geschichte umzuschreiben, um das Desaster der Bombardierung des Balkans zu rechtfertigen. Der Wandel in der Informationspolitik, in der Rhetorik und in den Begründungen, seit die Bombardierungen am 24. März begannen, lähmt buchstäblich die Sinne. So sehr sie sich auch davor fürchteten, haben sie ein wirklich dunkles Kapitel der Geschichte aufgeschlagen und sehen sich jetzt in der Gefahr, daß ihnen die Kontrolle über die Entwicklungen entgleitet. Eine Möglichkeit, das Versagen als Erfolg darzustellen, ist die Konstruktion einer mächtigen Medienrealität und die Dekonstruktion der realen Realität. Das ist die Essenz des Medienkrieges, und das ist, was gerade geschieht." (Covering Up NATO's Balkan Bombing Blunder, Jan Oberg, Transnational Foundation for Peace and Future Research, Pressemitteilung vom 14.04.1999)
zur West-Propaganda im Kosovo-Krieg siehe:
- Frieden muss gestiftet werden – Europas Sündenfall: der Kosovo-Krieg (Post, 24.11.2014)

siehe auch:
- Im Verwirrspiel gleichgeschaltet (Horst-Eberhard Richter, der Freitag, 24.01.2003, im Folgenden einige Ausschnitte)
Viele Journalisten wissen, dass sie zu Handlangern einer Kriegspropaganda werden. Aber sie sagen nicht, was sie merken
Gemeinsam entwickelten wir damals einen ausführlichen Fragebogen zur Arbeitssituation und zum Befinden, den wir allen Redakteuren des politischen Programmteils des Bayrischen und des Norddeutschen Rundfunks übermittelten, die keine höhere Position als die eines Redaktions- beziehungsweise Abteilungsleiters innehatten. 101 von 191 angefragten Redakteuren schickten den Bogen ausgefüllt zurück – eine befriedigende Beteiligung angesichts des heiklen Themas. 69 Prozent der Befragten stellten fest, das Publikum werde von den Sendern politisch bevormundet. Die Journalisten des Bayrischen Rundfunks schätzten diesen Einfluss noch höher ein als ihre NDR-Kollegen. Journalisten, die sich auf einer Skala eher als links orientiert einstuften (63 Prozent), empfanden sich gegenüber früher als stärker von oben kontrolliert und eingeschränkt.

Der Spiegel veröffentlichte die Resultate. (siehe: Rundfunk: Angst vor der Angst, SPIEGEL, 17.07.1978) Es gab darüber keine besondere Aufregung außer beim Intendanten des Bayrischen Rundfunks. Wo steckten die Verräter, die Nestbeschmutzer, die sich hinter dieser Recherche verbargen? Alle internen Verhöre blieben erfolglos. Einen der Gesuchten habe ich später gelegentlich auf dem Bildschirm wiedergesehen – mit zunehmend brav affirmativen Kommentaren.

Es war die Zeit, als sich der Reformgeist, der von unten aus überall die hierarchischen Strukturen erschüttert hatte, langsam wieder zurückzog. Die antiautoritäre Strömung, die zuvor vielen Mut gemacht hatte, eine traditionelle Anpassungshaltung zugunsten unabhängiger kritischer Stellungnahme aufzugeben, ebbte ab. […]
Als 1991 Golfkrieg Nummer zwei bevorstand, eilten die deutschen Medien mit ihrer Unterdrückung von Kriegskritik den Amerikanern noch voraus. Ein Beispiel aus der eigenen Erfahrung: Wenige Wochen vor Kriegsausbruch flog ich mit einem selbstverfassten Friedensappell, den 450 deutsche Professorinnen und Professoren unterschrieben hatten, nach Washington. Andreas Flitner und ich diskutierten den Appell mit Politikern in beiden Häusern des amerikanischen Kongresses und konnten den Text sogar ungekürzt in der Washington Post unterbringen. Gleichzeitig erläuterte Andreas Buro den Appell auf einer stark besuchten Pressekonferenz in Bonn. Aber keine deutsche Zeitung traute sich, den Appell zu drucken oder auch nur als Notiz bekannt zu machen. Den Amerikanern sollte verschwiegen werden, was eines ihrer angesehensten eigenen Blätter dem Publikum bedenkenlos offenbarte.

"Die Unabhängigkeit und die Integrität der Medien in der westlichen Welt sind in der neuen Weltordnung immer mehr zurückgegangen."
 [Reinhard Wolf, Heer, Luftwaffe, Marine - Medien?, taz, 31.12.2002, zitiert in obigem Artikel; weiteres Zitat:]
Zwischen dem Bild der Medien und den durch Umfragen ermittelten Meinungen der Bevölkerung herrschte oft eine erhebliche Differenz. Das Publikum habe, so die schwedischen Untersucher, dem Dauerbeschuss der Nato-Propaganda deutlicher widerstanden als die Medienprofis.
[…] Wohl nicht zufällig bringen nun die New York Times durch George Parker und der Tagesspiegel durch Harald Martenstein eine interessante Meinung tonangebender amerikanischer Intellektueller zur Kenntnis: Demnach gehe es gar nicht primär um die Abwendung einer fiktiven irakischen Bedrohung, sondern um die Gewinnung einer Ausgangsbasis für eine schrittweise Amerikanisierung des gesamten islamischen Mittleren Ostens. Zum Vergleich wird die geglückte Amerikanisierung Europas durch die kriegerische Zerstörung des Nazi-Reiches genannt. Der Irak biete sich jedenfalls momentan am geeignetsten als Brückenkopf an, das heiß als erstes vorläufiges Angriffsziel, um den islamischen Raum für eine kulturelle Entwicklung nach westlichen Maßstäben umzuprägen. Die New York Times hat den Stein ins Wasser geworfen. Harald Martenstein hat das Signal aufgenommen. Wäre nun nicht eine Debatte über diese Idee überfällig? […] Warum merken die Medien nicht, dass sie sich von der unablässig vorgespiegelten irakischen Bedrohung genauso täuschen lassen wie der Stier in der spanischen Corrida, der bis zur Erschöpfung hinter der geschwenkten roten Muleta herhetzt? […]
Die Propagandaoffensive zur Vorbereitung des Irak-Krieges fordert den Journalisten Verrenkungen ab, die nur noch als intellektuelle Korruption zu bezeichnen sind.  
mein Kommentar:
Noch Fragen zur Ukraine-Berichterstattung in den Leitmedien? 
Die USA spielen VW Käfer: Sie setzen ihr Schachspiel einfach fort und fort und fort. In diesem Zusammenhang und
vor dem Licht von Horst-Eberhard Richters Ausführungen gewinnen die Äußerungen Putins vor dem Deutschen Bundestag (2001) und der Münchner Sicherheitskonferenz (2007) eine neue Aktualität.

(Doku) - Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft [Zbigniew Brzezinski] {1:20:27}


Veröffentlicht am 14.08.2014
Ein Film von Freiheit durch Wissen
Diese Dokumentation berichtet zum einen über Zbigniew Brzezinski, ein polnisch-amerikanischen Politikwissenschaftler, Regierungsberater, Bilderberger und Mitglied des Komitees der 300.
Der Mitbegründer der Trilateralen Komission und CFR-Mitglied schrieb 1997 sein Buch "The Grand Chessboard - Die einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft".
Desweiteren wird auf sein Buch eingegangen und die Kernaussage, nämlich die langfristigen, geostrategischen Überlegungen bzw. Planungen der USA (Stand 1997) beleuchtet.
Das Kapitel: "Eurasisches Schachbrett" offenbart, dass nach Brzezinski's Ansicht Deutschland und Frankreich in Europa die wichtigsten geostrategischen Akteure sind.
Desweiteren wird deutlich, weshalb gerade die Ukraine derzeit Schauplatz eines Krieges und Umbruches ist und als ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt gilt.
In den geostrategischen Überlegungen geht es vor allem um eins: Ressourcen und letztendlich um Macht.
Weitere Informationen finden Sie unter:
http://freiheitdurchwissen.blogspot.de/
Link zum Buch im PDF-Format:
http://www.attac-leipzig.de/allg/mate...

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In Coprays Werk Jung und trotzdem erwachsen (zwei Bände, Düsseldorf 1987 und 1989) findet sich einerseits die Anwendung seiner Theorie der kommunikativen Kompetenz, andererseits die Vorbereitung der Fairness-Thematik im Blick auf ein spezielles Lebensalter in der deutschen Gesellschaft. Die Kernthesen:
  • Junge Erwachsene der achtziger und neunziger Jahren bilden eine „paradoxe Identität“ aus, mit der sie wegen ihrer großen Kohorte das künftige gesellschaftliche Milieu in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts deutlich prägen werden.
  • Das führt zu changierenden Rollen und Verhaltensmustern sowie zur Ambivalenz von Persönlichkeit zwischen Subjekt- und Passivsein.
  • Die kognitive Dissonanz wird sich infolgedessen weiter ausbreiten.
  • Gemeint ist damit: Wenn Personen Entscheidungen getroffen, etwas gedacht, gesagt oder getan haben, was ihren innersten Überzeugungen, Werten und Gefühlen zuwiderläuft, bieten Menschen ein ganzes Arsenal an Vorurteilen, Selbstüberredungen, Rationalisierungen, Selbstbetrügereien und Grabenkämpfen auf, um diesen unangenehmen Zustand zu reduzieren oder gar ganz zum Verschwinden zu bringen – und das nur, um sich vor sich selbst zu rechtfertigen, nicht im emotionalen Konfliktzustand der Dissonanz zu bleiben, sich nicht schämen und keinen Gesichtsverlust erleiden zu müssen. So werden die Menschen versuchen, mit Widersprüchen in ihrem Leben und in der globalisierten Gesellschaft zurechtzukommen.
  • Traditionsmuster werden zerbrechen, Krisenverläufe zunehmen und die persönliche, soziale, berufliche und ökonomische Existenz wird in der Fläche prekär werden.
  • Demgegenüber hilft nur eine offene, transparente und heilsam wirkende Kultur, die Brüche und Widersprüche in Menschen und in ihrem Handeln akzeptiert, um gemeinsam Wege im rücksichtsvollen Umgang miteinander zu größerer Authentizität und Souveränität, zu solidarischem und ökoverträglichem Handeln zu finden.
In seinem Werk hat Copray so verschiedene Phänomene und Strukturelemente analysiert und prognostiziert, wie sie sich teilweise erst heute in der Breite der Betroffenheit abzeichnen. Außerdem wurde eine transaktionsanalytische Theorie und ihre Anwendung bezogen auf die Sozialisierung von jungen Erwachsenen entwickelt und für die Begleitung und Beratung junger Erwachsener, auch junger und künftiger Führungskräfte, nutzbar gemacht. [Norbert Copray, Zukunft und Kompetenz junger Erwachsener, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 21.01.2018]
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siehe auch:

Übersichtsdossier: Krieg in den Medien (Bundeszentrale für politische Bildung)
- eine Liste mit Programmbeschwerden von Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer (Propagandaschau, Stand: 21.01.2018)
Unwort des Jahres: Lügenpresse (Post, 24.01.2016)
Die EU zieht in den Propagandakampf (Post, 20.03.2015)
Methoden der Kriegspropaganda (Bundeszentrale für politische Bildung, 01.10.2011)
- Deutsche glauben den Medien nicht (Post, 26.12.2014)


zuletzt aktualisiert am 21.01.2018


Dienstag, 4. Februar 1997

Edgar Reitz: Gespräch über das Kino der Zukunft

Gespräch mit dem Regisseur Edgar Reitz über die Herausforderung interaktiver Medien, Computerspiele und Strukturen der Erzählung
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Edgar Reitz ist einer der wenigen deutschen Regisseure, die mit der Digitalisierung des Films nicht nur Schrecken oder Abwehr verbinden. Im digitalen Zeitalter könnten ganz neue Kinos mit einer neuen, nicht-linearen Erzählformen entstehen, die im Gegensatz zu den Medien Zuhause auf das Gemeinschaftserlebnis setzen. Florian Rötzer sprach mit Edgar Reitz über die Herausforderung interaktiver Medien, Computerspiele und Strukturen der Erzählung.
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Der Einfluß der Wirtschaft auf die Kulturproduktionx
Gleichzeitig mit der massiven Einführung der digitalen Medien setzt sich die Globalisierung der Wirtschaft durch, die zu einer Austrocknung der Staatshaushalte führt und damit auch die öffentliche Förderung der Künste beeinträchtigt. Wirkt sich das merklich auf die Kultur aus?
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EDGAR REITZ: Es sind nur noch solche Bereiche der Kultur realisierbar, die sich auch gesellschaftlich Raum verschaffen können, das heißt im Klartext, daß sie Sponsoren finden. Die Suche nach Sponsoren bedeutet inzwischen mehr, als nur Zusatzfinanzierungen zu finden: Die inhaltliche Kompetenz wandert zu den Sponsoren.

Man hat das vorerst nicht erkannt und argumentiert, wenn der Staat nicht mehr genug Geld für das Luxusgut Kultur aufbringen könne, dann müßten die Kulturveranstalter das durch Sponsoring der Wirtschaft ausgleichen, die sich damit ihr Image verbessern kann. Mit dieser Praxis ist aber ein tiefgehender Riß zwischen Kultur und Staat entstanden. Die Frage, was in der Kultur überhaupt noch realisierbar ist, hängt heute von Sponsoren-Entscheidungen ab. Wenn ich einen Sponsor finde, dann ist das für den Staat ein Argument geworden, auch zu fördern. Daß heißt, wenn er überhaupt zahlt, daß er es nur noch unter dieser Bedingung tut. Und da dreht sich etwas um, damit gerät die Entscheidung über Wert und Unwert kultureller Äußerungen, die Frage, was überhaupt intellektuelle Akzeptanz habe, in die Kompetenz der Leute, die in den Werbeabteilungen der Wirtschaft arbeiten. Wer sind diese Leute? Was haben sie gelernt? Welche Motive haben sie? Das Wort "Akzeptanz", aus der Werbung stammend, ist plötzlich im intellektuellen Bereich ganz selbstverständlich geworden.
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Was wird denn stärker gefördert? Gibt es einen bestimmten Druck auf die Kultur-Produktion?
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EDGAR REITZ: Zunächst bemerken wir eine klare Tendenz zu den etablierten bürgerlichen Künsten. Im Theaterbereich wird die Oper natürlich am längsten überdauern, im Konzertbereich die klassische Musik mit ihren Plattenstars und natürlich alles andere, was kommerziell ist. Bei der Förderung von Kunst fällt auf, daß überhaupt nicht mehr nach Inhalten gefragt wird. Es wird einfach wie verrückt gesammelt. Jeder Bankier und Versicherungsheini legt sich, wenn er kann, ein paar Gemälde in den Tresor. Die bildende Kunst verschwindet mehr oder weniger in den Tresoren der Banken. Es kommt zum Wettrennen mit den staatlichen Museen. Und dafür wird hemmungslos Geld ausgegeben.

Es sieht so aus, als wollte die Gesellschaft mehr und mehr auf den Hardwarebereich verzichten. Aber gerade wegen dieser Bestrebungen scheint es eine heimliche Sehnsucht nach materiellen Gütern zu geben. Nur von ihnen glaubt man noch, daß sie allen Krisen widerstehen können. Diese alte Sehnsucht nach Wertstabilität scheint bildende Kunst noch zu erfüllen, ebenso der ganze moderne Nippes, der aus dem Designbereich kommt. Das Sponsoring treibt uns alle in den Kommerz, zum Bürgerlichen und zum Besitzdenken hin.

Alle künstlerischen Äußerungen, die Fragen stellen, die sich aus den Traditionen der Avantgarde herleiten oder die sich gar Fragen im Sinne politischer Visionen stellen, Künstler, die experimentieren und Neues suchen, werden tendenziell nicht gefördert. Eine große Ausnahme bilden allerdings die experimentellen Künste, die sich am Rande der neuen Technologien abspielen und sie poetisch aufwerten. Deswegen kann man alle Experimente mit Computern, Video, Laser etc. gesponsort bekommen, alles, was mit Elektronik und Digitalisierung zusammenhängt. Hier hat die Industrie ein unglaubliches Angebot an inhaltsleeren Spielmöglichkeiten hervorgebracht. Jetzt sucht sie händeringend nach Leuten, die ihren Produkten Inhalte hinzufügen. So verändert sich der Kulturbegriff. Was mir auffällt, ist, daß die humanistische Tradition, die uns jahrhundertelang ein bestimmtes Wertebild vermittelt hat, dabei verloren geht. Wir leben ganz offensichtlich in einer Endzeit des Humanismus.

mehr:
- Das Kino der Zukunft (Florian Rötzer im Gespräch mit Edgar Reitz, Telepolis, 14.02.1997)
siehe auch:
Edgar Reitz’ Deutschland-Chronik bei Arte (Post, 27.08.2015)
Kinoempfehlung: Die andere Heimat von Edgar Reitz (Post, 10.11.2013)