Mittwoch, 28. September 2016

Lachen ist gesund! – die Elfte (auch, oder gerade in der Hypnotherapie)

Interkulturell - Multikulti - Transkulturell

Witze sind ein probates Mittel, um Spannungen und Unterschiede zwischen Kulturen zu thematisieren. Als in Freiburg geborener Badener lebe ich jetzt seit 30 Jahren im Schwabenland. In Tübingen gibt es die berühmten Googenwitze. Googen sind schwäbische Weinbauern. Diese Witze gründen in den Spannungen zwischen der einfachen Bevölkerung und den "eingewanderten" Professoren nach der Gründung einer Universität in Tübingen. Hier ein typischer Witz, der die raue Herzlichkeit der Schwaben symbolisiert:

Ein hoch vergeistigter Professor übersieht in seinem dissoziierten Zustand die Sperrschilder im Weinberg kurz vor der Weinlese - negative Halluzination. Einer der Googen reorientiert und konfrontiert ihn heftig und lautstark: "Mensch, schleich' Dich aus meinem Wengert {Weingarten], sonst schlag' ich Dir die Beine ab, dann kannst Du auf den Stompe' heimhumple un' ich häng' Dir Dei Kreuz aus, dann hasch da Arsch im Gnick«“ (ich habe es etwas verhochdeutscht). Der Professor ist ganz betroffen: "Entschuldigung, Entschuldigung, ich hab das Schild nicht gesehen". Der Goog erwidert: "Deswegen sagt man es ja auch im Guten".

Der badische Humor ist anders.
Typisches Beispiel:

Vor einigen Jahren erklärte ich meinem Onkel, wie oft ich unterwegs bin, Workshops halte und auf internationalen Konferenzen bin. Er schaute mich und meine Frau an und meinte, "Ha, Du schonst Dei Frau".
 Was ist der Unterschied zwischen einer Französin, einer Italienerin und Schwäbin nach der ersten heißen Liebesnacht? Die Französin sagt: „Oh, war das schön!“. Die Italienerin sagt zu ihrem Liebhaber: "Dh, warst Du gut!". Die Schwäbin schaut sich im Zimmer um und sagt: „Oh, gehöret die Mebel alle Ihnen?".

Nun kommen wir zur wichtigen Frage, ob Ungarinnen nochmal eine andere Sexualität haben? Vor vielen Jahren war ich zu einem Workshop nach Budapest eingeladen. Im Auto saßen meine Übersetzerin und zwei weitere unqarisehe Kolleginnen. Sie wollten wissen, ob ich einen neuen Witz kenne. Kaum hatte ich angefangen zu erzählen, war mir klar, dass dieser Witz keinen Sinn macht, weil er mit Sicherheit auf einem unübersetzbaren Wortspiel beruhte. Zumindest für meine Übersetzerin erzählte ich den Witz trotzdem zu Ende. Vorausschicken muss ich etwas, was man mir auch erst vorab erklären musste. Wenn jemand in den USA überrascht ist, sagt er unter Umständen, „Holy Mackerel!“ [„Heilige Makrele!"]. Der Witz geht so:

Ein Lehrer nimmt in den USA im Geschichtsunterricht die Schlacht am Little Big Horn durch. Er erzählt, wie General Custer die Schlacht gegen die Indianer verlor. Anschließend soll die Klasse mit den 14-jährigen Jungen dieses qeschichtliche Ereignis künstlerisch umsetzen. Die Jungen malen Bilder mit General Custer auf dem Pferd, Indianer mit Pfeil und Bogen oder General Custer von Indianerpfeilen durchbohrt. Ein Junge malt ein merkwürdiges Bild. In der oberen Bildhälfte schwebt ein großer Fisch, darüber ein Heiligenschein und darunter eine Menge Indianer, die miteinander kopulieren. Der Lehrer ist erschüttert, „Das ist eine ganz große Schweinerei! Pornographie! Ich werde Deine Eltern in die Schule einbestellen müssen. Das hat nichts mit General Custer und nichts mit der amerikanischen Geschichte zu tun!" Der Schüler unterbricht den Lehrer und meint: „Aber das hat natürlich mit General Custer zu tun! General Custer sagte damals, „Holy Mackerel, this fucking Indians are coming and coming!".

Nun, es war mir klar, dass sich das niemals ins Ungarische übersetzen lassen wird. Zu meiner Überraschung legte die Übersetzerin aber sofort nach Ende des Witzes los. Kurz darauf lachten alle Frauen. Ich fragte verwirrt: "Habt Ihr wirklich im Ungarischen dieselbe Doppelbedeutung des Wortes „kommen“; einerseits „viele Indianer kommen“ und andererseits „kommen“ als metaphorische Umschreibung für Orgasmus?“. Die Übersetzerin meinte: „Nicht mit dem Wort „kommen“, aber dem Wort „gehen“, und damit konnte ich den Witz übersetzen“. Wir hatten dann eine längere Diskussion, welche sexuelle Philosophie eine Kultur hat, bei dem es einem „kommt“ und welche, bei denen etwas „geht“. Aber natürlich geht es nicht immer mit dem Kommen.

Es ist manchmal wirklich interessant, mit welch kurzen Witzen sich kulturelle Unterschiede charakterisieren lassen.

Ein Luxusdampfer verunglückt, die Rettungsboote reichen nicht. Jeder bekommt eine Schwimmweste und soll springen, aber keiner traut sich. Die Crew ist verzweifelt. Schließlich wird der Kapitän gerufen. Dieser geht zu den Leuten, die ängstlich an der Reeling stehen und spricht mit ihnen. Einer nach dem anderen springt ins Wasser. Als alle Passagiere von Bord sind, fragt der I. Offizier den Kapitän, wie er die Leute denn überreden konnte. „Na, ganz einfach“, meint dieser. „Zu den Deutschen habe ich gesagt, es ist ein Befehl. Zu den Franzosen, es wäre patriotisch. Den Japanern habe ich versprochen, dass Springen gut für die Potenz wäre. Und den Italienern habe ich gesagt, springen sei verboten.“


(Bernhard, Trenkle, M.E.G.A.Phon, Newsletter der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose, 09/2016)
»Jeder Mensch ist ein Individuum. Die Psychotherapie sollte deshalb so definiert werden, dass sie der Einzigartigkeit der Bedürfnisse eines Individuums gerecht wird, statt den Menschen so zurechtzustutzen, dass er in das Prokrustesbett einer hypothetischen Theorie vom menschlichen Verhalten passt.« 
Erickson 1979 

Sonntag, 25. September 2016

Syrien: Die US-Blame-Game-Strategie knirscht

Das Blame-Game um den Angriff auf den UN-Hilfskonvoi führt vor, dass die US-Regierung in den Panik-Modus geraten ist
Die US-Regierung verfällt in Syrien in einen Panikmodus. Der Grund dafür ist weniger im Verhalten Russlands zu suchen als im Verhalten der Opposition. Zu beobachten war der Panikmodus beim gestrigen Auftritt des US-Außenministers Kerry vor dem Sicherheitsrat. Dort ging es um die Krise in Syrien und Kerry verlor seine Contenance.

Es war ein hitziger, hemdsärmeliger Auftritt, bei dem er die Mitglieder des Sicherheitsrates mit "folks" ansprach. Das sollte bedeuten: genug der Formalitäten und der damit verbundenen Rücksichten, hier kommt Klartext. Kerry sagte (hier im vollständigen Wortlaut), er habe das Gefühl, dass sein russischer Kollege Lawrow, einschließlich dessen Umgebung, "in einer Art Paralleluniversum leben", was Syrien angeht.

Kerry: Wir brauchen ein Flugverbot für die syrische Luftwaffe
Er begründete dies in erster Linie damit, dass Lawrow gesagt habe, man solle ohne Vorbedingungen reden. Und in zweiter Linie mit dem Vorwurf, dass die russische Regierung die Wahrheit verdrehe und getroffene Abmachungen vereitle. Als weitere Spoiler des Prozesses zur Eindämmung der Kriegshandlungen nannte Kerry im Lauf seiner Ausführungen die syrische Regierung, wie auch die Opposition und - in Andeutungen - ungenannte Proxystaaten. Das ist wichtig.

Denn es gibt eine Vorbedingung jeglicher Gespräche über einen Friedens-oder Transformationsprozess in Syrien, von welcher der öffentliche und strategische Erfolg dieser US-Regierung abhängt. Es ist die Einrichtung von Zonen, in denen die syrische Armee keine Luftangriffe fliegen darf. Die Einrichtung einer Art No-Fly-Zone war schon in den ersten Konzepten, die bekannt wurden, zentral (vgl. Putin und Kerry: Keine Einigung über Vorgehen gegen al-Nusra).

Wie wichtig dies ist, untermauerte Kerry gestern erneut an mehreren Stellen seiner Rede, sehr deutlich, drängend und hemdsärmelig:

»So we need to get to the prohibition on flying, my friends.«

Das ist das Gravitationszentrum der Rhetorik Kerrys. Darum kreisen seine Vorwürfe gegen die syrische Regierung und Russlands Militäreinsatz auf verschiedenen Ebenen. Sie werden allesamt von breiter Medienbegleitung unterstützt, so kann man sie anhand von Medienschlagworten aufzählen: der Fassbombenvorwurf (Barrel Bombs), der Vorwurf der Bomben auf Krankenhäuser und der Vorwurf der Bomben auf den UN-Hilfskonvoi.

mehr:
- Syrien: USA unter Beweisdruck (Thomas Pany, Telepolis, 22.09.2016)

Secretary Kerry Delivers Remarks at a United Nations Security Council on Iraq [13:02]

Veröffentlicht am 19.09.2014
U.S. Secretary of State John Kerry delivers remarks at a ministerial debate of the United Nations Security Council on Iraq in New York, NY on September 19, 2014. A transcript is available at http://www.state.gov/secretary/remark....

Paul Craig Roberts "Russia Didn't Attack The UN Aid Convoy, It's A False Flag"! [33:38]

Veröffentlicht am 21.09.2016
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{Outro Track}
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Freitag, 9. September 2016

9/11 Verdächtige: General Ralph Eberhart

9/11 Suspects: General Ralph Eberhart {8:17}

corbettreport
Am 09.09.2016 veröffentlicht 
TRANSCRIPT AND SOURCES: https://www.corbettreport.com/?p=19707
The official story of 9/11 is a lie. But Eberhart's story is a lie within that lie, designed to absolve himself and other members of the US military charged with defending American airspace that morning from the most catastrophic failure in that mission in their history. And not only did Eberhart survive with his career intact, he was praised as a "9/11 hero" and moved into the private sector after leaving NORAD in 2004, as chairman and board member of a number of companies that directly benefited from the post-9/11 police state and the post-9/11 war on terror.
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Donnerstag, 8. September 2016

9/11 Verdächtige: Robert Baer

9/11 Suspects: Robert Baer {6:32}

corbettreport
Am 08.09.2016 veröffentlicht 
https://www.corbettreport.com/?p=19507
Given the exceptionally grave nature of this admission and its repercussions, one would suppose that Baer has been questioned by other media and/or the FBI and made to discuss in detail precisely who it was who cashed out and how he knew about the 9/11 plot in advance. But one would be wrong. Since making this stunning admission to the cameras of We Are Change Los Angeles, no one has ever asked Baer for more information about the case.
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Mittwoch, 7. September 2016

9/11 Verdächtige: Philip Zelikow

9/11 Suspects: Philip Zelikow {15:42}

corbettreport
Am 07.09.2016 veröffentlicht 
TRANSCRIPT AND SOURCES: https://www.corbettreport.com/?p=19549
In January of 2003, just weeks after Kissinger stepped down, it was quietly announced that Philip D. Zelikow would take on the role of executive director. As executive director, Zelikow picked "the areas of investigation, the briefing materials, the topics for hearings, the witnesses, and the lines of questioning for witnesses." In effect, this was the man in charge of running the investigation itself.
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Elmar Brok – Vorkämpfer der Demokratie?

Nach dem fehlgeschlagenen Putsch türkischer Militärs im Juli 2016 tauchten wieder einmal Statements eines möglicherweise nicht so bekannten Politikers aus der zweiten Reihe in großen deutschen Medien auf. Seine Plädoyer’s für Demokratie halte ich für – verlogen.

Elmar Heinrich Brok sieht sich als Aktivist, als Vorkämpfer für Demokratie und Menschenrechte. Brok ist ein deutscher CDU-Politiker und vertritt die Europäische Volkspartei im EU-Parlament. Sein demokratisches Engegement scheint sich in der Mitgliedschaft vielfältiger Organisationen wider zu spiegeln. [1] Wieso jedoch machte ein deutscher Politiker Politik in einem fremden Land, der Ukraine? Also ich würde das als unverhohlene Einmischung betrachten. Elmar Brok wird von den großen deutschen Medien gern und reichlich hofiert, kommentiert und interviewt; insb. von den Blättern aus dem Hause Springer und der FAZ [2]. Damit trägt Elmar Brok, obwohl nach außen eher unbekannt, stark zur Meinungsbildung hierzulande bei.

mehr:
- Elmar Brok – Vorkämpfer der Demokratie? (Peter Frey, Peds Ansichten, 07.09.2016)

mein Kommentar:
Zur Türkei fällt mir doch gleich ein Wikipedia-Artikel ein:

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Der Begriff Tiefer Staat (türkisch: derin devlet) wird in der Türkei in der Bedeutung von Staat im Staate verwendet. Er deutet auf eine im Verlauf mehrerer Jahrzehnte gewachsene konspirative Verflechtung von Militär, Geheimdiensten, Politik, Justiz, Verwaltung, Rechtsextremismus und organisiertem Verbrechen (insbesondere Killerkommandos) hin. Die Diskussion entfachte sich besonders um den sogenannten Susurluk-Skandal im Jahre 1996, wurde aber schon in den 1970er Jahren mit Begriffen wie Kontra-Guerilla oder Özel Harp Dairesi (Amt für besondere Kriegsführung) geführt. In den letzten Jahren wurde in diesem Zusammenhang auch der offiziell inexistente Geheimdienst der Gendarmerie mit seiner Abkürzung JİTEM genannt.
In der Türkei wird weithin davon ausgegangen, dass der Tiefe Staat im Geheimen bis heute eine signifikante Rolle in der türkischen Politik spielt und in der jüngeren Geschichte häufig massiven Einfluss genommen hat. Dabei werden unter anderem die beiden Militärputsche von 1971 und 1980 sowie eine größere Zahl von unaufgeklärten politischen MordenFolterMenschenrechtsverletzungen, zahlreiche Fälle des gewaltsamen Verschwindenlassens von Menschen und der Verlauf des Konflikts mit der kurdischen PKK in Südostanatolien genannt. Der heutige Stand der Aufklärung des Phänomens, seiner Geschichte und politischen Hintergründe kann jedoch nach wie vor als gering angesehen werden.[Tiefer Staat, Wikipedia, abgerufen am 02.01.2019]

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siehe dazu auch:
Der Tiefe Staat – Mythos oder Wirklichkeit? (Post, 25.08.2018)
Donald Trump und der „Tiefe Staat“ (Post, 21.07.2018)
Dirk Pohlmann: "Der duale Staat – Recht, Macht und Ausnahmezustand" (Post, 16.05.2018)

Elmar Brok, Mitglied des Europaparlaments. Wer ist gefährlicher – Trump oder Putin? {19:44}

OstWest
Am 15.05.2018 veröffentlicht 
Berliner Fenster: Heute Gast bei den “Berliner Fenstern” - Elmar Brok, Mitglied des Europaparlaments, ehemals Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, Präsident der der Union der Europäischen Föderalisten, Vorsitzender des Europäischen Demokratiefonds und einer der führenden Köpfe in den Verhandlungen zwischen der Ukraine und der EU.
Moderator: Moritz Gathmann
Wer ist gefährlicher: Trump oder Putin? Ist Putin ein Diktator? Und Erdogan?
Außerdem - über Fortschritt und Demokratie in der Ukraine und den autoritären Regimen in Russland und der Türkei, über die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Russland und der Ukraine, über die Entwicklung der EU und über die Demokratie in Ungarn und Polen. Und - über die Frage der NATO-Mitgliedschaft der Türkei.
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Elmar Brok/Straßburg zum Ukraine-Konflikt | Journal {3:27}

DW Deutsch
Am 16.04.2014 veröffentlicht 
Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses im Europaparlament zum Umgang mit dem immer verworrenerem Ukraine-Konflikt. Mehr Information: www.dw.de/german

aktualisiert am 02.01.2019

Dienstag, 6. September 2016

"Das Schachbrett des Teufels"

Interview mit dem Allen-Dulles-Biographen David Talbot
Nur wenige Menschen haben den Verlauf der Geschichte im 20. Jahrhundert nachhaltiger beeinflusst als der Wallstreet-Anwalt und CIA-Chef Allen Dulles. Selbst im Ruhestand rangierte der mächtige Strippenzieher im US-Establishment noch über dem Vizepräsidenten. Historiker ziehen es überwiegend vor, das in vielfacher Hinsicht unangenehme Thema auszulassen, obwohl Dulles’ Intrigen zum Verständnis der 40er, 50er und 60er Jahre und dem Geheimdienstwesen der USA unerlässlich sind.

Nun erschien im Westend-Verlag eine deutsche Fassung der beeindruckenden Biographie Das Schachbrett des Teufels - Die CIA, Allen Dulles und der Aufstieg Amerikas heimlicher Regierung, die weder die Verstrickungen des Intriganten mit den Nazis noch dessen zentrale Rolle beim Kennedy-Attentat auslässt. Autor David Talbot ist Gründer der unabhängigen journalistischen Plattform Salon.com und fungierte u.a. als Herausgeber des linksliberalen Magazins "Mother Jones". Talbots gefeierte Biographie "Brothers" (2008) über die Kennedys wurde ein Bestseller. Während er in "Brothers" die Attentate auf die beiden Brüder nur am Rande behandelte, löst Talbot mit seiner Dulles-Biographie überzeugend alle wesentlichen Rätsel des Kennedy-Puzzles.

mehr:
- "Das Schachbrett des Teufels" (Markus Kompa im Gespräch mit David Talbot, Telepolis, 04.09.2016)

David Talbot: The Devil's Chessboard: Allen Dulles, CIA, & Rise of Am. Secret Govt [25:50]

Veröffentlicht am 19.11.2015
David Talbot gave a talk on the topic of his recent book, The Devil's Chessboard: Allen Dulles, the CIA, and the Rise of America's Secret Government, in Los Angeles, California.

Mr. Talbot reveals the history of CIA's heads of states assassinations, overthrow of government, and killing of JFK under the direction of Allen Dulles for the benefit of American Capitalist and ruling class.

This is a MUST read book, which is in the process of being translated in Dutch, French, and Farsi.

If you appreciate the importance of our work, bringing you views you don't hear or see elsewhere, then your financial--and moral--support is a must to sustain this independent journalism outlet.

David Talbot; The Devils Chessboard, Social Justice Week, Project Censored [1:24:47]

Veröffentlicht am 13.04.2016
Second annual Social Justice Week at Sonoma State University (organized by students of the Sociology Club with Peter Phillips and co-sponsored by Project Censored among many other groups) presented many great panels, speakers, and opportunities for dialogue and the growth of activism around many issues. The kickoff keynote was delivered by journalist, historian, David Talbot. Mickey Huff had the honor of introducing David and emceeing the evening. The talk was based on Talbot's latest book, The Devil's Chessboard: Allen Dulles, the CIA, and the Rise of America's Secret Government. He related historical events to present affairs and a lively discussion followed the talk.
Sonoma State University; Social Justice week, The Devils Chessboard, Project Censored.
Please comment like and share. Or buy me a coffee with PayPal @ markpjaramillo@gmail.com

David Talbot on "The Devil's Chessboard" [1:01:45]

Veröffentlicht am 22.11.2015
Combined segments from an interview with JFK researcher and author David Talbot performed by Len Osanic and Jim DiEugenio on Black Op Radio. This version of the interview is somewhat edited and shortened.
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Die kaputte US-Schallplatte: Opfer einer russischen Beeinflussungsoperation

Ein Artikel in der Washington Post mit den üblichen anonymen "Offiziellen" zeigt, wie strategische Kommunikation mit der Hilfe von freien Medien funktioniert
In den USA wird die Angst vor russischen Hackern geschürt oder es herrscht tatsächlich Sorge, dass sie im Auftrag Moskaus in die kommenden Präsidentschaftswahlen eingreifen könnten, um Wahlergebnisse zu manipulieren oder Unruhe zu erzeugen. Hintergrund dürfte auch sein, dass Washington mit seinen zahlreichen Thinktanks oder politischen Stimmungserzeugern gerne in anderen Ländern Politik und Wahlen gerade auch im postsowjetischen Raum zu beeinflussen versucht und die Geheimdienste, wie die Snowden-Leaks zeigten, ihre Griffel gerne überall drin haben. Ob es gewissen Kreisen in den USA darum geht, den Konflikt mit Russland weiter anzuheizen, oder ob nach den Entdeckungen, dass in die Computersysteme des Democratic National Committee (DNC) und in die Wahlsysteme von zwei Bundesstaaten angeblich russische Hacker, die mit den Geheimdiensten verbunden sein sollen, eingedrungen sind, die Angst steigt, lässt sich nicht wirklich ausmachen (USA: Angst vor Manipulation der Wahlcomputer durch Moskau).

Wahrscheinlich fließt beides zusammen, um einen Nebel zu erzeugen, den man ansonsten gerne der russischen Bedrohung durch hybriden Krieg zuschreibt. Unklar ist stets, ob Medien anonym bleibende "Offizielle" gewinnen, die etwas ausplaudern, oder ob diese den Medien etwas durchstecken, um so die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Schon länger wird nach dem Hack in die DNC-Computer und dem Leak der Daten, die für Hillary Clinton nicht günstig waren, über mögliche Manipulationen der Wahlcomputer gesprochen. Clinton selbst beschuldigte russische Hacker, während Donald Trump den von ihm erwarteten Wahlsieg nur durch eine Manipulation der Wahl gefährdet sah.

Das Heimatschutzministerium hat die Wahlcomputer zur "kritischen Infrastruktur" wie die Stromnetze erhoben und angeboten, diese zu prüfen, was wiederum auf Misstrauen bei republikanischen Politikern stieß, die wähnten, dass das noch demokratisch geführte Ministerium damit Zugriff auf die Wahlcomputer erhalten wolle (Das Wahlsystem als "kritische Infrastruktur").

mehr:
- Die USA sollen Opfer einer groß angelegten "russischen Beeinflussungsoperation" sein (Florian Rötzer, Telepolis, 06.09.2016)
siehe auch:
- Aus dem Maschinenraum: Wer kontrolliert die Wahlcomputer? (Constanze Kurz, FAZ, 29.03.2012)
- Die neue Wahlmathematik (Richard Sietmann, c’t, 04.02.2008)
- US-Wahlmaschinen: Defekt, unzuverlässig, manipulierbar (Marc Pitzke, SPON, 23.10.2006)
siehe auch:
- Clinton-Computer: Mit Hammer zerstört und in der Post verschwunden (Peter Mühlbauer, Telepolis, 04.09.2016)
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Donnerstag, 25. August 2016

Ablehnung von Flüchtlingen wächst weltweit

44 Prozent der Deutschen sind nach einer Umfrage für die Schließung der Grenzen, 51 Prozent glauben nicht an eine erfolgreiche Integration


Für die internationale Umfrage in 22 Ländern wurden mehr als 16.000 Menschen (16-65 Jahre) zwischen dem 24.Juni und dem 8. Juli befragt, also noch vor den Terroranschlägen in Nizza und Gaziantep oder den Anschlägen in Ansbach und Würzburg. Einwanderung wird zunehmend negativ beurteilt, die in Deutschland kurzzeitig gefeierte Willkommenskultur schwindet hier wie anderswo. Für 49 Prozent gibt es zu viele Flüchtlinge in ihrem Land, 40 Prozent treten für eine Schließung der Grenzen ein, nur 20 Prozent sehen in der Zuwanderung positive Aspekte, 46 Prozent sagen, dass die Einwanderung ihr Land auf eine unerwünschte Weise verändert. Eine Mehrheit in fast allen Ländern, eine Ausnahme ist nur Japan, sagt, dass die Zuwanderung in den letzten 5 Jahren angestiegen sei, allen voran mit 96 Prozent in der Türkei, in Schweden, Deutschland und Südafrika mit über 90 Prozent der Menschen.
mehr:
- Ablehnung von Flüchtlingen wächst weltweit (Florian Rötzer, 24.08.2016)

Mittwoch, 24. August 2016

Die Sorge, dass es kippt: Die Flüchtlingskrise in den „Tagesthemen“

Am 3. September 2015 wünscht Thomas Roth den Zuschauern keinen guten Abend. „Nein“, sagt er zu Beginn der „Tagesthemen“, „das ist kein guter Abend“. Mit ernster Miene kündigt er an, die Sendung „mit einem der traurigsten Fotos“ zu beginnen, „die man sich so vorstellen kann“: einem Bild des dreijährigen Aylan, wie er bäuchlings tot am Strand des türkischen Badeortes Bodrum liegt.

„Es ist nicht nur ein Foto“, sagt Roth, „es geht hier um einen Menschen, um ein völlig sinnlos erloschenes Leben. (…) Es wird von vielen als Symbol für das Versagen Europas im Umgang mit der Flüchtlingskrise genommen.“

Es ist der Beginn einer außergewöhnlichen Sendung. Sie schildert nicht nur das Sterben des kleinen Jungen und die Reaktionen darauf. Sie zeigt auch ein anderes symbolhaftes Foto: das eines Mannes, der sich aus Protest gegen den Abtransport in ein Aufnahmelager in Ungarn mit seiner Familie auf die Gleise geworfen hat.

mehr:
- Die Sorge, dass es kippt: Die Flüchtlingskrise in den „Tagesthemen“ (Stefan Niggemeier, Über Medien, 24.08.2016)
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Gleichschaltung und das Schriftleitergesetz von 1933

Das Schriftleitergesetz (verabschiedet am 4. Oktober 1933, in Kraft getreten am 1. Januar 1934), war eines der wichtigsten Instrumente zur Gleichschaltung der Presse im nationalsozialistischen Deutschen Reich. In ihm wurden die Erlaubnis zur Ausübung des Berufs und die Aufgaben des Schriftleiters (RedakteursJournalisten) festgeschrieben.
Das Gesetz schuf die rechtliche Grundlage für die Kontrolle der Presseinhalte und regelte die persönlichen und politischen Voraussetzungen, die ein Schriftleiter zu erfüllen hatte, um den Beruf ausüben zu dürfen.
Für die Ausübung des Berufes eines Schriftleiters war die Eintragung in die Berufsliste der Reichspressekammer, einer Abteilung der Reichskulturkammer, bindend. Die Reichskulturkammer unterstand ihrerseits den Weisungen des von Goebbels geführten Propagandaministeriums (RMVP). Zur Aufnahme in die Liste musste eine einjährige Berufsausbildung vorgewiesen werden. Nur nach einem mehrmonatigen Lehrgang mit abschließender Prüfung zum Schriftleiter war dann eine Tätigkeit möglich. Somit besaß jeder Schriftleiter gleichsam einen beamtenähnlichen Status, der von ihm verlangte, loyal zum (nationalsozialistischen) Staat zu sein und deshalb benötigte er, wie alle Beamten während der Zeit des Nationalsozialismus, überdies einen AriernachweisJuden waren auf Grund des notwendigen Ariernachweises grundsätzlich von der Berufsausübung ausgeschlossen, wobei einige Ausnahmen auf das von Hindenburg eingeführte Frontkämpferprivileg zurückgingen.[1] Außerdem musste der Journalist mindestens 21 Jahre alt sein.
Dem Schriftleiter vorgesetzt war der Hauptschriftleiter.[2] Ihm wurde die Verantwortung über die Einhaltung des Gesetzes sowie die Verantwortlichkeit über den Inhalt einer Zeitung zugewiesen. Da andererseits der (Haupt-)schriftleiter den Richtlinien und Weisungen der Reichspressekammer und damit dem dieser vorgesetzten RMVP unterstand, war der Verleger häufig nicht mehr in der Lage, auf den Inhalt der Zeitung Einfluss zu nehmen. Der Verleger konnte den Schriftleiter nicht ohne Erlaubnis der Reichspressekammer kündigen oder einstellen.[3]
 [Schriftleitergesetz, Wikipedia, abgerufen am 24.08.2016]
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siehe auch:
- Zur historischen Orientierung: Das Schriftleitergesetz (Bernd Sösemann, Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V., Datum unbekannt)
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Gleichschaltung ist ein Begriff, der der nationalsozialistischen Terminologie entstammt. Das Wort entstand 1933, als der Prozess der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens in der Machteroberungsphase in Deutschland eingeleitet wurde. Ziel war es, bis 1934 den als Zerrissenheit verstandenen Pluralismus in Staat und Gesellschaft aufzuheben. Praktische Anregungen konnte das NS-Regime in Italien gewinnen. Dort hatte nach seinem erfolgreichen Marsch auf Rom (Oktober 1922) Benito Mussolini die Macht ergriffen und vieles zur Gleichschaltung der italienischen Gesellschaft durchgesetzt.
Mit der Gleichschaltung strebte man an, alle Bereiche von Politik, Gesellschaft und Kultur gemäß den nationalsozialistischen Vorstellungen zu reorganisieren. Dies hatte oftmals die Eingliederung bestehender Organisationen in die NS-Verbände zur Folge. Für Organisationen und Institutionen, deren Existenz nicht infrage gestellt wurde, „bedeutete Gleichschaltung im Wesentlichen dreierlei: Beseitigung demokratischer Strukturen zugunsten des ‚Führerprinzips‘, Implementierung antisemitischer Grundsätze, indem Juden aus leitenden Positionen entfernt oder gänzlich aus der Organisation verstoßen wurden, sowie ein vollständiger oder partieller Führungswechsel zugunsten von Anhängern des neuen Regimes.“[1] Entweder erfolgte die Gleichschaltung auf Anweisung oder in vorauseilendem Gehorsam (sogenannte Selbstgleichschaltung, z. B. Deutscher HochschulverbandDeutscher Richterbund). Andere Verbände und Organisationen reagierten auf den Druck mit der ersatzlosen Selbstauflösung und Beendigung ihrer Tätigkeit. Allgemein betrachtet war damit die Einschränkung oder der Verlust der individuellen Persönlichkeit beziehungsweise der Unabhängigkeit, Mündigkeit und Freiheit eines Menschen durch Regeln und Gesetze sowie sonstige Maßnahmen der Gleichsetzung und Vereinheitlichung der Massen verbunden.
 [Gleichschaltung, Wikipedia, abgerufen am 24.08.2016]
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Die Jahreschronik Des Dritten Reiches 1 4 1933 1935 Gleichschaltung Doku {43:03}

Rickie Natacha
Am 31.07.2015 veröffentlicht 
Doku Deutsch
Alter Info-Text, am 17.12.2015 veröffentlicht:
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Macht über Deutschland einmal in den Händen, ließen die Nazis sie nicht mehr los - bis ...
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siehe auch:
- Propaganda: Das Goebbels-Experiment (Interview mit George Lord Weidenfeld, SPON, 22.02.2005)
Ich glaube, [Propaganda] kann sehr viel bewirken. Denken Sie an die Situation 1940 in England, wie sehr Churchill von gewissen Kreisen bedrängt worden ist, einen Frieden mit dem Deutschen Reich zu schließen, nachdem Hitler seine berühmte Reichstagsrede mit diversen Angeboten an England gehalten hatte. Das war eine historisch sehr knappe Situation, in der Deutschland in einer Kombination aus militärischen Erfolgen und strategischer Kommunikation nah dran war, England im Sinne der NS-Machthaber zu pazifieren. Es kostet schon einigen Mut, dagegen zu halten und eine eigene Linie der politischen Kommunikation aufzubauen. Nehmen Sie die Gegenwart: Die Moral der westlichen Staaten ist schlecht, weil die Anti-Kriegspropaganda so gut ist. Oder im israelisch-palästinensischen Konflikt: Immer wenn ich höre, wenn es Scharon und Arafat nicht gäbe oder gegeben hätte, sähe die Sache ganz anders aus, zucke ich zusammen. Das ist Propaganda, sehr wirkungsvolle Propaganda.

[…] das Wort "Propaganda" ist entwertet worden, vor allem auch durch Goebbels und seine Leute. Aber im Grunde ist es die gleiche Sache, es sind die gleichen Techniken - nennen Sie es politisches Marketing, Aufklärung, politische Information, wie Sie wollen. Es geht mir nicht so sehr um spin doctors, um taktische Reaktionen von Tag zu Tag. Es geht mir eher darum, dass man Grundhaltungen durchhält und diese auch vermittelt, sie jederzeit auffrischt, professionell an den Mann und an die Frau bringt, seine eigene Sache dadurch auch verteidigt. Das ist ungleich schwieriger in einer Demokratie, wo die Problemstellungen zugleich öffentlicher und subtiler sind als in totalitären Systemen. Aber es ist eine Aufgabe, die gemeistert werden muss. Ich gehöre auch zu denen, die der Ansicht sind, dass Hitler als "Führer" vermeidbar gewesen wäre. Das war nicht logische Konsequenz der deutschen Geschichte seit dem Mittelalter, seit Luther, Friedrich dem Großen, Preußen und so weiter. Hitler ist von Hugenberg, Hindenburg, Papen und Schleicher freiwillig oder unfreiwillig gefördert worden, eben auch durch Medieneinflüsse. Le Pen hat es in Frankreich bis zur Stichwahl mit Chirac geschafft, da sagt auch niemand, das ist die logische historische Konsequenz seit Karl Martell oder Charlemagne. Ich bin überzeugt, Hitler hätte bei entschiedener demokratischer Gegenwehr ausgeschaltet werden können.
zum Thema Propaganda siehe auch:
Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013)
- Traditionelle Wahrheitsfindungen (Fahrwax, Freitag-Community, 22.12.2013)

Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus {1:12:18}
ArendtKanal
Am 24.07.2013 veröffentlicht
In voller Länge! "Das beste Gespräch, das ich je geführt habe." (G. Gaus) Das legendäre Interview mit Günter Gaus. Im Zentrum stehen Gegenwartsfragen zu politischem Denken und Handeln. Einleitend wird das Spannungsfeld von Philosophie und politischer Theorie erörtert. Ein weiterer Aspekt sind Geschlechterrollen sowie insbesondere der Prozess gegen Adolf Eichmann. Das Buch von Hannah Arendt (´´Eichmann in Jerusalem´´) war im Herbst 1964 in der Bundesrepublik und 1963 in den USA erschienen, Arendt nimmt hierzu Stellung ("Zur Person", 28.10.1964 / Titelmusik: "Musik zu einem Ritterballett" WoO 1; von Ludwig van Beethoven ).
Hier gibt's noch ein sehenswertes Portrait über Hannah Arendt (64 Min.): http://www.youtube.com/watch?v=HDKHev...
Teil der Playlist "Hannah Arendt (Vorträge, Gespräche und ein Portrait)" hier: http://www.youtube.com/playlist?list=...
Das Problem, das persönliche Problem war doch nicht etwa, was unsere Feinde taten, sondern was unsere Freunde taten. Was damals in der Welle von Gleichschaltung, die ja ziemlich freiwillig war, jedenfalls noch nicht unter dem Druck des Terrors, vorging: Das war, als ob sich ein leerer Raum um einen bildete. Ich lebte in einem intellektuellen Milieu, ich kannte aber auch andere Menschen. Und ich konnte feststellen, daß unter den Intellektuellen die Gleichschaltung sozusagen die Regel war. Aber unter den anderen nicht. Und das hab ich nie vergessen. Ich ging aus Deutschland, beherrscht von der Vorstellung – natürlich immer etwas übertreibend –: Nie wieder! Ich rühre nie wieder irgendeine intellektuelle Geschichte an. Ich will mit dieser Gesellschaft nichts zu tun haben. Ich war natürlich nicht der Meinung, daß deutsche Juden und deutschjüdische Intellektuelle, wenn sie in einer anderen Situation gewesen wären, als in der sie waren, sich wesentlich anders verhalten hätten. Der Meinung war ich nicht. Ich war der Meinung, das hängt mit diesem Beruf, mit der Intellektualität zusammen. Ich spreche in der Vergangenheit. Ich weiß heute mehr darüber… [Hannah Arendt, Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt – Was bleibt? Es bleibt die Muttersprache, rbb, Sendung vom 28.10.1964]
Hannah Arendt - Die Pflicht zum Ungehorsam (2015) {1:29:20}
ArendtKanal
Am 11.03.2016 veröffentlicht
Ada Ushpiz zeichnet das Leben und Werk Hannah Arendts nach und schlägt dabei immer wieder Brücken zu gegenwärtigen Entwicklungen und Brennpunkten. Ihr Film zeigt auf, wie relevant Hannah Arendts Erkenntnisse auch für politisches Handeln unserer Tage sind. Ob im Arabischen Frühling, beim Protest gegen politische Repressionen in der Ukraine, dem Engagement der Occupy-Bewegung oder beim Publikmachen staatlich sanktionierten Ausspionierens ganzer Völker: In jüngster Zeit hat Arendts Werk eine neue Aktualität erhalten. So nimmt ihr Buch «Über die Revolution» bei der politischen Debatte von Oppositionellen in den Ländern des Arabischen Frühlings eine zentrale Bedeutung ein. Ihr Essay «Macht und Gewalt» lässt sich auch auf die Unrechtsregimes unserer Tage beziehen; und ihr «Bericht von der Banalität des Bösen», der versucht, die Wurzeln und Abgründe des nationalsozialistischen Regimes in der Person von Adolf Eichmann zu erfassen, verweist auf unsere modernen Gesellschaften (arte//WDR 2015).

siehe auch:
- Hans-Peter Dürr über Hannah Arendt (Post, 01.03.2013)
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