Die Psychologie betreffenden Posts habe ich in »Roths Psychoblog« eingestellt. Eine Liste der Musikvideos findet sich unter »Tornado’s Music Favourites« (siehe unter »Links«). Das Posten eines Videos schließt das Hinzufügen des Infotextes mit ein. (Ich bemühe mich, offensichtliche Werbung wegzulassen) Dieser gibt also nicht notwendigerweise meine Meinung wieder! Das verwendete Bild stammt aus Bob Dylan’s Video »Jokerman«. Ich speichere keine Daten!
Die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts gelten in Russland noch heute als negative Folie, vor der fast alles, was den Leuten aktuell zugemutet wird, als kleineres Übel erscheint. Der Verlust an Lebenssicherheit, an Ersparnissen, der Rückgang der durchschnittlichen Lebenserwartung um zehn Jahre bei Männern und acht Jahre bei Frauen, das alles ist für »Friedenszeiten« beispiellos. Nicht zuletzt aus dem Kontrast zu dieser Zeit bezieht Wladimir Putin seine anhaltende Popularität.
Klaus Heller, emeritierter Osteuropahistoriker von der Universität Gießen, hat es unternommen, die Geschichte dieses für alle Zeitgenossen verwirrenden und für den Außenstehenden verworrenen Jahrzehnts nachzuzeichnen, und das ist – zumal im deutschen Sprachraum – verdienstvoll. Die mit geringerem zeitlichem Abstand zu den Ereignissen entstandene Studie des amerikanischen Wirtschaftsjournalisten Paul Klebnikow über Boris Beresowski als den »Paten des Kreml« aus dem Jahre 2000 ist im Buchhandel lange vergriffen. Die kurz danach in den USA entstandene Arbeit von Marshall I. Goldman über die »Piratization of Russia« (2003) dagegen ist über weite Abschnitte Quellengrundlage von Hellers Studie, insbesondere übernimmt er von ihm große Teile der analytischen Schlussfolgerungen.
Heller arbeitet nicht auf Grundlage von Primärquellen, die allerdings auch meist noch nicht für die Forschung zugänglich sind. Statt dessen stützt er sich auf die inzwischen umfangreiche Memoirenliteratur. Da es zur Natur dieser Art von Quellen gehört, dass sie das Wirken des Autors ins beste Licht setzen sollen, gerät ihm die so rekonstruierte Geschichte über lange Strecken apologetisch. mehr: - Bilanz eines Raubzugs (Reinhard Lauterbach, Buchrezension, junge Welt, 24.10.2016)
Doku: Wie Putin Russland stark machte. von Andrej Karaulow, 2010 Putin von innen [57:29]
Der unbekannte Putin - eine russische Dokumentation aus dem Jahr 2010, welche die Verhältnisse vor Putins Machtantritt darstellt und jene Leistungen aufzeigt, die dazu führten, dass im Westen die Dreckschleuder gegen Putin in Gang gesetzt wurde. Erläutert wird das PSA-Gesetz, welches es ermöglicht, andere Länder im Stile des Kolonialismus auszubeuten. Russland wurde jahrelang um seine Ressourcen beraubt und zusätzlich in die Verschuldung gestürzt. Dieses Gesetz findet weltweit Anwendung, z.B. im besetzten Irak. Die gesetzliche Grundlage dazu erschaffen die Amerikaner und Engländer selbst, indem sie in das Geschehen von Staaten aktiv eingreifen. Auch die Verfälschung von Geschichtsbüchern und westlicher Einfluss auf die Medien gehören zum Standardprogramm, wie wir in dieser Dokumentation erfahren. Es stellt sich heraus, dass die Russische Föderation seit ihrer Gründung 1991 niemals voll souverän war - sind das nicht erstaunliche Parallelen zu Deutschland? Des weiteren werden die wahren Gründe für die Inhaftierung von Chodorkowski dargestellt; furchtbare Verbrechen, die im Westen verschwiegen werden.
Es findet ein medialer Informationskrieg innerhalb von Russland statt. Hier kann man sehen, wie die angelsächsische Propagandamaschinerie gegen jeden vorgeht, der sein Land aus der Okkupation befreien will. Putin hat an vielen Stellen Souveränität zurückerobert, aber die Medien befinden sich weiterhin unter angelsächsischer Kontrolle. Dies ist der Grund dafür, warum dieser Film auch in Russland weitestgehend unbekannt ist. Erläutert wird der Vernichtungsplan, nach dem Russland systematisch ausgeschlachtet wurde. Wir erfahren mehr über die Konzepte der "economic Hit Man" und wie durch sie Staaten und Völker ganz ohne militärisch geführten Krieg vernichtet werden können. Die Privatisierung verlief nach demselben Schema jener Liste, auf der angeführt war, welche russischen Städte durch Atombomben in einem geplanten 3. Weltkrieg zu vernichten seien. Putin rettete viele Industrien und bewahrte Russland so vor dem Untergang und kam hierdurch dem Establishment bei seinen Weltherrschaftsplänen in die Quere. Insgesamt waren fünf Attentate auf ihn geplant. In Russland wird der Weltstaat, den zu errichten versucht wird, Einpolwelt genannt. Wir erfahren auch von den Millionen von Opfern der Neunziger Jahre, welche durch Liberale dadurch verschleiert werden, dass sie die Verluste durch Einwanderungszahlen zu kompensieren versuchen. Auch Ungeborene werden hier mit eingerechnet - Ein bedeutender Faktor, der in Deutschland keine Anwendung findet. Auch Auswanderer müssen zu den Verlusten einer Nation hinzugerechnet werden. Sind dies nicht erneut erstaunliche Parallelen zu Deutschland? "Welche Zensur verbietet es unserem Gewissen, alles beim Namen zu nennen?"
Vor der letzten Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten in den USA scheint Hillary Clinton der Wahlsieg kaum noch zu nehmen. Im Kongress werden die Republikaner aber wohl unschlagbar bleiben – auf Jahrzehnte hinaus. Dafür sorgt eine undemokratische, aber geniale Strategie
Im Juli 2009 las Chris Jankowski einen Artikel in der New York Times. Acht Monate zuvor hatte Barack Obama den republikanischen Kandidaten John McCain mit großer Mehrheit geschlagen. Viele fragten sich, wie die Republikaner die nächsten Wahlen überleben könnten. In 27 Bundesstaaten hatten die Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern der Legislative inne und in sechs weiteren Staaten kontrollierten sie eines. Auf Bundesebene waren die Präsidentschaft, der Kongress und der Senat in den Händen der Demokraten. Aber in dem Artikel stand, dass 2010 nicht nur das Jahr der nächsten Midterm-Wahlen sei. Wahlen in nuller Jahren seien wichtiger als andere, weil die Verfassung jedem Bundesstaat vorschreibt, alle zehn Jahre eine Volkszählung abzuhalten und danach die Grenzen seiner Wahlkreise neu zu ziehen.
mehr: - Wie die Republikaner die Demokratie gestohlen haben (Dave Daley, Cicero, 19.10.2016) x
Der Historiker Jörg Baberowski kann in Bremen bloß unter Polizeischutz und nicht an der Universität auftreten. Gesorgt hatte dafür der Asta. Das widerspricht dem Geist der Aufklärung und erinnert an finstere Zeiten Wer am vergangenen Donnerstag zur Bremer Universität ging, um einen Vortrag des Historikers Jörg Baberowski zu hören, stand vor verschlossenen Türen. Sollte ihn aber noch die Nachricht erreicht haben, dass die Veranstaltung verlegt wurde, dann sah er vor den Räumlichkeiten der Konrad-Adenauer-Stiftung 22 Polizisten patrouillieren. Den Professor hatten Personenschützer des Staatschutzes zu seinem Vortrag begleitet. Eingeladen hatten ihn die Konrad-Adenauer-Stiftung und der „Ring Christlich-demokratischer Studenten“ (RCDS), um über sein im S. Fischer Verlag erschienenes Buch „Räume der Gewalt“ zu diskutieren, in dem er sehr präzise untersucht, wie und unter welchen Bedingungen Gewalt entsteht.
mehr: - Redefreiheit nur für Gleichgesinnte (Klaus-Rüdiger Mai, Cicero, 21.10.2016) x
Seit Beginn der Flüchtlingskrise ranken sich Stereotype über Flüchtlinge. Was ist an ihnen eigentlich dran? Als sich das Kölner Amtsgericht vergangene Woche an die Presse wandte, hätte das eigentlich bundesweit Aufmerksamkeit erregen müssen. Schließlich hatten die Richter ein vorläufiges Fazit der Kölner Silvesternacht vorbereitet und damit zu jenem Ereignis, das wahrscheinlich wie kein anderes die öffentliche Meinung in der sogenannten Flüchtlingskrise prägte. Von rund 2.000 überwiegend arabisch stämmigen Sexualstraftäter hatten Medien damals berichtet und das das Ende der Willkommenskultur beschworen. Die Bundesregierung verschärfte in der Folge das Asylrecht, vereinfachte Abschiebungen und schloss Rücknahmeabkommen mit nordafrikanischen Ländern. Ein wachsender Teil der Öffentlichkeit folgte dem Klischee vom triebgesteuerten Araber, der besser zu Hause geblieben wäre. mehr: - Asylsuchende: Bleibeperspektive und Kriminalstatistiken (Fabian Köhler, Telepolis, 23.10.2016) x
Wiktor Michailowitsch Gluschkow und das OGAS-Projekt
Von heute aus gesehen ist klar, dass auch das Fehlen einer internetähnlichen Struktur die sozialistische Planwirtschaft zum Scheitern verdammt hat. Da stellt sich natürlich die Frage, warum die Sowjetunion das Internet nicht erfunden oder zumindest nachgeahmt hat, denn die Technologie wäre grundsätzlich da gewesen. Antwort: Sie hat ja. Oder hätte, wenn das Wörtchen "wenn" nicht gewesen wär.
Kybernetik, das war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion eine verdächtige Wissenschaft. Stalin und die Seinen, deren Ansatz doch eher als Top-Down-Management im Verbrecherstil beschrieben werden kann, hatten keinen Sinn für schwingende, interdependente Regelkreise; man kann sich bildhaft vorstellen, dass sie "Widerrede" für eine korrekte Übersetzung des Begriffs "feedback" gehalten hätten.
Mit dem Tod Stalins änderte sich die Haltung des Sowjet-Sozialismus zur Kybernetik zwar nicht über Nacht, doch recht bald; was bis dahin nur von einigen Spezialisten hinter vorgehaltener Hand besprochen worden war, konnte jetzt frei diskutiert werden. Der Effekt dieser neuen Freiheit war so merklich, dass er noch heute nachhallt.
mehr: - Woran das sowjetische Internet scheiterte (Marcus Hammerschmitt, Telepolis, 23.10.2016)
Die Erfinder des Internets [4:40]
Veröffentlicht am 27.06.2012 x
Wie werden sich jetzt alle möglichen Leute wieder das Maul zerreißen… Bob Dylan ist einer von denen, die Amerika (also die USA) groß machen. Und damit es nicht untergeht: Die Preisverleihung an Dylan ist ebenso eine politische Botschaft wie die (– möglicherweise zu Unrecht – als vorschnell kritisierte) Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama. Ich wette, kein deutsches Qualitätsmedium wird die Nominierung als Ohrfeige für die US-amerikanische Politik unter(?) dem Friedensnobelpreisträger Obama interpretieren! Wenn ich raus auf die Straße gehe und die Leute frage, was sie von dem folgenden Haiku halten:
Alter Teich,
Frosch springt hinein –
platsch!
Wird mir mindestens die Hälfte antworten: Quatsch! Darum geht’s! ======================
Heute gilt Matsuo Bashō (1644–1694) als der erste große Haiku-Dichter. Sein Frosch-Haiku ist wohl das meistzitierte Haiku der Welt. [Haiku, Geschichte, Wikipedia, abgerufen am 14.10.2016]
====================== Wenn Frank Zappa sagt:
"The illusion of freedom will continue as long as it's profitable to continue the illusion. At the point where the illusion becomes too expensive to maintain, they will just take down the scenery, they will pull back the curtains, they will move the tables and chairs out of the way and you will see the brick wall at the back of the theater."
redet er nur von der einen Seite der Medaille. Von der anderen, nämlich dem Bedürfnis, Illusionen für bare Münze zu nehmen, nicht. siehe dazu: - Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013) Wer will es der Firma Matell verübeln, ein angeblich durch die Konzentration des Geistes gesteuerte Gebläse zu vertreiben. Genauso wie bei Chanel No. 5 geben wir unser Geld da ja nicht für etwas Reales sondern für die damit verbundene narzißtische Phantasie aus! Es mag einer Gesellschaft so gut gehen, wie es will, es gibt immer Menschen, die klagen. Wer kennt den Spruch nicht: »Es kommt nix im Fernsehen!«. Den hat’s schon gegeben, als wir nur zwei Programme hatten. Wer kennt jemanden, der zugibt, regelmäßig die »Bild« zu lesen?! Ständig benehmen wir uns wie kleine Kinder, die wie Erwachsene behandelt werden möchten! Als hochsensibler und -intelligenter Protestsänger wird man mit einem solchen Publikum wahnsinnig. ==========
1966 wurde er bei einem Konzert für seinen vermeintlichen „Verrat“ an der Folkmusik gar als „Judas“ beschimpft (zu hören auf The Bootleg Series Vol. 4: Live 1966 (1998)). Während dieser Tournee wurde es beinahe zu einem Ritual, dass das Publikum Dylan und seine Band ausbuhte. [Bob Dylan als Rockmusiker, Wikipedia, abgerufen am 17.10.2016]
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Welches Recht hat Maureen Dowd, Dylan für seinen angeblich zahnlosen Auftritt in China zu kritisieren? (Blowin’ in the Idiot Wind, Maureen Dowd, NY Times, 09.04.2011) Dirty Harry [0:09]
Hochgeladen am 10.07.2007
Meinungen sind wie Arschlöcher
Aus dem Abstand von nunmehr 45 Jahren könnte man Dirty Harry als Persiflage gewalttätiger Phantasien interpretieren. Wer würde dies jetzt noch »eindimensional« nennen wollen! Was den Menschen einfach nicht in den Kopf geht: Dirty Harry ist nicht eindimensional, er wird (von wem?) eindimensional wahrgenommen.
Don Siegel schuf mit „Dirty“ Harry Callahan einen zynischen Gesetzeshüter, der seine Umwelt mit feindselig verengten Sehschlitzen und einer 44er Magnum resozialisierte. Frieden schaffen – aber bitte nur mit großkalibrigen Waffen. Es hat gedauert, bis Eastwood das Etikett des mundfaulen Soziopathen seiner Cowboy-und-Cop-Ära hinter sich ließ. In „Pale Rider“ (1985) und später in „Erbarmungslos“ brach er mit dem eindimensionalen Kerle-Klischee. [85. Geburtstag: Warum Clint Eastwood mehr als nur ein Cowboy ist, Dirk Hautkapp, Der Westen, 29.05.2016]
»The way we look at the world is the way we really are.«
Welches Recht beanspruchen Leute für sich, die Dylan für den Umstieg auf die E-Gitarre »Judas« nennen? (Inzwischen beanspruchen angeblich schon zwei Leute diese zweifelhafte Ehre…)
»Die Leute, die glauben, die Wirklichkeit ist das, was sie daraus machen, die leben in der Psychiatrie! […] Die anderen wissen ganz genau, daß es nicht in ihrem Belieben ist, was sie als wirklich definieren, was sie anerkennen. Daran mangelt’s! Mit anderen Worten: Demut, Rücksichtnahme, Selbstbeschränkung, Selbstaufgeklärtheit, d.h. Anerkennung, daß man selber der Fall ist, mit dem man eigentlich handeln muß. Nicht die anderen sind die Faschisten, die Dummköpfe, die Radikalen, sondern man muß sich selbst als potentiellen Faschisten, potentiellen Radikalen in sein Urteil miteinbeziehen…«[Bazon Brock in einem Interview mit RT Deutsch, dem sogenannten russischen Propagandasender, siehe: Anerkennen, daß man selber der Fall ist! (Post, 25.06.2015)]
Ein gutes Beispiel für das ideologische Schubladendenken der 60er: Die Interpretationen der Science-Fiction-Serie »Perry Rhodan« durch Claus Hinrich Castorff und Zukunftsforscher Robert Jungk als faschistoid… Monitor-Magazin 1969: Perry Rhodan [9:59]
Hochgeladen am 23.06.2008
Ein Original-Beitrag aus dem Jahr 1969 über Perry Rhodan. Damals hat man über die größte SciFi-Serie der Welt noch übelst hergezogen, faschistoid, Ersatz-Führer usw. Heute nahezu unvorstellbar.
So lange, wie wir uns russische Narrative als »Propaganda« und westliche als »Public Relations« verkaufen lassen, so lange, wie über 60 Prozent einer Bevölkerung jenseits des Atlantik ernsthaft glauben, Saddam Hussein könne nach Belieben Giftgas oder sonstiges tödliches Zeugs über einer amerikanischen Stadt abwerfen, so lange, wie die USA ständig Russland wegen Dingen anklagen oder verdächtigen können, die sie selber tun, ohne daß sich Millionen von Fernsehzuschauern und Zeitungslesern in den Cafés, in den Bussen und U-Bahnen, auf den Bürgersteigen und Straßen in Lachkrämpfen winden, so lange werden Leute wie Dylan gebraucht wie der Sauerstoff in unserer Luft. (siehe dazu auch: - Volker Pispers über Ukraine und Demokratie (youtube, 07.10.2014) - Dianne Feinstein, CIA, NSA (Post, 09.08.2014) Aber die Sache mit unserer Bequemlichkeit wollen wir nicht hören! Wir wollen Recht haben, in unserer aufgeregten Empörung bestätigt werden und auf die Schulter geklopft bekommen. Das ist uns wichtiger als Aufklärung 2.0! Es kann so viele Immanuel Kants geben, wie’s will, wir wählen seit Jahrtausenden den bequemeren Weg! So lange wir uns unseren Joghurt für 39 Cent aus dem Supermarkt-Regal reinziehen können, ist für uns die Welt in Ordnung. Wenn abends dann die ARD-Märchenstunde über die Not der Bauern berichtet oder die syrische Bevölkerung, die undemokratisch mit Faßbomben drangsaliert wird, weinen wir Krokodilstränen und wünschen Assad, Putin und die Großkonzerne in die Hölle! brav, setzen, Zwei plus!
Argument "Prorussisch + Antiamerikanisch" dominiert in der Diskussion über 9/11 [32:59]
Veröffentlicht am 28.09.2016
Pro und Contra Sendung vom 5.09.2016 mit dem Thema "Wahrheit oder Verschwörung? Die 9/11 Anschläge wurden von den USA inszeniert". Ausschnitte. Die Gäste: Willy Wimmer, Monika Donner, Alexander Waschkau, Eric Frey, Don F. Jordan, Werner Gruber.
How many years… wird es brauchen, bis die Leute merken, daß das Einzige, was bei so einem Talk-Wrestling rauskommt, die Erkenntnis ist, daß nichts rauskommt. Wieviel Jahre wird es brauchen, bis Leute wie Willy Wimmer einfach aufstehen und gehen? Wieviel Jahre wird es brauchen, bis den Leuten egal ist, ob und von wem sich Clinton im Oval Office einen blasen läßt?
I'm sick and tired of hearing things From uptight, short sighted Narrow-minded hypocritics […] I'm sick to death of seeing things From tight-lipped, condescending, mama's little chauvinists [aus: John Lennon, Gimme some truth]
Es sind immer die anderen, und wenn ich jemanden mißverstehe, ist es dessen Schuld, weil er sich nicht unmißverständlich ausgedrückt hat. Wozu nachdenken? Wozu Selbstreflexion? Das ist doch nur anstrengend und kränkend!
„Die Beschwerdeführerin, der es nicht gelungen war, sich unmissverständlich auszudrücken, muss die streitgegenständliche Passage als zum ‚Meinungskampf‘ gehörig hinnehmen.“[53][Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25.11.2012, zitiert in Eva Herman, Gerichtsurteile, Wikipedia, abgerufen am 17.10.2016, siehe auch: Eva Herman: Hat sie oder hat sie nicht?, Post, 19.10.2007]
Anstatt selbst zu denken wollen die Menschen die Wahrheit in der Länge einer BILD-Schlagzeile serviert bekommen, am liebsten vorgekaut und vorverdaut… und für 39 Cent den Becher… Geiz ist geil! Nobel Prize: US songwriter Bob Dylan wins top prize for literature [3:27]
Für mich ist Dylan DAS Genie unserer Tage, ein engagierter Meister der hochverdichteten Beschreibung des gegenwärtigen, wachen, sensiblen In-der-Welt-Seins, immer wieder mißverstanden, fehlinterpretiert und kritisiert, was (möglicherweise) sowohl mit ihm als auch mit seinen kurzgeistigen Hörern zu tun hat, die ihn oder das, was er singt, möglichst schnell in eine ihrer bereitstehenden Schubladen zu packen versuchen. Er versucht, auf allgemeine, grundlegende und zeitlose Gesetzmäßigkeiten hinzweisen, die hinter dem Geschehen, welches sich vor unseren Augen abspielt, gültig sind und wirken. Bob Dylan.Funny Interview. [5:54]
Hochgeladen am 26.06.2010
Jesses, Jesses! Was soll man antworten, wenn man gefragt wird: »Ist braun quadratisch oder rund?« oder: »Ist’s nachts kälter als draußen?« So, wie ich ihn verstehe, singt Dylan gegen die politischen Eliten unserer Gesellschaft wie auch gegen die Rezipienten seiner Songs an, die durch ihr übergroßes Bedürfnis nach einfachen Erklärungsmodellen wie auch ihre kindliche Anspruchshaltung letztlich für die gesellschaftlichen Verhältnisse mitverantwortlich sind. Über seinen Song Masters of War sagte er wörtlich:
“It’s not an anti-war song. It’s speaking against what Eisenhower was calling a military industrial complex.” [zitiert in: Dylan is positively on top of his game(Edna Gundersen, USA Today, 10.09.2001)]
Trotzdem läuft das Lied noch heute in der Kategorie »Anti-Kriegs-Lied«! genieße dazu auch: - Heute vor 20 Jahren – Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung (Post, 20.02.2011; Abgesehen von Dylans vielschichtiger Theateraufführung [in Anlehnung an Deterings Buch neige ich inzwischen dazu, die Theateraufführung Mysterienspiel zu nennen] ist Nicholsons Laudatio für sich schon ein Genuß!)
»He’s been and still is a disturber of peace – his own – as well as our’s«[Nicholson bei der Laudatio]
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Bei Teilen der Folkszene sorgte das Album für Befremden. So veröffentlichte Irwin Silber in der von ihm herausgegebenen Folk-Zeitschrift Sing Out! einen offenen Brief an Dylan, in dem er seiner Sorge Ausdruck verlieh, der Sänger drohe durch die Begleitumstände von Ruhm und Erfolg den Kontakt zur Basis zu verlieren, was auch in seinen neuen Liedern zum Ausdruck komme.[4] Der Folksänger Phil Ochs hingegen verteidigte im Broadside Magazine Dylans Recht auf Wandel.[5][Another Side of Bob Dylan, Wikipedia, abgerufen am 17.10.2016]
====================== Hört, hört! Der Sänger muß also vor der Basis in Schutz genommen und verteidigt werden. Die Basis hat somit immer Recht mit ihren Erwartungen und Forderungen? - Bullshit! Gegen das rechhaberische Schubladendenken hat er sich ganz klar in seinem Lied »My Back Pages« gewandt: Bob Dylan performs My Back Pages at his 30th anniversary concert Text und Übersetzung stehen parallel auf: - Bob Dylan – My Back Pages (Post, 30.05.2013)
Daß ihr Menschen …gleich sprechen müßt: Das ist töricht, das ist gut, das ist bös’ Und was will das alles heißen? Habt ihr deswegen die inneren Verhältnisse einer Handlung erforscht? Wißt ihr mit Bestimmtheit die Ursachen zu entwickeln, warum sie geschah, warum sie geschehen mußte? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit euren Urteilen sein. [Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers, 1797]
Screenshot aus dem von Dylan selbst konzipierten Musikvideo »Jokerman« mehr dazu in Bob Dylan – Jokerman, Teil 1 (Post, 27.11.2014)
Dylan ist der einzige Zeitgenosse, dem ich es nicht verübele (oder eine Marketing-Strategie vermute – selbst wenn!), sich (wie übrigens auch Dürer – siehe den Jokerman-Post!) mit Jesus zu vergleichen. Aus meiner Sicht ist er dem »Sohn Gottes« ähnlicher als jeder Papst, den ich kenne!
Dylan hat sich an Gott ausverkauft. Das heißt, sein Befehl war, seine Schönheit so weit wie möglich zu verbreiten. Die künstlerische Herausforderung lag darin, zu sehen, ob große Kunst mit einer Musikbox vermittelt werden kann. Er hat bewiesen, dass man das kann. [Allen Ginsberg, 1966 (zitiert nach Clinton Heylin - Behind The Shades Revisited; 2001) gefunden bei quotez.net, abgerufen am 20.10.2016]
Bob Dylan - Jokerman [5:57]
Hochgeladen am 23.11.2009
Music video by Bob Dylan performing Jokerman. (C) 1983 SONY BMG MUSIC ENTERTAINMENT
- Weil er keine Lust mehr darauf hatte, sich von der Protestbewegung vereinnahmen zu lassen, wurde er mit Tomaten beworfen: - Mr. Mark & Mr. Bob (Post, 07.11.2011) - Weil er bei seinem Auftritt in China auf Veranlassung der Parteiführung auf einige seiner Lieder verzichtete, wurde er kritisiert: - Auftritt in China – Kritik an Bob Dylans protestlosem Konzert (ZEIT Online, 12.04.2011) - Weil er bei seinem Auftritt im Weißen Haus aus seinem Times they are a'Changing einen Walzer machte, wurde er kritisiert.
So viele Kleingeister!
Und es ist völlig egal, ob man sie grün, rot, schwarz-rot-gold, mit Hammer und Sichel oder dem Weißkopfseeadler anmalt. Sowas ähnliches ist mir auch bei den Dirty-Harry-Filmen durch den Kopf gegangen: Es gibt langhaarige Arschlöcher und welche mit Schlips, und es gibt aufrechte Langhaarige und aufrechte Schlipsträger. Was hat das mit »eindimensional« zu tun?
Don’t wake up a slave!
He may be dreaming, he’s free [arabisches Sprichwort]
Sein Schweigen löst bei der Schwedischen Akademie inzwischen Ärger aus.
mein Kommentar: Der Satz »Sein Schweigen löst bei der Schwedischen Akademie inzwischen Ärger aus.« ist nicht ganz korrekt. Sein Schweigen hat bei Per Wästberg, einem von 18 Mitgliedern der Schwedischen Akademie der Wissenschaften (, die – laut Wikipedia – den Literaturnobelpreisträger bestimmt) offensichtlich Ärger ausgelöst. Anlässlich des Ärgers eines Mitglieds einen Satz über die emotionale Gestimmtheit eine 18köpfigen Gruppe zu konstruieren, ist zumindest gewagt. dazu auch: - Literaturnobelpreis: Ich ruf zurück! (Martin Zips, Südeutsche Zeitung, 18.10.2016)
In einer Gesellschaft, in der jeder jederzeit erreichbar ist, gilt das Unerreichbarsein mitunter als Affront. Wenn jemand nicht sofort auf etwas antwortet oder zurückruft, schießen schnell Spekulationen ins Kraut, der Mensch könne arrogant, frech oder gar unverschämt sein. Womöglich leide er unter einer narzisstischen Störung oder sei ein leicht durchgeknallter Anhänger des Hesychasmus, einer spirituellen Bewegung der Ruhe. Und die Reaktionen fallen umso heftiger aus, wenn es sich bei dem Abgetauchten um ein verdientes Mitglied der Gesellschaft handelt, das man doch nur mit einer kleinen Auszeichnung beglücken möchte.
Giving Bob Dylan a Nobel Prize in Literature “is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.” [aus: Leonard Cohen über Bob Dylan’s Nobelpreis!, Zwentner.com, 15.10.2016]
"Kein Zweifel, die Anführungszeichen im Albumtitel waren so programmatisch wie nur möglich zu verstehen. So wurde denn der Vorwurf des Plagiats immer leiser, je mehr Zitate identifiziert wurden und je deutlicher sich Dylans Arbeit des Aus- und Zuschneidens, der fintenreichen Neukombination, der De- und Rekontextualisierung seines Materials erkennen ließ. Schließlich, so mussten auch die Kritiker zugeben, wäre es am Ende wohl doch sehr viel einfacher gewesen, ganz neue Songs zu verfassen, als diese überaus komplexen Collagen zu basteln. Kein Zweifel, Dylans Album setzte jenes Spiel mit Hoch und Tief, Klassisch und Populär, Alt und Neu, Aneignung und Transformation fort, das Lott an der Tradition der Minstrelsy vorgeführt hatte."
I do not own rights to the music in this video. Any content used is intended for educational purposes.
Blackface allowed actors and artists to hide behind a caricature while protesting and mocking the powerful without fear of retaliation. Minstrel performers could safely question authority while claiming to be acting out authentic African American expressions. The primary function of blackface wasn’t just to invoke the “other,” but also to act as a mask. “The performers are maskers whose assumed disguises facilitate ironic poses that paint figurative portraits,” Finson observed. In times of carnival, celebrants often transvested, or wore the clothes of others to take on their identity. A common worker might dress up like an aristocrat or deliberately dress in low garb to become a pirate, a bum, a convict, and so on. Blackface became a mainstay of stage and later film performance in the twentieth century. Most often blackface was used as a comic device that played on the stereotypes of black laziness, ignorance, or crass behavior for laughs. Sometimes blackface was used simply to portray black characters. These erroneous portrayals of black life were seen by thousands of Americans in the decades before the Civil War. Mark Twain and Abraham Lincoln attended and enjoyed minstrel shows. President Lincoln had the Union band play Dixie at Lee’s surrender; the comic dialogues in Huckleberry Finn are reminiscent of minstrel performances. Minstrelsy became America’s first national popular culture.
Music The Virginians – Nothing Could Be Sweeter (1927)
F. (2014). Jerry Purpdrank - All Watermelon Vines 1080p ᴴᴰ (11 vines) (As of August 1, 2014). Retrieved June 30, 2016, from https://www.youtube.com/watch?v=Rk7bx...
Auf der These Du Bois’, dass Weißsein (Whiteness) einen „Zugewinn“ für weiße nordamerikanische Industriearbeiter gegenüber schwarzen Arbeitern darstelle, basiert die psychoanalytische Erklärung David Roedigers für das Blackface Minstrelsy. Nach DuBois wurde den weißen Arbeitern „öffentlich Achtung gezollt …, weil sie weiß waren. Sie hatten zusammen mit den Weißen anderer Klassen freien Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen und Parks … Die Polizei wurde aus ihren Reihen rekrutiert … Durch ihre Wählerstimmen wurden öffentliche Amtsträger bestellt, was zwar wenig Auswirkung auf ihre wirtschaftliche Situation hatte, aber viel auf ihre Behandlung durch die Ämter …“. Nach Roediger waren die Industriearbeiter im Norden der USA einer intensiven Disziplinierung und Kontrolle unterworfen. Die daraus resultierende Wut wurde jedoch nicht auf die Verursacher ihrer Misere gerichtet, sondern vor allem durch das Blackface Minstrelsy auf die Schwarzen. Im Blackface Minstrelsy spielten psychologisch gesehen die weißen Arbeiter ihr verlorengegangenes ungezügeltes Selbst. So konnten sie „ihr natürliches Selbst zur Schau stellen und zugleich zurückweisen“ (Roediger). Wie DuBois bezeichnet Roediger das Vergnügen an diesem Spiel als den „Zugewinn“ der weißen Arbeiter für ihr Weißsein. Durch die Abgrenzung gegenüber den Schwarzen im Blackface Minstrelsy wurde somit Weißsein konstruiert.[1]
Im Gegensatz zu Roediger sieht Alexander Saxton im Blackface Minstrelsy, das er derselben Haltung zuschreibt, die 1863 bei Unruhen in New York zum Lynchmord an Schwarzen führte, eine Form der Klassenpolitik: „Durch seine stilisierte Form propagierte sie metaphorisch eine Allianz zwischen den städtischen Werktätigen und den Interessen der Plantagenbesitzer in den Südstaaten.“ Die weißen Arbeiter reproduzierten dabei naiv die Perspektive des weißen Sklavenbesitzers. Blackface Minstrelsy diene demnach den Zwecken der Demokratischen Partei und verdecke gleichzeitig den Widerspruch zwischen den reichen Südstaaten-Aristokraten und den „kämpfenden Arbeitern im Norden“. Andrew Hartmanbeschreibt Roedigers These so: „Somit war Blackface Minstrelsy für Saxton mehr als nur ein psychologischer Zugewinn, sondern vielmehr das massenkulturelle Äquivalent zum weißen Egalitarismus der Jackson-Demokraten.“[1][Minstrel Show, Sozialhistorische Erklärungen , Wikipedia, abgerufen am 03.11.2016]
[…] es gab auch andere Sachen, die mir nicht gefielen. Das Großkonzern-Denken griff immer weiter um sich – was mich vermutlich nicht mal tangiert hätte, wenn es nicht auch in der Musik Einzug gehalten hätte. Und ich liebte Musik aus ganzem Herzen. Ich sah etwas sterben, das ich über alles liebte – und mit ihm auch den Untergang eines Lebensstils, den ich als gottgegeben vorausgesetzt hatte.
Viel einfacher als diese ausgesuchte Disparatheit der Person wäre es, als ein übersichtliches "Ich" aufzutreten und simpel Songs zu schreiben, wie gehabt. Das aber – so Detering – will Dylan nicht, nicht mehr. Seine Eitelkeiten sind befriedigt. Wenn er Botschaften verkündet, dann nur als Zitat und mit dem doppelten Boden der "Selbstironie und Entpersönlichung". Dieser Spur folgt Detering konsequent. In einzelnen Kapiteln untersucht er die Songs "Working Man’s Blues #2", "Tempest", "Roll on John" – und entdeckt schließlich sogar in den doch eher faden Sinatra-Adaptionen von "Stay with me" Dylans abgründige Anwesenheit im bloßen Arrangement.
Mysterien also, Menschheit, Zeitlosigkeit – große Worte, beiläufig eingespielt. Time Out Of Mind nennt Dylan das durchaus auf monumentale Wirkung angelegte Album, dass er im selben Jahr wie diesen kleinen Essay veröffentlichte, dies im Jahr 1997, das ihn mit einer schweren Erkrankung in Lebensgefahr gebracht hatte und dann mit dem Album seine triumphale Wiederkehr einleitete. Der Titel war von kalkulierter Mehrdeutigkeit. Er bedeutet »vor unendlich langer Zeit«, aber beim Wort genommen auch «Zeit außerhalb des Bewusstseins», Zeit die sich nicht ändert, mythische Zeit. Tatsächlich erkundete das Album dann «the mystery of life and death without saying too much», «the nature of humanity».
Als Bob Dylan im Februar 2015, am Vorabend der jährlichen Grammy-Verleihungen, wieder einmal eine Auszeichnung für sein Lebenswerk erhielt, diesmal von der sozialen Initiative MusiCares, dann nahm er das Wort von den «Mysterien» wieder auf, nun ausdrücklich im Blick auf sein eigenes Werk und einer sehr grundsätzlichen Erklärung. «Die Rede» überschrieb die Süddeutsche Zeitung ihren Feuilletonaufmacher lapidar: «Er hat gesprochen.» Ja, fast 40 Minuten lang hatte der notorische Schweiger gesprochen: über seine Songs und seine Kritiker, über seine musikalischen und literarischen Vorbilder, über die Country-Musik und den Blues und über Shakespeare. Den hatte Dylan gleich eingangs genannt. «These Songs of mine», hatte er kategorisch erklärt, «I think of them as mystery plays, the kind Shakespeare saw when he was growing up. [18] Mysterienspiele also. Bedenkt man diesen an jenem Abend überraschenden, im Kontext der vorangegangenen Reflexion aber ganz folgerichtigen Begriff, dann fasst er mindestens 4 Grundsätze von Dylans später Kunst zusammen. • Erstens greift er demonstrativ weitaus in der Zeitentiefe, weit zurück hinter die amerikanischen Songs und Texte des 19. Jahrhunderts, deren Nennung man von Dylan nun schon erwartete, zurück bis in die Zeit von Shakespeare. Noch vor ihm, dem lebenslangen Rollenmodell (darum wird es im 3. Kapitel gehen), steht das archaische und anonyme Volkstheater, aus dessen Traditionen dann auch die Menschheitsdichtung Shakespeares hervorging time out of mind. • Zweitens bezieht sich Dylans Satz unter allen archaischen Kunstformen auf diejenige, die es am offensichtlichsten mit Themen zu tun hat, die über die Zeiten hinweg dieselben bleiben, anthropologische Grundkonstellationen – eben dem, was er schon im Blick auf Jimmie Rodgers’ vielstimmige Country Songs «the mystery auf life and death» genannt hatte. • Drittens rückt er diese Themen mit dem Bezug ausgerechnet auf die Mysterienspiele in einen signifikant religiösen Zusammenhang ein. Die unter diesem Begriff zusammengefassten volkstümlichen Oster-, Passions- und Weltuntergangsspiele waren in den Kirchen und auf den Straßen des spätmittelalterlichen England und Europa ja aufgeführt worden, um zu Heiligen Festzeiten den jeweiligen Aspekt des Heilsgeschehens im unterhaltsamen Spiel zu vermitteln, zu vergegenwärtigen; sie sind in empathischen Sinne ‹heilige› Kunst – was keineswegs ausschließt, dass sich karnevaleske, histrionische Verfahren einschleichen und den Ernst und Geltungsanspruch der Stücke unterwandern, infiltrieren, aufmischen. • Und viertens schließlich fällt auf, dass Dylans Vergleich seiner eigenen Songpoesie mit ältester Tradition sich, wenn es schon um diese drei Aspekte gehen sollte, nicht etwa auf religiöse Songs bezieht, was doch weitaus näher gelegen hätte und leicht möglich gewesen wäre (mit seinem späteren Album My Mother’s Hymn Book hatte sein Freund Johnny Cash genau dies ja kurz zuvor getan), sondern stattdessen auf theatralische Texte, auf Mysterienspiele. Auch das erwies sich, hatte man Dylans Entwicklung in diesen späten Jahren verfolgt, als gut vorbereitet. «All the world’s a stage», hatte er in Can’t Escape from You gesungen [19] – keineswegs bloß als redensartlich gewordenes Bildungsgut – immerhin schon in seiner Radio Show hatte er diesen Shakespeare-Vers kurz zuvor rezitiert, und zwar mitsamt dem As-You-Like-It-Monolog, dem er entstammt. In Masked and Anonymous lautes derselbe Satz, in Dylans lakonischer Variante, 2003:«Are you aware, gentlemen, that this is all a play?» Wirklich sind Dylans Songs seit «Love And Theft» in auffallender Konsequenz szenisch konzipiert, teils als Monologe von Rollen-Ichs (davon wird gleich im nächsten Kapitel ausführlich die Rede sein), teils als visuell geschilderte Szenenfolgen, die wie Tin Angel (auf Tempest, 2012) komplett in unkommentierte Dialoge übergeben, aber auch durch eine Erzählinstanz vermittelt sein können – wie im Titelsong Tempest, dem das 3. Kapitel gewidmet ist. Viele von Dylans späten Songs sind Dramen, denen man erst auf den zweiten Blick ansieht, dass sie welche sind. Und «Mysterienspiele» im weiteren, den Jimmy-Rodgers-Essays und die Dank weder um spannende Sinne sind sie alle.
Eine Anekdote aus Amendts Buch: Kurz vor dem Kosovo-Krieg wird ihm Rudolph Scharping als Dylan-Fan vorgestellt, und Amendt verspricht, ihm einen Konzertmitschnitt zu schicken, der eine hervorragende Version von "Masters of War" enthielte. Einige Monate später schickt der persönliche Referent des neuen Verteidigungsministers einen Brief: Schönen Dank, der Chef höre das Band oft im Büro. Zur gleichen Zeit führt Scharping den ersten deutschen Angriffskrieg nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Summer of Love 1967 widmete er sich dem Familienleben und versenkte sich ins Studium des alten amerikanischen Liedguts. Die lange sagenumwobenen Basement Tapes und das karge Album mit biblisch inspirierten Parabeln John Wesley Harding zeugen von Dylans weltabgewandter Zeitgeistopposition in jenen Tagen. Zwar lebte er in Woodstock, das epochemachende Rockfestival war für ihn allerdings ein Ärgernis. Mit Hippies und Fantourismus ins Künstlerdorf wollte der junge Familienvater nichts zu tun haben. […]
Der Humanist Bob Dylan fand es zusehends schwerer, den Glauben an eine gemeinsame parteigebundene Sache aufrechtzuerhalten. Einige seiner stärksten Songs reflektieren den bereits mit „Another Side of Bob Dylan“ (1964) einsetzenden Zweifel an selbstgewissen politischen Überzeugungen. Es war ihm nicht mehr möglich, die Welt in Schwarz und Weiß, Gut und Schlecht zu unterteilen, wie er es ehedem noch vermocht hatte: „I was so much older then, but I’m younger than that now.“ Dieser Zweifel, die Ungewissheit und der Widerstand gegen jede Rollenerwartung läutete die kreativste Phase seiner langen Karriere ein. […]
Er sieht nämlich weder einen Hebel, an dem es sich anzusetzen lohnt („there is no sense in trying“), noch kann er erkennen, dass noch irgendjemand Werte verficht, für die es sich einzutreten lohnt: „It’s easy to see without looking to far / That not much is really sacred“. Seine Skepsis gegenüber einfachen Protestformen führte ihn so weit, dass er in Zeiten, als gerade in Europa die Kritik am Vietnamkrieg beträchtlich zunahm, seine Konzerte in Paris vor dem Hintergrund einer überdimensionierten amerikanischen Flagge veranstaltete.
‘It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)’ completely changes this framework of thinking. Those who criticize and protest, including the poet himself, are now also under criticism. In this song the focus has changed and the protest seems to have been taken to a new and higher level. The American culture – with its taboos: politics, sex and religion – is not spared in this song and it even goes further than that, in fact the whole human condition is under the knife and filleted in this song. [Kees de Graaf]
================== (weiter mit dem Zitat aus dem Jens-Hacke-Artikel:)
Die Abrechnung mit der Gegenwart korrespondiert bei Dylan bald mit einem Rückzug auf kulturkonservative Positionen. Das ähnelt in seiner Haltung den kritischen Theoretikern aus dem Hotel Abgrund. Wenn in Dylans religiös inspirierter Lyrik immer wieder von Sünde die Rede ist, kommt dies Adornos Verständnis vom totalen Verblendungszusammenhanggleich. Freilich spielen in Dylans Juden-Christentum spirituell-religiöse Desorientierungen eine ebenso wichtige Rolle wie die kulturindustriell und gesellschaftlich induzierte Verblendung des Einzelnen. Dieser Aspekt bleibt bis heute eine Konstante in Dylans Werk. […]
Obamas Schilderung dieser Begegnung, die sich in einem Händedruck nach dem von Dylan gesungenen Lied – „The Times They Are A-Changin’“ – erschöpfte, vermittelt einmal mehr den Eindruck, dass Dylan nicht so sehr daran gelegen ist, politische Wirkung jenseits seiner künstlerischen Ausdrucksmittel zu suchen. Die Präsidenten buhlten um ihn – nicht er um sie. […]
siehe zum Händedruck mit Obama - „Der Kongress teilt das Bett mit der Wall Street“ (22.05.2015 – Bob Dylan Performs at the White House) … ( und dann weiter mit dem Zitat aus dem Jens-Hacke-Artikel:)
… zeigte sich noch einmal die unglaubliche Vielseitigkeit seines Werks, das Folk, Rock, Blues, Country und Gospel vereinigte, die amerikanische Literatur, Shakespeare und die Bibel verarbeitete und überhaupt viel tiefer in der amerikanischen Kulturgeschichte verankert war, als man es bei einem Menschen in der Revolte erwartet hätte. Insbesondere Dylans Selbstversicherung der eigenen Wurzeln, die er seit 1988 in über 100 Konzerten pro Jahr praktizierte sowie in den beiden hörenswerten Alben „Good as I Been to You“ (1992) und „World Gone Wrong“ (1993) mit alten, vergessenen Folksongs dokumentierte, weckte neugieriges Erstaunen. In den 90er Jahren löste sich Dylan endgültig von modischen und kommerziellen Zwängen. Er steigt aus der Gegenwart aus und entwickelt sich zum Antiquar, zum Historiker, besinnt sich auf Traditionen und schöpft aus den Americana der vergangenen 200 Jahre, die er wohl wie kein zweiter Musiker kennt. So wandelte sich Dylan in der öffentlichen Wahrnehmung vom Avantgardisten, der den Rock einst mit Intellekt und Geist ausgestattet hatte, vollends zum Traditionalisten, vom Innovator zum trauernden Konservativen, der nach alternativen Lebensentwürfen fahndet und vergangene Vielfalt beklagt. Outlaws, Romanzen „verbotener Liebe“, Naturkatastrophen, mythische Geschichten, Heilige, der Amerikanische Bürgerkrieg – das sind die Themen, mit denen Dylan die Geister der Vergangenheit beschwört.
Bob picks up the guitar halfway through Simple Twist of Fate at The Chelsea at The Cosmopolitan in Las Vegas 10-13-2016. This is the first time Bob's played guitar on stage since 2012. This show took place on the day of the announcement that Bob had won the Nobel Prize for Literature 2016.
»Wenn er der Welt entsagt hat, so daß er nicht um seine eigenen Begierden noch um dessentwillen, was sein eigenes Selbst gebieterisch verlangt, zu ihr sich wendet, sondern allein, um Gottes Willen zu erfüllen – dann ist es seine Pflicht, zur Welt zu sprechen und mit ihr sich einzulassen, denn nun hält sie eine Mitgift für ihn bereit, die nicht ausgeschlagen werden kann, und die für niemand anderen erschaffen worden ist.« [’Abd al-Qādir al-Dschīlānī]
[…] Ich habe gar nichts gegen die Menge; Doch kommt sie einmal ins Gedränge, So ruft sie, um den Teufel zu bannen, Gewiß die Schelme, die Tyrannen. […] Was ich sagen wollt, Verbietet mir keine Zensur! Sagt verständig immer nur, Was jedem frommt, Was ihr und andere sollt; Da kommt, Ich versichr’ euch, so viel zur Sprache, Was uns beschäftigt auf lange Tage.
O Freiheit süß der Presse! Nun sind wir endlich froh; Sie pocht von Messe zu Messe In dulci jubilo. Kommt, laßt uns alles drucken Und walten für und für; Nur sollte keiner mucken, Der nicht so denkt wie wir.
Was euch die heilige Preßfreiheit Für Frommen, Vorteil und Früchte beut? Davon habt ihr gewisse Erscheinung: Tiefe Verachtung öffentlicher Meinung. […] Nichts schmerzlicher kann den Menschen geschehn, Als das Absurde verkörpert zu sehn.
Dummes Zeug kann man viel reden, Kann es auch schreiben, Wird weder Leib noch Seele töten, Es wird alles beim alten bleiben.
Dummes aber, vors Auge gestellt, Hat ein magisches Recht; Weil es die Sinne gefesselt hält, Bleibt der Geist ein Knecht. […] Das Tüchtige, und wenn auch falsch, Wirkt Tag für Tag, von Haus zu Haus; Das Tüchtige, wenn’s wahrhaft ist, Wirkt über alle Zeiten hinaus.
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