Sonntag, 27. Januar 2013

Vor 40 Jahren - Januar 1973: Die Dreharbeiten zu »Welt am Draht« beginnen

Laut Wikipedia wurde »Welt am Draht« zwischen Januar 1973 und März 1973 in 44 Drehtagen abgedreht. Der Film von Rainer Werner Fassbinder basiert auf dem 1964 erschienene Science-Fiction-Roman Simulacron-3 von Daniel F. Galouye.

World on a Wire trailer (extended version) [2:09]


Hochgeladen am 28.05.2011
Trailer I cut for the new Janus Films/Criterion restored release of Fassbinders' World on a Wire (1973) for both theatrical and DVD release.

RWF | zum 30. Todestag [2:55]

Veröffentlicht am 24.03.2012
Ausschnitte aus der Sendung Capriccio im BR, März 2012
Some rare original footage from various broadcasting sources.

Rainer Werner Fassbinder (* 31. Mai 1945 in Bad Wörishofen, Bayern; † 10. Juni 1982 in München) war ein deutscher Regisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Autor. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films der 1970er- und 80er Jahre.


Samstag, 26. Januar 2013

Heute vor 255 Jahren – 26. Januar 1788: Ankunft der »First Fleet« in Sydney

»Aussie Aussie Aussie, Oi Oi Oi« 

 Diesen spätestens seit den Olympischen Spielen von Sydney 2000 weithin bekannten australischen Schlachtruf hört man vor allem bei Sportveranstaltungen, zunehmend aber auch am »Australia Day«, dem alljährlich am 26. Januar begangenen Nationalfeiertag. Flugshow, Sportwettbewerbe, Feuerwerk und zahllose Partys finden heute in Australien statt, denn das ganze Land – mit Ausnahme von Teilen der indigenen Bevölkerung – feiert den Geburtstag des Staats: die Ankunft der First Fleet, der Ersten Flotte, 1788 in der Bucht von Sydney
Die Bucht von Sydney in der frühen Zeit der Besiedlung, Gemälde, um 1800

 An Bord der elf englischen Schiffe der First Fleet befanden sich neben 550 Besatzungsmitgliedern 756 Sträflinge. In England waren seinerzeit die Gefängnisse überfüllt: Das starke Bevölkerungswachstum hatte die soziale Not verschlimmert, dies wiederum trieb die Zahl der kriminellen Delikte in die Höhe. Die Regierung sah eine Lösung des Problems im Export von Strafgefangenen in nicht besiedelte Regionen. Australien, das James Cook kurz zuvor erkundet hatte, bot sich hierfür an. Nach den Sträflingen kamen bald auch unbescholtene Siedler. Aus England setzten zwischen 1788 und 1850 insgesamt mehr als 160.000 Menschen auf den Fünften Kontinent über. 

Aborigines

indigene Bevölkerung Australiens
 besiedelten vor etwa 50.000 Jahren den Kontinent
 1788 waren es etwa 300.000 Menschen



 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 


Freitag, 25. Januar 2013

Heute vor 123 Jahren – 25. Januar 1890: Verlängerung des Sozialistengesetzes abgelehnt

Bismarck kriminalisiert die Sozialdemokraten 

 Zwölf Jahre war es in Kraft, das »Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie«. Sein Ziel, die deutsche Arbeiterbewegung und die Freiheitsrechte der Bürger zu bekämpfen, erreichte es nicht. Anlass für dieses Sozialistengesetz waren zwei 1878 verübte Attentate auf Kaiser Wilhelm I. (1871-88), die Reichskanzler Bismarck ohne Beweise den Sozialisten anlastete. Es gelang ihm, in bürgerlichen Kreisen die Angst vor einer Revolution zu schüren. Im Oktober 1878 verabschiedete der Reichstag mit den Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen das Gesetz, das Verbote sozialistischer Parteien und Vereine sowie von einschlägigen Versammlungen und Druckschriften ermöglichte. 
Polizeiliche Suche nach »staatsfeindlichen Schriften« in der Wohnung eines
Arbeiters, Holzstich aus »Der wahre Jacob«, 1895

 Die Ideen der Arbeiterbewegung ließen sich aber mit Gesetzen und Verfolgungsmaßnahmen nicht unterdrücken. Trotz der Verbote und Repressalien stieg die Zahl ihrer Anhänger von Reichstagswahl zu Reichstagswahl. Als die Mehrheit der Reichstagsabgeordneten der turnusmäßigen Verlängerung des Gesetzes am 25. Januar 1890 die Zustimmung versagte, hatten die Sozialdemokraten die Zahl ihrer Wählerstimmen seit 1880 verdreifacht. 

 Was am 25. Januar noch geschah: 
 1949: David Ben Gurion wird erster Präsident des neu gegründeten Staates Israel
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Donnerstag, 24. Januar 2013

Die Lutherin 

 Nicht nur der von vielen angefeindete und über Jahre seines Lebens verfolgte Reformator Martin Luther (1483-1546), sondern auch seine Frau Katharina von Bora führte ein aufregendes Leben. Am 29. Januar 1499 als Tochter eines verarmten Landadligen in Sachsen geboren, kam sie nach dem frühen Tod der Mutter schon im Kindesalter in eine Klosterschule und legte mit 16 Jahren das Gelübde als Nonne ab. Im Kloster vertiefte sie sich bald in die aufrührerischen Schriften Luthers, die sich auch kritisch mit dem Klosterleben auseinandersetzten. Gemeinsam mit acht Ordensschwestern fasste sie den Entschluss, aus dem Kloster zu fliehen. Zu Ostern 1523 setzten sich die Nonnen, versteckt unter Heringsfässern, aus dem Kloster ab. 

 Luther nahm sich ihrer an, suchte Wirkungskreise und »ehrenwerte Männer« für die aus der klösterlichen Geborgenheit Entflohenen. Katharina von Bora nahm er selbst zur Frau: Im Juni 1525 fand die Hochzeit in Wittenberg statt, Katharina wurde damit die wohl bekannteste Pfarrfrau der Welt. Dem zuweilen ein wenig weltfremden Reformator war sie eine ausgezeichnete Wirtschafterin und lebenskluge Beraterin. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder. Katharina führte einen großen Haushalt, sie predigte, braute Bier und gärtnerte mit Passion. 1552 starb sie an einer Lungenentzündung.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Mittwoch, 23. Januar 2013

Heute wird Antoine 72 Jahre alt

Wie die Zeit vergeht. Etwa 1971 habe ich Antoine an der französischen Mittelmeerküste live gesehen und war hin und weg. Stundenlang hat mein Vater für mich versucht, den Text rauszukriegen.




Ma mère me dit bonjour
La concierge dans la cour
L'agent de police au carrefour
Le facteur qui vient sonner
La laitière et le crémier
Ils sont tous là pour me saluer

{Refrain:}
Alors bonjour salut
Alors bonjour salut
Le ciel est bleu
Je suis heureux
Bonjour salut
Alors bonjour salut
Alors bonjour salut
Le ciel est bleu
Je suis heureux
Bonjour salut

Enchanteurs et magiciens
Oiseaux bleus petits lapins
Princesses ou lutins
Et petits tout petits nains
Elfes et fées
Anges pour me garder
Tout à l'air de vraiment
Bien bien bien bien
S'annoncer

{au Refrain, x2}

Bonjour salut
Bonjour salut
Bonjour salut
Bonjour salut
Bonjour salut...
Für Französisch Sprechende:
- Rivalité entre Antoine et Johnny Hallyday (franz. Wikpedia)

Heute vor 208 Jahren – 23. Januar 1805: Abbé Claude Chappe begeht Suizid

Neuer Nachrichtendienst schreibt in der Luft 

 Als Adliger und Priester war Claude Chappe (1763-1805) eigentlich per se Feind und Widersacher der Revolution. Doch während des Umsturzes in Paris wandte er sich von den geistlichen Dingen ab und seiner großen Passion zu: der Technik und der Tüftelei. Er widmete sich der Telekommunikation, die einst in Rauchzeichen und dem Einsatz von Spiegeln ihren Anfang genommen hatte, und entwickelte die optische Telegrafie.

Telegrafenturm System Chappe bei Saverne, Frankreich, seitliche Ansicht.
Neben dem Fenster ist die Verkleidung des Fernrohrs sichtbar. [aus Wikipedia]

 Im Abstand von 11 km ließ er auf hohen Gebäuden und Türmen bzw. eigens errichteten Stationen Holzgerüste mit schwenkbaren Balken aufstellen. Diese »Zeiger« konnten 196 Zeichen übermitteln, die mit einem Fernrohr gelesen und dann weitergegeben wurden. Unter regulären Bedingungen konnte ein Zeichen in einer Minute 135 km »zurücklegen«, eine geradezu atemraubende Geschwindigkeit im Vergleich zu allen anderen Methoden der Nachrichtenübermittlung. Die Führer der Revolution waren begeistert. Um 1850 soll es 5000 km derartige Telegrafenlinien in Frankreich gegeben haben. Abgelöst wurde das Prinzip von der elektrischen Telegrafie.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 


Ein »strahlendes Gestirn« der Wissenschaft«

Von ihren Werken ist keines erhalten oder überliefert, doch Hypatia von Alexandria (um 370 [355]-415, [korrigiert nach Wikipedia]) war offensichtlich eine so bemerkenswerte und bekannte Persönlichkeit, dass eine ganze Reihe von zeitgenössischen Quellentexten und Büchern von der Naturwissenschaftlerin sprechen und ihre außergewöhnliche Intelligenz preisen. Der Bischof von Kyrene etwa hatte bei ihr studiert; in einem Brief schrieb er: »Im Philosophentalar zog sie durch die Innenstadt und sprach für alle, die zuhören wollten, öffentlich über die Lehren des Platon oder Aristoteles

»Tod der Hypatia«, Holzstich, 19. Jh.
 Hypatia [Tochter des Astronomen und Mathematikers Theon von Alexandria, dem letzten namentlich bekannten Wissenschaftler im Museion] lehrte an der berühmten Universität von Alexandria Mathematik, Astronomie und Philosophie und entsprach so gar nicht dem antiken Weiblichkeitsideal. Sie provozierte durch ihre unabhängige Lebensweise, nahm am öffentlichen Leben teil und diskutierte mutig und selbstbewusst mit ihren  männlichen Kollegen. Zudem war sie »Heidin« und als solche dem sich immer stärker ausbreitenden Christentum in Alexandria als Vertreterin der antiken hellenistischen Wissenschaft ein Dorn im Auge. Von fanatischen Christen wurde sie 415 ermordet.

Alexandria
ägyptische Hafenstadt westlich des Nildeltas
 von Alexander dem Großen 331 v. Chr. gegründet
 besaß die berühmteste Bibliothek der Antike
 war Zentrum der Wissenschaften
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Dienstag, 22. Januar 2013

Heute vor 50 Jahren – 22. Januar 1963: Deutsch-französischer Freundschaftsvertrag

Das Ende der »Erbfeindschaft« 

 Das deutsch-französische Verhältnis war über Jahrhunderte so angespannt, dass zunächst in Deutschland, dann auch in Frankreich mit Blick auf den jeweiligen Nachbarn häufig vom »Erbfeind« die Rede war. Die napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 und die beiden Weltkriege hatten die Fronten derart verhärtet, dass nach 1945 zunächst wenig Hoffnung auf eine Annäherung bestand.

Charles de Gaulle (links) mit Konrad Adenauer in Bonn, Mai 1962
 An einem normalen deutsch-französischen Verhältnis war aber sowohl Frankreichs Präsident CharIes de Gaulle als auch dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer schon aus politischen Gründen gelegen. De Gaulle wollte mit einem geeinten Europa ein Gegengewicht zu den Supermächten USA und UdSSR schaffen, Adenauer die Bundesrepublik aus der Isolation führen und in das Bündnissystem des Westens integrieren. Für beide Ziele war die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland Voraussetzung. Zudem schätzten sich die beiden Politiker persönlich. Heute vor 50 Jahren, am 22. januar 1963, unterzeichneten de Gaulle und Adenauer im Pariser Elysee-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.






 Was am 22. Januar noch geschah: 
 1536: In Münster werden die Anführer der Täufer öffentlich hingerichtet.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Sonntag, 20. Januar 2013

Heute vor 350 Jahren – 20. Januar 1663: Beginn des »Immerwährenden Reichstags«

Regensburg als Machtzentrum 

Seit dem 13. Jahrhundert wirkte der Reichstag als ständische Körperschaft im Heiligen Römischen Reich in Fragen von Reichsgesetzen, Steuern, Krieg und Frieden mit. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurden diese Zuständigkeiten und Rechte auch verfassungsrechtlich festgeschrieben. Einberufen wurde der Reichstag je nach Bedarf in wechselnde Reichs- oder Bischofsstädte. Er tagte über Wochen, zuweilen auch Monate. 

Versammlung des Reichstags in Regensburg, Kupferstich, 17. Jh.
 Am 20. Januar 1663, heute vor 350 Jahren, kam er in Regensburg zusammen, um u. a. über die »Türkengefahr« an der östlichen Reichsgrenze zu beraten. Im Gegensatz zu allen vorherigen Versammlungen wurde der Reichstag nicht wieder aufgelöst, er tagte fortan permanent, als Gesandtenkongress - 140 Jahre lang, bis zum Ende des alten Reichs. Für Regensburg war das ein Segen, gelangte die Stadt doch mit diesem »Immerwährenden Reichstag« in den Fokus europäischer Politik. Es waren nicht nur die Bevollmächtigten von Kaiser und Reichsständen vor Ort, auch Gesandte aus dem Ausland, aus Frankreich, Russland oder England, trafen ein, um Informationen zu bekommen und Politik zu machen. Als mit dem Ende des Reichs auch der Reichstag verschwand, ging die Stadt binnen kurzer Zeit bankrott. 

Was am 20. Januar noch geschah: 
1996: Jassir Arafat wird Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Freitag, 18. Januar 2013

Heute vor 62 Jahren – 18. Januar 1951: Erstaufführung des Films »Die Sünderin«

Randale im Kinosaal 

 Heute ist der Film »Die Sünderin« mit Hildegard Knef in der Hauptrolle ab zwölf Jahren freigegeben, als er 1951 in die Kinos kam, entzündete sich an ihm der erste Skandal des deutschen Nachkriegskinos. Befürworter und Gegner lieferten sich Saal- und Straßenschlachten, es gab Aufführungsverbote und Demonstrationen, Priester wetterten von der Kanzel gegen das »Schandwerk«, Geistliche warfen Stinkbomben in Kinosäle. Dabei wäre der Streifen ohne die Proteste wohl bald in den Archiven verschwunden, denn die Erstaufführung am 18. Januar floppte ohne großes Aufsehen. Erst mit dem einsetzenden Skandal wurde der Film auch zum Kassenschlager. 

Filmplakat »Die Sünderin« mit Hildegard Knef, 1951

 Der Film erzählt die Geschichte einer Prostituierten, die sich in einen Maler verliebt. Als der erblindet, erlöst sie ihn von seinen Qualen, leistet ihm Sterbehilfe und nimmt sich schließlich selbst das Leben. Einige kurze Nacktszenen sowie die Thematisierung von Prostitution und Suizid brachten vor allem Kirchenvertreter in Rage. »Hurerei und Selbstmord! Sollen das die Ideale eines Volkes sein?«, war auf einem Flugblatt zu lesen. Und der Kölner Kardinal Joseph Frings ließ verkünden, dass jeder Christ, der den Film ansieht, »sich mitschuldig macht an einer unverantwortlichen Verherrlichung des Bösen«.

 Was am 18. Januar noch geschah: 
 1778: James Cook entdeckt als erster Europäer Hawaii.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Hildegard Knef - HILDE - Trailer (Kinostart 12.03.09) [2:30]

Hochgeladen am 21.01.2009 
Hildegard Knef war Sünderin und Sängerin, Hollywoodstar und ein Hit am Broadway. Sie liebte einen Nazi und heiratete einen Juden. Sie kämpfte in den Ruinen Berlins um ihr Leben und fühlte sich an der Park Avenue zuhause. Vom deutschen Publikum verehrt und verachtet, wurde ihre Autobiografie das erfolgreichste Buch der Nachkriegszeit. Ihre Konzerte sind Legende. Sie war eine deutsche Ikone. Und sie war sehr, sehr cool. Dies ist ihr Leben.

Hildegard Knef Tribute [3:56]

Hochgeladen am 04.03.2008
Here is a very interesting and provocative song ("The Masters Of This World") performed by one of Germany's greatest singers.
Hildegard Frieda Albertine Knef (1925 - 2002) was a German actress, singer and writer. She was billed in some English language films as Hildegard(e) Neff. Arguably, her most influential roles were in the film "Die Mörder sind unter uns" ("The Murderers Are Among Us") (the first film released after the Second World War in East Germany) as well as her role in "Die Sünderin" ("The Sinner") in which she performed the first nude scene in German filmmaking. The incident in the latter film sparked one of the largest scandals in German filmmaking history. She played in many famous films, such as "The Snows of Kilimanjaro" (with Ava Gardner), "Fedora". She was the first and only German to have a successful Broadway show ("Silk Stockings" written by Cole Porter). She was sometimes compared to that other great German actress, Marlene Dietrich, in that they both were, or portrayed as, the liberated, self-confident woman. Hildegard Knef was one of the most important actresses of post-war Germany. In the 1960's and 1970's she enjoyed much success as a singer of German chansons, which she often co-wrote. She has published several books. Her autobiography became the best selling German book after World War II. Ella Fitzgerald described Hildegard Knef as "the best singer without voice".
Enjoy Hildegard's style and beauty!

Hildegard Knef. Meckie Messer 1963 [3:22]

Hochgeladen am 02.11.2009
Hildegard Knef. Meckie Messer 1963

Hildegard Knef - Für mich soll's rote Rosen regnen 1968 [1:58]

Hochgeladen am 27.09.2010
Hildegard Knef - Für mich soll's rote Rosen regnen 1968

Mit sechzehn sagte ich still, ich will,
will groß sein, will siegen,
will froh sein, nie lügen,
mit sechzehn sagte ich still, ich will,
will alles, oder nichts.

Für mich soll's rote Rosen regnen,
mir sollten sämtliche Wunder begegnen.
Die Welt sollte sich umgestalten,
und ihre Sorgen für sich behalten.

Und heute sage ich still,
ich soll mich fügen, begnügen,
ich kann mich nicht fügen,
kann mich nicht begnügen,
will immer noch siegen,
will alles, oder nichts.

Für mich soll's rote Rosen regnen,
mir sollten ganz neue Wunder begegnen.
Mich fern vom alten neu entfalten,
von dem was erwartet, das meiste halten.

Hildegard Knef & Extrabreit - Für mich soll's rote Rosen regnen 1993 [4:22]

Hochgeladen am 06.02.2012
Hildegard Knef & Extrabreit - Für mich soll's rote Rosen regnen 1993
(Original von 1968)

- Hildegard Knef ist tot: Deutschlands letzte Diva (SPIEGEL Online, 01.02.2002)
Sie war ein skeptischer Star mit vielen Begabungen. Hildegard Knef schrieb Filmgeschichte, verfasste Buch-Bestseller und stand lange für das, was es nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich gar nicht mehr gab: das deutsche Chanson. Deutschlands letzte Diva starb im Alter von 76 Jahren in Berlin.

- Nachruf auf Hildegard Knef (der Freitag, 08.02.2002)
Nachruf Im Alter von 76 Jahren ist die Schauspielerin, Sängerin und Autorin Hildegard Knef vergangene Woche in Berlin gestorben

- DEUTSCHLANDMUTTER – Zum Tode von Hildegard Knef (ZEIT, 07.02.2002, gefunden bei Schlingensief)
Deutschlandmutter Hildegard Knef - je heimatloser sie wurde, desto intensiver war sie bei sich

- Hildegard Knef – 10-jähriger Todestag: Fans Gedenken "der Knef" (FR Online, 01.02.2012)
An diesem Mittwoch vor zehn Jahren ist Hildegard Knef gestorben. Es sind die Fans, die an den Jahrestag erinnern – ein öffentliches Gedenken gibt es nicht.

zuletzt aktualisiert am 19.09.2014

ATOMKRAFT-Aktion in Schweden – Operation Stresstest



Damit hatten die bei den Greenpeace-Aktivisten Rasmus und Atte nicht gerechnet: Ganze 38 Stunden lang blieben sie auf dem Gelände des schwedischen Atomkraftwerks (AKW) Forsmark unentdeckt – ausgerechnet unter dem Dach jener Schaltstation, die 2006 durch einen Kurzschluss beinahe einen GAU ausgelöst hätte. »Nicht einmal die Suchhunde haben uns gefunden«, erzählen sie. Während sie im AKW Forsmark fast zwei Tage lang ausharrten, drehten andere Greenpeace-Aktivisten auf dem Gelände des AKW Ringhals mit Fahrrädern ungestört ihre Runden. Insgesamt beteiligten sich im Oktober mehr als 70 UmweltschÜtzer an diesem friedlichen »Stresstest«, mit dem sie die Sicherheit der Risiko AKW testen wollten. Die Nacht im AKW Forsmark verbrachten Rasmus und Atte zunächst mit Lesen. »Nachdem uns klar wurde, dass die Polizei uns nicht findet, haben wir in den letzten Stunden Live-Interviews per Handy gegeben«, sagen sie. Während eines Intervievvs mit einem schwedischen Fernsehsender stellten sie sich schließlich der Polizei. »Das war ziemlich verrückt«, fassen sie ihre Erlebnisse zusammen. Zu diesem Zeitpunkt waren alle anderen Aktivisten bereits festgenommen worden – unter ihnen auch mehrere Deutsche. 
Mit einfachen Leitern gelangen
über 70 Greenpeace-Aktivisten
auf die Gelände der AKW Forsmark und Ringhals
Die Aktion hat gezeigt, wie einfach es immer noch ist, auf das Gelände eines AKW zu gelangen. Und die schwedischen Meiler weisen laut dem Greenpeace-Report »Risky Reactors« noch weitere schwere Sicherheitsmängel auf: So kam es sowohl in Forsmark als auch in Ringhals bereits wiederholt zu Stärfällen. Greenpeace forden, dass die unsicheren sclnvedischen AKW so lange vom Netz gehen, bis alle Sichcrheitslücken geschlossen sind. Zudem soll die Regierung schrittweise alle Reaktoren abschalten und stärker in Erneuerbare Energien investieren. ln Schweden sind derzeit an drei Standorten insgesamt zehn Reaktoren in Betrieb. Sie sollten eigentlich bis 2010 stillgelegt werden. Das Parlament billigte jedoch im selben Jahr den Bau neuer Atomkrafwerke als Ersatz für stillgelegte.
Greenpeace Nachrichten 01/2013 


Markus Mauthe photographiert für Greenpeace


Himmel über dem Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien
Goldkopflöwenäffchen im brasilianischen Regenwald

Ara
Pacús im Rio da Prata (Silberfluß, in Rio Grande do Sul)

Kalkformationen in der Weißen Wüste in Ägypten

Eisberge im Polarmeer vor Spitzbergen


Donnerstag, 17. Januar 2013

Muhammed Ali wird heute 71 Jahre alt

Muhammed Ali bei Planet Wissen
Eine Würdigung bei SPIEGEL Online

Es gibt Sportler, die bewegen sich so, daß man denkt: »Besser geht’s nicht.« Zu diesen zähle ich vor allem Armin Hary, Muhammad Ali und Zinedine Zidane.
Boxkämpfe sah ich mir in meiner Jugend nicht an, ich fand sie einfach zu brutal und zu stupide, dieses dumpfbackene Aufeinandereingeprügele…
Aber mit Muhammad Ali änderte sich das: Wie er als Schwergewichtler durch den Ring tänzelte, das war einfach ein Traum.
An einen Spruch aus dem autobiographischen Film mit Will Smith in der Hauptrolle kann ich mich noch erinnern.
Vor dem Kampf gegen Henry Cooper erinnert sein Trainer Muhammad Ali (der sich damals noch Cassius Clay nannte), er dürfe seinen Gegner nicht unterschätzen und müsse immer in Bewegung bleiben. Sein Schützling antwortet: »Ich werde ihn derart mit schnellen Hieben eindecken, daß er glaubt, er ist umzingelt.«









Entwicklung der Weltbevölkerung


Zeitenwende
300 Millionen
um 1000
310 Millionen
um 1500
500 Millionen
1804
1 Milliarde
1900
1,6 Milliarden
1927
2 Milliarden
1974
4 Milliarden
2011
7 Milliarden


Adam und Eva hoch n 

 »Seid fruchtbar und mehret euch«, lautet der göttliche Rat im 1. Buch Mose des Alten Testaments. Heute dreht sich die Diskussion eher um die Frage, wann die »Tragfähigkeit der Erde« erschöpft ist. Die Prognosen liegen in der Regel bei einer Bevölkerungszahl von 15 Mrd. Sieht man sich die historische Entwicklung der Weltbevölkerung in den letzten zwei Jahrtausenden an, so gibt weniger die aktuelle Gesamtzahl als vielmehr das extrem starke Wachstum seit Beginn des 20. Jahrhunderts Anlass zur Sorge. Während sich die Zahl der Menschen in den 17 Jahrhunderten zwischen der Zeitenwende und 1800 nur gut verdreifachte, hat sie sich in den letzten beiden Jahrhunderten mehr als versechsfacht. Die meisten Prognosen für 2050 erwarten etwa 10 Mrd. Erdenbürger. Die Sorge hinsichtlich der »Übervölkerung« des Planeten ist noch jüngeren Datums, bis ins 19. Jahrhundert war eher der Mangel an Menschen das Problem. Hohe Bevölkerungszahlen standen für Wohlstand. 
Entwicklung der Weltbevölkerung in den letzten Jahrzehnten [Quelle: leifiphysik]

 Die angegebenen Zahlen bis ins 20. Jahrhundert beruhen auf Schätzungen. Ihnen liegt allerdings eine intensive internationale Forschung zugrunde, sodass sie als gut gesichert gelten.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Mittwoch, 16. Januar 2013

Haltungsfehler und ihre Beseitigung

auf Muscle-Corps.de

ausführliche Texte, viele Videos, alle Achtung!

Vor 823 Jahren – 1190/98: Gründung des Deutschen Ordens

Ritter mit schwarzem Kreuz auf weißem Mantel 

 Der Kreuzzugsgedanke bewegte im 12. Jahrhundert das Abendland. Im Nahen Osten, im Raum zwischen Antiochia und Jerusalem, entstanden im Kampf um die heiligen Stätten vier christliche Kreuzfahrerstaaten, die sich militärisch auf Ritterorden der Heimatländer stützten. Als gegen Ende des Jahrhunderts Sultan Saladin die Kreuzfahrerstaaten immer stärker in Bedrängnis brachte und Jerusalem in die Hände der Muslime fiel, entstand auch ein deutscher Ritterorden. 
Minnesänger in der Tracht der Ritter
des Deutschen Ordens,
Miniatur aus dem Codex Manesse, 14. Jh.

 Sein Ursprung liegt der Überlieferung nach in einem Feldhospital, das Bremer und Lübecker Kaufleute 1190 vor den Toren des belagerten Akkon einrichteten, um verwundeten Landsleuten beizustehen. Nach der christlichen Eroberung der Stadt wandelten deutsche Fürsten 1198 die mildtätige Bruderschaft in einen Ritterorden um, der später als Deutscher Orden Geschichte schrieb. Dieser geistliche, 1191 von Papst Clemens III. anerkannte Ritterorden nahm eine starke militärische und politische Ausprägung an. In der Folgezeit war er vor allem im europäischen Nordosten aktiv und betrieb erfolgreich die Christianisierung und Kultivierung des Landes in Preußen und Litauen

Hochmeister 
höchstes Amt des Deutschen Ordens 
 erster Hochmeister war Heinrich Walpot 
 Sitz zunächst in Akkon, seit 1309 auf der Marienburg südlich von Danzig, schließlich in Königsberg 
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 





Dienstag, 15. Januar 2013

Ohne Angst leben


 Christen könnten die weit verbreitete politische Lähmung und die Angst vieler Menschen vor dem Sterben überwinden helfen. Doch die Kirchen flüchten in eine abstrakte Glaubensverkündigung
Beachtung fand auf der »Konziliaren Versammlung« reformorientierter Gruppen und Initiativen, die im Oktober in Frankfurt stattfand (Publik-Forum 20/2012), ein Vortrag des Journalisten Michael Jäger. »Ohne Angst leben« lautete sein Titel. Jäger war früher Atheist und fand über eine kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum zum Glauben. Der nachfolgende Text ist eine stark gekürzte und redaktionell überarbeitete Fassung dieses Vortrags. Jäger arbeitet als Redakteur bei der Wochenzeitung »Der Freitag«.

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Von Michael Jäger

Sehr viele Menschen sind nicht einverstanden mit den vielen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und der Unsinnigkeit unserer ökonomischen Ordnung. Doch sie rühren sich nicht. Sie sind gelähmt. Aber lesen wir von solcher Lähmung nicht schon im Neuen Testament? Da kommt dann einer und sagt: »Steh auf und wandle!«
Wäre es also nicht gerade Aufgabe der Kirchen, ein entschiedenes Wort gegen die Lähmung zu sagen? Die Menschen brauchen den Glauben, aufstehen zu können, haben ihn aber nicht. Eine erneuerte Kirche würde sich in die Demonstrationen derer einreihen, die den Kampf um eine bessere Welt bereits aufgenommen haben. In Ansätzen geschieht das. Eine erneuerte Kirche würde sich aber auch derer annehmen, die nicht zum Kämpfen gelangen, weil sie gelähmt sind. Denn wer sonst sollte das tun können? Wer außer den Christen wüsste aus der Bibel, dass möglicherweise Schuldbewusstsein und daraus resultierende Todesangst die Lähmung bewirkt haben könnten?
Die Verantwortlichen in den Kirchen haben oft eine eigene Art, Themen wie Schuldbewusstsein und Todesangst, Vergebung der Schuld und Befreiung zum Leben zu behandeln: Man privatisiert sie, enthistorisiert sie, entsozialisiert sie, entgeschlechtlicht sie. Man verwandelt sie in lauter Abstraktionen. Nicht selten wird dann eine private, ahistorische »Seelsorge« ausgespielt gegen die Notwendigkeit des Kampfes für eine bessere Welt, für einen Vorschein des »Reiches Gottes«.
Papst Benedikt XVI. hat aus Anlass des fünfzigsten Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils ein »Jahr des Glaubens« ausgerufen. Aufgabe der Kirche sei es, so der Papst, »die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle«. So weit, so gut. Doch dann fährt der Papst fort: Nicht selten geschehe es, dass die Christen sich »mehr um die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen ihres Einsatzes kümmern«.
Aus der Wüste herausführen – welch ein großartiges Bild! Es passt zu unserer Situation in den reichen Ländern, wo uns, bevor wir zu kämpfen begannen, doch nicht das tägliche Brot gefehlt hat! Nein, wir spürten eine innere Leere, die gerade das war, was uns gelähmt sein ließ – bevor wir herausgeführt wurden zur Freundschaft mit dem »Sohn Gottes«, unserem Vorbild, »des Glaubens Führer«, wie es im Hebräerbrief heißt, der das Kreuz auf sich nahm im Widerstand gegen die Händler im Tempel.
Wie kann man diesem Vorbild anders folgen als im sozialen, kulturellen und politischen Einsatz? Muss man nicht gerade sagen, dass es der Glaube ist, der zum Einsatz befreit, indem er die Lähmung besiegt, sodass wir die Wüste verlassen können?

Tortur und Sterben. Der Philosoph Theodor W Adorno kann 1965, in seiner »Metaphysik-Vorlesung«, den Zusammenhang deutlich machen zwischen dem physischen Leid in den armen Ländern und der Verwüstung der Seelen in den reichen Ländern; zwischen dem mehr oder weniger verdrängten Schuldbewusstsein von uns Reichen und der Lähmung und der Todesangst, die uns befallen, wenn wir nicht, wie Adorno sagt, »Widerstand« leisten. 
Der Philosoph spricht von einer »Welt der Tortur, die weitergeht nach Auschwitz …« Seine verallgemeinernde Charakterisierung der Zeit ist die »Tortur als Dauerinstitution«. Beispiele dafür finden sich vor allem in den armen Ländern: Hunger, Ausbeutung, Diktaturen ... Indem Adorno sich aber ebenso in den reichen Ländern umsieht, hebt er auch deren Charakteristikum hervor: Es ist die Unerträglichkeit des privaten Sterbens. Damit sind wir beim Thema »Seelsorge«.
»Wer stirbt«, sagt Adorno, »der merkt, dass er um alles betrogen ward. Und darum ist der Tod so unerträglich.« Wir meinen heute vielleicht, das sei übertrieben. Wahr ist, dass wir viel weniger betrogen sind als Menschen in anderen Weltteilen. Doch warum? Weil wir, ob wir wollen oder nicht, mitschuldig sind an der Armut und Tortur in anderen Weltteilen. Es ist gerade dieser »Schuldzusammenhang«, der für Adorno die Überleitung macht zwischen dem objektiven und dem subjektiven Charakteristikum der Zeit: zwischen der Welt der Tortur und der Unerträglichkeit des privaten Sterbens. Die Schuld der Menschen hierzulande liege darin, sagt Adorno, »dass man zu wenig widersteht«. Solche Schuld laste auf dem Sterben. Und ist nicht auch der ökonomische Wachstumszwang die permanente Flucht vor der Endlichkeit?
Liegt hier nicht ein Schlüssel, um die Lähmung der breiten Bevölkerung zu begreifen? Menschen, die auch nur die leiseste Ahnung ihrer Verstrickung in diesen Schuldzusammenhang haben – aus welchem Antrieb heraus sollten sie sich zur Lebendigkeit befreien können und damit zum Widerstand? Nein, ihr Leben wird stocken, umso mehr, als es auf das Nichts hinauszulaufen scheint. Sie sehen nur, dass »nach uns die Sintflut« kommt, ja dass sie schon da ist und man sein Leben damit verbringt, das Ansteigen des Wasserspiegels zu beobachten – man tut das übrigens auch ganz buchstäblich. Man kann regelrecht die Stimme Mephistos aus Goethes »Faust« hören: der Tod ein »reines Nichts«, vorher, infolgedessen, ein Leben »so gut, als wär es nicht gewesen«. Oder um mit Adorno zu sprechen: Es sei, als ob die Menschen »am Tod [ ] erfahren würden[,] dass sie immer schon Tote waren«.

Mit dem Tod ist nicht alles aus. Müsste es eine »seelsorgerische« Kirche hier nicht drängen, die Frohe Botschaft zu verkünden? Sie liegt laut dem Hebräerbrief darin, dass es Jesus Christus darum ging, »alle die freizubekommen, die durch Todesfurcht während des ganzen Lebens der Knechtschaft verhaftet waren«.
Was aber tut die Kirche? Spricht sie von der Weltarmut und -tortur, um zum Beispiel uns Deutsche, die davon nicht betroffen sind, auf diese Kehrseite hinzuweisen, von der wir dann eben doch betroffen sind, in der Weise einer gewissen Unerträglichkeit unseres Sterbens und Lebens? In der Todesangst, die sehr berechtigt ist, aber nicht sein müsste, weil wir, das Kreuz auf uns nehmend, Widerstand leisten könnten? Doch die Kirche spielt gegen die Anklage der Weltarmut und -tortur ihre seelsorgerische Tätigkeit aus. So als folge diese Anklage »trügerischen Prinzipien«, wie Benedikt XVI. es der »Theologie der Befreiung« vorwirft. Weniger trügerisch soll es wohl sein, wenn man die Menschen auf ihre abstrakte Privatheit reduziert und zurückwirft
Was nun zeichnet den Widerstand der Christen aus? Was müsste und könnte ihn auszeichnen?
Erstens: das Wort vom Kreuz. Wenn es wirklich die bessere Welt ist, für die Christen kämpfen, das Reich Gottes, dann brauchen Christen die Niederlage in diesem Kampf nicht zu scheuen, denn sie ist in den Sieg verschlungen. Der Kampf geht weiter, nach der Niederlage, sogar nach dem Leben. Weil Christen das wissen, sind sie nicht gelähmt.
Zweitens: Christen leisten Widerstand und treffen auf Feinde. Feinde sind Menschen, die man auch als Feinde behandelt. Sonst hätte der Satz »Liebt eure Feinde« überhaupt keinen Sinn. Diese Aufforderung bedeutet nicht einfach dasselbe wie »Liebe deine Geliebte«. Seine Bedeutung ist die, dass zur Behandlung der Feinde zwar selbstverständlich und auch für Christen gehört, dass man sie zu besiegen versucht – ohne die Niederlage zu scheuen –, dass es aber darüber hinaus auch dazugehört, dass man sie liebt.
Drittens: Was heißt es, die Feinde zu besiegen und zugleich zu lieben? Es heißt, sie so zu besiegen, dass sie hinterher, ja schon während des Kampfes, die Möglichkeit haben, ihre Feindschaft zu revidieren. Die Feinde müssen zur Freundschaft mit der christlichen Sache und mit den Christen selbst übergehen können. Nicht, dass Christen den Kampf aufs Spiel setzen, damit die Feinde zu falschen Freunden werden; gerade das wäre keine Haltung der Liebe ihnen gegenüber. Aber wenn Christen wissen, dass den Feinden die Möglichkeit bleiben muss, sich zu ändern, dann hält es sie davon ab, das Unrecht, das die Feinde in die Welt setzen, durch eigenes Unrecht an ihnen noch zu vervielfachen. Die Geschichte der Revolutionen ist voll von solch reagierendem Unrecht.
Ganz von selbst taucht in diesem Kontext die Frage des Todes auf. »Nach dem Leben ist nicht alles aus«, sagen Christen. Wenn es nicht so wäre, wenn die Geschichte nicht weiterginge, nachdem der Beitrag unseres Lebens zu ihr vielleicht nur darin besteht, dass wir Niederlagen erleiden, dann wären auch wir gelähmt. Dann würden wir die Kraft zum Widerstand nicht haben, und auch uns würde das Schuldbewusstsein ängstigen bis hin zur Todesangst.
Viele werfen der Kirche vor – und wohl nicht immer zu Unrecht –, sie wolle die Todesangst dadurch besiegen, dass sie ein besseres Weiterleben nach dem Tod beschwöre, worauf man während eines Lebens ohne Widerstand immer schon die Hoffnung richten könne. Wenn dieses Missverständnis aufkommt, werden die Christen es berichtigen müssen. Sie werden sagen können, was der große Theologe Karl Rahner so formuliert hat: »Wer einmal eine sittlich gute Entscheidung auf Leben und Tod getroffen hat, radikal und unversüßt, sodass daraus absolut nichts für ihn herausspringt als die angenommene Güte dieser Entscheidung selbst, der hat darin schon jene Ewigkeit erfahren, die wir hier meinen« – und die durchaus nicht, fährt Rahner fort, »als ein zeitliches Weiterdauern ›hinter‹ unserem Leben sich hinzieht«.
Wüssten die Menschen darum, sie würden es satt haben, wie Tote zu leben. Sie würden aufstehen. –


Publik-Forum 2012 Nr. 22

Rezensionen zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen:

- Darf auch ruhig mal schiefgehen (Rezension in der FAZ, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)
- Blicke auf das grauenhafte Sein der Welt (Rezension in der taz, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)
- Die Trümmerfrau der Kultur (Rezension in der BZ, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)
-  Transzendenz und Kapitalismus (Rezension in der ZEIT, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)